Nr. 100 Zweites Blatt
158. Jahrgang
Mittwoch 20. iklpril 1908
Erlcheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.
Die „Stetzener Kamtliendlütter- werden dem ,2lnytger' viermal wöchentlich betgelegl, daS „Kreisblatt für den Kreis Eiehen" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Zeitfragen" erscheinen monatlich zweimal.
Gießener Anzeiger
Seneral-Anzeiger für OberheW
Rotationsdruck und Verlag der BrÜhl'schen Unwersitäts - Buch- und Stetndruckerei. R. Lange. Gießen.
Redaktion. Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition tmb Verlag: e^6L Redaktion: 12. Tel.-Adr.-.AnzeigerGießen.
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Monarchenbesuche.
Nach den Besuck^n, die das englische Königspaar den Höfen von Kopenhagen und Stockholm abgestattet hat, ist König Eduard mit seiner Gemahlin jetzt in Christiania eingetroffen, um dort auch seinem Schwiegersöhne, dem König Hakon von Norwegen, seinen offiziellen Besuch zu machen. Lei der Galatafel, die gestern m Christiania zu Ehren des rnglischen Königspaares stattfand, brachte König Hakon einen Trinkspruch aus, indem er zum Schlüsse sagte: Im rollen Vertrauen auf den friedlichen Geist, der England und Norwegen beseelt, erkläre ich es als meine Ueberzeugung, daß die warmen Gefühle der Freundschaft zwischen beiden Ländern ununterbrochen fortgesetzt werden, und mit dieser glücklichen Ueberzeugung trinke ich auf das Wohl Ihrer Majestäten des Königs und der Königin und des britischen Volkes. — In seiner Erwiderung dankte König Eduard für den freundlichen Empfang und drückte die Hoffnung aus, daß Norwegen stets der Friede erhalten werden möge. — Auch dem russischen Hofe wird König Euduard in diesem Jahre einen Besuch abstatten. Der Besuch des englischen Königs in Petersburg wird voraussichtlich im August erfolgen. Die Verhandlungen darüber sind noch nicht abgeschlossen. E§ wird für wahrscheinlich gehalten, daß der Besuch einen privaten Charakter : tragen wird, da König Eduard Feierlichkeiten nach Möglich- 'eit aus dem Wege zu gehen wünscht. — Der König von Schweden trifft am Donnerstag auf der Nhede von Reval ein. Zu seinem Empfang reiste der Bruder des Zaren, Großfürst Michael Alexandrowitsch, und der schwedische Gesandte in Petersburg dorthin ab. Am Sonntag nachmittag * 3 Uhr findet in der Schloßkirche zu Zarskoje Selo die Hoch- - zeit de§ Prinzen Wilhelm von Schweden nut der Großfürstin Maria Pawlowna statt.
Deutsches Reich.
Der Kaiser und die Kaiserin, sowie Prinz August *- Wilhelm werden nach den bisherigen Dispositionen am 8. Mai nachmittags y»3 Uhr in Donaueschingen eintreffen. Der Sonderzug wird dort geteilt, und ungefähr nach einer Stunde werden E iie Kaiserin und Prinz August Wilhelm die Weiterreise nach Karlsruhe antreten, während der Kaiser bis zum 12. Mai im ?-■ fürstlichen Schlosse Aufenthalt nehmen wird.
Besuch des Königs von Schweden. Wie der „Lok.- Änz." erfährt, trifft König Gustav von Schweden zur Abstattung seines Anttittsbesuches am Berliner Hofe am 31. Mai im Berliner Schlosse ein und wohnt auf Eiriladung des Kaisers der Jam 1. Juni stattfindenden Parade bei.
Der jüngste Sohu des Herzogs von Cumberland, Prinz Ernst August, der jetzt von. einer Aegyptenreise zurück- kehrt, wird, wie das „Berl. Tagebl." wissen will, im kommenden herbst in die deutsche Armee eintreten und wahrscheinlich irr Baden oder Sachsen Dienst tun. Prinz Ernst August wurde am 17. November 1887 geboren.
I M a t r ikul a rb eitr ä g e für 1908. Dem Reichstage ist eine Berechnung der nach dem ReichshaushaltSetat für 1908 Deckung der Gesamtausgabe des ordentlichen Etats aufzu- . bringenden Matrikular beiträge zugegangen. Danach sind litagefanu für 1908 erforderlich 318136 025 Mk., im Etat für 1907 sind angesetzt 290 598 225 Mk., mithin sind für 1908 ntü)r aufzubringen: 27 537 800 Mk.
