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30.4.1908 Erstes Blatt
 
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Donnerstag 3V. April 1908

Erstes Blatt

158. Jahrgang

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten

Formen lunu. (offen itUDg itz: ise:

Deutsches Reich.

Ter Seniorenkonvenl des Reichstages stellte gestern bcn Arbeitsplan für den jetzt begonnenen Zwischenab- schnitt der laufenden Tagung fest. Die Vertagung auf den Herbst soll am Freitag den 8. Mai stattfinden. In den acht Sitzungen, die bis dahin ftattfinben, soll folgendes erledigt trerdcn: Donnerstag: Postdainpfcrvorlage (Lloyl>Subvention), Stempelabgabe auf Kraftsastozeuge und Teuerungszulagen in erster und zweiter, Drünz- und Postscheckgesetz in zweiter Lefung; Freitag: Versicherungsvertrag, Wechselprotest- und Trerhalter-Ge- setz in zweiter Lesung: Sonnabend: Nechnungssachen, Wahl- prlifungrn und Petitionen: Montag: Befähigungsnachweis so­wie Mast- und Gewichtsordnung in zweiter Lesung: Dienstag: 2. Lesung der Kolonialbahnen und Bericht der Budgetkommrsfion iiber die Militäranwärtrr; der Mittwoch bleibt frei für Rück­stände. Tie dritte Lesung der genannten Gesetze soll am Donners­tag und Freitag den 7. und 8. Mai erledigt werden.

Die W a h l p f u n g s k o m ni i s s i o n des Reichstages erklärte gestern die Wahl des Abg. Lehmann-Wiesbaden

WMresse schenken müssen.

zurückkehren, um dem Kaiser sein AbberufnngSschreiden zu über­reichen. lieber das Eintreffen feines Nachfolgers Hill ist noch nichts näheres bekannt.

Preußisch - sächsische Eisen bahngemein fch ast. TasDresdener Journal" schreibt: Ende voriger Woche fanden im Ministerium der öffentlichen Arbeiten in Berlin vorläufige Verhandlungen mit Vertretern des sächfischen Finanzministeriums über den Beitritt der sächsischen Staatseisenbahn- Verwaltung $ um preußischen, später deutschen Staats- bahuwagenverbande statt. Dem Vernehnicn nach machen sich zunächst noch weitere Bereck>nuugen nötig, nach deren Fertig­stellungen die Verhandlungen fortgesetzt werden sollen.

Das s ä ch s i s ch e Kultusministerium hat beschlossen, von diesem Sommer ab die Ferien der höheren Schulen Sachsens mit den Gerichtsferien zusammenzulegen, auch soll die gleiche Einrichtung bei den Volksschulen angeordnet werden.

Die Regierung des Fürstentums Schwarzburg- R u d o l st a d t wlll auf Antrag des Landtags int Bundesrat den Versicherungszwang für Heimarbeiter fordern.

Eine Versaminlung der Polen Charlotten- b u r g s im sozialdemokratischen Volkshanse, zu der aber nur Nationalpolen Zutritt hatten, stimmte folgender Resolution zu: Die versammelten polnischen Männer und Frauen geloben, daß sie angesichts der Ausnahmegesetze, die den Polen ihre teuersten nationalen Güter rauben wollen, mit dem glüh end st en Eifer den Kampf mit den Feinden aufnehmen und unaus­gesetzt mit aller Kraft und Entschiedenheit jeglichem Germanisierungs-Vcr suche entgegen arbeiten werden.

Der Arbeitgeberverband im Baugewerbe für Mittelfranken sperrt die am 1. Mai feiernden Arbeiter bis zum 4. Mai aus, ebenso der Arbcitgeberschutzverband im Holzgewcrbe für das rechtsrheinische Bayern jeden Betrieb bis zum 4. Mai, der auch nur teilweise feiert.

Stimmungsbild aus dem Reichstage.

Berlin, 29. April.

Der Zeniorenlotwent hat heute das Arbeitsprogramm für den turzen Zwischenabschnitt der Tagung festgestellt, und als Ber­ta g u n g s t e r m i n d e n 8. M a i in Aussicht genommen. Indes ist das wohl nur als äußerstes Zeitmaß auszufassen: auch diesmal dürfte die Fericnsehnsucht die Arbeiten beschleunigen.

