Ausgabe 
31.1.1908 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt

Nr. 26

Freitag. 31. Januar 1908

Trfchetni »glich mtt Ausnahme de- Sonntag».

General-Anzeiger für Gberhessen

Ter Marineetat.

aus

158. Jahrgang

SReboThon. ExpedMon -mb Druckereir Schul- stratze ?. 6rpebuton anb Verlag. 6L Rtbafttorte^lia. id.-S^uSlngetaeKSt/feeru

RolartonSbvud anb Verlag bei »rühllchea UntDerftiätc tRud> anb @tetnö ruderet.

51 Laag,, Stegen.

Staatssekretär v. Tirpitz: I« kann nur sagen, daß wir den Bedarf von Wein bei der Marine, soweit irgend möglich, in Deutschland decken, und am liebsten schon mit unserem deutschen Rheinwein. Wenn wir auch schon bisher von der Güte dieses Weines durchdrungen waren, so haben wir doch gar nichts dagegen, uns noch einmal davon zu überzeugen. (Große Heiterkeit.)

Freitag 1 Uhr: Fortsetzung und dann Eisenbahnen.

Schluß nach 6 Uhr.

DieGiefa.net Kamtlienblatter" werden dem »Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, ba5 Kretsblatl ffir den Kreis Liehen" zweimal wöchentlich Ter ..hessische candwtrt" erscheint monatlich einmal.

^,..^^5- ^'r- Struve (freis. 33p.): Daß der Staatssekretär unsere Lchifssbauindustrie herabgesetzt hat, hat Leonbart mit keiner Silbe behauptet., Aber wenn die Staatssekretär gestern, mit Recht oder Unrecht, die Schiffsbauindustrie in England so gelobt, so ist es Pflicht der Abgeordneten, das Wort zu nehmen und darauf zu erklären, daß auch unsere Schiffsbauindustrie jeder anderen, ob es sich nun um Kriegs- oder Handelsmarine handelt, durchaus ge­wachsen ist. (Lebhafter Beifall.) Leonhart könne, sagt der Staatssekretär, nicht unterscheiden zwischen konstruktiver ' Technik und Betriebstechnik. Ach, Herr Staatssekretär, Leonhart und ich stnd beide von der See, wir sind Holsteiner. Bei uns wisien das die Jungens in der Schule. Mit solchen allgemeinen Einwürfen loll man uns, die wir ein großes Jntereffe für die Ausgestaltung

Jr?.rne Freuden in Anspruch nehmen, nicht kommen. (Lebh. Beifall links.) Ach nein, Herr Staatssekretär, es ist durchaus nicht so hinfällig, was Leonhart gesagt hat. Es ist ihm ,a aber auch schon früher so gegangen, als er für eine Besser- stellung der Techniker bei der Marine eintrat. Alle Bemühungen nutzen nichts, aber schlechter als es setzt der Technik bei der Marine geht, kann es ihr überhaupt nicht mehr gehen. DerStaatssekretär sagt, im Unterseebootsbau sei nichts versäumt. Ich würde mich außerordentlich freuen, wenn das in vollem Umfange der Fall ist.