Die außerordentliche General Vers am mlung ? des Deutschen Arbeitgeberbundes für das Bauge- l rotrbc hat nach längerer Debatte dem Schiedsspruch der drei Un- tarteiischen z u g e st i m m t. Vor der Fällung des Schiedsspruchs in ar in 57 deuychen Plätzen bereits eine Einigung erzielt worden, mährend in einer ganzen Anzahl von Städten noch Differenzen oeitanben.
In Berncastel wurde gestern eine außerordentliche Ge- acralversammlnng des Weinhändler-Vereius der Mittelmosel abgehalten: sie nahm eine größere Anzahl Abänderungsanträge 6U der neuen Weingesetznovelle an.
Im Münchener Hardenprozeß hat nunmehr auch der Kläger Harden Berufung eingelegt.
Ausland.
Ein deutsche s We i ßb uch ü b e r M.a ro kko. DerBer- lster Korrespondent des Tems berichtet, daß in 8 bis 10 Tagen (in deutsches Weißbuch über Marokko erscheinen werde. Dieses Peißbuch werde bis auf 1906 zurückgehen und sich mit den verschiedenen Angelegenheiten beschäftigen, die sich seit dieser Zeit 'n Marokko zugetragen haben. Die Dokumente des Weißbuches lotcbeit nicht nach ihrem Datum, sondern gruppenweise zusammen- Mellt werden, je nachdem sie die eine oben andere Frage behandeln:
Irredentisten. Wie aus Trient gemeldet wird, untere nohnwn mehrere hundert italienische Irredentisten eilten Aus- !lug in das deutsche Sprachgebiet und zwar nach der Ortschaft Elchholz. Si/insultierten die dorttgen deutschen Ein- >«hner auf das gröblichste und nur dem energischen Einschreiteil ■r Gendarmen ist es zu danken, daß cs nicht zu blutigen Zu- iaMmenstößen zwischen den dortigen Deutschen und den Italienern seimnmen ist
Fürst Bülow, der zurzeit in 23c n ebig weilt, hat dort ceftern die Besuche des italienischen Ministerpräsidenten Gio- sttti und des ehemaligen Berliner Botschafters Lanza emp- laatgen.
Tie Lage an der persischen Grenze. Daily Mail lnichter aus Petersburg, daß dort ernste Nachrichten von Urmia emgetroffen sind. In der Nähe der russischen Grenze plündert sine Ballde von 2000 Kurden die Dörfer. Die Einwohner ünb von den Räubern zil Hunderten niedergeschlagen morden. _____________________
Ans Stadt und Land.
Gießen, 29. April 1908.
Fürsorgekasse für Landgemcirrde-Beamte.
In den Kreisen der hessischen Gemeindebeamten : ^ht man mit großem Interesse der Beratung des Gesetz- ^twurfs über die Für sorg e k a sse für die Beamten der Landgemeinden und weiteren Kommurialverbände entgegen, >t1ien Verabschiedung bestimmt noch in der voraussichtlich O^nde Mai zum Abschluß kommenden ftammertagung erfolgen iyoÜ. Das Gesetz soll alsdann am 1. Oktober 1908 in Kraft beten. Wie schon früher angedeutet, ist der Gesetzentwurf im
Finanzausschuß der Zweiten Kammer in seinen Grun-dzügen fertig gestellt worden; er hat durch die Ausschußberatungen eine sehr wesentliche Umgestaltung zu Gunsten der zu versichernden Landgkmeindebeamtcn erhalten und wird in dieser neuen Gestalt von den Interessenten gewiß mit großer Befriedigung begrüßt werden. Besonders hat der Ausschuß dafür gesorgt, daß die Kassenmitglieder, die zur Zelt bereits der Reichsinvalidenversicherung angehören und für sie nach ungefährer Schätzung schon mindestens 120 000 Mk. Versicherungsbeiträge gezahlt haben, ihrer Ansprüche an die ReichSversiche- rung nicht verlustig gehen. Die neu zu gründende hessische Fürsorgekasse wird vielmehr die Versicherungen für die Beamten fortsetzen