Erstes Blatt
Freitag 8L. Januar 1908
158. Jahrgang
Nr. ‘26
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ß Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Buch, und Zteindruckerei. R. Lange. Redaktion, Expedition und Vrnckerei: Schulstratze 7. !Z°zechen'teü^'H^BeL
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General-Anzeiger für Oberheffen
Die heutige Nummer umfaßt 10 Leiten.__
Stimmungsbild aus dem Reichstage.
Berlin, 30. Januar..
Sehr böig wehte es heute um das Flaggschiff des Herrn v. Tirpitz, zu Beginn der Beratung seines Ftotten- etats, aber heiter lachte die Sonne über Der Rheinfahrt der Torpedoschiffe am Ausgang der Debatte. Tr. Dahlem, als Vertreter eines rheinischen Winzerkreises, dachte weniger an die salzige Meerslut, die das Element unserer Blaujacken ist, als an den Wein, der auch ihr Herz erfreut. Und zu einer Kostprobe lud er alle die Herren ein, die damals die Festfahrt der Torpedoboote rheinauswärts nicht mitgemacht hätten. Einmütigen Beifall aus dem ganzen Hause durfte Admiral Tirpitz verzeichnen, als er die Versicherung abgab, daß man auf der deutschen Flotte auch ohnedies, soweit es gehe, den deutschen Wein vor dem französischen bevorzuge.
Kein Bravoruf aber hatte ihm gedankt, als er im Ersten Teil der heutigen Sitzung genötigt war, sich einer scharfen Kritik von feiten zweier Mitglieder der freisinnigen Volispartei zu erwehren. Dr. Leonhart und Tr. Struve, beide von der Wasserkante, brachten eine Frage zur Sprache, in der die Leitung der deutschen Marine von jeher sich im Gegensatz zur Volksvertretung, wenigstens ihrer linken Seite befindet, und die auch bei anderen Verwaltungen den Gegenstand lebhafter Angriffe bildet, die Stellung der Techniker. Dr. Leonyart machte sich zum Sprachrohr der Beschwerden und Wünsche des Marineingenieurkorps und verlangte seine Gleichstellung mit dem Seeosfiziertorps. Lebhafte Zustimmung fand er, als er die Frage aufwarf, ob nicht der Vorrang Englands im Bau von Kriegsschiffen seine Grundursache darin habe, Laß an der Spitze des Konstcuktionsbureaus ein Techniker von Fach sich befindet. Die Anerkennung des Staatssekretärs für unser ausgezeichnetes Jngenieurt'orps konnte, wie Dr. Struve ihm zutreffend erwiderte, nicht die Tatfache beseitigen, daß die Angehörigen dieser für die Wehr- hafrigkeit Deutschlands zur See so außerordentlich wichtigen Kategorie die Klage.über ihre soziale und sonstige Stellung immer von neuem vorbringen müsse. Der unhöflich abweisende Ton, in dem Herr o. Tirpitz dem Dr. Leonhart erwiderte und der so gar nicht zu der Vonhommie dieses Staatssekretärs paßie, mußte um so auffallender er» scheinen, al» der Wortführer des Freisinns mit einer ausdrücklichen Vertrauenserklärung für seine Amtsführimg begonnen hatte. Die herbe Klage, die Tr. Struve dann über den Ausschluß der Oefs.entlichteit bei Marinekriegsgerichten und die Behandlung der Presse vortragen mußte, war auch nicht geeignet, die Stimmung in diesem ersten Teil der dreiaktigeu Verhandlung freundlicher zu gestalten.
Die Verhältnisse der Werftarbeiter bildeten den Inhalt des zweiten Aktes. Alljährlich gibt es beim Militäretat eine Zwiesprache der Herren Zubeil und Pauly über die Arbeiter- und Beamtenverhältursse in den Spandauer Militärwerkstätten und es geht die Sage, daß sie dem jetzigen Kriegsminister zu seinem Amt verhalfen haben soll, als er, damals noch Departementsdirektor, Herrn
kleines FeuiÄeton.
