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Zweites Blatt
Dienstag 28. April 1908
158. Jahrgang
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Rotationsdruck und Verlag der Br übliche» Unwersitäls - Buch- und Sterndruckerei. UL Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- Kraße ?. Expedition und Verlag: e=g® 5L Redaktion: HZ. Tel.-Adr«'AnzeigerGteßen,
Du „Lietzener Komilienblätter" werden dem „Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Krctsblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit* fragen" erscheinen monatlich zweimal.
poliftfcbc Lagesscb««.
• Deutscher Haudluugsgehtlfeutag.
S. u. H. Leipzig, den 26. April.
Tie wichtige Frage einer Verschmelzung der beiden größten kandlungsgehilsen-Verbände Deutschlands, deren Erörterung im zaiiuar d. Js. in allen beteiligten Kreisen großes Aussehen erregte md deren Zustandekommen die deutsche Handlungsgehilienschast mit einem Schlage zur größten gelvertjchaltlichen Organisation des Reiches machen würde, stand heule am der Tagesordnung der hier |Ui|ammengetretenen 25. Generalversammlung des Veibanoes
gefördert iverden. Welter ist nötig der Ausbau des Wegenetzes. Von größter Bedeutung ist eine gesunde Mittelstandspolitik. Wir tuen auch hier unsere Schuldigkeit. Deshalb brauchen wir auch keine emseitigeii Diittelstandsparteien, die in den Fehler verfallen, wie die Sozialdemokratie, daß sie Klassenpolitik treiben. Wir müssen das Gefühl haben, daß es sich bei den Mittelstandsparteien um einen Vorspann für die Konservativen handelt. (Lebh. Zustimmung). Die natl. Partei wird es nicht fehlen lassen, an Vertretung der Interessen des Mittelstandes. Im Handel muß Treu ulid Glauben ivieder hergestellt iverden. Der legitime Handel darf nicht unterdrückt werden. Die Privatbeamten sollen durch Einbeziehung in die Versicherung geschützt werden. Die Erhöhung der Bezüge der Staatsbeamten i|t dringlich. Schmerzlich hat es unS berührt, daß die Versprechungen der Thronrede nicht gehalten worden find. (Lebh. Sehr richtig!) Die Teuerungszulage ist nur em Stückwerk allerschlimmster Art. Die Beamten müssen auch selbst in den Parlamenten geeignete Vertretungen erhalten. Wenn das der Staatsregierimg unangenehm ist, so muß sie das hmnehmen, als Konsequenz ihres eigenen Tuns. Wenn Die Regierung die mittleren und unteren Beamten an der Ausübung dieses staatsbürgerlichen Rechtes hindern wollte, würden wir nicht einverstanden sein. (Lebh. Zustimmung.) Wir verlangen die Gleichstellung aller Beamten mit gleicher Vorbildung und Tätigkeit, Regelung des WohnungSgeldzujchusses. Die Lösung der Frage ist unaufschiebbar und muß ersolgen, wenn auch der Block im Reiche die Finanzresorm nicht durchführt. Eventuell müssen durch eine Spezialsteuer ine Mittel zur Erhöhung der Bezüge der ReichSbeaimen beschafft werden. Auch in der Fürsorge für die arbeitenden Klassen iverden wir forlsahren. Aus Dem Gebiete der Tarnverträge muß der Staat recht vorsichtig vorgehen. Es wäre salsch, wenn der Staat nur diejenigen bevorzugte, die die Tarifverträge sich zu eigen gemacht haben. Warten wir die Entwickelung ab. Sind Tarifverträge em wirksames Friedensmittel, so werden sie sich durchsetzen. Dann wird auch der Staat freudig für sie eintreten. Tie Sozialpolitik findet ihre Grenze an der Leistuiigsiähigkeit und Konkurrenz- sähigkeit der Industrie. (Zustimmung.) Ich will Damit nicht Wasser in Den Wein sozialpolitischer Begeisterung gießen; wir Dürfen aber nicht das richtige Augenmaß für das Erreichbare verlieren. — Dr. Friedberg geht dann zu den Kulturaufgaben über. Die geistige Kultur muß sich in voller Freiheit entfalten können auf allen Gebieten. Wir verlangen freie Forschung. Auch Den theologischen Fakultäten muß Die Freiheit der Wissenschaft unangetastet bleiben. (Bestall.)
