Ausgabe 
30.1.1908 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Scheck, der durch die Post einer Dezirkskasse übersandt wird, Quittung erhalten wollen, ohne ein Freikuvert zu deren Zusendung beizufügen, müssen die Quittung bei der Bezirkskasse abholen.

Statt durch Abgabe von Schecks können die Zahlungen von Staatsgefällcn an die genannten Bezirkskassen inner­halb der Fälligkeitstermine auch durch direkte Ueberweisung der Schuldbeträge auf dasSteuerkonto" bei der Reichs­bank oder auf das Konto der Großh. Bezirkskassc Darm­stadt I bezw. II bei der Bank für Handel und Industrie in Darmstadt erfolgen. Hiervon ist die Bezirkskassc, an welche die Zahlung zu leisten ist, gleichzeitig unter Ueber- sendung des Steuer- oder Anforderungszettels oder unter näherer Bezeichnung der Schuld mit Angabe der Hebregister­nummer usw. zu benachrichtigen. Bezüglich der Erteilung von Quittungen wird in gleicher Weise, wie dies vorstehend hinsichtlich der Uebersendung der Schecks mit der Post an­gegeben, verfahren, jedoch mit dem Unterschiede, daß erst, wenn feststeht, daß die Ueberweisung tatsächlich erfolgt ist, eine Quittung ausgefertigt wird und dagegen der Vor­behalt der Ungültigkeit wegfällt.

Direkte Ueberweisungen auf andere Bankgeschäfte als die Reichsbank und die Bank für Handel und Industrie zu Darmstadt sind vorerst nicht zulässig.

Um das Verfahren bei der Entrichtung der direkten Steuern noch weiter zu vereinfachen und für die Pflichtigen möglichst bequem zu gestalten, ist ferner angeordnet wor­den, daß durch Bankgeschäfte Steuerzahlungen für mehrere Auftraggeber an die beiden Bezirkskassen innerhalb der Fälligkeitstermine auf Grund von zielweise aufzustellenden Verzeichnissen, in welchen die Namen der Pflichtigen, Ge­meinde der Besteuerung, Hebregisternummcr, Ziel und Steuerbetrag der einzelnen Schuldner anzugeben sind, be­sorgt werden können, ohne dnß es der Beifügung der Steuer­zettel bedarf. Nach Prüfung und Empfang des Gesamt­betrags eines Verzeichnisses in bar oder Schecks haben die Bezirkskassen die erforderlichen Buchungen vorzu­nehmen, entsprechende Bescheinigung auf dem Verzeichnisse zu erteilen und letzteres zurückzugeben.

Es empfiehlt sich, daß diejenigen, welche ihre Steuern durch Bankgeschäfte in dieser Weise zahlen lassen wollen, alsbald zu Beginn eines Steuerzicls bezw. unverzüglich nach Empfang eines Steuerzettels dem betreffenden Bank­institute entsprechenden Auftrag hierzu erteilen.

LJ J_ _ -----

hessische Zweite Kammer.

R. B. Darmstadt, 29. Ian.

In der vom Präsidenten Haas um 91/4 Uhr eröffneten Sitzung wird zunächst eine Anzahlzur vorläufigen Beratung im Plenum" gestellter Positionen dem zuständigen Ausschuß über­wiesen.

Zur Beratung kommt sodann der Gesetzentwurf, betr. den Verkehr mit Fahrrädern und Automobilen auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen. Die Vorlage bezweckt, die Geltungsdauer des Gesetzes, den Verkehr mit Fahr­rädern und Automobilen vom 26. März 1904 auf unbestimmte Zeit zu verlängern. Dieses Gesetz hat die Negierung ermächtigt, den Verkehr mit Fahrrädern und Automobilen auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen im Wege der Verordnung zu regeln. Die Geltungsdauer des Gesetzes ist bis 1. April 1908 er­streckt worden. Eine gesetzliche Regelung dieser Materie ist zurzeit nicht möglich, wie die Begründung der Vorlage dartut. Mit dem 1. April 1908 würde für die bestehenden Verord­nungen die Grundlage fehlen, woraus sich die Notwendigkeit dieser Vorlage ergibt.

Ter Ausschuß beantragt kurz die Annahme der Vorlage und das Haus stimmt dem Antrag nach unwesentlicher Debatte zu, nachdem ein Antrag Bähr aus Zurückstellung der Beratung ab­gelehnt worden ist.

