Ausgabe 
31.10.1908 Zweites Blatt
 
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Die Erklärungen der deutschen Halfers

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Die vom 29. teilungen

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poütijcbc Sagesschau.

Die Jnferatensteuer.

in dem Abendblalte des »Berliner Lokalanzeigec« Oktober veröffentlichten angeblich zuverlässigen Mit- über die Annoncen- und Rcklcnncsteuer beruhen,

Deutsches Reich.

Die Rekruten der Potsdamer Garnison würben

Die ..Sketzerie, ZamtltendlSNer" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt. daS Kiclsblan für oen Krell Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

lichen Teilen auf freier Erfindung, sowohl hinsichtlich der einzelnen Steuersätze, wie hinsichtlich der angeblich wieder zurückgezogenen lOprozentigen Erhebungsentschädigung für bic Presse, wie auch hinsichtlich der materiellen Angaben über die

Gieszener Stadttheater.

Die berühmte Frau.

Lustspiel von Fr. v. Schönt Han u. G. Ka del bürg.

Unter Hermann Bakofs flotter und verständnisvoller Regie ging gestern abend daL vergnügliche, auch de§ tieferen ethischen Gehaltes nicht entbehrende Lustspiel »Die berühmte Frau" über unsere Bühne. Das durchgeistigte Spiel und der lebendige Fluß des Dialogs machten die Vorstellung zu einer der besten der bis jetzt heralisgebrachten, und es wäre des­halb vielleicht tunlich, das Lustspiel nicht, wie beabsichtigt, schon nach dieser einen Aufführung vom Spielplan abzusetzen. Dian könnte es vielleicht mit einein der weniger gelungenen Stücke tauschen.

Auch die Einzelleistungen standen auf einer erfreulichen Höhe. Hermann Bakof, der mir soweit ich nach den wenigen Rollen beurteilen kann im zeitgenössischen Sind weit bedeutender erscheint als iin geschichtlichen, trat als Gatte der berrihmten Frau in Spiel und Maske ailsnehmend gut in Erscheinung und spielte den gutmütigen Schwerenöter mit wohltuender Innerlichkeit. Anni Röber als sein bubenhaftes Töchterlein Herma, gab den neckischen Kobold mit der ganzen angenehmen Frische und Wärme, die sie in ihren Backfffch- rollen so erfreulich zu entfalten versteht. Eine liebenswerte, selten wohlmeinende Tante war Ada Pauly, die ihre grobe Szene im dritten Auszuge mit durchdringender Kraft gestaltete und ausgezeichnet im Spiel war. In der schwierigen und anstrengenden Rolle des Grafen Palmay erfreute Clemens Roden durch eine möglichst natürliche Wiedergabe des nahezu unmöglischen ungarischen Trottels Auch rein darstcllerlsch i|i er durchaus zu loben. Weniger lobenswert war diesmal Riidolf Goll als Traunstein, der 511 sehr zurückhielt und da- dilrch die Verliebtheit des kleinen Fräuleins sehr unwahr­scheinlich machte. Ein »biffele viel- mehr Feuer und mehr Schneid ist hier durchaus am Platze. Eine recht nette Wally war Dörle Mai fort h und auch die berühmte Frau von Grete Höcker war recht gut. Noch ein Wort für die Regie! Es scheint mir zweckmäßig, den Auftritt zwischen Herma und Agnes im dritten Aufzuge, wo sie sich als Herrin zeigen

Rotationsdruck *n6 Verlag der BrÜbNch« UnwerluälS Brich- und Eremdruckeret.

R. Lang«, Gießen.

Redaktion. Exvedrtion und Druckerei: Schul- straße 7. Ervedilion und Verlag. fcSd) 5L Redaktion:112. TeU-AdruAnzeigerGießen-

....... bäulke.

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Reklamesteuer.

