Ausgabe 
28.2.1908 Zweites Blatt
 
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stellen müssen.

anstatt bisher 15 Jahren eine Prämie erhalten sollen, falls deren Herrschaft mindestens 5 Jahre die Mitglied­schaft des landwirtschaftlichen Vereins besitzt.

München, 27. F«vr. In der heutigen Sitzung der Kam­mer der Abgeordneten teilte her Präsident Dr. Dritter mit, es sei eine Zuschrift des Koburger Landtages eingegangen, in der die Haltung des Bayerischen Landtages gegen­über dem Reichsvereinsgesetz vollkommen gebilligt und seinem Vorgehen beigetreten wird. Die landesrechtlick)« Vereins- und Versammlungsfreiheit müsse unter allen Umständen aufrecht erhalten werden. Die Abgeordnetenkammer hat den Antrag auf baldige Vorlegung eines Gesetzentwurfs zur Einfüh- rung der Verhältniswahlen in den größeren Ge­meinden Bayerns mit über 4000 Einwohnern ange­nommen.

Gerichts 8

ke. Frankfurt a. M., 27. Febr. Ter aus Neu-JsenbuiA gebürtige Musketier Georg Hallst ein von der 11.Kompanie ot* 116. Regiments in Greben hat sich am Vormittag des 16. giouernUis vor. Js. auf der Schiebstandwache in Gießen des Beharren« im Ungehorsam und der Achtungsverletzung u n t e» Gewehr schuldig gemacht. Er mutzte den Machrapport aus Hauptwache tragen und kam gegen u Uhr vormittags zurück m» dein Bescheid, datz der Rapport noch einmal augeiertigt >p_c5 nlüsse, weil er falsch ausgestellt sei. Der wachthabende Entfahrt;-

Wan lese den SießLner Anzeiger größte und reichhMgste Crrgerzeitung Gberhessens mit den VerlagenZamiliendlätter",Landwirtschaftliche Zeitsragen" und dem Kreisbiatt für den Kreis Lietzen.

Auflage über leOOO Expl.

Klle Briefträger, unsere Zweigstellen und die Geschäfts» stelle des Lietzener Anzeigers nehmen Bestellungen auf den Lietzener Anzeiger entgegen.

Die Schlachtvieh- und Fleischbeschatt er», streckte sich in Hessen im 4. Vierteljahr 1907 auf 601 Pferde 4914 Ochsen, 438 Bullen, 9941 Kühe, 10 194 Rinder' 18 379 Kälber, 96 647 Schweine, 5251 Schafe und 6413 Ziegen. In Ober Hessen wurden beschaut 103 Pferde, 866 Ochsen, 199 Bullen, 1665 Kühe, 3198 Rinder, 3298 Kälber, 23 416 Schweine, 1183 Schafe und 1810 Ziegen. Hunde wurden in Hessen nicht geschlachtet.

