Ausgabe 
28.3.1908 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfaßt 18 Seiten.

Aus

-o.

bedachte.

war

wen bisljer einer Baden noch nicht

immer am rechten Ort und schließlich

durcheinander; man spricht untereinander, sich, man weiß nicht .Witze geinacht, nicht stehen vier glückliche

Welche Wirkung Zolltarisgesetzeö dle St

Gteszener Stadttheater<

Flotte Weiber.

Tas Haus war nahezu ausverkaust und verhielt sich gegen die »Flotten Weiber" überaus galant, indem es sie und ihre männlichen Beglücker mit liebenswürdigem Verfall reichlich

Bürgermeister Dr. Mönckeberg f.

Der Hamburger Bürgermeister Dr. Mönckeberg, dessen Tod wir gestern meldeten, war am 22. August 1839 in Hamburg geboren, er stand also im 69. Lebensjahre. Er entstammte

gelöst, die freilich zum größten Teile keineswegs ihnen an possierlicher Ausgelassenheit gleichko>nniei,. Denn dieseFlotten Weiber" haben sich merkwürdig gut konserviert. Ja, sie sind sogar mit wirksamer Hülse neuester bühnenkosmetischer Mittel vielleicht noch frischer als je geworden; die einst schon flotten, sie schauen heute ou5 ganz ausnehmend lustigen Augen und scheinen gar nicht gealtert. Vier Akte lang freilich wimmeln sie sucht sich, ohne sich zu finden, man ohne sich zii verstehen, man maskiert warum; es werben gute und schlechte

Gesangsposse von Leon Treptow.

DerFlotten Weiber" blühende Iugendrosenzeit vor etwa 20 Jahren. Damals sind sie wohl mehr als anderthalb hundert mal über die leichten Bretter deS Berliner Adolf-Ernst-Theaters gehüpft. Dann begaben sie sich gut Ruhe und wurden von anderen Schwänken und Possen ab-

Der § 13 des Zolltarisgesetzes vom 25. Dezember 1902 lautet:Für Rechnung der Slommunen oder Korporationen dürfen vom 1. April 1910 ab Abgaben auf Getreide, Hülsen- srüchte, Mehl und andere Mühlenfabrikate, desgleichen auf Backwerk, Vieh, Fleisch, Fleischivaren und Felt nicht erhoben werden. Auf die Erhebung der Abgaben von dem zur Bier­bereitung bestimmten Malze durch die Kommunen findet diese Bestunniung keine Anwendung. Die entgegenstehenden Be- stimmungen unter Ziffer I und im § 7 der Ziffer Ii des Art. 5 des Zollvcreinigungs-Vertrags vom 8. Jiili 1867 (Bundes-Gesetzblatt S. 81) und des Gesetzes vom 27. Ma,

Bad-Nauheimer Brief.

Wir erhielten von geiüjxuuer ^eue folgende Zuschrift:

Ihr trefflicher Korrespondent wird cs wohl nicht verübeln, wenn heute einmal eine Extratour von anderer Seite eingezchoven wird. Er hat in seinen interessanten Mitteilungen bish-er einer neuen Blüte auf dein fruchtbaren Nauheimer Boden noch nicht gedacht, :vcbl weil fte ihr Dasein noch als ein Veilchen int .ver­borgenen führt. Ich meine das neugegründete Eleorenhoi Pt - in der Benekestratzp 6, das seinen Namen mit huldovUer Geneh­migung Ihrer Äönigl. Hoheit der Großherzogin tragt.

