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29.10.1908 Erstes Blatt
 
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Hutzdorf. 56 Wahlberechtigte, 20 'Abstimmende. Gewählt D. Wink V. Parteistellung unbekannt. Ter Gegner I. Decher erhielt 9 Stimmen. »

Landcnhauscn. 138 Wahlberechtigte, 55 Abstirnrnenoe. Gewählt Bürgernieister Henkel (Natlib.) mit 38 Stimmen. Der Gegner erhielt 17 Stimmen.

Lauterbach. 755 Wahlberechtigte, 127 Ab stimmende. Ge­wählt nmrbcn: H. Tuchardt VIII., Hoos, K. Lang L, A. Kauz, Chr. Scheer, W. Henkel, I. Suppes, Jak. Wahl VIII. sämtl. Natlib.

Maar. 206 Wahlberechtigte, 32 Ab stimmende. Gewählt rnurden H. Meller I. und H. Zinn XI natlib mit 31 Stimmen. .Die Deutschsoz. crl'iclten 1 Stimme.

Qu eck mit Weh-nerts und Sassen. 82 Wahlberechtigte, 4 Abstimmcnde. Getvählt V. Zippel III. (B. b. L^.

Wernges. 6 Abstimmcnde. Gewählt H. Stöpler V. (Nat­lib.) einstimmig.

Wil lass. 72 Wahlberechtigte, 12 Aüstinrmendc. Gewählt wurde Bürgermeister Webe? (Natlib.) cinstinrmig.

Wahlbezirk Schottcn-Laubach.

Es tourbcn 33 Wahlmänner für Dr. Weber (parteilos, bum Bund der Landwirte unterstützt) und 2 andere gewählt.

Betzenrod mit Götzen 18 Abstimmende. Gewählt K. Lang (Parteistellung unbekannt) mit 11 Stimmen Die Gegner erhielten 7 Stimmen.

Eschenrod. 126 Wahlberechtigte, 40 Abstimmende. Ge­wählt Th. Adam (für Weber) einstinunig.

Freienseen 166 Wahlberechtigte, 23 Abstimmende. Ge­wählt wurde H. Forst (Parteistellung unbekannt) mit 11 Stimmen. Die Gegner erhielten 10 Stemmen; 2 ungültig.

Gedern. 438 Wahlberechtigte, 30 Ab stimmende. Gewählt wurden: Bürgermstr. Nrspel^ Beigeordn. Vonalt, Gemeinderal Gerlach, sämtl. für Weber.

Gonterskirchen. 121 Wahlberechtigte, 15 Abstimmende. Gewählt Bürgermstr. Lind mit 11 Stimmen (für Weber).

Herchenhain. 77 Wahlberechtigte, 24 Abstimmende. Ge­wählt Bürgermeister Komp Jür Weoeri einstimmig.

Lardenbach mit Klein-Eichen 115 Wahlberechtigte, 14 Abstimmende. Gewählt Bürgermstr. Lein (B. d. L.) einstimmig.

L a u b a ch. 364 Wahlberechtigte, 34 Abstimmende. Ge­wählt wurden Bürgermstr. I. Ziechner, H. K. Göbel, Prof. Kull mann (lib.) einstimmig.

Merkcnfritz. 78 Wahlberechtigte, 8 Llbstimmende. Ge­wählt H. Hilfs (für Weber).

Ober-Seemen mit Mittel- und Unter-Seemen 301 Wahlberechtigte, 35 Abstimmende. Gewählt wurden Bürgermeister Peppel, .*£>. Bach (Natlib.). Der Gegner erhielt 4 Stimmen.

R a i n r o d. 146 Wahlberechtigte, 12 Abstimmende. Gewähll svurde Bürgermeister Biehl (B. d. L.) mit 11 Stimmen

U l fa. 266 Wahlbereckstigte, 90 Abstimmende. Gewählt wur­den K. Zimmer, K. Döll, (für Weber) mit 60 bezw. 59 Stimmen.

