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29.2.1908 Zweites Blatt
 
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Samstaa 2N. Februar 1908

158. Jahrgang

Zweites Blatt

Kr. 51

Gießener Anzeiger

Seneral-Anzeigtr für Gberhchen

Rotationsdruck und Verlag der Brühllchen Unwersuäls - Buch- und Steindruckeret.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: ®Äul- straße 7. Expeditron und Vertag: e^ol. Redaktwn:S^Kl 12. Tel.-AdruAnzetgerGießen.

QjKltM «glich mit «u«nahme des Sonntag».

Sie .Sietzcner $amtltenbl3tter* werden dem ,en»rtflCT* viermal wöchentlich be,gelegt, das ^grtubiati für öen Krets Siehrn' zweimal E^tzemiich. Die ^Lanvwtrttchaftlichen dell» freie8" erfchetnen monatlich zweimal.

Deutsches Reich.

Berlin, 28. Febr. Tr. Solf, der seit Mürz 1900 l^ouvernc ur von Samoa ist, trifft auf seiner Urlaubsreife " diesen Tagen in Berlin ein. Verbürgt verlautet, daß Gou - >.'rneurSolf nicht wieder in seine Südseekolonie - -rückkehren wird. Als sein Nachfolger im Amt wird L Mril. Legationsrat Tr. v. Jacobs, vorttagender Rat irre «ächs'vlonialamt, genannt, der eine Zeitlang das Generalkon­sulat in Kapstadt verwaltete.

Tic Meldung, daß die Abfickst bestehe, auS Teilen des I und 17. Armeekorps ein neues Armeekorps zi5 bilden, entbehrt jeden Grundes.

Koburg, 28. Febr. Ter Fürst von Bulgarien traf nacht, die Prinzessin Eleonore Reuh heute morgen aus hier ein. Um 9 Uhr vormittags fand dann in aller --ille die Trauung in der hiesigen katl-olischen Kirche statt. Hach der Trauung reiste das Brautpaar sofort nach Gera ab.

München, 28. Febr. Ter Senat der Univcrsi- fcht München hat dem Professor Da rde n he we r eine Rüge aeilt nicht nur wegen Verletzung kollegialer Rück­sichten, sondern muh, weil er Anlaß zu Skandalen ^zcben habe, wie sie bisher an deutschen Universitäten unerhört n-cren. I

die Sozialdeinokraten unter Kritik der Nationalliberalen ledig­lich zur Wahlenthaltung aufgefordert.

Da ich Derrn Lehrer Kling heute nicht treffen konnte, war ich nicht in der Lage, mit ihm eine gemeinsame Erklärung zu besprechen.

Auf weitere Zei tun gs Polemik lasse ich mich nicht ein. Gießen, 28. Februar 1908. Dr. F. Werner.

Aus StaSt un- Land.

Gießen, 29. Februar 1908.

** Tageskalender. Sonntag den 1. März. Stadt- t h e a t e r. Nachmittags 3'/,: StmberuorftellungTie verzauberten Frösche"; abends 7'/, Uhr:Der Verschwender".

A n t a g e m u s t k (Volks-Konzeri) m der Süd-Anlage 11'/, Uhr (nur bei günstiger Witterung). Spielplan: 1. Ouvertüre Norma von Bellini, 2. Po-lonaise von Chopin, 3. Potpourri a. d. Afriknreise von Suppv, 4. Kaiser-Muskenere, Atarsch von Strauße.

St o l o H e u m: Programnnvechsel.

Kine matograph (Theater lebender Bilder) am Selters- weg 75. Samstag nachmittag 4 Uhr Eröffnungsvorstellung.

Kaiserpa norama: Programmivechsel: Flotlennianöoer.

Erklärung.

Herr Dr. Werner bittet uns um Mdruck der nachstehenden Erklärung. Wir erfüllen diese Bitte und werden nach einer evnt. siüärung von der Gegenseite die Debatte über diesen Gegenstand Meßen:

Zur Naturgeschichte desbetreffenden Flugblattes" bemerke ich:

1. Sollte von nationalliberaler Seite nochmals der Ber- iud) gemacht werden, uns als die Urheber des Flugblattes bin» Mellen, so bliebe nichts anderes übrig, als die Sache gc* richtlich zu verfolgen.

