tn dem deutschen Bürgertum hat es unserer ReichZgesetz- *gebung erst möglich gemacht, im Freiz-ügigkeitsgcsetz und im Gesetz über den Unterstützungswohnjitz' die Fürsorge für -ihre Unterstützungsbedürftigen von allen bürgerlichen Ge- ^meinden zu fordern, und im Bundesrat für.Heimatswesen eine Zentralaufsichtsbehörde über das Reichsarmenwesen zu schaffen. Der Herr Vortragende suchte nun im Folgenden die Bestimmungen dieser Gesetze und ihre große Bedeutung für das gesamte Armenwesen unserer Tage klar zu machen, und wies zum Schluß noch hin auf btc Schwierigkeiten dieser Arbeit, die daraus erwachsen, daß Badern und anfangs auch Elsaß-Lo Ihringen sich von dieser Gesetzgebung ausgeschlossen haben. — Der nächste Vortrag (Mittwoch, den 9. Dezember im Konfirmandensaal der Johanncsgemiinde) handelt von der Praxis des modernen Armenwesens. Es sei auch hier noch einmal darauf hingewiesen, daß zu diesen Vorträgen von so allgemeinem Interesse auch Richtmitgl.ie- der der Gemeindefrauenvereine herzlich eingeladen sind.
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•* Tageskalender. Sladttheater: Sonntag nach- Mittag 3V, Uhr: ,Reau/ Abends 7'/. Uhr: „Ter Schwiegervater."
Colosseum: Täglich Vorstellung.
Kinematographen- Theater: Programmwechsel.
K a l j e r v a n o r a in a : Progrannnwechiel: Tie Mmelmeer- reise des Svnijeis "und das Schloß Achillcion.
Drucksachen-Ausstellung des Maschinenmeisterklubs im Schulhaus an der Nord-Anlage. Sonntag 10—4 Uhr.
Universitäts-Bibliothek: Ausstellung seltener Truck- schrillen, Handschriften u. s. iv. Alonlag 11—1 Uhr.
** Wahlen zur Ersten Kammer der Stände. Bei der am 23. d. Mts. vorgeirommenen Wahl von zwei Mitgliedern der Ersten Kammer der stände durch den im Grotzherzogtuin genügend mit Grundeigentum angesessenen Adel sind die Herren -Oberstallmeister Moritz Riedesel Freiherr zu Eisenbach, Exzellenz, zu Darmstadt und .Moritz Freiherr von Leonharoi, Kammerherr, zu 'Groß-Karben gewählt worden.
" Landesuniversität. Prof. Dr. Bartholomae hat den an ihn ergangenen Ruf an die Universität Straßburg zum 1. April angenommen.
**DieForstreferendare Hch Hauck aus Schaafheim, Georg Herwig aus Alsfeld, Rich. Kern aus Darmstadt, Fricdr. Kindhäuser aus Klein-Rohrheim, Adolf Klamm aus Echzell, Will). Kratz aus Darmstadt, Otto R o m p f aus Lang-Göns und Ludw. S ch u sr e r aus Ober- Rosbach wurden zu Forstassessoren ernannt.
•* Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Lehrer Konr. Dirlam zu Stammheim eine Lehrerslelle an der Gemeindcschule zu Schwalheim; dem Schulamtsaspiranten Franz Reumann aus Wattenheim eine Lehrerstelle an der ^Gemeindcschule zu Bechtolsheim.
** Vortragskur jus für praktische Landwirte in Gießen. Der vom 5. bis 8. Januar n. Js. von der Hessischen La n d w i r t s ch a f t s k a m m e r in Aus- :fid)t genommene Bortragstursus wird hier abgehalteu werden und sollen folgende Themcrtas behandelt werden: lieber neuzeitliche Weidewirtschaft: wie sind Höchsterträge zu erzielen; über die Ergebnisse der Leistungsprüfungen in Oberhessen; über die Buchführung als Grundlage für die Betriebseinrichtung; über Pferdezucht; über Schweinezucht; über die landwirtschaftlichen Arbeiterverhältnisse nnb ein Kapitel aus dem landwirtschaftlichen Pflanzenbau. Die Fragen werden von ersten Autoritäten aus den in Betracht kom- ! menden Gebieten behandelt. Die Namen der Vortragenden .werden demnächst mitgeteilt.
