im April.
damit einverstanden bin.
Mrssionsseminars (6 Jahreskurse) und in der Vertretung der Mission auf Festen und Konierenzen durck Berichte und Referate. Außer in den monatlich erscheinenden Berichten der Rhein. Mission ist Haußleiter literarisch nur wenig hervorqetreten. Genannt sei das Heft: „Zur Emgeborenenfrage in Deutsch-Südwestafrika" Auch hat er in der TageSpresse über'Missionsfragen zuweilen sich geäußert.
Der frühere Ordinarius an der Berliner Universität, und Leiter des Museums für Naturkunde, der Zoologe Prof. Dr. Karl M ö b i u §, ist, 83 Jahre alt, gestorben.
Geriehtssaal.
Frankfurt a. M., 27. April. Die Strafkammer verurteilte den Parfümerie-Fabrikanten Werner in der Firma van der Hocven, der drei Banken durch falsche Kundentvechs el um 63000 Mk. betrogen hatte, zu zwei Jahren Ge-
Frankfurt a. M., 28. April. Der Großhändler Wilhelm Schwarz hier wurde wegen wissentlicher N a h r u n g s m r t l e l - fälschung zu 30 Mk. Geldstrafe verurteilt. Er hatte Preßkopf verkauft, der 3,47 Prozent Mehl enthielt.
L e i p z i g , 28. April. Das Reichsgericht hat den Termin über die von Maximilian Harden gegen das Urteil der Strafkammer des Landgerichts eingelegte Revision für den 22. Mai, vormittags 9 Uhr, festgesetzt. Die Revisions-Verhandlung finbet vor dem 2. Strafsenat des Reichsgerichts statt.
Zu den Ausführungen des Hernr Garteninspektors Nehnelt mochte ich kurz erwidern, daß ich ganz damit einverstanden Bin. Mer den betreffenden Artikel der „Landpost" gelesen, wird die Ueberzeugung haben, daß mit dem Artikel in Nr. 92 des „Gieß. Anz." in keiner Weise die Ansicht vertreten werden soll, daß ein Beschneiden der Obstbäume überhaupt nicht ftattfinden dürfe. Derselbe richtete sich nur gegen das übermäßige, nie ruhende und rastende Beschneiden der Obstanlagen, das tatsächlich systematisch betrieben wird. Dies nur einstweilen, um irrigen Ansichten vorzubeugen. -b-
Bäume so pflegen. „
Der mehrerwähnte Artrkelschreiber wird deshalb unter den Obsizüchtern auch keine Anhänger finden, denn von diesen wird keiner dessen Artikel ernst genommen, sondern als einen zeitgemäßen Scherz betrachtet haben, denn wir sind ja immer noch
UniVerfttäLs-NaehrLcvtrn.
Berlin, 28. April. Die Pariser Studenten, die eine Woche als Gäste der deutsch-französischen Gesellschaft m Berlin geweilt und ein umfangreiches Studien- und Vergnügungs-Programm erledigt hatten, sind heute mittag nach Hamburg gereist.
Zum Studiendirektor der Mannheimer Handelshochschule wurde der Vorstand des statistischen Amtes der Stadt Mannheim und a. o. Professor für politische Oekonomie an der Universität Heidelberg Dr. Siegmund Schott berufen. Schott (geb. 1868 zu Leipzig) war von 1892—97 Hilfsarbeiter, später Negierungsassessor im Großh. Qldenburgischen Statistischen Bureau. 1897 wurde w Vorstand des statistischen Amtes der Stadt Mannheim.
Die Ernennung des auf positiven Standpunkte stehenden Pastors Gottlob Haußleiter in Bärin en zum ordentlichen Professor in der theologischen Fakultät der Universität Halle a. S. ist nun vollzogen worden. Sein Lehriach ist prakt. Theologie und Missionswissenschaft. Haußleiter ist zurzeit erster Inspektor der Rheinischen Atissionsgeselljchait in Barmen. In dieser Stellung halle er besonders während des Herero-Aufstandes mit dem deutschen Kolonialamt, aber auch wegen der Missionsinteressen in Indonesien nut den holländischen Behörden im Haag zu verhandeln. Seine Hauptaufgabe bestand außer der Pflege der überseeischen Korrespoodenz in der Leitung des von 60 Zöglingen besuchten
zalsche Behandlung der Gbstdmime.
