Ausgabe 
30.4.1908 Zweites Blatt
 
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Aus Stadt und Land.

Gießen, 30. April 1908.

Born städtischen Voranschlag, i.

Der nunmehr vorliegende Voranschlag der Stadt Gießen für 1908 schließt, ime wir schon vor einiger Zeil mitleilcii mußten, ohne Sleuererhöhung ab und gestaltete sich trotz erheblich ver­mehrter Ausgaben in mehreren fortlaufenden Ausgabcntcln erheb-- lid) günstiger wie der vorhergehende. Außer der natürlichen Zu­nahme des Ertrages an Gemeindesteuern nut rund 63 000 Alk. ist dies vor allein dem Umstand zu verdanken, daß die Kanalgebühren nunmehr in ihrem vollen Ertrag eingesetzt iverden konnten. Auch die Waldungen, die höhere und erweiterte Mädchenschule und einige andere Einnahme-Rubriken ivelsen ivcjeiUllch höhere Einnahme- Rubrlken am als das Vorjahr. Mehr rechnerischer Statur ist die bedeutende Erhöhung der Einnahmen unter den Titeln Kapimlznifen und Schuldentilgung. Tieie Erhöhung beruht darauf, daß nun­mehr die Verzinsung und Amortisation der Atifwendungen für dre Kanalisation aus den Einnahmen daraus zu bestreiten ist. Unter den Ausgaben ist namentlich die sich über verschiedene Titel des Betriebsvoranfchlags erstreckende Erhöhung der Beamten- und Lehrergehälier zu erwähnen. Es mag erwähnt werden, daß die Stadt Gießen insgesamt 331 Personen (Beamten, Bediensteten und Lehrern) Besoldungen zu bezahlen Hal einschließlich des Real­gymnasiums und der Overrealfchnle. Zu letzteren hat die Stadt einen Zuschuß von 39 660 Alk. zu den perwnttchen Ausgaben zu leisten. Die Betriebsrechimng schließt mit 2 707 344,bd Alk. in Einnahme und Ausgabe ab gegen 2 316145,27 Alk. im Jahre vorher. Tie Bermögeiisrechnung hat 2 124 496,78 Alk. Einnahme und Ausgabe gegen 2 344 066,04 Alk. im Jahre vorher. Ter ge­ringere Betrag beruht größtenteils am äußeren mehr rechnungs­gemäßen Ursachen und braucht deshalb hier mchl weiter erörtert zu werden. Sehr güiistlg für die fernere Gestaltung unferer städti­schen Flnanzeii ist die wesentlich niedrige EinsleUung von ge­liehenen Kapitalien. Während nämlich im Voranschlag von 1907 1862 159,93 Alk. Kapitalien in Einnahme standen, sind es diesmal nur 1 265 087,33 Alk. Zieht man die um riind 51 005 All. ver­mehrte Schuldentilgung in Betracht, so ergibt sich das erfreuliche Bild, daß die städtischen Schulden, die im vorjährigen Voran­schlag um 1698 729,62 Alk. stiegen, nach dem neuen Voranschlag nur um 1050 692,36 Mark zunehmen werden. Alit dem Zuendegehen der Kanalisauonsarbeuen hängt es zusamnien, daß der für Kanal- und Wasserbauten m der Vcrmögensverechnung vorgesehene Betrag, der un Vorjahr nach 380 000 Alk. betrug, ui diesem Jahr mit nur 159 u00 All. angesetzt wurde. Eine weitere wohltätige Folge der beendigten Kanaliiation ist in der ivejeiiliich erhöhten Fürsorge zu erblicken, die im loniineiiden Jahr dem Zil- stand unserer L>traßen gewidmet werden kaiin. Voranschlags- mätzlg kommt dies dadurch zum Ausdriick, daß für Erbannng, bezw. Wiederherstellung von Straßen, Wegen und Aiilagen die,es- nial 426 241 Alk. eingestellt sind gegen nur 141530 All. im Vor­jahr. Auch für die lausende StraßenumerhaUung werdeii rund 25 000 Alk. mehr verwendet iverden ioie im Vorjahr.

