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zertrümmert. Tie Trümmer fingen
en voll
Vermischtes.
* Ein Eisenbahnunglück, '.'lach einer Meldung ouy Newyork ereignete sich bei Knvbnöfter im Staate Missouri ein furchtbares Eisenbahnunglück. Bei Nacht und Nebel, welcher die Signale nicht deutlich erkennen ließ, ft i e 6 c 11 zwei Schnellzüge zusammen Beide wur-
2tus Stadt und tLand.
Gießen, 4. Juli 1908.
- TageSkalender. Kinematographentheater: Programrmvechsel am Samstag.
Kolosseum: Sonntag : Austreten des Opernsängers Plate- Frankfurt.
** Aus dem M i l i tä r w o ch e nb l a t t. v. N i e b e r, 'Gen.-Major und Kommandeur der 25. Feldart.-Brig. (Grvßh. Hess.), in Genehmigung seines Abschiedsgesuches, unter Verleihung des Charakters als Gen.-Lt., mit der gesetzlichen Pension zur Disposition gestellt. — N o e l d e ch e n, Oberst und Kommandeur des Neumark. Feldart^Regts. s??r. 54, mit der Führung der 25. Feldart.-Brig. (Großh. Hess.) beauftragt.
♦* Militärische Besichtigung. Ter Brigade- Kommandeur General v. F-rancoiS besichtigte gestern nach- mittag die Mannschaft deS Bezirksrommandos, woraus eine Revision der sonstigen Dienstführung vorgenommen wurde.
•• DaS Bezirkskommando soll am 1. Oktober nach dem Hause des Herrn OSkar Gutmann, West-Anlage 31, Erdgeschoß, verlegt werden. DaS preußische Kciegßministerium hat dem mit Herrn Gutmann abgeschlossenen Mietsvertrag bereits zugestimmt. Wegen der Aufteilung bezw. lieber- lassung dcS Geländes des alten Bezirkskommando-Grundslücks Selteröweg 55, das Eigentum des hessischen Staates ist, werden neuerdings mit den Anliegern wieder Verhandlungen gepflogen.
" Eine Sitzung deS Provinzial-AuSschusseS findet am SamStag, 11. dö. Mts., vorm. 9 Uhr mit folgender Tagesordnung statt: 1. Reklamation gegen die Beige ordnete niva hl zu Hochweifel; 2. Gesuch des Heinr. Berg zu Weickartshain um Erlaubnis zum Betrieb einer Gastwirtschaft; 3. desgleichen deS Adam Karle zu Ehringshausen.
<flcrid)UjaaL
s Marburg, 3. Juli. Tie L e c n eines Kindes kamen ui einer Verhandlung vor der Straita m m e r beute treffend zum Ausdruck. Tie 5 Jabre alte Elisabeth Tiehi ui Easuop verlor int Jahre 19U6 nut ihren 7 teils älteren, teils jiingcren Gejchwlstern, 3 ivnrcn schon oorber Qcitorben, die Mutter. Ter Vater, ein armer Bergmann, brachte 4 von den Kindern, darunter auch die Elisabeth, bet einer Familie in Berghoien nn Mrene Viedenlopl unter und nahm auch später deren Tochter zur Frau. Bet ihrer neuen Muller soll es nun die Elisabeth sehr schlecht gehabt haben. Hungernd unb Nterend griff sie gierig arii der Siraße nach Speiseabiällen, Nahm den Schivcmcn öfters das FrUter tveg und o'ters kam sie unter den Spuren schwerer Mm- baiidltuigeu in die Schule. Tas Sltnö magerte zttfebends ab und am 25 Januar starb es. Bet der ärztlichen Untersuchung stellte man fest, da» der Körper des Kindes vollltändtg nut den Spuren ichiverster AUßhandlung bedeckt tvar, mehrfach wurden auch Blut- ergrisse sestgesiellt. Tie Blutter, dte Henle angeklagt war, lengneic jede Schuld. Tie Eroßmittter und die onbcieii Kinder hätten das Mädchen ost geschlagen. Tas Gericht hielt für ü-stge,teilt, das; das Kind mißhandelt worden sei, es nuiy sedoch auf Frerspre ch rt n g erkennen, weil nicht festgeslelit werden tonnte, wer der ^chul- dige sei. . , . .