Ich möchte aber nunmehr den Staatssekretär bitten, seine AufmerkfaMkeit auch auf einige andere Punkte zu lenken. Zu- nächst die Oeffentlichkeit bei den MarinekriegS- 0^^chf^,v. Ich will nicht Urteile der Kriegsgerichte besprechen, trotzdem die drakonische Strenge, die so häufig in den Urteilen zutage tritt, un? veranlassen sollte, der Frage der Aenderung des Militärstrafverfahrens möglichst bald näher zu treten. Jetzt, nach 10 Jahren können wir sagen, daß die Oeffentlichkeit beim Militär­strafverfahren sich durchaus bewährt hat, aber gewissen Leuten ist sie em Dorn im Auge. Tie Verhandlungen gegen Offiziere wer­den )o geheim wie möglich gemacht. Ein besonderes Hilfsmittel zum Ausschluß der Oeffentlichkeit ist, die Verhandlungen an Bord eines Kriegsschiffes zu legen. (Hört! Hört! ) Ta ist man ganz sicher. Tie Oeffentlichkeit ist zwar da, aber bis man die Ein­ladungskarte vom Gerichtsherrn zum Betreten des Kriegsschiffes hat, i,t die Verhandlung längst vorüber. Auch bei den Ober- kriegsgenchten und Kriegsgerichten, bei denen die Verhandlungen an Land sein müssen, ist das Verhalten der Presse gege.nüber ein unwürdiges. Ter Redner führt unter fortgefetzten Hört! Hörtl-Rufen der linken Seite frappante Bei­spiele vor au? dem Bereich der ersten Marineinspektion. Es änderte sich erst in dem Augenblick, als Prinz Heinrich Ehef der Ostseestation wurde, da wurden die Richter freundlicher und ent­gegenkommender und die Heimlichtuerei hörte auf. Mit dem Wechsel der Stelle wehte aber sofort wieder ein ganz anderer Wind. Dem Gerichtsdiener wurde unter Androhung von Strafe verboten, überhaupt mit den Berichterstattern zu sprechen. Diesen wurde das Betreten der Vorslure verboten: und nicht genug damit, nein, auf einer Tafel stand fettgedruckt: Unbefugten, ins. besondere Zeitungsreportern, ist der Zutritt strengstens verboten! Ein Kriegsgerichtsrat erklärte nach einiger Zeit einem Berichterstatter, er könne in der Sache nichts tun, der Gerichtsherr hätte kurzerhand erklärt, das sei Stationsbefehl. Bis auf treueres kann ich nicht glauben, daß dieses unwürdige und unberechtigte Verhalten gegen die Presse auf den jetzigen Chef der Ostseestation zurückzuführen ist. Auch eine rein objektive Bitte der Redaktion eines bürgerlichen Kieler Blattes um Auskunft wird abgelehnt, auch wenn sie sachlich und mensch­lich durchaus begründet ist, zum Beispiel nach der Art der Ver­letzung eines schwer verunglückten Seeoffiziers. Bei der Hochsee­station besteht ein freundliches Verfahren noch heute. Ich richte an den Staatssekretär die Bitte, seinen Einfluß dahin geltend ^u machen, daß gegen Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften 'n gleicher Weise möglichst öffentlich verhandelt, und daß Vor­kehrungen getroffen werden, daß, wenn die Oeffentlichkeit zuge­lassen wird, sie auch tatsächlich audgeübt wird. Tas würde dem Ansehen der Flotte nur in jeder Weise zutrag,ich sein. (Bei­fall links.)

Dr. Dahlem (Ztr.), daß die Marine ihren Rotwein nicht mehrt dem Auslande beziehen soll, sondern von den heimischen Winzern. Daß unser rheinischer Wein was laugt, haben die Herren ja bei ihrer Rheinfahrt gesehen. (Heitert.) Die französischen Rotweine find billig und schlecht: der deutsche Wein ist teurer aber ganz etwas anderes als diefes Zeug. Ich lade Sie ein: kommen Sie mal hin. (Es antwortet ein einmütiger Ruf freudiger Zustimmung^ Wir kommen!) Halt, meine Herren, die Einladung war diesmal nur an die Marineverwaltung gerichtet. (Stürmische Heiterkeit. Staatssekretär v. Tirpitz nickt freundlich zu). Kommen Sie an den Rhein und überzeugen Sie sich, daß unsere Weine gut sind, dann werden Sie der Not unseres Winzerstandes abhelfen. (Stürmischer Beifall).

Deutscher Reichstag.

90. Sitzung, Donnerstag, 30. Januar, 1 Uhr.

Am Tische des BundesratS: von Tirpitz, Frhr. von Stengel.

Mzepräsideut Dr. Paasche eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 16 Minuten.

Der Redner befürwortet sodann die Eingabe der Werft­gemeinde Ellerbeck bei Kiel und Heppens bei Wilhelmshaven um Erhöhung des Reichszufchnstes und beschäftigt sich dann sehr ein. stehend an der Hand von Petitionen mit den Verhältnisten einer Reihe von Beamtenkatcgorien, der Dcckosfiziere usw. (Lebh. Bei­fall links.)