Zn der Gewerbeordnungs-Kommission des Neich?tageS wurde g. st.ru der Aiirrag des Zentrums unb der Sozialdemokraten angenommen, den Absatz 3 oesl § 13U 311 streichen, bem&upfae ber Reicliskanzler auf gründ eines Antrages von der borge, chrlcbencn zehnstündigen Arvcitszeit für Arbeiterinnen Ausnahmen gestatte darf. Der Antrag der wirtschaftlichen Vereinigung, dag vor dnn Erlaß von Verfügungen auf gründ> des Absatzes 2 deS 139 Arbeiter und, wo ein ArbeiterauSichuß im -sinne de» tz i->9 besteht, diese schriftlich und gutachiltch zu Horen sind, wird anyv- nommen. Entsprechend den Beschluffen zu dein 8 I08 a die Ziffer 4 des 8 139 a abgeändcrt, dag statt 60 Ausnahmeragen 40, statt 13 Stunden Arbeitszeit täglich 12 durch eine Bundes­ratsverordnung genehmigt werden tonnen.. Sodann wird ein Zentrumsantrag nngtnommen, der die Ziffer o des 8 id» der Vorlage dahin adanderl, daß bei Gewährung von .luönahmen bezüglich ber Nachtarbeit für Betriebe, die Rohschn verarbeiten, welche dem Verocroen ausgesetzt sind, die elfstundige Ruhezeit gewährt werden kann. Zu 8 139 verlangen die Sorialdemokr^r, baß für Ueberzeitarbeit auf gründ der 8§ 138 a, luJ unb 139 a Oie Hälfte (eventuell ein Viertel) mehr zu zahlen sei, als der aewöhiiliche Lohn beträgt. Ter Antrag wird abgelehnt. Entgegen oen gesagten Beschlüssen werden die Strasvestunmungen ut § 14b unb 8 14/ abgcaiibert, im übrigen werden die §§ 146, 14/ und folgende bis 154 nach der Regierungsvorlage angenommen. Dw nächste Sitzung findet morgen statt.

möchte, etwas zu mildern, da er in b efer Form zu erzwungen erscheint. Sonst ober kann man nur wünschen, daß jede Vorstellung von gleicher Güte wäre. Kari Neurath.

Z AuS Franklurt a. M. wirb uns geschrieben: Tie Heu-1 tige Erstaufführung des schon geraume Zett erwarteten Gold- m a r l'jchenW in 1 e r m ä r cb e n 6" brachte unserem Opernhause einen sehr lebhaften Er'olg. Nachdem die Zuhörer den eisten W 1 verhältnismäßig kühl angenommen hatten, schlug der zweite nn- aleich dankbarere und an musikalischen Gedanken reichere mitier- ordentlich kräsug ein. Hier schöpft der Koinpomst ans dem Vollen einer reichen musikalischen Geslaltungslraft und seine gelobten prägen sich auch sofort ins Ohr. Musikalisch M, trotzdem der dnt.e Akt der nicht ganz so unmittelbar wirkte, vielleicht wertvoller. An'der Aufführung (Dirigent Tr. Rottenbergs waren Iorchhammer, Wirt, Brann und die Damen Doenges, Schröder, esellm hervor­ragend beteiligt. I

