Ausgabe 
31.10.1908 Zweites Blatt
 
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* Der Flottenverein fürHessen, Landesverband, zählt gegenwärtig 10873 Mitglieder gegen 10 709 im Vor­jahre, also eine Zunahme von 164. Ganz Deutschland um­faßt 515 000 Mitglieder. Oberhessen zählt 4007, Starken­burg 4981, Rheinhessen 1885 Einzelmitglieder, dazu kommen noch zahlreiche körperschaftliche Mitglieder. Auf den Kreis Darmstadt entfallen 1432 (Stadt 985), Offenbach 1242 (Stadt 724), Mainz 306 (Stadt 292), Worms 729 (L-tadt 407), Gießen 1053 (Stadt 544), Friedberg 950 (Stadt 172), Alsfeld 474 (Stadt 71). Die JahreSrechnung schließt mit 16 808 Mk. Einnahme und Ausgabe. Die Zahl der Körperschaften stieg auf 132 mit 18 453 Zugehörigen.

Stadttheater. Der morgige Sonntag bringt zwei Vorstellungen sehr verschiedenen Genres. Am Nachmittag geht der übermütige französische Schwank »Die Dame von Maxim" mit dem so rasch beliebt gewordenen Frl. Lore Scholz in der Titelrolle in Szene. Der Abend bringt Schillers »Jungfrau von Orleans* zum ersten Mate bei kleinen Preisen. Beide Vorstellungen schemen nach dem Vorverkauf eine, starke Anziehungskraft auszuüben.

Die Naute-Expedition 19071908. Einen ausführlichen Bericht über den Vortrag, den am Donnerstag Stadtbaumeister Adolf Braubach im Technischen Verein gehalten hat, bringen wir am Montag im Jamilienblatt.

* * Die Gesellschaft für Erd- und Völker­kunde hielt am 26. Oktober ihre Jahres- und Haupt­versammlung ab. Die Jahresrechnung ergab einen günstigen Kassenbestand, der ermöglicht, in diesem Jahre wiederum eine größere Summe zur Herstellung der von der Gesellschaft yerausgegebeneneirMitteilungen" zu ver­wenden. Schon im nächsten Jahre wird voraussichtlich ein neuer Band dieser Zeitschrift dem diesjährigen Bande folgen. Demselben soll für die Zukunft jeweilig ein Jahresbericht der Gesellschaft beigefügt werden. Professor Dr. Markert will sich der Mühe unterziehen, ein Repertorium über sämt­liche Veröffentlichungen zusammenzustellen, die das.Hessen­land in geographischer Beziehung betreffen. Mit solcher Zu­gabe werden dieMitteilungen" für jeden auf diesem Ge­biete Arbeitenden außerordentlich wertvoll werden. Die Rechnung der Gesellschaft war nachgeprüft und richtig be­funden. Dem Rechner, Bankdirektor Müller, sowie den Revisoren wurde der Dank der Versammlung ausgesprochen. Die jVorstandswahl ergab die Bestätigung der seitherigen Vorstandsmitglieder. Da der seitherige 1. Lorsitzerrde, Pro­fessor Dr. Sievers, jedoch zu Beginn des nächsten Jahres eine Forschungsreise nacl) Amerika unternehmen wird, übernahm Professor Dr. Biermann für dieses Jahr den Vorsitz, während Professor Dr. Sievers als stell­vertretender Vorsitzender geführt wird. Das Wintcrpro- gramm wurde, soweit es möglich! war, festgestellt. Außer dem außerordentlich interessanten Vortrag des Professors Dr. Klaatsch, der am 29. Oldober die Saison glanzvoll eröffnete, ist von angesehenen Fachgelehrten ein Vortrag über Bulgarien, ein solcher über die Ricscnkrater in Deutsch- Ostafrika und ferner eine Schilderung der mexikanischen Altertümer vorgesehen. In einem fünften Vortrag wird dann noch ein besonders aktuelles Thema von hervorragen­der Seite behandelt werden. Hierüber finb die Verhand­lungen noch nicht abgeschlossen. Außer diesen großen Vorträgen sollen noch kleinere Vorträge eingerichtet wer­den, zu betten sich günstige Gelegenheit bietet. So ist die Tätigkeit der Gesellschaft in diesem Jabre besonders reich- baltig. Die Neuanmeldungen sind auch bereits in erfreu­licher Weise ungewöhnlich zahlreich eingelaufen.