** Nachahmenswert. Nachdem wir in der letzten Scims- tagsnnmmcr einen Auszug aus dem Jahresbericht dtt hiesigen freiwilligen Sanitätskolonne veröffentlicht haben/ bringen wir im 'Nachstehenden einige Zahlen aus dem uns vorliegenden Bericht der Mainzer Kolonne unseren Lesern zur Kenntnis. Es gingen an größeren Geldspenden in dem zehnjährigen Bestehen ein von: Ernst Nauen's Sammlungen im In- und Ausland und eigenen Stiftungen 2441,50 M., lleberschust eines Konzerts des Mainzer Liedcrkranzcs 795,94 M., Kreisverein vom Roten Kreuz 690,30 M., Zentralkomitee des Roten Kreuzes 500, M., Jakob Rau Erben 500, M., vvm Offiziersverein dreimal 100 und 150 M. zus. 450, M., von einem Freund der Kvlonne dreimal 100 M., zns. 300 M., vom Verein ehemal. Feldartilleristen 292,69 M., Sammlung des Kolonnenführers Wallau 2/8,84 M., Ortsgruppe des Deutschen Flottenvereins 250, M., Rupp'scher Riännerchor Räoguntia: Ueberschub aus Silvesterfeiern 225, 9JL, Mainzer Ruderverein 220, M., Sammlung des Kameraden Fleck 215, M., Ueberschub zweier Sommerseste 184,90, Reinertrag einer Weihnachtsfeier 125, M., Kochkunstausstellung 150, M., Aus den Werning'schen Kriegsieftschelen 114,40 M., Mainzer Schützengesellschaft 100, M., Stadt Mainz für Ko­lonnendienst und Wachm beim Deutschen Feuerwehrfest 100, M., Frau Architekt Suder 130, M., Dr. Steindl und Frau 100M., Landivirrfchaftl. Landes-J ub i laums-Ans stellung 100, M., Eisen- bahnvttwaltung für Ausbildung der Eifenbahn-Sanitüts-Abteilung zweimal 50 M., zus. 100, M., von einem Ungenannten 50, M., dcsgl. für Beschaffung eines Krankenstuhls 50, M., zusam^neit 84,2,57 M. Anbttdem gingen 1907 ein: von zwei Sommer- teften 185, M., Offizierskorps des Landwehrbezirks Mainz 150, M., Mainzer Ztuderverein 50,-^- M., Ernst Nauen 41,50 M., Mainzer Orchester-Verein 30, M. usw., von zusauemen 1038,84 M., austttdem von 204 außerordentlichen Mitgliedern 715,10 M., vom Kriegerverein >225, M. usw. Möge das Be­streben der in uneigennütziger Weife im öffentlichen Dienst der ^cächstenlieve tätigen sreiw. Sanitäts ko könne bei ihrer in aller Kürze ergehenden Einladung zur a n ste r o r d e n t l i ch e n Mit­gliedschaft und zu freiwilligen Beiträgen und Stiftungen auch hier eine freundliche Aufnahme finden.

Falsche Zw e iin a r k stück e. Wie dieZ. s. d. Dilltal" meldet, sind in letzter Zeit sowohl in Dillenburg wie in der Umgegend falsche Zw e i ina r kstü cke aufgetaucht. Vorsicht ist also am Platze.

XX. Leun, 27. Febr. Am Dienstag wurden auf Grube Maria durch herabfallendes Gestein die Bergleute Heinrich Volk-Bissenberg und Johann Stuhl-Leun derart stark verletzt, daß der sofort herbeigerufene Arzt nur den Tod feststellen konnte. Der Fall ist umso be­dauerlicher, als Beide Familienväter sind. Die Gruben­verwaltung soll durchaus unbeschuldigt aus diesem Vor­fall hervorgehen.

§ Mülle, 26. Febr. In dem Versand der Eisensteine von unserem Bahnhof, der von den benachbarten Eisensteingruben bewerkstelligt wird, zeigt sich auch die sckstechte Lage der Eifen- inbuftrie, indem nicht mehr die i'eitljer übliche Anzahl von Waggons zur Verladung gelangen, die Eisensteine hingegen auf groben Lagerhanfen ausgefchichtet werden. Arbeiterentlassungen finden nidjt statt; man spricht aber von einer Beschränkung der Schichten, wodurch der Lohn der Bergleute naturgemätz herabgehen müßte.

Q Laubach, 26. Febr. Lehrer Spilger, der im vorigen Jahre schon als Dirigent des Gesangvereins ,Ein­tracht^ sein 25jähriges Jubiläum feierte, hat schon im vor. Sommer aus Altcrsrücksichten dieses Amt niedergelegt und übernimmt mir bei besonderer Veranlassung, so z. B. bei dem Ständchen, das gestern abend aus Anlaß seiner silbernen Hochzeit dem Fuhrunternehmer Georg Kreiker gebracht wurde, die Leitung des Vereins. Nach langem Suchen ist es diesem gelungen, einen neuen Vereinsdirigenten in Buchführer Else aus Gießen zu finden, der jeden Sonntag mittag die Gesangs-

Ans und LsnS.