Amerikanische Präsidentenwahl!* lieber Die iolle Spektakelszene, die der Nominierung Roosevelts im Jahre 1904 in derKonve.ushalle iolflte, berichtet Otto v Gottberg mi November- heft von Belhagen u. Klasings .Monatsheften': Auch des letzten Restes von Würde entkleidet, stand seit Stunden einer der Gropeii der Republik, Herr Joe Cannon, Speaker des Unterhauses, aut dem Bodmin Die große knochige Hand des hageren, eckigen, lang- ansaeschossenen und seltsam rüstigen Siebzigers halte wahrend der Verhandlungen unter wieherndem Lachen der Zuschauer mit wildem fuchteln und hallendem Mopsen einen Hammer aus Hotz geführt, | arößer als jener ans Stahl, den irgend em Lchmied aut den Ambos fallen läßt. Tazu verzog ftch das verschmitzte Gesicht nut listig zwinkernden Aeiiglein zu Grimassen, deren jede bejubelt ward. Um das Resultat der Abstimmung zu verkünden, ergriff der Graubarl in seniler Ausgelassenheit eine Fahne und begann, als die Musik einsetzle, zu ihren klängen zu taiizen. In feinem Zirkus ward je Groteskeres geieben als die hohe, magere Geltalt des exzentrischen Greises im schlechtgeschnittenen, lang und lose um leine Figur schlotternde,i Gehrock au5 gröbstem Kammgarn. Wahrend der Alaun der an Jahren und Stellung aui deutschem Boden etwa dem Graien Ballestrem während seiner Tätigkeit al5 Reichstags- Präsident zu vergleicheii war, evien Akt von historischer Bedeutung vollzog, tänzle er unter der rund über seinem Kopie geschwungenen Fahne den engbrüstigen Oberleib zurückgebogen und mit der Linken die nach Frauenart geschürzlen überlangen, lalienteidien Rocklchoue um die vorwärts gebogenen Rmeen jchwenkend, im Cakewaltschnl die Bühne entlang. Oder er stand in ihrer Aiille aus einem bannen Bem während bas andere, fast wagerechl zur Seite geregt, in rhythmischen Bewegungen zum Takt der Pauke mit dem Knie gegen den Leib gezogen und dann wieder ausgestoßen ward.

Ausschreitungen in Böhmen. In Prag herrschte gestern Ruhe. In Außig, Böhmischleipa, Brüx, L>aaz und ^eplitz kam es vorgestern aoend zu Gegendemonstrationen gegen die Tschechen. Bei den Demonstrationen gegen die Teutsujen m Jto* mginljyf wurde der Lcsirlsbommissar durch einen Steinwurs schwer verletzt: ebenso wurde in Teplitz der intervenierende Beamte durch einen Steinwurf verwundet. .

Der Besuch des deutjchcn Kaisers in Le ster- reich. DieKorrespondenz Wilhelm" meldet: (Siner un Sommer des laufenden Jahres ergangenen Einladung des Erzherzogs #ranj Ferdinand folgend, trifft der deuffäst Kaiser am 4. 'Icvvember in Eckartsau ein, um dort einige -tage als Gast des Erzherzoge zu verweilen. Se. Majestät werden in den wildreichcn Auen von Eckartsau jagen. Erzherzog Franz Ferdinand trifft die Vor­bereitungen für die Jago, sowie sämtliche Arrangements sur den Auftntljalt des Dionarck-en höchstpersönlich. In Begleitung des deutschen Kaisers iverden sick, befinden Generaladiutant Gras Hülsen-Häseler. Flügeladjutant Oberst Baron v. Marjchall und Leibarzt Dr. Nieder. Tie Abreise des deutschen Kaisers ctrolgi i F-reitag den 6. November. , . . ~

Deu tsche und Franzosen m Asrika. Die Voss. Ztg meldet aus Tanger: Gestern drangen .Soldaten der von sranzösischen Jnstrulteuren ausgebildeten Polizei in die Muhle eines deutschen Sckmtzgcnossen und verlangten, daß ihnen Korn unentgeltlich gemahlen werde. Ta es battucigert wurde, bedroh­ten und oeschimpften sie die arabischen Angestellten des Mühlen-

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Am 4. November tritt der Reichstaa zusammen. Viel­leicht gibt Fürst Bülow dort eine Erklärung ab, die als .authentische Interpretation" seiner Morte von vor acht Jahren angesehen Iverden kann. "Vielleicht wird im Reichs­tage dann auch von einer Seite des Hauses eine Aenderung