Wenings. 177 Wahlberechtigte, 30 Abstinunende. Ge­walt S. Hein (für Weber).

Stadt Darmstadt.

Bei starker Wahlbeteiligung siegten mit 250 Stimmen Mehrheit die Wahlmänner der seitherigen Abgeordneten Dr. Osann und Dr. Glässing. Ihre Liste erhielt 3032 Stimmen, die frei sinnige 933 und die sozialdemokratische 1808 ungestricheve Zettel.

Stadt Offenbach.

Tie Wahlmannerlistc für den seitherigen Abgeordneten Ul­rich (Sozialdemokrat, von den Linksliberalen unterstützt) erhielt 4463 Stimmen, die für den Nationalliberalen Böhm, der von Zentrum und Antisemiten unterstützt wurde, 4104. Bei einer Wahlbeteiligung von 86,5 Prozent siegte sonach der Sozialdemokrat.

Wahlbezirk Michelstadt.

Der bisherige Abgeordnete Lang (natlib.) erhielt 22 Wahl­männer und ist somit wiedergewählt. Der Sozialdemokrat Hasenzahl hat 13 Wahlnränner. Oh freisinnige Wahlmänner gewählt sind, ist noch unbcstinunt.

Wahlbezirk Wald-Michelbach.

Für den seitherigen Abgeordneten Dr. Heidenreich (natl. Wahlrechtsgegner) wurden 20 Wahlmänner gewählt, für das Zen­trum, das keinen Kandidaten .nominiert hatte, 17. Heidenrcichs Wiederwahl ist gesichert.

Wahlbezirk R e i n h e i m.

Die Wiederwahl des nationalliberal-agrarischen Abg. Schön­berger ist gesichert.

Wahlbezirk Groß-Umstadt.

Ter Antisemit Hauck ist voraussichtlich wiedergewählt. Wahlbezirk L a m p c r t h e i m.

Bestimmte Nachrichten liegen noch nicht vor, es ist aber an- zünehmen, dost einer der beiden Nationalliberalen Kandidaten das Mandat behauptet.

Wahlbezirk Darmstadt-Land-Groß-Gerau.

Tie Wiederwahl des seitherigen Abgeordneten Senßfel- 0 c r (Bund der Landwirte) ist mit einer Wahlmünnermehrheit von 2 .Stimmen gesichert.

Wahlbezirk Offenbach-Land.

Für den seitherigen Abgeordneten Orb (Sozialdemokrat) tour» Jjfcn 38 Wahlmänner gewählt, für Nessel (Zentr.), von den Natwnalliberalcn unterstützt 27. (Dadurch wird das in unserem Extrablatt mitgeteilte Wahlresultat berichtigt.)

Stadt Mainz.

Hier siegte die ultramontair-nationalliberale Koalition mit 4o65 gegen 3962 Stimmen der sozialdemokratischen, tron Frci- sinniaen und Demokraten unterstützte Aahlnrärrnerlistc. Danach sind die seitherigen Abgeordneten Tr. David und Adelung unter­legen. An ihre Stelle treten Dr. Schmitt (Zentr.) und Tr. Pagenstecher (Natlib.) ;

Stadt Worms'.

Wg. Reinhart (Natlib.) ist mit 1726 Stimmen wicdev- glwiählt, auf die freisinnige, bou den Sozialdemokraten unterstützte Llste 1010 Stimmen.

Sadt Bingen.

Die Wahlmänner liste für den seitherigen Abgeordneten Penn­rich ist gewählt.

Wahlbezirk Pfeddcvsh'ciM.

Dle Wiederwahl des seitherigen Abgeordneten Finget (nat- lib. und B. d. L.) ist gesichert.

__ Wahlbezirk Oppenheim'.

-V lnatlib., unterstützt von Zentrum und

B. d. L.) l.inb 21 Walstniänner gewählt, für Pfarrer Kvrell (Freis.) 10 und für den seitherigen Abgeordneten Braun (Natlib.) 3.

