Ausgabe 
28.4.1908 Zweites Blatt
 
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wesens ist bisher nur zu sehr verschleppt worden, sie mutz schleunigst in Angriff genommen werden. Tie wirtschaitlichen Der- haltmssc hoben unsere Fronen tu den Konknrrenzkarnpf gezwungen. Da müssen sie auch wirtschaftlich start gemacht werden. Tie Re­form der Gehälter der Beamten, Geistlichen und Lehrer darf nicht ohne weiteres eine Erhöhung der Eintommensteuer zur Folge haben. Wir jchcueu vor einer solchen nicht zurück, wenn sie notivendig ist. Ww haschen nicht nach Popularität. (Beifall). Zunächst mutz aber abgekartet werden, wie sich die Finanzlage gestaltet, die ja leider nur gar zu sehr abhängig ist uon unseren Slaalseiscnbahneii^ Tie jetzige Finanzgebahrnng unserer Eiseitbahnverioalllilig das Schul- denmachen hat ja un Herren House sogar die Billigung eines liberalen Oberbürgermeisters einer Sladt gefunden, bereu früheres Oberhaupt Finanzlnlllrster geivorden ist. Hoffentlich bleiben »vir davor bewahrt, datz der Herr auch Finailzminister wird. Wir fordern auf allen Gebieten Sparsamkeit. Einer k o st j p i e l i g e n A uS g e st al t u l» g des historischen B r a n b e n b u r g e r Tores werden wir Widerstand leisten. (Lebh. Benall.) Wir brauchen eine Reform der Berivalltiiig. T»e Tendenz, die Reglerungsaussicht nach allen Ecken und Richtiingen zu erweitern, ist verlverfüch. In der Verwaltung braucheri ivir einen m e h r bürgerlich e n Z u g. Ter Rediier bespricht zum Schluß die Aiistvahl der Ainvärler für die höhere Lerwaltungslousbahn. Hier herrsche eine Beoorz u- gung gewisser Stände, wobei die Bevorzugung des Adels noch em besonderes Kapitel sei. Hier sei ein Gebiet, zu zeigen, baB bet Staat Klaff euunlerjchiede nicht anerkennt. Hoffentlich erhalte der Mittelstand im Parlamcnt durch bie Wahlen eine vermehrte Derlrelung. Tie freiheitliche Enlivickelung unseres Staalslebens, die Freiheit des Glaubens und Denkens, soziale Gerechtigkeit das sind die Kennzeichen, unter beucn wir siegen wollen. (Stürm, langanhaltenber Beifall.)

