Hntetbructimg der Arbeiterorganisatwu betrachtet werde. Aus Antrag Silberschmi-dts stimmte die Baukonferenz einmütig folgenden Grundsätzen für die bevorstehende Lohnbewegung zu:
1) Tie organisierten Maurer haben mit allen Mitteln den Plänen der 'Arbeitgeber entgegenzutreten. 2) Jeder Versuch, die Lohn- und Arbeitsbedingungen zu verschlechtern, ist energisch zurückzuweisen. 3) Angrisssbewegungen sind möglichst znrückznbrängen und dürfen nur im Einverständnis mit dem Hauptvorstand und der Gauleitung unternommen werden. 4) In der gegenwärtigen Kon- sliktszeit ist strenge Disziplin zu üben und den taktischen Maß- nähme der Organu'ationsleitung unbedingt Folge zu leisten.
In Heidelberg hat der Kamps bereits begonnen., Tie Arbeitgeber hoben fämtiidtc baugctoerblidjen Arbeiter ausgesperrt.
Ter -kritische Tag für das deutsche Baugewerbe ist der 16. Viärz dieses Jahves. An diesem. Tage sollen in Frankfurt a. M. die Vertragsverhandlungen für das Gebiet des Mitteldeutschen Arbeitaeberbunües fortgesetzt werden. Stammt es dabei nicht zu einer Verständigung, so ist damit nach den Beschlüssen des Deutschen Arbeitgeberverbandes das Signal für die Generalaussperrung im ganzen Reiche gegeben. Die bisherigen Verhandlungen in Frankfurt lassen leider wenig Hoffnung auf eine Verständigung.
hessische Zweite Kammer.
Darmstadt, 3. März.
Am Ministertisch: Staatsminister Ewald, Finanzminister Gnauth, Minister des Innern Braun, Geh. Staatsrat Krug von Nidda, Ministerialräte Dr. Becker, Süfsert. Die Kammer ist nahezu vollzählig.
Präsident Haas eröffnet die Sitzung um lOys Uhr. Das Hans setzt die
Generaldebatte über den Staatshaushalts tat fort. Wg. Dr. G u t f l e i s ch betont einleitend, bezüglich der in der vorigen Sitzung dem Finanzminister gespendeten Lobeshymnen, man könne sich ja freuen, daß dieselben erfolgten, aber er meine doch, man solle einen Finanzunulster nicht vor dem Abschluß des Budgets loben, denn man wisse immer nicht, was noch kommt. (Heiterkeit.) Vertrauen zu ihm habe natürlich wohl jeder in der Kammer. Die geforderte Revision der Bc- foldungsordnung sei allerdings auf die Dauer nicht zu umgehen, aber man solle doch bedenken, daß wir erst im vorigen Jahr die Wohnungsgeldzuschüsse unb die zahlreichen Gehaltsverbesserungen bewilligt haben. Die Beamten, die jetzt schon wieder mit so vielen Petitionen an die Kammer herantreten, sollten doch etwas mehr Geduld zeigen und Rücksicht auf die gesamte Finanzlage des Landes nehmen, diebner erwähnt bann den Artikel bes Abg. Kohler im Bayerischen Vakcrlanb, wobei er vom Abg. Köhler häufig unterbrochen wirb, ber vom Präsidenten wiederholt dringend um Ruhe ersucht werden muß. Herr Stößer behauptet darin, die „studierten Maulaffen" seien eingebildete ^eute, die nichts leisteten usw. Derartige Verleum- bungen müßten jeben gebildeten Menschen mit tiefer Trauer erfüllen, umso mehr, wenn sie von dem Vizepräsidenten der zweiten Kammer ausgingen, ber auf solche Weise bie Geschäfte derselben herabsetzt. (Bravo! Sehr richtig!) Redner toarnt bann bavor, mit zweijährigen Budgetperioden einen Versuch zu machen. Die hessische Volksvertretung dürfe auch auf keinen Fall einer Verschlechterung des Vereins- unb Versaminlungs- rechts ihre Zustimmung geben. Durch bie jetzige Wahlrechtsvorlage würde bie Position ber zweiten Kammer eine Verschlechterung erfahren, während man die ber ersten Kammer stärke. Tas Gefühl bes Widerstandes werde dadurch in diesem Hanse noch erhöht werden; er hoffe, daß dem neuen Landtag eine für die -zweite Kammer annehmbare Vorlage zugehen werde.