• * Akademischer Gesangverein. Rian schreibt uns: Die Proben für das Mitte Februar 1909 zu feiernde 90jä hrige Jubiläum des Vereins sind seit Beginn des Semesters im Gange. Große Aufgaben sind dem Verein gestellt: Als erstes Festkonzert soll L. van Beethovens „Missa solemnis“ in der Stadtkirche aufgeführt werden. Als zweites Festkonzert wird im Theater (mit Orchester im Theaterorchesterraum) zur Aufführung kommen: 1) L. van Beethovens Chor-Phantasie (mit Klaviersolo), 2) Robert Schumanns „Manfred". Als Solist für die Rezitation zum Melodram ist Ernst v. Poss art verpflichtet wocdcn. Auch eine gesellige Feier wird nicht fehlen. Alles das soll in der Mitgliederversammlung im Anschluß an die nächste Probe besprochen werden. (S. Anzeigenteil.-
*♦ Wohltätigkeitskonzert des Bauer scheu Gesangvereins. Wie sstou durch Annoncen bekannt gegeben, findet am Montag, abends 8 Uhr, int neuen Stadttheater ein großes Konzert statt, dessen Reinerlös den Hinterbliebenen der bei der furchtbaren Grubenkatastrophe in R a d b o d verunglückten Bergleute zugewendet werden soll. Der unter der umsichtigen Leitung des Herrn Lehrers O. Görlach stehende Verein verfügt zurzeit über ca. 70 Sänger, die sich schon oft in uneigennütziger Weise in den Dienst der Wohltätigkeit gestellt haben. Für einen musikalisch genußreichen Wend bürgen außer dem hervorragenden Ruf des Bauer'schen Gesangvereins die Namen Ida S t a m m l e r, Jul. H a h n und Wilhelm Schüttler, welche mit ihrer Kunst bereitwllligst die gute Sache unrerstützen. Wir wünschen dem konzerlgebenden Verein ein volles Haus, das bei dem bekannten Opfersinn der Gießener Bürgerschaft zu erhoffen ist, damit den ihrers Ernährers beraubten Familien ein großer Betrag zugeführt werden kann.
** Stadttheater. Es sei darauf hingewiesen, daß die beiden Vorstellungen des morgigen Sonntags — nachmittags „Kean" oder „Genie und Leidenschaft", und abends die Posse „Der Schwiegervater" oder „Die beiden Reichenmüller" zu kleinen Preisen gegeben werden. Die Posse hatte bei der ersten Aufführung am Nachmittag des 18. November wahre Heiterkeitsstürme entfesselt und scheint wiederum große Anziehungskraft auszuüben. — Für das Gastspiel der „Schliersee r" am 3. und 4. Dezember, bei dem zwei neue Stücke , In der Sommerfrische" und „Paragraphenschuster" mit Xaver Terofal in den Hauptrollen gegeben werden, werden bereits Vorbestellungen angenommen.
* * Das Promenade n-Konzert fällt am Sonn» .rag aus.
** Eine Drucksachen-Ausstellung, die der hiesige Maschinenmeister-Klub veranstaltet, findet morgen von 10 bis 4 Uhr im Zeichensaal der Stadtknabenschule statt. Der Besuch der ?lusstellung ist frei und lann umsomehr empfohlen werden,^als sie Gelegenheit bietet, einen Einblick in den hohen Stand des heimischen Truckereigewerbes .zu nehmen.
• * Eine BezirkSvorturnerstünde des 2. Bezirks sdes TurngcmeS Hessen findet morgen vormittag 81 /2 Uhr in der Turnhalle des Turnvereins Gießen statt.
• • Frauenbewegung. Man schreibt uns: Auf An- regiing der Fraiicnrechtsschutzstelle wird Frau Life R am speck als Vertreterin der Darmstädter Ortsgruppe des Allgemeinen
Deutschen Frauenvercins hier einen öffentlichen Vortrag halten. Die Vortragende ist eine in der Frauenbewegung wie in Schriftstellerkreisen bekannte Persönlichkeit. Das Thema »Aus dem Arbeitsgebiet der organisierten Frauenbewegung" verspricht das Interesse weiter Kreise zu erwecken. Haben doch die Bestrebungen der Frauen schon allerwärts zu reger Tätigkeit und zu erfreulichen Leistungen geführt. Den gleichen Vortrag hat Frau Ramspeck kürzlich im Darmstädter evangelischen Gemeindefrauenverein gehalten. Es sei darauf hin- gewiesen, daß der Vortrag am Dienstag, 1. Dez. slattfindel und zwar im Hürsaal des physikalischen Instituts, Stephan- straße 24. Auch Herren sind willkommen.
