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30.4.1908 Erstes Blatt
 
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Zürst zu Eulenburg und die Staatsanwaltschaft.

Eine hervorragende Persönlichkeit äußert sich folgendermaßen gaunFall Eulenburg":Ich will mich nicht auf meine ju­ristischen Kenntnisse berufen, aber ich habe gerade in den letzten Tagen mit namhaften Juristen, mit vielen Beainten und Offi­zieren über die Angelegenheit gesprochen, die ja seit acht Tagen das allgemeine Gesprächsthema ausmacht. Ich möchte vorauf­schicken, daß ich weder Herrn Harden noch den Fürsten Eulenburg kenne und daß keiner von beiden Gelegenheit gehabt hat, sich je mit meiner Person oder mit meiner Tätigkeit zu befassen. _ Die Seftiire derZukunft" hat mich veranlaßt, häufig in Gesprächen gegen die Auffassung L>es Herausgebers scharf Stellung zu nehmen. Aber hier handelt es sich weder um die Person des Fürsten Eulen­burg noch um die des Herrn Harden, sondern lediglich um die Sache. Eine Rechtspflege, die das Vertrauen aller Schichten der Bevölkerung gleichmäßig besitzt, ist eine der erhaltenden Grund­lagen eines großen Staates. Wie verhält es sich nun damit im Falle Eulenburg-Harden? Es ich nicht richtig, daß hier Eid gegen Eid steht, vielmehr stehen drei Eide von Männern, die bisher von den Richtern, vor denen sie geschworen haben, als glaubwürdig befunden worden sind, gegen einen Eid des Fürsten Eulenburg! Dazu kommt, daß Fürst Eulenburg in seinem eigenen Interesse gefcEnwren hat, während die Zeugen gegen ihr eigenstes Interesse Zeugnis abgelegt l^ben, indem sie, um einen Meineid zu vermeiden, Ehre und Reputation opferten. Der Zeuge Boll- hardt hat, das ist doch unvergessen, eidlich bekundet, ein Eulen­burg habe an den ekelhasten Orgien in der Adlervilla teilge- twmmen, und in dem Bilde des Fürsten Philipp Eulenburg diesen Äilenburg wiedererkannt! Die Konfrontation konnte nicht stattfinden, weil Fürst Eulenburg sich damals weigerte, sich von dem Zeugen Bollhardt betrachten zu lassen. Die Zeugnisse von Riedel und Ernst vor dem Münchener Schöffengericht sind in aller Erinnerung. Ter Verdacht, daß Fürst Eulenburg etwas beschworen hat, was er unter dem Eide nicht verantworten kann, ist sehr stark, besonders stark, wenn man bedenkt, daß von Justiz- lat Bernstein noch vier weitere Tatzeugen in Aussicht gestellt sind. Die Staatsanwaltschaft meint, sie müsse erst die Akten des Münchener Prozesses abwarten. Diese Argumentation kann ich nach meinem Iiechtsgefühl nicht für stichhaltig halten. Wir haben Telegraph und Telephon. Hätte die Staatsanwaltschaft sich mit dem Vorsitzenden des dldünchencr Gerichts, dem Oberlandesgerichts rat Mayer, telegraphisch und telephonisch in Verbindung gesetzt und sich von ihm nur die Glaubwürdigkeit der beiden Zeugen Ricdei und Ernst bestätigen lasset!, so hätte sie bereits am Tage nach dem Prozeß in München einschreiten tonnen. Jetzt sind achi Tage vergangen, ohne daß aus der durch den Münchener Prozeß geschaffenen Rechtslage die einzig mögliche Konsequenz gezogen wäre. Unzweifelhaft hätte man sich der Person des schwer ver­dächtigen Fürsten ohne Säumen versichern müssen. Eine so­fortige Haussuchung beim Fürsten Eulenburg sowie bei dem ihm bis in die letzte Zeit intim befreundeten Fischermeister Ernst in Starnberg war die Maßnahme die allgemein und mit Recht erwartet wurde. Tenn § 112 der Strasprozeßordnung bestimmt, daß Fluchtverdacht die Untersuchungshast bedingt und der Verdach. der Flucht keiner weiteren Begründung bedarf, wenn ein Ver­brechen vorliegt. Tie Verdachlsgründe gegen den Fürsten Eulen­burg sind durch die beschworenen Aussagen die allerdringendsten; Gerüchte, Fürst Eulenburg wolle sich ins Ausland begeven, sind mehrfach ausgetaucht. Wenn Fürst Eulenburg falsch geschworen hat, so liegt ferner die Gefahr vor, daß die Spuren seiner Taten vernichtet, daß Zeugen oder Mitschuldige zu falscher Aussage verleitet werden können. Der 8 112 spricht aber ausdrücklich von der Gefahr, daß sich der Angeschuldigte der Strafverfolgung entziehen oder seine^Machtmittel benutzen könne, um Kvllusiou (Verdunkelung des Tatbestandes- hcrbeizusührcn. Um die Be- weissicherteng zu verbürgen, wäre cs entschieden auch sehr wert­voll gewesen, wenn bereits am Mittwoch voriger Woche die Kor­respondenzen des Fürsten, sein Geldverkehr usw. durch Haus­suchung festgestellt worden wäre. Wichtige Resultate wären wohl auch bei gleicher Maßnahme bei dem Fischermeister Ernst crrcicijt worden. Zweifellos liegt hier eine für die Rech.spflege in hohem Maße bedauerliche Untätigkeit der Staatsanwaltschaft vor. Mir ist unter anderem gesagt worden, dem Oberstaatsanwalt Jsenbicl werde es sehr schwer fallen, seine irrtümliche Beurteilung der Person des Fürsten Eulenburg zu korrigieren. Tas halte ich für vvllkonimen ausgeschlossen, denn es matte natürlich für den Berliner Oberstaatsanwalt sehr viel peinlicher, wenn ihm dieser Irrtum erst noch von anderer Seite nachgewiesen würde. Sucht rr dagegen mit allen ihm verfügbaren Mitteln das Recht und findet er es im gegenteiligen Sinne jeinec früheren Auffassung, so kann er sich dadurch nur die allgemeine Anerkennung und der Staats­anwaltschaft wirtlich den Ruf erwerben, daß sie die objcktlveste Behörde der Welt ist. Ganz verkehrt, so schließt die Auslassung, ist aber der Glaube, dem man vielfach begegnet, als wünsche der Kaiser seinen früheren Freund geschont zu sehen. Fürst Eulen­burg wäre, soweit ich unterrichtet bin, auch ohne den Mlutchener Prozeß niemals vom Kaiser wieder angesehen worden. Außerdem ist der Kaiser nicht der Mann, jemand zu schützen, der so schwer gefehlt hat.

