Nr. 125
Zweites Blatt
“''ISS. Jahrgang
x Freitag 3L-. Mai 145OS
Erscheint tS-Nch mit Ausnahme des Sonntag«.
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Das Haus ist bewohnt.
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27. Mai. Laut den Abend-
h. Frankfurt a. M.
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Die „Siebener ZamlllenblStter- werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreiiblott für den Krtis Stehen" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Seit« fragen- erscheinen monatlich zweimal.
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Die deutschen Geistlichen in London.
Zu einer recht ungünstigen Zeit, während des Besuches KeS Präsidenten Falliöces, sind die deutschen Geistlichen in England eingetroffen. Trotzdem haben es die Engländer bisher an gebührender Ehrung ihrer deutschen Gäste nicht fehlen lassen. Zu Ehren der deutschen Geistlichen fand gestern beim Lordmayor im Mansion House ein Frühstück statt, an welchem auch der Erzbischof von Canterbury, sowie der deutsche Botschafter teilnahmen. Bei der Begrüßung der (Lüste sprach der Lordmayor die Hoffnung aus, daß der Besuch dazu beitragen möge, die Freundschaft zwischen den beiden großen Nationen zu kräftigen. Der llrzbischof sagte in einer späteren Ansprache, daß der Besuch der Stärkung deS Weltfriedens gelte, und daß sie alle davon überzeugt seien, daß der Weltfrieden am besten gesichert sei, wenn Engländer und Deutsche einig seien.
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'lchen Universitäts - Buch- und ©teinöructeucL R. Lange, Gießen.
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Redaktion. Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag.' e=$&>51. Redaktiopu^^K? 5?: TLb-AdruAnzeigerGießem
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GericHtstzaaL.
Berlin, 29. Mai. Tie in Anwesenheit des Kronprinzen vor einigen Monaten vorgenommene Enthüllung des Hardenberg- Denkmals auf dem Berliner TöuhofSplatz beschäftigte am Mittwoch die Strafkammer des Landgerichts. Bei jener Euthüllüugs- feier hielt der Professor Dr. v. Woucksteru - Breslau die rede. Ter Profefior, der hi seinem Militärverhältnis Oberleutnant der Landwehr ist, erschien in Paradeuniform mit Helm. Ehe er die Festrede begann, ließ er die Lchuppen- kette herunter. Dieses Auftreten wurde seinerzeit in der Prelle
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Aniverjstäts-NachrichLen.
— Von der Akademie z u F r a u k s u r t a. M.. Kürzlich hat die zweite Jminatrikulation stattgesunden, wodurch sich die Zahl der neu immatrikulierten Studierenden aus 104 erhöht. Exmatrikuliert wurden 35, sodaß sich zur Zeit einGejamtbestand von 282 immatrikulierten Studierenden ergibt. Bis zum 30. cr. finden noch Emzel-Jmmatrstulatioiieu statt; Anmeldung bei der Quäilur. Tie Geiamtsrequeuzziffer beträgt zur Zeit 527 gegen 346 des vorigen Sommersemestcrs, sodaß wiederum eine ersreuliche Weueieulwiclluug der istkudemie zu kouslatiereu ist. Tic Senckeuberglsche Bibliolhet, welche neuerdings ivie die Sladibibliothek und die Rothschild'jche Bibliothek auch als Ausleihebibliothck der Akademie dient, kaim von den imuiatrikullerten Sludiereiiden auf Grund der Legitimationskartell ohne weiteres benutzt werden.
politische Tagesschau.
„Nationalzeitung" und „Post".
Zu der Blättermeldung über die beabsichtigte Fusion der .Post" mit der „Nationalzeitung- erklärt Kommerzienrat Zärtling in der „Nationalzeitung" u. a., daß er zu dieser Fusion bereits feste Stellung genommen habe. Der politische Teil dec „Nationalzeitung" soll auch in Zukunft wie bisher :,on liberalen Redakteuren und einem liberalen selbständigen Lhefcedakteuc geleitet werden, wie auch die „Post" ihre itgencn politischen Redakteure behält und diese und deren Chefredakteur nicht den geringsten Einfluß auf den politischen Seil der „Nationalzeitung" und deren politische Redakteure ahalten. Auch soll der Chefredakteur der „Post" nicht Ge- fschäftsführer der „Nationalzeitung" werden, als solcher sei »ielmehr bereits ein nationalliberaler Herr vorhanden. Endlich seien die immer wieder auftauchenden Ausstreuungen, die .Nationalzeitung" solle zu einer freikonser- «ativen Zeitung umgestaltet werden, als jeder Unterlage entbehrend zurückzuweisen.