* * Briestauben - Ausstcllung. Die Preise für die am ö. und 6. Dezember stattfindende Militärbrieftauben- Ausstellung sind vom 28. November bis 2. Dezember bei der Firma Ernst Bloedner Nach-f., Seltersweg Ecke Plock- straße ausgestellt.
•* Weihnachts-Einkäufe. Der Detaillisten - Verein bittet in einem Inserat das kaufende Publikum, die Weihnachtseinkälife schon jetzt und möglichst in den Vormittagsstunden vorzmiehmen. Unsere Leser werden die Berechtigu.ig dieser Bitte geiviß eimehen, wir möchten aber noch darauf Hinweisen, daß der Käufer selbst den größten Vorteil davon hat, wenn er seine Einkäufe nicht bis zur letzten Woche aufschiebt. Die Läger bieten jetzt noch in vorzüglicher Auswahl alle mir möglichen Gegenstände, Gießen kann in dieser Beziehung den Vergleich mit mancher Großstadt aushalten; in den letzten Tagen vor dem Feste schrumpft die Auswahl aber naturgemäß zusammen, es muß dann häufig etwas gekauft werden, was dem Zweck nicht so ganz entspricht. Das Kaufen in der letzten Zeit bei überfülltem Laden ist nichts weniger als angenehin; eS ist den Kaufleuten dann zu ihrem eigenen Bedauern mit dem besten Willen nicht immer möglich, die Kundschaft so aufmerksam und sorgfältig zu bedienen, wie man es zu jeder anderen Zeit gewohnt ist. Aber nicht die eigenen Vorteile sind allein maßgebend, auch die Rücksicht aus die kaufmännisch Angestellten dürfte Veranlassung genug sein, daß jeder, dem es möglich ist, dazu beiträgt, ihnen die äußerst anstrengende Tätigkeit vor Weihnachten nach Möglichkeit zu erleichtern.
** Von den Bürgersteigen. Kurz vor Toresschluß, noch ehe das nasse Wetter eingetreten war, hat man beide Bürgersteige der Liebigstraße von den Gleisen der Oberhessischen Eisenbahnen bis zur Ebelstraße fertig ausgebaut und damit unsere Trottoirbefestigungen in der Stadt um ein weiteres neues Muster vermehrt. Es lvurden Zementplatten gelegt und zwischen diesen und den die Fahrbahn abschließenden Bordsteinen einfach gemustertes Mosaik- pflaller hergestellt, in das, durch gelbe Gail'sche Steine, Räume abgetrennt sind, in dem Bäume ihren Platz erhalten. Tie Liebigstraße, die am Eilgüter-Bahnhof beginnt und direkt in gerader Linke k>is zu Heitigenstädts Fabrik führt, dürfte die längste unserer Straßen jein und wird später wohl noch bis zum Bergwerkswald fortgeführt werden. Bisher hat man das noch nicht fertige Stück der Straße vor der Fabrik von Heiligenstädt kanalisiert und planiert, sodaß mit der Straßenbefestigung selbst bald vorgegangen werden kann.
** Gießener Industrie. Zur gestrigen Mitteilung betr. Eröffnung der Städt. Badeanstalt in Wetzlar ist noch nachzulragen, daß die hiesige Firma Jean Dem & Co. sämtliche Wandbcklcioungen und Fußbodenbeläge in der Badeanstalt hergcstellt hat. Die Wannen sind in Stampfbeton ausgeführt und innen und außen mit Porzellanfliesen verkleidet. Das Schwimmbassin ist ebenfalls mit Fliesen belegt. Die Brausezellen sind in Spezialsteinen ausgeführt.
-e Rödgen b. Gießen, 26. Nov. Der Kriegervevein Rödgen feierte gestern avend den Geburtstag S. K. H. des Groß Herzogs im Saale des Gastwirts Wagner hier. Der Vorsitzende Ernst Inder thal begrüßte die Versammlung, worauf Kamerao Oswald (Bahnschaffner) zu Gießen eine längere Ansprache hielt, die mit einem Hoch auf den Großherzog und das Großh. Haus endete. Hierauf hielt Lehrer Koch eine kernige Ansprack^e, worauf ihm der Vorsitzende inr Namen sänitliä-er Anwesenden seinen Donk aussprach. Noch lange nach Mitternacht weilte man bei den: Gesänge heiterer Lieder beisammen.