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Wenn übrigens das Ermittelungsverfahren in der Mcineids- sccche gegen den Fürsten Eulenburg, wie nach den letzten Aus­sagen in München ziemlich sicher ist, in für den Fürsten un­günstigem Sinne abgeschlossen sein wird, beabsichtigt die Staats­anwaltschaft, sofort die Voruntersuchung zu erössnen, die dann von einem Berliner Richter zu führen >väre.

In München ist außerdem ein weiteres Ermittelungsverfah­ren eingelcitct, da dringende Verdachtsmomente dafür Vvrliegen, daß an dem Zeugen Fischermeister E r n st der V er such einer Beeinflussung seiner Aussage (§ 159) stattgefunden hat.

In den zu erwartenden Prozessen soll, wie man sagt, auch mit dokumentarischem Material gearbeitet werden. Viel­leicht handelt es sich um Teile des Briefwechsels zwischen dem Fürsten Eulenburg und dem verstorbenen Horst von Fahrenheit und um schriftliche Aufzeichnungen des früheren Privatsekretärs, jetzigen Schwiegersohnes des Fürsten, Jarolimek.

Aus Statt und Land.

Gießen, 30. April 1908.

Regimentsbesichtigung. Zur Besichtigung mtseres Infanterie-Regiments, die in den nächsten Tagen stattfindet, sind der Divisionskommandeur General­leutnant von Strantz und der Brigadetominandetir General­major von Francois heute hier eingetroffen. Beide haben im HotelGroßherzog von Hessen" Wohnung genommen. Der kommandierende General, General der Infanterie von Eichhorn, der morgen hier emtrifft, wird ebenfalls im Hotel Großherzog absteigen.

''Der Landesausschuß der hessischen Zen - krumspartei tritt heute, Donnerstag, zu einer Sltznng m Mainz zusammen. Die bevorstehenden Landtagswahlen bilden den Hauptpunkt der Tagesordnung.

