Ausgabe 
4.11.1908 Zweites Blatt
 
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Rheydt.

Der tiaiser als Regisseur und als Zuschauer

hervor, vermag

Dnii^cL

* Konkurse in Hessen. Ueber daS Vermögen der JirinaO b e r h e j s i s ch e H o l z i n d u st r i e Mücke- 5" Mücke wurde am 10. Okl. das Konkursverfahren eröffnet. RechlSauwalt Sandmann zu Hungen wurde zum Konkursverwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 1. Tez. bei dem Amtsgericht Grünberg anzumelden. Ter Beirieb wird von der Betriebs- genofsenichast der Lberhess. Holzindustrie, die mit dem Konkurs nicht zu tun hat, weiter geführt. Ueber den Nachlab des Johann Bendel in Götzcnhain und dessen Ehefrau Marie geb. Len- Hardt wurde am 22. Oktober das Konkursverfahren eröffnet. Rechis- amvalt Rothschild in Langen wurde zum Konkursverwalier ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 12. Nov. bei dem Amtsgericht Langen anzumelden. Ueber den Nachlaß des am 12. Oktober 1908 verstorbenen Architekten Fritz Nick zu Darm­stadt wurde am 24. Okl. das Konkursverfahren eröffnet, da der Erbe Ludwig 91'.cf den Antrag auf Konkurseröffnung gestellt, auch glaubhaft gemacht Hai, daß der Nachlaß überschuldet ist. Rcctns- anmalt Butz zu Darmstadt wurde zum Konkursverwalter ernauut. KolikurSfordernngen sind bis zum 26. Nov. bei dem Amtsgericht Darmstadt I anzumcldcn. Ueber daS Vermögen des KauimannS Albert Scheel, Inhabers der Firma Gebr. Scheel zu Gießen, wurde am 30. Okl. das Konkursversahren eröffnet. Kaunnaim Louis Althoss zu Gießen wurde zum Konkursverwalter er­nannt. Konkurssordormigen sind bis 311m 1. Tez. bei dem Amts­gericht Gießen anzumclden.

Inländische Anleihen. Es verlautet, daß Neu- Emissionen sprozentigcr Anleihen seitens des Reichs und Preußens nicht mehr stallfulde>i werden, es müßten denn ganz unvorher­gesehene Ereignisie euitretcn. Nach demBerliner Börsenkuner* würden sowohl das Reich wie Preußeil gegebenenfalls wieder znin 37. Prozent-Typus zurückkehren. Für den Fall, daß der Geldbe­darf des Teulschen Reichs und Preußens nach der Durchführung der Fmanzreform imd der Rückkehr des letzlgeuauuten Staates zu der früheren Sparsamkeilspolilik noch buiti) die Ausgabe neuer Anleihen gedeckt werden müßten. Es wird zuversichtlich angc- nonunen, daß der Kiirsslaud der S^pioscungen Anleihen bis da­hin so gestiegen jein werde, daß er' faiun sehr viel hinter pari zurück bleibt. Einstweilen ist er aber noch 5/, Prozent davon euternt.

Musik.

Franz Schubert, demKlassiker des deutschen Siebes*, ist das soeben im Berlage von Ullstein & Co., Berlin SW 68, er­schienene neuefte Heft derM us 1 k für Alle" geividmet. Ter Iiihall dieser 9lununcr giebt ein kiiappes Bild von der Vielseitig­keit dieses unsterblicheii Meisters, dem wir sowohl im Lied wie auch auf instrumentalem Gebiete die bedeutendsten Schöpfungen verdanken.

Märkte.

fc. Frankfurt a. 9)1., l. 0wv. Schivei'.iemarkt. ;Org.- Tcl. des Gieß Auz.) Ium Verkaufe standen 1430 Schiveine. Bezahlt wurden: 'ür Scbiucinc 1. Qual. 7172 Pfg., Lcr^uogeivichi 06,5 bis 00 Pfg.; 2. Qualität 7000 Pfg., Lebendgewicht 56,000 P'g^ 3. Qual. 0568 Psg. Geschäft mtttelmäjjig, Ueberstcmd unbedeutend.

