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29.5.1908 Zweites Blatt
 
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'vielfach kritisiert. Auch Frau £) e b to t g Koch, bte oamals in Vertretung ihres Gatten, Dr. Adolf Koch, das in Grerfswald erscheinende liberale Tageblatt redigierte, machte eine Betrachtung -hierüber und sprach dabei u. a. von Strebertum. Proseswr «Dr. v. Wonckstern stellte deshalb Strafantrag. Der Gerichtshof erachtete eine Beleidigung im Sinne des § 185 Str. G. B. für vorliegend und erkannte gegen Frau Koch auf 5 0 M a r k Gel d - strafe. "Außerdem wurde fic in eine Ordnungsstrafe von M Mk. genommen, weil sie während der Verhandlung die Mitglieder des Gerichtshofs und des amtierenden ersten Staatsanwalts ge­zeichnet hatte. Die Zeichnung wurde beschlagnahmt.

8. & H. M ü n rf) c n, 28. Mai. Nach zweitägiger Verhand­lung ist die Beleidigungsklage des früheren Dirigenten des K a i m - O r ch e st e r s Georg S ch n e e v o g t gegen fünf sru- chere Mitglieder des inzwijcheri aufgelösten Kaim-Orchesters init einem Vergleich beendet roorbeu. Ter Vergleich hat folgenden Wortlaut: 1 .Die Beklagten nehmen die gegenüber dem Privatkläger Schneeoogt erhobenen Vorwürfe des Wortbruchs und der Doppelzüngigkeit als unbegründet zurück. 2. Ter Privatklager erkennt seinerseits an, im Affekt Aeußerungen getan zu haben, ivelche geeignet waren, die Mitglieder des Kannorcheslers zu kränken und zu reizen. 3. Die Beklagten übernehmen ihre Auslagen und die Hälfte der Gerichtskosten, die übrigen Kosten trägt der Privat­kläger. _____________________________

Vermischtes.

* Erdbeben. In der Stadt Kecskemet wurde gestern früh 2Vs Uhr ein Erdbeben verspürt. Auf ein schwaches Beben folgte 15 Minuten fpäter ein stärkeres, das von unterirdischem Getöse begleitet war. Vormittags 9.33 Uhr wurden abermals drei außer - i ordentlich starke Erdstöße wahrgenommen. Unter der Bevölke­rung herrscht eine unbeschreibliche Panik. Die Einwohner flüch­teten auf die Straßen und kehrten nicht in die Häuser zurück. In Reggio di Calabria wurde vorgestern abend gegen 11 Uhr eine heftige Erder schütterung wahrgenommen, die von einem unterirdischen Donner begleitet war. Die Be­völkerung flüchtete zum Teil aus den Häusern. Aus der Pro­vinz /liegen keine Nachrichten vor.

* Die Skandalgeschtchte vom Jesuitenpater Sieprarski, der ein sterbendes tuberkulöses Mädchen ver­gewaltigt haben sollte, wird wie wir in hörGermania" lesen, von der Kölner'Zentral-Auskunftsstelle der katholischen -Presse wesentlich anders dargeslellt. Sieprarski hat hiernach unter Eid ausgesagt, daß er zum kranken Mädchen gerufen worden sei. Dort angekommen, habe er die Kranke gefragt, was ihr weh tue. Daraus habe die Patientin seine Hand auf ihre Brust geführt und gesagt: Hier tut es mir weh! Das sei das ganze Verbrechen Sieprarskis. Im übrigen sei die Kranke hysterisch und geisteskrank. Von der Flucht Sieprarskis nach Amerika sei keine Rede.

Kleine Tageschrouik.

G a r n e g i e, hat 100 000 Tolar für das Gebäude des mittel- amerikanischen Schiedsgerichtes gestiftet.

Graf Konrad Freys in g, Attache an der bayerischen Ge­sandtschaft beim Quirinal, ist 'm ein Pr i e st e r j e m i n ar in ,R o m eingeireten. Freysing gehörte einer alten bayerischen Adels­familie an, die politisch zur Zeutrumsfrattion hält.

' Der bekannte Münchener K u n st h ä n d l e r Johann G e r n e r t wurde wegen umfangreicher B i l d e r s ä 1 s ch u n g c n verhaftet. Es handelt sich um den Verkauf gefälschter Bilder im -Werte von 100 000 Mark.

