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Freitag 30. Oktober 1908
158. Jahrgang
Erstes Blatt
vezngSpret»: monatlich 7bP1^ viertel- jährlich Mk. 2.20; durch Abhole» u. Zweigstellen monatlich 6ö Ps.; durch die Post AU. 2.— viertel- jährl. auSschl. Bestellg. ZeilenpretS: lokal lbPi^ auswärts 20 Piennth
Verantwortlich
für den oolitilchen Teil, für .SeuiUeton* und
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(üi dir Redaktion 113, _1X6^ * *tw zTL-k. vT -r aa
MM General-Anzeiger für Oberhessen
nix die Tagesnunlmer Roiattonrdruck und Verlag der YrMschen Untv.'vuch' und rieindruckerei n. Lange. Redattion, Expeditton und Druckerei: zchulsttatze 7. Aineiaentä^ H bis vormittags 10 Uhr. 0 "
Die heutige Nummer umfaßt 12 Seilen.
| Einschränkung der allgemeinen Eisenbahngemeinschast zur bloßen I Güterwagengemeinschait als gesichert.
Der L u n d e S r a t genehmigte gestern den Gesetzentwurf über die Einwirkung von Armenunterstühungen auf ösfent- l i ch e R e ch t e. ......
Der Reichs-Anzeiger veröffentlicht amtlich die Ernenn- ung des Unlerstaatsfekrelärtz Freiherrn Zorn von Bulach zum Staatssekretär in Elsaß-^othringen.
In der Gewerbe-OrdnungS-KomMission des Reichstages wurde gestern mit einiger Abänderung der ZentrumS- anirag zu § 137 angenommen, der die Milgabe von 9ltbett nach der regelmäßigen Arbeitszeit an Arbeiterinnen und jugendliche Arbeiter regelt. Die Kommission nahm m ihrer Nachmittagssitzung § 138 a, der die A uSna h m e n für die zehnstündige Arbeitszeit der Arbeiterinnen enthält, in folgender Form an: die Ueberarbeilszeit soll gestaltet sein an 40 Tagen im Fahre nicht über 9 Uhr abends hinaus und jo, daß die Arbeitszeit täglich 12 Stunden nicht übersteigt.
Arbeiter a 15 Schössen und Geschworen«. In Crestld wurden jetzt zum ersten Male 6 Arbeiter als Schöffen und Geschworene ausgewählt.
Der Stuttgarter (Sem ein berat hat neue städtische S u b m i s i i o n s b e st i m m un g e n ausgestellt, wonach die Arbeitgeber verpflichtet werden, zunächst Arbeiter einzusteUen, die in und um Stuttgart ansässig sind. Ausländer dürien nur dann genommen werden, wenn brauchbare einheimische Arbeiter nicht vorhanden sind.
Ausland.
Besuch des beuti gjcii Kaisers. Die Korrespondenz Willstlm verbreitete gegenüber den Nachrichten der Wiener Blätter über den Besuch dcs deutschen KaisevS folgende Meldung: Offiziell wird bekannt gegeben, daß der deutsche Kaiser, einer bereits im heurigen Sommer ergangenen Einladung des Erzherzogs Franz, Ferdinand folgend, am 4. Novemlber als Gast des Thwnfvlgers zu einem zweitägigen Jagdausslng nach Jckartsau kommt. Aus diesem Anlässe iuurben im Schlosse Jckartsau um fas ,ende Vorkehrungen getrofjen, die burdflvcg nach persönlichen Anordnungen, des Erzherzogs F-ranz Ferdinand durchgeführt wurden. Das Schloß wurde einer durchgreifenden Renovierung unterzogen und Die Umgebung des Schlosses neuerlich in Stand gesetzt.
Das parlamentarische Komitee des Kongresses der Lrabe Union hat beschlossen, eine Abordnung nach, Deutschland »u entsenden, um über die Kranken- und Jn- oaliditätSversicherung und über die von den deutschen Behörden;, Der Frage der Arbeitslosigkeit gegenüber angewmrdtcn Maßnahme^' Untersuchungen anzustcllen.__
politische Tagesschau.
