Zuschneidung auf die - ArLeiterinteresfen hsrvortrat. Graf Oriola konnte auch von freisinniger Seite auf Zustimmung rechnen, wenn er sich für die Reichsvermögenssteuer aussprach und ebenso, wenn er bedauerte, daß Fürst Bülow dem Block zuliebe nicht wenigstens bie geheime Abstimmung für Preußen zuaestanden habe. Viel praktischen Wert haben aber ja nun leider solche Uebereinstimmungen zurzeit nicht mehr. Eine grimme Fehde hat während dieser Zeit unser Stadthaus mit dem Landtag auszufechten gehabt, desftn weiterer Verlauf noch nicht abzusehen ist. Es handelt sich dabei um Fragen, die nicht gerade leicht zu entscheiden sind. Es wird nämlich von der einen Seite behauptet, daß das hiesige Ternsche Kohlensäurewerk, das unserm Boden stetig Kohlensäure entzieht, auf die Dauer dem Kohlensäuregehalt unserer Quellen nachtellig werden könne. Von anderer Seite freilich wird diese Gefahr für nicht so schlimm erachtet. Immerhin besteht nun der Entschluß, das betreffende Werk anzckkausen und still zu legen. Damit aber nun kommt man aus dem Gebiete her theoretischen in das Gebiet der schwierigeren vrattischen Frage: Wer soll das Geld dazu geben? Der Staat oder die Stadt? Oder wie sollen unter beide die Kosten verteilt werden? Die Frage wurde zum ersten Male akut, als der Landtagsabg. Hirsch el bei der Nachbewilligung für den neuen Konzertsaal sich über mangelndes Entgegenkommen seitens der Stadt Bad-Nauheim in jener Angelegenheit beschweren zu müssen glaubte. In einem lauqeu Schreiben setzte daraufhin unser Stadtrat dem Landtaasabgeordneten auseinander, was die Stadt für ihr Bad so wie so schon alles an besonderen Lasten zu tragen habe. Ehe aber dieses Schreiben noch seine Wirkung tun konnte, war in der Bud- aetkommission schon ein zweiter Schlag gegen die Stadt gefallen. Man wollte ihr Budget bis auf weiteres zn- rückstellen, um dadurch einen Druck in Sachen des Kohlensäurewerkes auf sie auszuüben. Nun wird der Landtag wieder das Wort haben. — Inzwischen aber geht die Tätigkeit der Stadt rüstig weiwr. Für den neuen, jetzt noch recht kahlen Friedhof hat man vernünftigerweise schöne Anlagen geplant. (Hoffentlich betrachtet man in Gießen dieses Nauheimer Vorgehen als vorbildlich. D. R.) Auf das Könitz kV stift soll eine Etage aufgesetzt, an das Krmllen- haus ein Anbau gemacht werden. Mit der Zeit wird tnohl ftigar ein neues Krankenhaus nötig werden. Also immer neue, wichtige Aufgaben, für die das Geld nach Tausenden erforderlich ist. Wann aber wird wohl der erste Beitrag für Volksbildungszwecke gewährt werden? Wir Mitarbeiter des Mldungsvereins mit seiner öffentlichen Bibliothek und seinem Lesezimmer sehen nicht immer ganz neidlos auf L»ie großen Aufwendungen für alle anderen Zwecke.
X Lauterbach, 1. Febr. Das Großh. Ministerium hat die Errichtung einer weiteren Lehrerstelle mit dem 1. April genehmigt, so daß wir derer jetzt 12 bekommen.
§ Sichenhausen, 1. Febr. Die Kaiserl. Ober-Post- idirektivn in Darmstadt hat in dankenswerter Weise den Wünschen der Dörfer unseres Tales baldigst Rechnung getragen und die bewährte frühere Postverbindung wieder von heute an eingerichtet. Der Fahrplan der Fahrpost ist jetzt folgender: ab Burkhards 7 Uhr 50 Min. vormittags, an Sichenhausen 8 Uhr 45 Min., ab Sichenhausen 9 Uhr 15 Min., an Gedern 11 Uhr 45 Min. (Anschluß an die beiden Züge 12 Uhr 38 Min. und 12 Uhr 29 Min.), ab Gedern 12 Uhr 45 Min., an Burkhards 1 Uhr 45 Min.