Geheimrat und Vizepräsident des Abgeorbiietenhauses K r o ii s e: Man wundert sich, daß es noch joiwerbare Leute gibt, die die Reformbedürmgteit des preiißifchen Lanblagswahlrechis leugnen. Und doch gibt es solche! Ter Redner bejpriet)t die Eintellung der Wahltreife und das Wahlsyslein. Tente man nur an die Ver- änderiingen in der Bevölkerungszahl und in den ft euer! ich eit Ver- hältinffen. Charlottenburg und Frankfurt a. M. wählen nur drei Abgeordnete, die 72 steuerschwächsten Kreise, die auch nicht mehr Steuern zahlen, roic diese beiden Städte, wählen 131 Abgeordnete. (Lebh. Hort! Hört!) Die Aenderung der Wahlbezirke ist so gerecht-- fertigt, dos; ihr niemand entgegentreten sollte. Freilich »vollen wir keineswegs dre Arithmetik zu Hilfe nehmen. AiaBgebenb »nutz sein, wie schon Hobrechl einmal sagte,Land und Leute". Tie Land- wirtschaft ist immer nod) eins ber bebeutenblten Gewerbe. Sie hat ebenso Verdienste, wie auf der anderen Seite Handel unb In­dustrie. Es mutz em Ausgleich gejd)affeu iverben (Beisall) Auch beim W ahljy st e in »vollen »vir eine mittlere Linie innehallen. Die Entwicklung hat immer ungünstiger ge­wirkt für bie brüte Abteilliiig. Ta muß man fragen: Haben benn bie unteren Schichten und der sogenaniite Mittelstaub noch den politischen Elnstiiß, ber int Interesse bes Staates wünschenswert i|t? (Lebh. Zurufe: 9tem! 9lem 1) Die jämmerliche Wahlbeteiligung, bie Ab­stinenz weiter Klassen ist die größte Verurteilung des preußischen W a h l s y st e m s. (Zustimmung.) Bedauerlich ist, daß die Arbeiter heute noch ihre Vertretung in ber Sozialdemokratie suchen. Daß aber bie Arbeiter auch em Recht haben, mit ihrer politischen Ateinung gehört zu werben, »verden Sie nicht rn Abrede stellen wollen. Es märe unliberal und unstaatsmanmsch, den Arbeitern em Wahlrecht zu belassen, das ihnen nichts nützt. Hier muß eingesetzt werben. Wir bebnuern den Mangel an Wärme tu ber Erklärung des Reichskanzlers znm Wahlrecht. Umsomehr ivunbert uns, daß die Koiljervallven jede Reform ablehnen. Will man verhindern, baß bie umstürzlerische Partei ihren Einzug in das Abgeorbneleilhaiis hält? Id) weiß nicht, ob man durch diese Politik der Sözialdemokratie Abbruch tut. (Sehr richtig!). Jetzt s ch a s f t nt a »t S o z t a l d e m o k r a l e n. D i e K o n s e r v a l i v e »i wollen ihre Bl a ch t st e l l u n g n i d) t a u i g e b e n. Am letzten Ende ist das doch pulitiid) kurzsichtig. Tie Welle kann so start werden, datz sie die Wiberilrebenden hniwegschivemint. Wer sid) vor einer radikalen Aenderung fchützen ibdi, tut weise, wenn er die Haiid bietet zu einer Reiorm am der mittleren Linie. (Lebh. Beifall.) Die Blodpolttik un Reid) Hal gezeigt, daß der uralte Gegensatz zwisd)e»r tonservativ und liberal, der immer bleiben wird, an Schärfe eingebugt hat. Die Zusammensetzung des Abgeorbnetenhaiises muß so werden, daß die Konfervativen mehr nur den Nationalliberaleu rechnen müßen. Wenn ber große Einfluß der Konservativen gemildert »oirb, |o wird das dem In­teresse einer konservativ-liberalen Annäherung un Abgeorbnelen- hauje dienen. Weld)es System gewählt wird, Darüber »verden »vir hmwegkommen. Der Redner bespricht die Uebern ahme des R e i ch s w a h Ire ch t s in Preußen. Kein Nationallibcraler denke daran, das Reichstagsivahlrecht un Reid)e zu beteiligen. Etwas anders i|t bie Reform in Preußen. Ta kann man doch gewisse Fehler des PetchslagSwahlrechls anerkennen. J»r Preußen rsl eine ganz andere staallid)e Grundlage wie un Reiche. Tas er­fordert aud) em anderes Wahlrecht. Mögen die Sn0deutsche>i ihr Wahlrecht behalten, wir ridjien uns in unserem Hause nach linieren Verhältnissen. (Beuall.) Wer, wie einzelne radikale Freisinnige, das Reichswaylrecht für Preußen »ordert, müsse es aud) für das Kommune verlangen. Die Einführung des Reid)stagswahlred)ls m Preutzen ist zurzeit unmöglich. Warum uns den Kopl zerbred)e»i, was viel­leicht rn 40 Jahren möglich ist. Der Redner bespricht bann bie einzelnen Forbennigen, bie euentue.le Eimühiung des Plural­wahl redstes usw. Tie inbiretie Stimmabgabe habe heute leinen Wert mehr. In bet Frage, ob öffentliche ober geheime Wahl, haben sich bie Gegensätze m ber Partei mehr und mehr verflüchtigt. Die Zahl ber wächst, bie sagen: Weg mit ber öffentlichen Stimm- cuigabe! Der Redner schließt: Wir »verden zuerreid)en suchen, »vas zu e r r e i d) e n i |l. Dazu müßen wir aber be= fonbers bei diesen Wahlen tüd)tig ui bie Agitation emtreten. An die Regierung richte ich den Appell, daß sie bei den Wahlen die Parteien ihren Kampf untereinanber abmad;en läßt. Sie mutz dafür sorgen, baß das Versprechen des Reichs- kanzlers und des Minister des Innern, volle Reulralität zu be­wahren, auch burchgeiührl wird. Wer bie Verhältnisse un Osten kennt, weiß, datz es dort du stärkere Stellen gibt. Tas sind ber Lanbrat und ber AnitSvorsleher. (Lebh. Sehr ndjng!) Wer voll­kommene Freiheit der Wahl »vill, »nutz die nadjgeoibnetcii Beamten eventuell zwingen zur Neutralität. Im übrigen muß jeder Wähler, feiner Verantwortlichkeit bewußt, bei den Wahlen feine Pflicht tun. (Brausender Beifall.)