So bietet der diesjährige Voranschlag em durchaus günstiges Bild, das um jo erfreulicher ist, als viele anderen heisijcheii ^.läoie in diesem Jahre ihre Stellern beträchtlich erhöhen mußten (Djfen- bach, Darinsiadt). Zieht man aus den Zahlen des Voranschlags einen Rückschluß auf die Gestaltung der ivirlschaulichen Em- wickelmig Gießens, so kann gesagt werden, daß sie trog mancher bedenklicher und unerfreulicher Erscheinungen sich m durchaus ge­sunden aufwärts gehenden Bahiien beivegt.

Auf einige interessante Einzelheiten des Voranschlags werden wir noch näher elngehen.

** Ve rloren gegangene Hausindustrien. Das Interesse, das man neuerdings dec Heunatbeschäsltgung enl- gegenbrmgt und das die Ausstellung der Produtte der Heim» Industrie gezeitigt, offenbart die Wandlungen, die dieser Erwerbszweig durch den Geist der Zeit erfahren. Tadel zeigt es sich, daß mehrere Hausindustrien, die hauptsächlich während des Winters getrieben wurden, gänzlich oerloren gegangen sind. Ein Hauptzweig der Hausindustrie war die Leinweberei; sie stand früher tn hoher Blüte. Im Vogelsberg gab es fast kein Haus, in dem nicht em männ­liches Glied das Leinweben erlernte. Aber auch alle übrigen Glieder der Haushaltung waren mit dieser Industrie beschäf­tigt, insonderheit der weibliche Teil der Bevölkerung. Das Brechen, Schwingen, Hecheln, Spinnen und Haspeln geschah lediglich durch ihn. Die billige Baumwolle ließ den Flachs­bau veröden und die Leinweberel zu Grunde gehen. Heute erinnert nur noch das WortSpinnslube" an diesen ehemals blühenden Zweig der Hausindustrie, Spinnrad und Webstuht sind verschwunden. In Ober-Ohmen betrieb man früher sehr stark als Heimarbeit das Messerschmieden. Die m Ober- Ohmer Werkstätten erzeugten Messer gingen nach Solingen und von dort alsedjtc Solinger" in alle Welt hinaus, heute fristen nur noch ein paar Reste des Messerschmiede-

gewerbes ihr Dasein. Aehnlich blühte früher in Groß-Felda die N a ge l sch m i e der ei, d. h. das Schmiedeu von Schuh­nägeln. Auch diese Hausindustrie steht auf dem Aus­sterbeetat.

x Nidda, 29. April. Gestern waren es 25 Jahre, - daß Lehrer Küfer in den Schuldienst und zugleich in das Lehrerkollegium der damaligenErweiterten Volksschule", jetzigen Höheren Bürgerschule" eintrat. Schon der Uinstand, daß bet dem häufigen Wechsel der Lehrer an solchen kleinen Schulen Herr Küfer stets an der Schule blieb, war für diese von hohem Wert. Noch mehr verdankt die Schule dem, was er an ihr geleistet hat. Außer den Realie, durch den Besuch des Gießener Gymnasiums unter Schiller bis Ober- Sekunda befähigt, Griechisch, Lateinisch und Französisch zu unterrichten, hat er in den 25 Jahren die Schule in die Lage versetzen helfen, einer Anzahl junger Leute die Vorbil­dung zu ihrem späteren Studium zu geben. Herr Küfer ha durch Selbststudium sich immer weiter gefördert, und die Höhere Bürgerschule kann sich beglückwünschen, einen solchen Lehrer zu besitzen. Wir wünschen Herrn Küfer eine noch recht lange, gesegnete Wirksamkeit.