Staatssekretär v. Tirpitz: Ich will mich auf eine kurze Nach­lese zu den Ausführungen des Vorredners beschränken. Ter Ausschluß der Oeffentlichkeit ist gesetzlich geregelt. Tie Marine- Verwaltung hat kein Recht, den Veschlüsscu der Gerichte vorzu- greifen. Die Vorwürfe gegen die Station der Ostsee wegen der

- schlechten Behandlung von Berichterstattern sind unberechtigt. Den 1 Berichterstattern ist verboten worden, die Korridore zu betreten, ' vorüber sie sich beschwert haben. Sie können aber in den Zu- ' schauerraum gelangen, ohne die Korridore zu betreten, die nur für Die Zeugen bestimmt sind. Tas Verbot war also berechtigt, denn es kam auch vor, daß Zeugen und GerichtSschrciber von ben Berichterstattern belästigt und au8gefragt wurden. Die Beschlag- uabme her Gerichtsschreiber mußte beschränkt werden. Tie Be­richterstatter werden aber in keiner Weise behindert werden, den Verhandlungen beizuwohnen. Was die Maschineningenieure br- , t w scheint man ganz zu vergessen, daß die ganze Reorgani­sation dieses Personals, das früher eine niedrigere Karriere

4 as der eigenen Initiative der Marineverwaltung hervor- gegangen ist ohne jebcs Drängen von außen. In den letzten ,'echs Jahren ist viel geschehen. Tr. Struve hatte doch ein paar Worte der Anerkennung dafür finden sollen. Die Zeit, die früher ge­braust wurde, um Ingenieur zu werden, ist verringert worden, das Einkommen hat sich gebesiert, eine Scesahrtszulage ist ein- geführt, Kasinos find vorgesehen, weitere Schritte find in AnS- nch.. -tcic Tatsachen stellen die Sache doch ganz anoers dar, aI8 Dr. Struve sie geschildert hat. Wir werden immer bestrebt sein, aueS zu tun, was geschehen kann, vorausgesetzt, daß die Qualität, die w-.r brauchen, nicht geschädigt wird. Bei den Tafelgeldern handelt es^sub darum, daß der Konmmandoapvarat nickst mit dem einzelnen Schiffe hinausgehen kann. Er bat auch für anders Sebiffe zu dienen, die unter dem Kommando des Geschwaderchefs stehen. Die Marineverwaltung ist nun grundsätzlich dageg n, die Schiffskommanbos mit Behörden am Lande zu verschmelzen. Wir haben daher ein altes Schiff für den Kommandoapparat ge­nommen. Die Beamten erholten allerdings Tafelgelder, sie sind ihnen aber bereits um die Hälfte verkürzt worden. Die «Manne« bertnaltunq hat auch stets dafür gesorgt, ihre Beamten günstig zu stellen. Wie schwer diese Materie zu regeln ist, zeigen die Ver­handlungen über die Beamtcnaufbefferungen im Reiche und in Preußen. Wir werden aber alles tun, was in unserer Macht ist, unsere Beamten zufrieden zu stellen.

Daß uns alte Offiziere hin und wieder sehr früh ber- laffert, tut uns selber leid. Sie finden eben sehr leicht ein besseres Fortkommen als bei der Marine. Dann ist es schwer, sie zu halten. . .

Abg. Scflicn (Soz.): Da? Verhaften gegen die Berichterstatter war sehr sonderbar. Ein Gerichtsschreiber läßt sich doch nicht so leicht in Beschlag nehmen. Die Herren Freisinnigen werden mit der Antwort des Staatssekretärs nicht so recht zufrieden sein. Sie ' e h e n, meine Herren Freisinnigen, e § bleibt alle? beim alten, obgleich Sie jetzt sich der RegierimaSsonne erfreuen, und obgleich einzelne ihrer hervorragenden Vertreter mit Ordensauszeichnungen bedacht worden sind (Beifall der Soz., Lachen der Freis.) Der Redner bemängelt die Zustände auf ben kaiserlichen Werften.besonderS auf der Kieler Werft. DieArbeitcr hoben nicht genügend Einfluß, um ihre Sache besser zu stellen. Sobald sie ihr Recht verlangen, werden sie entlassen. Die Arbeiterausschüsse sind ganz machtlos. Die Tagesordnung ihrer Sitzungen müssen sie der Direktion einreichen, die einzelne Punkte streichen kann. Auf Beschwerden kommt oft monatelang keine Antwort. Eine Kaisergeburtstags- feier, wurde auf ihre Kosten veranstaltet. Die Ausschuß- Mitglieder wollte ~ man sogar zwingen, dabei patriotische Reden zu halten. (Hört! Hört 1 der Soz.) Die Arbeiterbewegung w'rd von den Wer'tdirektionen gänzlich mißachtet. Wäre das m einem Privatbetrieb der Fall, so wäre ein Streik nnous- bleiblich. Aber die Werftarbeiter seien besonnen genug, das möglichste an-Szuhalten. Der Redner behauptet Willkür bei der Vergebung der Akkordarbeiten und schildert die Lohn- und Arbeitsverhältnisse auf den kaiserlichen Werften höchst abfällig. Sie seien durchaus keine Musterstätten. (Beifall bei den Soz.)