Wahlbezirk Ober-Ingelheim.

. l8 krcismn Walstmännev sind gewählt. Ta 27 Wahlmänner erst die Mehrheit bilden, entscheiden bic 12 Wahlmänner von Wcombach, wo ^trnrnrengleichheit vorhanden ist und das Los zwischen Zentrums- und sreisinniger Liste entscheidet. Nach einer anderen Meldung >oll die Wahl des seitherigen Abg. Dr. ötciuu) (Zentr., von beit Nationalliberaleii unterstützt) gesichert sein.

Uebcrblrcken wir das Gesamtresultat der Wahl, so ist als hervorstechendstes Moment zu erwähnen, daß die Linke ge­schwächt aus dem Wahlkamps hcrvorgehl. Es wird von dem Losentscheid in Mombach abhängen, ob ihr Verlust 2 oder 3 Mandate betragen wird. Vorteil von der Wahl­rechts-Koalition der Reichspartcicn hat vor allem das Zentrum, das in Mainz ein Mandat davon- trägt. Wenn in Ober-Ingelheim ebenfalls Zentrum ge­wählt wird, tritt cs statt mit 7 mit 8 Abgeordneten in die Kammer ein, eine Zahl, die noch vor lvenigen Jahren un­denkbar gewesen wäre und. die cs im wesentlichen seiner

klugen Taktik zu b erbauten hat. Die Nationalltb e- ralen haben für die Unterstichung des Zentrums in Mainz und Offenbach-Land das eine Mandat in Mainz gewonnen und ihre Mandate in Darmstadt, Oppenheim, Worms und Waldmichelbach gesichert bekommen. Sie haben also zahlen­mäßig nicht schlecht abgeschnitten. Dagegen ist mit der dtes- maligen Wahl der Riß zwischen ihnen und den Freistmngcn größer geworden, was bei der nächsten Reichstagswahl für mehrere ihrer hessischen Vertreter verhängnisvoll werden kann. Die dritte der Rechtsparteien, die Agrarier und Antisemiten werden sich im besten Fall behaupten. Der Versuch einer der seither in der Fraktion des Bauernbundes vereinigten Parteigruppen, der Deutschsozialen, ihren spe­ziellen Parteistandpunir schärfer zum Ausdruck zu bringen, tft gescheitert. Mehrere für diesen Zweck auf gestellte Kan- oidaten, Götz in Darmstadt, Link in Schotten und Zinßcr in Lauterbach, traten schon int Laufe des Wahlkampfes zurück und Fenchel in Butzbach erlitt eine klägliche Niederlage. Es ist fraglich, ob fein siegreicher Gegner Joutz, der seither ebenfalls der bündlerischen Fraktion angeh^rie, in Zukunft abermals bei ihr seinen Platz nehmen wird oder ob er mehr .ich der Linien anschließt, der er eigentlich seiner Gesinnung nach angehört. Tie Freisinnigen haben ihre drei ober- hessischen Mandate behauptet und im übrigen, auch wenn das Los in Ober J.igelheim gegen sie entscheidet, bemerkenswerte Fortschritte in mehreren Bezirken erzielt, so z. B. in Oppen­heim, wo Korell über ein Viertel der Wahlmänner erhielt. Sie Sozialdemokraten haben ihre beiden Mainzer Mandate verloren. Man kann ehrlich sagen, nicht ohne eigene Schuld. Denn die Art, wie sie jahre­lang gegen ihre jetzigen Verbündeten, die Freisinnigen, vor- gingeli, war nicht darnach angetan, jetzt in den gefährdeten Wahlbezirken alle Freisinnigen für sie an die Wahlurne zu bringen. Besonders schmerzlich ist für sie die Niederlage Tr. Davids und auch über ihre Partei hinaus wird das Fehlen dieses Mannes in manchen Fragen, namentlich in Bildungs- und Kulturfragen noch öfters bedauert werden, jenn in diesen Fragen war auf ihn und seine Gefolgschaft immer eher zu rechnen als auf die Ultramontanen.