* Die Wirkungen der Musik. Der vlämische Komponist Sarron hat sich eingehend mit den ph-ys io logischen Wirkungen der Musik beschäftigt und eine Reihe von inter­essanten Beobachtungen darüber gemacht, über die dieRe­vue" einiges mitteilt. Er geht aus von der Tatsache, daß in dem normalen menschlichen Ohr von den etwa 3000 Cor- tischen Bogen in der Schnecke des Labyrinths jede im Durch­schnitt etwa 25 verschiedenen Ton stuf en entspricht. Dabei

Der tragen die Vertonung!"

Als der Kaiser die Probe verliest, verabschiedete er sich von den Sck-auspielcrn, denen er am Aoend desselben Tages nach der Galaaufführung nochmals seine Anerkennung einzeln auö- drückte.

Hauptsächlich unterhielt sich nach dev Vorstellung das, Kaiser­paar mit Oberregisseur Sxrfcer, der durch eine kostbare Busennadel ausgezeichnet wurde, und mit der Darstellerin derIsabella" (Frau Bayr'hammer). Ter Monarch hob die schauspielerische Wand- umgssähigkeit hervor, welche die Künstlerin bewiesen habe, in Dem |ie zivei so verschiedenartige Rollen wie die der Wirtin im Weißen Rößl" und die derIsabella" in dem llhlandschen Schau- Ipiel mit großer Feinheit erfaßt und duccl^eführt habe.Wie haben Sie, die Norddeutsche, den süddeutschen Dialekt erlernt?" fragt der Kaiser.Durch meinen bayerischen Mann, Majestät," cntc.grrete schlagfertig die KunUerin. Außerdem wurden noch oic Herren Bohne, Dorend, Alberti und ncch.nals Ludwig Hertzer empfangen, der durch seine meisterhafte Jns^ierung aus dem Trama llhlands ein lebendiges Kunstwerk hervvrzaubertL.

Die Kasseler Bühiremnitgliedcr Haven alle den Eindruck emp­fangen. ails ob ihr hoher Gönner im Geiste des großen Dichters iahte, der imHamlet" den Gedanken niederjchrieb:Ehret die Schauscheler. denn sie sinddev Spiegel und die abgekürzte Chronik des Zeitalters"."

lich-M FawiNe'Sommerrast zu halten, so weit Man bei Wil­helm II. von Ruhe sprechen kann. Irgend cm ^ntcrene beichaMSt Den inpulsiven Ehararter des Kaisers ja immer, und in Äaiicl ist es nun speziell die königliche Bühne, der er in neuester Zeit sein Augenmerk zuwendet. f

Das Verdienst, des .Kaisers Sinn sur das Kaisel^r Thrnter, dem er früher so gut wie gar feine Beachtung ^^e. geweckt zu haben, gebührt wohl dem neuen Intendanten Grafen Dylandt- " ' Dieser, ein Hofmann aus der auten schule des vcr- Funftfinnigcn Großherzogs Karl Alexander.rwnLackyen, ist aleicknam der .mustere Minister der Kaseler Buhne,

Gerichts-aaU

Frankfurt a. M 3. Nov. Bor dem Schöffengericht spielte sich heute ein QuellenProzeß ab. Die Offen­bacher Kaiser Friedrich-Quelle klagte gegen die Firma Siemens Erben. Angeklagt wegen unlauteren Wettbewerbs waren die Herren ans Dresden unb jBerlht und der Prokurist Ludolf Brunning ans Dresden. Das Scl.wffengericht sprach sämt- lidie ^Lngefbigte frei, da nicht anKUnehmen fei, daß wiisenl- lich falsche Angaben feiten-., der vellagten Fir.ua gemacht wurden.