— Diamanten s ch w inoe l. Der Fall Lemoine, die von uns wiederholt kurz erwähnte Geschichte von den sog. „künstlichen Diamanten", erinnert die K. Z. an ein Vorkommnis, das stch vor langer Zeit abgespielt hat. Unser großer Liebig pflegte die Geschichte in seiner Vorlesung über den Kohlenstoff zu erzählen. Eines Tages lief bei der Akademie der Wissenschaften in Paris eine große Abhandlung über die Herstellung von künstliche Diamanten ein, der mehrere ziemlich große Diamanten beigelegt waren, die nach d.'Mi beschriebenen Verfahren hcrgestelll sein sollten. Die Diamanten wurden geprüst und als echt befunden; und da sie einen großen Wert batten, so zweifelte niemand an der Richtigkeit der gemachten Angaben. Tas Hcr- stelluntisvcrsahren war sehr einfach; man sollte in Schwefel- kohlenitoff eine Stange Phosphor stellen; bann würde sich der Phosphor mit dem Schwefel verbinden und der Kohlenstoff in Form von Kristallen ausscheiden. Ein Diamant ist bckannt- lid) nichts anderes als kristallisierter Kohlenstoff. Beigefügt war, daß die Bildung der Diamanten auf diesem Wege ungefähr ein viertel bis ein halbes Jahr in Anspruch nehmen würde. Tie Akademie veräsfentlichtc die Mitteilung und machte bekannt, sie würde die Angaben prüfen und die Ergebnisse später Mitteilen. Ta die Sache theoretisch möglich schien und die Akademie von Paris sich sogar mit ber Prüfung der Ylngelegen- heit befaßte, so hielt man die Aufgabe der künstlichen Darstellung von Diamanten für gelöst, und die Folge davon war, daß die Preise für diese Edelsteine, ungeheuer fielen. Später stellte fich aber heraus, daß auf diesem! Wege keine Tiamanten erhalten werden tonnten, daß die ganze Abhandlung Schwindel war und die beigelegten Diamanten nicht künstliche, i'onbern natürliche waren. Allein trotzdem wurden jjutc Geschäfte gemacht, da die Erfinder die stark gefallenen Diamanten während der Prüsungszeit sehr billig einkauflen und später wieder zu den alten Preisen verkaufen fonnteii. — Von Liebig erzählt der „Ml. Ztg." ein Mitarbeiter rwch eine gelungene Geschichte: In einer Abendgesellschaft wurde vom Fleischextrakt und von Liebig gesprochen, und dabei die Frage aufgeworsen, was Liebig eigentiid) gewesen sei, und ich erhielt dann den Bescheid, daß er vermutlich — Großmetzgcr gewesen sein müsse.
— N cues von der S a a l b u r g. Im abgelaufenen Jahren haben Die Arbeiten an der Saalburg nricbcr weitere Fort- schrttte gemacht. Tie Saalburg-Sammlung, die seit 1873 im Homburger Kurhause untergebracht war, wurde in iwä wieder er» richtige Horrcum übergeführt und dieses als Attertumsmuseum eröfsnct. Im Prätorium wurden ebenfalls Sammlungen aufge- stellt und dieser Raum ebenso wie das Horreum durch Hypo- kaüiten (römische Heizanlagen) heizbar gemacht. An vielen Stellen wurden die Ausgrabungen fortgesetzt, teils im, teils direkt am Kastell. Außerhalb sind Ausgrabungen am Kastell Zugmantel, auf dem Friedhof des Felsbergkastells, an einem römischen Eutshv। in Kieii:-Schwalbach uno au, dem vvrcömischen Hügelgraberselde bei WuHelmsdors vorgenommen worden. Für den. weiterer: Ausbau des Saalburgkaüells hat das preußische Abgeordtretenhaus 50 000 Mk. bewilligt. Tie erste Rate davon wurde zur Fertigstellung der. Wallmauer buixb Beendigung der
Zubeil mit den Worten Wallensteins zur Ruhe brachte: „Laß es genug sein, Seni, komm herab, es graut der Tag und Mars beherrscht die Stunde." Was beim Militär Herr Zubeil unb Herr Pauly, das ist bei der Marine Herr Legten und, seitdem er als Oberlandesgerichtspräsident in Kiel seinen Wohnsitz hat, Herr Peter Spahn, und was für Kiel die Herren Zubeil und Spahn, das werden nach alter Hebung vermutlich morgen für die Verhältnisse aus der Danziger Werst die Herren Ledebour uno Mommsen bedeuten.