Sfbg. Dr. Spahn (Ztr.) vertritt demgegenüber die Resolution der Biidgetkommission, die die Zuziehung der Arbeitera u S s ch u s s e verlangt. Auch er wünscht eine gleichmäßigere Vergebung der Akkordarbeiten und Bezahlung der gesetzlichen Feiertage.

Abg. Scvering (Soz.) bringt eine Reihe von Beschwerden aus dem Bereiche der Werft in Wilhelmshaven vor. Die Ausführlich- leit der Behandlung dieser Fragen im Reichstage begründet er mit der unzulänglichen Vertretung der Arbeiter in den Arbeiter­ausschüssen.

Geh. Admiralitätsrat Harms gibt Auskunft über die Lohnver- hciltnisie auf den kaiserlichen Werften, die durchaus angemessen seien, und weist den Vorwurf einer Chikanieruug der Arbeiter zurück.

Abg. Sepien (Soz.): Die Werftdirektion in Kiel geht nicht den Weg des Rechts, sondern den der Gewalt, wenn sie den Arbeitern jedes Mitbestimmuugsrecht bei den Krankenkassen versagt. Durch die Ausführungen des RegiennigSvertreterS werden unsere Be­schwerden nicht anfgesressen. Das Reichsmarineamt sollte endlich mehr sozialpolitisches Verständnis zeigen.

Abg. Lcdcbonr (Soz.) unterstützt die Ausführungen seiner Fraktionsgenossen.

Abg. Graf Oriolg (nl.): Auch wir wünschen eine Besserstellung der Beamten, besonders der kleineren. Wir halten aber eine Aus­sprache darüber erst nach Vorlegung des Beamtengesetzes für an­gebracht. Die Denkschrift über die Lage der Militäranwärter beantrage ich der Budgetkommission zu überweisen.

Dieser Antrag wird angenommen.

Das Gehalt des Staatssekretärs wird bewilligt.

Beim TitelSchiffsverpflegung" verlangt

Abg. Leonhart (freis. Vp.): Die Marineverwaltung ist viel­fach vom Flottcnvereiu und von rechtsstehender Seite angegriffen worden, weil sie angeblich für die Marine nicht genug tue. Tiefe Hetze ist aber durchaus unberechtigt. Man hat auch den Reichstag als einen alten Geizhammel hingestellt, der nichts für die Marine bewilligen wolle. Der Reichstag ist aber im Gegenteil stets bereit gewesen, hie notwendigen Mittel zu bewilligen. Die Hetze gegen <Sna[anbJ']t höchst bedauerlich; wir lehnen es ab, die Vermehrung unserer Flotte mit einem Gegensatz zu England in Verbindung zu bringen. Wir wollen keine Angriffsflotte schaffen. Wir haben Vertrauen zu der Geschäftsführung des Staatssekretärs, werden uns aber niemals von einer freimütigen Kritik abh.ilten laffen. Man har einen Teil unserer Schiffe sehr herabgesetzt, man hat von schwimmenden Särgen gesprochen. Diese Angriffe auf den GcfcchtSwert unserer Schiffe sind ganz unberechtigt und gefährlich. Unsere Marinevcrwaltung ist mit Recht vorsichtig gewesen, indem ne zunächst Probestücke baute, wie e3 die Engländer auch gemacht hoben. Auch die Bauzeft unserer Schiffe ist als zu lange bemängelt worden. Fünf Jahre sind allerdings bei der jetzigen Entwicklung der Technik etwas lange. Wenn unsere Privatschiffahrt, die Harn- burg-Amerika-Linie und der Norddeutsche Lloyd auch ihre Schiffe so langsam bauen würden, so würde sie nicht weit kommen. Unsere Wersten sind durchaus leistungsfähig und was die Armierung an, langt, so ist doch Krupp ein Werk, auf das Deutschland stolz fein lanii. (Lebhafter Beifall.) Bedauerlich ist, daß an der Spitze des Koiistrultionsbureaus kein technischer Beamter, sondern nur ein Seeoffizier steht (Beifall), auf die Kosten kann es doch dabei nicht ankommen. . Eine falsche Sparsamkeit ist es gewesen, daß erst jetzt zum Bau eines Unterseebootes geschritten werde. Wir hätten das schon früher tun sollen und lieber den Bau eines der Schiffe der Kaiserklasse verzögern sollen. Ter Redner verweist auf eine Bro. fdhiirc des Admirals Galster, die denselben Standpunkt vertritt. Tie berufsmäßigen Politiker müßten sich mehr als bisher mit den prägen der Marinetechnik befassen. Bisher ist die Oeffentlichkeit zu viel auf die Waschzettel des Marinenachrickstenbureaus ange, wiesen gewesen. Für die Marineingenieure und deren Nachwuchs wind leider nicht genügend gesorgt. Auch ihre dienstliche Stellung ist nicht ausreichend. Man hat eingewendet, daß England keine güten Erfahrungen mit der Gleichstellung der Marineingenicurc und der Marineoffiziere gemacht habe. Der Redner verliest eine Neihe von englischen Preßstimmen, die das Gegenteil besagen. Ebenso ist das Urteil in Frankreich. Auch in Deutschland muß diese Gleichstellung erfolgen, zumal die Ausbildung unserer Ingenieure gmiz vorzüglich ist. Der Techniker muh auch bei uns den Einfluß erhalten, der ihm gebührt. Auch an der Besetzung der Kriegsge­richte muß der Ingenieur beteiligt sein. Die Oeffentlichkeit bei Kriegsgerichtsverhandlungen sollte nicht mehr in demselben Maße wie bisher ausgeschlossen werden. Die Anstellungsverhältnisse für Militäranwärter müssen mehr als bisher den gesetzlichen An­weisungen entsprechend gehandhabt werden. Der Redner äußert eine Reihe weiterer einzelner Wünsche.'