Wir sordern für alle theologischen Richtungen gleiches Licht und gleichen Schallen, auch in den Monfiftorien. Der Kultusminister darf sich nicht hinter den Konsistorien verstecken. Tas entspricht nicht der Würde eines preußischen Ministers. (Lebh. Zustimmung). Wir wollen keine Bevorzugung b e st i m m t e r K n n strich tung en zuungunsten anderer. Auch für die höheren Lehranstalten und ebenso für die Volksschulen muß unbedingt der Grundsatz der Freiheit maßgebend fein. Sie muß ihren eigenen Zielen (eben dürfen. Daher sind wir für fachmännische Schulaufsicht. Wir wollen nicht die Religion aus der Volksschule verbannen. Kirche und Schule sind getrennte Gebiete. Bei der Schul- aufsicht scheint ja Der neue Minister etwas andere Wege wandeln zu wollen als sein Vorgänger. (Zuriste: 9la, na 1) Der Redner fordert Besserstellung der Geistlichen und Lehrer, möglichst Gleich« Heilung der städtischen und ländlichen Lehrer. Einer Regelung in 3 Stillen, für das platte Land, die kleinen Städte und die großen Städte iväre für uns unnebmbar. (Lebh. Bestall.) Wir müssen das Gehalt der Landlehrer so normieren, daß die Differenzierung von selbst ivegiaüt. Schaffen wir auch auf dem Lande gehobene Stellen. Damit werben wir der Landflucht am besten steuern. (Bestall.) Bei der Aufbringung der Mittel darf die Freiheit der Gemeinden nicht zu sehr beschränkt werden. Nur nicht zu viel Bureaukratlsnius auf dem Gebiete der Schulverwaltung. Die Reform des höheren Mädchenschul-
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhesfen
folgender '23 e r m 111 e l u n g § r c f o l u t i o n: „Die Generalversammlung des Verbandes Deutscher Handlungsgehilfen billigt den Versuch einer Verständigung mit dem Deutsch-Nationalen Handllmgs- gehilfenverbande in Hamburg und hofft, daß auch mit den anderen kaufmännischen Organisationen eine sozialpolitische Verständigung zu erwarten ist,. Tie Resolution wurde unter großem Beifall der Versaninilung einstimmig angenommen. Eine heftige Debatte folgte in Bezug auf die Zusammensetzung der „Neuner-Kommission", die mit dem Deutsch-Nationalen Handlungsgehilfenverband im Mai beraten soll. Schließlich wurde einem Anträge zugestimmt, noch 2 Mitglieder der Generalversammlung in diese Kommission hmeinzuwählen. Darauf erklärten 2 Vorstandsmitglieder ihren Austritt aus der Kominissiou. Hebet- die zu wählenden neuen Mitglieder entspann sich abermals eine sehr heftige Debatte. Es erklärten noch 2 Mitglieder ihren Austritt aus Der Kommission. Nach heftigen Szenen wurde ein Antrag angenommen, wonach Die Kommission nach den Vorschlägen deS Vorstandes gebildet werden soll; alle anderen Vorschläge wurden abgelehnt. Hieraus trat Die Generalversammlung m die Statutenberatung ein und behandelte die Erhöhung be§ jährlichen Beitrages von 6 auf 12 Mk. und die Anstellung von 3 weiteren besoldeten Beamten. Auch hierbei kam es zu stürmischen Auseinandersetzungen. Die nächste Generalversammlung soll 1910 in Leipzig, der nächste Derbandstag voraussichtlich im September in München ftattfinben.
Deutscher Handlungsgehilfen. Der Vorstand beantragte die Annahme I das beste Leamtenmater ial gesandt werden, das frei ist von Kastengeist. Diele Beamte haben zii wenig Kenntnis von polnischer Sprache und Art. Man Dürfe doch nicht bei dem Polentum sozusagen vorbeiregieren. (Beifall). Der Redner tuenbet sich dann Den wirtschaftlichen Aufgaben zu. Man müsse dafür sorgen, daß die Schwachen nicht durch den Starken unterdrückt werden. Aus dem Gebiet der Landwirtschaft müsse die innere Kolonisation tveiter-
Die Reichreinnahinen.