Gießen, 28. Februar 1908.

Der Festplatz des deutschen Turnfestes.

Wenn im Juli die Turner aus allen Gauen des Reichs und aus allen Gegeirden der Welt, wo Deutsche wohnen, in Frank­furt einziehen, uni in Kampf und Spiel die Kraft der Glieder zu bewahren, werden sei keinen schlechten Empfang haben. Dafür sorgen in angestrengter Tätigkeit die Lokalausschüsse, die auf Grund der Erfahrungen bei den früheren Turnfesten alles bedächtig und sorgsam vorbereiten. In einer Hinncht haben sie cs leicht: Der Festplatz ist ideal gewählt. Es ist nicht allein die Lage dicht am Hauptbahnhof und an der Grenze des schönsten Viertels der Stadt, die bequeme Verbindung mit allen Stadtteilen, die weite freie Fläche, die Raum für alles und alle bietet. Noch wichtiger ist, daß im Juli die größte und sicher auch schönste F e st h a l l e des Festlandes als Mittelpunkt all des bunten Lebens zur Verfügung stehen wird. Schon ragen über dem gewaltigen Mauernnr k schlanke zierliche Eisengewölbe empor, die sich zur mächtigen Kuppel zusammenschließen sollen. So rasch wird die Arbeit gefördert, daß die Weihe des Hauses zugleich mit den Julifesten vollzogen werden kann. Wie gewaltig groß der Fest­ist, geht daraus hervor, daß die große Festhalle, die über 15 000 Personen faßt, nur eine bescheidene Ecke ausfüllt. Der Platz für die Freiübungen mit seinen 49 500 Quadratmetern ist fast zehnmal größer und auch der anstoßende Geräteturnplatz umfaßt immerhin 11300 Quadratmeter. An diese Plätze schließen sich drei große Wetturnzelte entlang der Emserstraße. Den ganzen Platz aber übersieht man von einer großen Tribüne, auf der auch der Kom­mandoturm angeordnet ist. Im Empfangsgebäude find große Räume für die Presse vorgesehen. Die Varrenttappschule, die in den Bereich des Festplatzes einbezogen ist, gibt den Kamp,- richtern Gelegenheit, sich zu ihren nichtigen Beratungen zurück- zu stehen. Llußerdem ist in ihr eine Ausstellung von allerhand Turner-Literatur und ein Leseraum vorgesehen. Natürlich find auch Vorkehrungen getroffen, daß keiner von den 50 000 Turnern und den 100 000 Zuschauern verhungert und verdurstet. Der Wirtschaftsausschuß hat aus ein tüchtiges Stück des verfügbaren Raumes Beschlag gelegt. Noch ist ein großes Stück Arbeit zu leisten. Aber aus dem Chaos der mannigfachen Vorbereitungen hebt sich bereits in immer klareren Formen das Bild des großen Festes, das sich, wie bestimmt zu hoffen ist, seinen Vorgängern würdig anschließen wird.

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L. U. Landes-Universität. Herr Dr. Franz Nürnberg, 1. Assistenzarzt an der hiesigen Ohrenttinik, der sich für die Fächer der Otologie, Rhinologie und Laryngologie an unserer Universität zu habilitietsen wünscht, hält am Montag den 2. März, 5 Uhr, in der Heinen Aula eine öffentliche Probevorlesung über das Thema: Heber chirurgische Behandlung der Kehlkopf­tuberkulose.