Zn dieser Frage erhalten wir noch folgende beiden Zuschriften, mit deren Abdruck wir die Erörterung schließen:
Im „Gieß. Anz." erlaubt sich anscheinend ein Laie der Obstbaumzucht an der Pflege der Obstbäume, insbesondere an dein Baumschnitt Kritik zu üben. Ich schicke deshalb voraus, daß der Artikelschreiber ein Laie sein muß, denn von einem Fachmann kann man eine derartige Kritik unmöglich erwarten. Zunächst muß man sich die Frage vorlcgen, welche Obstbäume müssen beschnitten werden und warum?
Ein Zurückschnciden wird nur an den jüngeren Bäumen, etwa bis zum 5. oder 6. Jahre nach dem Pflanzen, nicht, wie der Artikelschreiber annimmt, im Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter, sondern nur einmal jährlich und zwar deshalb:
1. weil von Natur aus das Bestreben besteht, daß die obersten Neste der Baumkrone zu hoch emporschießen und dadurch zu schwach bleiben; , . .
2. um eine regelmäßige Kroncnverzweigung zu erhalten und das Kronengerüst so zu gestalten, daß verhindert wirb, später starke Aeste entfernen zu müssen;
3. dem Baume tunlichst eine pyramidale Form zu geben, um eine entsprechend widerstandsfähige Krone im Verhältnis zum Stamm zu erlangen, und das Aufbinden der Aeste bei schwer tragenden Bäumen zu ermöglichen.
Sommerschnitt wird nur an neugepfropften Bäumen vorgenommen. „ t .
Im weiteren behauptet der Artikelschreiber, daß durch den Baumschnitt Krebs verursacht wird, was eine haltlose Annahme ist, denn die Ursache der Krebskrankheit bei den Bäumen ist ebenso verschiedener Natur wie bei den Menschen.
Jeder vernünftige Mensch wird also einsehen, daß ein solcher Schnitt an den Bäumen sowohl, als auch dem Besitzer Vorteile bringt, welches am besten die beurteilen können, die ihre
Vermischtes.
"Der Verein Berliner Journalisten besprach, wie man uns aus Berlin schreibt, in seiner letzten Monatsversammlung den in der vom Berliner Schriftstellerverband einberufenen zwanglosen Versammlung in Vorschlag gebrachten Mitarbeiterstreik der Rhein.-Wests. Ztg. und die Angriffe dieses Blattes gegen den Berliner Journalisten Schweder. Es wurde darauf folgende Resolution angenommen: „Der Verein Berliner Journalisten erklärt, davon überzeugt zu sein, daß der Kollege Schweder zu feinen Maßnahmen durchaus nur aus Gründen journalistischer Standesehre gekommen ist und verwahrt sich mit aller Entschiedenheit gegen die unerhörte Art und Weise, mit der sein vollkommen objektiv geführter Kamps von feiten der Rhein.-Wests. Ztg. verdächtigt worden ist".
