Ausgabe 
29.1.1908 Zweites Blatt
 
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Nr. 24

Zweites Mott

158.3

Erscheint ttgll- mit Ausnahme be8 Sonntags.

General-Anzeiger für Oherhchen

tMfteßenet KamtttendlSNer" werden dem Wngeifler* viermal wöchentlich bergelegt. das ^Iftubion fQi sen Kreis Sietzen" zweimal «Hchri'il'ch. Die ..Landwirtschaftlichen Seit« heeee4* erscheinen monatlich zweimal.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« strahe 7. Expedition und Verlag: fcsgäfr 5L Redaktion: 112. Tel.-Adr.: AnzeigerGleßen.

Mittwoch ZS. Januar 1908

Rotationsdruck und Verlag der Brühlfchen UnwersilälS - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange. Gießen.

sich^ irgendwelche festen Pläne noch nicht heraus kristallin rares über die Acußerungen des Deutschen Kaisers gegenüber

siercen. Herr v. Stengel soll dabei den Anwesenden seine liebe Not geklagt und erklärt haben, daß er kaum noch aus und ein wisse, wie er neue Steuerquellen er­schließen solle. Unter diesen Umständen muß die Eile, mit der er das Spiritusmonopol einbringt, als nicht gerade sehr zweckmäßig erscheinen und es wäre sehr wohl möglich, daß er damit Fiasko macht. Dann dürfte wohl Herr v. Stengel die Zeit für gekommen erachten, die Koffer zu packen und nach seinem bayerischen Heimatslande zurück­zukehren.

3ur MüNMge Reiches.

Kaisers Geburtstag ist mit dein üblichen höfischen Prunk gefeiert worden und eine große Reihe von Bundesfürsten weilten zur Feier in Berlin; mehrere von ihnen machten bei dieser Gelegenheit ihren offiziellen Antrittsbesuch. Es ist sehr wohl möglich, daß, wenn auch der größte Teil des Aufenthalts durch höfische Veranstaltungen usw. in Anspruch genommen war, doch auch dabei in Gesprächen zwischen dem Kaiser und einzelnen Fürstlichkeiten die innere Politik gestreift worden ist, zumal eine Aussprache über die schwierige innere Situation und deren Lösung im Interesse des Bundesgedankens durchaus förderlich sein kann und zweifellos besser ist, als wenn der übliche In­stanzenweg eingeschlagen wird. Ueberdies haben in den letzten Tagen mehrfach Besprechungen zwischen den leiten­den amtlichen Stellen des Reiches und der Bundesstaaten stattgefunden, die sich in der Hauptsache auf Finanzfragen erstreckien. Als Resultat dieser Konferenzen darf man es wohl ansehen, wenn jetzt die Spiritusmonopolvor­lage fertiggestellt ist und bereits im wesentlichen die Zustimmung des Bundesrats gefunden hat; es heißt sogar, daß die Vorlage schon in dieser Woche dem Reichstage zugehen werde, eine Schnelligkeit, worüber man verschie­dentlich großes Erstaunen ausdrückt, namentlich im Hinblick- daraus, daß beispielsweise die so überaus wichtige Re­form des Beamten-Besoldungsgesetzes, deren Erledigung bis zum April ungemein wünschenswert wäre, noch immer nicht aus dein Stadium der Erwägungen heraus ist. Ursprünglich schien es, als wenn die Vorlage auch schon im Bundesrat auf beträchtliche Schwie­rigkeiten stoßen würde, zumal Süddeutschland hinsicht­lich der Spiritus ab gaben gewisse Reservat rnhte hat, aber schon die Mitteilungen, die kürzlich in der bayerischen Kam­mer vom Negierungstische in dieser Hinsicht gemacht wur­den, deuteten darauf hin, daß eine Einigung zu erwarten sei. Wie die Vorlage aussehen wird, weiß man noch nicht bestimmt, jedenfalls ist das eine llar, daß sie im Parlament auf erhebliche Schwierig ketten stoßen wird. Nicht bloß die Linke ist es, die von einem Monopol nichts wissen will, sondern auch auf der Rechten hegt man mit Rücksicht auf das hochentwickelte Brennerei­wesen auf den Gütern gewichtige Bedenken, die sich nicht so leicht werden zerstreuen lassen.