4- Schlitz, 1. Febr. Unter dem Vorsitze des Finanzministeriums wird nächsten Mittwoch auf dem hiesigen Rat- Hause eine Versammlung stattsinden, in welcher die Nebenbahn von Nieder-Aula — Alsfeld mit Abzweigung nach Schlitz Gegenstand der Tagesordnung sem wird. An der Versammlung werden außer dem Kreisamt die Vertreter der standesherrlichen Verwaltungen und der betreffenden Gemeinde teilnehmen. Die Beratung soll sich auf die Kosten - des Geländeerwerbs re. beziehen. Großh. Finanzministerium wird durch Ministerialrat Süffert vertreten sein.
»Berlin, 1. Febr. Tie Influenza nimmt Biet von Tag ut Tag größere Dimensionen an. Etwa der vierte Teil sämtlicher Berliner Familien ist in Mitleidenschaft gezogen. Die Berliner Aerzte sind nicht in der Lage, die Behandlung von neuen Patienten zu übernehmen. Tie Erkrankungsfälle nehmen Melbach einen bösartigen Ebarakler an. Besonders o;t tritt als Nebenerscheinung Lungenentzündung auf. — Die Ermittlungen der Krimlnal- polizei nach dem Mörder der Frau Wiesner gestalten Uch sehr schwierig, da für jedes Motiv die Anhaltspunkte fehlen. Es gewinnt nach und nach den Anschein, als ob hier die Tat eines Gerstes- kranken vorliege. Ein Verdächtiger ifl festgenommen worden, der aber alle Schuld bestreitet. •— Tie Nachricht von dem Geständnis des jungen S ch w a rz en st e in, des Sohnes des ermordeten Försters, erweist sich als unzutreffend. Ter Angeschuldigte hat nicht nur kein Geständnis abgelegt, solidem einen Antrag auf Laftentlassnng gestellt, der freilich zuruckoewiefen wurde.
'Vom'Wetter. Während wir in Oberheffen, sowie im ganzeii Lahn- und Mainoebiet nach starkem Schneefall leichten Frost haben, itnterbred)en in der span. Provinz Asturiem heftige S ch n e e st ü r m e den Bahnverkehr. Mehrere Züge stecken dort fest. — J'ifolge Sturmes und heftiger Regengüsse sind in B el gie ii die Telephonverbindungen mit Deutschland unterbrochen. Von der belgisch-deutschen Grenze sowie aus Bayern wird starker Schneefall gemeldet. — In Oberbayern, sowie in Schlesien, im Han nover sch en und Westfalen herrscht Hochwassergefahr.— Infolge Eiiitritls von Föhnstürmen ist in O b e r i t a I i e n sehr heiße Witterung eingetreten. Die Mittagstemperatur beträgt in Turin 27 Grad, nachts hält sich die Temperatur auf 18 Grad.— An den N o r d s e e k ü st en trugen sich neuerdings mehrere Schiffs- nnsälle infolge von Stürmen zu.
• Vierlinge wurden dieser Tage den Eheleuten Wilhelm Kühles in Dimbeck bei Mülhausen an der Ruhr geboren. Davon sind zwei gestorben, die übrigen besiiiden sich wohl. Das Ehepaar, das gegenwärtig zehn Kinder besitzt, ist schon hübet dreimal mit Zwillingen beschenkt worden. Ter Ehemann steht bet der Firma Krupp in Effeit in Arbeit.
* 6 i tt wirklich modernes, aufgeklärtes Vieh muffen die Wildenschwerter in Böhmen haben. Denn in der gegenwärtigen Zeit allgemeiner Organisation will auch das dortige Vieh »richt zurückbleibeii, worüber eine Einladung zur Vollversammlung des dortigen landwirtschaftlichen Vereins aufklärt. Ter dritte Programmpunkt nämlich lautet: Versicherung des Viehs und „Wahl seines Vorstandes/
* Keine No del-Unsäll c ml-eh r. Eine bemerkenswerte Erfindung hat ein Kaufmann in Oberg Awgenthal durch sog. Rodeleisen gemacht. Tie Rodeleisen sind eine Metallschutzkappe, welche über den Absatz und Hinteren Oberteil des Schuhwerkes geht und es vor Abnützung schützt: durch besondere Frrm ist es gleichzeitig Steigeisen. Ter Hauptteil ist die Lenb- und Bremsvorrichtung. Tie Rodeleisen sind mit starken Riemen um die Gelenke festgefchnallt, wodurch ein Verstauchen des Fußes bei einem Stoß auf den Aufschlägen der Straße verhindert wird. Es wird dltrch die Eisen die persönliche Sicherheit des Fahrers sowie der anÄerew Fahrer gewährleistet.