** Weitere O-Züge und durchgehende Wagen. Die deutschen Eisenbahnverbindungen werden nut dem Inkraft­treten des Sommerfahrplans durch zahlreiche O-Züge und durchlaufende Wagen verbessert. So sind u. a. folgende Neuerungen eingetreten. Die vor 2 Jahren eingerichteten Nachtschnellzüge von Berlin über Nordhausen, Cassel und Frankfurt nach Basel und zurück, ab Friedrichstraße 9,38 abends, an 7,49 früh, werden aus der Hauptstrecke seit ihrem Bestehen als O-Züge gefahren. Tie Anschlußzüge von Gießen über Koblenz nach Metz waren dagegen bisher gewöhnliche Schnellzüge. Sie werden jetzt ebenfalls als V-Züge ein­gerichtet. Sie gehen von Gießen früh 5,56, von Koblenz 8,38 und sind 12,11 in Metz. Der Zug von Gießen nach dem Westen erhält auch den durchlaufenden Wagen

Gi en - Lux em b urg, an 12,11. Von Berlin au5 hat man bis Trier, an 10,27, Gelegenheit zum Umsteigen in den Wagen nach Luxemburg. Während die Züge Berlin-Basel nur 1. und 2. Klasse haben, führt der Anschlußzug von Gießen nach Metz und Luxemburg auch die 3. Klasse.

** Pädag. Ku rS. Die Anmeldungen für den Darm­städterPädagogischen Kursus" sind so zahlreich eingelaufen, daß eine Anzahl Meldungen zurückgestellt werden mußten. An dem diesjährigen Kursus beteiligen sich 80 Abiturienten höherer Lehranstalten, die alle nach Absolvierlmg ihrer Aus­bildungszeit im Volksschuldienst Verwendung finden. Wenn die Beteiligung für die Dauer in diesem Maße anhält, bann kann von der Errrichtung eines vierten Lehrerseminars in Hessen Abstand genommen werden.

** Groß-Brauereien und Wirte. Der letzte Bier­krieg hat zu dem Zusammenschluß der Brauereien geführt, was nach Schlichtung der Differenzen für eine Reihe von Wirken heute noch nachteilige Folgen hak. Von allgemeinem Interesse ist daher folgende Resolution, die der 25. Delegierten- tagdesRhein-Main-Gastwirteverbandesam Dies- tag beschlossen hat:1. Die Erhöhung der Bierbezugspreise hat alle hessischen Wirte in den Städten und Bezirken schwer ge­schädigt, in denen der Bierausschankpreis nicht oder nicht ent­sprechend erhöht werden konnte. Der Delegiertentag fordert daher die Brauereien auf, in solchen Bezirken, in denen die Bieraus- fchankpreise nicht erhöht werden konnten, den Wirten die früheren Bierbezugspreise, wie sie vor der Erhöhung bestanden und auch jetzt noch in manchen Orten bestehen, vom 1. Juli 1908 ab wieder zu berechnen. 2. Der durch die Verträge der zu einem Verband vereinigten Groß-Brauereien der einzelnen Brauerei ge­währte sog. Kundenschutz hat sich in zahlreichen Fällen als ein schwerer Eingriff in die persönliche Freiheit des Wirts erwiesen und auch in vielen Fällen große Schäden und Nachteile dem Gastwirtestand zugesügt. Abgeschlossene Verkäufe von Wirtschasts- anwescn mußten rückgängig gemacht und Wirtschaften konnten nicht anderweitig verpachtet werden, weil die durch den unter den Brauereien bestehenden Vertrag geschützte Brauerei, der die Bier­lieferung gesichert war, auf die Bierlieferung nicht verzichten, aber auch das betr. Wirtschaftsanwesen nicht weiter mieten bezw. nicht kaufen wollte. Es erscheint daher als eine ernste Pflicht des hessifchen Gastwirtestandes, mit alten erlaubten Mitteln für die Beseitigung dieses Kundenschutzes der Großbrauereien einzu­treten, um das Gastwirtgewerbe vor ferneren schweren Benach- tcüigungcn zu bewahren. Der Delegiertentag fordert zugleich sämtliche Verbandsmitglieder und alle Verbandsvereine dringend auf, mit allen Kräften und Mitteln dazu beizutragen, daß diese berechtigten Forderungen baldigst erfüllt werden. Der Verbands­vorstand soll zu dem Zweck eine schriftliche Aufforderung an die in Betracht kommenden Brauereien ergehen lassen und ferner, wo ausführbar, große allgemeine Wirteversammlungen einberusen. Sollten die Brauereien auf das Ersuchen der Wirte nicht ein­gehen, so wird hiermit der Verbandsausschuß beauftragt, einen außerordentlichen Delegiertentag einzuberufen, in welchem die weiteren Schritte beraten werden sollen. Zu diesem Delegiertentag sind auch die Vertreter sämtlicher Wirte-Brauereien ein­zuladen, wenn möglich auch ein Vertreter der allgemeinen Zentral­stelle in Berlin, damit auch an die Errichtung eigner Brauereien oder der Anschluß bezw. der Bierbezug von bestehenden Wirte- Brauereien ins Auge gefaßt werden kann, wenn die Brauereien die berechtigten Forderungen der Gastwirte nicht erfüllen sollten. Tie hessischen Wirte bedauern, daß sie durch das Verhalten der Brauereien gezwungen sind, in dieser Weise vorzugehen, um die Existenz vieler Wirte von einer schweren Bedrückung zu befreien, und um die Freiheit der Wirte über ihre Anwesen inbetreff Bierbezug (Kundenschutz) wieder herzustellen, wie es früher zum Vorteil von Brauereien und Wirten der Fall war."