Die Veröffentlichung des Daily Telegraph
Wer die Freurrdfchaftsbeweise des deutschen Kaisers gegen England werden zum Teil mit Mißtrauen ausgenommen, und man bezweifelt die Authentizität. Ein anderer Teil der englischen Presse beurteilt die Freundschastsbeiveise des deutschen Kaisers wenig sreundlich. Die „Daily Mail" jagt, die freundlichen Worte des Kaisers seien in krassem Widerspruch zu den Taten seiner Minister sowie zu den Zielen der deutschen Politik. Aus die Gefühle des ^vaisers könne man sich nicht verlassen. Es sei erstaunlich, wie derselbe Monarch, der zuerst den Krieg durch sein Telegramm an den Präsidenten Krüger förderte, später den Feldzugsplan ausarbeitete, um dieselben Buren zu bekämpfen. „Daily Gravhic" idyreibt: Keiner gut unterrichteten Persönlichkeit, die sich der bangen Zeit des Burenkriegs erinnert, wird eL in den Sinn kommen, die Loyalität und den 9Jhit
in Abrede zu stellen, nrit dem der Kaiser uns beigestanden ist, obgleich die große Masse seiner Untertanen sich aus Seiten des Feindes stellte. Die wahre Streitfrage zwischen Deutschland und England ist nicht die Persönlichkeit des Kaisers, sondern die Möglichkeit eines Zusammenstoßes zwiscl-cn beiden Ländern, die niemand, sei er noch so hoch gestellt und noch so friedliebend, in der Gewalt haben kann. Ties ist die Hauptfrage, die uns ohne irgendwelchen bösen Willen gegen Deutschland zwingt, gewisse Vorsichtsmaßregeln zu treffen. Wir bedauern es, wenn jemals eine Entfremdung zwischen den beiden Ländern eintrat, doch haben wir nicht darnach getrachtet. Wir wünschen nicht, daß diese Entfremdung die eine oder andere Form annehmen sollte, welche ihr die besonders große Empfindlichkeit des Kaisers uno die übertriebene Wichtigkeit, dre er dem Geschwätz unverantwortlicher Teutonophoben beilegt, zu geben droht. Die überwiegende Mehrheit des englischen Volkes würde nur zu froh sein, wenn Mittel gesunden werden tonnten, um allen Hader und Argwohn zu beenden. Der „Standard" sagt: „Wir akzeptieren ohne Einschränkung die Versicherung des Kaisers, daß seine persönlichen Gefühle gegen England durchaus freundschaftliche sind, und wir betonen die nicht zu bezweifelnde Tatsache, oaß der Kaiser in England Gegenstand respektvoller Bewunderung ist. Es gibt keinen zweiten Monarchen außerhalb dieser Insel, für den der Engländer eine so hohe Wertschätzung hegt. Die Verwandtschaft zu unserem Königshaus, sein ritterlicher Charakter, das außergewöhnliche Maß.seiner Fähigkeiten und seine unbezähmbare Energie fordern unsere warme Anerkennung heraus. Der Kaiser würde unsere tatsächlichen Empfindungen sehr mißverstehen, wenn er glauben würde, England meine, eö sei ihm unfreundlich oder feindlich gewinnt. Die wahre Schwierigkeit des Problems bleibt unberührt: nämlich das ständtge rasche Anwachsen der deutschen Flotte, an deutschen Maßen gemessen, müßten wir jährlich eine Summe von 126 Millionen Pfund für Flotten-
Die Landtagrwahien (908.