Dasselbe gilt von dem angeblich von uns ausgegangenen Flugblatt, in dem die David-Depesche alsLüge und Fälsclstmg" gekennzeichnet wurde. Ich kann gerichtlich nachweisen, daß ich von dessen Mfassung und Druck nichts wußte, und daß ich nach Fertigstellung des Flugblattes auf Anfrage des Herrn Kein entschieden gegen eine Verteilung protestiert habe.

2. DerRedakteur der Volkstoacht" hat bekanntlich bei der letzten Wahl nur im Auftrage des Bundes der Land- virtc, in Friedberg sogar gegen unfern Parteikandidaten Ahr gearbeitet. Er hat ohne jeden Zusammenhang mit unserer Wahlgeschästsstelle gesprock)en.

3. Es wird gefragt, was man beim in denroten" Orten gewollt habe, die man vor der Hauptwahlängstlich" g ernteten. Dazu bemerke ich, daß von den auigezähllenroten" Orten in Atcn-Buseck, Großen-Buseck und Reiskirchen, auch z. B. im ltarkroten" Lich vor Haupt- und Stichwahl Versammlungen kür Köhler abgehalten wurden.

Wieseck und Heuchelheim zu 'erobern, überlassen mir den Aatw'.mlliberalen, die bringen es gewiß fertig.

Ich selbst habe vor der Stichvahl in Wieseck und Hausen gesprochen und auch das kann ich gerichtlich beweisen

Ausland.

London, 281? Fcbu. (Unterhaus.) In zweiter Lesung urbe der Gesetzentwurf betreffen!) die Erteilung d e s Wa h l- ,<chts an Frauen^ den der Liberale Stanger eingebracht hat, ;tt 271 gegen 92 Stimmen angenommen. Der Staats- Jcetär des Innern, Gladswne, obwohl er für seine Person eui Z-vcund der Reform ift; erklärte, daß die Regierung eine neutrale Haltung einuehme. Es besteht feine Aussicht, daß der .rrbmirf noch in dieser Session Gesetz wird.

Paris, 28. Febr. Tie Königin Amalie von Por- igal l)at iich demMessteer" zufolge angeblich einen Abzug von ,.iu über eine Million von der Ber sicher un g s- »mmc gesalfen lassen nuiffen, weil die Glaub iger des vimugd Carlos ihre Maßnahmen entsprechend getroffen hatten.

Kleines Feuilleton.

, ^aulinc Lucca s. In Wien ist gestern abend die bc- ''chmte Sängerin Paulme Lucca nach längerem Selben im Alter 'ii 64 Jahren gestorben. Auf ihren eigenen Wunsch werden ihre Erblichen Uebervefte in Gotha eirigeäschert werden. Tie Lucca ist ii i Kind der sangesirohen Kaifeistabt an der Tonau; sie wurde an 25. April 1844 zu Wien geboren, sang schon als Kind in ttichenkonzerten und trat nut 14 Jahren als Choristin beim Unntnertortheater ein. Drei Jahre später wurde sie Mitglied der U. Lper in Berlin und errang hier beispiellose künstlerische a.iumphe. Ain 25. Nov. 1865 vermahlte sie sich mit dein Baron Rhaden. Im Jahre 1872 gab sie ihre Stellung wegen Der- Qiebencv Mißhelligkeiten auf, unternahm eine Gastspielreise nach -meritg und ließ sich dort scheiden. Später verheiratete sie sich *lt Wallhoier. In Berlin ist sie noch mehrfach ausgetreten, nahm £!iui ober ein Engagement nach Wien an und zog sich zuletzt von fciy Buhn? zurück. Tie Lucca war eine der ausgezeichnetsten Dar- biUeurutcn der Soubretten» und Spielopernpartien.

.Berlin, 28. Febr. Dem Dichter Adolf L'Arronge ist ttuaBlicl) seines bevorstehenden 70. Geburtstages der Titel P r o - ' ! 11 o r verliehen worden.

rr, ~~ Pwf. v. Esmarch als Gegenstand eines Romans.