----Watzenborn-Steinberg, 27. 9chv. Zur Feier des Geburtstages S. K. H. des Großherzogs fanden sich gestern abend die Mitglieder des Kriegervereins in ihrem Vereinslokale ein. Der Präsident Leicht eröffnete und erteilte nach einigen einleitertden Worten dem Ehrenmitgliedc des Vereins, Psarrer Sommerlad, das Wort. Dieser gab in längerer Rede einen Ueberblick über die gegenwärtige politische Lage und ging dann auf die Bedeutung Hessens ein, das, im Zentrum unseres Kaiserreiches gelegen, keine geringe Rolle spiele, zumal an seiner Spitze ein Regem stehe, der sich der Pflichten, die der gegenwärtige Ernst der Lage an ihn stelle, vollkommen bewußt sei. Unser geliebter und nicht jnur in unserem engeren Vaterlande, sondern auch in ganz Deutschland geachteter Herrscher, unter dessen Regierung Hessen einen solchen Aufschwung auf allen Gebieten, besonders auf dem Gebiete der Kunst, erlebt, habe bisher alle Erwartungen, die bei seinem Regierungsantritt an ihn gestellt wurden, weit übertroffen. Zuletzt sprach der Redner ilvch die Hoffnung aus, daß das bis jetzt noch ungetrübte Vertrauen des Hefsenlandcs zu seinem Herrscher auch fernerhin nicht gestört werden möge und schloß mit einem begeistert crusgenom- mcnen Hoch auf unseren Landesherrn. Komisch Vorträge und fröhliche Lieder würzten die Abendstunden und hielten die Kameraden bis lange nach Mitternacht in fröhlicher Stimmung beisammen.
-m- Steinbach, 27 Nov. Im verflossenen Nachwinter bildete die Lich er Straße innerhalb des Gießener Stadtwaldes für die zwischen hier und Gießen verkehrenden Fuhrwerke einen wahren Schrecken. Der ganze Fahrdamm war damals in Bewegung, und tiefe Geleise bezeichneten die Spuren der sich mühsam durcharbeitenden Lastwagen. Dank der Bemühungen der Baubehörde scheint es in diesem Winter besser zu gehen. Die Straße ist eben trotz der nassen Witterung in leidlichem Zustande, man hört wenigstens auf dem größten Teil der Strecke die Fuhrwerke wieder „rollen". Tie Befestigung mit Kleinpftaster in der Nähe der neuen Jrrenklinil ist anscheinend vorzüglich Gelungen, und auch der iveitere, anfänglich so schlecht befahrbare Neubau ist durch abermaliges Eindecken und Abwalzen in besseren Zustand versetzt. Nur der mehr im Innern des Waldes gelegene Teil läßt noch zu wünschen übrig, doch wird auch hier bald die bessernde Hand angelegt werden. — Unser Ortsgeistlicher, Pfarrer Haacke, der schon eine längere Reihe von Jahren bei uns wirkt, wird nach Büdingen übersiedeln, um die Stelle eines Religionslehrers am dortigen Gymnasium auzunehmen.
[1 Mnschenheim, 27. Nov. Seit mehreren Jahren besteht hier eine V o l k s b i b l i ot h e k, die von Pfarrer Köhler und Lehrer Günther geleitet wird. Sie umfaßt heute nahezu 400 Bände aus den verschiedensten Gebieten. Die Gemeinde- initgliebec machen recht häufigen Gebrauch von dieser Einrichtung; es wurden nämlich im Winter 1906/07 über 1100
Bände, und im Winter 1907/1908 über 1300 Bände aus- gegeben. Die Lesezeit dauert vom 1. November bis zum 31. März.
x Ettingshausen b. Grünberg, 27. 9!ov. Der Ge. sangvercin beging am Dienstag aberu> bei Gastwirt Sommer in Gemeinschaft mit dem ba&u_ eingelademn Orlsoor stände die Feier des Geburtstages S. K. <£). des Großherzogs. Nachdem der Dirigent des Vereins, Lehrer Kra u s ha a r , in einer kurzen Ansprache als Singer und Mensch die Verdienste unseres Landcsherrn gewürdigt hatte, erinnerte er an die Ckburr des zweiten Hessenprinzen und brachte bann auf das Großh. Haus ein dreifaches Hoch aus. Hierauf sang der Verein eine Anzahl von Liedern, die aber mit, gemeinsamem Gesänge von Vaterlandsliedern angenehm abwechselten.