Ohne viele Worte erledigte man heute zunächst das Provi­sorium in der Organisation des Patentamtes, das der überlasteten Anmeldeabteilung die Möglichkeit geben soll, durch Zuziehung geeignet vorgebildeter Hilfsarbeiter die Vorprü­fung der Patente zu erleichtern und zu beschleunigen. Wohl um auf die Regierung einen kleinen Druck auszuüben, sich mit der allseitig als dringend anerkannten Umgestaltung des Patentge­setzes und der Verfassung des Reichs-Patentamtes zu beeilen, hat der Reichstag, der den Regierungsentwurf kurzer Hand ohne Komniissionsberatung in allen drei Lesungen verabschiedete, seine Geltung auf drei Jahre befristet.

Auch e?2 Novelle zum Gesetz über deck Unterstützungs- Wohnsitz nahm für ihre zweite Lesung verhältnismäßig wenig Zeit in Anspruch. Im milden Klima der Blockära hat die Behandlung dieser Frage die Schärfe verloren, die sie in der geraumen Zeit während deren sie auf der jährlichen Wunschkarte einiger Parteien des Reichstags erschien, in den Erörterungen früher gezeigt hat. Nur die sozialdemokratischen Redner erhoben programmäßig Klage über eine neue agrarische Liebesgabe, aber der Ton war gedämpft, und so konnte auch Herr 5d:eth seine Erwiderung ohne jeden störenden Zwischenruf Vorbringen. Obgleich das Gesetz unbestritten eine Belastung der Jndustrie- gegenden und Großstädte bedeutet, erkannte mit den Nationalliberalen, für die Herr Horn, Berichterstatter der Kom­mission und Vertreter eines industriellen Wahlkreises, das Wort führte, auch der freisinnige Oberbürgermeister von Hagen, Herr Cuno, die Notwendigkeit an, den Heimatgemeinden auf dem platten Lande eine Erleichterung zu bringen. Mit dem Wunsche nach größeren uni) dadurch lei st ungs fähigeren Armenoer­bänd e n , sowie einer Entschädigung der durch die Uebernahme aus dem Auslande abgeschobener Reichsanpehörigen ungerecht­fertigt belasteten Grenzbezirke verband der Reichstag die Anregung zu verstärkter und einheitlicher Fürsorge für die arbeitslustigen Wanderarmen.

Am längsten hielt man sich beim Vogelschutzgesetz auf. Die Kommission hatte ungeachtet des lebhaften Widerspruchs der Regierung das Verbot des Krammetsvogelsanges im Dohnen stieg eingefügt. Umsonst bemühte sich der Forstmann Freiherr v. Wolfs-Metternich mit einer Reihe anderer Anhänger dieses Jagdsports ober Bratens das Verbot aus dem Gesetzent­wurf wieder zu entfernen. Der Kreuzzug des Dr. Varenhorst gegenmittelalterliche Barbarei" endete siegreich. Als Freund der Sänger jeglicher Art nahm sich der Zentrumsabgeordneto Pfeiffer ebenso wirksam des beflügelten Völkleins im Walde an, wie gestern des Chorpersonals aus der Bühne, und nach einer sachverständigen Rede des Antisemiten Vindewald über den Gimpelfang schloß die Beratung mit unveränderter Annahme der Kommissionsbeschlüsse.

erstatlers ergänzt und berichtigt werden. So heißt es in der Zuschrift u. a.:Die vom Vorstand beantragte Resolution! wurde nicht angenommen, sondern unter großen Debatten wie folgt dahin abgeändert und angenommen: Die General­versammlung des Verbandes deutscher Handlungsgehilfen billigt den Versuch einer sozialpolitischen Verständi­gung mit dem Deutschnationaten Handlungsgehilfenverband und hofft, daß auch mit den anderen kaufmännischen Or­ganisationen eine sozialpolitische Verständigung zu erzielen tst. Die Generalversammlung erwartet unbedingt, daß die endgültige Entscheidung einer Generalversammlung des Verbandes Deutscher Handlungsgehilfen Leipzig zur Ge­nehmigung unterbreitet wird. Diese Resolution hat durch das im ersten Teil eingefügte Wortsozialpolitische" einen ganz anderen Sinn als wenn dies Wörtchen wegge­lassen worden wäre, ebenso ist der zweite Teil der Resolution von großer Wichtigkeit und bitte ich Sie, nochmals einen entsprechenden Artikel zu geben."