Wenn Sie fragen, was dieses Hozpcz eigentlich will uru> welchen Zwecken und Bedürlniffen es dienen soll, so mnn dre Antwort mrz dahin zusaimnengefaß. ivcro.n, das; c-.- an i einem Teil helfen will, das ursprünglich, seien des Gafthauics wie­der zu erneuern, als eines Hauses, das leinen Gasten b.enen will und nicht dem Vorteil des Unternehmers., -ter Gedanke der christlichen dienenden Liebe, wie er sich langst auf Den Qte- bieten der Armeir- und Krankenpflege bewahrt har, will lich auch an dieser, in ihrer Art schwierigsten und an der Dustersten Grenze ihres Gebietes liegenden Umgäbe erproben, schwierig ist ;u besonders um deswillen, weit I).er außer der rechten Gesinnung auch tüchtige fachmunnifche Leistungen gewrdert wvr^ den. Gerade daran haben es, das muß mau emgesteheil, die christlichen Hospize früher viellach fehlen las,cn. Beinahe wollte es manchmal scheinen, als obBvraustung der Welt', d. y. m diesem Falle der gesckxistlichen Pünktlichkeit, eine Probe der Frommigleit sei, und als ob eine große bieder männliche Ver­traulichkeit, eine Bibel auf dem Tisch und eine Abendandacht den Ermv bieren müsse für sonstige Unreinlichkeit und lastechle Bedienung. Das Eleoiioren-.Hospiz wird nch bestreben, wie die neueren Hospize überhaupt, auch in dieser Beziehung .'Austern ßiittgtd zu leisten. Es ist mit allen Bequernlichkeilen oer i'teu- zest: Personenaufzug, Zentralheizung, eleliiischem Licht, ausge­rüstet, mit vornehmer Einfachheit eingerichtin, und wirb dop einem in internationalen Hotels bewühnen Fachmann geleitet. Die schmierigste Aufgabe, die iym> obliegt, ist Die: das gesamt« Personal nu£ dem rechten Geiste zu durckchringen, damit di« Gäste nie Augen begegnen, die sie nur daraus ansehen, tote viel von ihnen zu erwarten sei, sondern, stets das Gefühl haben: hier soll man mir gern in sreundlick-er Liebe dienen, deshalb ist auch das TrinkAetd abgeschafft, nicht minder jegr l ich er Trinkzwang. Selbstverständlich ist jeöem, der es wünsch^ ipchegenheu gegeben, sich an der Abendandacht des Tiretwc( zu beteUiaen. Aber auch dafür vesteht kein Zwang, auch kein moruLÜchä. DaS El«k»«n-Hospiz will vor allem mit jbe»

Paare vor uns. Man lacht unbändig und das" ist der Zweck des Ganzen. Wer aiich mir ein bischen kritisch veranlagt ist, der wird ja bei solchen Possen zunächst ein wenig verlegen, aber bald ivird auch der sein kritisches Gewissen in die Westentasche stecken und schmunzeln mit den Schmunzelnden und klatschen mit den Klatschenden. Jedenfalls wurden Treptows schlagfertige Kalauer, die von ihm erdachten tollen Situationen, sowie seine mitunter wirk­lich guten witzigen Wortspiele herzlich belacht, und da die Posse, wie bereits augedeutet, mit neuen aktuellen Couplets (in einem solchen ist z. B. die Rede von Ternburg und den Hereros) durchsetzt war, so mutete sie wie eine Novität an.

Unser allbeliebter Reimer-S ci l cfjel, der launige Schalk unserer Bühne, hatte seinen El ieuabend. Ein Zeichen für die Sympathien, die er auch unter allen seinen Kollegen besitzt, ist, daß sich über die gestrige Darstellung nut das beste sagen läßt. Es wurde mit Bra.our gespielt, alles ging flott und jeder gab sich flott und war bei bester Laune^ Fast das gesamte Personal zeigte sich zudem, noch kurz vor -orec« fchluh, vvn einer ganz neuen Seite: alle halten ihr GesangS- talrm «tdeckt, und so kam man denn aus dem Staunen

nicht heraus. Ja, eS wurde fast mehr gesungen als ge­sprochen, man geivann beinahe den Eindruck, einer Operetten- Vorstellung beizuivohnen. Und eS niachle den meisten Dar- slellern sichtlich ein großes Vergnügen, sich einmal auch von dieser Seite zeigen zu dürfen obwohl bei diesem ober jenem die Lust größer als die Kraft, bei dieser oder jener Die Lust nicht gering schien, so sich über sich selbst einmal ein wenig lustig zu machen.