Tie einzelnen Parteien werden im nächsten Landtag in folgender Stärke vertreten sein: 19 Nationalliberale, 78 Zentrum, 1213 Agrarier usw. (wobei eine Spaltung in eine deutschsoziale und eine rein bündlerische Gruppe mög­lich ist), 34 Freisinnige, 5 Sozialdemokraten und 13 Wilde (Noack, Joutz, Weber). Demerlenswert ist noch, daß oer wichtige Stand der Sganbroerler im kommenden Landtag durch einen Abgeordneten repräsentiert sein wird und es ist nur zu bedauern, daß es ein Zentrumsmann (Nessel) ist, der als Wortführer dieses tüchtigen Standes auftreten wird. Neu treten in die Kammer ein die Nationalliberaleii Dr. Pagenstecher und Dr. Winkler, der Ultramontane Löfselholz (der iom Tr. Schmitts Stelle in Mainz-Land ge­wählt werden soll) und der deutschsoziale Bündler Lutz. Es scheiden aus der Antisemit Hirsches, sowie die Sozial­demokraten Adelung und Dr. David.

Der neue Landtag wird hinsichtlich der Wahlrechtsfrage eine Zweidrittelmehrheit im Sinne der Glässingschen Ver­mittelungsvorschläge haben, wenn auch nach Aeußerungen in der Wahlbewegung nicht alle Angehörigen der Rechts­parteien dafür zu haben sein werden. Auch wird der selt­samerweise von den Nationalliberalen wieder aufgeftellte und auch gewählte Wahlrecbtsgegner Dr. Heidenreicy wie auf früheren Landtagen nichts unversucht lassen, um dem Reformwerk bei den darin enthaltenen Streitjragen (Wahl­kreiseinteilung, Kautelen usw.) möglichst viel Schwierig­keiten zu bereiten. Da die Vertreter oer Linken einer Wahl­reform mit Konzessionen an die Erste Kammer kaum zu­stimmen werden, sind die Aussichten, daß der nächste Land­tag dem Hessenvolk das ersehnte und zeitgemäße direkte Wahlrecht endlich bringen wird, nach wie vor recht gering.

Aus Statt unO LairS.

Gießen, 29. Oktober 1908.

** Stadttheater. Da für November eine Reihe von interessanten Aufführungen bevorsteht (wir nennen zu­nächst2 x 2 = 5",Piccolomini" undWallen­steins To d",H a n n e l e",Vas an käsen a",Viel Lärm u m n i ch t s",I o u r n a l i st e n"), so hat die Di­rektion einige ältere Werke, die von der Sommersaison in Bad-Nauheim her feststehen, auf den Spielplan gesetzt, um Zeit für sorgfältige Vorbereitung zu treffen. Sv wird nachMadame Saus Gerte" am nächsten Freitag das be­kannte liebenswürdige LustspielDie berühmte <yrau" ge­geben werden, in dem Frl. Röber alsHerma" Gelegenheit haben wird, zu exzellicren. Dieses Stück wird au den andern Abonnementsabenden nicht wiederholt werden.