* Der Telephonteufel! Der böse Druckfehlerteufel hat neuerdings einen Konkurrenten in dem Telefihonteufel, der sich zum Opfer ebenialls die Zeitungsredakttonen ausersehen hat. Bei der Schnelligkeit, mit der erfahrungsgemäß gearbeitet werden muß, sind Hörfehler am Telephon nichts Seltenes und in vielen Fällen auch nicht mehr re- dressierbar. Ern niedlicher Telephonteufel war es z. B., der seinerzeit ein bayrisches Blatt aus Anlaß der Ermordung des Königs und der Königin von Serbien zu der Meldung veranlaßte, daß der Mörder der Platzkommandant gewesen wäre; der Bericht fuhr dann weiter fort: „an der Spitze seiner Truppe trank er einen Kognak und ermordete dann das im Schlafzimmer befindliche Ehepaar", während es richtig heißen mußte: „An der Spitze seiner Truppen drang er in den Konak....." — Ein anderer Telephonteufel
hab vor dem Reichskanzler Fürsten Bülow nicht Halt gemacht. Wiener Blätter haben in den letzten Tagen ganz ernsthaft mitgeteilt, daß der Führer der ruthenischen Abgeordneten unmittelbar nach dem Bekanntwerden der Ermordung des Statthalters Potocki an den Fürsten Bülow telegraphiert habe: „Vivant sequentes." Es folgten dann lange Erörterungen über die unglaubliche Taktlosigkeit der ruthenischen Abgeordneten, bis sich herausstellte, daß sie in Wirtlichkeit an das Ruthenenblatt „Dilo" telegraphiert, dieses aber der Stenograph am Telephon mißverstanden hat.
** Ein „Menctekcl" für b en König von Serbien. Aus Belgrad wird uns berichtet:. Erst nachträglich wird ein Vorfall bekannt, der sich am Palmsonntag in Anwesenheit König Peters in der Katlfedrale zutrug. Ter Militärpf arrec Sava Kc- sitsch bestieg seine Kanzel und begann seine Predigt. Ein flüsterndes Raunen ging ourch die Reihen der Anwesenden, als der Geistliche seine Ansprache mit einem Hinweis auf die Erhebung gegen die Türken begann und des Tages gedachte, da vor einem Jahrhundert die Schlüssel der Festung Belgrad dem Fürsten Milo sch Obrenowitsch übergeben wurden. Der Geistliche tadelte dann mit leidenschaftlicher Scharfe die Undankbarkeit serviler Schmeichler, die verineinten, die Bedeutung jener großen Epoche der serbischen Geschichte dadurch zu beeinträchtigen, daß sie die offiziellen 'Erinnerungsfeiern in jenen: Tage unterdrücken. Die Stimme des Geistlichen steigerte sich und mit einem dramatischen Hinweis auf das Grab des Fürsten rief er: „Dort ruht ein Herrscher, der Serbien sein Erbtell luiebergab, ohne einen Tropfen Blut zu vergießen unb der durch die Hand eines gedungenen Mörders siel. Wehe dem Anstifter dieser schmählichen Tat! Wehe den: Verräter!" Eine dumpfe Pause trat ein, alle Blicke richteten sich auf den König Peter, der als einziger in der Versammlung eine:: scheinbaren Gleichmut zur Schau trug. Sein ältester Vetter, der Vater des jetzigen serbischen Gesandten ü: Konstantinopel, war ja vor vierzig Jahren wegen Ermordung des Fürsten Milosch gehängt worden. Der Priester fuhr fort, er pries die Verdienste der einstigen Herrscher aus dem Haufe der Obrenowitsch und schloß seine Predigt mit einen: Ausruf, einzustimmen in sein Wort: „Ehre sei ihnen! Ehre!" Mit begeistertem Beifall ward der Ruf ausgenommen. „Ehre!, Ehre!" hallte es donnernd durch die Wölbungen des Gotteshauses und die dröhnenden Rufe pflanzten sich fort zu den Passanten auf den Straßen. Als der Prediger die Kanzel verließ, unckwängten ihn die anwesenden Geistlichen, beglÄctwunschten :hn unb versprachen ihm ihre finanzielle Hilfe, sobald die Regierung seine Entlassung verfügen würde. Nach ihrer Ansicht hat er das Unheil wieder gut gemacht, das in die serbische Kirche einzog, als der Metropolit sich dazu herbeiließ.
die Königsmörder zu segnen. Nachträglich ist bekannt geworden daß der unerschrockene Geistliche bei: Metropoliten von seiner sicht verständigt hatte, der sich anfangs ablehnend verhielt, aber seinen Untergebenen schließlich mit den Worten entließ: „6}ytt segne dich, mein Sohn, allein die Folgen deines Handelns mögen dein Haupt allein treffen."