Marburg, 29. April. In einer stark besuchken Mitglieder­versammlung nahm gestern der Liberale Volksverein Al a r b n r g (Ortsgruppe der Freisinnigen ^Bereinigung) Stellung zu den Ergebnissen des F r a n k s u r t e r P a k e i t a g e s. Nach iebhaster, mehrstündiger Debatte gelangte nachstehende Resolu­tion einstimmig zur Annahme:Der Liberale Volksverem Mar- bürg, durch seine Beziehungen zu Herrn v. Gerlach als ehemaligem Reichstagabgeordneten und seuberigem Reichstagskandidaien des Diarburger Wahlkreises an dem Konflikt besonders interessiert, spricht sein lebhaftes Bedauern aus über den auf dem Frankfurter Parteitag erfolgten Bruch. Er steht k e t n e n G r u n d, aus diesem Anlaß jein altes Ver trauensverhä ltniS zu Herrn v. Gerlach zu lösen, da die polnische lleberzeugung des Herrn v. Gerlach die gleiche geblieben ist wie zuvor. Er will aber anch seine o rg a n i s ch e V e r b i nd u ii g mit Dem L i b e r a l en Wahl- verein nicht aufgeben, in dem Vertrauen, daß der Liberale Wahlverem bezw. tue Freisinnige Vereinigung nach der Frankfurter Katastrophe erst recht das Programm eines entschiedenen Liberalis­mus vertreten und verfolgen wird. Was bei dieser Stellungnahme zu beiden Teilen an Schwierigkeiten der inneren Lage für"ihn zu überwinden bleibt, stellt der Liberale Voiksvereiu Warburg der zukünftigen Entwicklung anheim, die unter dem Truck der öffent­lichen Gesamtpolitik bald weitere Klarheit bringen muß."

() Mar.vurg, 29. April. Tw im lehren Winter mit so großer Beteiligung zum erfienmal ar-gehaltenen studenti - scheu Unterrichtskurse für Arbeiter und fiemc Beamte sollen in diesem Sommer ihre Fortsetzung finden. Die Sradtveroroneien stellten aus Antrag ein Schuttoral zur Verfügung.

X Weidenau, 29. April. In der Mädchenschule ent­stand durcy eine Ratte eine Panik. Das Tier kroch einem Kinde unter die Röcke uno biß sich am Körper fest. Der Lehrer ve,rette das Mädchen, das ohnmächtig wurde, und brachte es zum Arzt, der mehrere Bißivunden fest­stellte.

Ter ausgezeictmete Ehirurg und Direktor des Aioabiter Kranken­hauses zu Berlin Geh. Aledlzuialrat Pros. Eduard Sonnen- bürg ist zum ordentlichen Honorarprosesjor m der medizinischen Fakultät der Universität Berlni ernannt worden.

Ter befannie Proießor des Siacusrechis an der Universität Straßburg Paul L a b a u d feiert am 2. Mai fern 50jahnges Toktorjubiläum und am 24. Mai feinen 70. Geburtstag. Tie Universität gibt ihm am 2. Mai ein Festmahl.

Im Oktober wird die erste ägyptische Universität nach europäischem Vor bilde m Kairo eröffnet. Ein­geborene Großgrundbesitzer haben das Gelände unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Tie Vorlesungen werden sich zunächst erstrecken auf tranzosische, englische unb arabische Literatur, sowie am arabische und allgemeine Geschichte. Tie Vorlesungen sind unentgeltlich. Bisher sind 2oO 000 Alk. für den Universilats'onds zusammengebracht worden. Tie Lehrer werden aus Frankreich, England, der Schweiz und Teutschlaiid gewonnen. Rach Pans, Oxford, Cambridge und und Leeds sind bereits einige Studenten zur Ausbildung als spatere Universitätslehrer gejandi worden, Außerdem werden noch die Universitäten Berlin und Bern in Erwägung gezogen. Die Gründung der ägyptischen Universität erfchemt Ketmern des Landes nicht zweckmäßig.

Vermischtes.