^nlaß des Todes des großen Chirurgen v. Esmarch sei daran --uniert, daß die Geschichte feiner Liede zur Prinzessin Henriette ^.ondervurg-Augustenburg, dic 1872 zur Ehe führte, der ^-uiigm von Rumänien, Carmen Sylva, die Anregung zu ihrem jwanAus zwei Welten" gegeben hat, der 1882 erschien. Die ^vnigm schildert darin die inneren Kümpfe der Fürstentochter, (pe ,cul? leidenschaftliche Neigung zu ihrem Arzt gefaßt hat. -^6) einer schloeren Krankljeit geben sich die Eltern endlich «etidiinben, und das Buch tlingt in einem Hymnus des jungen Schluckes aus.

Tas Mär^heft derNeuen Rundschau" (S. Fischer, H0,9' Berlin) enthält interessante Briefe von Ibsen, sonders einige sehr wertvolle an Bjömson, in denen er über literarische Tinge sich ausspricht; außerdem aus 'N Bachlotz Ibsens die Beschreibung einer Reise nacy Aegypten stmweibung des Suez-Kanals. In demselben Heft verösient- r i e b r i d> Naumann einen wichtigen ArtikelDe r ' Q) e Neichsta g", in dem er sich über den modernen Parlamentarismus ausläßc. Helene Lange schreibt unter dem «T* /feministische Gedanke nanarch re" eine scharfe -,lC gegen gewisse unllare moderne F-rauenbestrebnrigen. Otto -.J0 . ?äneivt einen literarischen Essay über die Fontanische «^gur o'liy ^tatzfuß, Kecr über das neue Drama Hauptmanns, Bie einige neue Operetten. Schnitzler setzt seinen großen i-ncr üoman fort. Ricarda Huch verösfentlichi ihre nenefbe ptedcTer Hahn von Onatenbiück". Theodor Barth Nnrm! tolC die politische Chronik, und eine große a V]_ ^itgeichichtlicher Glossen füllt diekleine. Rundschau".

Englische Bücherpreise und Schrift st eller-- Rntimia.^ c englischen Bücher in ihrer vornehmen Aus- nfl '^hen bei den Freunden der Buchtechnik üt hohem

* * Vom Großh. Hof. Tie Fürst in zu Solms- Hohensolms-Lich reiste gestern mittag 12 Uhr 5 Min. wieder von Darmstadt nach Lich zurück.

* Ordensangelegenheiten. S. K. H. der Groß­herzog haben dem Postagenten und Briefträger a. D. Christian Bingel in Dornheim das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift »Für treue Dienste" am Bande des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

Die Kosten des Hoftheater-UmbaueS. Die Nachricht über den Abschluß der Rechnungen beim Hoftheater- umbau beruht auf einer raffinierten Mystifikation. Zur Sache selbst hat dieDarmst. Ztg." erfahren, daß allerdings eine nicht unerhebtiche Kreditüberschreitung sich ergeben hat; die Angabe über ihre Höhe bedarf jedoch der Berichtigung und die Verhandlungen über die Art und Weise der Deckung sind noch nicht zum Abschluß gekommen.

* Handwerksorganisationen. Die auf gleichem gewerbepolitischen Standpunkt stehenden Kammern von Württem­berg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen und Hohenzollern haben am letzten Mittwoch in einer Sitzung im Rathaussaal zu Karlsruhe einstimmig ihren Zusammenschluß zu einer Konferenz der süddeutschen Kammern beschlossen, welche je nach Bedarf von der geschäftsführenden Kammer einberufen werden wird.

* '* Arbeitskammern. Wie der Darmst. Ztg. mitgeteilt wird, sind die auf Grund des § 2 Abs. 2 Nr. 4 der Verordnung vom 17. Januar 1900 ernannten Ar- beitervertreler zu einer auf Anfang k. Mts. anbe­raumten Sitzung der Ministerialabteilung für Land­wirtschaft, Handel uni) Gewerbe eingeladen worden, um sich zu dem vor kurzem veröffentlichten Gesetzentwurf über die Arbeitskammern gutachtlich zu äußern.

