Ausgabe 
29.1.1908 Zweites Blatt
 
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bem Staate, der Allgemeinheit, erwachsenden Nachteile in steuer­licher Beziehung einen gerechten und angemessenen Ausgleich herzustellen. Heute aber würde dem seßhaften Geschäftsmann die Ausübung seines Rechtes in einer Weise erschwert, die eher einer Entrechtung gleichkornrnc und es sei Sache, des Staates, denParasiten am Leibe des Volkswohlstandes" ent- gegenzutrcten. Dies seien:Tic Konsumvereine unter sozial- denwkratischcr Leitung, die Beamten-Konsumvereine und die Warenhäuser." Ein selbständiger Geschäftsmann sei als Steuer­zahler ein wichtiger Faktor des Staats- und Gemeindelebens. Die Großinagazin-Konsumvereine re. brächten dem Staate kei­neswegs das 50 fache an Steuern ein. Doch abgesehen von dieser finanziellen Seite sei der selbständige Geschäftsmann, der selbständige Handwerker eine kräftige Stütze des Staats­wesens.

Die Regierung hat auf die Vorstellung eine eingehende Ant­wort erteilt. Sie lehnt es ab, auf die Frage der Sonderbe­steuerung von Konsumvereinen und Warenhäusern einzugehen, stellt dies aber für die zur Beratung eines zu erwartenden Gemeindestcuerentwurfs in Aussicht. Der Ausschuß beschloß deshalb, gegenwärtig von einer Behandlung dieser Fragen ab- zusehen und die Vorstellung für vorläufig erledigt zu erklären.

Abg Molthan weist darauf hin, daß die Petenten von der Regierung auf das Erscheinen der Gemeindesteuervorlage vertröstet werben. Er bitte um Antwort, wann denn das so viel angekündigte Gesetz endlich erscheinen werde. Weiter tritt der Redner eingehend für die in der Vorstellung geäußerten Wünsche ein und erklärt sich namentlich im Einverständnis mit feinen Parteifreunden bereit, eine Besteuerung der Waren­häuser und der Filialgeschäfte in die Wege zu leiten.

Abg. Dr. Osann ist der Ansicht, daß der jetzt vor­liegenden Vorstellung sehr bald noch viele anoere folgen wür­den. Die Forderung einer Besteuerung der Warenhäuser und der Filialgeschäfte werde im Lande allgemein erhoben und man werde auch an deren Berechtigung nicht mehr zweifeln können. Durch die schwere Konkurrenz der Warenhäuser seien schon zahllose Existenzen zugrunde gerichtet worden. Bedauer­lich sei, daß das Gcmeindeumlagengesetz noch immer nicht zur Erledigung gebracht werden könnte. Natürlich dürfe ja bie beantragte Steuer nicht zu einer Erdrvsselungsiteuer werden, aber eine ganz erkleckliche Einnahmequelle könne daraus für den Staat immerhin erschlossen werden. Der große Vorteil, den die Warenhäuser haben, liege in der baren Zahlung, die jeden Verlust ausschließe. Geradezu gefahrdrohend sei die ra­pide Vermehrung der Warenhäuser. Es müsse den Gemeinden doch die Möglichkeit gegeben werden, diese Geschäfte ebenfalls in angemessener Weise zur Besteuerung heranzuziehen. Die von den mittleren und kleineren Geschäftsleuten beklagten Miß­stände schrieen geradezu zum Himmel und er hoffe, daß sie auch von der Regierung gehört werden und diese Anlaß neh­men werde, im Interesse der Erhaltung eines gesunden Mittel­standes schleunigst Abhilfe zu schaffen.