Es entspinnt sich nun wieder eine längere Hundesteuer-Debatte über die Vorstellungen des Mühlenbesitzers Reutzel zu Ke­fenrod, Phil. Schneider III. zu Mordach, Jakob und Kon­rad Schmidt zuH 0 lzhau-sen und Müller König zu W 0 l f.

Abg. Wolf bemerkt, um die vielen endlosen Hundesteuerdc- batten in der Kammer zu vermeiden, sollte man dock einfach: die betreffenden Vorschriften über die Hundesteuer in liberalerer Weise hairdhaben.

Abg. Dr. Osann äußert sich in ähnlichem Sinne und weilt darauf hin, daß die Kosten für die. Feststellung resp. Prüfung der Vorstellungen das Erträgnis der Steuer vielfach überstiegen. Der Begriffeinsame Wohnung" sei ja sehr ver­schieden auszulegen: es wäre aber besser, wenn man sich nicht immer nur auf den rechthaberischen Standpunkt stellte, son­dern die Gesuche in liberalerer Weise erledigte.

Ministerialrat Tr. Becker bemerkt, er könne den Aus­führungen des Vorredners bezüglich der Kosten wohl zustimmen. Es handle sich auch für die Regierung nicht urit den geringen Steuererttag, sondern um die Befolgung des üoit der Kammer selbst geschaffenen Gesetzes einschließlich der Bestimmung des einsamen Wohnens. Es wäre dringend zu wünschen, daß diese Vorstellungen int Hause keine Berücksichtigung mehr fänden, denn die Gesuchstellcr hielteit cs überhaupt nicht mehr für nötig, den Instanzenweg cinzuhalten, sondern fänden es für besser, sich immer einfach direkt an die Kammer zu wenden. Es sei ihm sogar versichert worden, daß wenigstens eins dieser Hundesteucrgcsuchc vom Abg. Bähr selber verfaßt wor­den fei. (Hört, hört.) Er habe für diese Behauptung keine Be­weise und würde sich freuen, wenn sie widerlegt würde.

Abg. B ä h r geht in einer sehr umständlichen Rede aus die Behandlung der Hundcsteuervorstellungen im allgemeinen näher ein und gesteht dann u. a. zu, daß er nicht nur eins, sondern sogar drei Gesuche selber abgesaßt habe. (Rufe: Hört, hört.)

Nach Beendigung dieser Rede schlägt Präsident Haas vor, in der Handhabung dieser Vorstellungen insofern eine Aen- derung cintrcten zu lassen, daß alle Gesuche, die den ordnungs­mäßigen Instanzenweg nicht eingehalten haben, ohne Umstände zurückgewiesen werden.

Dazu bedürfe es aber einer Abänderung der Geschäftsord­nung. Er werde der Kommission für die Geschäftsordnung eine diesbezügliche Anregung in Vorschlag bringen.

Der Ausschuß beantragt Berücksichtigung aller vier vor­liegenden Vorstellungen und die Kammer beschließt demgemäß.

Eine längere Debatte ruft dann noch die Vorstellung der Bürgermeisterei und der Gemeinde Pfeddersheim über die

Errichtung eines Steuerkommissariats in Pfeddersheim hervor.

Abg. Finger begründet die Vorstellung sehr eingehcird und ,ucht auf einein aufgestcllten Situationsplan die Berech- Ugung der Forderung nachzuweisen.

Abg. Reinhart wendet sich gegen die Ausführungen des und befürwortet den Ausschußantrag, der dahin geht, die Vorstellung für erledigt zu erklären. Der Abgeord- uktc scr mit der Vorstellung seiner Gemeinde zu spät gekommen, die Errichtung des entsprechenden Steueramts sei bereits in erfolgt und könne doch nicht mehr rückgängig gemacht werden.

Abg. Bähr suchte nachzuweisen, daß hier wieder ein Fall vorliege, in dem das Land benachteiligt werde.

.Rimsterialrat Dr. Becker entgegnet, daß man doch im vorliegenden Falle wirtlich, nicht einen Gecrensatz zwischen Stadt

und Land konstruieren könne. Die Regierung habe, wie bei den Kommissariaten Dieburg, Seligenstadt re., sich bemüht, auch bei dem Kommissariat Worrns-Land der ländlichen Bevölkerung Rechnung zu tragen. Der Versuch mußte aber als ergebnislos ausgegeben werden, als auf der anderen Seite von Heppenheim rechtsrheinische Orte mit in Betracht kamen. Wäre die Frage des Stcuerkommissariats nicht in der jetzigen Weise geregelt wor­den, so hätte noch ein neuer Beamter angestellt werden müssen, da dann sowohl in Pfeddersheim, wie in Lampertheim ein neues Steuerkommissariat notwendig geworden wäre. Der Bezirk Pfeddersheim umfasse nur 5400 Steuerzahler, kaum mehr, als die beiden kleinsten Steuerbezirke Beerfelden und Homberg, die Berkehrsve-hältnisse von Worms seien aber so günstige, daß man unter alttn Umständen von der Errichtung eines neuen der­artig kleinen Steuerbezirks absehen könne.