H Aus dem llsatal, 27. ^iov. Schon seit etwa 5 Jahren beschäftigt sich die Bewohnerschaft unseres Tales mir den Plänen einer Usatalbahn von Bad-Nau. heim bis nach Usingen. Endlich haben in den lebten Wochen die Absteckungsaraeiten seitens der Firma Lenz u. (io. stattgefunden. Die beteiligten Gemeinden haben schon vor ca. 2 Jahren Geländestellung und Uevernahme von Obligationen beschlossen. Die neue Linie soll vom Bahnhof Bad-Nauheim nordwärts auslaufen, etwa 600 Meter der Mainweserbahn folgen und dann nach dem Usatal führen, über Nieder-Mörlcn, Ober-Mörlen, Langenhain-Zicgcnbeeg und Wernborn wird sie dann nach Usingen geführt uno dort an die Bahn nach Weilburg angesa-lvijen. Dadurch wäre eine direkte Verbindung, zwischen dem Aad Nauheim, dem mittleren Taunus und dem Lahntal hergestellt.
8. Marburg, 27. Nov. Bei der Ersatzwahl in der ersten Wählerklaffe toiiröe heute Prof. Leonhard zum Stadtverordneten gewählt. — In einer stark besuchten Versammlung der Ortskrankenkasse sprachen sich bet• Vorsitzende sowohl, wie auch ein Redner betreffs der Reform des KrankenversicherungLgcsetzes für Beibehaltung der Selbstverwaltung aus.
’* Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Karl Schauermann V. in Ober- Lais ist als Beigeordneter dieser Gemeinde gewählt und bestätigt worden. — Der in Mieslnden verstorbene ehemalige Ravell- meister am Hoftheater in Kas, el, Reiß, hat dem dortigen Theater-Pensionsfonds 50 000 Mt. vermacht. — In Weiters- hausen im föxife Marburg ging gestern nacht die Scheuer des Landwirts A. Schneider in Flammen auf. Auch eine Dreschmaschine verbrannte mit.
GericHrsHaaL.
Gießener Schöffengerichtssitzung vom 27. Nov.
B e a >n t e n b e l e i d i g u n g. Ter Ingenieur W. W. in Gieße», der früher bei dem hiesigen Elektrizilätsiverke als In- üallatiousmeister tätig war und als solcher pensioniert luuröc, halte sich wegen Beauitenbeleidiguiig zu veraulmorteu und zwar iviirde er beichuldigt, in Zeitungsblätlern und Flugblätter» den Betriebsleiter des Elektrizirätsiverkes der Stadt Gießen A. St. beleidigt zu haben. Ter Angeklagte gab eine öffentliche Erklärung dahin ab: daß er die von ihm im Januar 1908 in dem ucrbreiteie» Flugblatte, überschrieben mit ^Gleiches Recht iür Alle" gegen Herrn St. erhobenen Vorwürie und Beleidigungen unter dem Ausdrucke des Bedauerns als ihm gegenüber unbegründet zurück nehme; daß er Herrn St. den Borryuri des Äcin- eidcs nicht inache und auch nicht gemacht habe. Fenier übernahm der Angeklagte die Kosten des Beriahrens und die Kosten der 'jjet- öffenllichung obiger Erklärung, die m der „Oberhcssischen Volkszeitung" und „Gießener Anzeiger" zu erfolgen hat. Ter Beleidigte, der auch als ölebcnfläget auffrat, nahm hierauf seinen Straf- ant rag im Eiuverständmsfe seiner vorgesetzten Behörde zurück, woraus Die Einstellung des Strafverfahrens erfolgte.
Sachbeschädigung. Der S ch reiner I. Sch., z. Zt. hier, hatte in der Herberge zur Heimat aus Zorn, iveil er fei» Bier verabreicht bekam, eine Fensterscheibe zertrümmert. Er wnrde luegen Sachbescnädignng und Hausfriedensbruch zu 3 Woche» Gefängnis und wegen Ruhestörung zu 3 Tagen Hast verurteilt.