Massendieb st ähle von Eisen sind im Güterbahnhos Fürth entdeckt worden. Sie wurden seit Monaten verübt. Mcht nur alle möglichen Eisenteile, sondern sogar ganze Schienen avurden gestohlen und an Alteisenhändler verkauft. So wurde bei einer Eisenhändlerin allein ein ganzes Eisenlager aufgefunden. 50 Personen, darunter viele Kinder, sind als zu einer organi­sierten Diebesbande gehörend, bis auf weiteres ermittelt.

Jubiläums-Stiftungen. Wie dieKöln. Ztg." aus V l b e r s e l d meldet, machte die Firma David Peters u. Co. anläßlich ihres Jubiläums Stiftungen und Geschenke im Be­trage von 105 000 Mk., darunter 50 000 Mk. für einen Reseroe- sonds für Arbeiterwohlfahrtszwecke und 30000 Mk. als Ge­schenk für Angestellte und Arbeiter.

Die Columbia-Universität hat dem Professor S ch U' a cf) e r von der Bonner Universität als den ersten Austausch- chrosessor die Würde eines Doktors der Rechte ehrenhalber ver­stehen.

Tas russische Schulschiff Peter W e l i k i ist in der Nähe der Nevalbank auf ein Riff ausgelaufen, aber wieder flott geworden. Zur Untersuchung des Unterwasserteiles wird das Schiff nach Kronstadt ins Dock gehen.

Mißglückter Schmuggel. Aus Newhork wird berich­tet, daß Chinesen versuchten, 12 ihrer Landsleute in den Bereinigten Staaten einzuschmuggeln, indem sie sie zusammen in eilte Kiste verpackten und diese per Bahn expedieren ließen. Als die Kisten geöffnet wurden, waren alle 12 Chinesen tot.

Gin Duell des Prinzen Napoleon Murat. In Petersburg hat ein Duell zwischen dem Prinzen Louis Napoleon Murat, Rutmeister im Garde-Regiment zu Pferde und zwei Marine- Osfizieren, und zwar den Brüdern Plehus stattgefunden. Das erste Duell war resultatlos. Beim zweiten wurde Leutnant Paul Plehns

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durch einen Schuß in die Lunge tätlich verletzt. Prinz Tlurat blieb unverletzt.

Schiffsunfälle. Ter Kapitän des DampfersAulne" berichtet, auf der Höhe des Kaps Chevres dem DampferArmrnga" aus Bilbao begegnet zu sein. Der mit Erz beladene Dampfer war auf einen Felsen aufgerannt und in Gefahr zu sinken. Dte Mannschaft hatte sich bereits in die Boote geflüchtet. DerAulne" nahm die Mannschaft an Bord. Eclair berichtet aus Haltfax: Bei dichtem Nebel erfolgte gestern ein Zusammenstoß zwischen dem DampferBoston" und dem amerikanischen SchonerFaim- fain" in der Ündybai. Der Schoner wurde in der Mitte zer­schnitten und sank sofort. 15 Mann der Besatzung ertranken.

Im Gepäckwagen des transatlant. Zuges, der Passagiere des DampfersTeutonic" transportierte, brach, wie aus Evreux gemeldt wird, unterwegs Feuer aus. Das gesamte Gepäck verbrannte; der Schaden ist sehr bedeutend.

Pest.Pettt Parisien" berichtet aus Hongkongs Trotz­dem die starke Ditze noch nicht eingetreten, werden bereits 470 Pest­fälle in dieser .Saison festgestellt; hiervon 114 während der letzten Woche.

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Essen, 29. Mai. Ter sozialdemokratische Relchstags-Abge' ordnele Molkenbuhr aus Berlin, der gestern abend in eilte: sozialdemokratischen Versammlung sprechen wollte, flt aus der Durch- reife, von Berlin kommend, in Elberfeld von einem S ch 1 a g a n {a 11 ; betroffen worden iiub liegt s ch w e v t rank darnieder.

Innsbruck, 29. Mai. Professor Wahrmund ifl | gestern abend von seiner Urlaubsreife hier eingelroffen.

Wien, 29. Mai. Der gestern hier abgehaltene übern ul stark besuchte niederösterreichische Bauerntag Verl-7 ohne die befürchtete anti-liberale Demonstrcttion. Es wurde tut Resolution angenommen, worin die Regierung energisch cui' gefordert wird, dahin zu lüirfcii, daß die chrichtliche Studeniensch«: in Zukunft an den österreichischen Lochschulen g le ichberech' tigt behandelt werden sollen.