** Folgen des Büdinger Bankkrachs. Im größten Teil der gestrigen Auflage tonnten wir noch melden: Gegen die Mitglieder des Vorstandes des Ober-Mockstädter Spar- und Leihvereins Mickel und Harth wurde ein Ver­fahren wegen Untreue, sowie gegen den Rechtsanwalt K'tarenaar ein solches wegen Beihilfe zu diesem Ver­gehen eingeleitet. Rechtsanwalt Klarenaar teilt uns dazu mit, daß er dem eingeleiteten Verfahren mit größter Seelen­ruhe entgegensehe. Er habe nid)t nur nicht gewußt, daß die Vorstand smrtglieder des Vorschußveretns Ober-Aioä^ stadt vorsätzlich zum Nachteil des Vereins handelten, son­dern sei auch der Meinung und hätte der Meinung jein müssen, daß sie lediglich im Interesse des Vereins han­delten. Dieses könne er mit vielen einwandsfreien Zeugen beweisen. I

* Neues Gewächshaus. Unser botanischer Garten wird wieder um ein neues Gewächshaus vermehrt, das sich bereits im Bau besindet und in einigen Wochen fertig gestellt sein wird. ES wird an den Gewächshäusern 3 und 4 an­gebaut und verbindet sie an ihren Kopfseiten mit einander. Obgleich die Breite und Höhe des Gebäudes etwas größer ist als die der beiden schon bestehenden wird das Ganze nach Fertigstellung einen einheitlichen Eindruck machen.

* * Königl. Preuß. Klassen lotterte. Die Er­neuerung der Lose zur 5. Klasse hat unter Vorlegung der Lose der 4. Klasse bis zuin 3. November, abends 8 Uhr, zu ge­schehen, auch müssen bis gar diesem Tage die Gewinnlose zur Entgegennahme der Freilose vorgelcgt werden. Die Ziehung der 5. Klasse beginnt am 7. November und endigt am 5. Dezember.

6 * Die Herbergen zur Heimat in unserer Provinz, die sich schon immer mit der Arbeitsvermittlung beschäftigten, haben in neuerer Zeit diesem Zweig ihrer Tätigkeit gesteigerte Aufmerksamkeit zugewendet. Kürzlich ist ihre Angliederung an die Zentrale des Mitteldeutschen ArbeilSnachweis-Verbandes erfolgt und man strebt an, diese Statten der sozialen Für­sorge an das Telephonnetz anzuschließen.

- f- Rödgen b. Gießen, 30. Oft. Heute abend brachte der hier neugegründete Männergesangverein unter der Leitung beS Lehrers Koch unferm wiedergewählten Bürgermeister Stein ein Ständchen.

- m. Friedberg, 30. Okt. Hier wurde heute abend der 8 Uhr-Ladenschluß infolge. Zweidrittelmehrheit für die Manufaktur- und die Papi erb ranche vom Stadtvorstand genehmigt. ,

w. D a r m ft a b t, 30. Okt. Der Allgemeine Deutsche Knappschaitsverband hielt heute seine Generalversamm­lung ab, an der etwa 100 Vertreter der Behörden und Knapw schaftsvereuie tcilnaljrmm. Es wurde u. a. über die Ursachen für die VerMechterung der Jahresstalistik der Kuappschastsvereine hinsichtlich der Kranlhnls- und Jnvaliditätsfälle der Mitglieder und über bic Einführung einer einheitlichen Statistik für die Knappschaftsvereine verhandelt. Der wichtigste Punkt aber war die Bildung eines Gegenseüigbeitsverhältnisses zwischen den preu­ßischen und außerpronßischen Knappschaftsvereineu, welche den Bergleuten Freizugigkett geleistu, so daß sie bei ihrem Ucbcrtritt in einen anderen Bezirk ihre erworbenen Ansprüche nicht verlieren.

Kassel, 30. Okt. Aus dem Zuchthause entsprangen vier schwere Verbrecher, die aus Frankfurt a. Di. stammen. Mit Hilfe langer Eisenstangen überstiegen sie die Umfaffungsmauer und entkamen.

AniverßitLits-NcrchrLchten.

Seinen 70. Geburtstag feiert am 2. November der Altte- ftamentlcr, Geh. Rat Prof. Tw Iheol. et phil. Adalbert Merx in S) e i b c l b.e r g.

Schwerverletzten. Der Student wurde mittels einer Droschke, die vor dem rückwärtigen Ausgang des Kasinos hielt, ins Llllgemeine Krankenhaus überfuhrt.