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blättern hat Charles L. .Hallgarten einen großen Betrag für Frankfurter Wohltätigkeits-An-- st alten ausgesetzt. Die Verteilung auf die einzelnen Vereine ist den Testaments-Vollstreckern überlassen. Außerdem hat Hallgarten Wohltätigkeitsanstalten seines früheren Wohnsitzes Newyork mit einem großen Betrage bedacht, dessen Verteilung ebenfalls durch die Testamentsvollstrecker erfolgt.
X. Kassel, 26. Mai. In dec letzten Vorstandssitzung der Landwirtschaftskammer wurde Mitteilung gemacht über das Resultat der Verhandlungen mit der Kasseler Metzger- innung über die Anbahnung eines direkten Absatzes von Schlachtvieh an die Kasseler Metzger. Mehrere Landwirte hatten sich zur Lieferung bereit erklärt, so daß von landwirtschaftlicher Seite der Versuch einer direkten Lieferung an die Metzger hätte ausgenommen werden können. Auch war dec genossenschaftliche Zusammenschluß der viehliefernden Landwirte in Aussicht genommen. Nunmehr hat die Metzgerinnung mitgeteilt, daß sie zur Zeit den Anregungen dec Landwictschaftskannner nicht folgen könne. Dagegen glaubt die Innung, daß nach Fertigstellung des Viehhofes durch Errichtung einer Viehmarktsbank engere Beziehungen zwischen Produzenten und Metzgern geschaffen werden können.
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Ausland.
Zur Lage in Innsbruck. Am 26. Mai nachts kam es auf der Maria Theresienstraße zu großen Demonstrationen der freisinnigen Studenten, weil die katholischem Verbindungsstudenten mit Lampions umherzogcn. Die letzteren flüchteten in einen Gasthof, vor dem sich eine große Menschenmenge ansammelte. Die Wache zerstreute die Demonstranten mb nahm mehrere Verhaftungen dor^
Wie man in Oe ste r re ich geisti ge Bewegungen bekämpft. Der Klerikale Dc. Aldriau, zu dessen Promotion in der Grazer Universität bekanntlich mehrere hundert sibirische Bauern, vom Abgeordneten Hageuhofec geführt, er- i«i)ienen waren, hielt gestern in Pichelsdorf bei Graz eine 8'iede, worin er sagte: Wenn Professor Wahrmund wieder in b er Innsbrucker Universität lesen will, werden 20 000 Tiroler Bauern mit scharf geladenen Stutzen vor der Innsbrucker Universität aufmarschieren.
Die englische Flotte wird zum 30. Juni vollständig mobil gemacht. Darauf werden die Kriegsschiffe n See geehn, um in der Nordsee wichtige Ma- möver vorzunehmen.
Tie in Moskau ansässigen Unterzeichner des Wiborger Aufrufs, darunter der Präsident der eisten Duma, Muromzew, haben ihre dreimonatige Gefängnisstrafe angetreten. Sie wurden von einer großen Volksmenge ins Gefängnis begleitet.
Ans und Lund.
Gießen, 29. Mai 1908.
Lberhefsische Kulturwerke.
Wie die anderen Kreistage der Provinz bereits früher, U befaßte sich in seiner Sitzung vom 27. d. Nt. auch der Kreistag des Kreises Gießen mit der geplanten Errichtung fhncS Wasserwerkes 1 n Inheiden und eines Elek- t nzität Zweckes in Liß berg. Oberingenieur Müller Enterte an Hand der Pläne eingehend die beiden Projekte, luorauf Geheimerat Dr. Breidert diese Angaben durch Mit- lalung dec voraussichtlichen Kosten der Anlagen und des Betriebes, sowie der zu erwartenden Einnahuien ergänzte. Ser Kreistag beschloß hierauf einstimmig, die Ausführung dec beiden Pcojekte zu befürworten. In Anschluß an die Sitzung fand eine Besichtigung der neu- michteten Kreis-Sammelwaseumeistecei bei Garbenteich und b'!s Quellengebietes bei Inheiden statt.