**Eine Sitzung dcs Prvvinzial-Ausschusses findet anv Smnslag, 7. März Vs. Js., vorrn. 9 Uhr, mit fol­gender TagcSvttmung statt: 1. Gesuch der Firm« Herz Aaron zu Friedberg um Erlaubnis zürn Lagern von Knochen, Häuten und Fellen. 2. Die Heranziehung der Gewerkschaft Luse und Ilsdorf zu den Unterhaltungskosten der K'reis st raßen des Kreises Alsfeld. 3. Gesuch deS 5peinrich Röder II. zu Lor b ach um Erlaubnis zum Bettieb einer S ch a n k w i r t s ch a f t.

"Aus dem Bureau des Stadttheaters. Für

Ansehen, aber sie haben auch den Nachteil, daß sic int Durch­schnitt viel teurer sind, als die Erzeugnisse des allen Buch­wesens. Nur ivenige reiche Leute sind es, die in England sich den Luxus leisten können, die interessanten literarisck)cn Neu­erscheinungen gleich zu laufen, die Mehrzahl stützt sich auf die Leihbibliotheken, dic ihren Kunden auf Wunsch alle neuen Werke sofort am Tage des Erscheinens zustellcn. Diese Einrichtung hat sich auf gründ der englischen Buchmarktverhältnisse in den letzten Jahrzehnten gewaltig entwickelt. Mudies Bibliothek z. B. pflegt heute von jedem neuen Buche sofort ansehnliche Posten, die über eine Auslage oft hoch hinausgehen, anzuschafsen; von jedem neuen Roman von Hall Caine, von der Corelli und von der Ward werden sofort 12 000 Exemplare fest bestellt und am Tage des Erscheinens den Abonnenten zugestellt. Von den kürzlich herausgcgebenen Briesen der Königin Viktoria wurdest am ersten Tage für rund 65 000 Mk. Bände angeschafft. Mit dem teuren Preise der englischen Bücher stehen auch die iL-chrrft- stellerhouorare im Einklang, die im allgemeinen unverhältnis­mäßig höher sind als auf dem Kontinent. TerMercure de France" führt aus, daß in England mehr als hundert Roman­dichter leben, die für jeden Roman mindestens 6000 Mk. er­halten. Dabei sind die wirklich populären Schriftsteller gar nicht in Betracht gezogen, die Hall Caine, Rudyard Kipling, I. M. Barrie, Frau Humphscy Ward, Maria Corellr u:w noch ein Dutzend andere, die bisweilen mit einem einzigen Buche eine halbe Million verdienen. Andere, w-ie etiva Wells und Hewlett, erreichen durch schriftstellerische Tätigkeit Jahresein- nahmen von 40 bis 100 000 Mk. und mehr. Sehr groß sind auch die Einnahmen, die die Nomandichter durch dre Ztomanbeilagen der Zeitungen und Zeitschriften beziehen. Bei Beitrage werden hier nicht nach Zeilen, sondern nach Worten bezahlt; das Minimüm bildet da durchschnittlich vier Pfennige für das Wort, das Maximum aber ist gar nicht abzuschätzen. DieTimes bspw. honoriert eine Erzählung ihrer Wochenbeilage oft mit gegen 3000 Mk.; derTit-Bits" dagegen zahlt ungleich höhere Summen, aber diese Wochenschrift bringt den Herausgebern alljährlich auch gegen eine Million ein. Es sind schon Zolle vorge­kommen, wo von großen illustrierten Blattern laO OOO^Mk. und mehr für einen Stoman ausgegeben mutten. R. L. Lstevcnion bezog kurz vor seinem Tote 50 Psg. für jedes Wort. Pearsons Magazine" hat Kipling für seinenCaptam Cvurageou-, eine Mark pro Wort bezahlt, und dasSttand Magazme ist soweit gegangen, Sir Conan Doyle für seine letzte Sherlock Hol­mes-Serie für jedes Wort drei Mark auszusetzen, also 30 Mk. für die Zelle! Auch die biographisckjen Werke werten ungewöhnlich hoch IjonorietL John Morley hat für die vier -3ahre, die er an seiner Gladstoncbiographie arbeitete, von seinen Ver­legern 60 000 Mk. Jahresgehalt empfangen. Winston Eurchill soll für die Biographie seines Vaters 160 000 Mk. erhalten haben. Nur die englischen Sitcraturtrititcr und die Lyriker werden schlechter hoiwtiert. Ein Zeitungskrlliker erhält für eipe Spalte durchschnittlich 43 Mk.