In derBohemia" finden wir noch folgenden

»üben tief beschämend«. B»rgiU.ge» di- eine un-usM Wtt

Uche -Schmach tux das Tschechen tum bilden; »oder ton anderen Tieren. 5' 0 n

Gießener Strafkammer.

) ( Gießen , 30. Oktober. Unter Walzbrüdern.

Ende August iah ein auf der Wanderschaft befiudlicmr Zr- garrenmackier aus Wieseck zwischen Ober-Et ck> b a ch u n b So o m - bürg v. d. Höhe vier Handwerksburschen. Auf den Ruf: Ser­vus, Kunden; ich habe nochDraht", kamen sie herbei und der Zigarremnacher ließ eine Flasche Schnaps um die aiwere holen, so daß mitten im Felde ein regelrcdrtcy Zechgelage ftatt- :anb, bis alles betrunTen war und der Gastgeber eimchlref. dreien Umstand benutzten zwei der Zechkumpanen, der Buchdrucker F. S. aus Kassel uitb der Friseur K'. K. aus Friedberg, um ihm lerne Habseligkeiten abzunehmen. Während S. den Inhalt des Iwrte- nionnaies mit etwa 12 Mk. nahm, machte ihm die Uhr los, um dann in Gesellschaft der ^vei anderen, dem tapezier I. aus Groß-Bardorf und dem Taglöhner H. G. ton Qoer-^rleu- bach, verschiedene Wivrfchasten zu besuchen, den fchtafenbcrr Gast­geber zurücklassend. In den Wirtschaften verbuchten die Burschen gemeinschaftlich die Uhr ab zu setzen und jeder erhielt ton S. noch etwa 1 Mk. Als der Beswhlene erwachte und den Vorfall den Bewohnern von Obev-Eschbach mitteilte, liefen etwa 20 Bauern den Burschen nach und übten Justiz, indem sie sämtliche Burschen gehörig durchbläuten. Bei dieser Gelegenheit entkam Z., wah­rend die übrigen in Haft genommen wurden. Nach einigen Wochen gelang es, auch den Z. in der ')cähz ton Kassel ftstzuneMnen. Mährend die Angeklagten in der Voruntersuchung die Diebstähle zugaben, behaupteten alle bei der Verhandlung, es läge nur Un­terschlagung vor, da ihr Gastgeber ihnen das Portemonnaie ge­geben habe, um nach Belieben Schnaps holen zu können. Für oas Gericht bestand kein Zweifel, daß dieses auf £ine gemein­schaftliche Verabredung hurückzuführen ist, weshalb es ben An­gaben feinen Glauben schenkte. S. und K. wurden wegen Dieb­stahls im Rückfall su ic 5 Monaten Gesängnis abzüglich 6 Wochen Untersuchungshaft verurteilt. Z. uiid G. erhielten wegen Hehlerei 6 Wochen bezw. 14 Tage Gefängnis, die durch die Uittersuchungshaft für verbüßt er gältet wurde.

Es war 12 Uhr mittags. Die gegen Die DNwenren wt« hetzte Menge nimmt eine immer drohendere Haltung ein. Plötzlich beginnen die Demonstranten gegen die einzelnen Gruppen der Studenten zu drängen. Ruse:Wir dulden keine farbigen Mützen in Prag",Wir werden den Abzug der Burschaken erzwingens Die Fremdlinge mnsien aus Prag verschwinden",Wir dulden hier kem Moltkengesindel" und andere nicht wieder zu gebende Schmahru e werden ausgestoßen. Mit wildem Gebrull stürzt sich die Masse auf die deutschen Studenten, stößt sie und schlagt mit ©tötfen auf sie ein. Endlich erscheinen einige berittene Sicherheits- Wachleute, trennen die Bedrohten von der ans sie etnhauenden Menge. Die Exzedenten werden im Dreinschlagen nichtige- hindert, dagegen wird um so intensiver den deutschen Stu­denten von der Wache zugesetzt, um sie Ker bre Fahrbahn aufs andere Trottoir zu schaffen. Währenb dieses An- turmes sieht man einen einzigen Ppli-ei^amten, den Kom­missar Hermuth, der selbstverständlich allein nicht im stände war, die nötigen Weisungen zu erteilen. Nach und nach gelingt es den deutschen Studenten in das Deutsche Haus zu gelangen. Unbescyreidlicher Jubel ertönt aus der Menge, als das gegenüberliegende Trottoir von den deutschen Stu­denten gesäubert ist. _