Die weiter vorliegenden Wahl Nachricht en bestätigen das Ergebnis, das nach beit gestern mitgeteilten Resultaten feststand. An Einzelheiten sei noch nack«etragen, daß in dem uns zunächst interessierten Wahlbezirk G r ü n b e r g eine Stichwahl wahrscheinlich ist s)cach unserer auf Angaben der Wahlvorsteher beruhenden Zusammenstellung sind für den deutschsozialen Kandidaten Lutz im besten Fall 18 Wahtnmnner gewählt. Im ganzen wählt der Bezirk 37 MahluMner, davon sind bis jetzt für Lang (nattib.) 13, für Sann llinkslib.) 5 und fier Benner einer. (In Clintbach, das sich anfangs auch die Linlsliberalen zuschricl'en).
Im Bezirk Groß-Umstadt, wo das Zentrum zahlreiche Wahlmänner besitzt, ist die Lage noch ungeklärt, da diese Wahl- männer die Entscheidung in der Hand haben und demnach Ku- nächft die am Sonntag stattfindende Sitzung dcS Landesausschusses der Zentrumspartei Stellung nehmen wird.
In Lampertheim hat anscheinend der frühere 9Cbg. Seel inger (nattib.) durch die Lampertheimer Stimmen und die Hilfe der Zcntrumspartei gesiegt (gegen den von den National- liberalen und dem Bi. d. L. ausgestellten Gutsbesitzer Göbel).
Ober-Ingelheim bleibt dem Zentrum erhalten, da die Mehrzahl der 2§ahlmänner in Mvmbach für ihren Kandidaten, den seitherigen Abg. Dr. Frenah geioählt wurde.
Au Tcilvesullaten aus Oberhessen gingen noch eint
Wahlbezirk Grünbcrg.
Beltershain mit Göbelnrod. 76 Wahlberechtigte, 36 Abstimmende. Gewählt £>d). Röhrich (natlib.) mit 20 Stimmen.
Be r sro d mit Winnerod. 90 Wahlberechtigte, 38 Abstimmende. Gewählt Jo Hs. Stroh IL (Deutschozial).
® l i m b a dK 50 Wahlberechtigte, 22 Avstiinmende. Gewählt Bürgermeister Stein (B. d. L., für Benner) mit 13< Stimmen.
Flensungen mit Ilsdorf. 4G Abstimmende. Gewählt Karl Reitz (Deutschsozial) mit 24 Stimmen. Auf den nalio- nalliberalcn Wahlmannskandidaten fielen 22 Stimmen.
Odenhausen mit Appenborn. 84 Wahlberechtigte, 36 Abstimmende. Gewählt Lehrer Schweitzer (natü6.) mit 34 Stimmen. Auf den deutsch,sozialen Kandidaten sielen 2 Stimmen.
। Wahlbe-ir k Lauterbach
Hartershausen mit Hemmen. 5 Abstimmende. Gewählt Gg. Heil III. (B. d. L.).
Pfordt mit UellerShausen. 53 Wahlberechtigte, lo Abstimmende. Gewählt Müller Karl Goppel mit 15 Stimmen (Parteistellung nicht angegeben).
Rimbach. 60 Wahlberechtigte, 7 Abstimmende. Gewählt Bürgermeister Döring, 7 St. (Partcistellung nicht angegeben).
Schlitz. 75 Abstimmende. Gewählt Lautenbach, Frank, Hofsntann, Grimm und Hendrich (natlib. und Reformp.). Sie werden bei der Abgeordnetenwahl keinesfalls für Stöpler stimmen.
Uetzhausen mit Rieder-Stoll. 76 Wahlberechtigte, 13 Abstimmende. (Gewählt Gentcindereck>nen Gg. Hch. Hahn (Parteistellung unbefamu) mit 11 Stimmen.
Unter--Schwarz, mit Rechberg, Ober- und Unter-Wegfurth. Gewählt Konrad Lips (keiner Partei angehörig) mit sämtlichen 10 Stimmern
Wahlbezirk Herbstein.
Altenhain. 20 Wahlberechtigte, -1 AibstimMende. Gewählt Johs. Rohr II. (B. d. L.) < .
Altenschlirf. 07 Wahlberechtigte, 10 Abstimmende. Gewählt Bürgermeister Gg. Schmidt (Parteistellung nicht angegeben) mit 9 Stimmen.