** Der hessische Lau des verein für Frauen­stimmrecht hielt gestern abend im Hotel Großherzvg eine zahlreich besuchte Versammlung ab," in der Frl. Lida Gustava Hey mann, die 2. Vorsitzende dcs deutschen Verbandes für Frauenstimmrecht, einen Vortrag hielt, über das Thema:Warum brauchen die Frauen staats­bürgerliche Rechte?" Die Vortragende knüpfte an ein Wort Berta^v. Suttner an, wonach eine jede große Bewegung drei Stadien durchmachen müsse: zuerst werde sie verlacht, dann bekämpft, und zum Schlüsse mache man ihr.den Vorwurf, daß sie offene Türen einrenne. Alle diese drei Stadien zeigten sich heute in der Frage des Frauen­stimmrechts. Die Rednerin untersuchte alsdann, was die Frauenbewegung bisher erreicht habe. Moralisch habe sie sehr viel erreicht: es gäbe heute kaum noch einen Men­schen, der von ihr noch nichts gehört habe. Materiell habe die Bewegung bei uns noch nichts erreicht. Man sei noch nicht weitergckommcn. weil man anmaßgebenden Stellen noch nicht mitreden forme. Man spreche heute viel von Klassenjustiz, aber wer spreche von der ungerechten Ge­schlechtsjustiz, und doch würden weibliche Richter die weib­liche Psyche viel besser verstehen als Männer. Aber die Forderung nach weiblichen Richtern und Schöffen werde mit Hohn zurückgewiesen. Tie heutige Stellung der Frau vor dem Gesetze sei unwürdig. Auch Frauen zahlten Steuern, und deshalb hätten sie auch ein Recht, über Steuern mitzureden. Zu einer finanziellen Mißwirtschaft im Reiche und in Preußen wäre es nicht gekommen, wenn Frauen über die Staatseinkünfte mit zu beraten hätten. Die Frau sei sparsamer als der Mann. Die Rednerin ging sodann näher auf die Geschichte der Frauenbewegung in Deutsch­land ein und bemängelte es, daß die Geschichtsschreibung sie totschweige. Ter Verband für Frauenstimmrecht zähle heute in Deutschland schon 3000 Mitalieoer, in Holland 9000, in Dänemark 4000 und in England nach Hundert- tausenden. Warum, so fragte die Rednerin, sind heute noch so Viele gegen das Frauenstimmrecht? Es heißt, die Frauen stellten keine Vaterlandsvcrteidiger. Aber wo, so fragte Rednerin, l-at man jemals als Aequivalent für' die Vaterlands Verteidigung das Wahlrecht gegeben? Offiziere und Soldaten hatten ja auch nicht das Wahlrecht. Die Dienstuntauglichen dagegen übten, es aus. Die Frau schenke

dem Staate unter Schmerzen die Bürger; chr liege auch bic in der ersten Zeit so schwrerige Erziehung der Ktnder ob. Weiter heißt cs bei den Gegnern des Frauenstimmrechts: Durch die politische Betätigung der Frau werde das Fa­milienleben zerstört, die Weiblichkeit lride* darunter, die Frauen selbst wollten das Frauenstimmrecht ja gar nicht, und die Frau stehe viel zu hoch, um sie in den politischen. Sumpf hineinzuziehen. Rednerin suchte diese Argumente dadurch zu entkräften, daß sie auf 4 Staaten von Amerika, auf Australien, Norwegen und Finnland hinwies, wo man mit dem Frauenstimmrecht sehr gute Erfahrungen ge­macht habe. Unbegreiflich sei die Opposition gegen das Frauenstimmrecht in Frauenkreisen. Rednerin schloß Mit einem Aufruf an die Jugend, mitzuwirken zur Erreichung der Gleichberechtigung der Frau mit dem Manne.

Unfall. "Von einem Neubau in der Wagengasse stürzte gestern nachmittag der mit Tachdeckerarbeiten be­schäftigte 21 Jahre alte Karl Lapp von hier. Er erlitt einen Schenkclbruch und mußte in die Klinik gebracht werden.

Verhaftet. Dec von der Amtsanwaltschaft zu Neubukow in Mecklenburg steckbrieflich verfolgte Arbeiter Karl Haaker aus Krakow wurde heute morgen hier fest- genommen.