Um 342 Uhr ging ein deutscher Student, der Philologe Egon Löwit, der nicht Couleurstudent ist und daher weder Mütze noch Band trug, durch die Smetschkaigasse. Der Student, der von kleiner schmächtiger, Statur ist, wurde mit Knütteln so lange über den Kopf geschlagen, bis er ohn­mächtig und Llutüderströmt^zuscunmenbrach. Tie nach, drängende Menge schrie:schlagt ihn tot, den Hund!" Erst nach geraumer Zeit erschienen drei Wachleute in dem Turchhause, welche die wie toll sich gebärdenden Exzedenten znrüctdrängte. Von dem empörenden Vorfälle wurden die im Deutschen Hanse anwesenden Abgeordneten verständigt. Tie Abgg. Dr. Schreiner, Lipka und kaiserß Rat Hergel begaben sich sofort an Ort und Stelle und sanden die ihnen übermittelte 'Nachricht vollauf bestätigt. Dr. Schreiner wandte sich sofort an das Polizeipräsidium, welches erst auf diese Weise von dem blutigen Vorfälle Kenntnis er­hielt. Es wurde nunmehr ein Polizeikommissar an den Ort des Ueberfalles entsendet. Dieser hatte im Verein mit den drei Wacl)tleuten noch alle Mühe, den entmenschten Pöbelhaufen zurückzubrängen. Tie Exzedenten eiferten ein­ander noch immer an, es bei der Mißhandlung des be- wußtlos Taliegenden nicht bewenden zu lassen, sondern ihm einen Denkzettel für sein ganzes Leben zu geben.

* Carusound die Berliner Mädchen. Caruso hat kurz vor seinem Scheiden aus der Rsichshauptstalck noch einen angenehmen Besuch empfangen;: Vorgesten: mittag erschienen bei ihm dreißig junge Damen, Mitglieder eines Berliner Pensionats, die dem Künstler am Ta« seines letzten Auftretens einen Riesenlorbeerkranz gestiftet hatten, und brachten dem von ihnen so heiß Verehrten mv auch persönlich ihre Huldigung dar. Ter Gänger zeigo sich von dem Massenbesuch der hübschen Ensthusiastinnett sehr erfreut, bewirtete feine Gäste in der liebenswürdigstm Weise und sang ihnen zum Schluß sogar eine Arie doc. Wenn man bedenkt, daß Caruso für ein Lied, das er ins Grammophon singt, ein Hstnorar von einigen Tausend Mari erhält, kann man ermessen, wie reich beschenkt und beglüLt seine jugenblLdjeu Verehrerinnen von dannen zogen.

* Wo es Buchen und Bucheckern gibt, kann mal. so schreibt man derWeser-Zig." aus der Lüneburger Heibs. jetzt im Herbst die reizende Beobachtung machen, wie der ftak Staubt, sich für den Winter versorgen zu müssen. Erst frißt tr stch natürlich umer der Buche guappcdick an den süßen Buchecken», aber dann nimmt er Tag für Tag wenn er freiwillig fort stiegt, also mast gejagt wirb ein oder zwei der Eckern, uir. lic sich am Waldcsrand einzugraben. Er legt die Nüsse vorstr nieder und bohrt nun mit dem SckMabel ein Loch in die ©rte. Er dreht sich dabei ordentlich ein- bis zweimal um sich selbst, ben Schnabel ais Bohrer benutzend. Tann legt eu sorgsam btc Efern tn die Erde und scharrt mit dem Schnaoel Sand darüber:. Ob der >>ogcl so viel Ortssinn hat, daß er aHe eingegrabenm Kerne wiederftndet, ist wohl zu bezweifeln. Das schadet ab: r auch Nicht, ans den vergessenen Kernen wachsen dann im nächste ^nchendaumchen. Jedenfalls wird er sich nicht ohne (fc* ' Er grabt aoer nur cui/ wenn er fiö

Vermischtes.