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Jugendfürsorge in Hesse»..
Staatsminister Ewald hatte bei Besprechung des ikipitels Jugendfürsorge in der jüngsten Vecsamiuluug duc Vereinigung für gerichtliche Psychologie und Psychiatrie ">cch dem Vortrag des Amtsgerichlscats Allinenröder- i?iankfuct auch für Hessen weitere Maßnahmen aus diesem iwchtigen Gebiet als m Vorbereitung begriffen bezeichnet. Ächt hat nun das hessische Justizministerium em Aus schreiben wlassen, nach dem an den Amtsgerichten alle auf ^endliche bezügliche Geschäfte, besonders die ^rmundschaften, die Zwangserziehung, die veran wörtliche ^rnehmung, sowie die Untersuchung und Aburteilung von ^cafsachen und dergl. tunlichst m
einigt werden sollen. Natürlich wird für em solches Amt [ld§ ein älterer, erfahrener Richter auSgewahlt werden, dessen Kindliche Vertrautheit auf diesem Gebiete eine möglichst m- bäüduelle Behandlung garantiert. Mau darf diese Maßnahmen des Justizministeriums mit gcogec Besciedigung e- Mßen; sie wird die rationelle Jugendfürsorge m Hessen i> «cifellos wesentlich fördern und unterstützen.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Sberheßen
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•• Ordensangelegenheit. S. K. H. der Großherzog haben dem Landgerichtsrat Karl Wiener in Gießen die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen der ihm von Sr. Maj. dem deutschen Kaiser und König von Preußen verliehenen Roten Kreuz-Medaille 3. Klasse erteilt.
** Landwirtschaftliche Studienreise nach den Niederlanden. Die Landwirtschaftskammer für das Großherzogtum Hessen veranstaltet Anfang Juli eine landwirtschaftliche Studienreise auf die Dauer von acht Tagen nach den Niederlanden. Es wird dabei Gelegenheit geben, die hochstehende Viehzucht und Viehmärkte in der holländischen Provinz Friesland, den Ackerbau in der Provinz Groningen, den Gemüse- und Obstbau, Gärtnereibetrieb in Nordholland und in Westland zu besichtigen. Die Reise dürste Gelegenheit geben, in kurzer Zeit einen schönen Ueberblick über den Stand der Viehzucht, des Ackerbaues, Gartenbaues, feldmäßigen Gemüsebaues in den Niederlanden zu gewinnen und die Teilnehmer zu befriedigen. Anmeldungen praktischer Landwirte, die sich an der Studienreise zu beteiligen gedenken, sind alsbald an die Landwirtschastskammer, Darmstadt, Reinstr. 34, I., zu richten.
** Nachweis d e r Befähigung zur Übernahme eines Kirchenamtes, lieber den Besitz der nach den Artikeln 1 und 4 des Gesetzes, die Vorbildung und Anstellung der Geistlichen betc., vom 5. Juli 1887 zur lieber- nähme eines Kirchenamtes notwendigen Eigenschaften haben den Nachweis erbracht die kathol. Geistlichen Gg. Dickenberger auS Ilbenstadt, Lorenz Eckstein aus Klein-Breiten- bach, Joh. Helmling aus Heppenheim a. d. B., Anton Jung aus Oppershofen, Gg. Jung aus Klein-Auheim, Jos. Mathes von Forslhaus Lauschhütte bei Kreuznach und Karl Schwenk aus Frankfurt a. M.
"Eine Sitzung des Provinzial-Auschusses findet am Dienstag, den 12. Juni d. I. vormittags 12 Uhr mit folgender Tagesordnung statt: 1. Enteignung von Gelände in Klein-Linden zur Herstellung von Schneeschutzanlagen; 3. Enteignung von Gelände zur Verbreiterung des Mittelwegs in Gießen.