D Mücke, 28. Oft. Der Betrieb bereifen ft eingruben »Luise" undIlsdorf" der Rheinisch-Westfalischen Berg- werksgesellschaft gelangt mit dem ersten kommenoen Monats zum Stillstaiid. Ten Bergarbeitern ist bereits gekündigt worden. Da­mit tjmmt auch die Drahtseilbahn MückeFlensungenIlsdorf außer Betrieb. Ten hier beschäftigten Arbeitern bietet aber bic Bergwerksleitung Ersatz durch Beschäftigung auf ihren großen Eisensteingruben bei Weickartshain und Grünoerg. Die oortäufige Betrieosniederlegung genamüer Gruben fuhrt man auf ihre we­nigere Ergiebigkeit, auch sind die Schlammreiche der Waschereien vei Nieder-Ohnwn woyl aufgebraucht. Die Gesellschaft besitzt dafür sehr große Anlagen bei Weickartshain; ebenso ergeben die Gruben bei Grünberg ein viel besseres Gestein.

** Kleine u .messen und den

N a ch b a r st a a t e n. Im Walde bei L e h r b a ch schoß der Förster Eausau eine starke Wildkatze. Em P o st b o l e aus Hersfeld stürzte während dcs Dienstes in Kirchheim eine Treppe her­unter und verletzte fiel) derart, daß er kurz darauf verschied. Wegen Nioidversnches wird von der Staatsanwaltschaft m Alainz der 26jährige Gelegenheitsarbeiter Jakob Hild ans Friesenheim gesucht. In seiner Begleitung befindet sich vermutlich der Tag- löhuer Johann Kissel aus Bretzenheim. Tie 7 bjährige Butterfrau Jakobi von Jügesheim ist bei O b e^r t s h a u s e n von einem Zuge überfahren und aus der Stelle getötet worden. Bei dem Nebel hatte die Frau, die em Wägelchen vor sich herschob, den herannahenden Zug nicht bemerkt. Alan fand bei der Leiche 65 Alk., die die Frau für verkaufte Butter gelöst haue.

Breslau, 28. Okt. In dem Schadenersatzprozeß, den der bei den Krawallen am 19. April 19U6 um seine linke Hand gekommene Arbeiter Bieivald gegen die Stadt Breslau führt, und in dem die Stadt dem Grunde nach bereits rechtskräftig verurteilt ist, sprach heute die vierte Zivilkammer des Landgerichts dem Kläger wlgende E n t s ch ä d i g u n g zu: 1500 Alk. für den immateriellen Schaden, 142,80 Alk. für Lohnersatz für die ersten 8 Wochen, ferner im ersten Jahre die etivas variierende Rente, die vom 16. Aprils 1911 ab 187,25 Alk. vierteljährlich beträgt. Außerdem hat die Stadt die Kosten für die notwendig werdenden Reparaturen uni) Eriieuerimgen der künstlichen Hand zu tragen.

Zeppelin.

Aus Friedrichshafen wird uns unterm 28. Oft ge­schrieben : Prinz Heinrich ist heilte iilorgen um 6 Uhr nach Wolssgartcn obgereift. Beim Abschied drückte er dem Grasen lange die Hand und versicherte, daß ihm der große Tag unver­geßlich bleiben werde. Auch jedem einzelnen der sechs SJlonzcure, die die Fahrt mitgemacht halten, schüttelte der Prinz die Hand und dankte ihnen herzlichst. Für morgen ist wieder ein Auistieg geplant, an dem der tömniandierende General des 13. (württemb.) Armeekorps, Herzog Albrecht teilznnehmen beabsichugt. Die Neichskommisfare sind im Lause des Tages wieder abgereist, nur Prof. Dr. H e r g e f c 11 bleibt noch einige Zeil hier. Zeppelin hat den Neichskommisfaren erklärt, daß er die Forderung einer Dauerfahrt nach einem so fernen Ziele wie Al a i n z augen­blicklich noch a b l e h u e n müsse. Geilem früh sind 2 Waggons mit Gasflaschen von der Trajekl^Borrichluiig tn beit See g e st ü r z t. Em Waggon ivurde vollsläiidig zertrümmert, der an­dere liegt unbeschädigt un See. Die Bergungsarbeiten gehen flott vou statten

Kleine Tageschronik.