Petersburg, 29. Mai. Zwei als Bauernjungen ret- kleidete junge Männer versuchten Nachts in die in der Nähe bt: N i k o l a l b ck e ankernde kaiserliche PachtStan­dard" c i n z u d r l ir g c n , wurden jedoch von der Wachmamu- schast eixtbccft und der Geheimpolizei übergeben. Dfe Pacht roär einer genauen Untersuchung unterzogen werden, ehe sie nach Pelm- chof abgeht. - -

Athen, 29. Mai. Von der Insel Samos sind h u n d e r: Flüchtlinge in Smyrna emgetrofsen. Sie berichten, daß injolgi der türkischen Truppenlandung auf der Insel Panik herrsche. 5g Gefahr für die Autonomie der Insel besteht, wird die Bevölkeru uj L alle Garantiemächte um die Entsendung von Kriegsschiffen ersuchan.

Londo n, 29. Mai. Dec hier mit dem französischen Pr7s.< dentcn Fallieres emgetroffene Minister Pichon gcw in circtir. Interview einige Erklärungen über den Besuch Fallieres in £oiM. und bezeichnete die Reise des Präsidenten als eine Rechtfer­tigung der Laltung aller derjenigen, die ihr ganj$ Leben lang eine Politik der Verständigung mit Entt- land befürwortet haben und die heute diese Politik in Gesrcl: eines engen und ausdauernden Einvcünehmens triumphieren jeten.

Märkte.

th. Gießen, 27. Mai. Auf dem dieswöchigen Vieh­markt betrug der Aufttieb ca. 1250 Stück Großvieh, 150 Stück Jungvieh, 350 Kälber und 650 Schweine. Aus dem Milchvieh- marit war nach guter Mare starke Nachfrage uiu) die für erst­klassige Kühe angelegten Preise waren sehr hoch. Infolge davon mußte auch Mittelware gut bezahlt werden, während geringere Milchtiere selbst zu schlechten Preisen schwer anzuvringcn waren. TaS Geschäft in Rindern und Sickeren, für Mast- und Zuchtzwecke, das sonst um diese Jahreszeit slott zu gehen pflegt, war recht flau, da bei dem regnerischen Wetter das billige Grünfutter noch nicht zur Verfügung steht. Der für die Zeit kleine Auftrieb war selbst bei billigem Angebot nicht los zu werden und blieb teilweise überständig. Das Geschäft in Fettvieh, das besonders tzn guion Rindern vertreten war, machte sich' recht gut. Es ifl' auffällig, daß fette Kühe und Rinder anfaugen, auf dem Lande wenigstens in unserer Gegend knapp zu werden, während die Ware an den größeren Fleischmär'tten bequem zu haben ist und auch nicht hoch im Preise steht. Fahrochsen waren nicht am Markt, es iuar auch keine Nachfrage danach vorhanden. Einige fette Ochsen wurden glatt abgesetzt. Der Kälbecmarkt zeigte cm recht lebhaftes Bild. Tie Eintäufer für Frankfurt, Wiesbaden unt> Mainz machten den Markt, in den auch heimische Metzger und solche aus der Provinz lebhaft cingriffen, da die Tiere nicht übermäßig hoch im Preise kamen. Der Schweincmarkt war ebenfalls recht lebhaft. Trotz des Anziehens der Preise gegen die letzten Märtte wickelte sich der Landtt leidlich slott ab, da die an den Markt gekommenen Landleuie Kauflust zeigten, was wohl seinen Grund in den wicd.r anziehenden Preisen für fette Schweine hat. Gehandelt wurden: Kühe frLschmelkenb und tragend per Stück 1 Qual. 475525 Mk. (einzelne sehr schvere Exemplare bis 560 Mk.), 2. Qual. 380430 Mk., 3. Qual. 280320 Mk. Junge Rinder und Stiere zur Zucht und Mast per Stück 120 150 Mk., schwere Tiere 160210 Mk., Fettvieh per Ztr. Schlacht­gewicht, L-rinder 1. Qual. 7274 Mk., 2. Qual- 6870 Mk. Kühe 1. Qual. 6668 Mk., 2. Qual. 6365 Mk. Ochsen 7779 Mk. Kälber wurden der Zentner Schlachtgewicht verkauft: 1. Qual. 7276 Mk., 2. Qual- 6670 Mk., 3. Qual. 5662 Mk. Tie Preise auf dem Schweinemarkt stellten sich per Paar Ferkel 46 Wochen alt 3640 Mk., bis 13 Wochen alt 5060 Mk. Läufer 7090 Mk., stärkere Stere 100120 Mk. Außer gering­wertigen Kühen und etwas Jungvieh wurde der Markt geräumt.