In einer darauf stattgehabten, etwa anderthalbstündigen Pause fand eine Sitzung des Seniorenkonvents statt.

In der erst um 3A1 Uhr wieder aufgenommenen Sitzung wünscht 9lbg. Seelinger, im Falle die Errichtung eines Steuerkomwissariats Aussicht auf Verwirklichung habe, daß man auch den großen Steuerbczirk Lampertheim entsprechend be­rücksichtigen wolle.

Abg. Hauck meint, es wäre nicht notwendig gewesen, die rechtsrheinischen Orte in den Steuerbezirk mit aufzunehmen, wenn man das Amt nach Pfeddersheim gelegt hätte. Im üb­rigen bemerkt Redner, daß das Land den -größeren Städten gegenüber vielfach in den Hintergrund gestellt würde, namentlich bei Errichtung neuer Schulen.

Abg. Finger entgegnet auf die Ausführungen vom Re­gierungstische und führt gus, daß viele Steuerbezirke nicht mehr Steuerpflichtige besäßen, als Pfeddersheim.

Mg. Bähr macht längere umständliche Msführungen und meint, man hätte in Hessen manchmal zu viel, manchmal zu wenig Beamte. Redner erwähnt im Anschluß daran, das plötz­liche Mleben eines Darmstädter Steuerbeamten.

Ministerialrat Dr. Becker weist auf die verschiedenen Wider­sprüche hin, in die sich Abg. Bähr auch heute wieder verwickelt habe. Er muffe sehr bedauern, daß der Abgeordnete auch das plötzliche Ableben eines Beamten zur Sprache brachte. Er hätte es für passender gehalten, wenn sich der Abgeordnete, bevor er über den Fall sprach, genügend darüber informiert hätte. Tie Regierung habe schon im Dezember eine volle Aufklärung in der Darmstädter Zeitung gegeben. Die Stenerverwaltung treffe keinerlei Mitverschulden. Wenn die Kammer zu einer Entschließung käme, die eine weitere Vermehrung der Steuer­kommissariate zur Folge haben müßte, so würde er es sehr bedauern.

Abg. Bähr meint, daß die Regierung, wenn sie nur wolle, auch dem Falle Pfeddersheim Rechnung tragen könne und er­sucht das Haus, den Ausschußantrag abzulehnen.

Abg. Reinhart erhebt entschiedenen Protest gegen die Unterstellung des Abg. Bähr, als hatte er im Interesse der Stadt Worms für die Errichtung in Worms gestimmt. Er habe ledig­lich im Interesse des Staates gehandelt. Redner wirft dem Vorredner auch mangelndes Verständnis vor. Er könne über die Frage gar nicht mitreden und habe auch schon der Re­gierung Sottisen an den Kopf geworfen. (Präs. Haas be­merkt, daß man das nicht von einem Abgeordneten sagen dürfe.) Das Steuerkontmissariat fei in Worms und werde auch dort bleiben.

Es ist inzwischen i/2 2 Uhr geworden und da die noch zum Wort gemeldeten Äbgg. Finger und Bähr trotz Ersuchens nicht auf das Wort verzichten, muß der Präsident noch für morgen früh 9 Uhr eine Sitzung anberaumen.

*

R. B. Darmstadt, 29. Jan. Ueber die heutige Sitzung des Seniorenkonvents wird offiziös berichtet: Der Se­it iorenkonvent hatte Gelegenheit genommen, mit dem Staats­minister die weitere Behandlung der Wahlrechtsvorlage zu erörtern. Man war allgemein der Ansicht, daß eine voll­ständige Erledigung aller Gesetzesvorlagen auf diesem Landtage unmöglich sei. Der Seniorenkonvem wünschte, daß sofort bei Beginn des nächsten Landtags eine neue Wahlrechtsvorlage erfolge, daß aber die Verhandlungen der beiden Ausschüsse der Kammern ruhig weitergeführt werden sollten um zu sehen, ob eine Verständigung zu erzielen sei. Der Staatsminister konnte auf diese Anregung eine definitive Antwortnicht g_c 6 e n, behielt sich vielmehr vor, nach einem Beschluß des Staatsministeriums endgültige Antwort zu geben.______________

Die Verlegung der Haltestelle Garbenteich.