In der nun folgenden Diskussion nahm zuerst der Ober- laubesgerid)tsrat H a m m bas Wort. Er »v a r n t e vor u bei- triebener Vorsicht, die sich m dem Wahl am ni' breitmache. Vor allem sei kein sd;arses Wort über bie geistige ed)ulam|id)t ge­sagt. Im Rheinland würden die Lehrer nicht nur in der schule, sondern aud.) in ber Leffeiitlichkeit uber»vad;t. Ter Stimmzettel gelte als Legitimation für den Eintritt in das Himmelreich. 'Man sollte einmal die Wahl kassieren, bet Denen Geistliche so vorgegangen.

Abgeordneter Gl atzet meint, ob geheime ober v|iemud)c Wahl, das fei noch mehl geklärt, »venigstens md)t für ihn uno viele andere, die ihre Blanbale nacl) red)ls zu verteidigen habe»». Wenn bie Regierung eine Vorlage bringe, bie uns sonst ge allt, aber bie öffentliche Stimmabgabe nicht hat, so tonnen ww diese aud) ent­nehmen (Widerspruch).

Rechtsanwalt Gutsd)e (Magdeburg) meint, baß daS geheime Slimmrecht ber erste Schritt zu einem liberalen Wahlrecht sei. Im übrigen habe er sich als Linksliberaler zu ber U.eoerzeugung vurchgernngen, daß das Reid)slagsivahlrechl md)t ohne iveileres auf Preußen auszudehnen fei. Rebalteur Brues (Krefeld- ver­teidigt die geheime Stimm abgab e, bie man unbe­dingt aiö Programm auistellen müßte. Er tritt bann für Ar- b e 11 c r f a n b i b a t u r e n em. 'JJian müßte basür sorgen, daß aud) die Arbeiter das passive Wahlrecht haben. Wir »verden nur Dann tausende von Arbeitern aus unserer Seite haben, wenn sie sehen, batz^ wir and) Arbeiter aufstellen. (Beuall). Wenn es den Christlich-Sozialen möglich gewesen, Arbeiter zu Manbibsten fähig zu machen, fo müssen wir bas aud) können.

Rechtsanwalt F i s ch e r (Köln) erwibert dem Abgeordneten Glatzel: Aus rein praktischen Gründen dürfe man niemals von einem Progiammpmitte abgehen. In ber Frage des Wahlrechts haben wir uns auf emer mittleren Linie verständigt, diese mittlere

Linie müssen wir aber krallvoll vertreten. Wenn wir zögern, werben wir feinen Eindruck auf die Regierung machen.