Abg. Adelung meint, er könne sich darin den beiden Vorrednern anschließcn, daß noch immer keine neue Gerneindc- steuerumlage vorgclegt worden sei, die doch schon in der Thron­rede angekündigt worden war. Redner erklärt dann, daß er sich mit der Besteuerung der Konsumvereine, wie die Vorredner es wünschten, nicht einverstanden erklären könne; er halte es auch für ungerecht, die Beamten von der Beteiligung an Kon­sumvereinen ausschließen zu wollen. Auch die Berechnung der Steuer nach dem Umsatz halte er für bedenllich, denn dadurch würden auch die Kleinkausleute getroffen werden. Dagegen sei er mit dem Vorredner darin einverstanden, daß die Minder­bemittelten unterstützt und die besitzenden Klassen stärker heran­gezogen werden sollten. Der jetzt vorgeschlagene Weg der Sonderbesteuerung erscheine ihm aber nicht der geeignete dafür.

Minister Braun erklärt bezüglich der Anfragen über die Gemeindesteuervorlage: Die Vorarbeiten für das wieder vorzu­legende Gesetz seien jetzt tatsächlich abgeschlossen. Die Haupt­schwierigkeiten hätten auf dem Gebiet der Gewerbesteuer ge­legen. Noch ganz beim Abschluß der Erwägungen und Arbeiten seien der Regierung zahlreiche Vorstellungen von Petenten über­mittelt worden, so namentlich auch von den Handelskammern zu Worms und Gießen. .... . , -

Tie Regierung habe geglaubt, diese Eingaben nicht unberuck- sichttgt lassen zu sollen und sie beabsichtige über alle neu an­geregten Fragen noch erst den zunächst zusammentretenden Han­delskammertag zu Höven, namentlich auch dessen Anschauung Über eine Warenhaus- und Konsumvereinsbesteiierimg.

Abg. Reinhart wendet sich besonders gegen die sozial­politischen Ausführungen des Abg. Adelung, dessen Standpunkt der des laisser-faire, laisser Passer sei. eeine Partei denke ent­gegengesetzt und werde alles tun, um einen gesunden Mittelstand zu erhalten. Es sei auch eine völlig falsche Behauptung, daß der Zolltarif den Mittelstand geschädigt habe. Redner bittet, die Einbringung des neuen Gemeindesteuergesetzes möglichst zu be­schleunigen.

Abg. Wolf wendet sich ebenfalls gegen verschiedene Aus- ftchrungen des Abg. Adelung und dessen Anschauungen über Liberalismus und Zolltarif.

Abg. Raab stimmt dem zu, daß die Lage des Mittelstandes geradezu traurig sei. Er sei aber über die Ursachen des Nieder­gangs anderer Meinung und behaupte, daß sie in der herrschenden kapitalistischen Wirtschaftsentwickelung zu sud#n sei.

Abg. Braun wendet sich mit scharfen Worten gegen den Vorredner. Er könne nicht zugeben, daß man den Mittelstand zu Grunde gehen lassen solle, weil diese Entwickelung angcMuf) nicht aufzuhalten sei, sondern könne verlangen, daß alles zur Hebung und Kräftigung des Mittelstandes geschehe.

Abg. Molthan^ äußert fein Befremden darüber, daß man erst jetzt kurz vor Schluß des Landtags höre, die schon in der Thronrede angekündigte Gemeindesteuervorlage werde erst den nächsten Landtag beschäftigen. Tas Erfreulichste an ber heutigen Debatte sei, daß die große Mehrheit des Hauses, außer der Sozial­demokratie, bereit sei, an einer gesunden Mittelstandspolitik teil­zunehmen. Man dürfe nicht mit verschränkten Armen dabei stehen und zusehen, iure der Mittelstand mehr und mehr dem Proletariat verfällt. Zn betreff der Vorstellung betone er, daß man unterscheiden müsse zwischen den ländlichen Einkaufsgenossen­schaften und den Gcnofsenschaften, die in direkten Wettbewerb zu den ansässigen Kaufleuten treten. Bez. des Zolltarifs ständen die Parteien, die ihn geschasfetl, auch nach den Erfahrungen, die man damit gemacht, entschieden noch auf ihrem früheren Stand­punkte. Es gelte den Mittelstand hochzuhalten gegen die Macht des Großkapitals.

