Ausgabe 
23.12.1908 Zweites Blatt
 
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dauernd unbefriedigend beschäftigt, so baß der für diese Zweige in den früheren Monaten berichtete Arbeitermangel vollständig geschwunden ist. Bemerkenswert ist jedoch, das; sich aus den Nachweisungen der Betriebskrankenkassen der Textilindustrie eine kleine Zunahme der Beschäftigungsziffcr ergibt. Ans der chemi­schen Industrie klagen insbesondere die Farbenfabriken über einen Rückgang des Absatzes nach dem In- und Auslande. Tie elektrische Industrie hat im wesentlichen noch zufriedenstellend zu tun, jedoch konnten insbesondere in den Großstädten viele der sich anbieten- dcn Arbeitskräfte nicht ausgenommen werden.

Diesem Rückgang in den Großindustrien steht während des Derichtsmonats eine Verbesserung in einer kleinen Anzahl In­dustrien, sür die das herannahende Weihnachtsgeschäft eine Be­lebung brachte, gegenüber, vor allem im »andelsgewerbe, in ein­zelnen Zweigen der Nahrungsmittelindustrie, den Buchdruckereien und Buchbindereien.

Bei den an das Kaiserliche Statistische Amt berichtenden, Krankenkassen zeigte sich am 1. Dezember 1908 im Vergleiche zum j 1. November insgesamt eine Abnahme der Bcschäftigungszrffer, von 55 641 Personen, die sich aus einer Abnahme von 59183 j männlichen und einer Zunahme von 3542 weiblichen Personen zusammensetzt. Im Vorjahre war die Abnahme Lei den gleichen Kassen erheblich geringer, sie betrug insgesamt 30 411 Personen und setzte sich aus einer Abnahme von 45 470 männlichen und einer Zunahme von 15 059 weiblichen Personen zusammen.,

Tie Berichte der Arbeitsnachweise deuten fast durchweg auf einen wesentlichen Rückgang im Vergleiche zum Vormonat und zu der gleichen Zeit des Vorjahres hin, <

Die Bcrkehrseinnahmen aus dem Güterverkehre der deutichen Eisenbahnen waren im November 1908 um 8 947 408 Mgrk niedriger als mt Vorjahre. Es bedeutet das gegen das Voriahr cme Mindereinnahme von 223 M. oder 7.68 v. H. auf das Kilometer. . .

Alles in allem genommen, bedeuten dreie Zmern gerade feine frohe Weihnächtsstimmung.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 23. Dezember 1908.

"Aus dem Militärwochenblatt. Befördert zu Leutnants d. Res. die Vizefeldwebel, bezw. Vizewacht­meister: Felix iSolingen) des Garde-Drag.-Regts. (l. Großh. Hess.) Nr. 23, Schmelzer (Köln), des Leib-Drog.-Regts. (2. Großh. Hess.) Nr. 24, Braun (Göttingen), des Großh. Art.-Korps, 1. Großhcrzogl. Hess. Feld-Art.-Regts. Nr. 25, Knierim (1 Kassel), Ratenbacher (Gera), des Jnf.- Leib-Regts. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117, Schaum (Hagenau), Franzen I. (Frankfurt a. M.), des Jnf.-Regts. Prinz Karl (4. Großh. Hess.) Nr. 118, Wagner (Friedberg), des 10. Lothr. Jnf.-Regts. Nr. 174. Böhnstedt (Frank- furt a. M.), des 2. Großh. Hess. Feld-Art.-Regts. 9k. 61, Reinewald (Worms), des Lothr. Train-Bats. Nr. 16. Abschiedsbewilligungen im Beurlaubtenstande: Weif send ach (I Darmstadt), Oberlt. der Landw.-Inf. 2. Aufgebots, Neubecker (I Darmstadt), Leutnant der Landw.-Feld-Art. 2. Aufgebots. Im Sanitätskorps: dem Stabsarzt der Landw. 2. Aufg. Dr. Ferrari (Erbach) der Abschied bewilligt.

** Lehrerpersonalien. Ernannt wurde der Lehrer an der evangelischen Schule zu Bensheim Adolf Lind, zurzeit Verwalter einer Lehrerstelle an der Taub­stummenanstalt daselbst, zum Reallehrer an dieser Anstalt unter Belassung in der Kategorie der Volksschullehrer. Uebertragen wurde dem Schulamtsaspirantcn Philipp Klank aus Münster (Kr. Dieburg) eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober-Erlenbach; dem Schulamtsaspiran­ten Emil Hitz aus Eltville a. Rh. eine Lehrerstelle an der höheren Bürgerschule zu Schotten.