Zer mut Hs Hain. 108 Wahlberechtigte, 18 Abstimmende. Gewählt Bürgenneifter Jost (Partei,ullung nickst angegeben).
Babenhausen II. 130 Wahlberechtigte, 5 Avstiinmende. Gewählt Bürgermeister Schneider (für Schmalbach).
E i ch e l h a t n mit Eichen rod. 97 Wahlberechtigte, 6 Abstimmende. Gewählt Bürgermeister Schaas (natlib. u. B. d. L.).
Feldkrücken mit Kölzenhaim 110 Wahlberechtigte, 14 Abstimmende. Gewählt Bürgermeister Schleuning (natlib.).
Freiensteinau mit Holzmühl. 200 Wahlberechtigte, 32 Abstimmende. Gewählt Bürgermeister Schlader-Holzmühl und Friedr. Köhler II.-Freiensteinau (lil>.).
Gunzenau mit ReichloS. 83 Wahlberechtigte, 6 Abstimmende. Gewählt Bürgermeister Dietz-Gunzenau (Parteistellung unbekannt).
I l l^e s h a u f e n. 165 Wahlberechtigte, 8 Ab stimmende. Gewählt Bürgermeister Löffler (lib.).
Lanzenhain. Gewählt Bürgerneeister Döll (deutschsoz.) Metzlos mit Metz los-Gehaa. b8 Wahlberechtigte, 17 Abstimmende. Gewählt IohS. Alt (B. 'd. L.).
■ Rixfeld. 100 Wahlberechtigte, 7 Abstimmende. Gewählt Bürgermeister Rahn (für Schmalbach) mit 6 Stimmen.
Salz. 74 Wahlberechtigte, 7 Ab stimme nde. Gewählt Bürgermeister Muth (leine Parteistellung angegeben).
Rebgeshatn. 84 Wahlberechtigte, 7 Ao stimmende. Gewählt Heinr. Rausch (Parieistellung unbestimmt).
Schlechtenwegen mit Steinfurth. 13 Wahlberechtigte, 4 Abstimmende. Gewählt Val. Karl Schrinrpf (für Schmalbach).
Stockhausen. 16-1 Wahlberechtigte, 12 Abstimmende. Go wählt Bürgermeister Zoh. Gg. Eichenauer III. nut 11 Stimmen (Ant., für SclMalbach).
Wohnfeld. 79 Wahlberechtigte, 6 Abstimmende. Gewählt Bürgermeister Hofmann (unparteiisch).
Zahmen mit Heisters und Wünschen-Mvos. 75 Wahlberechtigte, 6 Abstimmende. Gewählt Beig. Johs. Hämel (lib., ^mit 4 Stimmen.
Wahlbezirk Schottern
Breungeshain mit Bmenborn. Bürgernieister Hch. Fuchs in Breungesliain (Parteistellnng nicht angegeben).
Burkhards. 124 Wahlberechtigte, 18 Abstimmende. Go wählt Wilhelm Jockel (Parteistellung nick.'t anaegeben).
Einartshausen mit Stornfels. 133 Wahlberechtigte, 16 Abstimmende. Gewählt Bürgernuister K. Hck-. Karpf-Einartshausen mit 12 Stimuten (Parteistellung nicht angegeben). Bürgermeyter Schneider SwrnfelS erhielt 4 Stimmen.
Michelbach. 73 Wahlberechtigte, 13 Abstimmende. Forst- wart Karl Krämer II. ist gewählt (Parteistellung nickst angegeben).
R ud i n g s ha i n. 110 Wahloerecheigte, 5 Abstimmende. Gewählt Landwirt Th. Müller (Parleistellung nicht angegeben).
Ruppertsburg. 159 Wahlberechtigte, 26 Avstimmende. Gewählt Bürgermeister Will). Lehr I. (B. d. L.).
Sichenhausen mit Kaulstvs. 112 Wahlberechtigte, u3 Abstimmende. Gewählt Forst,van L. Slraiich (für Tr. Weber).