* Aus dem Militärwochenblatt. Bichmann, Lt. im Leibgarde-Jnf.-Regt. (1. Gr. Hess.) Nr. 115, unter Erteilung der Aussicht auf Anstellung im Zivildienst, der Abschied mit Pension aus dem aktiven Heere bewilligt; zu­gleich ist derselbe bei den Res.-Osfizieren des Regiments au- gestellt. Hesse, Lt. der Res. des Großh. Hess. Train-Bats. Nr. 18, mit seiner Pension der Abschied bewilligt.

**Das Jnfanterie-Negiment Kaiser Wil­helm Nr. 116 nimmt noch Freiwillige zum Dienst­eintritt im Oktober d. Js. an, namentlich Handwerker aller Berufsarten. Meldung jeden Dienstag, 10 Uhr vormittags, auf dem Negimentsgeschäftszimmer in der Zeughauskaserne. Meldeschein ist mitzubringen.

* Hessischer H a n d els kam m e rta g u. D e uts ch ei Handelstag. Am 1. März, vormittags 11 Uhr, findet in Mainz im Stadtverordnetensaal ein Hessischer Handels­kammertag und am 20. und 21. März eine Vollversammlung des Deutschen HandelstagS statt. Auf der Tagesordnung stehen folgende Gegenstände: 1. Deutscher Handelstag: De­taillistenkammern, Abgrenzung des Handwerks, Börsengesetz, Scheck und Ueberweisungsverkehr, Scheckgesetz, Sicherung der Bauforderungen, Festlegung des Osterfestes, Arbeitskammern. 2. Hessischer Handelskammertag, außer vorstehenden Gegen­ständen noch: Sonntagsruhe im Handelsgewerbe, Besteuerung der Warenhäuser, Filialen und Konsumvereine, Handelskainmer- gesetz, Fernsprechgebührenordnung.

Die Stemp elabgaben für Radfahrkarten. Da die Stempelabgabe für die Radsahrkarten nicht mehr wie bisher von Januar zu Januar, sondern von April zu April Gültigkeit hat, ist bei der gegenwärtig fälligen Jahreszahlung bei Fahrrädern, für die die Stempelabgabe bis 31. Dez. 1907 entrichtet ist und die Abgabepflicht am 1. Jan. 1908 noch fortbauerte, die Abgabe für die Zeit vom 1. Jan. 1908 bis 31. März 1909, also für ö/4 Jahre mit 6.25 Mk. (= x/4 des Jahresstempels von 5 Mk. mit 1.25 Mk. mehr) zu zahlen.

......... . . - So dienlichste.

'itzblätter ihr Erscheinen ein- ** Ausnahmetarife. Nachdem die Frage der Aufhebung

bezw. Beschränkung der ermäßigten Ausfuhrtarife für

DerReichsanzeiger" veröffentlicht das Gesetz betreffend Stein- und Braunkohlen, Steinst) hlenbriketts und Stein- Bestrafung wegen Maieftätsbeleidigung. kohlcnstiks im preußischen Landeseifenbahnrat kürzlich aus,Anlaß

In der heutigen Sitzung des Bundesrats wurde dem der seit geraumer Zeit bestehenden Kvhlenknappheit und Kohlen- Entwurf eines Gesetzes betreffend Aenderungen des Ge- tstuerung eingehend erörtert worden ist, hat, nunmehr n. d. richtsverfassungs-Gesetzes, der Zivil-Prozeß- Ordnung usw. zugestimmt.