Abg. Tr. Osann bemerkt, kein Mensch glaube heut mehr, daß die Verteuerung der Lebensmittel vom Zolltarif herkomme. Das behaupteten auch selbst die Sozialdemokraten nicht mehr, auch der Vorwärts nicht. Und wenn aus die Steigerung der Lebensmtttelpreise hingewiesen werde, so habe doch auch eine ent­sprechende Lohnerhöhung stattgefunden, was selbst bie Sozial­demokraten nlcht bestreiten. Die Konsumvercine, die sich meist in der Hand der Sozialdemoi'raten befänden, würden timt dielen nicht im Interesse der armen Arbeiter gehalten, sondern weil fie ein politisches Agitations- und Machtmittel für die Partei sei. Bei dem hohen Gewinn, den sie erzielten, sei auch eine ange­messene Besteuerung am Platze.

Abg. Orb erblickt in dem Freibleiben der läudlickien Ge­nossenschaften von der SBefteucrung eine Ungerechtigkeit, die seine Partei nick)t mttmachen werde.

Abg. Adelung stellt eine frühere Bemerkung dahin richtig, daß er nicht den Untergang des Mittelstandes herbeiführen wolle. Er sehe aber keine Möglichkeit, Die Eniwicielung auszu­halten uno dce Konsequenz dieser Entwickelung sei eben der Unter­gang: es fei nicht angängig, dem Rad der Zeit in die Speichen zu greifen und es habe sich schon inandxr den Finger daran zerquetscht, ohne etwas zu erreichen. Auch nach seiner Meinung sei es keine Steuergleichheit unD Gerechtigkeit, daß die ländlichen Einkaufsgenossenschaften tret bleiben sollen. Zu einer gesunden Mittekstandspolitit werde auch leine Partei bereit sein. Er halte aber den vvrgeschlagenen Weg nicht sür einen gesunden.

Nach weiteren Bemerkungen der Abgg. Bähr, ^ber gegen den Vorredner polemisiert), Molthan und Orb schließt bie

Debatte und das.HanS nimmt mit großer Mehrheit den Antrag der A u s schn ß mehr he i't an.

Die Vorstellung des Ortsvorstandes von Freiensteinau, bett', die Errichtung eines A m t s g e r ichts daselbst, wird vom Hause für erledigt erllmc, nachdem Abg. Bähr ihre Annahme empfohlen und Staall .Uster Ewald dargelegt hatte, daß gar kein Bedürfnis für ein .ttsgericht daselbst vorhanden sei. Bezügll der Rückäußerung der > iten Kammer über den Antrag der Abgg. Ulrich und Gen. au, Entschädigung für u u sch uldig erlittene Unters: ungshaft, beichließt das Haus ohne Debatte auf seinem fr. eren Standpunkt zu beharren und bezügl. des Anttags Ulrich und Gen., die .. rb eiter und Hilfsange­stellten in den Staatsbetrieben stimmt das Haus nach längerer Begründung des Antrags durch den Abg. Orb dem Antrag der Ausschußmehrheit zu. Nachdem noch einige Hunde­steuerreklamationen erledigt worden sind, vertagt sich das Haus auf morgen früh 9 Uhr.

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Der Gesetzgebungsausschuß der Zweiten Kam­mer wird am kommenden Samstag unter Vorsitz des Abg. von Brentano eine erneute Sitzung abhaltcn, um Über die Wahl­rechtsvorlage zu beraten.

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Beiträge an bedürftige Gemeind en zu den Kosten für Wasserleitungen. Die Abgg. Tr. Weber und B r e i m e r beantragen die alljährlich von der Landesbrand­versicherungskammer für diesen Zweck zur Verfügung gestellten Mittel im Hauptvoranschlag alljährlich in Einnahme und Aus­gabe zu stellen. In der Begründung des Anttags wird ans- geführr, daß von der Brandversicherungskammer Zeitungsnach­richten zufolge 40 000 Mk. zur Verfügung gestellt worden seien, nachdem die früher vom Staat geleisteten Zuschüsse nicht mehr in den Voranschlag eingestellt und ihre im vorigen Jahr bean­tragte Wiedereinstellung von der Regierung abgelehnt worden sei. Der vorliegende Antrag verfolge den Zweck, daß die Lokal­behörden, Gemeinden und Landstände möglichst frühzeitig davon Kenntnis erhielten, welche Mittel für Unterstützung hilfsbedürf­tiger Gemeinden zur Verfügung stehen.