Der Benefiziant, der den Onkel Nolte, diefeinste Nummer" des gestrigen Abends, den nicht alle heraus-, sondern alle hinemreißenden Possenreißer spielte, wurde mit Beifall, Blumenspenden und anderen Liebesgaben förmlich überschüttet. Er und v. d. Becke erzielten mit ihren über­aus wirksam vorgetragenen Couplets durchschlagende Erfolge. Beide Darsteller waren aber aiich von köstlicher Komik, und ihre Scherzlieder von den Vokalen a, e und u, von dem oerborbeneu Magen rc. werden wohl bald zu einiger Popn- larität hier gelangen. Die gelegentlichen lokalen Anspielungen, von der Schwarzen Lach, von der Bäckermelfterstochter auf der Walltorstraße und der Schlächterlochter voni Seltersweg rc. zündeten natürlich besonders, v. d. Becke zeigt sich bei der Lösung solcher Ausgaben stets von bewiindernswericr Agilität und stärkstem koutlschen Charakterisierungsvermögen. Als milchmögende Badies wurden er und Sachs im Schlußakt laut bejubelt. Auch die Darstellerinnen derFlotten Weiber" (eigentlich paßt dieser Titel z»i dem possierlichen Kuddel­muddel ebenso gut wie etwaBouillon mit Spargelköpfen") die Damen Lutter (Frau Neimer-Schlegel), Syloa, W i n d e r st e i n, Ni a i f a r t h u n d La u l e r m a n n, die letztere als köstlichesHessengretchen", alsgoldiges Nlißgebürtchen-, waren zumeist von übersprudelnder froher Laune. Frau Reimer ersang sich ihren großen und schönen Erfolg und be­mühte sich mit Glück, die Fesseln, die ihr seltener Bühnen- nuftviit ihr angelegt hat, niöglichst zu verbergen. Der Vor­trag des Liedchens:Ich weiß nicht was, ich weiß nur baß, es fehlt etwas daran", gefiel ausnehmend gut. Glaub­würdig und aniüsant gaben sich in ihren Rollen Die Herren Roden und Goll, und viel Ergötzen bereitete dem Publikum baL ttebelechzende Faktotum des Herrn Sach«.

Die Posse u gut inszeniert und splendid ausgestattet.

HslStische Tagesschau.

Das Kaiserpaar in Venedig.

5/er Hacker folgte am Donnerstag abend der Einladung des Munizipalrates von Venedig zu einemDiner, der einen in herzlichem Ton gehaltenen Aufruf zur Begrüßung des Kaisers erlassen hatte. Während des Diners unterhielt sich bet Kaiser, dessen frische «Stimme allgemein auffiel, lebhaft mit den Mitgliedern des Munizipalrates. Nach dem Diner machte das fi'aiferpaar mit der Prinzessin Viktoria Luise eine stunden­lange Gondel fahrt durch die Kanäle, ohne vom Publikum erkannt zu iverdcn. (Heftern nachmittag nahm der Kaiser den Tee bei der Gräfin Papadopulo, zu der er sich auf einem Rudergig begab, ein. Die Kaiserin unternahm nut dem Prinzen August Wilhelm und der Priuzefsin Viktoria Luise einen Ausflug in Gondeln nach dem Lioo. Die Königin Helene hatte an die Kaiserin eine Depesche aesandt, in der sie sich entschuldigt, daß sie mit viücksicht auf die kleine Prinzessin Johanna, die ste selbst nährt, nickst mit nach Venedig kommen konnte. Es heißt jedoch, daß die Königin und Kaiserin bei der Rückkehr des Kaiserpaares von Korfu in einer italienischen Hafenstadt zusamincniresfeu werdeil. Gegenüber allen anderen Nachrichten über die Kaisersahrt gilt hier als gewiß, baß der Kaiser nicht vor dem 6. April eintrifft, ver­mutlich erst am 7., also am Tage des griechischen Be,veiuugsjestes, roo Korin ohnehin schon üt Feststimmung sich vefindct. Fünf Tage vor der Ankunft des Kaisers wird der griechische König und das Kronprinzcnpaar, vielleickst auch die Königin erwartet. Die Ankunst Kaiser Wilhelms in Wien luirb nicht vor dem y.. oder 10. Mai erfolgen, da der Kaiser den Namenstag des cköönigs Georg von Griechenland, der au| den 6. Mai fällt, mit diesem zusammen in Sbrfu feiern und tyjft am nächsten Tage cib- reijen mochte. Der PariserTemps" veröffentlicht über die Zusammenrünst in Venedig einen Leitariilel, in dem cs heisst: An die Detente zwischen Italien und Deutschland und zwischen England und Deutschland schließt sich die Detente, zwischen örant> reich und Deutschland. Frankreich braucht sich bei dieser Gelegen­heit weder zu erregen noch zu beunruhigen. Ein Land wie das unsere, das nidjt daran denkt, Europa zu beherrschen, verlangt nichts anderes als die Achtung leiner Rechte und 1 einer Würde. Unsere Politik wird immer ehrlich, niemals eine Politik der üblen Laune sein.