Darmst. Ztg. der Preuß. Minister der öffentlichen Arbeiten und Chef des Reichsamts für die Verwaltung der Reichseifenbahnen die Aufhebung einer größeren Anzahl dieser -laufe ver­fügt. So sollen mit Wirkung vom 1. Okt. 1908 ab außer den im Verkehr nach Italien gewährten besonderen Frachtvergünstigungen die von preußischen und lothringischen Kohlengewinnungsgebieten für die Ausfuhr von Kohlen, dwks und Britttts bestehenden direkten und Grenzübergangs-Ausnahmetarife nach Stationen bc; fran­zösischen Ostbahn, nach französischen Kanalstatlonen und nach Südfrankreich über Belfort, nach der Schweiz, nach Italien, Oefter- reich-Ungarn und nach Rußland Wegfällen, soweit ihre Ein heil s- ,ätze ans niedrigerer Grundlage atü der des Rohstofftarifs be­ruhen. Tie an diesen Ausnahmetarifen beteiligten sonstigen dent- fchen Eisenbahnverwaltungen sind aufgeforbert worben, der für Die preußisch-hessischen und die Reichseisenbahnen getroffenen Maßnahme beizutreten. Aus dem gleichen Anlaß sinb bei der Mehrzahl der deutschen Eisenbahnen vor kurzem die billigen und seither nur für einzelne Verkehrswege in Anwendung ge- Eonumenen Sätze des Rohstofftarifs zunächst bis Ende des Jahres 1909 allgemein auf den Ztvhlenverfand ausgedehnt worden.

der Gemeinde Seligenstadt Rechnung getragen worben wäre. Als Uiber ein so nützliches Verkehrsinstitut noch nicht besitzen, Abg. Köhler dann einen längeren Ritt in die hohe Politik angenommen werden, daß der betr. Reporter unseren unternahm und gegen die uatwnallibeMe Kulturkämpiem ^tebrwürdiqen Ommbusbetrieb bamit gemeint ()at. An eiterte, wurde er vom Präsidenten zur Sache gernsen. uueuiwuwi«» vhujwiwwhw .»

Geheimrat Dr. Eiscnhuth geht auf die Bestimmungen der Sache ist so viel richtig, daß bei de.i Ungünstigen des Schulgesetzes näher ein und betont, daß es sich um die einfache Betriebsergebnisfen der letzten Jahre und angesichts der Ausführung dieser Bestimimungen gehandell habe. Es habe auch Grneuerunqsbedürftiqkeit des Wagenparkes die Betriebs- bislier iwch niemand den Beweis dafür erbracht, daß die Ans- Anstellung nur noch eine Frage der Zeit fein kann. Ser d^ach ^i^n^wchte ^Ahr^ngen des Abg. Dr. Fr en ah Vorstand' und Aufsichtsrat der Omnibusgesellschaft hat wird die Debatte um Vs2 Uhr abgebrochen und die nächste Sitzung aus deshalb beschlossen, der demnächstigen Generalverf ammlung morgen früh 9 Uhr vertagt._________ der Gesellschaft vorzuschlageii, den Betrieb bis zum 1.

Oktober 1909 fortzuführen. Dian hofft, daß es der Stadt- Verwaltung bis zu diesem Zeitpunkt möglich ist, wenig- Ber 1 in, 27. Febr. Das Preuß. Abgeordneten- ften§ eine Linie der in Aussicht genommenen elektrischen etraWn betriebsfertig mrzuleg-n und zwar hält man Bekämpfung der unsittlichen Literatur sei den Po- die £jnie nach dem Friedhof zunächst für die zwett- lizeiverwaltungeii zur ernstesten Pflicht gemacht worden. ~ hätten in letzter Zeit 22 sogen. Witzblätter ihr Erscheiner

ZortbildMgKschulwssen im Meise Mdberg.

Wiederum endigt mit Ablauf diffes R.onats em Fvrlbilbungs- schulkursns im Friedberger -Bezirke. Es findet überall eine ösfcm- liche Schlußprüfung statt. Es wäre sehr zu wünschen, wenn nicht nur die Alitglieder des Schulvorstandes, sondern auch andere Gemeindeglieber dieser Prüfung beiwohnten. Sie würden selbst sehen und hören, was in der Schule gelehrt wird; und manches Vorurteil und manche falsche Bleinnng über Wert und Nutzen des F-oickbilbungsschulunterrichts würde wohl schwinden.