und auch den Geschäftsverkehr für sie mit der Invalidenversicherung, rote z. B. das Markenkleben etc. übernehmen. Diese Mitglieder roerben nach Errichtung der Fürsorgekaffe die für sie festzusetzenden Versicherungsbeiträge zu zahlen haben, wofür sie aber im Falle ihrer Pensionierung nicht nur die Jnvalidenpension, sondern auch die Differenz zwischen dieser und der voraussichtlich höheren Pen- sionSsätze der Fürsorgekasse erhalten. Der Ruhegehalt der Landgemeinde-Beamten soll bekanntlich bei 10 Dienstjahren 40 Proz. des Diensteinkommens betragen, vom 11. bis 20. Dienstjahre um je V/g Proz. und vom 21.—40. Dienstjahr um je 1 Proz. steigen und somit im 40. Dienstjahr den Höchstbetrag mit 75 Proz. des Diensteinkommens erreichen. Nach dem Gesetzentwurf sollten zuerst die Strafanteile unter 30 Mk. für die moderen Beamten in Wegfall kommen. Der Finanzausschuß hat aber beschloßen und die Regierung hat sich damit einverstanden erklärt, daß auch die Strafanteile von weniger als 30 Mk. jährlich den Beamten weiter gezahlt werden. Die Staatskasse zahlt einen festen jährlichen Zuschuß von 40 000t Mk. Dieser Zuschuß soll allmählich dadurch getilgt werden, daß die mit dem Tode eines Stelleninhabers in Wegfall kommenden Strafgelder der StaatSkaffo zugeführt werden. Hierzu hat nun der Ausschuß die weitere Bestimmung getroffen, daß, sobald daS von der Staatskasse hergegebene Kapital wieder zurückgezahlt worden ist, auch diese Strafgelder sämtlich der Fürsorgekasse zufließcn sollen. Durch alle diese und noch verschiedene weitere Bestimmungen hat der Gesetzentwiirf, gegen den sich zuerst unter den Interessenten eine starke Opposition bemerkbar machte, zweifellos eine erhebliche Verbesserung erfahren.
• • ®er Kaiser in Gießen. Eine Anzahl auswärtiger Blätter weiß zu melden, daß der Kaiser an den ersten Tagen des Mai hier eintreffen werde. Wir können mitteilen, daß diese Nachricht unzutreffend ist. Der für Gießen in Aussicht genommene Kaiserbesuch wird nicht vor Mitte Mai und jedenfalls zwischen den 16. und 18. Mai stattftndcn.
• * Militärisches. Die zu besouderer Ausbildung seit 1. d. Mts. zu einem Kursus auf den Truppenübungsplatz Darmstadt einberufenen Offiziere des Be urlaubten- standes wurden gestern wieder entlassen. Der mit der Leitung des Kursus beauftragte Oberstleutnant v. Lmdequist vom Stab des Kaiser Wilhelm Jnf.-Regls. Nr. 116, sowie die als Lehrer berufenen Offiziere treten zu ihren Truppenteilen zurück. Ebenso trifft Großherzogs Leibkompaguie unter Führung des Hauptmanns Frhr. Röder v. Diersburg wieder in Darmstadt ein und die andere Uebungskompagnie vom Jnf.-Regt. Nr. 166 kehrt mit der Eisenbahn nach Hanau zurück. Auch die Reserveoffiziers-Aspiranten, die eine 8 Wochen dauernde Hebung zu leisten hatten, wurden gestern entlassen. Die in unserem Regiment dienenden Reserve-Unteroffiziere wurden sämtlich befördert. Am 27. d. Mts. traf die I. Abteilung Feld-Art.-Rgts. Nr. 63 durch Fußmarsch aus Frankfurt im Lager bei Griesheim ein, um etwa drei Wochen lang auf dem Truppen-UebungSplatz das Batterie-Exerzieren vorzunehmen.
'* Evang. Landessynode. Die Vorarbeiten für die nächste Tagung der Landessynode nehmen, wie die .Darmst. Ztg." hört, noch einige Zeit in Anspruch. Die Synode wird daher nicht schon am 19. Mai, sondern voraussichtlich erst 6 Wochen später zusammentreten.