Stimmungsbild aus dem pmch. Herrenhaus;.
Berlin, 30. Januar 1908.
Die Ettteignungsvorlage.
Die Geschästssprache des Hauses der edlen und erlauchten Herren ist anders als im Hause der nur geehrten Herren oder gar des demokratischen Reichsparlamentes. Eine „einmalige Schlußberatung" kündigt mit Sicherheit die mehr geschäftliche Verhandlung eines grundsätzlich nicht bedeutungsvollen Gesetzentwurfes an; ruft die Tagesordnung aber die Herren zur ;,ge- schäftlichen Behandlung" einer Regierungsvorlage zusammen, dann ist sie zumeist der Herold eines großen Tages. Der Generaldebatte über die Enteignungsvorlage ging die Wahl des Präsidiums voraus. Sie brachte eine Ueberraschung. Mit ziemlicher Bestimmtheit hatte man den Fürsten zu Dohua-Schlo- bilten als Anwärter für den_Scssel des Präsidenten bezeichnet, und neben ihm wurde der Sohn des ehemaligen Präsidenten, Herzog v. Ratibor genannt. Wider Erwarten aber verzichtete das _ hohe Haus darauf, wieder einen Herrn fürstlichen Ranges an feilte Spitze zu stellen und es gao ein einfaches Avancement: Herr v. Manteuffel wurde, und zwar ohne Zettelwahl, durch bloßen Zuruf, Präsident, in seine Stelle des ersten Vizepräsidenten rückte der frühere Oberbürgermeister von Köln, Herr Becker, und in das Amt des zweiten Vizepräsidenten wählte man Exzellenz Frhr. v. Landsberg, einen aus den Debatten des Herrenhauses seit langen Jahren bekannten Herrn.
Das äußere Gepräge der Sitzung war das des großen Tages. Drei Minister waren mit dem Ministerpräsidenten erschienen und sämtlich ergriffen sie das Wort. Aber obgleich der parlamentarische Kampf um die Enteignung nun erst von vorn beginnt, ist dieser Gegenstand in den letzten Wochen denn doch schon zu reichlich behandelt worden, als daß sich das.Interesse daran noch ungeschwächt hätte erhalten können. Zwei Einführungsreden des Fürsten Bülow am ersten Tage der Session, drei Lesungen im Plenum des Abgeordnetenhauses, dazwischen zwei Lesungen in der Kommission und daneben noch eine Juterpellationsverhandlung im Reichstage, das ist des guten eigentlich zu viel Das Neue, was noch gesagt werden konnte, oder vielmehr eine neue, schärfere Tonart erwartete inan von den Vertretern des fideikommissarifchen Grundbesitzes zu hören, den Herren von der äußersten Rechten, aber ihren Widerspruch scheinen sie sich für die kommissarische Beratung aufzusparen. Immerhin erklang in der Debatte auch beute ein neuer Ton; er war auf Atoll gestimmt und kam von einem Kir chen für ft en, der sich zur polnischen Frage von jeher auf einen anderen Standpunkt gestellt hat, als die Herren von der Gazeta Vachcmäla am schein. Mit aller Schärfe