sind diese Fäden aber nicht bei allen Individuen gleichmäßig wirksam. Es gibt Fälle, in denen sie, außer wenn es sich einfach nut ein Geräusch oder natürliche Noten handelt, in einer Art Erstarrung verharren. Bei anderen ist ihre Empfindlichkeit wieder in einem Grade entwickelt, daß sie alle nur möglichen Variationen eines Tones oder einer Tonreihe wahrnehmen. Das ist die besondere Fähigkeit der großen Musiker oder der mit einem sehr feinen musi­kalischen Ohr begabten Personen, die die 25 verschiedenen Schwingungen jeder der 3000 Fäden zu unterscheiden ver­mögen. Ader die Wahrnehmung des Maximums von Schwingungen ist äußerjt selten; das durchschnittliche musi­kalische^ Ol)r, das von Choristen z. B. unterscheidet mir etwa 15. Indessen nimmt auch das schwächste Ohr wenig­stens eine bestimmte Zahl von Schwingungen wahr, und zwar ist das Gehör so fein entwickelt, weil der primitive Mensch nach der Annahme Sarrons mit Gehörswahrneh­mungen in seinem Leben am meisten zu rechnen hatte. Rings von Geräuschen umgeben, auch wenn sie ihm nicht bewußt wurden und die Narur um ihn zu schweigen schien, hat der Mensch zunächst Gelegenheit gehabt, seine F-ähigkeit in der Unterscheidung von Tönen zu entwickeln. ?ioch heute ist die Feinheit des Gehörs im allgemeinen größer als die der übrigen Sinne. Die Zahl der Leute, die Farben­nuancen gut zu unterscheiden missen nnd die der Schönheit der Farben zugänglich sind, ist geringer als die Zahl der für Gehörseindrücke empsünglichen Personen. Kein Mensch, er sei denn taub, vermag sich den Wirkungen der Töne zu entziehen. Jedesmal, wenn die Musik harmonische Töne dem Ohr und so dem Gehirn übermittelt, findet das Nerven- system, das von dem ewigen in der Natur herrschenden Geräusch erregt iii, eine Besänftigung, und so bringt die harmonische Musik eine Erleichterung der '

hatte ausstellcn kaffen, wonach sie, falls der Mann verun­glücken sollte, für nichts aufzukommen hat. Tiefer Fall in nun eingetreten; Tannenberg ist im Posidienst um sein Leben gekommen und seine Witwe mit den Kindern befindet sich in Not. Die Besucher des Technikums haben sofort einen Be­trag aufgebracht, mit dem den Hinterbliebenen aus der ersten Not geholfen werden soll.

Beienheim, 3. Nov. Gestern abend wurde hier am Uebergang der Straße nach Reichelsheim das Fuhrwerk des Händlers Z. von Weckesheim vom Zuge erfaßt und der Wagen vollständig zertrümmert, während der Fuhr­mann und das Pferd unverletzt blieben. Wie man hört, war das P erd scheu geworden und vor den Zug ger.n.t. Der Unfall zeigt wiener, dag auch hier eine Schranke ebenso nötig wäre, wie in Dorheim, zumal sie auch hier vom Bahnhof aus leicht zu bedienen wäre.

' FC. Darmstadt, 3. Nov. Am 24 Oktober fand hier eine Vorstands- und Auffichtsratsfitzung dec ,2a nd w. Hauptgenossenschaft Friedberg" unter Vorsitz des Geh. Regierungsrat Haas statt. Es wurden wichtige ge­schäftliche Angelegenheiten besprochen. Der Absatz der Ge­nossenschaft ist em flotter, besonders in der gegenwärtigen Zeit in künstlichen Düngemitteln und Kohlen. Das früher entstandene Defizit ist vollständig beseitigt.

(sd.) Darmstadt, 4. Roo. Der Geschäftsführer der Homburger Aktienbrauerei Göhrig, der die Rceoerlagc in Auerbach leitete, ist am letzten Mittwoch nach Unter­schlagung von 10 000 Mark Kundengeldern vci> schwunden. Anscheinend ist er nach Amerika geflüchtet.