Schatzsekretär Syboto weilt augenblicklich in Süddeutschland, inn sich den dortigen Bundessürsten und ihren Ratgebern vvrzu- sielten, und auch mit den maßgebenden Stellen sich eingehend über die künftige Ausgestaltung der Reichsfinan^resonn zu be- Ijrcedjeii, bevor er daran geht. Die Vorschläge im einzelnen auS- arbeUen zu lassen. Wie dringend das Reich einer gründlichen Reform seiner Finanzen bedarf, geht aus der soeben im Zentral- blatt für das deutsche Reich vevösscntlichten provisorischen Zu- •crmnenftdlung über die Reichseinnahmen im Etatsjahr 1907 hervor. Da ergibt sich denn das wenig erfreuliche Bild, daß ytoar einige Einnahmegruppen Mehrer trage gegenüber dem Voranschlag gebracht haben, daß dagegen bet einer ganz bedeutenden 'Inzahl anderer Einnahmequellen sich ein recht beträckstlicheS Min- ixrergebnid bemerkbar macht. Es ist wohl feilt Zufall, wenn istese Mindereinnahme gerade bei denjenigen Steuern in die Erscheinung tritt, die zuletzt unter Herrn von Stengel eingeführt icrorben sind und deren Fiasko aus das deutlichste zeigt, rote verfehlt jene Aktion war; sie traf Einrichtungen, für die eine '.kubelastung eine Unterbindung bedeuten mußte, i’obaö über das Fehlschlagen dieser Neuerungen kaum ein Zweitel obwalten konnte. Insgesamt ist zwar noch immer ein Gesamtüberschuß von 3i/2 Millionen Mark zu verzeichnen, eine Summe, die aber im Hinblick auf die Gesamtziffern wenig bedeuten will und gegen die Ileberschüsse aus früheren Fahren ganz bedeutend zurücksteht; überdies ist dieses Resultat nur dadurch erreicht worden, daß an diesem.Plus die Zölle mit über 42 Millionen Mark beteiligt sind und diese 42 Millionen können nicht einmal in ihrer Gesamtheit für das Reich in Betracht kommen, weil ihr Haupiteil ge» ic.&lid) dem Reliktenfonds zusallen muß. Die Zölle haben 643 .Millionen Mark gegenüber 600 Millionen Mark des Voranschlags wbracht, Tabak- unb Zigarrensteuer, Salzsteuer und Brausteuer stimmen so ziemlich mit dem Voranschlag überein, nur die Ver- drauchSabgabe von Branntwein hat ein Plus von 10 Millionen Mark gebracht. Dem gegenüber ist cs von einschneidender Bedeutung, daß die Reickspostverwaltung, die bisher stets mit ganz beträchtlichen Ueberschussen arbeitete, 13 Millionen Mark lvenigeralsveran schlagt eingenommen hat, ein Resultat, üas zweifellos in Zusammenhang mit der Erhöhung des Orts- vortos usw. steht. Auch die Börsensteuer hat ein Mindn- rlrägnis von nicht weniger wie 15 Millionen Mark gebracht mb der mit Recht so viel angef einbete Fahrkarten stempel, besten drwäge ursprünglich mit 45 Millionen Ncark veranschlagt und daun durch den Reichstag selbst aus 30 Millionen Mark fjerab* gesetzt worden waren, hat nicht einmal diese Summe erreicht, 'onbem ist noch um 12 Millionen Mark zurückgeblieben, indeni tt nur etwas über 18 Millionen Mark eingebracht hat. Auto- .itcbilfteucr und Tantiemenstempel haben beive kaum die Halste m3 angesetzten Betrages erbracht unb ebenso ist auch bic Erb- ichastssteuer mit 25Ve Millionen Mark um 10 Millionen Mark gegenüber dem Voranschläge zurückgeblieben. Sv trocken sich diese oisfern lesen mögen, so sind sie doch eine beredte Sprache, sie bilben ein eindringliches Menetekel, daß es aus diesem Wege nicht mehr Weller gehen kann und daß bet der kommende^ Reichs- jinanzresorm Steuern bei eiligt werden müssen, die lediglich ge- tignct sind, Handel und Vertehr zu unterbinden und die Steuer- rträge statt zu erhöhen, gar noch zu vermindern. Schatzsekretär Hhdow läßt sich hoffentlich durch dieses Ergebnis bei seinen neuen öteuerprviekten warnen und sucht sich Einnahmequellen, die die ru>ün,chtcn Erträgnisse bringen, aber für die in Frage kommen- toi Kreise keine schaoigende Belastung bedeuten.