die Sonntags - Vorstellungen: Mittags K i n d e riii är ch e n und abendsVerschwender" gibt sich so lebhaftes Interesse kund, daß Interessenten gut tun werden, sich noch im Vor­verkauf Plätze zu sichern. Am Dienstag den 10. März findet ein Gastspiel von Gertrud Eysoldt vom Deutschen Theater in Berlin in IbsensWildente" slatt. Die Wildente erlebt mit diesem Gastspiel ihre erste Aufführung und die be­rühmte ft'ünftlerin wird sich ebenfalls zum ersten Male dem Gießener Publikum vorstellen. Vonnerkungen zu diesem Abend werden jeder Zeit entgegengenonimen. Universitätsprofessor )r. Collin hat die Liebenswürdigkeit, zlir Einführung für diese Aufführung einen Vortrag überIbsen" mit spezieller Rücksichtnahme auf die Wildente zu halten. Dieser Vortrag rndet am Samstag den 7. März, abends 8 Uhr, im neuen Stadttheater slatt und die Jiihaber von Billetts zum Ei)soldt- Abend haben unentgeltlichen Zutritt. Von anderen Besilchern wird ein mäßiges Entree erhoben.

"Die S ch ü l e r v o r st e l l u n g e ii in unserem Stadt- theater erfreuen sich immer eines besonders starken Besuchs durch auswärtige Lehranstalien. So sind zu der feurigen Aus­führung desKälchen von Heilbronn" von der Präparcmdencmstalt m L i ch 145 Plätze, vom Lehrerseminar in Wetzlar 87 Plätze und vom B üb i ng er Gymnasium 60 Plätze bestellt worben. Diese Zahlen, wie die überhaupt sehr große Beteiligung Aus» 3 artiger an allen Vorstellungen, insbefoubere an ben Sonntag Nachmittags-Aufführungen, beiveisen, wie jehr bie Recht hatten, bie feit Jahren ein gutes Stabithecuer in Gießen auch für bic nähere unb weitere Umgebung als wünschenswert unb als richtigen Kulturfaktor erfannien.

** Kunstverein. Die Gemälde-Ausstellung am Brand, die seit 14 Tagen vollständig neue Bilder aufzuweiscu hat, hat sich von da ab fortgesetzt eines regen Besuche- zu erfreuen. Das ist ein Beweis dafür, daß die gegenwärtige Ausstellung wieder viel dcs Schönen bietet und recht interessant ist. Befonders erweckt die Kollektion H. Hermanns-Düsseldorf sehr großes Interesse. Gleichzeittg sei daraus hingewiefen- daß einige Bilder nur noch morgen ausgestellt bleiben, um an deren Stelle wieder neue Gemälde zur Ausstellung bringen zu können. Die Ausstellung ist Sonntags von 113 und an Werktagen von 111 Uhr geöffnet.

'* Wegen der t o in in e n b e n Fastnachtslage sei barcmf hingewiesen, daß bas Großh. Polizeiamt auch in diesem Jahre wieder an bie Einsicht des Publikunis sich wendet, um Be­lästigungen zu vermeiden. (Siehe arnll. Bekanntmachung.)

"Zum Büdlngcr Bankkrach. In der gestrigen Sitzung der Zweiten Kammer gab der Minister des Innern, Dr. Braun, die Erklärung ab, baß er sich infolge bec ungünstigen Nachrichten über den Büdinger Bankkrach und die dadurch herbeigeführten großen Schädigungen der Büdinger Stadtkaffc, wie zahlreicher Bewohner von Büdingen unb Umgebung morgen persönlich an Ort und Stelle begeben werde. Er werde namentlich auch darüber eine genaue Unter­suchung veranlassen, ob und inwieweit auch vielleicht Beanite der Aufsichtsbehörde eine Mitschuld an der beklagenswerten Katastrophe trifft, indem sie es an der vorgeschriebenen not­wendigen Kontrolle, Prüfung der Bücher der Stadtverwaltimg u. s. w. fehlen ließen. Wie man uns mittcilt, wirb die hiesige Bankfirma Baruch Strauß in Büdingen von jetzt ab vertreten sein.