* Alte it n d n eue Z öP fe an u 11 s eren Universi­täten. An der Universität M ü n st e r wies der Rektor Pros. Dr. Erman bei der ersten Immatrikulation, die vor wenigen Tagen strattfand, aus die wichtige Neuerung hin, daß jetzt zum ersten Male auch weibliche Kommilitonen ein­geschrieben würden. Er sagte dabei nach dem Bericht der Münsterschen Universitäts-Zeitung: Wenn ein geistvoller, aber ungalanter Hochschullehrer, der Auch-Einer-Bischer, einst von dem Geschlechtmit den langen Haaren und den kurzen Gedanken" sprach, so unterschreibt die preußische .Hochschul- verwaltuug dies boshafte Wort offenbar nicht mehr, denn kurze Gedanken" würden zum Studieren nicht taugen. Der Zweck der Frauenzulassung aber ist nicht der, daß alles möglichst durcheinanderlanfe, jeder mit allem sich befasse, sondern daß in dieser ernsten Zeit, doppelt ernst für unser vielbedrohtes Vaterland, jede nach nützlicher Betätigung ftre* bände Kraft zum Heile des Ganzen freigemacht werde. Wenn sonst in unserem Hochschulwesen Neuerungen sich vollzieheu, jo verkündet die Presse sie mit der stehenden Wendung, aus unfern Universitäten seien wiederein Paar Zöpfe ver­schwunden", auf den l)eutigen Fortschritt aber paßt diese schöne Phrase nicht, es muß im Gegenteil heißen:Erfreu­licherweise haben unsere Hochschulen einige neue Zöpfe sich zugelegt." Tenn wir denken und wünschen nicht, daß unsere Studentinnen zwecks völliger Widerlegung des Wortes von den langen Haaren und den turzen Gedankein es machen werden wie ihre russischen Schwestern von vor etwa dreißig Jahren, die durch Abichneiden der Zöpfe und sonstige Nene- rimgen möglichst männlich sich maskieren. Das war eine Känderkrarikheit der Frauenbewegung, von be£ auch die stu­dierenden Russinnen längst zurückgekommen sind.

* H e r b st l a u b als E i s e n b a h u h i n d e r n i s. Daß Eisenbahnzüge int Schnee stecken bleiben oijer daß ihnen Hochwasser uliüberwindliche Hindernisse bietet, ist nichts neues; daß aber auch das Blätterlaub einen Zug zum Stehm bringen kann, ist zum mindesten originell. "Turch Lanb- verwehungen wurde dieser Tage der mitrags von Berlin nach Görlitz abgelassene Schnellzug auf der Sttrecke zwischen Kottbus und Weihwasser aufgehalten, wodurch er eine Ver­spätung von über einer Stunde erlitt. Das von den Säumen abfallende Laub war vom Winde auf den Bahnkörper gt trieben worden und hatte sich dort in großen Mengen zwischen den Schienen angesammelt, so daß durch das eigen­artige Hindernis ein bedenkliches Rutschen der Wagen ver­ursacht wurde. Es mußte daher Sand auf die Schienen gestreut werden, ehe der Schnellzug seine Fahrt fortsetzen konnte. Auch der nachfolgeitde Personenzug fam aus gleicher Ursache mit einer zweistündigen Verspätung in Görlitz an.

GerichrsßasL.

R.B. Darmstadt, 31. Olt. (Tel.) Das Oberlandes­gericht verhandelte als Rcvisionsinstauz in der Prwatklagc- >ache Reuther gegen E m m e l - Grünberg. Das Urteil wird am 6. 9iovember verkündigt werden. Tas Oberlandesgericht verwarf den Einspruch, den der Rechtsanivalt Tr. Fulda in Darmstadt gegen eine kürzlich in einer Gerichtssitzung gegen ihn ausgesprochene Ordnungsstrafe von 100 Mark erhob.

h. Frankfurt a. M., 30. Okt. Montag nacht wurde der hier wohnhafte Friseur Schneider bewußtlos in einer Straße aufgefunden. Die Tasche war aufgeschnüten, es fehlte das Porte­monnaie mit 80 bis 100 Mark: auch war die Uhr zertrümniert und Schneider wurde in das Hospital gebracht, wo er am fol­genden Mittag verstarb, ohne das Bewußtsein wiedererlanat zu haben. Die Sektion ergab gewaltsamen Tod. Wegen M 0 rdes in Aiagdeburg wird der 24 jährige Hausbursche Otto Knittelius ans Offenbach von der Staatsanwaltschaft ge- s u ch t.

h. Mannheim, 30. Okt. In dem! L andfri cd en se­hr uchProzeß, veranlaßt durch Die Straßenkrawalle, die hier wn 2 6. April stattfanden, wurde heute von dem hiesigen Schwurgericht das Urteil gefällt. Ter Haicptangeklagte Adam rief enter erhielt wegen Landfriedensbruchs ein Jahr, sechs Monate Gefängnis. Bon den übrigen acht Atigellagten wurden sieben ivegen Gewalttätigkeit, Widerstands gegen die Staatsge­walt und Beamtenbeleidigung zu Gefängnisstrafen von drei bis sieben Monaten verurteilt, einer wurde fccigejvrochen. Bei allen Urteilen wurde ein Teil der Untersuchungshaft mit drei bis sechs Monaten als verbüßt in Airrechnung gebracht.