Nationallideraler Parteitag für Preußen.
S. u. H. Magdeburg, 26. April.
Namens des Zentralvorstandes der nationalliberalen Partei eröffnet NeichstaaSabg. Bass er mann die Versammlung. Dann übernahm Geh. Rat. Krause das Präsidium. Er gab der Zuversicht Ausdruck, daß die Verhandlungen gedeihlichen Erfolg haben mögen. Ein gutes Zeichen sei, daß die gestrige Sitzung des Zeuiralvorstandes von ungewöhnlicher Einmütigkeit getragen ge- wefen fei. Tie nationalliberalc Partei habe niemals die Arbeit in der Partei als erstes und letztes Ziel betrachtet, sondern nur als Mittel zum Zweck, zum Wohle des geliebten Vaterlandes. Der Redner schloß mit einem Hoch auf den Kaiser, das begeistert aufgenommen wurde. Fabrikbesitzer Bartels hieß die Verfammlung namens der natioualliberalen Magdeburgs willkommen.
Nachdem hierauf ein Begrüßungstelegramm der national. Partei Bayerns zur Verlefung gelangt war, nahm als erster Redner Abg. Geh. Rat Friedberg zum Thema:
Stellung zu den Landtagswahlen da? Wort. Er führte aus: Schon in Wiesbaden ist auf die Notwendigkeil der Blockpolitik hingeivicsen worden, die geeignet ist, dem Liberalismus die Stellung wiederzugeben, die ihm gebührt. Die Blockpolitik hat bereits Erfolge gezeigt, fodaß mißvergnügte Gegner bereits gesagt haben, man fei bei Vereins- und beim BÖrfengesetz auf eine granitene Mauer gestoßen. Was ich aber als Preuße nicht unterschätzen ivill, ist die Tatsache, daß es gelungen ist, geivisse Quertreiber ab- zuschütteln, die Uneinigkeit in den Reihen des Liberalismus tragen wollten. (Lebh. Besiall. Sehr richtig!). Tie Blockpolitik im Reiche ist frcilid) auch an Preußen nicht spurlos vorübergegcmgen. Die Regierung mußte einige Rücksicht nehmen, auch auf den Liberalismus. Warum sind aber die Erfolge der Blockpolitik in Preußen noch so gering! Wir Haden unsere Forderiingen nicht überspannt, habeil immer Rücksicht genommen auf die Blockpolitik im Reiche. Der Grund hegt bann, daß die mächtige konservaiive Partei im preuß. Abgeordnelenhause ihre Machtstellung in keinem Pimkte aufougeben geneigt ist. Sie fühlt sich als Herr der Situation. Sehr richtig! Ebenso wollte sie feilten Bruch mit dem Zentrum herbeiführen; sie wollte in nationalen Fragen mit der nattonalltberalen Partei gehen, anderswo aber auch mit dem Zentrum. Der Redner bespricht eingehend die Stellung, die die national!. Partei bei den Schulfragen und bei der Polensrage eingenommen hat. Sie habe die Poleiipoliiik stets nur unter dem Gesichtswinkel der nationalen Selbstverteidigung getrieben. Die Zustimmung zur Enteignung fei der Partei nicht leicht geworden. Sollte sie aber nicht auSreichen, so fei die natl. Partei bereit, die erforderlichen Mittel der Stacus- regierung zu gewähren und fchließlich den Frieden zu diktieren, wenn er nicht freiwillig gewährt wird. Nach den Ostmarken sollte
Ateines SeriiUeton.