Tie bereits erwähnte Eingabe der Gemeinde Gru­nina en an die 2. Kammer lautet:

Grüningen liegt zwischen den Bahnstrecken Gießen Frankfurt a. M. und GießenGelnhausen, etwa zehn Kilometer südlich von Gießen und hat infolge dieser Lage niemals Hoffnung aus eine direkte Bahnverbindung. Tie Statwn Lang-Göns liegt 56 Kilometer, die Station Schiffenberg 67 Kilometer und die Haltestelle Garbenteich 4 Kilometer von hier entfernt. In Bezug des Güterverkehrs sind wir ausschließlich auf die Verladestelle Lang-Göns angewiesen.

Grüningen zählt über 700 Einwohner. Es besitzt eine weit ausgedehnte Feldgemarkung, die von 8/io der Bewohnerschaft be­wirtschaftet wird. Jede Zeitersparnis bedeutet für uns einen oft nicht zu schätzenden Gewinn. Nun nimmt uns sowohl der Import von Köllen, Handelsdünger, Futierartikein, Baumaterialien, Die­len, landw. Produkten rc., als auch der Export von landwirtschaft­lichen Produkten viel Zeit hinweg, eben weaen der schon erwähnten weiten Entfernung der weiten Güterverladestelle zu Lang-Göns. Wenn aber die von der Prenß.-Hessischen Eisenbahn-Gemeinschaft in Aussicht genommene Errichtung einer Güterverladestelle südlich von Garbenteich zustande tarne, jo wäre Grüningen nur 1/2 Stunde davon entfernt und hätte einen bequemen Weg ohne Steigung zur Ausladestelle. Die Steinbacher Bittsteller regelt in ihrer Ein­gabe freilich voneinem tiefen Tal" undeinem hohen Berg", welche beidein einem weiten Bogen" erst chanssiert werden könn­ten. Wenn die Phantasie der Steinbacher in der Hitze dss Gefechtes übermäßig lebhaft geworden ist, so wollen wir solches gern ver­zeihen, besonders darum, weil die wirtlichen Bedingungen zur Anlage einer Straße zwischen Grüningen und Garbenteich sehr günstige sind, und die Behauptung der Steinbacher, daß die Waggonbezüge der Gemeinden Grüningen, Torf-Güll und Watzen­bornSteinberg geringfügig seien, weisen wir entschieden zurück, da unser Ort nachweislich jährlich 5060 Waggonladungen im­portiert und sich der Export bei Obstjahren noch um 25 bis 30 Waggon steigert. Mich in stellen sich die Gesamtverladungen auf 85100 Waggon, so daß unser Güterverkehr nicht gering- Üügig genannt '.imfctm kann. "Außerdem liegt an der projektierten Straße GrüningenGarbenteich ein Steinbruch von bedeutender Mächtigkeit, der ganz vorzügliche Bausteine liefert. Ta er nur 20 Minuten von der vorgesehenen Ausladestelle bei Garbenteich liegt, so stünde eine Ausbeute dieses wertvollen Stcinlagers und somit ein ausgedehnter Export von Bausteinen in Aussicht.

Dieser Eingabe schließt sich die Gemeinde Dorf-Güll mit folgenden Ausführungen an:

Wir, die Gerne in p.verttetung von Dorf-Güll, unterstützt durch die in hiesigem Orte Gelegene Molkerei der Gebr. Grieb, schließen uns den Ausführungen der Gemeinde Grüningen im wcsentlickwn an. Wir wollen nicht unerwähnt lassen, daß die projektierte Halte­stelle für den Waggonverkehr (etwa 80 Stück jährlich) durch ihre Nahe viel günstiger und vorteilhafter für uns gelegen ist, als die für uns jetzt in Bettacht kommende Haltestelle der Butzbach Licher Eiienbahu. Tie neue projektterie Ausladestelle Garben­teich liegt etwa 2,5 Kilometer von unserem Orte, mit bester Sttaßenverbindung, cuifcrnt, und würde unsere Balmverbindung mit der für unseren Verkehr in höchstem Maße in Bettacht kom­menden Stadt Gießen unter Vermeidung des Umwegs über Hos- Güll und Lich um zirka zehn Kilometer Bahnweg abkürzen.