W Frankfurt a. M., 3. Nov. Zur Gewährung von Darlehen an Handwerker und kleine Gewerbe- treibende beantragt der Magistrat, außer den Zinsen des Kapitals der städtischen Hilfskasse jährlich weitere 5000 Mk. zu verwenden. Die heutige Stadtverordneten-Ver­sammlung erklärte sich damit einverstanden, wünschte aber, daß die Darlehen nicht durch das Armenamt gewahrt werden weshalb Vermeisimg der Vorlage an den Finanzausschuß er­folgte. Da kürzlich auS dem Stcmdesregister die Geburts­urkunde Goethes gestohlen wlirde, erklärte Oberbürger­meister Dr. Adickes auf eine Anfrage, was der Magistrat zri tun gedenke, um solche Verluste zu verhindern, es seien bereits Anordnungen getroffen worden, um eine sorgfältigere Aufsicht bei Einsicht in die Standesregister herbeizuführen.

Frankfurt, 3. Nov. Ter vor kurzem mit drei Ge­nossen ans der Strafanstalt Wehlheiden bei Kasfel ent­sprungene Schlosser Friedrich Müller wurde heute nacht nach erbittertem Widerstand von einem Kriminalbeamten verhaftet. Er gab an, feine Genossen hätten sich nach Antwerpen gewandt. In der Rosengasse Tarn es in der letzten Nacht zu einer w Ü st e n Schlägerei. Die Schutzleute wurden mit Messern und Revolvern bedroht und machten von der Waffe Gebrauch. Die Rettungswache hatte stundenlang zu tun; sie behandelte 37 Verletzte. 10 Schwer­verletzte tarnen ins Krankenhaus. Verhaftet wurde ein drei­ßigjähriger Kellner, der die Schutzleute angriff uni) einen Säbelhieb erhielt nnd ein 18 jähriger Kaufmann.

Eigenartige 53tlö er vorn jj-rauenirotu in Bosnien zeichnet eine englische z-obachtcrin, die lange q-it in Mosta nnd Scraiewo gerne« .t tat. aic Meldung der Frauen legt mehr Wert auf Prunk uiib Farbenprackn als aus Bequemlichkeit. Sie tragen auch in der heigesten Jahreszeit ein schweres schwarzes liebcrgcwand. denen Aermel lose herabhängen. Dazu tragen fre eine dufter auv- ehende und wenig kleidsame Kapuze, die da-> Ge,icht be- chattet. Außerdem sind die Züge aber berm -lusgehen noch mit dem Äaschniak, einem dichten Schleier bedeckt, in dem sich bisweilen ein Schlitz für die Angen befindet, häufiger aber gar keine Oeffnnng ist, so daß die grauen nur idjr wenig Luft einatmen können. Die mohammedanischen Frauen sind zumeist gebildeter und fortgejchrlltener als ihre christlichen Schwestern. DerHarem", in dem die moderne Türkin ihr Leben verbringt, unterscheidet sich nia)t allzu sehr von dem,Heim" einer europäischen Dame, denn )ie Vielweiberei hat fast völlig ausgehört, oold) ein ,Harem" in Mestar ist einfach nur die Abteilung des Hauses, in der die Gattin, ihre weiblichen Verwandten und ihre Wienerinnen sich aushalten. Rur die Gesetze, die die Verhüllung vor fremden Männern befehlen, werden noch streng gehalten, und die Fran darf, nachdem |ie den Schleier als heranblühendes Ätädchen erhalten hat, sich keinem Manne mehr unverschleiert zeigen; auch ihr Gatte sieht erst ihr Gesicht nach der Heirat. Die Frauen tragen in Mostar türkische Kleidung: die Herrin des Hauses er­scheint mit einer kleinen Krone über der Stirn aks Zeichen ihrer Würde. Sie sprechen meist nur ihre Muttersprache unb verstehen kein Deutsch. In Serajewo ist der europäifche Einfluß viel stärker als in Mostar, obwohl es etwa acht bis zehn Stunden weiter östlich liegt. Die mohamiue- danifchen Frauen er.cheinen in hellerer Kleidung, häufig ganz in Weiß; mit der dunklen Tracht haben sie nicht feiten auch den Schleier abgelegt. In dem türkischen Viertel der Stadt tummeln sich bie jungen Mädchen, die oft von wilder exotischer Schönheit sind, frei umher, und durch die kleinen Löcher in den Mauern der Frauenhäuser leuchten dunkle große Augen neugierig hervor. Doch im ganzen überwiegt das christliche Element; man sieht häufig die Nationallostüme der Bäuerinnen, die sich in ihrem bunten Schmuck so deutlich von der türkischen Kleidung abheben. Die Mädchenerziehung fleht in den christlichen Schulen auf einer hohen Stufe, die Mädchen lernen hier alle Geschäfte! der Haushaltung und nützliche Handarbeiten.