Zum Schlüsse noch eine englische Preßstimme: Die Daily News" betitelt ihren Leitartikel: Der Kaiser als Autokrat, und bemerkt:Mit säst jeder freien und gesitteten Nation können und sollten wir enge Freundschaft pflegen; können wir aber das gleiche von einer Kamarilla sagen, die eine Minderheit int eigenen Lande darstellt? Ware der Kaiser eine ebenso stetige wie kraftvolle Persönlichkeit, so wäre es vielleicht sickier, auf diese seine Freundschaft zu rechnen, deren er uns mit so augenfälliger Auftichtigkeit versichert. Doch sogar in den Dingen, die er selbst an­führt, scheint eine Warnung zu liegen. Er fordert uns auf, ihn nach seinen Handlungen in E>achen der Buren zu beurteilen. Wir können indessen nicht vergessen, daß dieses Kapitel im Jahre 1895 begann, als er das berühmte Tele­gramm an Krüger ergehen ließ, das den deutschen Schutz für die diationalität der Buren zu verheißen schien. Es war ein ungestümer und gegen uns feindseliger <5d)ritt. Wir waren jedoch damals schreiend int Unrecht. Der >>ame- konscke Einbruch war eine internationale Gewalttat, und ! . 1 J. L ... r.l____..k nrnn»

auswärtige Politik vom Reichskanzler unter größerer per­sönlicher Verantwortung geleitet wird, als dies bisher der Fall ist. .

Die Bestimmungen ber Verfassung mochten genügen für einen Bismarck und den verehrten alten Kaiser, zu deren beider Politik das deutsche Volk unbegrenztes Vertrauen haben konnte. Heute liegen die Verhältnisse anders. Lebten wir in einem parlamentarisch regierten Staate, dann wurde der keilende Minister sich bald seiner Verantwortlichkeit be- wußt werden. Als int Jahre 1896 die Ablehnung der Er- ncueruna des sogenannten Rückversicherungsvertrages mit Rußland bekannt wurde, da schrieb derReichsanzeiger"^ am 27. Oktober in amtlichem Auftrage, diplomalische Vorgänge gehörten ihrer Natur nach zu 'den strengsven Staatsgeheim- nissen; sie gewissenhaft zu wahren, beruhe aus einer inter­nationalen Pflicht, deren Verletzung eine Sck)ädtgung wich­tiger Staatsinteressen bedingen würde."

gestern in Gegenivarl des Kaisers vereidigt.

A d e l s v e r l e i h n n g. Ter .Reichs-Anzeiger' meldet amt­lich daß dem Besitzer der Herrschaft Bärenwalde im Kreise Schlochan, Kommerzienrat Rudolf Koch- Berlin der 1vu1u.1v -........ , erbliche Abel verliehen worden ist. Kommerzienrat Koch ist

die Buren waren der Gegenstand einer berechtigten groß-I Direktor der Deutschen Bank.

mütiaen Svmpathie. Im Jahre 1899 hat der Kaiser in- Deutsche Eis en b ah n gemein sch akt. Die von ement dessen trolt der vorherrschenden Volksstimmung, aufgehört, Württemberger Blatte verbreitete Nachricht, daß tu pamburg bie Siiir^fr?unh unb war bereit, Chamberlains Konferenz zum Abschluß der deutschen El,enbahngemeinichat statt-

Durenfreunb z f in, otrMiifif* meint das Blatt I sindet, ist unrichtig. Tie Konferenz wird, wie die ,Jranks. Ztg.

Politik zu unterstützen. Am Schlüsse memr vas Liiarr,! November in Frankfurt abgehalten werden.

die herrschende Klasse in Deutschland sei weder einer dauern-1 Reichs-Justizamt wird eine Tenkschrift über die

den Freundschaft, noch einer entschlossenen Feindschaft fähig. audgcaibeitet, die fremde Staaten bisher mit der

Man könne mit ihr zuweilen ein Geschäft machen, müsse Deportation von Verbrechern gemacht haben. In der ^eukscyrift ibr aber auch mitunter Widerstand leisten und müsse iid) rocvöCu öie (Lriahruiigen aller Staaten, die Verbrecher-Kolonien ge- eben bescheiden, diesen Zustand hinzunehmen. In der gründet haben, einzeln eiiigehend erörtert. Die ^.enkschrist wird D a i l Y M a i l" läßt der alte Stead, der stets auf Knall- dem Reichstage aitfang nächsten Jahres zugehen.