•* Lehrergehalte. Aus Lehrerkreisen geht uns die Mitteilung zu, daß der Inhalt unserer Notiz über „Aufbesserung der Lehrergehalte" den Tatsachen nicht völlig entspricht. Das Gcoßherzogliche Steuerkommissariat hat nur mit Rücksicht auf die am 26. März d. I. in der Stadtverordnetenversammlung beschlossene Ausbesserung der Lehrergehalte die Lehrer um erneute Abgabe einer Steuererklärung ersucht, obgleich die ministerielle Genehmigung dec neuen Gehaltsordnung noch aussteht. Es ist aber nicht richtig, daß der den Lehrern pro 1908/09 behändigte Steuerzettel schon nach den neuen Gehaltssätzen aufgestellt ist. Wohl aber sind im neuen Voranschlag der Stadt Gießen — dec wahrscheinlich au eh Großherzoglichem Steuerkommissariat vorliegt — bereits die erhöhten Gehalte für die Lehrer eingestellt.
** Gerichtschemiker Dr. Popp in Frankfurt ist als gerichtlicher Sachverständiger für das Großherzogtum Hessen ernannt worden.
♦* Die Einnahme aus dem Oktroi hat im Rechnungsjahre 1907/08 den voranschlagsmäßigen Betrag von 120 000 Mk. erheblich überschritten. Der Netto-Erlös betrügt 6200 Mk. mehr als im Vorjahre. Trotz der recyt hohen Fleischpreise hat sich der Konsum besonders in Schweinefleisch, vermehrt, wurden doch gegen das Vorjayr ca. 200 Schweine mehr im Schlachthause geschlachtet.
** D i e Brauerei Friedel u. A s p r i 0 n stellt, laut vertraglicher lleberemtunft ihres Besitzers Asprwn, den Betrieb ein. Die Firma Hildebrand in Pfungstadt, die in die bestehenden Verträge eintritt, errichtet hier eine Geschäftsstelle, die die seither von der Firma Friedel u. Äsvrion beziehenden Abnehmer mit Pfungstädter Bier versorgt. Wie man hört, handelt es sich um jährlich 20 000 Hektoliter. Die Zahl der hiesigen Brauereien sinkt damit auf 2 herab.
** Brandausbruch. Am verflossenen Mittwoch abend gegen 10 Uhr bemerkten Anwohner der Weidengasse, daß aus einem Hintergebäude der Kaufmann Kuder scheu Be- siizung am Neuenweg Rauch aufstieg. Es sand sich, daß in einem verschlossenen Raum des 2. Stockes die dort ausbewahrten Vorräte an Waren, Kisten usw. brannten. Der Schlüssel zu dem Raum war nicht aufzusinden und so mußte die Türe erbrochen werden. Das Feuer wurde abgelöscht und ein Umsichgreifen verhindert, lieber die Entstehungsursache herrscht noch Dunkel, die eingeleitete Untersuchung wird wohl Licht in die Angelegenheit bringen. Ein Glück war es, daß das Feuer sruh- zeitig bemerkt wurde, sonst wäre ein Großfeuer unausbleichbtich gewesen, da an der Stelle eine Anzahl alter Holzgebäude dicht aneinanderhäugeu und genügende Nahrung boten.
-l Steinbach, 20. Mai. Ter vor zwei Jahren gegründete Turnverein errang bei der Gauiurufahrr nach Burg- Zväsenrode, der ersten, an der er teilnahm, 7 Preise. Tiefe schönen Erfolge des noch jungen Vereins wurden von Jung und Alt freundlich begrüßt. Tie preisgekrönten Turner wurden am Eingang des Torfes ^abgeholt und ein Fackelzug verherrlichte den Schluß der Feier.
g. Bad-Nou heim, 28. Mai. In der gestern Abend in dec Turnhalle hier ftattgefunbeneu zweiten außerordentlichen General-Versammlung des Spar- und Vorfchuß- uereinS wurde nun endgiltig die Umwandlung der Gesellschaft in eine solche mit beschränkter Haftpflicht beschlossen. Von 61 erschienenen Mitgliedern stimmten 59 für und 2 gegen die Umgestaltung.