* Kindermund.Tu mußt ober nickst alles allein auf- offen, sondern deinem Schwest.ra-cn auch etwas von deiner Schoko­lade geben, mein Junge. Wenn sie etlvas hat, bekommst du 00ch wohl auch davon?"I wo, Tante, von der kriegt man nichts wie Masern und Scharlach."

Kleine Tagcschronik.

In der Gegend von Brambach, llntersachsenberg, Adorf und Fallen stein (Vogtland) ereigneten sich wieder heftige E r d e r f ch ü t t e r u n g e m In Brambach wurden von 11 Uhr vormittags bis 2y2 Uhr nachmstcags etwa 60 Erdbeben- siöße, die von fast ununterbrochenem, donner ähnlichem sJu)llen begleite (waren, gezählt. In Falkenstein waren zwei Slöße so stark, daß viele Gegenstände sich bewegten, Türen zuschlugen und Fenster Wirrten; eine Kirchhosmauer stürzte ein.

Wegen T> iebstahls auf dem Güterbahnhofe zu Bremen, bei dem 24 000 Mk. erbeutet wurden, ist ein B a h n a s s i st e stt; als Täter verhaftet worden.

Der Wachtmeister Drejcher vom 42. Feldartillerie-Regimenl in Schweidnitz wurde wegen Unterschlagung von 7000 Marl Batteriegeldern verhaftet.

In Letschen (Oesterr.-Schlesien) ist das Marmor- Denkmal Franz Schuberts mit Eisenlack übergossen und dadurch vollstäiidig ruiniert worden.

InBrudn 0 , einer Vorstadt Warschaus, ft ü r z t e von einem Baugerüst eine Maschine aus beträchtlicher Höhe auf die Slraße und zertrümmerte einen Omnibus. Ter Kutscher und eine junge Dame wurden getötet, 5 Frauen lebensgefährlich verletzt.

In der Mllitärfeuerwerksabrik zu Kragujewatz (Serbien) explodierte eine Granate. Ein Offizier und 20 Ar­beiter wurden verletzt, unter ihnen aclst fchwer.

Eine Feuersbrunst zerstörte die große Spinnerei in 3a in« Villers (Frankreich). 6 Arbeiter werden vermißt. Der Schaden beläuft sich auf mehrere Millionen Franks.

tordenen l......-

Weimar, ist gleichsam dev ,/iußcrc Minister_ obwohl feine Kenntnisse des internen Theatevoetneos Nicht gering find. Ihm steht in der Person des genialen Oberregisieur^ Ludwig Hertzer ein ebenso hervorragenverinnerer Minifber zur Seite. Zudem ist Wilhelm II., wenn man ihn nur für Die be­treffende Bühne zu gewinnen versteht, der dankoarfte Theater­besucher, den man sich denken kann. Wenn er, um (ich zu er­heitern, leickste SBare ansieht, wie zum Beispiel Blumenthals und öLadelburgsWeißes Mßl'", lackst er aus vollem Herzen und schlägt sich vor Vergnügen auf die Knie, wie eben ein Mann, Der nach des Tages Aroeit sich amüsiert. ,