effekte hinarbeitet, einen offenen Brief an den Kaiser er- ------""

scheinen, der aus dem Berichte desDaily Telegraph" ZUlSlatlO.

entschiedener als vorher die Notwendigkeit abzuleicen sucht,! Eine eigentüniliche Maßregelung. Gegen den die britische Flotte zu verstärken. Stead ist schon vor 53^^ Laudtagsabgoordneten, Vizebürgermeister von^Eyer, einiger Zelt zu den Freunden der Flotten Verstärkung uber-^chisaiimalt Tr. Alfred Bernardin, ist wegen 1 einer Teil-.

den Agitatwn, und der Bericht ve»^-aiiy ^eregrapy | Äfxir nin Böl», wird dabei nutzbar gemacht.

Also daS ist der Erfolg einer in bester Absicht ver­öffentlichten Kundgebung'. Die Kritik des Auslandes ist hart, affzu hart, und wohl auch in den allermeisten Punkten nicht ganz zutreffend, aber fie zeigt uns einmal mit er­schreckender Deutlichkeit, wie die Mißstimmung m aller Welt gegen uns zuitimmt.

werden in der ausländischen Presse noch immer sehr lebhaft j besprochen und kritisiert. Besonders scharf schreibt dieNo- < woje Wremja". Durch diese Quasi-Enthüllungen, so heißt es da, wird keinerlei Erkältung zwischen den drei Mächten , eintreten. Wohl aber geben sie unzweifelhaftes Material zur , unwiderruflichen Abschätzung des Vorgehens der deutschen Politik. Sie bilden eine Art Lektion für die europäische , Diplomatie. Von jetzt ab wird es wohl niemandem mehr einfallen, Deutschland irgendwelche Pläne an- auoertrauen, welche loyale Diskretion erfordern. Es wird sich kaum jemauo finden, welcher von jetzt ab den Mitteilungen Deutschlands noch Glauben schenkt. Austerdem wird stets der Verdacht vorherrschen, daß Deutschland einen heimtückisch verrät. Jeder Diplomat wird von jetzt ab darauf gefaßt sein, daß seine Worte von Deutschland verdreht werden. Im Interesse deS euro­päischen Friedens läßt sich das alles nicht gerade gutheißen.

DemFigaro" wird aus London gemeldet, Wil- he'lm II. selber habe den K0rrekturabzug des Artikels gelesen und einigeStellen geändert. Es eristiere sogar ein kaiserlicher Brief, den seit September der ,/Daily Telegraph" im Besitz habe, und in dem die Ver­öffentlichung des revidierten Textes ausdrücklich zugeftanden wird. Man muß hoffen, daß wenigstens diese Nachricht dementiert wird. Lord Weardaie erklärt heute auch in einem Telegramm an denPetit Parisien", daß er mit dem Inter- view nichts zu tun habe.

Zu beachten ist auch die Stimmung der Hollander.Die Hilfe, schreibt derN. Rott. Cour.", bic der Kaiser den Eng­ländern dadurch geleistet hat, daß er ihnen zusammen mit seinem Gencralstab einen Feldzugsplan an die Hand gab, damit sie Ende 1899 aus der Klemme kamen, deucht uns doch die wichtigste Aeußerung des Kaisers. Die Buren werden ihm für die Mitteilung dankbar fein. Ihr Waffen­ruhm steigt. Nicht allein haben fie das ganze britische Reich gegen sich gehabt, nicht aflein ungefähr 450 000 Mann weiße und etliche Zehntaufende fchivarze Krieger gegen sich ge­habt, nicht allein Englands größte Generalc/sich gegenüber gesehen, sondern der Generalstab des besten Heeres der Welt ist noch dazugekommen. Ter vielgerühmte Zug nach Bloemfontein, Lord Roberts Meisterstück, istmade 111 Ger- many". Nebenbei bemerkt, das unumwundene Lob, das deutsche militärische Schriftsteller und der deutsche Gencral­stab selbst manchmal über Lord Roberts Strategie aus­gesprochen haben, und das in der englischen Presse mit soviel Genugtuung angeführt wurde, erscheint nun in einem eigen­artigen Licht." 1 ,.r