Hierzu wird uns aus Grüningen noch geschrieben:

Den Verfassern der vielen Eingesandts int G. A. möge hier­mit einmal die Verlegung der Haltestelle Garbenteich und ihre Notwendigkeit klar gemacht werden.

Tie Rentabilität einer Haltestelle, insbesondere Güterver- ladcstelle, wird nicht allein durch Sonderinteressen, sondern durch das Gesamtinteresse der Bevölkerung gesteigert. In diesem Falle kann es jedoch nicht ankommen auf die Rentabilität hinzuweisen, da die Frachteinnahmen durch den hessisch-preußischen Eisenbahn- gemeinschaftsverttag in einen Beutel fließen: trotzdem will man nicht unerwähnt lassen, daß die Bequemlichkeit nicht allein den Arbeitern, sondern auch der Landwirtschaft als größte Steuer sahlcrin am Herzen liegt. Durch die Verlegung des Bahnhofs Garbenteich und Errichtung eniner Güterverladestelle auf die sog. Wasserscheide wäre speziell unserem Orte die Möglichkeit gegeben, in viel kürzerer Zeit und ohne Berg und Tal in 2,5 Kilometer den Güterbahnhof zu erreichen, als jetzt in 5 Kilometer nach Langgöns. Dem Verfasser in Steinbach wäre anzuraten, sich die Generalstabskarte einmal zur Hand zu nehmen und das Projekt einer zu bauenden Sttaßc zu studieren, um zu ersehen, daß die Sttaße ohne Steigung den neuen Haltepunkt erreichen könnte, als die jetzige Sttaße LanggönsGrüningen mit 6,9 % Steigung.

Im ferneren war es eine kühne Behauptung, von einem kleinen und 700 Einwohnern zählenden Grüningen zu reden, da in Bezug auf den Güterverkehr statistisch nachgewicsen werden kann, daß in Grüningen lährlich 100 Waggons im- unb exportiert werden. Bei Errichtung des Güterbahn Hoss würde der Export noch gehoben werden, da zwei Lungsteinbrüche etwa 15 Minuten von der geplanten Stelle liegen, deren Steine sehr begehrt werden und deren Ausbeutung nur wegen dem/ Transport eine mindere war. Ebenso nahe liegt Torsgill mit direkter Sttaße und der nicht un­erwähnt zu bleibenden Molkerei der Gebr. Grieb. Die Orte Grüningen und Torfgill dürsten den Güterbahnhof Garbenteich nvehU föetuegen, als das große Ste.nbach, das noch nicht groß zu nennen ist; auch dürfle der BchnLeldbeutel durch diese Orte mit Güterverkehr voller werden, als durch die Arbeiterfahrkarten: letztere kommen nur im Winter in Betracht, da im Sommer die Fahrräder das Transportmittel bilden.

Ich schließe auf diesem Wege ein für allemal:

Zum Wohl der Bevölkerung darf die neu zu errichtende Güter- Verladestelle und Verlegung des Bahnhvfs Garbenteich nicht anders als auf bie Wasserscheide, in die Nähe, wo die Sttaße DorfgillGarbenteich die Bahn kreuzt, gelegt werden, und dann erst kommt der Straßenbau, wodurch bei einiger Berücksichtigung Grüningen, Torfgill, Watzenborn und sogar Steinbach nur 2,5 bis 3,5 Kilometer von der Haltestelle zu liegen fommm und somit näher ttnb bequemer als d'e jetzigen Verbindungen.

Vermischte*.

* 93 int er ft ür nie. In Halle a.S. ist infolge Sturmes das Baugerüst einer Papierfabrik eingestürzt. Vier Zimmer- leute wurden unter den Trümmern begraben, der Polier war sofort tot, ein Zimmermann starb auf dem Transport ins Krankenhaus, bie beiden anderen sind schwer verletzt. In­folge Stürme geriet das aus Wilhelmshaven kommende LinienschiffKaiser Wilhelm II." im Nordostseekanal auf Grund, konnte aber mit geringen Anstrengungen durch zwei Kanalschlepper wieder flott gemacht werden.