* Der deutschen Marine ist wieder einmal ein sehr bebau er hdjer schwerer Unfall zugestoßen. Aus Kiel meldet W. T. L. vom 29. April: Bei einer Sprengübung vor deut Schiffe E l s a B" gestern abend 8 Uhr in der Kieler Bucht wurde durch

kleines LeuiUeton.

zu braten und zu verspeisen, den er

daraus bt

rnst von Wolzogeu, Der bcumiite Literatur-Baron, bet geistige Vater des prächtigenKrasimayr'tz dieses höchst lustigen und unterhaltsamen Romans aus Weimars Liszt-Periode, der Schöpfer der emzigeu deutschen liirrarisaMN Posse, des lange nicht nach Gebühr gewürdigtenLumpengesindelsder wirkungsvollste Propagandist des nun hingst selig entschlummerten Ueberbrettels, hat sich bekanntlich seit Jahr uno Tag Hessens Landeshauptstadt zum Wohnsitze erkoren. Häufig begegnet man ihm seitdem als geiftreichem Feuilletonisteii in derFranks. Zig.", gelegentlich auch einmal in derJugend"^demLiterarischen Echo",Nord und Süd" usw. Mit größeren Sachen ist er aber in der letzten Zeit seltener als früher ausgetreten. Seine neuesten fKomane sind betiteltDie Großherzogin a. T." undD erBibelhas e". Ter erstere erscheint zurzeit imVerl. Tageblatt", und der andere kam vor kuvzeni in Eugelhvrns Ironianbwlivthek heraus. Es ist schade uin das reiche, einst so viel versprechende Talent, das lich leit wahren in Nichtigkeiten verzettelt und den schmalen Weg zur Höhe nun wohl sür immer verpaßt Hal. 'Nicht daßTer Bibelhast" etwa eine langweilige ^ajariete ober ein trostloses Machwerk vom 'Range bei Ohnets und vieler anderer mit Recht bei allen alten Tanten beliebten Lieferanten von K'mstejchwcster- rornanen sei. Diese kurioseBegebenheit aus der Fridericianischen Zeit" ist vielmehr ganz amüsant erzählt, mit der sorgws zwang- loseti Frische uno Unbekümmertheit, die man dem Verfasser seit seiner tolltunenGlortalwsc' nacyzurühmen hat. Und ein Kapitel, das des Abivrens der lieblichenHeldin" des Romans, dcsDors- pfarrerStöchtercheiis, in das gewitter,chwüle Wawesdicticht ver­botener Liebe, ist von so inniger Zanheic und lyrischer Stim- mungsft^st bei aller Leidenscha,ttichreit, oaß man an oiücie von unser,ii besten Novellisten erinnert wird, 'etuch Wolzogens ernst io keruirischer Humor bricht sich hier und da durch matte, er* ftndungs^ruie, bllllwseBegeoenyims' -Schlloerungen siegreich Bahu. -oin ganzen genommen aber beoeuteiTer Bwelhaje ' doch nur erne Bereicherung Der überreiaien Bravellut-VerDauungstekiüre Xer Oberprasident Gommerns, Frhr. v. Acalizahn-Güttz, ent= wüte in ben Kirchenaiten irgend eines hinterpommerschen Tört­chens eine KabinetrsorDve Friedrichs des Großen, in der es heißt, daß der leweittge boctige Torfpfarrer das 9tea)t haben solle, jeden Hasen für sich zu behalten, zu braten und zu verspeisen. Den er auf dem Ei'liesauer mn ।einem Bivelouche zu Tode zu schmeißen im- ftaiiDe >ei. T>es joiaic ;)ici!ribi des huiuoroolten und apiiiri-inV-H

f ------ (uilriyi des hu.lwroolten und geistreichen

großen Pre.,,,entou,gs fl.ln Der Oberpräsrdent Wolzogeu zu, der

/'-ug Geschichte uontBibelhasen" frei ge

ttaueu u.. uiui ... iS, oau Wal zogen cs fa,t ganz unterlassen hak, die bainai.icien jammer Kien sozialen Verhältnisse des norb- deutscher: < (iiiex.iu:. at anschaulichen SchilderutiÄn darzu- Sellen, wozii treffliche Gelegenheit gegeben war. Dadurch hätte