* * Handwerkerschulkonferenz. Am letzten ..Sonntag fand in dem Gebäude der hiesigen Handwerkerschule eine Sitzung des Vorstandes der einzelnen Sonntagszeichen­schulen des Bezirks sowie der Unterrichtsleiter statt, die gut besucht war. Hauptlehrer Traber gab in längeren Aus­führungen die Grundzüge bekannt, nach denen in den ein­zelnen Sonntagszeichenschulen unterrichtet werden soll. Hieran schloß sich eine längere sehr anregende Diskussion, bei der für den Unterricht wichtige Fragen besprochen wurden.

"Für die Bahn von Butzbach nach Ebers­göns ist die Konzession, soweit hessisches Gebiet in Frage kommt, unterm 29. August d. Js. erteilt worden, die am 30. September 1957 erlischt.

* * M ä n n c r - T u r n - V ereiN- Am vergangenen Sams­tag hielt der M.-T.-V. seit Jahren zum erstenmal wieder eine Weihnachtsknerpe ab, die in allen Teilen gut verlaufen ist. Mit einem Fackelzuge betraten die Teilnehmer unter Absingen des Liedes: O Tanrrerrbanm! die alte Kneipe im Darmstädter Haus, die von den Mitgliedern der Frauenabteilung aufs schönste geschmückt war. Nachdem der erste Sprecher die Gäste begrüßt und die Kneipe eröffnet hatte, wurde der Geschenktisch einer allseitigen Besichtigung unterzogen und mancher Wunsch nach dem einen ober dem anderen Preise wurde laut. Die Lose sanden bei den zahlreich erschienenen Gästen so reisend Absatz, daß als­bald mit der Auslosung der von der Frauenabteilung gestifteten Geschenke begonnen werden konnte. Hierbei ging es schon heiter zu, namentlich, wenn auf den Treffer ein Ulkgeschenk kani. Später wurden die gegenseitig gegebenen Geschenke durchs Los verteilt und bald sah man allenthalben zufriedene Gesichter. Tie Ver­steigerung der einzelnen Aeste des Ehristbaumes, den einige Tarnen geschmückt hatten, brachte Nickel- und Silberstücke in die Kneip- Lasse, doch- blieb auch hierbei mancher Wunsch unerfüllt. Bis früh in den neuen Tag hinein blieben die Unermüdlichen zu­sammen, nachdem die Alten, die in stattlicher Anzahl erschienen waren, die heimatlichen Gesilde ausgesucht hatten. Einstimmig waren alle Teilnehmer darin, daß für die Zukunft die Weihnachts­kneipe jedes Jahr gehalten werden soll, um auch auf diese Weise die einzelnen Mitglieder sich menschlich näher zu bringen. Am 2. Weihnacktsfeiertage findet in Steins Garten die große Familien- Weihrnichtsseier statt, zu der noch burck Anzeige ejigefaben wird.

* * Tierschutzverein. In aller Stille vollzog sich am Sonntag innerhalb des hiesigen Tierschutz-Vereins eine kleine, aber um so würdigere Feiev, die andererseits doch auch wieder Anspruch erheben kann, in weiteren Kreisen bekannt zu werden. Seit Jahren pflegt ber Vorstand des Vereins an 20 Kutscher und Pferdeknechte, die sich des Rufes eines langjährigen, guteh Pferdepjlegers und Tierfreundes erfreuen, eine kleine Geldprämie zu Weihnachten zu bewilligen. Diesmal glaubte der Vorstand in seiner Anerkennung insofern weiter gehen zu müssen, indem er neben der wieder zur Verteilung gelangten Geldprämie sieben bereits früher prämiierte Herren, die nahezu 25 und noch mehr Jahre im Dienste desselben Prinzipals stehen, ein geschmackvoll ausgeftattetes und gerahmtes Ancrkennungsdiplom überreichte. In Anwesenheit des Beigeordneten .Wmmerzienrat Hepligenstaedt nnb des Stadtverordneten Petri sowie des Gesamtvorstandes zollte der Vorsitzende des Vereins, .Hauptlehrer Knauß, in seiner An­sprache mit ehrenden Worten den Erschienenen vollste Anerkennung ihrer treuen Dienste und ihres lobenswerten Verhaltens gegen ihre Tiere, wodurch sie eine treue und nachahmenswerte Mit­arbeit an den Bestrebungen der Tierschutzvereine bekunden. Zn ber festen Neberzeugnng, auch fernerhin sich dieser Auszeichnung würdig zu zeigen nnb den Kameraden ein Beispiel gebend, damit im kommenden Jabre gleichfalls eine weitere Zahl sich .»fügen möge, werde dieses Diplom ausgeftelli. In gleichem Sinne sprachen auch Stadtverordneter Petri Md Beigeordneter Kommerzienrat