Die Errichtung einer Gcstütsstation im Kreise Schotten und zwar im südwestlichen Teil desselben beantragt Abg. Dr. Weber. In der Begründung des Antrags heißt es, der Kreis schotten sei der einzige Kreis des Landes, der keine Gestütsstation besitze. Die Pferdehaltung habe aber auf der Südwestfette des Vogelsberges in solc^rn Maße zugenornrnen, daß die Errichtung einer Station als dringendes Bedürfnis zu betrachten sei, das mit jedem Jahr noch zunehme. Als Sitz der Station wird Ulfa in erster Linie vorgeschlagen, das die meisten Pserde unter den Gemeinden des Kreises Schotten be­sitze und etwa 20 Kilometer von den nächsten Gestütsstationen (Hirzenhain, Grünberg, Engelrod und Daucrnheim) entfernt sei. Ulsa liege im Mittelpunkt von 27 Dörfern mit 1300 Pferden, und die Stallungen könnten dort leicht beschafft werden.

Mit der Halte st ele Garbcnteich beschäftigen sich zwei von Abg. Köhler überreichte Eingaben der Gerne in - o e n Grüningen unb Dors-Güll. Beibe Gemeinden sprechen sich für die Verlegung ber Haltestelle aus. (Wir kommen auf die Angelegenheit noch zurück. Red.)

Eine Regierungsvorlage, die der zweiten Kammer zugegangen ist, betrifft die Abänderung des Gesetzes über bie Ruhege- haltsv crhältnisse und die Versorgung der Hinter­bliebenen der im Hessisch-Preußischen Gemein­schaft s d i c n st angestellten StaatSeisenbahnbeamten unb des Gesetzes über die anderweile Bcmejsung der Bezüge für bie Hin- terutiebenen der im Gemeinschaftsbienst angestellten Staatsciscn- bahnbeamlen. Die Vortage bezweckt die Gleichstellung der hejjischen mit den preußischen Beamten.

Ter Verlängerung des Gesetzes über den Verkehr mit Fahr­rädern unb Automobilen auf öffentlichen Wegen, Straßen unb Plätzen auf unbestimmte Zett, die von der Regierung be­antragt wird, beantragt der zweite Ausschuß, zuzustimmen.

Abg. Molthan beantragt eine Abänderung des Han- delskammergesetzes unb zwar Aufhebung der Bestim­mung, datz bas Wahlrecht durch einen Stellvertreter ausgeübt wird.

Gießener Strafkammer.

)( Gießen, 28. Januar.

Ein teurer Besen.

Im letzten Monat tarn der in Friedberg wohnhafte Gärtner L. R. aus Neudorf (Posen) zu einem Karwffelhänbler, um Kartoffeln abzuholen. Nach jemem Weggang wurde em kurz zuvor benutzter Befen, der im Hofe gestanden haue, vermißt. Em Arbeiter baue R. beobachtet, wie er nach dem Weggang mit den Kartoffeln aus einem Nachbarhofe einen Bejen holte, den er offenbar dort versteckt hatte. Es ivurde versucht, ihm den Befen abzunehmen, er behauptete aber, diefer fei fein Eigentum, er habe ihn joeben bei einem Kaufmann erworben. Später tarn er wieder in den Hoi und behauptete, er habe fernen neuen Befen im Hofe stehen lassen und den gebrauchten versehentlich mitgenommen. Tatsächlich wurde jetzt auch ein neuer Befen ge'imden, von dem aber an­genommen werden mußte, daß er nachträglich huigebracht worden ist. Tie FesisleUungen ergaben, daß R. den Bejen kurz nachdem er auf der Straße angehauen ivorden war, gekauft hat, um sich jo einen Enllaslungsbeweis zu sichern. Da er em wiederholt rück­fälliger Dieb ist, der sich auch bei den früheren Straftaten mit großem Raiftnemenl aus der Affäre zu ziehen verjucht hat, hielt das Gericht eine Gefängnisstrafe von 6 2Ui o n a t e n für angezeigl.