In der Zuschrift wird ferner Wert darauf gelegt, daß bei der Debatte über die Erhöhung des Beitrages von 6 auf 12 Mk. große Stimmung für 12 Mk. vorhanden gewesen sei. Nach längeren erregten Debatten sei ein Antrag auf Bei- tragserhöhungvonb auf 10 Mk. mit Erhebung eines Eintrittsgeldes von 1 M k. angenommen worden. Was den Verbandtag betrifft, so findet dieser nicht im September in München statt, fonbent im Lause des Sommers 1909 in München.

Die Neuwahlen zum pretch. Abgeordnetenhause.

Am 3. 3uni finden in Preußen die Urwahlen zum Ab- zeerdnetenhause statt, die eigentlichen Abgeordnetenwahlen aber :rft am 16. Juni. Je naher nun diese Termine heranrücken, 1 Eso eifriger sind die einzelnen Parteien bestrebt, ihre Kräfte 3 in sammeln, und wohl selten war die Wahlbewegung so lebhaft 4 nie biesesmal. Das erklärt sich aus ber großen Bedeutung, die : bett neuen preußischen Abgeordnetenhause bei ber bevorstehenben >1 Lösung der Wahlrechtsfrage zukommt. Auf die zukünftige Zu- ammenfebung des preußischen Abgeorbnetenl>auses kommt es an, 4 ob der größte deutsche Bundesstaat endlich ein zeitgemäßes Wahl­recht erhält ober nicht. Bleibt eine solche konservative Mehrheit, nie bisher, im neuen preußischen Abgeordnetenhause bestehen, I bann ist von einer Aenberung des Wahlrechts wenig erfreuliches Usll erwarten, denn den Konservativen istbas elendeste aller j Wahlrechte", bas preußische Landtagswahlrecht auch heute noch basAlte unb Bewährte". Unsere Gegner so heißt es in dem i !onservativen Wahlaufrufe wollen unser bewährtes Wahlrecht beseitigen unb durch eine anderweite Eintei­lung der Wahlkreise das politische Gewicht des platten Landes 7 unb der Kleinstädte verringern unb zugleich auch den letzten Ein- , liiß, den der Mittelstand heute in der Volksvertretung noch besitzt, schmälern unb im Interesse der Großstädte beseitigen. Vir stehen gegenüber allen Angriffen fest auf den christlichen unb religiöser Grundlagen unseres Volkslebens und msbesondere nid) in unserer Volksschule. Auch wir Konservativen wollen einen Fortschritt auf allen Gebieten unseres Wirtschaftslebens und un- lerer Kultur, aber wir wollen nicht das Alte, Bewährte Mohne zwingenden Grund umstürzen in dieser unruhigen >: .,cü, sondern wir wollen erhalten, was der Erhaltung wert ist - unb wollen darum unter voller Wahrung der verfassungsmäßigen g Siechte des Volkes eintreten für die Erhaltung der immer mehr iiminbenben Autorität in Haus, Wirtschaft, Gewerbe, Regierung i mb Staat."