Die Lebrpläne für diesen Unterricht im Friedberger Kreise sind sehr verschieden. Hier wird bereits seit Jahren daraus wesentliches Geimcht gelegt, daß sowohl den landwirtschaftlich als den gewerblich beschäftigten Schülern ein befand er er Fach­unterricht erteilt wird. Tie Schulbehörde hat bei Ausstellung und Festlegung bet Pläne die lokalen Verhältnisse im> weitesten Maße berücksichtigt, ohne die Allgemeinbildung der Jungen außer acht zu lassen. So ist z. B., wie wir hören, in manchen Schulen vas Zeichnen besonders berücksichtigt: in anderen wird, auch da ldo kein landlvirtschajllicher Fachunterricht ftattfinbet, Gewicht daraus gelegt, den Schulern eine elementare naturwissenschaftliche Grundlage für ihren Beruf zu bieten; so hat man in den größeren Gemeinden die Bildung von Fachabteilungen angeordnet, z. B. in verschiedenen Orten 1) Kaufmännische Abteilung,

2) Abteilung für Lederarbeiter,

3) Abteilung für Eisenarbeiter,

4) Abteilung für Lebensmittelversorgung (Metzger, Bäcker)

oder in anderen Orten nur eine Abteilung für Handwerker über­haupt usw. Daher herrscht seit Jahren reges Leben im Fort- bildungsschullvesen des Kreises. fl

Tie neueren Bestrebungen auf diesem Gebiete, das ländliche Fortbilbungsschulwesen in andere Bahnen zu leiten, sind hier schon seit einigen Jahren im Gang. Weisen doch z. B. die seit­herigen Lehrpläne in dem landwirtschaftlichen Unterricht fd;on folgenden Gang auf: '

1. Jahr: Bodenkunde und Düngerlehre,

2. Jahr: Bodenerzeugnisse und Verwertung derselben (Pslanzenbauleh're und Tierkunde),

3. Jahr: Obstbau.

Das im Jahr? 1907 erichienene vortreffliche Buch:Land- wirtlchaftliche Naturkunde von Professor Dr. Gisevius" ist in allen Schulen, in denen eben landwirtschaftlicher Unterricht erreilt wird, bereits für die Klassenbibliothek angeschafft, und es wird zur besseren und praktischeren Erteilung des Unterrichts in der Natur­kunde wesentlich beitragen. Auch sollen, wie man vernimmt Kurse in nächster Zeit für solche Lehrer im Kreise abgeballen werden, die den betreffenden Unterricht ,either gaben und künftig geben. Ta diese Lehrer bereits Erfahrungen auf diesem Unlei> rtchtsgebiete mitbringen, so können die erwähnten Kurse von doppeltem Werte sein. Ein Seininarlehrer, der den Kursus in Gießen bei Prof. Tut Gisevius besucht hat, soll die Vorträge halten. '

Der Friedberger Lehrplan geht nun stofflich noch etwas weitet indem er nicht nur aus dem oben erwähnten Buche das aus- wahlt, was für die Verhältnisse der Schüler paßt, sondern in­dem er 'in einem Jahr nochObstbau" als Jahrespenlum beifügt. Tie landw. Naturrunde (einschl. Obstbau) läßt sich im Streife Friedberg deshalb ohne Schwierigkeir im Lehrplan behandeln, weil m fast allen Gemeinden in Ekenntnis der Vorteile der Fort­bildungsschule für die heramoachsende männliche Jugend sech- Stunden Llnterridji wöchentlich gehalten werden. Ten Unterrid)! inObstbau" halten wir für mt|cre. Wetterauer Verhältnisse sti sehr wichtig. Wir hoffen, daß dieneuere" Richtung die,en Teil des Ährpians beibehält. _ .