— B a u e r n t ö p s e r e i. König Karl von Rumänien schenkte, tr>ie man aus Bukarest meldet, dein Museum der dekorativen Künste in. Paris eine Sammlung von 62 rumänischen Bauerntöpsereten. We wärs, wenn unsere hessische Regierung zur rechten Wrdiqung der vielfach echt künstlerischen oberhessischen & a u c r n t Ö p i e r c i ähnliche Geschenke an die Dinseen der großen europäischen Kunststädte machte? Tie Heimarbeit-Aus- 1 e 11 u n g in Frankfurt zeigt z. Zt. u. a. recht hübsche Töpfereien der im Pieußischen gelegenen Lrtschasi Wittgenborn im Äüdinger Walde, dagegen nichts aus Wieseck und den Töpferorten '.ir den Kreisen Alsfeld und Lauterbach. Tas ist bedauerlich. Rian halte es bet uns in Qberhessen keinesfalls versäumen dürfen, diese
des fetzigen Gejamtzreles der erstell drei Schuljahre) durchführbar, wenn die Klaffe von einem Lehrer 3 IQaljre durchgesührt wird, diesem nur das Ziel der 6. Klasse verbindlich ist, ihm aber innerhalb dieses Zieles das Recht freier Stoff- und Behandlungswahl gewährt wird, er also vom Lehr« und Stundenplan und von den Prüfungen befreit bleibt. — Aus der Verfammlung heraus wurde die Eingabe eines Gesuches an die Behörde angeregt, worin um Gelegenheit zu umfassender Erprobung dieses vorgeschlaqenen freien Elementarunterrichts gebeten wird. Ersreiilicherweise hat sich anch die städtische Schulbehörde zu Leipzig bereit finden laffen, derartige uns recht vernünftig scheinende Versuche zu gestatten. An jeder Schule soll eine solche Versuchsklasse eingerichtet werden, die von ihrem Lehrer 3 Jahre fortgeführt wird.
— Friedrich N a n m a n ii veröffentlicht im Maiheft der „Simen Rundschau" (S. Fischer, Verlag, Berlin) einen Essay über DieLeidenSgeschichte Des Deutschen Liberalismus; er stellt in klarer unb persönlich interessierter AuSemanDersetzung Die bisherige Entwickelung und Die Zukunft Des Liberalismus Dar. In bemfelben Heft fiuDen wir einen äußerst wichtigen Beitrag von einem Sohne Gießens, den unfern Lefern wohlbekannten Literareffayisien Ai a x Ai e y e r f e ID , Der zum ersten Male an der Hand unveröffentlichter Briefe und Dokumente das Verhältnis Lord ByronS zit ferner Schwester klar legt, nicht bloß literarhistorisch von Wert, sondern auch heute noch psychologisch von merkwürdigem Iuteresse. Rudolf Lehmann schreibt über Schule und Kvliur in Der Gegenwart, indem er die modernen pädagogifchen Ziele zu- sammenfaßt, Karl Jentsch über moderne historische Forschung, Robert Hessen über die Hygiene der kurzen Diöde. Theodor Barth liefert wie immer die politische Chronik. Außer verschiedenen lyrischen Seihägeti finden rott als belletristischen Artikel bte Fortsetzung des großen Wiener Romans von Schnitzler und eine Novelle „Geschichte in der Dämmerung" von Stefan Zweig u. v. a. m.
— Eine Erinnerungsfeier für den Erfinder des Barometers. Die Stadt Faenza in Italien rüstet sich, in diesem Jahre die Dreihimdertjahrfeier der Geburt T o r r r c e l l i s zu begehen, des Philosophen und Mathematikers, der den Barometer erlauben hat. Ein Fest der Stadt soll zu Ehren ihres berühmten Sohnes veranstaltet werden. Außerdem werden zwei Ausstellungen vorbereitet, von denen die eine einen lleberblick über die Entwicklung der meteorologischen Instrumente, um deren Verrollkommnung sich Torticelli Verdienste erworben hat, geben soll, die andere Kunstwerke antiker und moderner Keramik um- sassen wird.