Der Wahlaufruf w u r b e barauf e i n ft i m m t g an - g en o in m c n.

Amtsrichter M einte (Slolp) regte bie Frage der WaHi­tz u n d n i i s e an. Rad)dern jetzt bei der Freisinnigen Vereinigung die Klarstellung in den eigenen Reihen erfolgt sei, wäre es ange­bracht, daß zwischeli den drei liberalen Parteien jetzt eine Ver­ständigung erzielt werde, weil die Unterschiede nur verjchivinbeiid Ueme seien. (Lebh. Widerspruch). Er inöchte anregen, daß den Vertretern im Abgeordnetenhause uahegelegt wird, möglichst in ein Wahlbündiiis mit den anderen Parteien einzutreten. (Verein­zelter Widersprud).) f

Vizepräsident Dr. Krause erwidert, das müsse den einzelneu Wahlkreisen überlassen werden. Es feien da fehr delikate Persone>i- fragen zu erledigen.

Damit waren die Beratmigen beendet und der Dorsitzeiche schloß mit einem Hod) aus dre nationalliberale Partei und den Zentralvorstand de»i Parteitag.

Ger sehr»? aal.

Preßburg, 25. April. Heute fand hier gegen die sozialistischen Führer Jakob Wellner und Gabriel Schwartz die Schivur- gerid)tsverhandlung statt. Dieselben Hanen m emer Flug­schrift den ehemaligen Ministerpräsidenten Grafen Stefan Tisza bejd)ulbigl, daß er als Präsident der einstigen Jndustriebank bereu Rum veranlaßt unb bie Atnonäre um viele iDliUionen gejd)äbigt habe. Weltner würbe wegen Verleumdung zu drei Monalen, Sd)wavtz zu zwei Atonalen Gefängnis und je 200 Kronen Geld­fl rase verurteil!.

GLsenbahtt-Zeitung.

Badische Kilometer!) efte t 7- Diese so beliebten, durch die famoseReform" aber auf den Aussterbe-Elat gefetzten Fahn- atisweise wurden, wie vielleicht nod) erinnerlich, zu Ende April vorigen Jahres noch in ganz bcdeiltendeil Mengen aufgefauft, well ihre einjährige Gültigkeit öen Inhabern noch einen »veilen Spiel- raum der Benutzbarkeit gewährten. So ist denn auch auf t>en Badischen Bahnen noch viel auf Grund der Kilometerhefte gereist worden; jetzt sind nur nod) einige wenige im Verkehr, aber auch sie müssen bi-5 Ende dieses Monats ausgenutzt jein, denn uom 1. Mai ab hat feind der etwa nod) vorhandenen Helle noch Gültig feit. Somit ist der 30. April 1908 ms der eigentliche ©terbetiig des Badischen Kilomelerhcstes anzusehe.r.

handel und verkehr, Volkswirtschaft.

Berlin, 25. April. Rach demReichsanzeiger" ist der S a a t e »t ft a »i ö im Deutschen Reich, wenn 2 gut bedeutet, sür Winterwelzen 2,5, Wünerspelz 2,3, Winterroggen 2,6, Klee 2,ö', Luzerne 2,5, Bewässernngswiesen 2,3, andere Wiesen 2,8. Der Winter ist für Herbstsaaten und Futlerpstanzen im allgemeinen günstig verlausen. Weniger günstig als ber Winter war die Witterung während des Frnhjahrs. Häiisige Niederschlage, anhaltend iitedrige Temperaluren, scharfe östlid)e und »iordöstliche Winde, sowie zahlreiche 9lad)tirö|»e haben m den letzten Wochen das Wachs­tum stark zurückgehalteii. And) die Beflelliliig der Sonnnerfrücl)»c ist durch zu große sJläjje vielerorts erschwert und verzögert worden. Anderseits Halle man in manchen Gegenden zurzeit der Berichl- erftatiung die Aussaat des Sommergetreides beendet und bereus nut dem Legen der Kartoffeln begonnen.