* Heber die wilden Kaninchen bringt die Aionats- schrist „Kosmos" folgende interessante Nachricht: In der Lebensweise unserer Wildkaninchen scheint sich neuerdings ein gc, wisser Umschwung vorzubereiten. Aus den Berichten verschiedener Jagdschriftsteller geht nämlich hervor, daß diese Tiere, wenigstens im westlichen Deutschland, die Gewohnheit des mühseligen Höhlengrabens mehr und mehr oblegen und sich mit einem freien Lager nach Art des Hasen begnügen, der wohl in früheren Zeiten gleichfalls Höhlenbewohner war und dann dieselbe Wandlung durchgemacht bat, deren Beginn wir jetzt beim Kaninchen beobachten rönnen. Im dich: verwachsenen Walde, den es besonders liebt, findet das Kaninchen ja versteckte Ruheplätzchen genug, und in: freien Terrain (und es scheint sich mehr und mehr zum Feldbeivvhner entwickeln wollen!) nimmt es seine Zuflucht zu aufgestapelte:: Bretter- und Holzvorräten, Reisighaufen, Ziegelöfen, Zementröhren, von: Heidekraut üppig durchwucherten Abzugsgräven und ähnlichen Sck)lupfwinkeln. Für die Jungen roeröen aber dann vom Weibchen besondere Heilte Satzbaue angelegt, schon um sie vor den kannibalischen Gelüsten ihres Vaters nach Möglichkeit zu sichern. Das Weibchen macht hier den Jungen aus seiner eigenen Bauchwvlle eine warme Lagerstätte zurecht, besuch: sie nur nachts unter Aufgebot der größten Vorsicht, säugt sie vielleicht innerhalb 24 Stunden nur einmal, feßarrt beim Verlassen die Röhre zu und verwittert die Stelle mit Losung unb Urin.
* Wahres Geschichtchen. In einer größeren Garnisonstadt ist auf dem Militärsriedhof kein Platz mehr. Beim nüchslen Todesfall soll ein neuer feierlich eingeweiht werden. Es ftirbt auch glücklich ein Musketier. Am folgenden Tage steht im Kommandantur-Befehl : „Morgen 3 Uhr nachmittags Einweihung dcs neuen Garnisvnft'iedhofs. Leiche dazu stellt I. ,R. 192."
Kleine Tageschronik.
In Pforzheim hat, wie verlautet, ein Rechtsanwalt einen Amtskollegen wegen geschäftlicher Reibereien zum Zwei- k a m p f gefordert.
In Bergen am Chiemsee zerschmetterte, als ein Arbeiter einen Böller mit einem Zündholz abbrennen wollte, der losgehende Schuß den: Manne den Kvpf und beraubte einem in der Nähe stehenden Zuschauer das Augenlicht.
In Duisburg verhaftete das Hafenkornrnissariat einen Händler, der als Hehler die im dortigen Hafen ihr Wesen tieibrn» den Getreidediebe unterstützte, die in der Dunkelheit Frachtschiffe beraubten. Man bermutet, daß es sich um eine organisierte Diebesbande handelt.
Beim Pflücken von Steinrosen ist am Sonntag der 16 Jahre alte Bursche Gollwitz vorn Steinberg bei. Reutt (Oberbayern) ab» gestürzt unb war sofort tot
In Feldkirchen (Tirol) wurde ein Bauer di:rch den Huf- schlag eines Pferdes so hestig gegen eine Stallwaich geschleudert, daß er tot zu Boden fiel. Die Leiche wurde von dem wütenden Pferde »ertreten.
Bei Gefechtsübungen der engl. Flotte im Hasen von Harwich erfolgte ein Zusammenstoß zwischen dem Spähkreuzer „Al- tentibe" und dem Torpedobootszerstörer „Gala". Der Zerstörer wurde von dem Kreuzer in zwei Stücke geschnitten. Ein Aiann wurde getötet. Die eine Hälfte des Zerstörers wurde im Schlepptau nach Sheemeß gebracht.