verurteilt Kardinal Kopp die großpolnische Agitation, aber für die Vorlage der Regierung hat er weder ein Nein noch ein Ja; er zieht sich aus schwieriger Lage mit der Bitte, noch einmal zu erwägen. Seine speziell katholischen Bedenken zerstreut Fürst Bülow, der im übrigen genötigt ist, oft schon Gesagtes von neuem in seiner eindringlich pathetischen Art noch einmal zu sagen. Nicyt ohne Wirrung war cs, als Fürst Bülow sagte:
Porta dextra, zur Schalung von Brunnen und Ergänzungen verschiedener Art benutzt. Tas Mithreum erhielt an Stelle des Gipsrc liess mit der Tarstellung des Mithras eine Nachbildung in Ton aus Cadincn, ein Geschenk des Kaisers, Die Fortsetzung der Geschützsvrschung wurde durch- Bewilligung von lOOOOMk. durch das Abgeordnetenhaus ermöglicht. Damit konnte ein Ehalkotonon (Erzspanner) und ein Onager in großen Maßen von Oberstleutnant Schramm in Metz angefertigt und die philologische Arbeit des Professors Nud. Schneider in Heidelberg fortgesetzt werben. An Geschenken erhielt die Saalburg, außer reichen Barmitteln, im a bgelausencn Jahre zwölf goldene Ringe aus dem Rheinlande vom Kaiser, sieben Original-Kaiscrbüften aus der Saminlung Clarkc-F-reiburg, die der Staatsminister Studt stiftete, und schließlich 14 Gläser und 16 Gefäße aus Worms vom Freiherrn von Heyl zu Herrnsheim. Zahlreiche Fürstlichkeiten unb 165 161 andere Personen besuchten die Saalburg im Jahre 1907. Wie verlautet, soll im Sommer dieses Jahres in Gegenwart des Kaisers und Königs die feierliche Einweihung der Saalburg tiovgenomnten werden.
— Zur 350jährigen Wiederkehr des Einweihungstages der Universität Jena am 2. Februar. Tie Universität Jena, die, wie unsere Gießener, aus einem Gymnasium hervorgegangen ist, das von dem KurfüMen Johann Friedrich dem Großmütigen von Sachsen als Pflegestätte des lutherischen Glaubens gegründet worden war, wurde am 19. März 1548 von demselben gestiftet. Die Erhebung zur Universität wurde anfänglick) von Kaiser Karl V. verweigert, aber sein Bruder Ferdinand I. erteilte am 15. August 1557 die Bestätigung und die Einweihung fand am 2. Februar 1558 statt. Jena ist bekanntlich gegenwärtig die geineiniame Universität der thüringischen Länder, von denen sie auch die nötigen Geldzuschüsse erhält. Ihre Blütezeit erreichte sie in den Jahren 1787 bis 1806 unter Herzog Karl August und Goethe. In den Jahren von 1794 bis 1819 lehrten dort Fichte, Schelling, Hegel, Oken und Schiller. Tic Stistung der Burschensck-aft in Jena brachte der Universität maunigsache Nachteile, namentlich 1819 das Verbot ihres Besuchs von selten preußischer Untertanen, das erst 1825 wieder aufgehoben wurde.