• * S chutzenoerein. Am Montag Abend hielt der Schützenoerein seine Frühjahrs Mitgliederversammlung ab, in der der Oberschützenmeister Stadtv. Brück den Jahresbericht erstattete. Von den gefaßten Beschlüssen interessiert besonders einer die Oeffentlichkeit, weil durch ihn die Abhaltung eines größeren Schützenfestes in Gießen für diesen Sommer gesichert erscheint. Es sind in diesem Sommer 30 Jahre, daß der Schützenoerein besteht und daß — ein gewiß seltener Fall — der derzeitige Oberschützenmeister Brück 25 Jahre dem Vorstande des Vereins als Mitglied angehört. Aus diesem Anlaß soll m den Tagen des 1., 2. und 3. August ein Jubiläums-Schützenfest, verbunden mit Volksfest, abgehalten werden. Die Festfolge, die einen großen Kommers, Frühschoppen und Festbankett zeitigen wird, ist noch nicht sestgestellt, vielmehr soll die Ausarbeitung des ganzen Festes einem großem Festausschuß überlassen bleiben, zu dem auch Mitglieder der befreundeten Gießener Vereine zugezogen werden sollen. Mit der Bildung der Fest-, Schieß-, Vergnügungs- und Presse-Ausschüsse wurde begonnen. Die Einladungen an die befreundeten Schützen vereine werden in Kürze hinausgehen. Bei der allgemeinen Beliebtheit, der sich der Schützenverein in der Bürgerschaft erfreut und bei der guten Erinnerung, in der die früheren Feste stehen, verspricht das Jubiläums-Schützensest eine würdige Veranstaltung unserer Vaterstadt zu werden.
• * Hessische Vereinigung für Volkskunde. Die hessische Vereinigung für Volkskunde wird am 4. Mai ihre
ordentliche VNtglied er-Versammlung in Groß-Umstadt abhalten. Wir machen besonders darauf aufmerksam, daß daS wichtige Unternehmen der Flurnamensammlung auf der Tagesordnung steht, und können in Ergänzung zu der in diesen Tagen an die Mitglieder versandten Einladung hinzufügen, daß über diesen Gegenstand außer dem Staats- archlvar Dr. Dieterich auch Hofrat Kofler, Darmstadt, sprechen wird, der die Flurnamen au5 den Grlindbüchern Hessens ausgezogcn hat. An die geschäftliche Sitzung schließt sich eine öffentliche Versaminlung an, zu der auch Nicht- mitglieder und Damen willkommen sind. In dieser Versammlung wird Professor Dr. Bader auS Darmstadt einen Vortrag halten über den Treppenwitz in der hessischen Geschichte, Beiträge zur Sagenkunde tm Gebiete des Großherzogtums.
" Stenographie. Wie au5 dem Inseratenteil der heutigen Niimmer ersichtlich, beginnt der Stenographenverein Stolze-Schrey am 12. Mai einen Unterrichtskursus für Damen und Herren, auf den wir Hinweisen.
** Diebstahl. In verflossener Nacht wurden au5 dem Keller eines Hauses in der West-Anlage etwa 20 Flaschen Wein gestohlen. Es sind in letzter Zeit inehrere derartige Diebstähle vorgekommen, ohne daß eS bis jetzt gelungen wäre, den Täter feslzustellen.
♦* lieber Anpflanzungen von Bäumen und Buschwerk erließ das Großh. Kreisamt Friedberg an die Bürgermeistereien des Kreises folgende zeitgemäße Verfügung, die auch anderwärts Beachtung verdient: „Es kommt öfter uor, daß Bäume und Gebüsche aufGemeinde-Eigen- tum, in den Feldgemarkungen beseitigt werden, ohne daß ein Ersatz durch Neupslanzungen stattfindet. Ein solches 23er- fobren muß, wenn es längere Jahre wiederholt wird, die Landeskultur, die landschaftliche Schönheit der Gegend, insbesondere aber auch den Vogelschutz benachteiligen. Wir empfehlen Ihnen daher in allen Fällen, in denen Bäume, Hecken und Buschwerk auf Gemeindeeigenttim beseitigt werden, für alsbaldige Neuanpflanzung, soweit dies mit den landwirtschaftlichen Interessen sich irgendwie vereinigen läßt, Sorge zu tragen. Insbesondere erscheint es zweckmäßig, dastir zu sorgen, daß, falls bei Bachschauen die Entfernung von 23äumen und Büschen, weil solche in den Wasserlauf hineinraMU und ihm hinderlich find, erfolgen muß, alsbaldige Neuanpflanzung auf dem Ufer (wenn möglich in etwa 40 Zentimeter Entfernung vom Ufcrrani)) veranlaßt wird. Ferner empfiehlt es sich, überall da, wo an steilen Stellen hölzerne Schutzgeländer angebracht sind, möglichst auch Bäume und Weißdorn- ober Fichtenhecken an- zupflanzen. Auch wollen Sic hierauf hinwirken, daß Buschwerk und Hecken auf Privat-Geländc möglichst er- halten werden, wo nicht deren Entfernung int landwirtschaftlichen Interesse unbedingt criörderlich ist. Tem Auzünden und 21bbrennen von Hecken an Böschungen und Rainen ist namattlidx entgegen zu treten. Der Nutzen derartiger Einäscherungen ist meist ein ganz geringer, der Schaden für die Vogelwelt aber ein sehr großer. Diese verliert hierdurch eine hauptsächliche Zufluchtstätte. Es muß umsomehr derartigen Schäden entgegengewirkt werden, als die Gefahr vorliegt, daß die Sing- und Nutzvögel bei nicht genügender, schützender Fürsorge nach nnb nach aussterben."