In Algier wurde auf dem italien. Konsulate der Bizo- kmsul von einem Italiener, den: die Visierung seines Passes verweigert wurde, durch einen Rcvvlverschuß an: Kopfe verletz!. Ein Ko ns ultttsbeam ter, der dem Vizekonsul zu HUfe kommen trollte, erhielt zwei Schüsse, infolge deren er nach wenigen Minuten verstarb.
Aus New-Port wird gemeldet: Der Anarchist Silberstein, der eine Bombe geworfen hatte, ist gestorberu Sein letztes Wort war, er lei stolz aus seine Tat.
Geboren: Herrn Johann Welker und Frau in Fronhausen ein Sohn.
Verlobt: Frl. Kätchen Binzel in Bechtolsheim (Rheinhessen), mit Herrn Friedrrch Held in Scholten (Oberhessen). — Frl. (Smilie Ehriskau mtt Herrn Heinrich Werner in Echzell. — Frl. Gretchen Hebrich in Aßlar nut Herrn Wilhelm Georg in Stockhausen. — Frl. Franziska Kulasek mit Herrn Joses Nozulak in Wetzlar. — Frl. Anna Mötcher in Lardenbach mit Herrn Johannes Lotz, Bezirkssparkassenrechner, in Laubach. — Frl. Kätchen Hansel in Alsfeld mit Herrn Wilhelm Bmg in Romrod.
Gestorben: Herr Heinrich Södter, ehem. Pächter des Hell- Hoss, in Alsfeld. — Frl. 'JJlargavete Koch in Goßmannsrode. — Frau Karoline Georg, geb. Tietz, in Leun. — Herr Georg Duchardl in. Lauterbach. — Herr Karl Habersack, Bahnwärter, in Büches. — Frau Katharine Tesch in Wetzlar. — Frau Helene Berntheusel, geb. Riickelshausen, in Assenheim. — Frau Marie Marzrnger, geb. Pauly, in Büdmgen. — Frau Elise Jeck, geb. Albrecht, tu Dudenrod. — Frl. Emilie Schmidt in 501 ar bürg.
Kleine» LenMeton.
— Der Kaiser und die Kunst. Friedr. v. Oppcln- Bronikowsk:, ein bekannter Schriftsteller, weiß im „Berl. Tagebl." zu erzählen, daß das im Parke des dem deutschen Kaiser gehörenden Schlosses Achillei on aus der griechischen Insel Korsu von dessen einftigen Besitzerin, der österreichischen Kaiserin, auf- gesteltte Marmorbild Heinrich Heines, das zusammen mit bent des Achilles errichtet worden war, verschwinden soll. Herters sterbende: Achilles soll durch eine Kolossalstatue des lebenden Achill verdrängt werden. „Der Künstler aber, der jene ersten Statue schuf, Professor Herter, sott die Genugtuung erhalten, ein Denkmal d e r Kaiserin Elisabeth zu errichten, wo bis jetzt ihres Lieblingsdichters Heine gramgefurchte Züge aus einen: jonffchen Heroon in das dichte Grün hinausttäumten." Professor Herter selber meint: „Daß der Kaiser das Heine-Denkmal nicht gern aus Korsu sieht, ist bekannt. Dem Kaiser ist es aber auch nicht verborgen, daß die Entfernung des Heine-Denkmals die Oeffentlichkett sehr erregen würde. Um nun Empfindungen zu schonen, will er höchstwahrscheiittich an die Stelle Heines eine Statue der Gönnerin und Beschützerin des Dichters setzen. Wenn, wie ich gehört Hobe, Johannes Götz einen Riesen-Achilleus für das Achilleion schaffen soll, so dürste das Standbild aus der obersten Terrasse aufgestellt werden. Daß man einen Achilleus von Götz aufftellen und meinen entfernen wird, kann ich mir nicht recht