— Eine Erfindung, mit deren Hilfe man von Paris nach Newhork sehen kann, verspricht der stanz. Ingenieur Armengaud der erstaunten Menschheit binnen kurzem vorzulegen. Armengaud, der schon vor einigen Jahren Versuche Mit einem von ihm konstruierten „Telespektroskop" gemacht Hal, hat seinen Apparat immer weiter vervollkommnet und umgesormt, und nachdem nun die Grundlagen für die praktische Anwendung erprobt sind uni) sich bewährt haben sollen, soll der erste praktische Versuch nur noch von der Vervollkommnung einzelner Detaüs abhängen. Der Apparat zeigt eine gewisse Verwandtschaft mit dem System der FernphotograpHie, tote Professor Sten
sie ausgebildet hat. Der französische Ersinder stützt seinen Versuch auf eine Ausnutzung der Eigenschaften den Silcninms; den Ausgangspunkt seiner Erfindung bot eine Anregung durch das Wirren des Kinematographen.
— Färb enfreud e. Es ist ein Zeichen unserer Zeit, daß Gemälde und Stiche von den Wänden der Raume unseret neueren und geschmackvolleten Hauset immer mehr und mehr verschwinden und an deren Stelle Farbendrucke treten, die in übet- tafchendet Weise die sarbigen Reize des Originals zu vermitteln vermögen. Der Verlag von E. 91. Seemann in Leipzig hat sich bereits durch die Herausgabe mehrerer großer Sammelwerke um da? Neuerroachen der Fatbenltende bedeutende Verdienste erworben. Die neueste Publikatioii dieses Verlages ist die „Deutsche Malerei des 19. Jahrhunderts" (20 Heite zum Abonnementspreis von je 2 Mk.), ein Unternehmen, baß dem deutschen Hause wieder einen Schah künstlerischen Schaffens zuführt. Heft 1 dieser Sammlung hatten wir neulich hier angezeigt. Jetzt liegen die Lieferungen 2 unb 8 vor. Zunächst rwei Namen von bestem Klange: Leibi unb Lenbach. Ersterer ist mit den „Strickenden Mädchen" au5 der Dresdener Gallerte, letzterer mit einem vornehmen TamenbildniS vertreten, das er mit 24 Jahren gemalt hat, bei dem wir aber schon das Gefühl seiner tünstlcrischen Reife haben. Fr. Voltz malt mit Vorliebe Die kraftvollen, ruhigen Gestalten roeidenden Viehes („Heimtrieb"), Hans von Bartels daS prächtige Bauernvolk Hollands („Aiilchmadchen"). Ed. SchleichS „Landschaft am Ehiemfee" erfreut durch koloristische Schönheit. Im Dritten Hefte finD Maler Der Karlsruher Schule versammelt: LuDwig Till (Po-2midfchaft), Hermann Baisch (Aiaiinorgen), Gnst. Schönleber (Holl. HaienenifahrU, Leopold Graf Kalckrenth (Ge- wuierroolken) und der Akademiker Karl Friedrich Lessing mit seiner ftiltfierten Waldlandfchaft „Tie hundertjährige Eiche".
— Den gegenwärtigen Stand der Homerischen Frage und Die wissenschaftlichen Ergebnisse der Ausgrabungen in Troja und Lenkas-Jthaka bespricht in seinem Vorworte zu der von ihm soeben besorgten Verdeutschung von Friede. Aug. Wolfs berühmten „Prolegomena zu Homer' (Verlag von Phil, Reelam jun. in Leipzig, Umv.-Bibl. 4984—86) Prof. Dr. Herrn. Muchau. Er erwähnt die Ansichten der hauptsächlichsten früheren und wohl sämtlicher gegenwärtigen Homeri'orjcher, die man wohl nach Prof. Christ dahin un wesentlichen kurz ziifainmenfaffkn kann: Ilia« und Odyssee beruhen auf von älteren äolischen Sängern poetisch gestalteten Sagen. Homer kannte durch Sage und Sange bereits die Haupthelden. An den neuen großen Schöpinngen der IliaS und Odyssee haben sicherlich mehrere Dichter gewoben. Tic Odyssee ist jünger als die Illas. Ob beide Epen von demselben Ver'asser sind, ist zweifelhaft. Jedenfalls sind zu der von Homer ucrroeitcrten Ilias mehrere Gesänge hinzugekommen. Die Telemachie scheint ödh irember Hand herzurühren.