Frankfurter Besuch.

Im letzten Herbst wurden hier eine Reihe von Dieb- siählen verübt. Nach der Art der Ausführung bestand kein Zweifel, daß sämtliche Einbrüche von gewerbsmäßigen Einbrechern verübt worden sind. Der Arbeiter I. G. von Frankfurt a. Ü)i., der in genannter Nacht hier gejehen worden war, wurde bald darauf verhaftet. 9tad) längerem leugnen gab er an, er habe in der Herberge-zu Franknirt einen Mann getroffen, der sich Start Schäfer nannte, dieser habe ihn veranlaßt mit hierher zu fahren, um Arbeit zu juchen. Er fei hierher gefahren in der Annahme, bei einem Schausteller Arbeit zu finden, da damals gerade Markt war. Sie kamen nach 9 Uhr abends hier an und hätten kein Nachtlager gefuitden, und da sie mUteUos waren, hatten sie sich entjchlosjen einzubrechen. Sein Komplize, der sehr Itadtkulidig ivar, jei dann m eine in der West-Anlage befindliche Schlofjerwerkstätte gegangen und mit einer Reihe von Dietrichen unb einem großen Meqel zurückgekehrt. Sie gingen dann der Anlage entlang und er habe an einer Bedürfnisanstalt gewartet, während der andere in eine Wirtjchast eingefttegen jei, aus der er ihm Schnaps und Zigaretten herausgereicht habe. Sie gingen m die Bahnhofstraße, wo er ihm eine Türe habe helfen auibrechen, die er vergeblich mit Dietrichen zu offnen verjucht hatte. Nachdem der Komplize lioch einen Bäckerladen besucht habe, tarnen sie in die Sonnenftraße, wo er die Türe eines Schuhladens au!brach. Er habe ihm baun zugeru'en unb ihm Schuhe herausgereicht, von benen er em Paar mttnahm, währenb ber anbere ferne alten aus- unb neue anzog. Sie begaben sich bann nach bem Bahnhof, unb ba gerabe ein Zug nach eranffurt abfuhr, sei er emgeftiegen. Sein Komplize, von bem er etwa 3u Alk. erhalten hat, habe geäußert, er wolle in Gießen bleiben. Die Polizei hat jfeftgefieUt, baß in ber fraglichen Nacht in ber Werkstätte bes Schlossers Noll etwa 15 Dietriche unb ein Meisel gestohlen worben waren. Bei bem Gastwirt Warner an Oswalbsgarten ist bie Türe anschemenb mit Dietrichen geöffnet worben. Die Einwursskasfen ber Automaten unb bie Buffetlassk waren aulgebrocljen unb ihres Inhalts tm Be­trage von euva 20 Mark beraubt; auch fehlte Schnaps unb Zigarretten. Dem Kaufmann Borgis in ber Bahnhofstraße war bie Xlabentüre gewaltsam geöffnet worben unb bie Kaffe in Höhe von 60 Mk. fehlte. Dasselbe war bet bem Backer Paul ber Fall, ivo ben Sieben aber nur etwa 8 Mk. Kupsergelb in bie Hände fiel, unb bei bem Schnhwarenhänbler Neumeier in ber Sonnen- ftraße, wo mehrere Paar Schuhe fehlten. Das Gericht war mit bem Staatsanwalt einig, baß man mit allen Mitteln sich solche gefährliche Leute vom Hals halten soll. Es ging über den Antrag

bes StaatsamvaltZ, ber 3 Jahre Zuchthaus beantragt hatte, hinaus und erkannte auf eine GesanitznchthaiiSslrafe von vier Jahren unb zehnjährigen Ehrverlust, sowie Stellung unter Polizeiaufsicht.