E. K Die Schule der Tierbändiger. Ans Paris wird uns berichtet: Tas Institut für zoologische Psychologie, das von den vom Staat für das Naturgeschichtliche Museum ausgeworfenen Geldern erhalten wird, hat jetzt einen interessanten Entschluß gefaßt: die Eröffnung einer Spezialschule für Tierbändigung. Ter Lehrkörper dieser eigenartigen Anstall wird sich aus Gelehrten zusammensetzen und aus ehemaligen Tierbändigern, die ehemals in Zirkussen und Menagerien ihren Beruf ausgeübt haben. Bären, Tiger, Löwen, Wölfe und andere Vierfüßler aus dem anstoßenden zoologischen Garden sollen in diese Schule gebracht werden, wo man sich bemühen toitix, sie durch rein psy- ckstsche Beeinflussung unter Vermeidung jeder äußeren Gewalt abzurichten.
handel.
** Konkurse in Hessen. Ueber das Vermögen des Kaufmanns Ignaz genannt Oskar Sommer in Sprendlingen wurde am 28. Jan. das Konkursverfahren eröffnet, da der Gemeinschuldner wegen lleberschuldung seine Zahlungen eingestellt und Konkurs beantragt hat. Rechtspraktikant S te f f a n in Wöllstein wurde zum Konkursverwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 18. Febr. bet'dem Amtsgericht Wöllstein anznmelden. — lieber das Vermögen des Kaufmanns Karl Kämmerling, Heidelbergerstraße 4, Alleininhaber der Firma Karl Kämmerling in Darmstadt wurde cnn 30. Jan. das Konkursverfahren er» Öffnung des Konkurses beantragt hat. Gefängnisverwalter i. P. Öffnung des Konkurses beantragt hat. G esängnisverwolter i. P. Muth wurde zum Konkursverwalter ernannt Konlurssorde- rungen sind bis zum 1. März bei dem Amtsgericht Darmstadt ' anzumelden. — Ueber das Vermögen der Firma „Kaufhaus Merkur, Inh. Salli Vcgel in M a i n z" und über das Vermögen des Inhabers dieser Firma namens Salli Vogel, Kaufmann, in
Worms wohnhaft, wurde am 30. Jan. das Konkursverfahren eröffnet Rechtsanwalt Roth in Worms wurde zum Konkursverwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 14. März bei dem Amtsgericht Worms anzumelden. — Ueber das Vermögen des Ackermanns Friedrich Espenschied IL in Siefersheim wurde am 31. Jan. das Konkursverfahren eröffnet, da ein Gläubiger wegen Ueberschuldung und Zahlungseinstellung des Genwiit- chuldncrs das Kvnkursverfahrett über dessen 58ermögen beantragt und Gememschuldner seine Ueberschuldung und Zahl'Ngseinstellung zugegeben hat. Rechtsanwalt Altendorf in Wöllstein wurde zum Kvnkursverwalter ernannt. Konkursforderungeu sind bis zum 20. Febr. bei dem Amtsgericht Wöllstein anzumelden.
TeSefomsche Kswsbeß’ScMe
des Giessener Anzeigers, mitteteilt von der Bank für Handel nnd Industrie, Giessen.
Frankfurter Bor*«, 3. Februar. 1.15 Uhr.
3j^°/0 Reichsanleihe . . 93.35 3% do. . . 83.35 3^6/0 Konsols .... 93.50 3% do 83.30
3^70 Hessen . .... 92 30 3^v/e Oberbessen . . . 92.00 4 % Oesterr. Goldrente. 99 30
4*/B % Oesterr. Silberrente 100.10 4% Ungar. Goldrente . . 95 00 4% Italien. Rente
3?6 Portugiesen Serie I « 60.50 3% Portugiesen „ III 62.75 russ. Staatsakt 1905 95 00
4>6° 0 japan. Staatsanleihe 89.; 0 4 % Conv. Türken von 19Uo —.— Tttrkenlose 148 40 4 % Criech. Monopol-Anl. . 49 80 4 % äussere Argentinier . 86.00 3°/e Mexikaner .... 65.45 4>ä°ll Chinesen .... 96.90
Aktien:
Bochum Guss 199.60 Buderus E. W —.—
Tendenz: fest
Berliner Börse, 3
Canada E. B 148.75 Darmstädter Bank . . . 128.— Deutsche Bank .... 238.20 Dortmunder-Union C. . . —.— Dresdner Bank . . . 140.75
Tendenz: träge.