'Attentat auf ein Pfarrhaus. In Carden (Rhl.) wurde bei einer Feier nachts ein Anschlag auf das katholische Pfarrhaus unternommen. Als der Pfarrer, dessen Schwester und die Magd sich zur Ruhe be­geben wollten, wurden unaufhörlich Schüsse auf die Schlaf- zimmer der drei Personen abgegeben, die in die Hinteren Räume flüchteten, aber auch dort von den Buben verfolgt wurden. Insgesamt sind 17 Fensterscheiben durch Schüsse zertrümmert, die hölzernen Fensterladen sind zersplittert, und in den Zimmern sind durch die einschlagenden Kugeln große Verwüstungen angerichtet worden. Die Insassen des Pfarr­hauses schwebten bis zum frühen Morgen in Lebensgefahr. Dann verschwanden die Attentäter, von denen keine Spur anfzusinden war.

* Asiatische Räuberei. Am 28. Jan. überfiel eine Bande von 100 Afridis das Haus. eines reichen ein­geborenen Bankiers in Peschawar (Indien) und raubte bie Kaffe uub Juwelen von bedeutendem Werte. Zwei Polizei­beamte wurden von ihnen getötet und vier verwundet. In Schanghai erbeuteten Räuber bet einem Raubanfall Silber im Werte von 15 000 Doll. Beim Dampferdienst zwischen Schanghai und Hangtschon wird jetzt jedes Boot von 15 Soldaten begleitet.

Meteorologische Beobachtungen

der Stativ» Gießen.

Höchste Temperatur am 28.29. Januar + 4,8 0 C.

Niedrigste , 28,-29. = 4- 0,9 0 C.

Januar

1908

Barometer nut 0° reduziert

Temperatur der Lust

Absolute Feuchtigkeit

Relative Feuchtigkeit

Windrichtung

Windstärke

Wetter

29. 216

738,1

2,4

5,0

91

W

4

Sero. Himmel

29. 9b

741,1

1,4

4,6

91

NNW

2

Bed. Himmel

30. 736

747,6

0,8

4,3

89

WSW

2

Telefonische Kursberichte

des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank fllr Handel und Industrie. Giessen.

Frankfurter itör*< 3>$0/0 Reicbsanleihe . . 93.25 0% do. . . 88.50 3>5% Konsols .... 93.70 6% do. .... 83.50 ö^70 Hessen 91.95 3>6°/o Oberliessen . . . 92.00 4^6 Uesterr. Goldreute. . 98 90 4*/6% Uesterr. Silberrente 99.90 4?0 Ungar. Goldrente . . 94 50 4% Italien. Bente . . . 104.35 356 Portugiesen Serie 1.

3% Portugiesen III 63.40 4Ji°/e russ.Staatsanl. 190o 94 80 4>s u/0 japan. Staatsanleihe 89.6a 4% Conv. Türken von PJU3 96.00 Türkenlose 148 80 4 % Griecli. ilonopol-Anl. . 49.50 4 % äussere Argentinier . 86.00 ö°/0 Mexikaner .... 65.40 4>ä°/0 Chinesen .... 96.80

Aktien:

Bochum Guss 198.50 Buderus E. W 112.00

Tendenz: behauptet.

Berliner Börse, 3(

Canada E. B 157.50 Darmstädter Bank . . . 127.20 Deutsche Bank .... 236 70 Dortmunder-Union C. . . 57.00 Dresdner Bank . . . 139.50

Tendenz: ungleichmässig.

, 30. Januar, 1.15 Uhr.

Elektnz. Lahmeyer . . . 123.00 Elektriz. Schuckert . . . 106.00 Eschweiler Bergwerk . . 206.90 Gelsenkirchen Bergwerk . 184.90 Hamburg-Amerik. Pakett 117.00 tiarpener Bergwerk. . . 201.25 Laurahütte 219.50 x\ordd. Llojd . ... 104.60

Ubeischles. Eisen-Industrie 98.00 Berliner dandelsges. . . 159.30 Darmstädter Bank . . . 127.20 Deutsche Bank .... 236.80 Deutsch-Asiat Bank . . 143.40 Diskonto-Kommandit. . . 174.70 Dresdner Bank .... 139.70 Kredituktien 204.00 Baltimore- und Ohio-

Eiseulahn 87.70 Gottliardbahn. Lombard. Eisenbahn . . 26.50 Uesterr. Staats bahn . . . 145.60 i'niiee-Heun-Eisenbahn . 118.50

Januar. Anfangskurse.

llarpener Bergwerk. . . 201.80 Laurahütte Lombarden E. B. .... Nordd. Lloyd 104.50 l'ürkenlose 148.70

Cbautfeiirkiirsr.

Technikum Rinnon Maschinenbau,Elektrotechnik, KLIIIimum UmqeriAutomobi|baUi Brückenbau.