Leipzig, 3. Juli. Tas Reichsgericht verwart bie Revision des Redalteurs Martin Schmidt von der „Berliner Morgenpost", der am LG. März vom Landgericht Berlin I wegen Beleidigung des Fräuleins Olga Molitor zu neun Monaten Gefängnis verurteilt worden war.
Augsburg, 3. Juli. Ter 23 Jahre alte Dienstknecht Steinberger von Pfaffenhofen, der am 16. Mar; seine schwangere Frau heimlich in den Wald gelockt und ermordet hat, um ein vermögendes Mädchen heiraten zu können, wurde gestern zum Tode verurteilt. , ,
Luxentburg, 3. Juli. Präsident Cohn vom Luxem- burgischen st a t i st i s ch e n Amt, der wicderho.t sich an Beamten in seinen Bureaus vergangen hat, ist von dem dortigen Gericht zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden.
Universitäts-Nachrichten.
— Wie uns auS Halle a. d. S. gemeldet wird, wird Geb. Rat Pro'. Dr. B o l h a r d zum Herbst die Tireklion deS chemischen Instituts der dortigen Universität niederlegen. Zu seinem Rach- ,'olger ist der dortige außerordentliche Proieffor Tr. Daniel B or- l ä ii d e r ui Aussicht genommen. Jakob Bolhard, em geborener Darmstädter, steht im 74. Lebensiahre. In die Anfangs- gründe der Cheiiiie wurde er von Liebig eingelübtt 1855 vro- movierle er in Gießen unb folgte 1856 Pros. v. Liebig als Assistent nach 'München. 1862 entdeckte er in Marburg eine der ersten Synthesen tierischer Substanzen, die de4 Sarkosins. Seit 1881 wirkt et in Halle. ~ ,
Tem ehem. sächsischen Olittmeister Fritz von schiverdlner, der seit Jahren als Proieffor der Kunst und Literatur am St. Johns College tu Annapolis tätig gewesen ist, wurde aus 'Anlaß seines Rücktrittes von dieser Stelle vom Senate der Universität der Grad eines „bachellor of arlS" verliehen.
vermißt wird. Sachdienliche Mitteilungen werden im
Tie Osnabrücker Regierung gibt bekannt, daß zwischen der preußischen Unterrichlsverwaltiing einerseits und der iranzö'i'chen unb englischen anbererseils Vereinbarungen wegen gegenseitigen Austausches van Lehrerinnen an höheren Mädchen- schulen abgeschlossen worden sind. . .
In Mülheim (Ruhr) ist am Freitag in Anwesenheit der Prinzessin Viktoria von Preußen, der Fürstin Schaumburg-Lippe, des Landeshauptmanns Tr. v. Renvers u. a. ein Denkmal Kaiser Friedrichs enthüllt worden.
In Leipzig ist Bürgermeister Tr. D i t t r r ch zum Ober- bür ge r meist er gewählt worden.
Tie Staatsanwaltschaft tit Essen hat den Strafantrag des Reichstags-Abg. Behrens gegen den neuen Z c ch c n v e r b a n d wegen des Schwarzelisleiisystems a b gelehnt mit der Begründung, daß irgend ein ungesetzliches, unter Strafe gestelltes Vergehen nicht in Frage komme, unb daß das Vorgehen des Zechenverbandes über seiner Geschä'tsiührung keine Zuwlberhanblung gegen bie §§ 240 ober 253 ober 153 der Gewerbeordnung abgebe.
Tie roürttemb. Abgeordnetenkammer ermächtigte auf Anregung der Abgg. Haußmann und Genossen den Präsidenten, dem Grafen Zeppelin zu der bahnbrechenden unb glänzenden Lösung beS großartigen Problems der Turchsieuerung der Lüfte den Glückwunsch unb den Tank des HauseS zu übermitteln. ,
Tie bayerische Kammer der Abgeordneten hat einen Antrag für Ablösung der Bodenzinsen, ivonncb bis 1940 diese Zinsen erlöschen sollen (es sollen jährlich 3* s Millionen dasür eingestellt werden), angeiiommen. Flnanzminister von Pfaff erklärte, daß er noch dem gegenwärtigen Landtage einen bezüglichen Gesetzentwurf vorlegen werde. Ter Antrag Hilpert am eine frühere Ablösung (1936- wurde abgelehnt.
Zimmer 18 des Polizeinebengebäudes zu Franksttrl, KlingecsUaße 21, enlßegengenoinmcn.