denken." — Das Veto des Kaifers in der Angelegenheit des in Berlin zu errichtenden Virchow-Denkmals trifft beit Bilbhauer Fritz Klinisch, ein geb. Frankfurter, besonders bart, da das Werk in der Ausführung weit vorgeschritten ist. Er hatte die Freude, daß das Denkmalskomitee und der Magistrat seinen Entwurf genehmigten und auch sämtliche Parteien der Stadtverordneten-Versammlung Berlins chre Zustimmung aussprachen. So war er mit frischer Kraft ans Werk gegangen. Das große, lorbeereingefaßte Reliesbild Virchows steht in Gips fertig da, und die schöne, kaum schwer verständliche Gruppe, die die Architektur bekrönt, geht in dem gewaltigen Tonmodell ihrer Vollendung entgegen. Man neigt zu der Annahme, baß der Kaiser ungehalten ist, weil ihm nicht auch von selten der Stadt Ine Bitte um Genehmigung des Denkmals unterbreitet worden war. Der Magistrat hatte sich' damit begnügt, die Angelegenheit dem Polizeipräsidium zur Zustimmung oorzulegen. Sicher ist, so meint das „B. T.", die Reichshauptstadt geneigt, den Wünschen des Monarchen im allgemeinen nachzugeben, um Kon- tiifte zu vermeiden. Auf der anberen Seite muß aber doch betont werden, daß der Kaiser keine Instanz für kunstästhetische Angelegenheiten ist, umso weniger, als er selbst so manche mittel- mäßigen und verfehlten Denkmäler veranlaßt unb genehmigt hat. Wäre nach den: Spruche einer durchaus zuständigen Jury ein KunjÜUsteil überhaupt noch erforderlich, so wußten feU dafür
eingesetzten Körperschaften, etwa die Akademie der Künste oder I die Landeskunstkommission, um ein Gutachten befragt werden. Ein solches ist aber nach Lage der Sache ganz überflüssig, nachdem ine Entscheidung der Jury in Kreisen der Kunstkenner Billigung gefunden hat. Einer der ersten deutschen Meister, Professor Dr. Adols Hildebrand in München, hat den Künstler unb bie Stadt Berlin zu einem so meisterlichen Werke beglückwünscht unb schriftlich feiner besonderen Freude Ausdruck gegeben, daß die Reichshauptstadt nun auch einmal ein wirklich schönes Denkmal erhalten werde.
— Tie ursprüngliche Form der Hohkönigs- b n r g ün Elsaß scheint durch einen Fund erwiesen zu sein, der dem Straßburger Buchhändler Heitz gelungen ist. Er sand eine Elfenbeinplaquette, die aus den frühesten Anfängen des 16. Jahv- hunderts stammt und eine Ansicht der Hohkönigsburg enthält, die bisher völlig unbekannt war. Sie gibt eine ganz andere Form der Burg wieder, wie bie, die ihr Rekonstrnkteur Bodo Ebhard gegeben hat. Bereits mehrfach war in Architektenkreisen die Art und SSeii?, in der Bodo Ebhard die Burg im Auftrage des Kaisers roicber hergestellt hatte, abgelehnt worben. Die Funde Haden die Folge gehabt, daß nach Mitteilungen elsässischer Mütter, der Kaiser die endgültige Fertigstellung der Burg bis zur Nachprüfung der neu Vorgefundenen Pläne inhibierte. Ebhard allerdings betrachtet den Heitzschen Fund als Fälschung, steht aber vorläufig mit seiner Ansicht noch vereinzelt da.