Da Abg. Köhler abermals verschiedene Zwischenrufe ertönen läßt, erklärt der Präsident, baß er sein Amt nieder le gen oder die Sitzung schließen müsse, wenn ber Abgeorbnete nicht aufhöre, fortwährenb bie Beratung zu unterbrechen. (Lebhafte Zustimmung.)
Abg. Adelung erklärt, auch er habe das Gefühl, daß der Landtag nicht das gehalten hat, was man von ihm erwartete unb baß auch bie Regierung die Ausgaben, die nicht ber Thron- Tebc angekündigt wurden, nicht erfüllte. Die vorgelegte Wahlrechtsvorlage entspreche durchaus nicht den Erwartungen ber großen Mehrheit ber Bevölkerung, bie ©emeinbefteuerrejorm sei überhaupt noch nicht wieber vorgelegt. Gegen die Einschränkung des Vereins- und Versammlungsrechts, dessen Art. 7 einen Vorstoß gegen das Koalitionsrecht bilde, müsse ber energischste Wiberspruch erhoben werben, bie Enteignungsvorlage bilbe einen Schandfleck in ber neuesten Gesetzgebung. Bezüglich der Frage ber Schiffahrtsabgaben hätte Rebner eine entschiebene Stellungnahme der Regierung gewünscht und erwartet, baß ber Staats- Minister bie Frage nicht nur vom biplomatischen oder vom Rechtsstanbpunkt betrachtet, fonbern vor allem vom wirtschaftlichen Standpunkt aus die Schiffahrtsabgaben aufs entschiedenste verurteilt hätte. Was jüngst erst von der badischen Regierung geschah, hätte doch wohl auch von ber hessischen Regierung geschehen können. Rebner wenbet sich bann gegen bie Ausführungen bes Abg. Reinhart unb beffen geforderte weitere Ausbildung der indirekten Steuern. Aus die Offenbacher Verhältnisse werde später sein Fraktionsgenosse Ulrich näher eingehen. Wenn aber Herrn Dr. Dullo zum Vorwurf gemacht werde, daß er nur im statistischen Bureau tätig gerne)en sei, so erinnere er daran, daß auch der Finanzminister, dessen Tüchtigkeit doch von allen Seiten Anerkennung finde, zum Bürgermeister von Gießen gewählt wurde, der vorher Ingenieur war. Es stelle sich immer eine große Entrüstung bei den Parteien im Hause ein, sobald die Regierung irgend einen liberalen Vorschlag macht. Redner weist aus den „FaU Eißnert" hin unb wenbet sich bann gegen die Ausführungen bes Abg. Dr. Osann, bet gar feine Ursache habe, sich über das „sozialdemokratische Hessenland" zu entrüsten. Es sei ja auch mit dem Liberalismus der Regierung gar nicht so weit her. Zum Schluß verbreitet sich Redner noch über die Frage der Demonstrationsberechtigung unb hebt hervor, daß in ber Sladthalle Mainz 5000 Mann versammelt waren unb in aller Ruhe „bemonftrierten".
Staatsminister Ewald erklärt: Der Vorrebner habe von dem besreundeten Bundesstaat Preußen gesagt, daß er sich aus einem „kulturellen Tiesstand" befinde, unb baß die Enteignungsvorlage einen „schweren Schanbsleck" bilde. Gegen eine derartige Ausdrucksweise muß ich namens der Großlst Staatsregierung entschieden Verwahrung einlegen. (Lebh. Zustimmung. Abg. Adelung ruft: Wahr ist's doch!)
Vizeprästdent Köhler bemerkt, er habe den Abg. Adelung nicht zur Ordnung rufen können, denn es ständen sich hier die Ansichten gegenüber.
Abg. Adelung erklärt, er müsse sich jede Zensur vom Regierungstische verbitten.
