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4.7.1908 Erstes Blatt
 
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Feuer unb brannten mit erschreckender Schnelligkeit. Bis­her fand man 8 Leichen. Es scheint aber sicher, daß noch viele Passagiere, welche sich bei der Katastrophe in den Betten befanden,unter den Trümmern begrab en sind. Erst später wird es möglich sein, den genauen Umfang der Katastrophe festzustellen. 20 Schwerverletzte wurden aus den Trümmern hervorgezogen.

* Ein 82jähriger Bräutigam. In Baden bei Wien hat sich der älteste Schauspieler des Burgtheaters, der 82jährige Hofschausvieler Bernhard Baumeister mit seiner 29 jährigen Verwandten Rosa Pischinger vermählt. Man behauptet, daß, als vor einigen Wochen die Nach­richt von den Heiratsabsichten des vielfachen Jubilars zum erstenmal auftauchte, er das Gerücht mit den Worten demen­tierte:Es ist nicht wahr, aber auf eine gute Idee haben mich die Leute gebracht."

Kleine Tageschronik.

In Gotha ist der Direktor der Feuervcrsicherungsbank Geh. Füranzrat Döbel g e st o r b c n.

Aus unglücklicher Liebe ist in Berlin ein 15- jähriges M ädchen in den Tod gegangen; des Lokomotiv­führers Ebing er älteste Tochter Margarete. Sie hatte im Ki.chen- chor einen gleichalterigen Mechaniker kennen gelernt. Die Eltern machten ihrer Tochter, die ständig mit dem jungen Manne zu­sammenkam, Vorwürfe. Die Folge war, daß das Mädchen Gift trank, dessen Wirkungen es trotz aller Gegenmittel erlegen ist.

Am 3. Juli begab sich ein Hamburger Schüler bei Kügel- bake ins Watt; er wurde von der Strömung ersaßt und ertrank. Ein Hamburger Lehrer, der ihm zur Hilfe eilte, kam gleich­falls ums Leben.

Aufsehen erregt ein Ermittelungsiverfahren gegen ein Ehe­paar in Gählenau (Bezirk Breslau-, das im Verdacht steht, von seinen elf Kindern acht vorsätzlich getötet zu haben. Tie Kinder starben stets auffallend schnell. Vor wenigen Tagen erfolgte wiederum die Beerdigung eines unter verdächtigen Mo­menten plötzlich verstorbenen mehrere Monate alten Kindes dieses Ehepaares. Auf Veranlassung der Staa.sanwaltfchast ist das Kind ausgegraben und obduziert worden.

Unter dem Verdacht der versuchten Verleitung zum Meineid ist Dr. Hans Sigismund Jaspis, herzoglicher Leibarzt in Han­nover, verhaftet worden. Der Affäre liegt eine Familien­tragödie zugrunde. Dr. Jaspis soll ein Verhältnis mit einem Mädchen unterhalten haben und deshalb in Ehescheidung geraten sein. In dem Ehescyerd'.nmsprozeife war dieses Mädchen als Zeugin geladen, vor ihrer Vernehmung soll Jaspis sie brieflich aufgefordert haben, vor Gericht das Verhältnis in Abrede zu stellen. Der Brief ist xur Kenntnis der Behörde gekommen, sein Inhalt bildet den Gegenstand der Untersuchung.

DieErste internationale Ausstellung von Auto­mobil für die Landwirtschaft" wird in Bourges in Frankreich stallfinden. Für die da'ür zugelassenen Gerate, Erzeugnisse und sousligen Gegenstände haben die franz. EisenbahngefelsichaUcn'e ne Frachtermäßigung um die Hälfte in der Weise bewilligt, daß sie für Güler nach Bourges die volle Fracht und für den Rücktransport kei­nerlei Fracht berechnen werden.

In Paris bat ein D.egenduell zwischen dem Chef­redakteur desMatin", Jouvenel, und Paul de Cassagnae statt- gesunden. Jonvenel wurde am rechten 2Ir.it verletzt. Demnächst soll ein Duell zwischen dem Anwalt Labori und Jouvenel statt- finden.

In der Umgegend von Tiflis wurde eine von vier Schutz- leutcn begleitete Po st von einer Anzahl Räuber überfallen, die drei Bomben tvarsen und Schüsse abgaben. Ein Postbeamter wurde getötet; ein zweiter Beamter und der Kutscher wurden schwer DiT.uunbet. 20 ODO Rubel fielen den Räubern in die Hände. Die Schutzleute töteten einen Räuber und verhafteten einen an­deren.

In Haidhausen (Bayern) stieß ein Radfahrer mit einem Straßenbahnwagen zusammen und wurde getötet.

In der polnischen Jndustrieitadt Lodz wurde der Fabrikant

Steigert aus dec Straße in feinem Wagen von drei Bewaffneten über'allen und es wurden ihm 1100 Rubel geraubt Die Banditen ließen ihn aus dem Wagen steigen und entkamen mit demselben.