** Mit dem Schlüsse des letzten Schuljahres u't für manchen Knaben die scböne Zeit vorbei, in der er mit gleichalterigen Schulkameraden die freie Zeit beim Spiel im Freien verbringen konnte. Jetzt kommen die Lehrjahre, in denen der weitaus größte Teil des Tages in der Werk­statt, der Fabrik, der Schreibstube ober bem Laden zugebracht werden muß. In dieser Zeit, die mit der Entwicklung des menschlichen Körpers so eng verbunden ist, ist es doppelt wichtig, daß die jungen Leute nach der meist einseitigen Berufstätigkeit die Feierabeudstunden richtig, b. h. ihrer Ge­sundheit dienlich ausnutzen. Es ist deshalb eine sittliche Pflicht der Eltern und Lehrherrn, dahin zu wirken, daß ihre Pflegebefohlenen durch körperliche Ucbungen die Kraft und Gesundheit ihres Körpers sich stählen und erhalten. Der Satz:9lur m einem gesunden Körper wohnt em gesunder Geist!", dessen Richtigkeit schon im Altertum bekannt war, sei dabei von jedermann besonders beherzigt. Die Gelegen­heit, Körper und Geist zu üben und zu stählen, bietet sich heute in allen der deutschen Turnerschaft angehörigen Turn­vereinen, die es übernommen haben, jüngere Leute im Alter von 1418 Jahren als Zöglinge auSzubilden und sie so einmal an Zucht und Ordnung zu gewöhnen, zum anderen aber auch sic den gefährlichen Lockungen schlechter Gesellschaft zii entziehen. Wir empfehlen daher den jungen Leuten den Eintritt in die deutschen, d. h. vaterländischen Turnvereine. Für Gießen kommen der Turnverein und der Männer-Turn- vcrein in Betracht. (Siehe die Anzeige des Männer-Turn. Vereins im Anzetgeteil.)

"'Preußische Klassenlotterie. Die Schlußziehung der 218. Lotterie beginnt demnächst und währt vom 6. Mai bis 3. Juni. Die Erneuerung zu eben dieser Klasse hat biö spätestens zum 2. Mai, abends 8 Uhr bei Verlust des An­rechts bei dem Einnehmer planmäßig zu geschehen.

** In dem Konkursverfahren über das Vermögen der Firma Max Wertheimer u. Cie. steht am 2. 'J)t a i l. I. Prüfungstermin. Wie uns der Konkursverwalter, Rechtsanwalt Keil in Büdingen, mitteilt, kann mit Rücksicht darauf, daß sich die Bücher und die zur Prüfung der ange­meldeten Forderungen erforderlichen Unterlagen bei dem von dem Untersuchungsrichter mit der Erstattung eines Gutachtens beauftragten Bücherrevisor befinden, in dem Prüfungsterimn eine Erklärung nicht abgegeben werden. Die Forderungen werden in dem Termin weder anerkannt noch bestritten, und eine Vertagung desselben wird eintreten müssen. Es empfiehlt sich unter diesen Umständen, in dem Prüfungstermin vom 2. Mai nicht zu erscheinen.

** Zur Osterkonsirmation. Man schreibt uns vom Lande: Da dem Wunsche, die Konfirmation möge am 2. Ol'terfeiertage stattfinden, bis heute noch nicht allgemein Rechnung getragen wurde, so haben sich manche Eltern, die den Besuch von Paten aus den Städten nur auf die Öfter» feierfape zu erwarten hatten, in der Weise geholfen, baß sie die Familienfeier bereits am 2. Oflerfeiertagc abhielten, während der Konfirmationstag am vorigen Sonntag still oorüberging. Dadurch wird aber keinesfalls der eigentliche Charakter dcr Konfirmation gehoben.