— Friedberg, 26. Mai. Von den 72 Gemeinden unseres Kreises erhebt Bodenrod mit 222,479 Proz. Zuschlag auf die doppelten Grundzahlen und die ganzen Einkommen- steuccbeträge die höchsten G em ei nd eu mla g e n, nämlich 2700 Mk. Alle übrigen Gemeinden erheben unter 200 Proz., am wenigsten Stammheim mit 35,429 Proz. — 4000 Mk. und Kaichen mit 40,139 Proz. ---- 4250 Mk. Friedberg mit Fauerbach erhebt 218 786 Mk. — 96 Pioz., Bad Nauheim 286 273 Mk. — 123,6 Proz., Butzbach 64,700 Mk. = 88.957 Proz. und Vilbel 67 500 Mk. = 112,344 Proz.
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§ Mücke, 27. Mai. Das in früheren Jahren allseitig beliebte und stark besuchte Jugend fest in Mücke soll dieses Jahr wieder stattfinden.
□ Elpenrod, 27. Mai. Recht unangenehme Erfahrungen haben gegenwärtig unsere Landwirte mit ihren ausländischen Arbeitern gemacht, sie sind einfach — dilrchgegangen. Die von der russischen Grenze und au§ Oberschlesien (Oesterreich) in dec Zahl von 30—40 gekommenen Arbeiter und Arbeiterinnen wollten näwlich bei einander beschäftigt bleiben und sträubten sich gegen eine Verteilung auf verschiedene Ortschaften. Sie versammelten sich Sonntags und haben das Weite gesucht. Eine andere Schar dieser „Sachsengänger" war statt nach Köln auf den Seligenhof bei Ulrichstein dirigiert worden. Dieser Hof war aber bereits mit ausländischen Arbeitern versehen. Mittellos mußten nun die armen Fremden zurück zur Bahn nach Mücke. In Ruppertenrod unterstützte man die Hungrigen, die tuenig oder gar fein Deutsch konnten, durch milde Gaben. Wie die Arbeiter nach Köln ohne Mittel gekommen sind, entzieht sich unserer Kenntnis. Von den ausgerissenen Russen ist einer wieder zurückgekehrt nach Zcilbach, wo er im Dienst beim dortigen Bürgermeister gestanden.
RB. Darmstadt, 29. Mai. (Telegr.) Ein auS Potsdam gebürtiger Soldat des hiesigen Trainbataillons verübte am Mittwoch Abend Selbstmord. Er hatte sich schon am Dienstag Abend aus der Kaserne entfernt und seine Uniform, die ec an einem Baum in der „Scheppen" Allee auf» hing, mit Zivilkleidern vertauscht. Am Aiittwoch Abend brach er in einer Wirtschaft in der Artilleriestraße ein. Er wurde vom Wirt überrascht und kurzer Hand im Zimmer eingeschlossen. Als die von dem Wirt herbeigerufene Polizei erschien, fand man den Einbrecher tot vor. Er hatte sich zwei Revolverschüsse beigebracht.
— Fellingshausen, 28. Mai. Ein großer Leichenzug bewegte sich gestern nachmittag nach dein Friedhöfe. Die ganze Gemeinde nahm herzlichen Anteil an dem Unglück, von dem eine hiesige Familie im fernen Lothringen betroffen wurde. Der 27jähcige Steiger Wagner ist am Samstag abend 6 Uhr zu Deutsch-Oth, uweit der belgischen Grenze, bei Ausübung seines Berufes von ruchloser Ntöcderhand erstochen worden. Die Schicht hatte bereits begonnen, als sich ein Hausierer einstellte, der an die Bergleute Messer 2c. verkaufen wollte. Als ihm dieses von dem Beamten nicht gestattet wurde, da die Arbeiter schon angefahren waren, ergriff der Fremde ein großes Schlachtmesser und traf Wagner so tief in die Seite, daß dessen Tod sofort eintrat. Eine Deputation von drei Bergleuten unter Führung eines Beamten waren mit Jahne au5 Deutsch-Oth zum Begräbnis erschienen. Eine Witwe mit ihrem Kinde haben mit Wagners Tod ihren Ernährer verloren.
s. Marburg, 27. Mai. Die urplötzlich durch das Hochwasser mitten in die Stadt an die Weidenhäuser Brücke „verlegte" städtische Badeanstalt hat man jetzt, damit sie nicht noch weiter treibt, mit schweren Ketten an ein am Lahnnfer stehendes Haus befestigt, dessen Ankauf durch die Stadt in dec letzten Stadtverordnetensitzung abgelehnt worden mar, weil man es als in hoheiii Grade bau fällig bc-
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