Heyligenstaedt, ber nicht unerwähnt ließ, baß er seine Anerkennung im Sinne bes gesamten Stabivorstandes ausbrücke. Sichtlich erfreut unb mit Worten bes Tankes nahmen bie Ausgezeichneten dies Weihnachtsgeschenk, bas ihnen unb ihrer ganzen Familie zur Ehre gereicht, entgegen. Tic sieben genannten Herren sind: 1. K. Jugharb, Besitzer: 2. W. Bonarins bei Gebe. Schwan: 3. Gg. Wild bei C. Klingspor: 4. Job. Schmidt bei Tirektor Lcmme; 5. Friebr. Weimer bei Spebitenr Lynkcr: 6. Hrch. Prinz bei Hotelier Beuchert, Prinz Karl; 7. Johs. Vogel bei Hevligen- ftaebt u. Cie. Außcrbem würbe zum ersten Male auch an sieben Metzgerburschen bic gleiche Geldprämie ausgezahlt, die human beim Abschlackten Vorgehen. Zu aW-m aber sei an dieser Stelle Rentier T. Heil für seine große MLH- und Arbeit, die er sich schon seit Jahren für die gute Sache des Tierschutz-Vereins so bereitwillige unterzieht, hier nochmals herzlichst gedankt.

Man lese den Gießener Anzeiger größte Md reichhaltigste Tageszeitung Gberhestenr mit de« Beilagen§amllienblötter",Landwirtschaftliche deltfragen" und dem Kreisblatt für den Kreis Gletzen.

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G. Alten-Buseck, 22. Dez. Hier sprach am Sonntag abend Prof. Dr. Mitte rmaier aus Gießen in dicht be­setztem Saale des Herrn Otto Rabenau über das Thema: Volksrichter, Schöffen und Geschworene, 'deren Bedeutung und Aufgabe. Die wirksamen Ausführungen des Vortragenden wurden von den Anwesenden mit der größten Aufmerksamkeit angehört und das Auditorium lohnte dem Vortragenden am Schluß seine verdienstvolle Arbeit mit reichem Beifall. Mit überzeugender Logik wußte der Redner die Anwesenden für das Institut der Volksrichter zu be­geistern. Uebcrhaupt waren die Ausführungen so allgemein verständlich, daß überall der Wunsch laut wurde, derartige belehrende Vorträge öfters zu arrangieren, welchem Wunsche auch selbstverständlich von den hiesigen Veranstaltern ent­sprochen werden soll.

() Sellnrod, 21. Dez. Bei einer gestrigen Jagd wurden von 6 Schützen mit 8 Treib em nur 3 Hasen zur Strecke gebracht.