Usnverjitäts-riachricyten.

Der außervroentliche Pioiesior sür Kirchenrecht an der Berliner Universilät Dr. Hermann F ü r st e n a u ist zuiii Geh. Regierungs­rat und Vortragenden Rat im preußischen Kultusministerium er­nannt worben. Seine Lehrtätigkeit übt Dr. Fürstenau nach wie vor aus.

vermischtes.

* D u r eh d i e i m m e r n o ci) anyartenden furchtbaren Wirbelst ü r ni e hat der noidamerllantsche Staat 'Mississippi am meisten gelitten, lieber 1000 Personen sind allem dort verletzt und jtrla 300 gelotet worben. Viele Verwnnbele fmb ben ganzen Tag unter ben Drummern ihrer emgestürzten Häuser begraben gewesen. In bem tstäbteyen Par bis finb von 200 Hausern nur 7 stehen geblieben. Völlig zerstört finb 46 Stäbte. l'ian ijt setzt bazu übergegangen, Die Zehntausenbe, bie obbachlos geworben sinb, in Konzentralions- lagem zujaiiinienzuziehen. Auf Diese Weife hofft man wenigstens noiburmg lür ihre Veipflegung sorgen unb ben Ausbruch einer Epidemie verhindern zu tonnen. Das 'ranzöstsche Kolonialmimsterlum gibt betannt, baß em heftiger Zhllon' aiich un Komoren- 51 r d) t p e l (zwlfchen Atabagastar unb bem ajritamsd)en Festlanbe) geroüiet hat, von bem haupt- iad)lich bie Insel Groß-Eomoro beiroßen worben ist. Es werben mehrere Schiffbrüche von bort gemelbet.

* Das Ende einer Hochzeitsnacht. Dieser Tage feierte der Sohn des Landmannes Terkelfen in Werst bei Lun- derskoo (Vierlanbe) Hodizeit. Um 1 Uhr nachts ging man zur Ruhe und das Brautpaar ging auf einen benachbarten Hof. Das Brautpaar bemerkte, auf bem Hof eirigetrosfen, einen hellen Feuer­schein und eilte schnell auf den väterlichen Besitz zurück. Es gelang ihnen, bie bedrängten Bewohner zu wecken unb, nur mit einem Hemb bekleidet, verließen diese das Haus. Ter Vater unb ein Bruder des jungen Ehemannes versuchten, das Vieh aus den brennenden Gebäuden zu retten. Zwei Pferde und sechs Kühe wurden geborgen. Immer wieder gingen Vater und Sohn ungeachtet der Gefahr in den brennenden Stall. Plötzlich stürzte das Dach in sich zusammen, in einem 'Augenblick, als die beiden Manner ün Stall waren. Es glückte dem Vater, im letzten Augeilblick den total! zu verlassen, allerdings mit brennen­der Kleidung, der Sohn konnte nicht mehr ins Freie gebracht werden. Als das Feuer gelvjcht war, fand man, wie dieH. R." berichten, feine verkohlte Leiche. Der alte Terkelfen wurde in das Krankenhaus gebracht, wo er am folgenden Tage an ben Folgen ber Verletzungen verstarb. Die sJJcutter würbe bei der Jtau)ridn fast wahnjtniiig vor Schmerz. Es wird geglaubt, daß eine frühere Braut des jungen Ehemannes das Feuer angelegt hat, um sich zu rächen.

Kleine Tageschronik.

Vom Schwarzwald und aus dem Allgäu werden un­geheure Stürme mit mächtigen Schneetreiben gemel- oct. Auch in Baden-Baden hat der Schneesturm gewütet.