Wg. Wolf bespricht eingehend die Wahlrechtsvorlage unb führt aus Beispielen aus seinem Wahlkreis Wörrstadt näher aus, wie verwerslich das indirekte Wahlsystem fei. Bei der jetzigen Wahlrechtsvorlage dürfe man bez. der Verfassungsänderungen der Ersten Kammer keinen Schritt weiter entgegenkommen; auch die Wahltreiseinteilung unterwirst der Redner einer scharfen Kritik. Bezüglich des geplanten Reichsvereins gesetzes erklärt der Redner, es könne ruhig beim alten Gesetz bleiben, wenn nur eine gehörige Kontrolle ausgeübt würde. Er sei auch für bie Einführung ber einjährigen Budgetpcriode. Bez. der geplanten Reichssteuerreform meint Redner, es sei traurig, daß das Reich mit seinen Milliarden Einnahmen nicht im Stande sei, einen geordneten Haushalt zu führen, sondern sich immer mehr auf Schuldenmachen verlege. Weiter müsse er bedauern, daß im Hause die gegenseitige Wertschätzung nicht mehr so gut wie früher sei. Auch bei Politiker solle wie | Mensch zum Menschen stehen Herr Ullrich habe sich auf dem parlamentarischen Abend einer perfünlicbeit Brüskierung unb einer Beleidigung des Abg. Brauer schuldig gemaajt, wie iie schlimmer kaum gedacht werden kann. Ein untzeoaelst _> Wort könne schon einmal Vorkommen, aber bann wär es i aci Pflicht des Betretenden gewesen, zu revozieren. Daß Herr Ullrich Lei Herrn Brauer nicht entschuldigt habe, <• . m.i meisten zu bedauern. Zweifellos würde Herr idlria) es moljt getan haben, wenn es lieh, bei der Beleidigung um einen Aka
demiker gehandelt hätte; es war ja aber hrer nur eüt „halbgebildeter Bauer"! Zur Neuregelung ber Beamtenbesoldungsordnung meint Redner, seine Partei wolle die Negierung nicht drängen, aber sie werde in jedem einzelnen Falle auf Besserung bedacht sein, wo es wirklich notwendig sei. Die Beamten sollten auch weniger Luxus treiben und nicht soviel Dienstboten halten, die besser aufs Land und in die Landwirtschaft gehörten. Nach einigen Bemerkungen des Wg. Braun erflärt
Staatsminister Ewald: Tie Abgg. Dr. Osann und Dr. Gutfleisch haben einen Rückblick auf die Tätigkeit des Landtags geworfelt unb bebauern, daß bie Regierung nicht alle diejenigen Vorlagen dem Landtage gemacht habe, die in ber Thronrebe angekündigt waren. Die Regierung habe geglaubt, verschiedene der angekündigten Vorlagen zurückstellen zu sollen, nachdem sie sich überzeugt hatte, daß ber Landtag doch außer Stande sein würde, neben ber wichtigen Wahlrechtsvorlage unb der Verwaltungsgesetzrevision usw. sich iwch mit anderen größeren Gesetzesaufgaben zu beschäftigen. Andererseits habe die Regierung doch auch Gesetzentwürfe vorgelegt, die nicht in ber Thronrede angc- künbigt waren. Besonbers habe die Verbesserung ber Einkünfte ber Lehrer unb ber Beamtenschaft große Vorbereitungen für alle Ressorts erfordert unb er erkenne gern, an, baß diese Gesetzentwürfe auch von der Kammer energisch in Angriff genommen und erledigt wurden. An eine Neuregelung der Beamtenbesolbungsorbnung könne vor Erlebigung ber jetzigen Reichsfinanzreform nicht herangetreten werben. Man müsse erst Klarheit über bie Steuerquellen haben, welche das Reich dafür in Anspruch nehmen werde. Unser Bestreben müsse bahin gehen, bis zur Klärung biefer Frage mit unfern $Iu3goben möglichst zurückzuhallen. Tie Beamtenschaft werbe sich al)o gebtUben müssen, bis bie Reichsfinanzreform durch- geführt ist unb unsere Finanzlage sich geoeifert hat. Uebrigens ballere bas Besolbungsgesetz in Baden schon vom Jahre 1888 unb bie Nachträge von 1894 unb sei erst jetzt neu geregelt worben, während unsere Besolbungsorbnung vom Jahre 1898 datiert, also erheblich jünger ist. Die Frage des Abg. Mollhan, ob bie Regierung bereit sei, eine neue Wahlrechtsvorlage dem kommenden Landtag vorzulegen, habe die Regierung berells am 13. Januar dem Präsidenten ber Kammer ihre Bereitwilligkeit bazu erklärt, sofern in ben beiden Gesetzgebungsausschüssen eine Grundlage dazu gefunden werde. Zur Frage der Schijsahrtabgaben beziehe sich bie Regierung auf ihre biesvezüglickje Erklärung vom 28. Februar p. I. Soweit bie Bedeutung bes Art. 54 in Frage kommt, müsse ber Weg ber Reichsgesetzgebung beschritten werden, wozu also bie Mitwinung des Bundesrats und des Reichstags nötig fei. So lange man nicht wisse, was an die Stelle be» Art. 54 gesetzt werden soll, könne auch die Regierung keine bestimmte, bindende Stellung einnehmen. Die bisherigen Verhandlungen wurden unter Ablehnung jeder festen Veroindung gepflogen. Tie Regierung fei dem Vertrag mit Bayern ausdrücklich mit Vorbehalt Deigetreten unb habe sich mit ihrer freien Entschließung keineswegs bie Hänbe gebunden. Sie werde bie Rheinschiffahrt |o zu gestalten bestrebt |cin, baß sie auch, für Helfen anneymoar find. Er bitte. Der Regierung in biefer Hinsicht volles Vertrauen zu bewahren, sie werbe auch künftig bte Interessen ber bauet Beteiligten in jeder Weise vertreten. (Zustimmung.) Tie Debatte wirb barauf Der Ußrgerüaten Zeit wegen nach 1 Uhr abgebrochen.