Elektriz. Lahmeyer . 122.90
Elektriz. Schlickert . . . 106 50 Esehweiler Bergwerk . . 207 10 Gelsenkirchen Bergwerk 186 00 Eamourg-Amerik Paket!. 118.50 Herpener Bergwerk. . . 201.75 Lanrabütte .....218.00
Nvrdd. Lloyd . ... IOö’sO
Obcischles. Eisen-Industrie 98.00 Berliner Handelsges. . . 16125 Darmstädter Bank . . . 127.80 Deutsche Bank .... 238.00 Deutsch-Asiat Bank . , 144 00 Diskouto-Kommaudit . . 176.60 Dresdner Bank .... 140 70 Kreditaktien ... . 203.80
Baltimore- nnd Ohio-
Eisenlahu 86.50 Gotthardbahn —.— Lombard. Eisenbahn . . 26,25 Oesterr. Staatsbahn . . . 145.30 Prince-Henri-Eisenbahn . 118.50
Februar. Anfangskurse.
Harpencr Bergwerk. . . 201 90 Laurabiitte —.— Lombarden E. B. ... 26.10 Nordd. Lloyd 105.70 Türkenlose 148.20
Die große Unruhe der Kinder mit Nachitiö wird nicht nur durch die Schmerzen in den rachitischen Entzündungen verursacht, sondern zum großen Teil auch durch die häufig nuftretenben Darmgärungen, die man am leichtesten durch die Ernährung mit „Kmeke"- Kindermehl, welches auch die Milch leichter verdaulich macht, beseitigt.
P/s]
Nach fieberhaften Siräsnkheiten
sowie bei großen Blutverlusten und überall da, wo nach schwerer Krankheit dem Blut die SBroft fehlt, den in all seinen Teilen geschwächten Organismus zu stärken, leistet anerkannternmßen das
trinken
die vorzüglichste, von keinem anderen Präparat erreichte kräftigende und belebende Wirkung, wie der Hausarzt bestätigen wird. Schon nach einigen Taffen macht sich d°r kräftigende, wohltuende und erfrischende Einstuß des Bioson im Allgemeinbefinden bemerkbar und nach etwa . 14 Tagen bet täglich 50—70 Gramm ist in
den meisten Fallen das Bioson überflüssig. Dasselbe ist fertig zum Gebrauch, schmeckt und bekommt gut (deshalb auch, für Kinder besonders geeignet) und kostet die Taffe nur 12 Pfennig. Es ift somit ungleich billiger als alle ähnlichen Mittel, Fleisch, Eier usw., obgleich es die letzteren an Nährkraft übertrifft und wie Professor von Noorden seststellle, selbst in großen Quantitäten (120 Gramm pro Tag) ebensogut wieAleisch ausgenutzt wird. Erhältlich das halbe KUo drei Mark in Apotheken, Drogerien usw. b31/i
Sicht '. : :
Typhus:
Rhaumatismus :
Intjuenza : : : Lungenentzündung
Masern: : : :
Scharlach : : :
Kommt Kinder. Ihr sollt nach Hanse gehen!
. Da, Mama schickt Euch Eure Mäntel und außerdem jedem Kltkd fünf Fays echte Sodener Mineral-Pastillen. Ihr seid erhitzt vom Spiel und ohne Fays echte Sodener werdet Ihr Euch erkälten. Tim hustet ohnehin schon wieder — die hat Stern vergessen, ihre Sodener mit in die Schule zu nehmen, ys- echte Sodener sind wahre Wohltäter des kindlichen ganisums. Man kauft sie in allen ApothekewDrogerivnund Mmeralwafserhandlungen für 85Pfg. pro Schachtel. [h.v-4/u
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Nachklange an die SLaLLratswahl 1907.*)
Dun eme alte Darmstädter Heiner.
Des war d'r wider e Geduhs, E Krätscherei un e Geschmuhs, Ins Dlaulgefchmier' die Weisheitssoos, Es fehlt ru>r noch de Leffel blos. Was mer tor Menner in de Stadt, Mer aach hebet erfahre hat, Die wo des Herz am richl'ge Fleck, Te städtisch Rarr’u net sahr'n in Dreck. Tie klug un weise, bieder, tret Un sparsam walle newebei, Die ei'stehu vor der Berjer Wohl — Un was mer sonst noch las sor Kohl.