Ueberhaupt herrscht in Parlamentskreisen wenig Neig ung, s ch o n in d ies er Ses s io n n eue Stener­vo r l a g e n zu bewilligen, weil man befürchtet, die ohne­dies so mißliche politische Situation noch weiter zu ver­schlimmern. Ein angesehenes demokratisches Blatt, das über die Vorgänge hinter den Kulissen, sowohl innerhalb der Regierung wie des-Parlaments, stets gut unterrichtet ist, berichtete kürzlich hierüber, indem es gleichzeitig mit­teilte, daß man allseitig derartige Teilsteuerprojekte nicht wünsche, weil sie doch nur Flickwerk bilden würden, während eine umfassende Reichssinanzreform dringend zu fordern sei; schon vor mehreren Wochen machten angesehene freisinnige Parlamentarier gleichfalls den Vor­schlag, im allgemeinen Interesse die Steuerprojekte lieber bis zum nächsten Winter zu vertagen. Herr v. Stengel hat sehr eilig das Spiritusmonopol fertiggestellt, während andere, nicht minder wichtige Finanzfragen noch der Rege­lung harren. .Vor allem handelt es sich um eine ander­weitige Normierung der M a t r i ku l ar-Um­lag e n, wegen deren Herr v. Stengel kürzlich eine Kon­ferenz mit Parlamentariern aller Parteien sowie auch mit Vertretern der größeren Bundesstaaten hatte, wobei man über eine allgemeine Aussprache nicht hinauskam und

Zusaurmenschllch der Handluagsgehllfenverbande.

Der Teui)chnationale Handluugsgehlt,en-Berband in Hamburg und der Verband Deutscher Handlungsgehilfen rn Leipzig, die sich jahrelang feindlich gcgenüberstanden, wollen Frieden machen und sich miteinander ver­einigen. Die hervorragendsten Mitglieder beider Ver­bände, der der Wirtschaftlichen Vereinigung augehörcnde ReichstagSabg. Schack und der auf nationalliberaler Seite stehende Georg Hiller-Leipzig haben nach demLeipz. Tage­blatt" folgenoes Abkommen unterzeichnet:

In dcr klaren Erkenntnis, daß die wirtschaftliche Lage der deutsck-en Haiidlliugsgeyillen und thc ii/rem Staube drohenden Ge­fallen em eml-eitlichercs Zusammenfassen der in der Hundlungs- gelr.lfenbetoegung vorhanden en Kräfte gebieterisch verlangen, haben Ud) die untecjeid)neien Dickglieder des Verbandes Tentscl-er Hand- lungsgehchen (Sitz Leipzig) und d.s Deulfchnationalen Handlnngs- g-.'!)cksenverdanücs (Sch Hamaurg) einmütig entiaüossen, ms Ev- gebnis e uer von bemen Seiten zwanglos eingeleiteten und am 26. Januar 190ö in Berlin abgel-altemn Besprechung, die leitenden Körperschaften ihrer Verbände auszufordem, ohne Verzug die criocberiicben Schulte z u r E r ö r te r u n g e i n e r I n te r e s s e w- geme in schäft mit dem so bald als möglich zu erstrebenden Endziele eines völligen Zusammenschlusses bei­der Verbände vorzunehmen. Wir Jinb überzeugt, daß die Beseitigung der diesem Ziele entgegenllel-enden Schwierigkeiten gelingen wird, wenn die leitenden Körperschaften und die Mit­glieder beider Verbände überall das glci.d>e Maß von Beran t- wvrtlichkcitsgesühl jur die Interessen des ganzen Standes an txm Tag legen werden, das uns bei dec Abfassung und Unterzeichnung dieses Ausrufs geleitet hat.

Berlin, 26. Januar 1908. *

Wie Delcaffß gestürzt wurde.

Die Rede, die der ehemalige ,r^i^o,lsche Minister des Aeußeren Delcassö bei Besprechung der Marokko-Interpella­tion dieser Tage in der französischen Kammer gehalten hat, ruft das Interesse für die Vorgänge wach, die seiner­zeit zum Sturze Delcassßs führten.