-1- B a d-N au he im, 21. Tez. . Durch einen orig i ne l- len Gaunertrik brachte es hier ein Schuldner fertig, feinen Gläubigern samt dem drängenden Gerichtsvollzieher sich eine Zeit lang vom Leibe zu halten. Er wies nämlich dem Letzteren einen Postschein vor, inhaltlich dessen soeben bie Schulbfummc unter ber Adresse bes Gläubigers echt unb gerecht bei ber Post eing^ahlt worben war. 9katürlich erachtete ber Gerichtsvollzieher sich ba- mit seines Auftrages lebig, vis nach einiger Zeit ber Gläubiger Die ihm noch immer nicht geworbene Zahlung ber Schulb in Erinnerung brachte; eine Posteinzahlung war bei ihm nicht ein- getwsscn. Tic anZestcllten Nachforschungen lösten bas Rätsel unb ergaben, baß ber Schuldner gleich nach gemachter Einzahlung ben emgezahlten Betrag sich von der Post hatte znruckgeben lassen, unter dem Vorgehen, bie Einzahlung sei von ihm in irriger Weise gemacht worben. Tas gleiche Resultat: vereitelte Ankunft ber Posteinzahlung unb Täuschung durch ben vorgezeigten Posteinzah- lungsjchein, kommt auch sonst noch vor, z. B., wenn in Folge un­genauer Adresse oder eines ähnlichen Umstandes die Sendung nicht bestellt werden kann unb infolgebcffcn bent Absender zurückgegcben werden muß. Hierdurch kann sich, auch ohne darauf gerichtete Absicht des Schuldners, eine Schädigung des Gläubigers voll­ziehen, eben dadurch, baß auf Grund des Postscheins be£ bent Gerichtsvollzieher ober an anderer Stelle (bent Wechsel- nnb Scheck­protestbeamten, ber Zwangsversteigerungsbehörbe), bie Befriedigung des Gläubigers unterstellt, Pfänder freigegeben, Schulbtitel, Wech- sel-Urkunben unb bergt aus geliefert werden. Tas Verfahren bes Gerichtsvollziehers ist nicht zu bemängeln, benn nach § 775 ber Zivilprozeßordnung ist auf Vorlage des Posteinzahlungch cheins Die Zwangsvollstreckung einzustellen. Auch der Erfolg strafrecht­licher Verfolgung ist recht zweiselbast: so wirb in bcm an ber Spitze bieses mitgeteilten Falles Der Anwendung bes Betrugs­paragraphen entgegenstehen, daß das Moment der Täuschung kaum nachweisbar ist, denn als ber Pvstschein vorgezeigt wurde, war es tatsächlich richtig, daß Schuldner bas Gelb eingezahlt hatte. In bent Verhalten her Post gegenüber ist keine Vermögensschadig- ung gegeben. Aber selbst wenn eine Bestrafung zu erlangen wäre, so ist sie nicht geeignet, bic Schädigung bes Gläubigers zu verhüten. Sv ist auch bie Bestimmung des Preußischen Straf­gesetzbuchs vom 14. April 1856, bic ähnliche Manipulationen mit Strafe bedrohte, in bas neuere Strafrecht nicht ausgenommen worden. Tie Verkehrssicherheit erfordert jedoch Schurmaßregeln unb btefe lassen sich etwa in ber Weise schaffen, baß auf dem Postschein ober in bent Postquiltungsbuch, bas als Zahlungsnach- weis vorgelegt wirb, in augenfälliger Weise von ber Stelle, ber ber Nachweis vorlag, eingetragen wirb:

In ben Akten bent Dienstregister dem Wechsel- Scheck-Protestregister bie Erledigung vermerkt.

(Unterschrift unb Stempclabbruck.) Hat die Post gegen Rückgabe eines solchen Scheines eine Einzahlung /urückzu geben, so dürfte bic Rückgabe nur erfolgen gegen gemetn- iamc Empfangsbescheinigung Des Einzahlers unb jener genannten Stelle. Hoffnungsvoll, wie schon so oft, richten sich also auch hier bic Blicke Hilfsbcbürstiger aus bic Dielberoältigenbc, vielgestal­tige Postordnung. _____________________________

Universitäts-Nachrichten.

Marburg, 21. Tez. Der a. o. Professor der inneren Medizin nnd Direktor der mebizinilcheu Poliklinik Tr. med. Atired Schwenken- becher hier hat einen Rui als Direktor des städtischen Krankenhauses zu Frankfurt a. Di. erhalten und angenommen; er wird dort Nachfolger von Pros. Dr. Hugo Lüthje.

|| TI a x b u r g, 21. Tez. Ten Privaldozenten der medizinischen Fakultät, Tr. Tiar Jahrmärker und Tr. Wilhelm Krauß ivurde der Professortitel verliehen.

vermischtes.

* Die Rache der Künstler. Vor der Kölner Straf­kammer spielt sich ein weite Kreise der Künstlerschaft inter­essierender Prozeß ab. Der Gewerbeverein für Köln hatte in diesem Jahre ein Preisausschreiben zwecks Erlangung eines Plakates ausgeschrieben, durch das in geeigneter Weise auf bic Ausstellung in ber Gewerbehalle ber Gewerbeförbe- rungsanstalt hingewiesen werben sollte. Von den Preisen waren ein erster Preis von 100 Mark und zwei zweite Preise von je 50 Mark vorgesehen. Durch die niedrige Bemessung ber Preise fühlte sich lt.Blerl. Tbl." die Kölner Künstler- sck-ast gekränkt unb man beschloß, Massenplakate einzusenben, bie in satirischer Weise diese Ausschreibung kritisierten. Es wurden 41 Plakate in künstlerischer Ausführung anonym eingesanbt. Der Zeichner Johann Schwartz-Linbenlhal be­zeichnete fidj als ben Autor, woraus gegen ih-n wegen Be­leidigung Klage bei der Staatscmwaltjchaft groben wurde

und zwar durch den Stadtverordneten Berghausen, ben Di­rektor des Kunstgewerbemuseums Dr. Creuz und andere. Die Verhandlungen, bic den ganzen Tag dauerten, endeten mit der Freisprechung des Angeklagten, sämtliche Kosten, auch die durch bic Ladung der Kunstsachverständigen Frei- Herrn von Perfall, Otto Schulz und anderer entstandenen trägt die Staatskasse.