— Bauernhochschulen. Auf dem in Dresden veranstalteten 3. Volkshochschultag sprach der Direktor der ländlichen Volkshochschule in Albersdorf Fr. Lembke über „Banern- hochschuien". Er führte aus, daß der Name Bauernhochschulen nicht recht die Sache treffe. Man wolle das ganze Volk auf dem Lande haben. Die Bauernhochschule in Albersdorf sei Internat. Sie könne als Genossensä)aft billig arbeiten: der Fünf- monatskurs für junge Männer im Winter erfordere 260 Mk., der Dreimonatskurs für junge Mädchen im Sommer 160 Mk. Für den ©intritt werde als Mindeftalter das 18. Jahr verlangt; das höchste Aller gehe bis zu 30 Jahren. Das Leben sei ohne viel Zwang eingerichtet, doch bringe der natürliche Sinn der jungen Leute es mit sich, daß selten über das Verhalten der Jugend geklagt zu werden brauche. Die Arbeitszeit betrage im Winter 54, im Sommer 60 Stunden in der Woche. Sie dienten den Schülern gewissermaßen zur Erholung. Unterrichtsfächer seien im Winter wie im Sommer Wirtschafts- und Bürgerkunbe, Deutsch, Rechnen und Buchführung, Geschichte, Naturkunde, Zeichnen und Turnen. Im Sachunterricht herrsche freier Vortrag, in allen anderen Fächern selbständige Hebung der Schüler. Die Albersdorfer Anstau arbeite ohne Lurechtigungswejen, da sie Männer unb Frauen bilden wolle, die selbständigen Existenzen imchstreben. Gegen den speziellen Fachunterricht verhalte »ich ablehnende
da sie diesen den Fachschulen überlassen wolle. Die ländliche Volkshochschule in Albersdorf betone das Gemeinnützige und Werl- volle einer allgemeinen und doch praktischen Bildung. Aller Unterließt baue sich auf Heimat und heimatliche Verhältnisse auf. In der Heimat liege das nötige Anschauungsmaterial, das den Unterricht vor bloßem Theorettsieren bewahre. Freilich sei der Kreis der Heimat nicht zu eng zu ziehen; die Fäden, die von der Heimat ausgehen, gingen über die ganze Erde. Die fr’ten Vorträge, die auch weiteren Kreisen zugängig seien, gäben lüb leicht ein Mittel, die Kreise der Bauerirhochschulen mit denn des Verbandes Deutscher Hochschulmänner zusammenzufühicn- Lembke sprach die Hoffnung aus, daß die junge Bauernhochschule sich zu einem Werke answachsen möge, das etwas bedeute für Volksbildung und Volkswohlsahrt. Direktor Lembke hat folgende Lett- sätze ausgestellt: 1. Bauernhochschulei: nach Art der nordischen Volkshochschulen sind vorzüglich geeignet, die Volksbildung aus dem Lande zu Hebei: und Mittelpunkte für die Weiterenttvicklung des ländlichen Blldungswesens zu werden. Sie können auÄ den Bestrebungen fürVolksvorlesungenaufdemLande Eingang verschaffen. 2. In ihrer Organisation und Arbeüs- weije haben sich die Bauernhochschulen den Verhältnissen der betreffenden Landschaft und der Eigenart ihrer Bewohner angU- passen. Hnbedingt zu fordern ist jedoch a) daß die Bauernhochschulen auf dem Lande errichtet werden, b) daß für den Bc>uw keinerlei Schranken weder bez. des Alters, noch des.Äeschlechtv, noch des Berufs bestehen und c) daß die freie Entfaltung der Lehrerpersönlichkeit nicht unterbunden wird.
* D r. L u d w i g W ü l l n e r a l s S ch a u s p i e l e r. Opernbause zu Köln gab dieser Tage Ludwig Wüllner em einmaliges Gastspiel in Byrons Manfred mit der Musi: von Schumann. In den von der Regie gestalteten 9!.^cn* * den Rahmen paßte die geniale Leistung Ludwig Wüllners hinein, der den melodramatisch rhythmischen Sprechton so meisterhaft beherrschte wie Possart, aber noch einen besonderen melodischen Reiz des Fachmusikers hinzufügte uno aus der Gestalt nicht nur das, was man faustisch oder hamletisch nennen kann, herausholte, sondern ihr eine starre erschütternde Lyrik lieh, die in Gemeinschaft mit der dekorativen und musikalischen Hmrahmung eine großarttge Kunstgestaltung bildete.
— Kleine Kunst chronik. Aus Petersburg ^ommt die Meldung, daß der Dichter Graf T o 1 st o i an einem der letzl Tage einen liefen O h n m a ch t s a u f a l l hatte. 21m tt(ia)lI Tage eiholte er sich jedoch ziemlich rasch. Da der Ainall siw gleicher Forn: wiederholte, sind die Aerzte uni den Patienten beioig -