Komplizierter ist sein Verhalten bet einem ernAn Stua. Wer, wie (Sajaxiber dieser Zeilen, Gelegenheit halte, den üfcvnarchen bei der Fcftoorftellung von Uhlanos .Ludwig der Bayer auj nächster Nähe zu beobachten, dem hinterläßt der Kai>er den Ein­druck eines geradezu idealen Zuschauers. Er folgt dem (Sang der Handlung, wie Hamlet das L>piel dev Schapeipieler mitleot, mit dem ganzen Subjektipismus seiner lebhasten NatriQ Gr scheint ganz in die Dichtung versunken. Unwülkürlich Nickt das Haupt des Kaisers bei einer Stelle, die {ftn gefällt ober Die er auf nufere Zeitverhältnisse überträgt. Nach Schluß der ,^.udwig der Layer"-Voistellung blieb der Herrscher noch einen Rkameni auf seinem Platze sitzen, während viele Leute im Parkett schon aufbrachen. , , t m

Lehrend des Spiels macht ec oft eine iahe, deutende Be- nTegung nach der Bühne; wenn ihm eine befondcvs feine Nuance an einem Dacstellev auffällt und er muß seine Freude darüber jemanden aus seiner Umgebung milteilcn. Und dieser danware, naiv genießende Mann ist nebenbei ein trefflicher Regisseur unb seiner Bühnen-Aesthet! Freilich gibt er seine Aiwrbliungen in seiner krustigen Solbatenspiache. von sich. Wilhelm II. uoer- raschle jüngst in Kassel die Künstler unö, den Regisseur kurz nach Beginn der Hauptprobe zur Fcstoorftellung durch feinen Besuch. Bezeichnend für die Ungezwungenheit des Kaisers ist zum Beispiel die Art, wie ev sich bei solchen Anluffen euiführt. Als dem ÄTonarchen der Sessel zur Rechten , des Regietisases seüstcedend eingeräumt wurde, deutele der Kaiser aus den Platz zur Linken mit den Worten:Ne, ick will hier sitzen!"

Die Probe ging weiter. _ _ ,

Schon im Vertäu so »>.s ersten Aktes entwickelle Wilhelm II. eilte erstaunliche Kenntnis in heraldischen Dingen. U. a. be- nitüanbete er einen Teil dev Rüstungen, die80 Jahre nach Sujiuia dem Bayern erst historisch cajt wären". Zugleich gab er einigen Darstellern Anweisungen, (vie sie den Schild tragen müßten, nämlichmit der Spitze noch unten, mit der Breitseite nach oben". Der Schild wuvoe, noch der Aussage des Kaisers, zu jener Zeit meist aus weichem Holze hergestellt. Dem Dar­steller desPäpstlichen Legalen" gab er Anregungen, wie er och Tonfall der Rolle sich zureckstlegen müßte._ Endlich bezcick)- netc ftier Monarch einige Szenen des Uhlanbfchen Werkes als beinahe eines Shakespeare würdig". Ms nun jemand aus der Umgebung die Meinung äußerte, bas Werk des Schwaben müßte wie' viele Dramen Shakespeares, ein herrliches Textouch für einen Komponisten sein, äußerle siaz Kaiser Wilhelm sehr energisch gegen ein solches Vorhaben:Was benn? Wie beim? Solche Werke imponieren? Um Gottes Willen nicht! Ein 'Jtomeo, ein Hamlet, ein Othello, der singt, sinb mir ein Greuel! Ebenso wäre es mir ein singender ,Lubwig ber Bayer !" Von allen Shakespeare-- Stücken einzig unb alleinDie lustigen Weiber von Winbfor"

Bericht über Uartofseiernte, Herbstbestellung und Zaatenstanö vom (. November.

Tas Ergebnis der K a r (0 f I e l e e »r l e s ch ä tz u n g der Preis- berichlsleile des Teutichen Landwiilschaftsrals vorn 1. Nov. b. I., ausgebrückt in Prozenten einer Miltelernle, ist folgendes:

1. November 1908 95,9 Proz., bavon erkrankt 4,4 Proz.

1. Oktober 1908 91,4 Proz.

Tie Auffassung, daß bad Anhalten der in der zweiten Sep- temberhälüe emgelretcnen fchönen Herbstwillernng beit Ertrag bei Kartoffelernte noch günstig beeinflussen würde, hat sich nacl)_bcn vorliegenden Berichten aus der letzten Okloberivoche als zutreffend erwiesen, vor allem hmsichllrch der Qualität der Kartoffeln, deren Stärkegehalt von der Aleyrzahl der Berichteil'tatler höher als im Vorjahre cingefcbätzl wird. Für die Beurlellung der obigen Pro- zenlziffer ist zu beachten, daß nach ben bisherigen (Zr'ahrün^en die Berichterstatter genergl sind, die nut 100 bezeichnete Miltelernle als eine gute Mittelernte anzufehcn, so daß anch die Prozent- zahlen von 90 bis 100 noch eine Mttlelernte bezeichiieri würden. Wenn auch, namentlich bei den ü'ührecken Sorten, die Folgen der schleckiten Witterung wahrend der ersten Wachstumspeiiode noch mehrlach hervorgehoben und für das nicht befriedigende Ergebnis im Westen verantwortlich gemacht werden, so ilt der Gefamt- eindruck dennoch eriveulicl). Tie selbst in engeren Berichtsbezirken stark von einander abweichenden Angaben über ben Ertrag unb den Prozentfat; kranker Knollen erklären sich durch die Verfchleden- artigkeit der BodenverhäUmsfe foivie der aiigebauten Sorten. Tie Einzelberichte aus allen Prodilktlonsbezirken enthalten reichhaltiges gjlaterial über die verschiedenen Erträge der eiiizetiien Kaitosfel- forlen. Im allgemeinen haben die Kartosseln aui leichterem Boden befiere Erträge gelicicrr, auch ist die ErkrankmigHziffer hier meist eine Geringere. Nur im Westen und im Süden haben Fäule und EngerUncsiraß mehrfach das Ergebnis in mehr oder minder starkem Maße beeinträchtigt. Ferner wird die Belürchtung ausgesprochen, daß die Verlustzisfer durch Frostschadeii möglicherweise eine $er- größerung erfahren dürfte, weil sich bei Eintritt der kalten Wute- nmg stellenweise noch bis ein drittel der Kartoffeln im Boden bc- sand. Ta der genaue Uuu'ang derartiger Schäden zurzeit der Be- richlerstattnng noch nicht überall feststand, so ftub solche bei den Schätzungen vielfach noch unberücksichtigt geblieben. Wesentlich größer als bei ben Kartoffeln bürue aber der Schaden sein, den die Rüben durch Frost erlitten haben, zumal deren Ernte infolge der übermäßigen Boden Här te noch sehr im Rückstände war. Sehr unangenehm empfunden wurde die in den meisten Reichsgebieten feit mehr als sechs Wochen andauernde Trockenheit bei Be­stellung der Wintersaal, die bisher nur für Roggen erledigt zu sein schemt, während mit der Aussaat von Weizen vielfach erst der Ülufang gemacht mar. Viele Landivirte wollen erst Regen ab» warten und es ist zu befürchten, daß, wenn der nicht bald ein- treten sollte, ein größerer Teil der für den Weizenbau bestimmten Felder unbestellt bleiben wird. Tie Saaten enhuicfcln sich in dem ausgetrocknelen Boden nur sehr langfam; soweit sie überhaupt aufgegangen sind, war ihr Stand meist ungleich und lückenhaik, und auch die früh bestellten unb bisher günstiger beurteilten Saaten fangen bereits an, unter Mangel an Feuchtigkeit zu leiden. Teilweise glaubt man, daß die Saat durch neue ersetzt werden muß.

Man kann heute allen Grull.es vonKasseler tinnerlagen' reden, wie man feit Fahii'N schau vonWi sbaeener Kaiserlaarn' spricht. In dem berulymten Badeo; gelyöri berJJtai Den Fest spielen, in ber ehemaligen Knrfüril..istaol der August. -------___ _____

Alljährlich pflegt Der Äümarch, wenn er von Der Rorblands- sie belebt uno erhöht Den seelischen Zustand und .reife kommt, im bäumcprachtigen W.lhelmshöhe mit der Bauer-1 fo selbst hellkräftige Wirkungen zu üben.