* Neues von S t. Burcaukratius. Bei einem Brande, der dieser Tage die ZuckerfabrikCeres" in Dirschau einäschertc, hat St. Burcaukratius eine eigenartige Rolle gespicli. Wie dieDanz. N. N." mitteilen, bestand bei dem Brande, ber einen Schaben von einer Million Mark verursachte, die Hoffnung, das große Rohzuckerlagcr zu retten. Sankt Burcaukratius ver­wehrte den Feuerwehrleuten jedock ben Zutritt zu tun wohl- v er siegelten Raume, da ber Zu cker n o ch nicht ver­steuert war. Unb ba es viel besser ist, baß 13000 Zentner Zucker verbrennen, als baß sie unversteuert das staatliche Gewahr­sam verlassen, so ließ man bas erste geschehen. Als bic bessere Einsicht kam, war es zu spät. Um streng beim Buchstaben des Gesetzes zu bleiben, postierte bic Steuerverwaltung einen Steuer- beamten vor das brennende Zuckerlager, weil berunafrgefertigv Zucker vor ben Augen ber Steuerbehörbe vernichtet werden muß" Da das Lager noch mehrere Tage weiter brennen wird, muß St. Bureaukratius sich in Geduld fassen.

* Ein eigenartigesGeschenk"' ging dem Erfurter Magistrat, wie dieNatz-Ztg." erfährt, als Fracht­gut von Gelmrodc bei Weimar aus zu: Ein dortiger Ein- lvohner übersandte der genannten Behörde sein überaus defektes Fahrrad alsGeschenk". Da ein Begleitschreiben fehlte, so wurde der Bürgermeister zu Gelmrode um Rc- cherchierung ersucht. Die Antwort lautete: Der betreffende Einwohner überlasse das Stahlroß der Stadt Erfurt, um zu zeigen, wie durch das Erfurter Straßeupftaster das Rad hergerichtet worden sei. Vorläufig wird es im Kriminal­polizei-Bureau als Reliquie aufbewahrt.

*M c i n 21 c b t i n g'', sagte eine Mutter, die cs für richtiger hielt, sich an die edle Gesinnung des Kindes zu wenden, stau es zu züchtigen,wenn du so unartig bist, machst bit ber Mama Kümmcr, so baß sic krank werben wirb nnb in einem bunCeii Zimmer im Bett liegen unb scheußliche Mebizür eimiehmcii muß, unb dann stirbt sic am Ende und wird nach dem Kirchhos hinaus- gebracht unb ba beerbigt, und du" Das' Kind wurde immer ernster, aber bei ben letzten Worten ber Mutter ergoß sich ein engelgleiches Lächeln über sein Antlitz, unb bic Arme um ben Hals ber Mutter schlingenb, rief es aus:O Mama, barf ich dann bei bent Kutscher sitzen?"

Handel und Verkehr, Volfstvirtfcbafi.

(W.) Berlin, 21. Dez. In ber heutigen Aussichtsrak sitzung der Deutschen Bank wurde die Errichtung eina Filiale in Konstantinopel beschlossen. Bisher wurden die Interessen ber Deutschen Bank in ber Türkei bnrch die Tire!- tion der Anatolischen Eisenbahngesellschaft wahrgenommen. Tic Errichtung einer eigenen Filiale ist veranlaßt burch die Erwägung, daß die Einführung der Verfassung auch in wirtschaftlicher und kommerzieller Beziehung neue Perspektiven erössnet.