Bewähr hat sich das preußische Wahlrecht für die Kon- q invaliden in der Tat, beim es gibt ihnen mit seiner Dreiklassen- rj tiitamg, mit seiner ungerechten Abgrenzung der Wahlkreise und K out seiner indirekten und öffentlichen Stimmenabgabe von vorn- geeilt ein Uebergcwicht. Und doch darf man hierin nicht die W mtgigen Gründe für das Unterliegen des Liberalismus im preuß. 4 Kiseordnetenhaufe erblicken. Anders als im Reichstage ist bas .1 i! rhältnis ber einzelnen Parteien zueinander im preußischen Ab- Wgeorbnetenhause. Im Reichstage Halle bas nationale Moment Umngend gewirkt, dort haben die Blockparteien nur nach einer ' vnt §n kämpfen, hier stehen die Liberalen, einschließlich die r s.alionalliberalen, nach mehreren Seiten hin in Verteidigungs- 5 ictlung gegen Konservative, Zentrum und Svzialdew^'rat' - BSirum wird den Liberalen _>ei Wahlkampf schwierig werden, zum kleinmütigen Verzagen hat er dennoch feinen Grund. I Sie Situation hat sich für den Liberalismus in Preußen ent- n . toben gebessert, mögen die sozialdemokratischen unb die Zen- 1 timöblätter auch noch so sehr bas Gegenteil behaupten. Schon S R Einigung ber brei Parteien ber bürgerlichen Linken, wie sie B auch in ihrem gemeinsamen Wahlaufrufe rum Ausdrucke I 'Eint, wirb nicht wenig bazu beitragen, bas Vertrauen ber U Wählerschaft ihnen zu gewinnen. In mehr als einem Punkte 1 Ifit fich bieser freisinnige Wahlaufruf mit dem von uns vor I mrigeu Tage: mitgeteilten nationalliberalen, unb fchvn baaim Mmd Freisinn unb Nationalliberale diesesmal mehr denn je in ber ?cge, sich im Wahlkampfe bcizustehen, bamit bie bisherige kon- tativ-klericale Mehrheit des Abgeordnetenhauses verschwindet.

Im einzelnen verlangt der freisinnige Wahlaufruf, daß die tlrimbgebanfcn der Reichspolitik auch im größten deutschen Bun- I' üSltaate Geltung finden. Vor allem verlangt dieser, Wahlaus- K i'f, daß die geltenden, aus der schlimmsten Reaktionszeit stam- nenbcit Wcchlrechtsbestimmungen burd) bas allgemeine, direkte D-vid geheime Wahlrecht ersetzt werden, und daß eine,Neueinteilung I 1:6 Wahlkreise den Bevölkerungsverhältnissen entsprechend vor- Btlinommen werde. Vereinfachung des Verwaltungsapparats, Er- I teilerung der Selbstverwaltung ber Gemeinben, Verstärkung bes Bkirislusses ber bäuerlichen Bevölkerung, Zurückweisung ber Bevor­ff iugung bes Abels usw. sind bie weiteren Forderungen ber §rei- BInnigen Wie ber nationalliberale Wahlaufruf, so fordert end) ® lec freisinnige Freiheit ber wissenschaftlichen Forschung unb Lehre " mb religiöse Toleranz. Die Förberung bes Mittelstanoes in mbhurt, Gewerbe unb Lanbwirtschaft haben Freisinn unb Na- | ioicltiberaU in gleicher Weise auf ihre Fahnen geschrieben. Die H Liderung bes Mittelstandes wollen allerdings auch bte Kon- DDlkativen sich angelegen sein lassen, aber cs ist schlechterdings H nebt zu begreifen, wie ein solches Versprechen mit ver Ver- Blfciiigung des bisherigen Wahlrechts zu vereinigen i|t. Will nan den Mittelstand wirklich fordern, dann muß man ihm bocy J)i allen Dingen die Möglichkeit geben, seine Wünsche im Par- irrcnre laut werden zu lassen. Diese Möglichkeit gibt aber Was bisherige preußische Wahlrecht nicht.

So verschieden nun auch die Verhältnisse im Reichstage und i M preußische Abgeordnetenhause sind und so wenig ^s auch - m<e6rad)i sein mag, etwa die Blockpolitik des Reichstages auch ml das preußische Abgeordnetenhaus zu übertragen, unzweüet- iift ist es doch, daß die zukünftige Gestaltung der Dinge im -leußischen Abgeordnetenhause nicht ganz ohne Einfluß auf bie blrckbrüderschast des Reichstages bleiben kann. Aus diesem Grunde dab man darum auch bei uns in Hessen ebenso rote un ganzen ibiigen Reiche bem preußischen Lanbtagsroahlkampfe bas größte

poIUijcbe Sagesscharr.

Ükk Großherzog unb die Grobherzogin von Hesien in Rußland.