— Kleine Chronik aus Kunst undWissen schäft. 2lm 8. März finbet die Enthüllung eines Dr. B r e h in e r°D e n k- malS in Breslau statt. Die Rede wird Vieh. Dtedizinalral Prolessor Brieger halten. Dr. Brehmer ist der Begrünber ber bekannten Lungenheilanskalt in Görberedors t. Schl. — In Georg H. Wigands 'Verlag in Leipzig erscheint vom Januar ab eine Zeitschrift t ü r S e x n a l wi s f e ii sch a i t unter redaktioneller Mitwirkung von Dr. Friedrich S. Krauß--Wien und Dr. Hermaiin Rohleder-Leipzig herausgegeben von Tr. Magnus H i r s ch f e l b. — Philipp ä. f q 1 6, ein in London lebender Ungar. Maler, geb. 1869, hat ein neues BUdms des Großherzogs von Hessen geschassen. — Tie GeseUjchait Pro-Verona hat beschlossen, in Verona, als der Heimat des berühmten Liebespaares Rouico und Julie, em S h a t e j p e a r e - D e n k m a t zu errichten und als erste Gabe dafür 1000 Lire auözuwerfen, in ber Erwartung, daß die städtischen und Prooinzialbehöroen dem Beispiel folgen werden«
„Die SlngriiiC, die gegen ix.eie Bortvge uno -gegen unsere Oft» markenpoutik im Jnlande und Aus.ande gerichtet worden sind, habe ich wohl vorausgesehen, sie durften mich aber in meiner Haltung nicht irre machen. Ich weiß mich frei von jedem Ehauv.niSmus, ich weiß nrich beionders völlig frei von jeder Abneigung gegen unsere polnischen Mitbürger, deren gute Eigenschaften ich vollkommen anerlenne. ES fehlt urir auch nicht das Gefühl für die Tragik der polnischen Geschichte, aber vor mehr denn einem halben Jahrhundert hat in dem ersten deutschen Parlament auch bei einer Polendcwcrtte ein deutscher Patriot, Wilhelm Jordan, gesagt: Es ist etwas anderes, menschlich ergriffen zu sein von einem Trauerspiel, und etwas anderes, dasselbe rückgängig zu madjen am Kulten derjenigen preußischen und deutsck-cn Jnterrssen, bereit Vertretung uns Mivertrauc ist, unb die allein bie Richtschnur unseres politischen Handelns bilden dürfen. Wenn ich das täte, würde ich mich sträslicheü Schwäck-e schuldig nraä-en. Die Loge, vor der wir stehen. Sie und ich, die Tatsache, vor der wir beide stehen, ist einfach diese: Ohne die Möglichkeit der Enteignung keine zweckmäßige AnsiedelungsAolitik, ohne Ansiedelungspvtilit cji. V-r- liercn unserer Ostmarken! Deutsche Art und beutjdje Kultur zu verteidigen und 31t schützen, ist seit Jahrhunderten der hohe Beruf von Brandenburg, von Preußen gewesen." Und auch die anderen Redner wiedecholen die allen Gründe für Zustimmung oder Ablehnung, mir daß die Haltung ruhiger, die Reden sachlicher, die Worte vornehmer sind als im anderen Haufe. Der Verwahrung der Polen gibt ihr sym- pathisck/ster Vertreter Ausdruck, Fürst Radziwill. Den ablehnenden Standpunkt des Zentrmus vertritt Graf zu Drostc- Vischering und ihm schließt sich der obersdftesifchL Magnat Graf v. Thiele-Winkler an. Auf den Boden des Gesetzentwurfs stellt sich mit dem Thorner Oberbürgermeister Dr. Kersten der Oberbürgermeister von Frankfurt a. M. Dr. Adickes, der den offenen Krieg dem faulen Friedm vorzieht, und als scharfe Gegner der Vorlage bekennen sich die freisinnigen Oberbürgermeister von Breslau und Königsberg, Bender und Körte. Die Schlußberatung nürd wohl auch di« Bedenken der Konservativen zum Ausdruck bringen.
Tas Hrrrenyaus verwies die Polen-Vorlage an eine 25gtiedrige Kommission und vertagte sich auf unbestimmte Zeit.
jp a v l a m e u t a v i ? cfy e $.
Etat der Reichspost ia der Bttdgetkommission.