Märkte.

fc. Frankfurt a. M., 23. Tez (Teiegr. Orig. - Bericht beS »Gieß. Anz.".) Amtliche Notierungen der heutigen Viehmarkl- preis e. Zunt Verkaufe stauben: 39 Ochsen, 6 aus Oesterreick, 1 Bullen, 0 aus Oesterreich, 6 » Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 1464 Kälber, 16*> Schafe unb Hümmel, 972 Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegenlämmer, 00 Schaflümmer. Bezahlt würben für 100 Pfunb Schlachtgewicht: Ochsen: 1. Qualität 7880 Alt, 2. Qualität 7073 Mk., 3. Qualität 6063 Alk.: Bulle»' 1. Qual. 6561, 2. Qual. 5961; Kühe 1. Qualität 6769 M, 2. Qual. 5860 Alk., 3. Qual. 4648 Mk., 4. Qual. 0000 'M, 5. Qual. 0000 Mk. Bezahlt wurden für bas Pfund Schlachl- gewicht: Kälber 1. Qualität 90 bis 92 Pfg., Lebendgewicht 5354 Pfg., 2. Qualität 7584 Psg., Lebendgewicht 47-51 Pig., Schlachtgew 60 6b Mg.; Schafe: 1. Qual. Schlachtgew. 70 bt-S 00 Psg., 2. Qual. 5054 Pfg. Schweine: 1. Qual. 7173 Pi., Lebendgewicht 55,556 Pf., 2. Qual. 7000 Ps., Lebendgewicht 56,0 00,0 ^fg., 3. Qual. 6365 Pfg., Lebendgewicht 00 00 Pfg. Geschäft bei Hornvieh gut, bei Kleinvieh gut, Uebersland unbe­deutend. Am 24. findet kein Markt statt.

MeteoroLogislÄe Beoft.rchtuugen

der Station Gießen.

Dezember

1908

^Barometer oui 0° reduziert

^.emperarur der Lust

Absolute Feuchtigkeit

Relative Feuchtigkeit

Windrichtung

Windstärke

Wetter

22. 2"

756.6

2.8

4.8

86

NNW

2

Bed. Himmel

22. 9

755,8

2,4

4,8

87

NN XV

2

23. 725

754,9

2,0

4,6

87

NW

2

t

Höchste

1 Temperatur

am 21

. bis

22.

t- 3,6 0 C.

Niedrigste

. 21

e

22. ,

4- 1.9UC.

des

Frankfurter Itörse, 23. Dezember, 1.15 Uhr.

III

3% Portugiesen

109.00

. 147.10

219 20

111.00

. 16900 . 127 90 . 211.30 . 136 00 , 179.75 . ] 47.30 . 195.60

Elektriz. Lahineyer . .

Elektriz. Schuckert . . . Escbweiler Bergwerk . . Gelseukircheu Bergwerk . Hamburg-Amerik. Paket! Harpener Bergwerk. . . Laurabütte ..... Nordd. Lloyd . . . .

Obeisehles. Eisen-Iudustrie

Berliner dandeleges. . . Darmstädter Baut . . . Deutsche Bank . . . . Deutsch-Asiat. Bank . . Diskoutu-Konunaudit. . . Dresdner Bank . . . . Kreditaktieu Baltimore- und Ohio-

hiseuLabn

Gotthard bahn Lombard. Eisenbahn . . Uesterr. StaatsDabn . . . Pnnee-Henn-Eisenbahu .

18.80

143 75

121.50

. 192.70 . 19460 . 18.70 . 89.- . 144.60

Canada E. B. . . . Darmstadter Bank . Deutsche Bank . . Dortmunder-Union C. Dresdner Bank . .

Tendenz: ruhig.

Tendenz: ruhig, aber fest.

Berliner Börse, 23

11690 116.60 187 00 188.30 110 50 19250 194 50

89.00 9200

Dezember. Anfangskurse.

Harpener Bergwerk. .

Laurabütte ....

Lombarden E. B. .

Nordd. Lloyd .... fürkenlose

58 40

59.00

97.00

92.40

93.90

145.00

49.40

85.90

63.40

97.95

4>$°/e russ.Staatsanl. 1905 4ÜU/O japau. Staatsanleihe 1 % Conv. Türken von 19U3 Tiirken'.ose tirieeb. Monopol-Anl..

4% äussere Argentinier . o°/o Mexikaner . . . 4>i0/, Chinesen . . . .

Aktien:

Bochum Guss Buderus E. W

Xy» Oesterr Goldrente. 4l/a% Oesterr. Silberreute 4% Ungar Goldrente . . 4% Italien. Reute . . , 3% Portugiesen Serie I

94 40 85.40

94.40

85.30

92.70

92.00 98 05

97 45

92.80

'WU 3% y^e/o

Wlo ^<7.

Telefonische Kursberichte

Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie. Giessen.

128.00

241.20

Reichsanleihe do.

Konsole . . do.

Hessen . . .

Oberhessen

D^/u