— Kleine Chronik aus Kunst unb Wissenschaft. Iit Palermo ist am 27. April der Internationale Posl- livisten-Koligreß eröffnet worben. Zum Präsidenten wurde der russtschc Schrutstöllen Nowikow, zu Ehrenpräsidenten u. a. gewähr: Lubbock, Levoffeur, Bandervelde, Haeckel und Lombroso.
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<■ Ausstellung zu beschicken, die nicht nur einen ungemein mleieflanten H iteurag liefert zur Beurteilung der sozialen Lage der Heiniarbeiter, i»ndern anch beredtes ZengmS ablegt von Der zum Teil bewundernswerten Kunstseitigkeit vieler Heimarveiter. Unsere Die Heini- £ arbeit ausübenden oberhessischen Töpfer sind zum Teil wahre ilünfiler geworden, nicht zum wenigsten durch die verdienstvolle ictigfeit Josts, dieses tüchtigen Mitgliedes der Darmstädter Künstler- Io lonie, und ihre besten Erzeugnisse dürften nicht nur m Frankfurt •tblen, sondern sollten weit über unsere Heimat hinaus bekannt ;pnad)t werden. Es würde ihnen dann bald an Anerkennung und !i»iiijowenig an Auiträgen von auswärts nicht fehlen. ,
-Die „Graf enkam nier" im ® Ito t Her Schlag- lurm. Am Rheinufer in Eltville ragt, umrahmt von großen allen Bäumen, ein alter vielzinniger Tnrm empor, der lehte bt|io- njhe Zeuge von dein im Jahre 1634 niedergebrannten Residenzo ihloß der Biainzer Kiirfurstcn. In diesem Turin oefiudet stch die ioaift schwer zugängliche, mit allerhand interessantem Hausrat an- ;eüillte „Graienkammer", die im Laufe der Jahrhunderte nranche l'eränberuiig erfuhr und jetzt dank den Bemühungen des Cbci:» lotffecS Dr. Mstani nut Regierungsmitteln einer sorgfältigen Re- neoahon unterzogen würbe. Um die Erneuerungsarbeiten hat Itd) allem Bezirkskonfervator Professor Luthmer tu (yKuuiurt verdient gemacht, Dem verschteDene Künstler, Maler unD l)i ID bau er, hel'end zur Seite standen. Zahlreiche KunstfreunDe, an ihrer Spitze ■n Großherzog von Luxemburg, haben für Den altertümlichen : ; ^oum Glasicnster gestiftet. , . , , _ , s
- (Sine Me io vm »e6 erften 11 nie rr.ch S iovbert der i!e ipziqer Lehrervercm, mdem er folgende Satze annahm. 1. ^urch t'tii gegenwärtigen Betrieb des Elementarunterrichts mit feinem Deiirüljten Eiiuetzen und Vorherrschen einer emfcitig geiliig lor- «|«len Bildung (Lesen, Schreiben, zahlemnaßiges Rechnern soime b|e von ihm beanfpruchte hohe Stundenzahl ivird die körperliche lmd geistige Entwicklnng der Kinder gestört, darunter hat auch >°r fuälere Unterricht zn leiben. 2. Um cme rnchge geinnbe Ent. Wluug der Kinder zu sichern, ist L e f e u und S chr e i b e n aus ftti Betriebe des ersten Schuljahres völlig zu en t fern en , Das ^'chnen nur als Anschauungssorm beizubchalten und d e Stunden- i«n auf 12 5cla(,i„lul,en. yn forbern . 1 cme alle SeifteS« unb 'larpei-Eräiie oic|cr Gntwickelltngsstufe beschastigender U e ja mt- j1 u e t l i di t im Freien und im der zugleich Die
fitere Schularbeit am besten vorbereitet. 3. -^lefe ForDerungen ‘“es „freien" Elementarunterrichts sind (selbst unter Beibehaltung