der Roman auch an luerariictjem Werre, ganz angesehen vom kulturellen, we,entsteh gewinneit können, zumal Wvkzvgen sehr wohl dte Gabe zuzukrauen ist, daß das in vollkommen unauf- brrnglicher, durchaus geiajmaauoller, küustlerisü-er Form hätte ge- fchehen können. Doch Wolzogen toiro lewer als künstlerischer Gestaller immer flüchtiger, oberflächlicher. Im wogenden Groß- ftaDt.rubel^ Münchens und Berlins zersplitterte, zerflatterte fein xaknt. Im stillen Darmstadt wuchsen ihm feine neue Flügel. Mau luiro sich mll der Tatsache absinden müssen, daß von Wvlzogen Bleibenbes nicht mehr zu erwarten ist. Die Ausstattung des qe-. bunbenen Buches durch die Verlagsbuchhandlung ist übrigens erstaunlich altmodisch.

Ein Großfürst a l s R o m a ,i s ch r i f t st e 11 e r. Ans Loiidon ivird uns berichtet: Großfürst Michael von Rußland der wegen jeiiier Heirat mit der Gräsin Torby seiner 8eit aus Nußlaiiü verbannt wurde, der V e 11 e r des Zaren läßt so­eben m London einen Roman erscheinen, in dem er die'Geschichte einer Liebe und seiner Eriahrungen im Exil in künstlerncher Ver­hüllung niederlegt. Tas Blich führt den TitelMever bay Die unö in ihm erscheint der Großfürst als ein deutscher Prinz ber unter jemem Stande heiratet und nun gegen die Femdjchait aller feiner Angehörigen zu ringen Hal. Lieber die Tendenz des Werkes das die WidmungAlemer Frau" trägt, gibt ein Vorwort Auf- 1(4)1119, ui dem es heißt:'Als Angehöriger eines Kaiferhaujes mochte ich der Welt beiveisen, wie falsch die Alemung der All­gemeinheit ist, nach der wir die glücklichsten Gefchöpie dieser Erde sind. Gewiß leiden wir an äußeren Glucksgüiern feinen Mangel «bei ist Reichtum das einzige Glück am der Welt? Alan möge bedeuten, wie viel äußere Pflichten mit unserer Stellung verknüpft sind, ivie viel mehr als gewöhnliche Sterbliche ivrr der onem- Udjen Alemung ausgesetzt sind. Was ist das größte Glück m öieiei- UiSelt? Gewiß die Liebe zu einer Frau die Wahl unjerer funmgen Gaitm. Und selbst hierin besitzen wir nicht die ftreibeu des Privatmannes." ° J

~ 1 e drahtlose Telegraphie i m Die n ft ber x C V,er £ lLn ö e* der letzten Sitzung der Parijer Akademie der Wlsienschaiten hat Professor Vigourdan vom Objervatorimn einen imeiessamen Vorschlag emgebracht, der die Lücke m der Wetter- funöe beseitigen soll, die dadurch emsteht,daß über die meieorologlscheii Eischeulmigen Mi Gebiet des Atlaniifchen Ozeans regelmäßige Be­richte iehlen. Die mit drahtlosen Apparaten ausgeriineien Schnell­dampfer sollen künftig über alle Sturm- oder Winderscheümnaen denen sie wahrend ihrer Fahrt begegnen, den tontientalen meteoro- la'Ichen Stationen Nachricht geben unö so Befchlemngung der Be­rechnungen ermöglichen. H 9

Kleine Ehronik aus K u n st u n d W i s s e n f a f t ^^öpenbageu ift am 29. Aprll der dän. Romanschrätsteller V. F. E w a l d, 86 Jahre alt, gestorben.