Ain Erlstätler Berg (Oberbayern) fuhr das Auto­mobil des amerikanischen Kapitäns Wiener eine hohe Straßen­böschung hinab und überschlug sich. Der Kapitän blieb unver­letzt. Seme Begleiterin Betty Bettin ans Chile, sowie der Chauffeur sind t o 1.

Eine durch Kurzschluß entstandene F e u e r s b r u n st in B l o e m f o n t e i n äscherte eine Anzahl Negierungsgebäude ein. Der Schaden wird auf etwa 2 Millionen Mark geschätzt.

Märkte.

ic. Frankfurt a. M., 29. Okt. (Telegr. Orig. - Bericht des Gieß. Anz.".) Amtliche 9lotierungen der heutigen Biebmark t- p reise. Zum Verkaufe fianben: 39 Ochsen, 8 aus Oesterreich 1_ Bullen, 0 aus- Oesterreich, 109 Kühe Fersen, Stiere und Rinder, 851 Kälber, 537 Schafe und Hämmel, 1387 Schweine, 3 Ziegen, 0 Ziegenlämmer. 00 Schallämmer. Bezahlt wurden für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen: 1. Qualität 7880 Mk^ 2. Qualität 7072 Alk., 3. Qualität 5662 Mk.: Bullen: 1. Qual. 6668, 2. Qiial. 62-64; Kühe 1. Qualität 70-72 Alk., 2. Qual. 6466 Alk., 3. Qual. 5254 Alk., 4. Qual. 0000 Mk., 5. Qual. 0000 Alk. Bezahlt wurden für das Pfund Schlacht­gewicht: Kälber 1. Qualität 92 bis 95 Pfg., Lebendgewicht 5o56 Pfg., 2. Qualität 8590 Pfg., Lebendgewicht 50-53 Pfg., Schlachtgew. 6870 Pfg.; Schafe: j. Qiial. Schlachtgew. 72 bis 78 Pfg., 2. Qual. 5860 Pfg. Schweine: 1. Qual. 7172 Ps^ Lebendgewicht 56,5-00 Pf., 2. Qual. 70-00 Pf., Lebendgewicht 5600 Pfg., 3. Qiial. 6568 Pfg., Lebendgewicht 0000 Pfg. Geschäft bei Hornvieh mittelmäßig, Uebecstand unbedeutend, bei Rälbein und Schafen gut, kein llebersland. Schweine flau, Liebet- stand bedeutend.

Original-DrahtliieLSrrirsen.

Paris, 29. OL. Petiilt Parisien veröffentlicht im Zit- saminenhang mit den Aeußerungen Kaiser Wilhelms in Sperr­druck eine längere Erklärung, worin es heißt: Die sranzö- suche Regierung habe niemals die Idee gehabt, Europa zu veranlassen, eine Zwangmaßregel gegenüber England anzuwenden.

London, 29. Okt. DieTinres" veröffentlicht rin längere.? ^riegramm, worin sie sich die vomPetit Pa- Wien' vcröffentlickste Erklärung zu eigen macht. Das Blatt knüpft daran die Frage, ob dadurch, daß jetzt daran er* innert wird, daß ui den Jahren 1890 und 1900 Frank- re.l$ Rußland Deutschland ersuchten, die südafrika­nischen Republiken zu retten und England zu demütigen, leinen anderen Zweck verfolgt habe, als das chnvernehmen der dret Machte bezüglich der Orientsragc zu stören.

~ n & 0 ,n' 2?- Eine militärische Autorität er* Harte ban Storreiponbcnten desExpreß", daß bezüglich de» angeblichen Krtegsp la n cs des deutschen oohnlicbe Note jemals in England ein* h°be die Militärbehörde piemalä davon Kenntms erhalte^.