Q Kle in - Linden, 3. Juli. Zu den vielen Vereinen, die hier schon bestehen, hat sich dieser Tage miet) noch ein Wohltätigkeits-Verein gebildet, der für ivohltätige und gemeinnützige Zivccke Mittel anfznbrnigen beabsichtigt.
s. L o l l a r, 3. Juli. In der NU,-e des Bahnhoss geriet heute nachmittag gegen 6 Uhr daS Dienstmädchen des Landwirts Lndw. Hosrnann unter die Räder c^neS^ beladenen -Land- ivagenS und cs würbe ihm eine Zehe des linken Fußes aogegueischt. Im Augenblick des Unfalles sc,aß das Mädchen die Gcistesgegew war., sich auf die Seite zu wälzen, sonst wären ihm die Räder über den .su re er gegangen. Tic Verletzte rourbe von ihre in Dienstherrn mittelst 'Lvagen nach der elterlichen Wohnung gebracht und wird wahrch.einlich nach Anlegung des ersten Verband.s in die Klinik überführt werden. Den Fuhrmann trifft keine Schuld.
X Lang-Göns, 4. Juli. _ Ein prachtvolles Bild bietet ich denk, !d.r gegenwärtig die Straßen unseres Ortcs durchschreitet. Jedes Haus ist mit Tannengrün, Fähnchen und Fahnen geschmückt und sieht man daraus, welchen regen Anteil die hiesige Bürgerschaft an dem F a h n e n w e i h f e st e des Turnvereins nimmt. Jeder Bürger sucht fein Bestes zu tun. Tas ganze Fest ist sehr schön arrangiert. In dem Festzug befindet sich eit?Brautpaar in ÜDüttenbergcr Tracht und au, dem Festplatze werden Trachtenrcigen aufgeführ.. Taö gesangliebende Publikum wird durch die gesanglichen Vorträge der beiden hiesigen, schon oft preisgekrönten Gesangvereine unterhalten werden und für Turnfreunde wirken ca. 2a Vereine aus dem Gan Lessen. Der Turnverein Lang-Göns hat altes getan, damit das Publikum aus seine Rechnung kommt.
4- Allen darf a. d. Lahn, 3. Juli. Tas neuerbaute Schul Haus geht feiner Vollendung entgegen. Man hofft, daß schon im September die Einweihiing geschehen kann.
4- Queckborn, 3. Juli. Die schon bejahrte Fran eines hiesigen Einivohners wurde morgens in ihrem Garten in bewußtlosem Zustande anfgefunden. Mit einem Rasiermess er hatte sie sich die Pulsadern an beiden Armen geöffnet, um auf diese Weise ihren Tod herbeizuführen. Dem rasch zur Stelle gerufenen Arzt gelang es, die Frau wieher zum Bewußtsein zu bringen. Bei ihrer Vernehmung erklärte sie, die fortgesetzten Bedrohilngen und Mißhandlungen seitens ihres Mannes, der stark den, Trnnke ergeben ist, haben sie zit dieser unheilvollen Tat getrieben.
-- Bad» Rau heim, 3. Juli. Bis zum 2. Juli sind 14437 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 6471 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 2. Juli 161 091 abgegeben.
g. Bad-Nauheim, 3. Juli. Am gestrigen Tage fand hier eine Konferenz der Bürgermeister von Friedberg, Bad-Nauheim, Alzey, Bingen und Bensheim statt.
23. ©riebet, 4. Juli. Ntovgen findet hier ein Krieger- sest statt, mit dem die Fahnenweihe deS lericgervereind Griedel verbunden wird. Zahlreiche Anmeldungen auswärtiger Vereine sind eingetroiien, so daß dec Besuch sehr stark zu werben versprich:. Die Babnverwaltung der Butzback)—Lick-cr Eisenbahn sah sich daher gezwungen, zwei Sonderzüge einzulegen, um bcu Verkehr bewältigen zu tonnen. Die Gemeinde hat sich be- Niühi, deiii Feston ein festliches Gewand über^utverfett An das Haupkfcst schließt sich am Montag eine Nachfeier an.
= Eichelheim, 3. Juli. Ganz bedeutende Eijeustein- Lager sind dieier Tage von einer fremden Gewerkschaft im Cberwnlb aufgeschlossen worden. Wie verlautet, sollen sie bie bis jetzt in Lberhessen gestinbenen Eisenerze in Bezug auf Qualität bedeutend übertreffen. Eie liegen 1 bis 2 Vieler unter der Oberfläche, wie man hort auf einer große nZlluSdehnung hin mit einer Mächtigkeit von 8 bis 12 Pieter. Tie Schürfungen sollen auf Anregung und Angabe eines Bohrmeisters Schmitt erfolgt sein. Man vermutet noch weiteres Vorkommen von Eifensteincn in der hiesigen
Gegend. Wir wünsche-.i zum Segen bc5 ganzen VogelSberges bie besten Erfolge bei der Arbeit, um fo mehr, als seither dte hiesige Gegend als mineralarm bezeichnet wurde.