. Der Großhcr.og und die Großherzogin von Helsen be­suchten, von Zarskoje Sselo kommend, in Petersburg

Aufcrstehungskirche und verweilten in stiller Andacht 'n dem Orte, wo Alexander II. seinen Tod fand. Dann 'esichtigte das Großherzogspaar das Mausoleum der tai.)er- "hen Familie, die Peter Pauls-Kathedraie, nahm ba-> Frirh- tii-k bei dem deutschen Botschafter ein und befua)te nach- "'niitags die Prinzessin Helene Georgiowna von Sachsen- Alenburg. Der Großherzog und die ^o^orzogm von Hessen frühstückten gestern beim deutschen Botschafter^Orafen Pourtalös. Der Grohherzog trug russische Uniform.

(Soz.) für gültig.

Ein Erlaß gegen die Feuerbestattung hat das erzbischöilid>e Ordinariat in Münden in färntlichen katholischen Kirchen Ri.ünchens anschlagen lassen. Es wird nicht nur aus das kirchliche Verbot der Feuerbestattung hingewiesen, sondern auch vor dem Beitritt ztim Verein für Feuerbestattung gewarnt. Tas Ministerium des Innern beruft sich angesichts ber wachsenben Agitation und mit Rücksicht au) feine schwierige parlamentarische Lage auf bie alte Polizeiverorbnung für das Begräbniswesen, in ber die Feuerbestattung nicht vor­gesehen unb beshalb unzulässig sei.

Ter am er i taiiische Botschafter C har le mag ne Tower begibt sich heute mit ssjner Familie zu längerem Auf- Schweiz. Ende Mai wird er nach Berlin

Zum Teutschcu Haublungsgehilfentage in Leipzig.

,Zu unserem Bericht über den Deutschen Handlungs- Mlfentag in der letzten Dienstagsnummer ist uns von unern Teilnehmer der Leipziger Versammlung eine Zu- ------ ..

Hnift zugegangen, worin einige Angaben unseres Bericht-1 enthalte nach ber

Nr. 101

Set Gießener Anzeiger nfdjemt täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich SießenerSamilienblätter; ^iveimal roöchentl.Kreis» Mattfürben Kreis Gießen (Dienstag und Frei lag); iioetmal monatl. Land- olrtichaslliche deitfragen Fernfprech - Anschlüsse: jut die iRebatlion 112, Örrlag u. Expebuion 61 Äbrctle liit Depeschen;

Rnietger Gtcßcu.

Mnahme von Anzeigen rüi. bie Taqesnuinnier MB oormUtags 10 Uhr.

Arrsl<rnd.

Bei der Gratulationscour in Schönbrunn am 7. Mai werden Kaiser Wilhelm und die deutschen Bundesfürsten sich im Spiegelsaal versammeln, worauf Kaiser Franz Josef ein- tritt. Dann werden die Flügeltüren des Spiegelsaales geschlossen, so daß niemand von dem Gefolge, den Adjutanten, Hoschargcn ober Hofbeamten bei ber Gratülationscrnsprache Kaiser Wilhelms anwesend fein wirb.

Der Kongreß italienischer Frauen, ber vorgestern in R o m tagte, beschloß eine Resolution, bie sich für bie Ver­weltlichung bc.: Schulen unb für bie Abschaffung des Religions­unterrichts ausspricht.

Ministerpräsident G'o^itti beg b sich geftcri' vor­mittag tu Venedig nach bem Horel Britannia, wo er mit bem Reichskanzler v. Bülow eine zweistünbige Unterredung hatte. Sodann fand bei dem Reichskanzler ein Frühstück statt.

Vatikan und Quirin al. DieVoss. 3tg." meldet aus Wien: Der Korrespondent berVoss. Ztg." erfährt von authentifcher Seite, der österreichifch-ungarische Botschafter bei bem. Vatikan Graf Szecsen ersuchte bcn Papst in besonderer Audienz, bem Erzherzog-Thronfolgereinen Besuch im Qui­rin al zu gestatten. Ter Papst erklärte entschieden, der Heilige Stul)l könne das grundsätzliche Verbot für katholische Fürsten, den König von Italien in Rom zu besuchen, nicht aufheben.