Wetterfeld. 105 Wahlberechtigte, 43 Avstiinmende. Gewählt Lchrrr Jungt (deutschsoz. u. B. d. L., für Dr. Weber) mit 28 Stimmen.
Ans Stabt nnd Land.
Glcven, 3O. Oktober 1908.
•* Vorn Großherzoglichen Hofe. Prinz und Prinzessin Franz Josef von Battenberg trafen, n. „Darrnst. ßtg/, am Nachmittag auf Jagdschloß Wolfsgartew ein und nahmen am Tee teil.
•• In Audienz empfangen rourbe von Sr. Kgl. Hoh. dem Groß Herzog am Mittwoch u. a. der Rektor, der Laudesuniversität Professor Dr. Bartholom«e.
•* OrdenSangelegenheit. Se. König!. Hoh. der Großhcrzog haben dem Lohnkutscher Konr. Mörler IIL zu Bad 9iaut)cim die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen der ihm vom Herzog von Anhalt verliehenen Silbernen Verdienstmedaille dcs Herzog!. Anhaltischen HausordenS Albrechts des Bären erteilt.
** Die pharmazeutische Staatsprüfung bestanden die Herren Oskar Fett (Hanau) und Hans Zinttz (Gießen) nach der neuen Prüfungsordnung; Herr Ottos Rosenberg (Gießen) nach der alten Prüfungsordnung für Apotheker.
** Der Turnverein hielt gestern abend im „Einhorn" seine ordentliche Hauptversammlung ab, bla gut besucht war. Rach Begrüßung der Erschienenen durch den 1. Sprecher Altho ff erstattete er den Jahresberichts ,der zunächst des großen deutschen Turnfestes gedachte unb auf die Verhältnisse in Turnerfchast, Kreis und Gau näher? einging. U. cu wurde erwähnt, daß der Turnverein hin- fickstlich der Mitgliederzahl im Kreise an 11. Stelle steht und auch hinsichtlich des Vermögensstandes sehr gut steht. Ein Beweis der Opferwillig leit innerhalb des Vereins ist in der Schenkung von 75 Äiark durch ein Dereinsmitglied zu erblicken, die zu turnerischen Zwecken erfolgte. Betont wurde ferner in dem Bericht die Notwendig kett, daS Frauenturnen erhöht zu pflegen und auch dem Jugendturnen Aufmerksamkeit zuzuwenden. Die Vereinsgeschäfte wurden in 18 Sitzungen erledigt, die von dnrchschnlltlich 11 Mitgliedern! besucht waren. Im Berichtsjahr wurde eine Fechtriege neu ins Leben gerufen, die einen recht vielversprechenden Anfang nahm. Turngänge wurden drei ausgcführt und sanden zahlreiche Beteillgung. Auch im neuen Jahr soll den Turngängen und ebenso dem Turnspiel erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt werden. Neben dem turnerischen Betrieb wurden die Turnfeste und die Veranstaltungen anderer Vereine nach Möglichkeit unterstützt. Erfreulick lebhaft war die erhöhte Inanspruchnahme der Turnhalle durch andere Vereine usw. Ter Verein beteiligte sich am Jugendfest und bei der Feien der Provinz für Zeppelin. Der Verein verlor durch den Tod die Mitglieder Th. Brück, H. Göhke, E. Mödner, Jak. Hengst sen-, Just. Vogel, I. Belte, Giitz, Ehr. Duill, L. Flamme, G. Frank, S. Pascoe,. C. Roth II.' und Ant. Koch, sowie das frühere verdienstvolle Mcitglied Hch. Bartsch, fotmq Frau I. Noll, die eine der Stifterinnen der Fahne von 1849 war. Das Andenken der Verswrbenen wurde durch Erheben von den Sitzen geehrt. Der vom 1. Turn wart Häuser erstattete Turribernyl verzeichnete folgenden Besuch der Turnstunden: An 98 Riegenturnabenden turnten zusammen 3653 Turner (durchschnittlich 37) und an 43 kür- turnabenden 1270 (durchschn. 26). Tie Damenriege tumta an 45 Abenden mit 478 Damen (durchschn. 10) und die, Männerriege an 69 Abenden mit 835 Turnern (durchschn. 12), so dag sich ein Gesamtbesuch der Uebungstzeiten von 6236 ergibt. Turnfahrten wurden im Berichtsjahr drei abgehalten. Bei den auswärtigen Turnfesten wurde eine größere Anzahl Auszeichnungen erzielt. Ter vom Rechner
zwecke aufwenden.