Von der Kreisbchörde ist angeordnet worden, daß die ZM der landwirtschaftlich und der gewerblich beschäftigten Forlbil- oungsschüler in den einzelnen Schulen auch in diesem Jahn wiederum festgestellt wird. Es wäre sehr erwünscht, wenn go legentlich diese Zahlen veröffentlicht würden. Sollen doch, namm lieh im Süden des Kreises, Schulen sein, in denen nicht ei^ Schüler landwittschaftiich beschäftigt. Wenn mir nickst irren, so hat vor Jahren ein Regiernngsvertreter inu Landtage solch Zahlen aus dem Kreise Friedberg miigeteilt. Tas Ipt damü: allgemeines Erstaunen erregt. Doch 'wer die Verhältnisse m Kreise kennt, wie namentlich im Süden des Kreises fast alle­in die Städte nach Arbeit geht, dem-waren diese Zahlen nich befremdend. Darum ist die Zahl der Fortbildungsschulen, st denen landwirtsckstiftlicher Unterricht erteilt werdtti tonn, w Kreise Friedberg leider nicht groß. Mancher wird das nutz verstehen können. Doch bedenke man, _ daß nicht wenige Land wirte der Wetterau ihre Söhne in Realschule, Gymnasium,-höl-eu Bürgerschule und in die Ackerbauschule senden; solche Schule: sind vom Besuch der ländlichen Fortbildungsschule befreit. Au« in der Volksschule werden im naturkundlichen. Unterricht du Schüler auf Haus-- und Landwirtschaft hingewiesen, wie über- Haupt von den Kreisbehörden alles geschieht, imi die NeiguN: zum landwirtschaftlichen Berufe und die Anhänglichkeit an du Heimat und daS Landleben bei der Bevölkerung zu fördern uni- zu kräftigem ________________

Universitäts-Nachrichten.

sj Marburg, 26. Febr. Dem Saniiälsrat Dr. Mumni in Chemnitz, der heute sein bOjähriges Doklorjubiläum begme,, wurde von der medizinischen Fakultät der hiesigen Universität da-- Tiplom erneuert. , .

Berlin, 26. Febr. Der Altmeister hellenischer Sprach* uwo Altertumskunde an der Berliner Universität Professor Dr. Ada" Kirchhof ist am 27. d. Ai. im Atter von 83 Jahren g c ft o r b e:.

Kiel, 27. Febr. In der St. Liikolalkirche wurde heute nulte;g für den verstorbenen Wirkt. Geh. Rat Proieffor Dr. v. ESm a r cy eineTrauerseierabgehatten. GeneraljupermlendenlI).Wattroui; hlett die Gedächtiüsrede. Dann ivurde der Sarg von 12 Uniei'" oiftzieren des 85. Jnsantenercgimenls aufgehoben und zu dett Leichenivagen gebracht, worauf sich der Zug unter Boranlritt ocr Kampfgenossen von 1848 und anderer Vereine nach dem Fnedyrii in Bewegung setzte. Die studentischen Korporationen und Tepul^ lionen, soivie viele Leidtragende folgten. Prinz Heinrich legte ici Auftrage des Kaiserpaares zwei Kranzspenden an dein Sarge medci..

** Omnibusverkehr. In einigen auswärtigen Blättern war kürzlich zu lesen, daß die GießenerStraßen- v bahn" demnächst ihren Betrieb einstellen werde. Da wir! schlag gebracht, uaß Dienstboten schon nach 10 Jahren

proben leiten wird.

w. Wetzlar, 27. Febr. Der Vorstand des land­wirtschaftlichen Vereins hat in seiner Generalversammlung beschlossen, das Kreistierschaufeft, O ch s e n f e ft, das alle drei Jahre gefeiert wird, auf Den 9. und 10. Juli fest­zusetzen. Als Festplatz wurde wieder der schattige Hoch­waldFi n st er loh" gewählt. Fenier soll alljährlich Ende März ein Bullenpreismarkt hier abgehalten werden, zu dessen Hebung Stadt- und Kreisausschuß einen gleichen Beitrag in Aussicht gestellt. Sodann wurde in Vor- I schlag gebracht, daß Dienstbote