0 Hausen, 28. Febr. Bei der heute abgehaltenen Jagd« o e r p a ch t u ii g unserer Gemeinde wurde der Betrag von 700 Mk. gegen 860 Mk. der vorherigen Pacht erzielt. Da dieser Preis unserer vorzüglichen Reh-, Hasen- und Fasaueujagb der allgemeinen Taxation einigermaßen entspricht, so wirb voraussichtlich auch bie Verpachtung an ben Höchstbiereubeu, Rentner E in melius- Gießen, genehmigt werben. Der seitherige Pächter war Chemiker Karl Felsiug in Gießen.

? Steinberg, 29. Febr. Unser TurnvereinGui Heil" feiert morgen abenb unGrünen Baum" fein Winter- vergnügen unb zwar entsprechenb ber fetzigen Zeit, in Form einer Kappen-Sitzung mit. komischen Vorträgen, lebcnbeit Bilbern unb Aufführung eines ReigenS. Air bic Unterhaltung schließt sich ein Tanz an.

s Großen-Linden, 28. Febr. Ein Volksunter­halt u n g s a b e n b findet Sonntag abenb auf Veranlassung bes Pfarrers Schulte statt. Aiißer einem Vortrag werben musikalische Darbietungen und GesangSvorträge ber hiesigen Gesangvereine ge­boten. Hoffentlich gelingt es, btc Volksuiiterhaltungsabenbe im emne ber Volksbilbungsbestrebungen auch hier zu einer dauernden Einrichtung zu machen.

V Holzheim, 29. Febr. Morgen Sonntag, 1. März, findet im hiesigen Rathaussaale eine öffentliche Versamm­lung deS Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Ge­tränke statt, auf die auch an dieser Stelle aufmerksam ge­macht werden soll. Jeder, der der für unser Volksleben so überaus wichtigen Alkoholfrage Interesse entgegenbringt, ist freundlich eingeladen. (S. Anzeigenteil.)

sc. Friedberg (Oberhesfen), 28. Febr. Am Dienstag! fand hier eine Versammlung von Molkerei-In­teressenten statt. Es waren vertreten: die Molfereigenosscu- schäften Reichelsheim, Echzell, Oftycim, Ulfa, Büdingen, Nicdev- wöllstadt, Grvß-Felda, Hungen unb Altenstadt, ferner noch eine Anzahl Privatmiolkcreien. Zunächst beschäftigte man sich mit der Forderung dcs Vorstandes der Landwiitschaftskammer, daß alle zur Dersüttcrung koimnente Mager- und Butterrnilcy sowie Molken vor dem Verkauf sterilisiert werten soll. Sämtliche Anwesende sprachen sich gegen diese Bestimmung aus. Im Sommer sei eine Erhitzung auf 90 Grad unmöglich; die Mager­milch werde dabei zu einer gänzlich unverkäuflichen Schmiere. Durch den Ausfall des Erlöses für Magermilch würden sämtliche Molkereien Oterhessens vor den Ruin gestellt werden. Jmt Ucbrigen fei unerunefen, daß die Tuberkulose ter Schweine von der Magerumlch komme. Merkwürdig sei, daß nur die Milch für das liebe Borstenvieh sterilisiert werben solle, dies aber bei ter Mitth für dic Nienschcn nicht für notwendig go» halten werte. Es wurde schließlich eine Kommission gewählt, die beim Minister des Innern und tem Vvrfland ter Landwirt­schaftskammer gegen die Bestimmung vorstellig werten soll. Tann wurde noch eine Kvmmission gewählt, die eine Erhöhung dcs Butteiwreises in die Wege leiten und die von bem anwesenden Buttergroßhändler Lutz aus Franffurt vorgeschlagenc Errich­tung einer Buttervermittelungs stelle in Frank­furt vorbereiten soll. Die Konkurrenz der Nlolkerei Borken, die Butterabschlüsse zu 1.23 Mk. gemacht habe, wurde scharf krllisiert. Für ausländische Butter, die man vorläufig noch nickst vom Jnlandsrnarkte verdrängen Bonne, wurde Dellacations- Zwang verlangt. Landtagsabgevrdiieter Hirsche! betonte, daß mir ein scheinbarer Gegensatz zwischen Mllchproduzeitteu und Molferefeu bestehe.