Wie nun die „Tägl. Rundsck>" an zuständiger Stelle erfährt, handelt es sich bei der Veröffentlichung des „Daily Telegraph" um Aeußerungen des Kaisers, die er bereits vor dem 5. Oktober einer diplomatischen Persönlichkeit gegenüber tat. Diese Ausführungen seien zweifellos bestimmt gewesen, klärend auf das deutsch-englische Verhältnis zu wirken. Der Zeitpunkt, zu dem sie erfolgten, beweist, daß sie nicht abgegeben waren, um auf die seit dem 5. Ort. entstandene politifcho Lage irgendwie einzuwirken. Wie wir weiter erfahren, ist eine deutschamtliche Aeußerung zu der Angelegenheit zu erwarten, sobald der volle Wortlaut der Veröffentlichung des „Daily Telegraph dem Kaifer Vorgelegen hat.
Tie französische Presse beurteilt die Veröffentlichung einmütig sehr ungünstig, ebenso die russische.
Mit ungewöhnlicher Schärfe kritisierr die „Tägliche Rundschau" die Aeußerungen des Kaisers. Hier einige Sätze des Leitartikels, den sie dem Kaiser-Interview widmet:
Ter erste Eindruck dieser tatsächlich sehr offenherzigen, aber auch sehr folgenschweren kaiserlichen Auslassung ist ein „Laßt fahren dahin alle Hoffnungen auf endliche Stetigkeit und Ruhe unserer Polllik, auf eine Einheitlichkeit des Kurses, für den der verantwortliche Staatsmann vor der Welt und vor dem deutschen Volke allein einzustehen hat."
Nachdem die „Tägliche Rundschau" dann von einer ,Lohengrin-Politik" gesprochen hat, die „für alle Welt sorgen will und, rvenn sie Unruhe stiftet und Mißtrauen erntet, über Verkennung klagt", fährt sie fort:
Wir fürchten, daß es von der deutschen Politik bald heißen wird: „Weiß üoch keiner, woran die glaubt oder wer sie bestimmt." Hätte ein Deutscher während des Buren- kriegcs daran denken können, daß, während rings im Lande für die Buren gesammeli und die Burengeneräle stürmisch gefeiert wurden, sein Kaiser den Feldzugsplan zur Vernicht tung eben dieser Buren ausarbeitete, die er doch durch das bekannte Krüger-Telegramm vom 3. Januar 1896 zum Widerstande ermutigt hatte? Wenn ein Wutschrei aus Südafrika, dem Grenzlande unseres Südwestafrika, dem kommenden holländisch-britischen Staatengebilde, auf diese Enthüllung herübergellt, — was können wir zu ihnen sagen? Für England ist diese Enthüllung Goldes wert; denn sie räumt mit den deutschen Sympathien in Südafrika gründlich aus."
Die agrarische „Deutsche Tageszeitung" bedauert die Veröffentlichung, die zu Mißverfllindnissen führen könne, und hofft noch, daß der Bericht des „Daily Telegraph" nicht in allen Einzelhetten richtig sei.________________________
Deutsches Resch.
Der Kaiser ist gestern nachmittag aus Wernigerode in Wildpark wieder eingetroffen.
Die Güterwagengemeinschajt gesichert. Tie Schwierigkeilen, die der deutjchen Gülerwagengenielnschail entgegen- ftanocii, sind jetzt auch in München als beseitigt anzusehen und man betrachtet die für die bayerische Verwaltung vorgeschlagene
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