Was unserm Stadtrat Not hier dhut, Des roeer e ^frisches neres" Blut, Des alte Blut roeer ei'geschnorrt, Total verlrockent un verdorrt.
Un Ausdrick fiele, gar zu fchläacht: ^Abgehackt" un ,abge{ägtd, ^Voitsverdummung", „Liegerei", „Satz- und Worlverdreherer". Alles ward ebei geholt, Ward bekrittelt un versohlt.
Ei Mancher hielt die Stadtroahl schon Ja sor bte reinste Staatsaktion.
Gescholle ward un rässeniert, Ins Treffe Sache vorgesiehrt, Warunl des „so" roeer un net „So", D aior weer's „neie" Blut jetzt do. Tte schennsle Redde roar’n gered't, Geglaabt Hot mer's ja selber net: Die „Straßebahn", „elektrisch Licht", Des „slädttsch Gas", die aU Geschlcht, De „Runl'ibau uun de Kolonie", De „Sladlhauslunbau" erst — un wie! De „Bahichoi", unser scheuer, alte, Hell' aach noch hunnert Jahr gehalte
•) Wir entnehmen diese lustigen Verse eines allen Darmstädters der im Verlage von H. Hohmann in Tarmstadl erscheinenden .Darmstädter Fastnachtszellnng" (Preis d. ,Jahrg. 1 Mk.), die roir allen Fremrden echten Humors rontm empfehlen können. Beim liefen dieser Wahlbeirachtung gcroinnt man Uliwillkürlich den Eindruck, der Veriasser müsse mindestens einen Teil seiner Wahlerinne- rungen unjerem Gießen zu verdanken haben.
Die Summ' fors .Schwimmbad" roeer zu Mer helle ja de große Woog. (hoch
Tie luxuriese „Schulhausbai", Un manches noch braicht net zu fei'. Es müßt gespart roer'n sapperlot, Sunst ging die Stadt noch ganz Bankrot. Die „Sieddeitsch", unser Schmerzenskind, Müßt städtisch roer'n jetzt ganz geschroind, Un roas seither roard falsch gemacht, Müßt befier roer’n jetzt iroer Nacht. Dem „neie Blut", dem müßt's gelinge. Die Steierzettel ’runner z'bringe, Un schließlich beert, mer wart' schon druff: Des Steierzcchle genzlich uff 1
Aach stritt mer lang sich bin un her, Was sor e Stand de richi'ge roeer, Ten mer in Stadtrat ’nei sollt roehle, Ich will e paar nor uff bi er zehle: Ob „Dheter" weer'n die richl'ge Leit, Ob „Lebrer" mit der Schnlweisbeit, Ob „Handiverks"- oder „Kausmannsstand", Ob „Hausbesitzer", „Fabrikant", „Beamle" oder „Advokat", Ob „Rentner" sollte in de Rat, „Bezirksvereinler" ftebrn zum Glick, Ob liege sollt' die „Politik".
Un ivas roaaß ich, noch ivas for Siend', Die mer in Stadtrat roehle kennt', Tie gern im Stadtrat dhete sitze, Ihr „irisches" Blut dort zu verspritze. Die „Alilchbennler", die Sapperment, Tie rooUte aach ins Parlament, Ihr Alilchiveisheit sor's städtisch Wohl, Derzappe dort mit annerm Kohl; — Boreril Hot mer se ussgespart, Tie Milch der frommen Tenkungsart.
Tabei gibts noch e Masse Leit, Tie roo zum Stadlrat roeer’n bereit Ei maneber bot schon mit Bedacht, Ja 's „Sladtralsexame" rasch gemacht. Deß roerb in der Weis' ausgefiehrl, Daß mer uff alles rässeniert, Mer beit fei' Redde, wann mer kann Un zeigt sich stets als braver Mann, Doch binnenach fimmt der Resrä: „So kalins emol net roeiter geb’!
's werd annerft jetzt, verlaßt Eich bruff, Schickt nor die richt'ge Leit „enuff"!" Un doch roerb bei bet Stadtratslist Noch mancher Stand hier sehr vermißt: Znm Beispiel fehlt noch bis zur Siund E fDhtglieb vun em „Kellnerbund",
Trotz' niemand is bei Dag un Nacht, Wie der uff unser Wohl bedacht; Ja mancher flamte Kellnerborsch, Kennt hier die Lett schon bord) un dorch.