Die PariserAction" erzählt sie folgendermaßen: In den eriten Jumtagen des Jahres 1905 wurde der italienische Bot- chaster in Berlin gebeten, sich sofort zu Kaiser Wilhelm in das Schloß zu begeben. Er wurde gleid) empfangen, und der Kaiser richtete an ihn folgende Worte:Ich weiß, daß der ranzöfische Minister des Aeußern Delcasss schon seit Jahren mit England wegen des Abschlusses eines Offensiv- und De- ensivvertrages zwischen den beiden Ländern unterhandelt. Diese Verhandlungen werden geheim geführt, daß in Frankreich außer Delcassö nur der Präsident Loubet noch davon Kenntnis hat. In Deutschland weiß es allerdings auch einer, und der bin ich. Ich habe alle Einzelheiten der Unterhandlungen verfolgt und werde aud) das Datum erfahren, an dem eventuell der Ver­trag unterzeichnet werden sollte. Aber an demselben Tage, das sage ich Ihnen, Herr Botschafter, marschieren meine Truppen in Lothringen tin!"i « Der Kaiser setzte noch hinzu, daß er aus seinen, dem Botschafter gegebenen Informationen keinerlei Geheimnis mache, und er diktierte ihm sogar einen Auszug aus der gepflogenen Unterhaltung in die Feder. Na­türlich unterließ es der Botschafter nicht, seinen Chef, den Minister des Aeußern Tittoni, von der Unterhaltung mit Kaiser Wilhelm ausführlich in Kenntnis zu setzen, und Tittoni unter­richtete wieder den ftanzösischen Botschafter am Quirinal Bar- röres. Dieser telegraphierte sofort an den Ministerpräsidenten Rouvier und den Minister des Aeußern Delcasse. Rouvier berief nach Empfang der Depesck)e allsogleich einen Minister- rat zusammen und verlas das Telegramm des Herrn Bar-

AolosUakpoft.

Antwerpen, M. ^ari. ...mlc hier eingetroffene Passagiere, die aus dem Kongo kommen, sagen aus, daß der Hauptmailn Daelman, Sohn des Generals Taelman, von der Schlafkrankheit befallen worden ist. Aus dem Gebiete von Loumanio wird berichtet, daß es einer bet* giscyen Expedition gelungen ist, den bekannten Führer Ma- tuma und dessen S^hn zu verhasten. Dieser wird für die Ermordung zweier Retter im Jahre 1905 verantwortlich gemacht.

dem Ministerrat die nötigen Auflläruugen zu geben. Delcasss ge­stand ein, baß er wegen des Abschlusses einer Offensiv- und Tesensiv- allianz mit England unterhandle. Darauf erbleichte Rouvier und erging sich in heftigen Vorwürfen gegen Delcasss, daß es dieser unterlassen habe, von so hochbebeutsamen Verhand­lungen, die, eine eminente Kriegsgefahr im Schoße bergen, leinen Ministerkollegen Mitteilung zu machen. Delcasss suchte Nch zu rechtfertigen, indem er behauptete, er habe diese Politik nur Loubets halber getrieben und brach schließlich in Tränen aus. Aber Rouvier erwiderte rauh, es hairdle sich jetzt nicht um Tränen, sondern um Taten. In einer halben Stunde müsse Delcasss dem Präsidenten sein Temissionsgesuch überreicht haben, widrigenfalls das ganze Kabinett zurücktreten würde. So ging denn Delcasss zu Loubet und war eine halbe Stunde später nicht mehr Minister.

hessische Zweite Kammer.

Darmstadt, 28. Jan.

Um 10 V4 Ubr toirb die Sitzung vom Präsidenten H a as er- öfsnet. Das Haus tritt sofort in die Tagesordnung ein und erklärt die Beschwerde des Heinrich Friedrich Winter zu Hoch- Weisel, die Feldbereinigung daselbst betreffend, dem Antrag des Ausschußberichterstatters Abg. Wolf ge.-"äß für er­ledigt. Der Antrag des Abg. Wolf betr. die Re- gulierung des Selzbaches wird vom Antragsteller ein­gehend begründet, wobei er besonders aus die Ausschußbera­tungen und Beschlüsse hinweist, über die wtt s. Zt. ausführlich bcridjtet haben.

Nach einigen weiteren Darlegungen des Ministerialrats Dr U finger wird der Antrag Wolf, in dem die Regierung er» lucht toirb, der Ausführung des großen Selztalprojekts nicht eher naher zu treten, bis die Einbauung von Flutschleusen und die weiter von Ausschuß und Negierung vereinbarten» Vorkehrungen getroffen sind, für erledigt erklärt.