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L Hanau, 27. 9kov. In einer bis 11 Uhr nachts währenden Sitzung des Schwurgerichts wurde gegen den 24 Fahre allen Zigeuner (Schirmflicker) Friedrich Ebender aus Usenborn ve» handelt, der am 25. August d. 'I. in der Nabe von Romerz bei ftulba den Gendarmerie-Wachtmeister Schenk au» Flieden durch einen Revolver schuß in den Rücken getötet hat, als dieser, mit der Beaufsichtigung der Zigeuner betraut, ihn abhalten wollte, einen Waldweg zu benutzen. Der Hergang war der folgende: Als der Gendarm den Zigeuner und die in seiner Begleitung befindliche weibliche Person mit 3 otiübern von dem Waldweg ad- weisen wollte, leistete die Frau tätlichen Widerstand und mußte, als sie sich wie eine Wütende benahm, schließlich gefesselt tverden. Sie zerbiß jedoch den Fesselriemen und hing sich aufs neue an Oeu Beamten und an den Kinderwagen. Der Zigeuner Eöendeo sprang hinzu, hob einen aus idem Wagen gefallenen Revolver auf und gab zwei Schüsse auf den Gendarmen ao, die nicht trafen. Der Gendarm zog den Säbel und suchte Deckung vor den Schüssen, wobei er einen SckMß in den Rücken erhielt. Als der Geudarmt zusammenbrach, entriß iljm der Zigeuner den Armeerevolvcr und setzte ilym diese Tßaffc auf die Brust. Da er jedoch den Mechanismus nicht kannte, mißglückte das beabsichtigte Schießen. Nunmehr zog der Zigeuner mit Weib und Kindern nach Hauswurz, woselbst er am anderen Tage verhaftet wurde. Dock> auch bei dieser Gelegenheit versuchte er wieder von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Ter Gendarm erlag einige Tage darauf an: den Folgen der erhaltenen Verletzung. Der verhaftete Zigeuner hatte jedvck) noch mehr auf dem Kerbholz. Es stellte sich beraub, daß er sich bisher unter falschen Namen (Wagner und Pleske) umhergetrieben und steckbrieflich verfolgt wurde. Er war an dem 1905 aut. dem Pferdemarkte zu F-ritzlar vorgekommenen Auftritte beteiligt, bei dem sein Biller erschossen wurde. Er wurde fluclchig und rauchte unter dem Namen Pleske im September 1907 bei Paderborn auf. Da er mit feinen Papieren niclü übereinstimmende Angaben machte, wurde er von der Gendarmerie festgenommen. Als ihn dann der Gendarm Frank aus Lichtenau nach Paderborn transportieren wollte, 'benutzte er bei heran- brechcnder Dämmerung eine günstige Gelegenheit, um feinen verborgen gehaltenen Revolver zu ziehen und einen Schuß auf den zu Pferde sitzenden Gendarmen abzugebeir. Der Schnitz trat, verletzte aber keine edleren Organe. Allerdings gelang es bis heute noch nichts die Kugel aus der Schußwunde zu entfernen. Bei dieser Schießasjiäre gelang es dem Zigeuner, querfeldein zu entfliehen. Nun hat ihn das Sckficksal ereilt. — Siach dem Walnspruche der Geschworenen wurde auf Mord erkannt und Darauf die Todesstrafe ausgesprock^'n. Die Geschworenen beschlosscü, ein Gnadengesuch für ihn an den Kaiser abzusenden.
Heidelberg, 27. Nov. Universitäts-Fechtmeister Lor- bcr, der bisher ein Jahreseinkommen von rund 20000 Mk. bezog, wurde heute von der Berufungsinstanz wegen Unterschlagung von F-ockttutensilien zu einer Geldstrafe von 6U0 Mark verurteilt.
Salzburg, 27. Nov. Das hiesige Landesgericht verurteilte den prall. Arzt Dr. Josef N ie bcro f e r wegen Fr ucht- abtreibung zu 8 Nronatcn schweren Kerker.
Spenden für Radbod.
Die Sammlung des Gießener Anzeigers:
Bisher quituei t: 1810.15 Pik., K. Haupt 2.-, Dl. 1.—, Ungenannt 10.—, 1. Klasse der Schule zu Ro'dyeun a. B. 12.-. Zu- jammen 1835.15 Mk.
Gießener Wetterdienst.
Boransstchtlichc Wittcrn»lg für Hoffen am Sonntag den 29. November: Trüb und neblig. Geringer Regen. Temperatur wie heule.