Berlin, 30. Jan. Die Budgetkornrnisfion des Reichstages begann die Beratung des Etats der Reichs Po ft uni) der Telegraphenverwaltung. Bei dem Titel „mittlere Beamte" fragte Abg. Hamacher (Ztr.), ob und wann die AefoldimgZvorlagc; !ammen v. :b welche Veamtenkategorien in Betracht kämen. — Urtterstaatssekretär Twele vermochte darüber noch keine Aus-» kunft zu oeben, obwohl die Beratungen in den RessortS al* abgeschlossen gellen können. — Eickhoff (frsg. Vpt.) bat, die Arbeiten so zu beschleunigen, daß über die Vorlage noch voö Ostern beraten werden könne. — Unterstaatssekretür Twele erwiderte, die Regierung wünsche ebenfalls die Vorlage möglichst bald an das HauS zu brüigeu. — Gröber (Ztr.) sagte, den Beamten ncüßte der Weg geebnet werden, daß sie gemeinsame Wünsche Vorbringen könnten. Er empfehle eine gemeinsams Stellungnahme aller Parteien nach dem Muster des Vorgehens in Württemberg. Staatssekretär Krätke stimmte dem Anträge Gröber zu. Ter Vorschlag, die Petitionen grundsätzlich nur dann zu behandeln, wenn die Stellungnahme des Ressortchess erfolgte,, müsse begrüßt werden, da dies im Interesse der 56b* amten selbst liege. — Bei dem Titel „Post- unb Telegraphenämter" wünschte der Referent Beck zu hören, wie das Verhältnis der neu anzunehmenden Beamten der höheren Laufbahn zu den in Dienst Befindlichen gedacht ist. Darauf würbe erwibertz die neuen Vorschriften sollen balb veröffentlicht werden. Itn- begründct sei die Beforgnis, daß die neuen Beamten höher bewertet würden. Für die Beförderung in höhere Stellen fei vor allem die Bewährung int Amte maßgebend. — Erzberge« (Ztr.) bedauert diese Neuerung. — 5krätke erklärt, die Anforoe- rungen an die Postbeamten infolge der technischen Fortschritte machten eine eingehendere Vorschulung notwendig. Um die (Hrt* rührung des Assessorisrnus handle es ftch durchaus nicht, sondeor lediglich um eine höhere technische Bilouug. — ilnterftaatssekrcttir Sydow antwortete auf , eine wertere Frage @r5berger$, von finanziellen Lasten sei keine Rede. Die Vcrroaltung merke sehr wohl, daß die stetigen Fortschritte eine brettere wissenschaftliche Bildung bedingten. Die,en Zweck erfüllten die bcsteherrdeu Fortbildungskurse nicht. — Staatssekretär Krätke erklärte ferner, in der Anstellung der Abllurienten ändere sich nichts, Es folge ein Jahr Praxis, dann erst das okobeniische Studümu Darauf wurden die ^.itel 20 unb 21 (Poft- und Telegropheuinspektoren) angenommen. Bei bem Titel „Lberassiftenten" usw., Unter«' beamte in gehobenen Dienststellen, erklärte Staatssekretär Krätke, daß die Schaffung neuer Veamtenkategorien eine erhebliche Mehr- belastung ergeben würde. — Nächste Sitzung: Frettag, 31. Jan.
Deutsches Reich.
Srcnteit, 30. Jan. Die Bürgerschaft lehnte den sozialdemorratischen Antrag auf Einführung des allgenieinen Stimmrechts für bte Bürge r s ch a f 1 s w a h l mit etwa 80 gegen etwa 18 sozialdemokratische unb 10 bürgerliche Stimmen ab und überwies bie sonstigen ßlnträge auf Reform des bnrgerschaft- lichen Wahlrechts einer Kommission.
AusLanS.
Gmunben, 31. Jan. Ter Herzog von Cumb'er- l a n b liegt seit 10 Tagen krank zu Bett. Er hat ein Blasenleiben sowie einen Luströhren-Kätarrh. Ein Spe^ialarzt würbe von Wien aus an bas Krankenlager de» Herzogs gerufen.
Paris, 31. Jan. Pichon ließ ber japanischen Regierung bie Beschwerbe der französischen In- oustriellen zugel^n, welche bedauern, oaß Frankreich keine Bestellung für die japanische Marine erhielt, währeird die nach England unb Deuischlanb gegangenen Auftrage für 1907 zusammen 40 Millionen Francs ausmachten.
London, 30. Jan. Die Anhängerinnen des Frauenstimmrechts veranstaltetert heute früh eine Kundgebung vor den Häusern der Minister Grey, Hal- bane, Burns, Harcourt unb Birell. Sie wünschten eine Petition zu überreichen, würben aber nicht borgetajjen; einige von ihnen wurden verhaftet.
Lissabon, 30. Jan. Die Lage verschlimmerisi