Nächste Sitzung morgen früh 9 Uhr.
3um Allensteinec Mord.
lieber Den Selbstmord v. Goebens ist folgendes zu melden: Am 2. d. Alls, halle Götzen 2 Uhr nachmittags Besuch durch den Medizinalrat Prof. Dr. Puppe aus Königsberg und um 3 Uhr erhielt er sein Mittagessen; bis 724 Uhr sah der auf dem Gange stehende Posten durch das tleiue Zensier der Zellentür den Hauptmann am Tische sitzen. Die Zelle war durch das Fenfterchen bis aus einen Teil des Bettes zu übersehen. Goetzen pflegte wenig unb mit Unterbrechungen zu essen, wahrend er in seiner Zelle auf- und abgmg. Nach dem Essen legte er sich gewöhnlich auf bas Bett; dem Posten fiel es daher nicht auf, daß Goeben sich nach dem Belle begeben hatte und daß noch ein Teil des Essens am dem Tische stehen blieb. Inzwischen aber hatte sich Goeben mit einem stumpfen Tischmesser auf dem von draußen nicht zti sehenden Teile des Bettes einen mit großer Energie auSgesuhrten Schnitt am Halse beigebracht, der die große Ader öffnete und eine alsbaldige Verblutung herbeiführte. Ein Geräusch hatte der Posten nicht gehört. AIS der Arrestantenanfseher um 4 Uhr 30 nachmittags Die Zelle betrat, fand er (Soeben tot aut dem Belle.
Auf dem Tische der Arrestzelle wurden zwei Briese gefunden, die von Göden vor seinem Selbstmorde geschrieben hatte. Ter eine ist an feine nächsten Anverwandten aDrefjicrt, Der zweite, ber für die Militärbehörde bestimmt ist, war ohne Adresse. In diesem Briefe legt von Goden nochmals ein offenes Bekenntnis feiner Tat ab unb gibt in erschütternden Worten feiner tiefen Reue über das Geschehene Ausdruck. Er habe, wie er in dem Briefe schreibt, vollkommen unter Dem suggestiven Einfluß Der Frau v. Schönebeck gestanden. Nach der Tat habe er es selbst nicht begreifen körnten, Ivie er sich soweit habe hinreißen lassen können. Es fei ihm der Gedanke gekommen, daß er in einem Zustande geistiger Gestörtheit gehandelt Haden müsse. Wenn das der Fall gerne] en märe, hätte er es für möglich gehalten, weiter zu leben. Da er aber die Ueberzeugung gewonnen habe, daß die Gutachten der Psychiater ihn für geistig normal erklären würden und bie Anklage gegen ihn wegen Mordes erhoben werden müßte, habe er eingefehen, baß er tatsächlich ein Verbrecher sei unb bie Konsequenzen daraus gezogen, baß er nicht mehr weiter leben bürfe, naeybem er bem deutschen Offizier-Korps solche Schanbe gemacht habe.