Luxemburg, 30. Okt. Tie Mitglieder der luxemburgischen Kammer Fmrk, Preskatore und Le G a l l a i s, die während Der Wahlzest, einer Landessitte folgend, in den Wirtschaften für die Wähler Getränke bezahlten, würben wegen Wnh lbestechung, der erste zu 500, die beiden andern zu je 300 Fr. verurteilt.

Sport.

H. Limburg, 29. Okt. Ter hiesige N a d f a h r e v-B e r e i n 1889 beschloß in einer außerordentlichen Generalversamnüung, ein B e r e i n S b a n n e r zu beschaffen. Zur Einweihung desselben ist ein großes Sport- und Volksfest auf dem Marktplatz geplant und zwar im SZoitat Juli kommenden Jahres. Die vorbercitcnben Kommissionen haben bereits mit ihrer Arbeit begonnen.

Die deutWeinülichen Ausschreitungen in Prag.

Ucber die gemeinen Ausschreitungen, bei denen am Dienstag deutsche Studenten abermals j:ol) mißhandelt wurden, obwohl nach dem Zeugnis des Statthalters von ihnen kein herausfordernder Akt verübt worden ist, finden wir imPrager Tageblatt" einige Episoden, die ein grelles Licht auf das Verhalten der Polizei werfen. Das genannte Blatt schreibt:

Die von der Polizei von der Altsrädter Seite ver­drängten deutschen Studenten wurden über die Fahrbahn ins Kasino zurückgedrängt, selbstverständlich unter wahn­sinnigem Gebrülle des tschechischen Pöbels. Vor dem Kasino hatte sich aber ebenfalls tschechischer Pöbel angesammelt, so daß die Studenten aus der Hölle ins Fegefeuer gerieten. Nicht nur, daß sie jetzt von dem Psöibel in brutaler Weise mißhandelt wurden, schritt auch die Wache gegen sie ein und traktierte sie mit den üblichen Fußtritten und Rippenstößen. Die Beamten überließen auch diesmal der Wache dasOrd- nungmachmt". Weim einem Studenten die .Kappe herunter­gerissen wurde und er sich an die Polizei um Schutz wandte, schrien einige Temionstranten, er hätte auf sie eingeschlagen und verlangten seine ^Verhaftung. Tie Polizei pmckte bann den Wehrlosen und verhaftete ihn. 2luf diese Weise wurden mehrere deutsche Couleurstudenten verhaftet.

Aus dem Bericht des Prager Blattes sei noch folgendes hervorgehoben:

Elegant gekleidete Damen, die sich ebenfalls im (be­dränge befanden, schlugen mit Regenschirmen auf die Stu­denten los und stachen mit Haarnadeln nach ihnen. Um 12 Uhr drang vor dem Kasino ein ganzer Trupp von Exze­denten auf einen einzelnen deutschen Studenten ein. Der Student wurde von der Menschenmasse eingekeilt, so daß er. kein Glied rühren könnte. Plötzlich sah man, wie sich mehrere Fäuste gegen den völlig rvehrlosen Otubcntcn er­hoben. Er buckle sich, um ber Attacke zu entgehen, ba sausten aber auch schon Stöcke auf ihn nieder und es hagelte von Hieben. Plötzlich wurde ein mächtiger KantschuMock ge­schwungen, der mit furchtbarer Wucht auf den Köpf des Studenten niederfiel. Ein Blutstrom, der über das Gesicht des Angegriffenen hinabschoß, bezeichnete die Wirkung des Stockhiebes: dem Studenten war ein großes Stück der Kopf­haut hinter dem Ohlr abgerissen woroen. Der blutig Ver­letzte wurde verbunden, und es wurde ihm ärztlickw Hilfe zuteil. Wg. Kasper, der um 3/il2 Uhr im Kasino erschien, requirierte durch einen Wachmann einen Wagen für den