sondern in einer Weite, die wirksam ist. Und um i" i wirksam mÄn' aussen wir eine starke Flotte dahinter h "n Was das Nachrichtenbureau anlangt, so ist die Marineven iltunq im gemeinen bestrebt gewesen, die Presie und das Pi lftum in berttanbiger Weise auszuklärcn. Der Einfluß des Bur«. 'S wird freilich überschätzt, sonst hätten wir sicherlich die Flut vo.. An­griffen, der wir ausgesetzt waren, nidV erdulden müßen. In bezug aus unser Maschincningcnieurko' s hat Dr. Leonhart s yr viel auszusetzen gehabt. Er will alle? anders haben. Tie T lache 'st die, daß wir ein ausgezeic -ftes Maschineningenie. >

'Eich besitzen, welches in h tragender Weise unk ' cn = !l^c.r betreibt. Wir haben vd) einen auSreichendei. Nachwuchs dafür. Tr. Leonbart will . s anders haben; aber r^-«rtUn8 fcann die Garantie, daß, tue., -ir ihm folgen, der Schiffskommandant sich so unbedingt auf das Mafchinenperfonal dcrlasien kann, wie jetzt? gibt er uns die Sicherheit, daß unsere Schisssmaichinen dann mit solcher Sicherheit arbeiten, wie jetzt? Diese Sicherheit kann er nicht geben. Die Marineverwaltung, die ein ausgezeichnetes Korps besitzt, kann nur mit größter Vorsicht an eine Aenderung Herangehen. Es ist doch ein Unterschied zwi« schen Bauingenieuren und Betriebsingenieuren. Wir wollen auch deren Karriere gern verbessern, die Stellung, die ihnen gebührt, sollen sie haben. Es handelt sich um die Maschineningenieure, welche den praktischen Betrieb unserer Schiffsmaschinen leiten, ete und Praktiker par excellence, die nur fertige Maschinen zu leiten haben. Jeder, der mit dem praktischen Betrieb Bescheid wirb sagen, daß Nickis gefährlicker sein kann, als einen foldicn Praktiker in eine Linie zu bringen, die nach der theore. tucken Seite hingcht. Die Autorität dieses Personals beruht in erster Linie darauf, daß es den Betrieb vollständig praktisch be- herrscht. Es ist die Autorität, die in den dunklen Maschinen- raumen zur Geltung kommt. Sie wird nickt dadurch gestärkt, daß man ihnen gleichzeitig die Gewehrausbildung überträgt. Die Marineverwaltung wird bei allen diesen Fragen stets die sachliche Seite voranstellen. Die Vorgänge im Auslande können uns aber nur in der Vorsicht bestärken, mit der wir diese Fragen aufgefaßt haben und auf der wir auch weiter beharren werden. (Beifall rechts.)