Eine Beleidigungsklage.

Gelegentlich einer Schöffengerichtsverhandlimg, in der die Ehe­frau bc5 Bürgermeisters K. von N i e d e r - M a ck st a d l von dem W. B. ivegen Beleidigung verklagt war, ließ B. bie Aeußerung falten:Der Bürgermeister ist oft voll." Er würbe von einem Anwalt unterbrochen, so baß er ben Satz nicht vollenben konnte. Ter öürgermeifter erhob beshalb .egen B. Klage wegen Belei- bigung, aber ber Angeklagte bot ben Wahrheitsbeweis an, ben bas Schöffengericht als geführt erachtet. Es hielt and) bie Form, in ber j;e Äußerung fiel, nicht für .iraibar, ba auf bem Lanbe in ber Regel ber Ausdruckvoll" für betrunkene gebraucht wirb unb bem Angeklagten bi? /.öligen Umgangsformen fehlen. Ter Kläger erhob Berufung unb wies nach, baß bie Aeußernng nnveranlaßter- weise erfolgte. Das Berufungsgericht hielt zwar nud) ben Wahr­heitsbeweis für erbracht, ba ber Kläger sich in mancher Beziehung ungehörig benommen unb mehrfach in betrunkenem Zustande ber Gegenstanb von Ulk unb Neckereien geworben ist. Es war aber für den Angeklagten feine Veranlassung vorhanden, bem Bürger­meister dieses in einer Gerichtssitzung vorzuwerfen. Der Schutz bes § 192 könne bem Angeklagten nicht ^gebilligt werben/ ba Dieser Paragraph nicht bazu ba ist, um unter seinem Schutze unocranlaßt bcleibigeri zu können. Die Straffammer hab beshalb bas Urteil aur i.nb erkannte auf 10 M arf (öelbftrafe unb Tragung ber Kosten.

Heidelberg, 28. Jan. Ter Geh. Jiat Prof. Dr. Wilhelm Erb Hal der hiesigen Universität ein Legat von 100000 Mk. vermacht, dessen Zinsen ziir einen Hälfte zur Unterstützung von Stubierenden und Assistenten unb bereu Verpflegung tm Kranken­haus e unb zur anberen Hälfte zu wissenschaftlichen Arbeiten unb Stubienreisen verwenbet werden sollen.

Wie wir hören, sind die ordentlichen Professoren an der Berliner Universität, Tr. Gustav R o e t h e, Direktor des Germanistischen Seminars und Tr. Heinrich R übens, Direktor des physikalischen Instituts, zu Geh. Reglerungsräten ernannt worden. Im Herbst 19u6 übernahm Rubens das Ordinariat unb bie Leitung bes physikalischen Instituts an ber Berliner Um- versitat als 9t a cb t o l g e r Paul Drubes.

HamiLien-NachrichSesr.

Verlobt: yrl. Kätha Distel m Bübingen mit Herrn Georg Thorn in Groß°Karben. Frl. Marie Dörr in Billertshausen nut Herrn Johann Schlößer in Homberg a. O. Frl. Luise Reuter m Marienhagen mit Herrn Wilhelm Doll in Schatten.

Gestorben: Fran Lina Ringshausen, geb. Lupp, in Nibba. Herr Christian Kohler, Konigl. Rechnnngsrat, in A'iichelstabt. Herr Oberamtsrichter Lubwig Hechler in Groß-Gerau. Herr Abam Homiann, Gastwirt, in Oppershofen. Herr Anbreas Brühl, Atetzgermeister, m Marburg. Herr Fritz Güler, Großh. Amtsrichter, in Tarmstabt. Fran Iba Nicolaus, geb. Neubert, in Schwalheim. Frau Katharine Caspar Wwe., geb. Fink, in Schwabenrab. Herr Professor Dr. Gu|tav Lenz in Darmstabt. Frau L. Klieber in Wetzlar. Frau Minna Deufter, geb. Engelbert, in Wetzlar-Niebergirmes. Herr Karl Schunk L in Bübingen. Herr Stephan Snnbie, Gastwirt, m Marburg. Frau Elisabeths Fischbach, geb. Rausck), m Brauerschwenb. Fran Katharine Gemmer, geb. Dippell, in Zell. Frl. Luise Schulz in Bübingen. Frau Wilhelmine Nau, geb. Ran, m Altensiabt Frau Katharine Spahn Wwe. in Selters. Herr Liibivig Corell m Ockershausen. Frau Dorothea Schnabel, geb. Stemmäller, in Kleui-Lmben. Frau Piartha Elljabetha Stamm, geb. Korell, in Euborf.