Mainz, 2. Juli. Eine Schulangelegenhett, d'.e feit einem Vierteljahrhundert Schulvorstand, Bürgermeisterei und Schulausschüffe, sowie das Großh. Schulministerium beschäftigt hat, »st nach längeren Verhandlungen zu einer befriedigenden Lösung gekommen. Tem Kceisschnlinspektoc Tr. Bach sind die Funktionen eines städtischen Schul- inspektorS übertragen worden. Tahin lautet der Beschltiß der gestrigen Stadtoerordneten-Versammlung.
o. Dorlar, 3. Juli. Gemeinnützige Aufgaben sucht die hiesige Gemeindebehörde fortgesetzt zu erfüllen. Mit großem Kostenaufwand wurde eine Gütcroerladeuelle eingerichtet, bie auch den benachbarten Crlcn Atzbach, Wald- girmes uff. sehr zu statten kommt. — Tie schon seit einem Menschenalter geplante neue Schiile steht jetzt vollendet da, daß sie ivohl zum 1. August eröffnet werden kann. — Tazu ist die Zusammenlegung der etwa 400 Hektar saffenden Feldmark in der Ausführung begriffen. — Alle diese bedeutenden Unternehmungen stellen natürlich erhebliche Anforderungen an den Gemeindefäckcl. So sind für das Jahr 1908 200 Proz. der Real- unb 200 Proz. ber Einkommensteuer zu erheben.
X Waldgirmes, 3. Juli. Trotz iviederholter AuS- chreibung konnte eine durch den Tod des Lehrers Bangel nn Winter frei gewordene Schul ft eile bisher nicht besetzt werden. In Ermangelung von Schulamisbcwecbern int Regierungsbezirk Wiesbaden hat mit dem gelingen Tag eine Lehrerin ihren Einzug gehalten. Wie alle 4 Schulklaffen, so leidet besonders die Unterklaffe — mit 87 Kindern — an Ueberfüllung.
[] Marburg, 3. Juli. In der Htadtverord- netensitzung besprach man das Groß feuer im Elektrizitätswerk. Ter Sb.roUtgerlueistcr mcime, bau der Braud durch Schvcufteinfuukcn entstanden sei. Durch '2Luf- stellung neuer Maschinen würde das Werk nächste Woche wieder leistungsfähig werden.
h. A u s b c m Dilctal, 3. Juli. In Sechshelden wurde kürzlich bie Leiche eines unbekannten Mannes auf dem Bahn- gleis geiunben. x3ic b.c „Frkf. Äü Pc." jetzt hört, sinb drei Vausteinarbeiter unter dem Verdaa-t verhaltet worden, den jungen 'Di a n n ermordet, beraubt und zum Schein auf die Schienen gelegt zu haben.
Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Ter Äleickistagsabg. Bebel ist nach mehr- w^chentlichcm Kuraufenthalt wieder von Bab-Nanheim ab■ gereift. — Im Torfe Wehrda ertrank gestern abend beim Baden in der Lahn der 21 Jahre alte Schuhmacher Nie. £rb aus Cölbe. — In M a i n z wurde der Rangierer T a r m st a d t aus Nierstein im hiesigen Hauptbahnhofe totgefahren. Er wollte am nächsten Sonntag heiraten.
•• Zur LandtagSwahl. Der hiesige sozialdemokratische Wahloerein hat für die Landtagswahl den Stadtverordneten Eduard Krumm als Llandidaten amgeilellt.
•• Lehrerpersonalien. Verliehen wurden der Schul- verwalterin an ber höheren Bürgerschule zu Büdingen Elisabeth Lerch bie Rechte einer beftmtio angestellten Volksschullehrerin. Uebertragen wurde dem Schulamtsaspiranten Ludw. Bill aus Rieder-Weisel, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Dudenhofen.