Reise König Eduards nach Rußland. Wie _eut Wiener Blatt meldet, dürfte sich König Eduard nach den neuesten Dispositionen schon in den nächsten Tagen von Stock­holm nach Rußland begeben und mit dem Zaren eine Zusammen­kunft haben. Der Ort der Entrevue wird streng geheim gehalten. Man nimmt an, daß König Eduard weder nad) Petersburg noch nach Zarskoje Selo kommen wird, sondern baß bie beiden Mo­narchen an einem Orte der russischen Küste zufammentteffem werden.

Rußland und der Vatikan. Wie aus Rom gemeldet wirb, haben sich bie biplomatischen Beziehungen zwischen dem Vatikan unb Rußland wegen der Maßregelung des Wilnaer Kapitols derart verschlechtert, daß der Abbruch derselben nicht ausgeschlossen ist.

Der Marine-Kritiker desS t a n b a r b" macht bie Regierung verantwortlich für die jüngsten Unfälle in ber brit. Kriegsmarine. Seine Enthüllungen erregen großes Aufsehen. Er klagt bie Admiralität an, ihre unangebrachte Spars a m - Feit fei schuld an den Schiffs-Katastrophen, die geeignet sind, die britische Flotte im Auslande herabzusetzen. Die Schiffe würden in See geschickt ohne genügende Bemannung, so daß die entsprechende Zahl von Wad-riiannschasten fehlte und die einzelnen allzusehr vom Wachdienst in Anspruch genommen würden. Auf vielen Schiffen sei aud) Mangel an Offizieren. Der Marine-Sachverständige kritisiert Lord Fishers System der Mann- schastSausblldung. Ein Mitglied des Parlaments äußerte sich zu einem der Interviewer ähnlich.

Eröffnung des portugiesischen Parlaments. Die Thronrede, mit welcher der König gestern das Parlament eröffnete, gedachte in erster Linie des tragischen Ereignisses, dem König Carlos unb ber Kronprinz zum Opfer fielen, sowie ber Beileibskunbgebungen ber fremden Nationen, mit denen herz­lichste Beziehungen bestehen. Angekündigt wird die Revision aller Gesetze aus der Zeit der Diktatur, ferner bie Zivilliste bes Königs, eine Reform ber Verfassung unb bes Wahlgesetzes, sowie ver- schiebene Projette zur Verbesserung ber ökonomischen unb finan­ziellen Lage bes Laubes.

Japan unb China. TcmSortiere della Sera" wirb aus ^iewyork gemelbet: In amerikanischen leitenden Kreisen herrscht die Ansicht vor, wenn die chinesische Regierung es nicht durchsetze, baß bie chinesische Hanbelswelt bie Boykottierung japanischer Waren aufgibt, könne Japan nicht umhin, den Krieg zu erklären, benn sonst sei es außerstanbe, bie schwere Ökonom. Krise zu überstehen, unter ber cs leide.

Aus Battambang, bas mit ber gleichnamigen Provinz von Siam an bas französische Schutzgebiet Kambodscha abge- treten wurde, wird dem^emps" vom 28. April gemeldet, daß daselbst ein Aufstand ausgebrochen sei. Der Resident verlangte angebliche Truppenverstärkung. Die Behörden und die Europäer bereiten sich zum Widerstand vor. Im Kolonial-Mi- nisterium ist bisher keinerlei diesbezügliche Nachrit eingelangt.

Aus niederländisch Indien. Eine Drahtnachricht, die dasHandelsblad" aus Batavia erhält, meldet, daß die Ortschaft Klöngkong auf ber Insel Bali mit der Festung nach einem lebhaften Bombardement beinah^ ohne Widerstand genommen morden ist. In bem Kampfe fielen zwei em- acborene Führer unb hervorragende Mitglieder des eingeborenen Abels. Die nieberlänbischen Truppen haben leine Verluste. Die Bevölkerung hißte allenthalben bie weiße Fahne.

ä Äk 'wrip Bezugspreis:

monatlich75Pf., oiertel-

lehenerAnzeiger«

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