Staatssekretär des Reichsmarineamts v. Tirpitz: Weniger wäre mehr gewesen. Es ist ganz unmöglich, auf diese Kollektion bon Anfragen einzugehen. Ich will mich aber bemühen, das nach Möglichkeit zu tun. Der Vorredner hat mich in derBudgetkommission und auch gestern mehrfach mißverstanden. Es ist mir nicht ein. gefallen, zu behaupten, daß unsereSchiffsbauindustrie nickt auf der Höhe sei. Ich habe nur gesagt, daß wir quanti­tativ nickt in der Lage sind, in derselben Weise zu bauen wie England. Daß das richtig ist, ersehen Sie schon darau-Z, daß Eng­land 1 700 000 Tons, gebaut hat und wir nur 0,29 Millionen Das ist der Unterschied. Daß die Firma Krupp ausge­zeichnete Kanonen baut, die jeder lieber nimmt, als die Kanonen anderer Länder, ist nie.von mir bezweifelt worden. Es ist aber ein Unterschied, wenn ein Staat wie England fünf solcher Firmen hat. Wenn England will, kann es eben viel schneller bauen, als roir. Der Vorredner hat auch den techniscken Betrieb und den konstruktiven Teil durcheinandergeworfen. Was den ganzen Bau unserer Marine anlangt, so handelt cs sich nicht um den tech­nischen Betrieb, dabei kommen die akademisch gebildeten Bau­beamten in Betracht. Ich halte eS für durchaus wünschenswert, hafe ein Techniker an der Spitze des Konstruktionsbureaus steht. Die Pointe ist aber die, ob der Konstrukteur für unsere Schiffe gleichzeitig Departementsdirektor sein kann, ob er mit dem großen Betriebe des Departements belastet werden kann. Der betreffende Herr hat selbst erklärt, daß er nicht im stände sei, die doppelte Arbeit zu leisten. Herr Leonhart hätte besser getan, über die Unterseebootsraae mich in der Budgetkommisswn zu be- fragen. Er weiß ja sehr gut, daß ich hier im Plenum nicht in der Lage bin, so über diese Materie zu sprechen, wie ich gern pochte. Er ist ganz falsch berichtet, wenn er meint, daß wir in der llnrcrfcebootfrage etwas versäumt haben. Für uns liegt die ?vrane nickt so wie in anderen Länden, weil wir ganz bestimmte Verhältnisse in der Nordsee haben. Es gab zunächst keine Unter- seeboote in anderen Ländern, die für unsere Verhältnisse gc- cignet waren. Die französischen Unterseeboote, die zuletzt fertig geworden sind, kommen vielleicht in Betracht; genau zu selben Zeil ist auch unser erstes Unterseeboot fertiggestellt worden. Wir haben uns in dieser Frage nicht ablehnend, sondern zurückhaltend verhalten und zwar hauptsächlich aus zweierlei Gründen. Der erste war der, daß man die Unterseeboote so konstruieren mußte, daß sie aus der Obersläcke vollständig seefähig und laviernngs- fahig waren. Da? waren die fremden Boote bis zum Jahre 1904 nicht. Als sie es dann wurden, haben wir sofort zugc- grissen. Ter zweite Punkt U'ir her daß uns die Benziu- und Gamlinmotore für Unterseeboote nickt brauchbar erschienen, weil sie zu gefährlich sind. Die anderswo vorgekommenen Katastro­phen werden nun nach aller Voraussicht bei uns nicht vorkommen. Wir bauen jetzt, ohne daß wir 18 bis 14 unlwauckbare Untersee­boote auf den Werften liegen haben. Die Behauptung, daß wir »rgend etwas versäumt haben, weise ich mit Entschiedenheit zurück, r Vorredner hat die Galstcrsche Broschüre angeführt. Ich kann noch nicht hier auf die Broschüre eines Vizeadmirals antworten;

m °^cr *)cr Vorredner Positives vorgebracht. Der sprin­gende Punkt in bet Galsterschen Broschüre ist die Behauptung, ^o.,""^^^Marineverwaltuiig den sogenannten Kleinkrieg ver- 5attc. Tas haben wir nicht getan. Ein Beweis dafür st ichon die große Torpedobootsorganisation. Wit haben den Kleinkrieg stets beachtet. Wenn wir gezwungen sind, ihn zu füh- ren, werden wir ihn allerdings nicht in kleinlicher Weise führen,

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