** Aus dem Bureau des Stadttheaters Für die Aufführung der Lperette .Geisha^ am nächsten Dienstag gibt sich schon in zahlreichen Vorbestellungen ein außerordentliches Interesse kund, so daß Jntereffenten^ gut tun werden, sich bei Zeiten Plätze zu sichern. Die hübsche Ausstattung an Dekorationen unb Kostümen wird im Rahmen unseres neuen Hauses zweifellos sehenswerte Bühnenbilder ergeben. Erwähnt sei noch, daß die Tanzeooluttonen von unserer Balletmeisterin Frl. Oldin» cinl'tubiert worden sind.
** Ter P o ft u n t e r b e a m t e n v e r e i n hält morgen ein Somme rfeft aus ber „Schönen Aussicht" ab, zu dem jedermann Zutritt hat und für das umfassende Vorbereitungen getroffen sind.
♦♦ Unfall. Gestern karambolierte em Zug ber Bieber^ talbahn hinter dem Schlachthof mit einem Fuhrwerk des Ccfonomen Chr. Nebe. Tie Pferde wurden verletzt, das eine fo erheblich, daß es in die Beterinäranftalt geschafft werden mußte.
Vom Obinger öofrat. Hofrat Nothschilb bei 'chon feit Rtonaten hier im Untersuchungshaft sitzt, wirb dem hefstschen Staat immer teurer. Jii ben nächsten Tagen wird der Herr Hosrat ziir Beobachtung seines Geisteszustandes aus 6 Wochen in bie Lanbesirrenanstalt nack Heppenheim gebracht werben. — In einer Reihe auswärtiger Zeitungen findet sich fokjenbe Nachricht über bie Bübingcr Affaire:
„Wie jetzt bekannt wird, soll der Konkurs bc5 biesigeu Bankhauses Weriheimer zu einer f c n i n 11 o n e 11 e n U e b e r r a i d) n no qe übtt haben. Bekaumlich fallierie das Bankhaus mit 10 Millionen Pcusiveu, denen fast gav lerne Aktiven gegenüber standen. Ter Inhaber des Banlhau'es Hoirat Rolhfdiild lumbe in Zürich unter anscheinend ärmlichen Verhäilmsien ucvlmitet; er war ohne Muiel unb gab als Ursache des Zusnniuienbrucbcs verfehlte ^pekulailoucn an. Jetzt nack) mehreren Monalen foll man nun die Entdeckung gemacht haben, daß er in London 8 Millionen M art T e v o > ilengelder emgezahlt und durch die Borwiegelung von Spekilläliousverlusteii einen 'Jlicicnid)rombel ausgeiührt hat."
£b diese 9lachrichl, die für die Gläubiger Rothschilds ja recht erfreulich wäre, den Tatsachen entspricht, können wir nicht kontrollieren, umvahrschemlich genug sieht sie ja immerhin aus.
"Ein Kind von Zigeunern geraubt? Rach einer von der Polizeiverwaltung ^llzcy an das Frankfurter Polizeipräsidium gerichteten Depesche treibt sich in der dortigen Gegend eine Zigeunerbaude umher, bie ein fünf bis sechs Jahre alles Kind bei sich führt, daS angeblich aus der Stadt Frankfurt a. M. oder deren Umgebung stammen soll. In den letzten Tagen ist dec Frankfurter Polizei ein Kind von diesem Sliter nicht als vermißt gemeldet worden, doch ist nicht ausgeschlossen, daß in der Rachbarschast ein
ArdeiterbeweguriA.
— Ueber eine Demonstration von Mctzcr Maurern berichtet die bortiae „Bolksztg.": Etwa 300 Maurer protestierten gegen die Zgstänoc in den Mserncnneubautrn am Elisabethsort. Dort besänftigt der Bauunternehmer Heller aus MannlÄm nur nichtorganijierte Maurer aus.Dieburg und zwar nidü zu den Tariibcbingungm. Nach Annal/me einer Resolution formulierten die Versammlungsteilnehmer einen Demonstralrons- zug nach dem Elffabethfort. Don Halle sich ein Schutzmannsauf- gebot ausgestellt. 5-crncr hatten Soldaten mit dem Gewehr un Arm das Gelände zu übmvadjen. Es wurde der Be- sehl „Laden zum Schuß" erteilt. Die oiyamucrtcn Maurer zogen, itad;bem sie ein Hoch auf ihre GewerkschaU ausgebracht, wieder ab.
Parma, 3. Juli. Da die Ackreitgeber die Aussoerrung weiter sortzusctzen beschlossen haben, erklärten die Landarbeiter ihrerseits den Kampf bisaufSäußer sie fortsetzen zu wollen.
rlusland.