Bad-Nau hei m, 29. April. Heute feiert unser ältester Mitbürger Friedrich Schier nut feiner Gemahlin das Fest der Silbernen Hochzeit. Herr Schier, der im 9 7. Lebens» ja hre steht, feiert sein silbernes Jubiläum bereits in zweiter Ehe, und auch in seiner ersten konnte er Silberne .Hochzeit feiern. Trotz deS hohen Atters ist der Jubilar noch äußerst rüstig und erfreut sich der besten Gesundheit.
--- Ober-Widdersheim, 29. April. Seit letzten Frei» tag wird der Förster Christian Eckel von hier vermißt. Er verließ ohne Angabe über sein Ziel seine Wohnung und wurde seit dieser Zeit nicht mehr gesehen. Sei seinem Weggang war er mit gelben Gamaschen, grauen Hosen, braunem Rock und hellgrauem Mantel und Hut bekleidet.
Bad Salzhausen, 28. April. Für weitere Kreise dürfte es von Interesse sein, daß die Großh. Negierung die Preise für die Solbäder in der Badeanstalt denen des Jahres 1907 gegenüber wesentlich herabgesetzt hat. Die Therinalsolbäder im neuen Badehause kosten von Beginn der diesjährigen Kurzeit ab vormittags 1,20 Mk., nachmittags 0,90 Mk. anstatt 1,50 bezro. 1,20 Mk. im Vorjahre, während für ein Bad mit kalter Sole oder ein Süßroafferbad anstatt 1,00 Mk. nur noch 0,70 Mk. zu entrichten sind. Um auch weiterhin namentlich den Landbewohnern entgegenzukommen, sollen in den Monaten Juli und August im alten Badehause wieder Bäder zu den früheren Preisen, d. i. an Vormittagen 0,90 Mk. und an Nachmittagen 0,70 Mk., abgegeben werden. Nicht unwahrscheinlich ist eS ferner, daß auch an die weniger bemittelten Bewohner der Gegend Bäder zu ermäßigten Preisen verabfolgt werden und diesen somit auch die Möglichkeit geboten sein wird, für die Benutzung der Eisenbahn nach Salzhausen Fahrpreisermäßigung zu erlangen. Das Entgegenkommen der Regierung wird sicherlich dazu beitragen, die im Vorjahre zurückgegangene Bädcrzahl wieder auf die frühere Höhe gelangen zu laßen und hoffentlich eine Steigerung in der Bäderadgabe zur Folge haben.
fc. Frankfurt a. M., 28. April. Gestern sind hier vier Selbstmorde verübt worden. Eine 50jährige Haushälterin vergiftete sich mit Salzsäure, ein tzljähriger Wäschereibesitzer erhängte sich und ein 28jähriger Bäcker und ein Unbekannter im Alter von 40—45 Jahren suchten den Tod im Wasser. — Gestern ging die Frühjahrsmesse zu Ende. Wenn man den Meßbudeninhabern glauben kann, war das Meßgcschäft so flau wie noch nie. Sogar die Por- zellanroarenhändler, die sonst immer noch auf ihre Kosten zu kommen pflegten, sind diesmal durchaus nicht beftiedigt, ebenso dis Händler mit irdenem Geschirr.
h. Frankfurt a. M., 29. April. In einer gestern hier abgehaltenen Mitglieder-Versammlung des sozialdemokratischen Vereins wurden die Stadtverordneten Dr. Guard und Hüttmann als Landtags-Kandidaten ausgestellt. Sie waren beide auch in, Jahre 190b' Kandidaten der sozialdemokratischen Partei.