Au diese Kritik schließen sich einige Betrachtungen über die deutscheRealpolitik", die sich durch keine noch so schroffe Abweisung von den Bewerbungen um Englands Freundschaft abhalten taffe.Es besteht Aussicht," heißt es zum Schliisse,daß der Kaiser sich über die Ablehnung seiner Freund,chaft noch mehr zu ärgern haben wird."

Sehr scharfe Worte sindet auch jetzt wieder die den Konservativen nahestehendeRheinisa)-Westsalische Ztg.": Wenn Fürst Bülow gestern durch die Veröffentlichung ebenso überrascht worden ist wie die ganze Welt, was wird er tun? Erinnert er sich des großen Wortes, das er gelaffen am 13. Dezember 1900 im Reichstag ausspcach:

Für Seine Majestät den Kaiser sind lediglich natio- nale'Gesichtspunkte maßgebend, unb wenn es anders wäre, wenn irgendwelche verwandtschaftlichen oder dynastischen Verhältnisse Einfluß halten auf die Entschließungen Seiner Majestät, so würde ich nicht einen Tag länger Mmijter

besitzers. ' >

Aus StaöL uiifc Land.

Gießen, 31. Oktober 1908.

** Tageskalendcr. Stadttheater. Samstagabend 8 Uhr: Volksoorstellung Der Compagrwn. ^.Sonntag nachmütag 3y3 Uhr: Tie 2anu von Maxim. Avcnds 71/ Uhr: u>ie Jung- ftVoOn;^tTCMin. Erster S-list-n.Wmd: R-b-rt Kot he, Sonntag 51/4 Uhr, Neue Aiila.

Kolosseum. TugUcy Vorjtellimg.

Kiiiematographenthcater. Programuiwech>el. Täg­lich Vorstellung. ... L f

Kaiserpanovama. ^taglid) geoiptet Programmwechicl. Die Eroberung der Luft.

M i l i t ä r k v n 3 e r t aur ber Licbigshöhe,Sonntag nachmittag

Anklagemusik Somrtag mittag 12'/- Uhr in der Süd- Anlage. Spielplan: 1. Krönungsmarsch von Mayerbcer; 2. L.'yNirrata-Walzer von Lincke; 3. Finale a. b. Op. Aida von; Verdi; 4. Armeemarsch Nr. 7.

Ordensverleihung. Se. Kgl. Hoh. der Groß- Herzog haben der Krankenpflegerin des Alice-Frauenvercins, Schwester Sophie Klenk zu Alsfeld, das Silberne Dienst- auszcichnungSlreuz für Krankenpflege verliehen.

* Pfarrpersonalien. Se. Kgl. Hoh. der Groß- herog hat den von sämtlichen Riedesel Freiherren zu Eisen- bach auf die evangel. Pfarrstelle zu Wallenrod präsentierten Pfarrassistenten Herrn. Knott zu Bad Nauheim betätigt.

* Lehrerpersonalien. In den Ruhestand versetzt wurde der Lehrer Bernh. Strack zu Eppertshausen auf fein, Nachsuchen bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit.

Die Vereidigung der Rekruten fand hei^ej svormittag 11 Uhr in der herkömmlichen Weise statt.

Nr.SS^ Zweites Blatt 138. Jahrgang Samstag 31. Oktober 1808

Erlchetw tägll® mtt Ausnahme bes Sonntags. Gießener Anzeiger Senerak-Anzsiger für Gderheffen

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