Taß Hauptmann von Gäben ein willenloses Werkzeug in ber Hand der Frau von Schönedeck gewesen ist, geht anch aus dem Geständnis hervor, bas er während der Hast dem Dr. Freih. von Schrenck-Notzing gemacht hat. Daraus ergibt sich auch, daß ohne Zweifel seine freie Willen s- beftimmurig bei Begehung ber Tat stark oerminbert war. In ber Auskunft, bie Der Psychiater einem Berliner Journalisten über bie Untersuchung bes Beschulbigten gegeben hat, heißt es u. a.: „Ich habe jene Frau für eine Art reines Heiligtum gehalten unb ihr alles, alles geglaubt. Die Frau muß eine Art Suggestion auf mich ausgsübt haben. Ich hätte ohne Bedenken und ohne inneres Widerstreben die größten Verbrechen für diese Frau begangen, bie sie von mir haben wollte, und fühlte mich sogar glualid) dabei. Ich habe nie Gewissensbisse gehabt. Obwohl ich aus ihrem eigenen Munde wußte, welch leichtsinniges Leben sie geführt, hak es mich nicht abgehalten, |ie dis zum Wahnsinn zu lieben und abgöttisch zu verehren. Sie hat mich dahin gebracht, daß sich in mir bie Idee feilsetzte, biese Frau von bem Manne zu befreien, ber mir in Den wiberlichstcn Farben erschien. Ein Duell wollte sie nicht gestatten. Ich hätte Vaterlanb, 9Jhitter, Freunde — alles, alles lachend im Stich gelanen, wenn ich Dafür Diese Frau hätte ein- tauiü)en können, wie ich ja auch meine Ehre lachend in ben Dreck getreten habe. Ich meine, diese unglückselige Frau hat einen hypnotischen Einfluß auf mich gehabt, ber mich zu ihrem willenloien Werkzeug machte . . .
.ju Den Ohizierslreuen Ostpreußens begegnet man wie uns tzerichiet wird, einem Gepihl letzhaster Genugtuung Darüber, daß Hauplniann von Göben, Der vor feiner Verhailnng Die Gelegenheit 511m 3clb|imorD feige vorüber gehen liefe, endlich Den 'JJlut ge’unDen yat, seinen cianbesgeiwneii Das pemlidyc Ge'ühl zu ersparen, einen .er ihren unter Der Anttage Des MeuchelmorDes vor Gericht zu icljen. Wie verlautet, wurde Das Kriegsminiilerium fofori von dein Selbstmorde in Kenntnis gefetzt. Tas Uliluärfabtneti Des Kaisers soll telegiaphisch einen eingehenden Bericht über Die Tat emge= loroert Hatzen.
Tie Leiche des Hauptmanns wurde gestern nachmittag nach Der Leichenhalle 0 •_> evangelpa-en Friedhofes gebracht, wo sie Ij.uh in ui.er Stille beerdigt werden wirb. Heute trifft bie Den Swyn 1..11 ^riesen wahrend seiner .v-astzeit gcirbiu't und tun immer wiever ermahnt, nicht an Seltzstmoro zu beulen 1 und iein Geschick in Geduld zu tragen, grau v. S>chouedeck
ist von dem Selbstmorde Gödens noch keine Nachricht gegeben worden.
Wie erinnerlich, war Fran Major v. Schönebeck am 21. Januar zur Beobachtung ihres Geisteszustandes nach der Irrens anstatt Kortau bei Allenstein üdergesuhrt worben. Gemäß § 81 Der Straiprozeßordnnng darf Der Aufenthalt in einer Anstalt zum Zwecke Der Beobachtung Die Tauer von sechs Wochen nicht übersteigen. Diese Frist von sechs Wochen war am 3. b. Mts. abgelaufen. Frau 0. Schönebeck wirb, da sie gegenwärtig unzweifelhaft geisteskrank ist, auch weiterhin in der Anstalt Kortau bleiben. Ihr Zustand ist derart, daß eine Zurückführung in das Untersuchungsgefängnis unmöglich ist und mit Lebensgefahr für sie verknüpft sein würde. Infolgedessen ist m allseitigem Einverständnis Der in Frage kommenden Faktoren beschlossen worden, sie vorläufig weiterhin in Kortau zu belassen. Das Verfahren gegen Frau v. Schönebeck ist damit selbstverständlich nicht aufgehoben:-Wenn es gelingt, sie wieder herzustellen, würde das Verfahren natürlich seinen Fortgang nehmen, wobei dann naturgemäß zunächst Die für die -Strafverfolgung entscheidende Frage zu klären bliebe, ob die Geistesgestörtheit, Die gegenwärtig fraglos vorhanden ist, auch jchon zur Zell der Ermordung ihres Gatten bestand.