^nbetreff der Vorstellung der Hebeammen aus Stadt und Kreis Mainz über die Besserung ihrer materiellen Lage, über welche Abg. Molthan referiert, hat die Ne­uerung ihre Ansicht dahin geäußert, daß für eine der Ver­teuerung aller Lebensbedürfnisse entsprechende Neuordnung der Hebeammengebühren der Zeitpunkt jetzt gekommen sei. Auch die Lehrer an den Hebeammmanstalten des Landes haben sich in diesem Sinne ausgesprochen. Eine neue Taxe wurde ausgear­beitet und fand einstimmige Billigung des ärztlichen Zentral- ausschuises und es steht ein entsprechender, den Wünschen des Hebeammenstandes Rechnung tragender Erlaß bevor. DerAus- sck> hat von dieser Antwort der Regierung Kenntnis ge­nommen und beantragt demgemäß, die Vorstellung für er­ledigt zu erklären. Das Haus beschließt demgemäß.

Zur Beratung kommt nun die Vorstellung des Einkaufs- Vereins Mainzer Kolonialtoarenhändler über die, Heranziehung der

Konsumvereine und Beamtenvereine zur Steuer und Waarenhaus- Umsatzsteuer.

Der Verein erbittet in seiner Vorstellung:

1. öeransiebung derselben zu den gleichen Stenern wie die' des Kleinhandels unter gesetzlicher Einführung der Emtrachts- pflicht;

2. Ausfall jeder behördlichen Begünstigung dieser Vereine > gegenüber dem Kleinhandel;

3. Verbot für aktive Reichs», Staate und Gemeindebeamten eiwchließlich der Offiziere und deren Ehefrauen an der Be­teiligung an solchen Vereinen.

I. Bezüglich der Warensteuer: Möglichst hohe Umsatzsteuer. . In der Begründung wird gesagt, es sei Grundsatz der Ge- etzgebung geivcfeu, den wirtschaftlich Schwächeren zu schützen: )ie Betätigung dieses Satzes sei im gegenwärtigen Falle umso- mehr gerechtfertigt, als es sich darum handelt, gegenüber den Vorteilen, die der Stärkere habe, sowie im Hinblick auf die

kleines Feuilleton.

** Im Gieß euer Stadttheater ging am Diens­tag abend KleistsKätchen von Heilbronn" als Volksvorstellung in Szene. Irgendwer hat kürzlich ge­schrieben, daß unser Volk für solche romantisch-mystischen Dramen nicht mehr empfänglich sei. Er hätte sich gestern bei uns eines besseren belehren können. Die billigeren Plätze gerade waren sämtlich besetzt und das Volksvor- stellungspublilum zeigte noch erheblich größeres Inter­esse für die unsterbliche Dichtung Kleists als unser Novi- tätcnpubliium: und hatte doch dieses sogar, wie allent­halben, eine so kindliche Nachahmung der wunderholden Kittchen-Dichtung wieTie Rabensteinerin" an einer ganzen Reihe von Abenden aus das lebhafteste applaudiert, zum Teil mit quintanerhastem Enthusiasmus. Romantik steckt eben uns Deutschen aller Gesellschaftsschichten unverlierbar im Blute, sie übt in musikalischer, poetischer und bildne­rischer, also in jeder künstlerischen Gestaltung heute wie einst die tiefste ästhetische Wirkung aus. Und knüpfen doch selbst in Anlehnung an die Ztomantik in der neueren Malerei unsckre modernsten dramatischen Poeten wie Hugo v. Hofmarmsrhal und Paul Ernst, die beide leider bei uns in Gießen noch unbekannt sind, unter dem Einflüsse der Nomanlll an uralte volkstümliche Vorstellungen an. Das Kätchen spielte gestern nicht <yrl. Sylva, sondern Frl. Dorle Maisarth. Es lvar eine recht erfreuliche iteistung, namentlich sehr wohl gelungen in der munteren Frische dieses herzigen Vollst inc.es. Tas kam vornehmlich in der reizenden Szene der Bachüberschreitung zur Gel­ang; hier und an einzelnen anderen Stellen von leben­diger Ungebundenhett wirkte sie besonders anmutsvoll. Sprachlich aber kam vieles zu verständig und nüchtern heraus. Auch sie war ebensowenig wie Frl. Sylva eine lraumhafte Mädchenerschcinung, auch ihr fehlte der zauber­hafte Schmelz der Sprache, der Unterton des visionären Wesens, die holdselige Gesühlseinfalt. Da war nichts Tüm- inerndes und Träumerisches, nichts von oes echten Kätchen somnambulem Magdtum, dagegen viel liebenswürdige Lustigkeit uno fröhlich zugreisenoes Temperament, das daraus schließen läßt, daß das noch sehr aniängerische. Dämchen

eine recht annehmbare muntere, niemals aber eine ernst zu nehmende sentimentale Liebhaberin werden wird. Die stärksten Erwartungen richteten sich wohl gestern auf den Schloßbrand. Uibi> gerade der versagte gestern wie beim erstenmal. Was der aufdringliche Engel da wollte, war auch diesmal nicht einzusehen. Fast durchweg meisterlich aber war wieder der Graf vom Strahl Weingärtners, in der Holunderbuschszene von leuchtender Poesie, -^o.