Bad-Rauhei n;, 29. April. Die Babe Häuser 11, LV, V, VIIIS. und bas Inh alatorium werben am 1. Mai in Betrieb genommen und sind die Badezeiten von

diesem Termin ab von 7 Uhr vormittags bis 6 Uhr nach, mittags. DaS Jnhalatoriiim ist von 91 Uhr und von 35 Uhr geöffnet. Nächsten Samstag feiert Privatier Adrie mit seiner Gattin, geb. Korner, mit der er in zweiter Ehe vermählt ist, sein goldenes Ehejubiläum.

w Büdesheim (Kr. Friedberg), 30. April. (Tel.) Bei den auf dem hiesigen Hofgut befindlichen russischen Arbeitern wurde gestern ein neuer Blatter »fall konstatiert. Die davon betroffene Arbeiterin wurde nach Gießen in die Klinik gebracht und vom Kreisarzt in Friedberg die um­fassendsten Desinfektionsmaßregeln angcorbnet. Die Behörde nimmt an, daß nunmehr kein weiterer Blatternfall mehr zu befürchten ist.

8 A u s d e m O l) m t a l, 29. April. Der Kuckuck ist ein­getroffen ; sein Ruf erschallte vorgestern zum erstenmal in unseren Waldungen. Mil seinem Kommen hat sich, wie auch der Volksglaube besagt, endlich wärmeres Welker eingeftcllt; gestern war der erste warme Frühlingstag in diesem Winterlenz.

---- Alsfeld, 29. April. Die Stadt Alsfeld erhebt vom 1. Mai ab eine Besitz wechsel-^Abgabe, die auf die Hälfte des staatlichen Stempelbetrags festgesetzt wurde.

W. Darmstadt, 29. April. Als Kreisrat Wal. lau von Groß-Gerau sich heute mittag im Automobil von Groß-Gerau nach Darnistadt begab, fuhr das Automobil auf der Griesheimer Chaussee beim Ausweichen gegen eine Telegraphenstange und wurde vollständig zertrümmert. Die Insassen wurden hcrarisgeschleudert. Kreisrat Wallau wurde nicht unerheblich verletzt. Nachdem er in dem in der Nähe gelegenen Schießhaus verbunden worden war, wurde er nach Groß-Gerau zurückverbracht.

Q Frankenbach, 29. April. Ganz nach demselben Plan wie im benachbarten Fellingshausen haben auch wir jetzt eine neue stattliche Schule, die im Laufe dieses Sommers ihrer Bestimmung übergeben werben soll. Die Gemeinde Frankenbach ist in der angenehmen Lage, ohne jeglichen Zuschuß die Schule erbauen zu können, da sie übet vortreffliche Einnahmequellen verfügt. Mir Eröffnung der neuen Schule wird die zweite Lehrerstelle errichtet, zumal wir schon seit Jahren 100 und mehr Schüler haben.

b. Frankfurt a. M., 29. April. Der auf der Ex- preßsteile im Hauptbahnhofe beschäftigte Arbeiter Jakob Scheel wurde verhaftet, weil er dringend verdächtigt ist, die dort lagernden Pakete aufgemacht und verschiedene Gegen­stände aus denselben entwendet zu haben. In feiner Wohnung wurden Schuhe, Felle und verschiedene andere wertvolle Gegenstände vorgefunden.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Bergheim bei Ortenberg wurde Ziegeteibesitzer König mit großer Majorität zum Ortsoberhaupt gewählt. Ter GesangvereinEintracht" in Lind he im leiert am 13. Juli fein 25jähriges Jubiläum.