Dann weer's net mehr rote recht un billig, Un jeder roehlt se gern un willig: Die „Metzjer", „Bäcker" un die „Brauer", Tann bie verbiene 's Gelb all' sauer, Und bringe 's trotzbem all so weit Dorch Klugheit un bord) Sparsamkeit Un aanig sin die Jnnimgsherrn, So soll's bann aach im Stabtrat roer'n, Aach hetl's bes gute noch zum Glick, Die frage net nach Politik: Ob Schwarz, ob Rot, ob Klerikal, Des iss'n alles worschtegal.
Die „Kutscher" bann un bie „Lakoie", Slehn aach boch iroer be Parleie, Was frage bie, roas Aon er glaabt, Wann nor bes Gailche ornblich trabt, Wann sonst se sin nor gut versorgt, Do is'n all des ann're Worscht
Un sagt emol, freegt neilich Aaner, Wo bletroe bann bie „Eisenbahner", Un rote stehls mit dem große Heer, „Elekterisck)er Konbukteur" ? Tie kenne aach des Publikum Un komme in be Stabt erum, Heer'n, ob se wolle ober net, Aianch' Stabtratskanblbaterebb;
Un weil borch's Fahrn bes Blut bleibt „frisch", Gibts bicfji’ge Slablrät sicherlich.
Die „Diensilelt", himmelsaperlot, Daß mer bo faan un Slablrät Hot, Die kenne wie en Abvokat, Sich aach boch aus hier in be Stabt. Un's roeer nod) gut for’S Parlament, Die Sitzung' fregte eh'r e Eub, 's mürb' net so lang mehr bebalticrt, 's ging Alles glatt un wie geschmiert.
Die „Schutzleit" dann net zu vergesse, Tie sorge aad) for’s Stabtuit’reffc, Thun unser Eigelum bewahr'n, Un sin von Haus gerochnt zu jparn. Tie bringe dann ihr» Kriegshunb mit Ter gauzl bann ornbhd) alle Ritt, Werd bic Debatt' bann gar zu groß, Werb losgcloffe bann des Cou, Der stellt bann unser Rebnersleit, Un bie Debatt' is spruchbereit.
Dann so e alt* „Briesträgerhaus", Kennt aach sich in be Stabt hier aus, Kennt in seim alt' Briefträgerherz, Der Hauswert un der Mieter Schmerz, Waaß ob Geschäjlsleir „grab" ob „schreeg", Drum als enet’ in's Stabtkolleeg.
Die „Straßekehrer" ganz gewiß, Die wisse aach wo's „brerfig" is, Un bhnn beim Dreckabl;ole sehe, Wie's bei be Berjersleit bhut stehe. Un wie se leroe hier zur Stell', Die sehe's an be Dreckabfäll', Die sehe ba. wer „arm", roer „'ei’", Drum als in’ Stabtrat mit cnei’.
Un weil doch Jeder kempit um’S Seine, Wo bleiroe bann bic viel' Vereine? Die „Sängerlust", bet „Mozartchor", Die „Narr'nvercine" mit Humor, Die „Lieberiaiel", „Melomane", Un „Sänger" mit noch hunnert Name, Tie „Alp'-" un „Obewaibklubisie", „Briefmarkesammler", „Journal,sle", Die „Sparverein'", „Vclozipeber", Tie „Tornverein'" un bic „Athleter", Die „Auto's", „Sportler" un btc „Schitze", Die all' gern for bes Stabtwohl schwitze, „Verein' der Krieger", groß au Zahl, Es roerb aam ornblich schroer bic Wahl, Die „Bienezichter", „Detaillste", „Perickemachcr" utt „Tentisle", De „Schuster-", „Schneider-", „Wertsverein", De „Fechlklub" un be „Schronnmverein". Verein der „Kunst-" tut „Blumepfleger", De „Jagbklub" un die „Schornsteinfeger", Dte Auswahl die is tuevflid) groß, 9)ler braucht se nor zu roehle blos.
Die Wahle sin jetzt lengst vorbei, 's is alles roibbev schce int Blei, Jetzt roer'n mer sehe, tvie sich's fährt, Wie sich bes „neie Blut" beroährt, Wie Aaner, der un Stabtrat sitzt, Set' Blut sor's ftäbtisd) Wohl verspritzt. Doch hat mer Beispiel von Exempel: Is mer nor erst im Stabtratstempel, Is erst bie hohe Würb' erreicht, Sitzt mancher Rebiier da — un schweigt. Des „neie Blut" dhut rasch erkalte, Im Stabtrat nroer bleibt’S — beijn Alte!