GießenerKonzertverein. Man schreibt uns: Es ist nun schon einige Jahre her, seit Dr. Ludwig Wue l l n e r zum letztenmal bei uns gesungen hat- In vielen anderen Städten ist"Wuellner ein jedes Jahr wiederkehren­der Gast, dessen Konzerte zu denen gehören, die an Zug­kraft nichts eingebüßt haben. Selbst in Berlin füllen sich die größten Säle, wenn Wuellner einen Liederabend gibt. Muellner gehört eben zu den Auserwählten. Er ist un­erreicht in der Kunst des Vortrages und seine Vielseitig­keit ist grenzenlos. Während andere Künstler einen ganzen langen Winter auf ein und dasselbe Programm reisen, stellt sich Wuellner seine Programme in einer Vielseitig­keit zusammen, die staunenerregend ist. Fast jeder Abend bringt ein durchgehends anderes Programm, nicht dessen $u gedenken, daß Wuellner auch als Schauspieler, Opern­sänger und Violinspieler tätig ist und seine Leistungen auch da das Mittelinaß weit überragen. Sein Künstler­ruhm hält sich fett geraumer Zeit auf einer Höhe, wie sie nur von größten Meistern erreicht worden ist. Die tiefe Durchdringung des Kunstwerks, dem er sich hingibt, die suggestive Kraft, mit der er den Hörer zu packen weiß, find unerreicht. "Neuerdings hat Wuellner Schweden und Zttrßland bereist. In Stockholm allein gab er sechs völlig ausverkauste zbonzerte, in Petersburg in einer Woche drei Liederabende und das alles mit nur deutschen Liedern und gesungen in deutscher Sprache! Der Künstler wird bei uns 4 Lieder von Schubert (darunter: Erlkönig, Prometheus), 8 von Schumann (darunter: Der Spielmann, Frühlingsnacht, Aufträge), 4 von Hugo Wolf, 3 von Rich. Strauß und last not least: Archibald Douglas von Carl Loewe singen ein sehr verlockendes Programm.

Eine poetische Liebeserklärung auf dem immer

noch etwas ungewöhnlichen Wege des Inserats sanden wir in1 einem Friedberger Blatte. Wir lasen da:

Meine Nachbarin!

(Von Karl Mörschel, Friedberg.) Wenn die Nlorgenglocke erklingt, da drüben auch schon so freudig singt das lustige, liebe Atädchen. Wenn am Himmel der Abendstern kommt, wenn die Straße langst verstummt, schließt sie, singend noch immer, das Ladchen.

Wenn ich doch endlich einmal wußt', was es eigentlich denn ist, das dem Älädchen die Sangeslust gibt, daß sie immer und immer singt, daß ihr Lred so eigen dringt mir in die Brust traut und verliebt.

Wenn aber der Frühling zieht ins Land, dann geh' ich zu ihr hm unverwandt und sprech' zu dem lieblichen Mädchen: Sängerin klein, mir drang deine Lust mit deinem Sang in die liebwarme Brust, Sing weiter und werde mein Bräutchen I Ein paar Tage daraus las man dann an derselben Stelle: Meinem Nachbar!

(Von der Nachbarin.) Du lieber Dichter von Gottes Gnaden, Was tat ich mich an deinen Versen erlaben. Wie heu ich mich so sürchterlich, Daß mem Sing-Sang ließ finden dein Herze mich. Doch was willst du warten zum Frühling, so fern, Ich schlösse schon jetzt dich in die arme so gern. Drum auf und eile unverwandt, Noch eh' der Frühling zieht ins Land.

Dann gründen wir beide eine Fabrik, Du dichtest, ich singe, was für em Glück: Und be§ strömenden Mammons Segen all--

Doch Schluß jetzt, adieu, auf ein ander mal.

ßleine Kunftdjronif.Der Zechpreller", eines Pope von Nlax 91 e a l und Konrad Dreher, erzielte im Stabt-1 thealer von Mainz mit Konrad Dreher als Professor Streusand vor ausverkauslem Haus einen durchschlagenden Heiterkeltserfolg. -I» der poln.Stadl Lublin ist der Schachmeister Tschigorin gestorbea.