fc. F r a n k f u r t a. 211., 29. Mar. (Telegr. Lrig.-Bericln de? Gieß. Anz.".) Amtliche Notierungen der heutigen Viebmarki°. preise. Zrnn Verkartt'e standen: 30 Ochsen, 00 aus Defteneiih 5 Bullen, 00 aus Oesterreich, 79 Kühe, Fersen, Stiere und Nindc' 688 Kälber, 10 Schafe und Hammel, 1142 Schweine, 3 Ziege- ' 4 Ziegenlämmer, 1 Schastämmer. Bezahlt wurden ' ü'J 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen: 1 Qualität 7780 W 2. Qualität 6870 Mk., 3. Qualität 5860 Mk.; Buller ' 1. Qual. 6467, 2. Qual. 5860; Slütje 1. Qualität 7072 M' 2. Qual. 6062 Mk., 3. Qual. 3840 Mk., 4. Qual. 00-00 Ml"' 5. Qual. 0000 Mk. Bezahlt wurden für das Pfund Schlack ^ gewicht: Kälber I. Qualität 98 bis 100 Pfg., Lebendqewiät 5852 Pfg., 2. Qualität 8488 Pfg., Lebendgewicht 48-52. Schlachtgew. 7072 Pfg.; Schafe: 1. Qual. Schlachtgew. 82 HZ 00 Pfg., 2. Qual. 7478 Pfg. Schweine: 1. Qual. '63-00 P Lebendgeivicht 49,500 Pf., 2. Qual. 6162 Pf., LebendgemicN 48,549 Pfg., 3. Qual. 5256 Pfg., Lebendgewicht 00uO Pi,, Geschäft bet Hornvieh gut, Ueberstand unbedeutend; bei Kleinvich gut, kein Ueberstand.

Limburg a. d. Lahn, 27. Mai. Fruchtmarkt. Dmä- schnittspreis pro Atalter. Roter Weizen (nassauischer) 18,00 ML weißer Weizen 00,00 Mk., Korn 15,00 Mk., Gerste 11,40 Mk., Haii i 7.750.00 Mk. nach Qual., Erbsen 0,00 Alk., Kartoffeln 5,50 3)it

Von den Z u ch t v i e h m ä r k t e n des L a n b ro i r t schaftskammer-Anschus seS für Oberhessen. Einrichtung von Zuchtviehmärkten erfreut sich in Züchterkrest n großer Beliebtheit, beim während der am 9. Juni stattsindeiiÄc Schotten er Mar ktfürBogelsberger noch in Vorbereitung ist, hat man auch schon Schritte getan, für die Kreise Alsfeld umi Lauterbach einen Zu chtviehmarkt für Simmentaler, Edc u schwcine und Ziegen auf den 15. Inli in '.'Ilsfeld anzuberaum«, und tinzurichlen. Für den Vogelsberger Markt sind bis jctzi 25 Vogelsberger Bullen und ca. 70 Kühe und Rinder von natty gewiesen rassenreiner Abstammung angemeldet, gewiß ein Berne daß die Anregung auf fruchtbaren Boden gefallen ist und der erHc Versuch, soweit es sieh um die Züchter handelt, als gelungen be- zeichnet werden kann. Älöchlen nun auch die Liebhaber und Räuiti von Vogelsberger Zuchtvieh, insbesondere die Gemeinden die günfiige Gelegenheit zum Erwerb von Zuchtmaterial benutzen und hierdm i dein Unternehmen Lebensfähigkeit geben. Der in Alsfeld ani 15. Juli stattfindende Zuchtviehmarkt wird ivieder mit dem selber Kirschenmarkt in Verbindmig gebracht und ist der fünfte biei.ee Art. Ter günstige Verlauf und der flotte Umsatz der früheiwi 'Märkte bürgen dafür, daß beide Teile, Käufer ime Verkäufer Ijier zu chrem Rechte kommen und die fBcratiftaltimg in Anspri: th nehmen. Als dritter vom Landwirtichaftskammer-Ausschuß unti r- haltener Zuchtviehmarkt kommt noch der im September für Wetterauer Kreise Friedberg, Gießen und Büdingen in Butz da cd stattsindeude hinzu, sodaß c= an Gelegenheit zum Absatz und 81m- laus nicht fehlt und man sich auf diese Märkte schon im oorau; einrichten kann.

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