EingesanSs.

(Für Fonn und Inhalt Rubrik stehenden Artikel

übernimmt die Redaktion uem Eiwliknm gegenüber keinerlei

VeraiUwortung.)

Leider läßt der Verkauf ber Karten für bas heutige Konzen bes Leipziger Q u a r t e 11 s für K i r ch e n m usif noch viel zii wünschen übrig. In letzter Snmbe möchte ich baruni noch­mals au' biese hervorragenbe iberanftalumg Hinweisen. Es kommt babei bie Frage ber Einnahme gar nicht in Betracht. Das ist ganz nebensächlich. Aber es wäre tief bejchämcnb, wenn biese wellberühmien Künstler, bie überall, z. B. auch in Tarmstabt, ja oft sie kommen, nut Begeisterung emp'migen werben, hier vor enter mäßig gefüllten Kirche fingen mußten. Es gibt boch in Gießen noch Leute genug, bie begleichen zu schätzen wissen. Sie werben es nicht zii bereuen haben, wenn sie fonunen. D. Schlosse r.

Ä^Leteorologljche

der Station Gießen.

Januar

1908

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des Giessenei jiuzeigers, mitge und Indusir

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3/^% Beichsanleihe . . 93.50 3% do. . . 86.15

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4% Italien. Bente . . . 104.30

3% Portugiesen Serie 1 6z.lo

3% Portugiesen HI 63.60

4)6 u/0 russ.Staatsanl. 190a 94 80 4)6'R Japan, ötaatsanleihe 89.6.

4>o Uonv.Türken von l'JU3 95.80 Türkenlose 149.40 1)6 Gnech. Monopol-Aul. . 49.30 4% äussere Argentinier . 86.00 uv/0 Mexikaner . . . . 65.10 4>au/o Chinesen .... 96.30

Aktien:

Bochum Guss 199 00

Buderus E. W 112.00 Tenaeuz: fest.

iteriiiier Börse, 2k

Canada E. B 158.10 Darmstädter Bank . . . 126.60 Deutsche Bank .... 236.00 Dortmunder-Union C. . . Dresdner Bank .... 138.7b Tendenz: fest.

iiasrsiaea*acdäte

teilt von der Bank für Handel ie, Giessen.

29. Januar. 1.15 Uhr.

I Elektnz. Lahmeyer . . . 123.00 Elektnz. Schlickert . . . 106.00 Eschweiler Bergwerk . . 207.10 Gelsenkirchen Bergwerk 185.20 Hamburg-Amenk. PaketL 118.00 harpeuer Bergwerk . . 202.50

Laurahütte 219.50 Aordd. Lloyd . ... 105.40

Ubeischles. Eisen-Industrie 99.50 Berliner rlandelsges. . . 157.20 Daunstädter Bank . . . 127.00 Deutsche Bank .... 236.20 Deutsch-Asiat Bank . . 141.50 Diskonto-Komuianuit. . . 174.10 Dresdner Bank .... 139.20 Lreuitaktien 202.50 Baltimore- und Uhio-

EisenLuhn 88.40 uotthardbahn

Lombard. Eisenbahn . . 26.70 uesterr. SLaaisouiin . . . 145.80 P nnee-H enn-Eisen bah n . 118.50

Januar. Aufangskurse.

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