Aus Landau wird gemeldet: 'Als bei einer bei dem Küfer Hildenbraiid vorgenvmmenen Kellerremjwn mehrere verdächtige öaller versiegelt werden sollten, drang Hildenvranb mit ge­zücktem Messer a u f den Po l i zt st e n ein, der erst nach einem Säbelhieb über Kops unb 'Arm ben Widerspenstigen un- lajäblid) machen konnte.

In Li eg nitz schoß der Stallschweizer Max Walter aus Poltwitz auf bas Dienstinaochen Berta Anbers unb versuchte Daraus, sich burch einen Schuß in bie Stirn zu tuten. Der -euter ist schwer, das Opfer leicht verletzt. Beide wurden in das Ktankeuhau gebracht. Der Grund ist in verschmähter Liebe zu suchen.

In München sind neuerdings ein Gastwirt und eine Ober- Aunsrichlerswitwe Die Opfer fortgesetzter Erprefsungsver- luaic emes Unbekannten, Der mit der Ermordung sämtlicher Angehörigen droht. Zn Augsburg wurden von einem wohl- Ijabnioen K aus mann ourch einen aiischeinenb gebildeten Brief- Ichreiber 3U UUU Mk. unter Androhung der Ermoroung des ein­zigen Töchterchens zu erpressen versucht.

In München hat ber 14juhrige Volksschüler Netzer wegen eines Spieloerlustes einen glcid)aiterigen Knaben durch einen. Messerstich ms Herz Ifbensgeiuljrlia) verletzt.

In Berlin gelang es ber Kriminalpolizei, einen lange gesuchten Einbrecher namens Dittmar aus Frankfurt a. M. zu verhaften.

In Niederwürzbach (Pfalz) erschlug der 18jahrige Arbeiter Bischmann in der Trunkenheit seinen Vater mit der Axt.

In Freiburg i. Br. hat ber Kassierer Löffel von ber städtischen Straßenbahn, der vor acht Tagen angeblid) auf ber x>agb tödlich Dciungluccte, nach amtlicher Feststellung ihm an- L'ecirQiitc Gelder in erheblichem Uniiange veruntreut.

Aui ben Rennplätzen von Paris verlor ber düiuljcitjc August Beu aus Schweinfurt in wenigen Aionaren fein beträcht­liches eigenes Vermögen und veruntreute seinem Chef noch 18 UUU oranten, die er gleichfalls verspielte. Bei seiner Verhajtung be- uano seine ganze Barschaft aus 80 Centimes.

In Wien inszenierten Studenten der Technischen Hoch­schule lärmende Demonstrationen gegen den wegen einer Strenge bei den Prüfungen mißliebigen Professor Dr. Richard Engländer und dessen Assistenten. Schließlich gelang es dem Rektor, die Studenten zu beruhigen, indem er versprach, ihre Beschwerden zu prüfen und Abhilfe zu schassen.

Bei Gloggnitz am Semmering ist ber 21jährige Fabri- lantensohn Stangl mit seinem M o t o r r a b so unglücklich ge­stürzt, daß er lebensgejährliche Verletzungen davontrug.

Dorvergangene Nacht ereignete sich bei Thun ^Berner Ober­land» ein 'Automobilunglück, indem ein großer Kraft­wagen mit sechs Herren in der Tunkelhell in einen tiefen Graben stürzte. Dabei wurde der 24jährige Bankbeamte Hugo Schrör gerötet. Er wurde vom Automobil erdrückt. Mehrere andere Teilnehmer der Fahrt wurden verletzt.

Mehrere bosnifche Priester, die in Italien weilen, wurden bei Albano von fünf Männern überfallen und durch M e s s t r ft i d) c schwer verletzt. Gendarmen verfolgten bie flüchtenden Angreifer u.ib nahmen vier fest. Die Gendarmen hatten große Mühe, die verhafteten vor der Wut der Volksmenge zu schütz.n, bie die Verbrecher lynchen wollte

Eiugesan-t.

(Für Form und Inhalt auet »rner uicicc Rubrik stehenden Artikel übernimmt die iKcbattion dem Publikum gegenüber kemerlei

Verantwortung.)