Versehen in der Bedienung eine Sprengpatrone, die in einer als Sprengboot dienenden Dampspinasse lag, vorzeitig entzünde' Durch die Explosion der Patrone wurden getütet: der Tor- pedobootsmannsmaat Gustav Löwe, der Torpedooberuiatrose Wciu,-- lafs und der Oberheizer Wurm. Schwer verwundet mürben- die Torpedoobermatrosen Tamcrow und Mütter III und bet Torpedomatrose Skcnzingcr. Leicht verwundet inurben der Fähn­rich z. S. Jürgens und der Maschinistenmaat Grooth.

* Ein ne unfad)er Morder. In Oberndors dem bekannten thüringischen Kurorte, ist nach demApoldger Tagebl.", das uns ein in ?lpolba lebenderalter Gießener" freundlichst zusendet, ciii verhängnisvoller Fund gemacht worden, und zwar ans einem Acker, den früher jener Koch bewirtschaftete, von dem wir bereits meldeten, daß ihm zwei Morde nachgewiesen morden sind. Es fa n dort ein Frauen-Haarschops zutage, der teilweise geflochieii war und in dem sich noch Haarnadeln besanden. Weiter kamen an­gekohlte menschliche Knochenresre an die Oberfläche. In­zwischen hat die Gendarmerie eine Fülle von Anhalts­punkten ermittelt, die es zweifellos erscheinen lassen, daß Koch noch eine ganze Reche von Mordtaten begangen hat- I. Die Witwe Lutse Müller hcelt sich voin Juni vis August v. I. in Apolda auf. Dann ging sie zu Koch als Wirt- schasterin. Sie ist seitdem verschwunden. 2, Frau Schütze aus Apolda ist im Januar vorigen Jahres ungefähr 2U Tage bei Koch als Wirtschafterin tättg gewesen und ebenfaibi verschwunden. 3. Von der HandelSfrau Clise Fuß ,rehf es mit aller Bestimmtheit fest, daß jic sich am c>. August v. I. zum Verlaus von Stlbcrsand uach Oberndorf be­geben hat. Ihr Äerschsvinden luiTO Koch aufs jtonto ge­setzt. 4. Im Oktober 1905 verschwand die Handelsfrau Schmidt, deren Leichenresre nach einem halben Jahre in der Ilm gefunden wurden. 5. und 6. Die Ermorviuig seiner dritten Frau und der Frau Zeise aus Apoida hat Koch cin- gestauden. 7. uud 8. Von der zweiten Frau Kochs und dem blinden Sohne Kochs wird vermutet, day er sie um­gebracht hat. 9. Schon vor 30 Jahren scharrte in Oberiidorf eine Katze einen avgeschltittenen Men,chenfuß ans. lieber diese Tatsache, die an die Ennoroung der dritten Frau Kochs erinnert, konnte nichts ermittelt werden. Koch hat also wohl schon daina.s sein Morvhandwerk betrieben. Au, eine die|ic Bkuttacen dnr,te auch noch fütgeiiver Fand zuräetzusuhren sein, den man im Sominer vorigen Jahres machte und in dem man einen Studenten-revek vermutete. Beim Fischen im Mühlgraben zwischen Suizoach und Obernoors fand man auch das Skelett einer menschlichen Ha na im Netz.

* Brände. Em Braud, dem ein Aienscheiileben zum Opfer gefallen ist, hat das ponim. Tors Karzig hcuugeiucht. 8 Wohn- yäufer soivie 6 Scheuilcll und Ställe mürben eingeäschert. Tie öjaljiige Tochter des Besitzers Popilka kam m den Flammen um, 13 Familien sind obdachlos. In Al o ll a n bei Leipzig ,,l die biühniafchlneniabrll Robert Klehle zinn Teil nieöergebrainn. 'älainenlllch der Alodell- und Pollersaal wliröen voin Feuer oev- 1111'1)161.