Nach einem Kabelbericht aus Newhork wird der Herzog der Abruzzen Katherina Elkins, die Tochter des Bun­dessenators für Birginien, nicht heiraten. Ter Grund des Scheiterns soll im Widerstand des italienischen Hofes liegen.

handel.

"Konkurse in Hessen. lieber das Vermögen des Schneidermeisters Peter BÜrner in Mainz, Lotharstraße 3, ist am 13. Juni das Konkursverfahren eröffnet worden. Anwalts­bureauvorsteher Peter Winh in Mainz wurde zum Konkursver­walter ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 5. Juli bei dem Amtsgericht Mainz anzumelden.

D i e N o m o s - U h r e n, die von der Nomos-Uhren- Gesellschaft in Glashütte vertrieben werden, werden nicht in G l a s h ü 11 e, sondern in der Schweiz hergestellt, woraus aus Wunsch von Jnteressenkreisen aufmerksam gemacht sei.

** TerJahresberichtderHandelskammerWctz- lar besagt über die Lage im Kammerbezirk u. a.: In unserem letzten Bericht haben wir auf die Tatsache hingewiesen, daß dem hiesigen Bergbau von den rheinisch-westfälischen Erzverbrauchern erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt wird, die in umfangreichen An­käufen von Eisensteingruben an der Lahn und Dill durch die Hüttenwerke am Niederrhein in die Erscheinung tritt. Auch im vergangenen Jahre hat der Erwerb von Grnbenseldern durch Hoch­ofenwerke weitere Fortschritte gemacht. Eine weitere erfreuliche Erscheinung ist darin zu erblicken, daß im vergangenen Jahre die Grubenbesitzer Unlersuchungs- und Ausschlußaroeiten in größerem Umfange als bisher in Angriff genommen haben. Hierbei ist wahrzunehmen, daß die Neigung vorherrscht, die Gruben sowohl unter wie .über Tage mit den modernsten und technisch voll­kommensten ' Einrichtungen für Gewinnung, Aufbereitung und Transport auszugestalten, um auf dies Weise die Leistung zu er­höhen und die Gestehungskosten zu verringern; in früheren Jahren ist nach dieser Richtung manches versäumt worden. Inzwischen sind auch die Arbeiten für die Anfertigung einer geologischen Karte des hiesigen Kreises von der Staatsregierung in Angriff genommen woroen. Ter Knappschaftsverein war vor die Auf­gabe gestellt, seine Verfassung und seine Einrichtungen mit den Bestimmungen der neuen Novelle zum Berggesetz vom 19. Juli 1906 in Einklang zu bringen. Der Absicht des Gesetzes, die Leistungen der Knappschaslsvereine dauernd zu sichern, ist zuzu- stimmen. Jedoch hat sich ergeben, daß die Besttmmungen der Novelle, die eigentlich nur auf die Verhältnisse der Kvhkenreviere zugeschnitten ist, die anders und eigenartig liegenden Bedürfnisse des Erzbergbaues, insoesoirdere unseres Bezirks nicht genügend berücksichtigt. Trotz der hieraus entstehenden Schwierigkeiten haben die Werkbesitzer an der Auffassung festgehalten, daß die Leistungen des Vereins auch jetzt in keiner Weise verkümmert werden dürften. Tas hatte zur Folge, daß die sowohl von den Werisbesitzern wie von den Kassenmitgliedtrn zu leistenden Beiträge nicht un­beträchtlich erhöht werden mußten. Für die WerksOesitzer kommt hinzu, daß sie seit dem 1. Jan. d. I. von den Krankenkassenbei­trägen statt des bisherigen Dritteils die Hälfte zu tragen haben. Durch diese Mehrleistung der Werksbesitzer vermindern sich natur­gemäß entsprechend die Leistungen Der Kassenmitglieder, so daß dadurch die Erhöhung der Knappschaftsbeiträge für sie ungefähr ausgeglichen und die durch das Gesetz geforderten Mehrleistungen tatsächlich von den Werksbesitzern getragen werden. Vom Wetz­larer Knappschaftsverein ist die Verschmelzung mit dem Allge­meinen Knappschastsverein Nassau-Diez-Weilburg, angeregt wor­den, doch kann iwch nicht gesagt werden, ob sie sich durchführen läßt. Schließlich wollen wir nicht unterlassen, noch auf ein für die Geschichte der Gewerbetättgkeit unseres Bezirks bedeutsames Ereignis hinzuweisen. Wahrend des Berichtsjahres hat das 100000. Mikroskop die Werkstätten der Firma Ernst Leitz ver­lassen. Wir geben der Hoffnung Ausdruck, daß unserer, sich heute schon eines Weltrufes erfreuenden Wetzlarer optischen Industrie