Die etwa 1000 Meier lange, fast gerade laufende Straßen- linie vom Marktplatz bis zum Sd)i|icnbcrger Weg, wechselt ihren Namen, sage und schreibe, fünfmal! Schulstraße, 'Neuen Baue. Gartenskraße, Ludwtgsplatz, Garrenstraße. Vielleicht kommt noch, wenn die Spitze des früher Reatzh'chen Anwesens abgeschnitten wird, eilte sechsteTheaterplatz" hinzu. Wäre es nicht bald an der Zell, dieser Straße einen einzigen Namen zu geben, ctiva Theaterstraße" ? Für jeden Fremden, ber bas THemer besuchen oder nur betrachten Will, wäre es sicher angenehm, wenn es beim Passieren des Marktplatzes aufmerisaui gemacht würde, lvi)< hin er sich zu wenden hatte. Pietät für alte toiraßennamen ift ganz gut, besser aber noch ist eine zeitgemäße praktische Unv anbcrung, die im Interesse der uns besuchenden Frembeii liegt, um io »itehr, wenn solche alte Namen sinngemäß keine Berechtigung mehr haben. S.

Ä^Leteorologrjche töeovutljUHtßen

der Staüou Gießen.

April

1908

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des Giessenei Anzeigers, nutgeteilt von der liank für Handel und Industrie, Glessen.

Frnnkluftcr ftorwe, 28. April, 1.15 Uhr.

3^e/0 Reichsanleihe . . 91.201 Llektnz. Lahmeyer . . . 124.90

o% ao. . . 81.60

°/6 Konsols .... 91.25 o% do 81.65 o>ju/0 Hessen 90 55 <>>6V/O Oberhessen . . . 91 öo

Uesterr. Guidreute. 98 70 4*/#>o Uesterr. öilberrente »9 20

Ungar. Goldrente . . 93.35 4>6 Italien. Rente . . ..

Portugiesen berie 1 60.45

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4>5°Je russ.ötaatsaul. 190., 94 85 4>« 0 japan. Staatsanleihe 87.00 i/o Uouv. Türken von ibuö 95 30 1 ürkeniuse 149 00 1% Giiech. Mouopol-Anl. . 49.4u 1 % ausscie Argentinier . b4. ju/0 Jiexikaner . . . 66.50 4-2Chinesen .... 95.30

Aktien:

Bochum Guss . ... 220 10

Buderus KW. . . . llü.oo

1 eudeo .: schwächer.

Kektnz. tichuckert . . . 113.00 Eschweiler Bergwerk . . 212.2c Gelsenkirchen Bergwerk . 195.2U Hamuurg - Ainenk. PAketl 113.50 Barpener Bergwerk. . 199 50

Laurahutte 210.51 2\ordd. Lloyd 98.10 Ubeischlcs. Eisen-Industrie 1U1.3U Berliner nanüelsges. . . 16^.30 Harmstädter baua . . . 125.10 beutsclic Book .... 232 10 Deutsch-Asiat. Bank . , 136.90 Diskuhtu-Kommanuit. . . 174.70 Dicsuuer Bank .... 138.20 Kreuitakuen 197.9c Baltimore- und Ohio-

Bisen iah n 84.10 uottuardbKhn.....

uomoaru. Biseubahu . . 232o uesterr. btaaisuuiiu . . . 147.50 I riiiee-Hcuri-Bisenhahu ..oU

iieruiier börse, 28

150.00

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Tendenz ungleichmässig

Cauada E. B. .

Darmstadter Bank .

Deutsche Bana . .

Dortmunuer-Lniou C. Dresdner Bauk . .

. 153.50

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198.2^

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April. Anfaugskurse. liurpeuer Bergwerk. . i.auranütte . . . . ..ombaiueu E. B. . . .\ordd. Lloyd . . . . 1 nracnlose

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