Unter den AdmiralenEnglands herrschen derartige Feindseligkeiten, daß man für die Disziplin der Flotte überhaupt ernstlich fürchtet. Tie Offiziere nehmen für oder gegen den einen oder anderen Admiral Partei, und es kommt vor der Mannsdiast zu ungehörigen Auseinander,etzungen. Tie Aomirali- täl scheint sid) vor Disziplinarmaßregeln zu fürchten, da jeder Betroffene eine Untersuchung durch ein Kriegsgericht verlangen könnte imb dadurch der Skandal nur noch größer werden würde.
Zum Kommandanten und zum Kapitän des neuen belgischen Schulschiffes „Avenir" sind zwei ehemalige deutsche M a r i n e o s s i z i e r e ernannt worden. xu)e Ernennung hat in belgischen Seemannskreisen bö,es Blut gemacht. Berschiedene Marineverbände haben an das Marineniiniiterium Protestnoten eingebracht: sie erblicken in der Berufung em Mißtrauensvotum gegen die belgischen Offiziere.
Ter f r a n z ö s i s ch e M a r o k k o - G e n e r a l d'A m a d e hat am 29. Juni ohne Schwertstreid) Azemur besetzt. Er zog mit den französischen Truppen in die Stadt ein, die bis zur Aiikunsl der marokkanischen Truppen von den Franzosen beietzt gehalten Werden soll. Die „Agenee HavaS" bemerkt, d'Amaüe habe die Expedition unternommen, Weil infolge der von dem hasidischen Pasd-a von Azemur zwisd)en den Schtuna und Schiad- mad angezettelten Unruhen die Pazifizierung dieses Teiles des Schaujagebietes nicht mehr sicher crsch.iue. Das'Parsec „I urual" macht daraus ausmerksam, daß Azemur aup-rhalb des Schauja- gebietes und der sranzösisck)en Aktionssphäre liege. Tie sranzv). Regierung hat Veranlassung genommen, den General daraus hin- zuiveiseii, daß seine Jnstruttionen ihm nicht erlaubt hätten, den Uber Webia zn überschreiten. Es genüge auch nicht, wenn er feine Truppen aus Azemur wieder zurückziehe, sondern er hätte sid) bis zu der Operationsbasis zurückzubegeben.
Tie französische Kammer erörterte die Gesetzesvorlagen betressend die Abschaffung der T o d e s st r a f e. Rei- nach sprack) sich für die Aushebung ber Strafe aus und wies aus die Gefahr hin, die in der Anwendung nicht mehr wieder gut zu machender Strafen liege. Für die Zunahme bet Totschläge machte Reinach den A l k o.h o l i s m u s verantwortlich.
And) in der r u s s i f cf) c n D u m a brachten 103 Deputierte einen Antrag auf Abschaffung der Todesstrafe ein.
Im österreichischen A b g e o r d n e t c n h a u s e führte ber Ackerbauminister Tr. Ebenhoch ans, er habe in sämtlichen Teilen des Staatsgebietes umsassende Erhebungen wegen der m- tolflc der herrscheiiden Dürre der Land wirt sch ast drohenden Ges ähren eingeleitet. Er könne seststellen, daß tat jächlich in weiten Landstrichen äußerst empsindlick)« Wirkungen der Dürre und Futternot zutage getreten seien. Der Minister versicherte, er werde nichts unterlassen, nm sofort die der Land wirtschaft drohenden sck)weren Nachteile zu beseitigen. (Lebhafter ' Beifall.)
Tie Lcmberger rnthenische Stndcntcnschaft be - schloß sür den Wegen dec Ermordung des Statthalters zu.ii Tode verurteilten Studenten Siczynski eine S Y m P a t h r c k u n d- g e b u n g!!____________
Die Reoohition in Persien.
Wie Reuter erfährt, ist cs in Täbris zil neue n Straß en- k a in p i e li geEommen. Nack) einem Telegramm aus Tiflis sind bei den Käiiivfcn in Täbris am Sonntag 3 7 0 P er fönen getötet und 700 verwundet worden. — Tie Reiter Schudlhai . Nifains, der 511111 Siadlhauptmann von Täbris ernannt roorDen ist, zerstorlcn daS Tlidshucmen - Gebäude. Ter Fidal-Amührer Sala Khan organisierte eine Bande, um energischen Widerstand 511 leisten.