Frau von Schönebeck ist nicht nur seelisch, sondern auch körperlich so krank, daß chr Zustand zur Besorgnis Anlaß gibt Wie ernst die Krankheit ist, beweist der Umstand, daß gegenwärtig noch eine Königsberger Autorität, Prof. Dr. Lichihenn zu 'Jtaie gezogen worden ist, der am 2. März bei Der Patientin weilte.
Frau von Schönebeck verweigert an manchen Tagen jede Nahrungsaufnahme. Sie kann feit einigen Tagen bas Bell nicht mehr verlassen unb zeigt ein trübes, tiefsinniges Wesen.
Dennijd?te»e
* Der Sünbenbock. In einem Gebirgsbörschen des Nassauer Landes fitzt ber Lehrer zur Sommerszeit während ber Urtterrichtspause beim Frühstück. Da kommt atemlos ber Nachbar ins Zimmer: „Herr Lehrer, in meinem Garten ist bie ganze Schul' an ben Zuckererbsen." Der Lehrer sieht zum Fenster hinaus, es ist wirklich so. Ein Zuruf, ein Wink nach bem Lehrsaal: der Schmaus ist beendet, bie Pause gekürzt. Voll Strenge tritt ber Lehrer mit bem Stock in ber Hand vor bie Klasse. „Warum: warst du an Den Zuckererbsen?" — „Ich war Schaf." — „Ja, du bist ein richtiges Schaf! Unb du?" „Ich war auch Schaf." — „Was soll das heißen: Ich war Schaf?" Nun erfährt ber Lehrer, baß bie Kinder „Scyafches" gespielt haben. „Aber warum seid ihr denn in ben Garten gegangen?" — „Ei, ber Schäfer hat uns hineingetrieben." — „Wer ist ber Schäfer?" — „Hier, ber ba!" — „Ihr braucht ihm aber doch nicht zu folgen!" — „Dann hätten uns bie Hunbe gebissen!" — „Wer war Hund?" — „Hier ber unb ber ba!" — „Nun mal aufstehen, wer Schaf, wer Hirt und wer Hunb war!" — Alle stehen aus, nur ber größte Tunichtgut bleibt sitzen. „Unb bu, mein Bürschchen, nicht ivahr, bu warst kein Hirte, kein Hund unb auch kein Schaf? Du warst wohl überhaupt nicht babei? Warum stehst bu nicht auf? Schon faulte ber Stock durch bie Luft, ba, in ber höchsten Not entquoll bem Munde des Schülers bas erlösende Wort: „Ich war ja der Bock!" — Und ber Lehrer hatte bas Einsehen, daß diesmal Der Sündenbock so unschuldsvoll gewesen ist wie die übrigen Schafe.
* Bettler und Bürgermeister. Von dem kürzlich verstorbenen Eberhard H 0 e s ch , welcher der Stadt Düren ein herrliches Stadttheater schenkte und sonstige Stiftungen int Betrage vieler Millionen vermachte, wird unter anderm folgende hüvsche Anekdote erzählt. Jeden Vormittag, wenn ber fast achtzigiährige Herr seinen Spaziergang machte, stellte sich an seinem Wege eine Anzahl mehr oder weniger hilfsbedürftiger Leute auf. Der alte Herr kannte bie meisten non ihnen, und im Vorbeigehen ließ er bann, je nachbem, eine ober zwei Mark zur Erbe fallen, bie bann von ben Leuten schleunigst aufgehoben wurden. Anzubetteln wagte ben alten Herrn keiner, bann man wußte, baß Hoesch in gewisser Entfernung meistens von einem Polizeibeamten in Zivil begleitet würbe, ben bie Stadtverwaltung beauftragt hatte, ihn vor Zubringlichkellen nötigenfalls zu schützen. Eines Tages wagte nun doch ein ärmlicher Mann, an Hoesch heranzutreten, unb ihn um Hilfe anzugehen. Kaum bemerkte dies ber Polizist, als er pflichtgemäß ben Mann wegen Bettelns verhaftete und mit zur Wache nahm. Kaum dort angelangt, klingelte beim Polizei-Inspektor -das Telephon: „Hier Polizei- verwallnug." — „Hier Eberhard Hoesch. Sagen Sie mal, Herr Polizei-Inspektor, ist soeben eine Person wegen Bettelns eingeliefert worden?" — Polizei-Jnspettor: „Dos wird schon stimmen, Herr Hoesch." — Hoesch: „Lassen Sie doch, bitte, den Mann wieder laufen, ich möchte sehr darum bitten." — Polizei-Jnspettor: „Unmöglich, Herr Hoesch, das geht leider nicht; es fe ibenn, baß ber Herr Beigeordnete ober Der Herr Oberbürgermeister Die Freilassung verfügt." — Hoesch: „Bitte, verbinden Sie mich mit dem Herrn Beigeordneten Dr. — Unb Hoesch richtete an Den Beigeordneten bas gleiche Ersuchen, ben Mann freizugeben. Beigeordneter : „Leiber ganz unmöglich, verehrter Herr Hoesch, mir müssen in solchen Fällen konsequent verfahren." — Hoesch: „Also unmöglich? Herr Beigeorbneter, wenn Sie benn so konsequent verfahren müssen, bann wäre mir sehr baran gelegen, daß Ihr Herr Oberbürgermeister ebenfalls sogleich in Haft genommen würbe." — Beigeorbneter: „Das ist wohl Ihr Scherz, verehrter Herr Hoesch?" — Hoesch: „Nein, durchaus nicht. Denn Ihr Herr Oberbürgermeister hak mich um viele Hundert- tauienbe für bie Stadt Düren angegangen, folglich muß ihn ebenfalls bie gesetzliche Strafe wegen Bettelns treffen. Der soeben Verhaftete hat bagegen nur für seine kranke Frau unb Kinder eine Gabe erbitten wollen.^ Man entsprach dem Wunsche des alten Herrn insofern, als ber Verhaftete mit einem Verweise sofort entlassen würbe.
Telefonische Kurshencate des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Giessen.
Frankfurter isörwe. 4. März. 1.15 Uhr.
3^°/0 Beichsauleihe . . —.— 0% do. . . 82.65 dV/o Konsuls .... 92.40 ö% do. .... 82.65
Hessen 91 5<J ö>$*70 Uberuessen . . . 92.00 i/o Uesterr. Goldrente- . 99 10 4l/6 üo Uesterr. äilberrente 99 60 4>o Ungar. Goldreute . . 94 20 4-ü Italien. Heute . . . 103.80 d/o Portugiesen Serie 1 61.2u
3% Portugiesen „ HI 6I.60 4>a°/0 luss.btaatsanl. 190u 94 10 4>a "i0 japan. Staatsanleihe 87.30 i>o Uouv.Türken von luoö 95.10 lürkeuiose 15ü2o ‘^0 Urieeü. Monopol-Aul. . 49.70 4% äussere Argentinier . 85.70 ov/0 Mexinauer .... 65.30 4/av/a Chinesen .... 96.30
Aktien:
Bochum Guss 197.00
Buaerus h. W 111.90 1 enden.,: still.
kieriiner Börse,
Canada E. B 140.50 Darmstadter Bank . . . —.— Deutscne Bank .... 237.3u Uurtmuuder-üiuon C. . . —.— Dresdner Bank .... 136.90 । Tendenz: still.
Elektriz. Laluneyer . . . 119.00 Elektnz. Bchuckert . . . 103.00 Esch weiter Bergwerk . . 2u3 50 Gelsenkirchen Bergwerk . 180.50 Uamuurg-Ainenk. Paket*. 112.40 liarpeuer Bergwerk. . . 193.50 Laurahütte 209.50 Aordd. Lloyd 101.00 Ubeischles. Eisen-Industrie 95.00 Berliner rianüelsges. . . 157.50 Darmstadter Baua . . . 123.30 Deutsche Bank .... 237.00 Deutsch-Asiat Bank . . 137.00 Diskuutu-Kommauait. . . 173.80 uresuuer Bank .... 136 90 Kremtaktien 202.40 Baltimore- und Ohio-
Bisenlahu .... 79.50 Uottuardbahu — noinuaru. .Eisenbahn . . 25 40 uesterr. btaauwuim . . . 141.00 1 nuee-lieuri-Liseubahu . 117.00
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liarpeuer Bergwerk. . . — c.auruuütte 200.50
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