* SS o m Aetna. Vorn Observatorium aus dem Aetna wird gemeldet, daß wieder dichter Rauch aus dem Mittelkrater aus- Iteigt. Am Mitnvoa) begannen um 5.30 llhr srüh die Instrumente ein lokales Erdbeben zu verzeichnen. Lieber den Ortschaften Battbttbove uiit> Trifoglieko lagerten sich Massen schwarzen Rau^s. In Lmguaglofsa, Zapparana und Santavenerina würben mehrere Erdstöße verspürt, üerbunben mit unterirdischem Getose und star­kem Aschenregen. Am Aetna öffnete sich in der Richtung nach Ballcdelbove ein neuer Krater, aus dem jetzt auch eine hohe Rauchsäule aufsteigt und heißer Afcheregen herniederfälll. Die Bevvlferung ist sehr beunruhigt; man befürchtet ähnliche Ver­wüstungen wie bei dem letzten Ausbruch. Die großen Rauch- mcngen lassen vermuten, daß sich noch ein neuer Krater an anderer Stelle bilden könne.

der Station Gießeu.

April

1908

Weller

Q -

C c

Ä

29.

2»6

747,0

8,9

6,3

74

NE

2

Regen

29.

926

750,5

8,4

7.5

92

NNW

2

Klarer Himmel

30.

754,6

5,9

6,1

88

SW

2

Sonnenjchein

Höchste

Tempi?

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11 28.

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29. Apr

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10,2 6 C.

9liedrigste 28. 29. - -j- 7,2 " 0-

Teietonescaie des Giessenei Anzeigers, mitge und Indnsli Frankfurter itori 3^°/0 Reichsanleihe . . 91.25 0-6 do. . . 81.70 3>ä°/0 Konsuls .... 91.05 do 81.75 u/4u/0 Hessen 90.60 3>6U/O Oberhessen . . . 91.50

i>o Uesterr. Goldrente. . 98 70 4l/6 % Uesterr. öilberrente 09.40 4zo Ungar. Goldrente . . 93.35 4>0 Italien. Rente . . . . 3>'o Portugiesen tierie I 60.80 3-6 Portugiesen UI 62 00 1>5v/8 russ.btaatsanl. 190o 94.70

uy0 japau. Staatsanleihe 86.70 4% Conv. Türken von 1du3 65.50 Türkenlose 149 60 i-6 Gneeh. Konopol-A.nl. . 49.0u

äussere Argentinier . 85.00 0% Mexikaner . . . 66.40 4>äu/o Chinesen .... 95.30

Aktien:

Bochum Guss 218.50 Buderus E. W U2.7i»

1 enden ü : behauptet.

berliner morse, 3< Canada E. B 153.30 Darmstadter Bank . . . lub.iu Deutscue Bank .... 232.4t) Dortmunder-Union C. . . Dresdner Bank . . . 138.2t

Tendenz: unentschieden.

üuirsi9er<ic.6te

;eilt von uer Bank litt Handel ie, Giessen.

e, 30. April, 1.15 Uhr.

Elektnz. minneyer . 122.80

Elektnz. öchuckert . . . 110 90 Eschweiler Bergwerk . . 213.ÖU Gelsenkirchen Bergwerk 194.30 Hamburg-Aiuenk. Paket!. 113.00 tiarpener Bergwerk. . 200.60

Laurahütte 210.76 2\ordd. Llojd . ... 97.50

Ubeischles. Eisen-Industrie 101.30 Berliner üandelsges. . . 162.00 Darmstädter Bank . . . 124.70 Deutsche Bank .... 232.26 Deutsch-Asiat. Bank . . 136.UU Diskontu-Kommanuit. . . 174.40 Dresuuer Bank .... 138.20 Kreuitaktieu 198.00 Baitimure- und Ohio-

Eisenlaün.....85.90

Gotthard bahn

Lombaru. Eisenbahn . . 23 60 uesterr. btauisuaiin . . . 147.30 l'nnce-lienri-Bisenbahu . 118.00

April. Anfangskurse.

Uarpeuer Bergwerk. . . 201.00 uamau ätte 210.75

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