auch weiter eine an Erfolgen reiche Zukunft beschieden sei. Di^ gesamte wirtschaftliche Entwickelung unseres Bezirks kann als be­friedigend angesehen werden. Unsere Auffassung über die Aus­sichten für die nächste Zeit geht dahin, daß der Tiefpunkt ber Abwärtsbewegung noch nicht erreicht ist, daß aber die inneren Verhältnisse der deutschen Volkswirtschaft so gesund sind, daß auf ein Ueberstehen der wirtschaftlichen Krise ohne die nachteilige Folgeerscheinung eines langdaueri'den Siechtums wohl mit ziem­licher Sicherheil zu hoffen ist. Tie Wiederkehr geregelter Ver­hältnisse auf dem Geldmärkte würde freie Bahn für eine Besser­ung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage schaffen und erscheint deshalb in erster Reihe wünschenswert; doch bleibt zu beachten, daß es stets längerer Zeit bedarf, bis eine Besserung auf dem Geldmärkte auch in den Ergebnissen gcwcrolicher Tätigkeit ihren Niederschlag findet.

K r a n k e n k a s s e n - I u b i l ä u m. Auf daS 25 jährige Jubiläum einer für seine Mitglieder segensreich gewordenen so­zialen Tat kann in diesen Tagen der Verband Deutscher H a n d l u n g s g e h ü l f e n zu Leipzig zurückblicken. Er schuf 1883 eine mit Freizügigkeit ausgestatlete Kranken- undBc- g r ä b n i s k a s s e, die sich schnell zur größten tauimännischen Krankenkasse enlwickeUe. Sie umsaßt heute über 42 000 Mitglieder, j die Hälite aller Mitglieder des Leipziger Verbandes. In ihren 6 Klassen zahlt sie Krankengeld von täglich 1 bis 5 Alk. bis 511; einem vollen Jahre, freie ärztliche Behandlung für 26 Wochen, außerdem Begräbnisgeld von 50 bis 300 Mk., sie übertrifft daher in ihren Leistiingen bei weitem die fogeiiaiuucu Zwangstrankenkassen, dabei erhebt sie fast durchiveg ivesentlich mebrigcrc Beiträge als diese. Auch bei den Prinzipalen findet die Kasse immer mehr Be­achtung. Zahlreiche Firmen übernehmen für ihr männliches Per­sonal die Beiträge ganz oder wenigstens zu einem Drittel (wie bei den Ortskrankenkassen) und verhelfen ihren Angestellten bei einer eigenen gleichzeitigen klemen Ersparnis dadurch zit einer günstigeren, wertvolleren Krankenversicherung. Ter Mitgliederzugang der Leip­ziger Kasse betrug im letzten Jahre 6529, die SDhtgliebcr verteilen sich auf 3018 Orte, von denen m 510 Orten Veiwaltungs- oder Zahlstellen bestehen. Das Kassenvermögen beträgt über 850 000 Mark. Rach dem letzten Jahresberichte entfielen auf je lOu Per-! fönen 102 Erkrankungen überhaupt, von bene» 24,5 Erwerbs-lln-l sähigkeit zur Folge hatten. Arbeitsunfähig krank waren 34 Mit-; glieöer über 52 Wochen lang, 132 über 26 Wochen, 296 über 13 Wochen und 703 über 6 Wochen. Tie Auszahlungen für Kranken- unterstützungen erforderten 979 384.80 Alk. und für Begräbnisgeld 24 864.50 Pik, die Kasscnleistungeu haben also eine Million jähr-. lich überschritten, ärztliche Behandlung, Arznei mib Heilmittel er­forderten eine halbe Million. Die Gefamtausmhluugen nirKrankcn- iiiiterstützuiigen und Begräbnisgelder feit Bestehen der Kasse be­tragen mehr als neun Millionen Mark.

Gießener Wetterdienst.

Voraussichtliche Witterung für .ycfielt am Sonntag den> 5. Juli: Meist wolkig. Geringer Regen. Temperatiir ivie heute.

Mnllcr'sche Badeanstalt.

W a f f e r io ä r m e der Lahn 19 °R.

OrigLttaL-DrahLmeldungeu.

Linz, 4. Juli. Im Selztal wurde em Kutscher von! einem Automobil des Barons Maximilian Berg über-i fahren und sofort getötet.

Fiume, 4. Juli. Die Kapitäne und Maschinisten] der ungarisch-kroatischen Schiffahrtsgesellschaft beabsichtigen! wegen Nichtbewilligung von Forderungen in den Streik zu treten.

Budapest, 4. Juli. Gestern abend ging über diel Stadt und Umgegend ein schweres Unwetter nieder,! welches bedeutenden Schaden anrichtete. Der Blitz tötete- ein neunjähriges Mädchen und mehrere Personen wurden! lebensgefährlich verletzt.

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