45eridH»$aaL

Mainz, 29. April. Vor dem Provinzial-Aus­schuß kam gestern folgender Fall zur Entscheidung: Bei der Stadtverordneten wähl in Worms im vorigen Jahre waren in zwei Bezirken die Stimmen nicht zu Gunsten des Kandidaten Heizte gerechnet und infolgedessen Notar Schwarz als gewählt crtlärt worden. Hiergegen wurde beim Kreis« Ausschuß in Worms Beschwerde erhoben, dieser kassierte die Wahl des Notars Schivarz und Hetzte trat an dessen Stelle. Die Beschwerde hat Rechtsanwalt Sotdan-Mainz vertreten. Der Kreis-Ausschuß verurteilte die Stabt Worms nur zu der vom Rechtsanwalt eingereichten Kostenrechnung von 20 Mk., während die Reisekosten des Rechtsanwalts in Höhe von 29,96 Mk. gestrichen wurden. Der Kreis-Ausschuß war der Ansicht, daß die Sache auch von einem Wormser Rechts­anwalt hätten vertreten werden können. In der gestrigen Rekursinstanz handelte es sich nur um die verweigerten Reise­kosten. Rechtsanwalt Soldan führte aus, daß die Beschwerde­führer sich an einen auswärtigen Rechtsanwalt hätten wenden müssen, weil die Wormser Rechtsanwälte sich geweigert hätten, gegen ihren Kollegen Notar Schwarz aufzutreten. Der Provinzial^Ausschuß verurteilte die Stadt Worms auch zur Zahlung der Reisekosten und in die Kosten des gestrigen Termins.

Berlin, 30. April. DemVorwärts" zuiolge land gestern vor dem Ehrengerichte der Berliner 'Anwaltskammer der Berhandluiigstermm erster Instanz in der Tisziplmarfache gegen den Rechtsanwalt L i e b t n e ch t statt. Tie Verhandlung endete mit Freisprechung.

Märkte.

th. Gießen, 30. April. Ter dieSwöck>entliche Vieh­markt hatte einen Auftrieb von ca. 900 Stück Großvieh, 350 Stück Jungvieh und Kälbern und 750 Stuck Schweinen. Tie steigende Tendenz der Pr-este für Rindvieh hat im Handel nicht angedauert, die allgemeine Lage läßt eine Besserung des Vieh- gesastifts nicht austomnien. Der Milchviehmarkt war bei etwas gefallenen Preisen flau, ebenso verhielt es sich mit Fettvich- Tas Geschäft in Jungvieh war trotz der Aussichten auf ein gutes Futterjahr wenig animiert. Kälber gingen gegen den letzten Markt wieder im Preise zurück. Ter Handel mit Schweinen zeigte das Bild der letzten Märkte: schleppender Handel bei niedrigen unveränderten Preisen. Gehandelt wurden frischmel­kende und tragende Kühe 1. Qualität 475530 Mk., 2. Qual. 400450 Mk., 3. Qual. 275350 Mk. pw Stück. Jungvieh wurde zwischen 120220 Mk. je nach Alter und <yorm verlaust. Fette Rinder brachten 1. Quad 6070 Mk., 2. Qual. 66 vis 67 Mk., fette Kül?e 1. Qual. 6365 Mk., 2. Qual. 6162 M pro Zentner Schlachtgewichit, Kälber wurden verlaust 1. Qual. 7075 Mk., 2. Qual. 6468 Mk., 3. Qual. 5963 Mk, prv Zentner Schlachtgewicht. Die Preise für Läufer und Ferkel blieben unverändert wie beim letzten Markt.

Himburg a. d. Lahn, 29. April. Fruchtmarkt. Durch- schmttspreis pro Blatter. Roter Weizen (uassauücher) 17,30 weißer Weizen 00,00 Mk., Korn 14,40 Mk., Gerste 11,20 Mk., Haier 7.508.00 'Mk. nach Qual., Erbsen 0,00 'Mk., Kartoffeln 6,00 Mk.

Kleine Tagcschrontt.

In Schwabach (Franken- wurden m einer Sandgrube vier Kinder durch Sandmassen verschüttet. Ein 10 jähriger und em 7 jähriger Knabe wurden tot heroorgeholt. Tie zwei anderen Kinder wurden gerettet.

In Berlin wurde die Frau Viktoria Ondracek mit durchschnittener Kehle tot auige'uubeu. Sie ist von ihrem 27 Jahre alten 'Manne, einem Schlosser, ans Eifersucht ermordet rvordew Tie Getötete war nach enter Mißhandlung ui die Wohnung ihres Bruders geflohen, wo sie Ondracek erschlug, Ter 'Mörder, der einen Selbstmordversuch unternahm, ist flüchtig. Die Krmunal- Polizei setzte eme Belohnung auf die Ergreiiung des Täters aus.

In Berlin versuchte ferner ein arbeitsloser Strolch namens Lenz die greife Rentnerin Eharlotte Goris niederzuschlagen und u die Wohnung einzudrmgen. Lenz wiirde ergriffen.

Ter m Do rt mund wegen 'Mordes zum Tode verurteilte Heizer Kur schuß, dessen Hinrichtung seinerze.i mi letzten Augen­blicke aufgehoben ivurbe, nachdem er un Wieoeranstiahmeoerfahrett