Reisen des Reichskanzlers nach Wien und Rom.

Der seit längerer Zeit geplante Gegenbesuch des Fürsten Bülow beim österreichisch-ungarischen ILl i n i ft e r Baron Aehrenthal konnte nicht früher zur Ausführung kommen, als bis die parlamentarischen Arbeiten im Reichstag über den Etat des Auswärtigen Amtes zu Ende ge­jährt worden waren. Nachdem dieses geichehen, begibt sich der Reichskanzler heute nach Wien. Es ist natürlich, daß beim Zu­sammensein der beiden verantwortlichen Leiter der auswärtigen Politik die allgemeinen politischen Tagessragen besprochen und hierbei von neuem die herzlichen Beziehungen nicht allein der beiden Staatsmänner zueinander, sondern ebenso auch der beiden Bnndesmächte zum Ausdruck kommen werden. Einem Berliner ossiziösen Telegramm der Kölnischen Zeitung zufolge wird es an amtlicher Stelle für möglich gehalten, daß der Reichskanzler nach feiner Rückkehr aus Wien, aber erst nach Beendigung der Reichstagsverhandlungen mit Tit- toni in Rom persönlich zusammentresfen nnrd. Jät dieiem Falle würde der Gesandte von Flotow den Reichskanzler be­gleiten.

und Land.

Gießen, 28. März 1908.

Boni Oktroi.

wird der Paragraph 13 des vom 2 6. Dezember 1 902 auf übt Gießen ausüben?

Metropole, und da einer' der verhaßtenSaubengels der 'JJhyc- rnter war, glaubte Herr Dr. Wagner mindestens eben ,o grob schimpfen zu müssen wie der württernverglschc Grobian. Und so Uetz er dann dem Gehege der Zählte einen Latz cntschluvien, der den Verfasser des Artikels einenichno b b erig en mllc tonnten nannte! TieTribünehörte dasSchmähwort nicht, aber dasvaus horte es' auch im amtlichen Stenogramm prangt es groß und breit 1 Aber memand rührte sich, dein schimpfenden ThcrMes über oen ungewaschenen Mund zu fahren; im Gegenteil, trotz der eben im Reichstage empfangenen Lektion hasten die Herren auf der Rechten den traurigen Mut, dem Sprecher ein belobigendesLehr gut. aiumüen. Stur em Journalist hatte den Zuruf gehört: und erst gegen Schluß der Sitzung konnte sich die Pressetribüne durch Ein­sicht in daS amtliche Stenogramm die Ucberjeugurg verschaffen, daß der Eine recht gehört. Las Stenogramm wurde auf Betreiben der Tribüne dem Präsidenten kurz vor der Bevtagnug vorgelegt. Mlber Jordan v. Kröcher, der schon den Grafen Stolberg u:i vcr Slornnuevnng Groebers gehindert, fand sich nickst veniüßigi, eih' zuschreilen. Die Tribüne, die nicht umnittelbar beleidigt war, ver- mnq kaum etwas weiteres zu tun; das beleih gte Blait es ist backBert. 2ageb(." wird indes; Herrn Dr. Wagner wie dem Präsidenten die gebührende Antwort nicht schuldig bleiben, und auch die übrigen Männer der Presse werden den beidcn hie Lache mein vergessen. Die materielle Debatte brachte nichts Beso.weres; unzählige Bahnwünsche wurden vorgebracht, und die Alinisler be- (chränften sich darcuü, ihre sorgfältige Prüfung znzmagen. Ain Schluß gabs noch eine Häkelei zwischen dem konseivativen Abg. Kuiitze, her em persönlicher Wideisacher hes Herrn -^r. ^vtnller- Lerlin zu seiu scheint, und dem einfhgen Vertreter des L-aganer Kreises, Herrn Dr. Atüller, der mit ganz besonderer Warme trotz seines Wesüaleimispruugs für den poii der Bahnverwaitling Itict- mütterlich genug veoacksten Cften eintrat; sollte er, io heljuupteta Herr Km.ge, den NamenAiüller-sagau" immer noch fuhren, obivohl er ihm amtlich abgesprocheu sei, und er sollte immer nach Herrn Kuntze - die Führung dieses Siamens nbgcleugne* haben. Lr. Aiüller wies nach, daß ihm der via ineWhillerJ Lagan" niemals abgesprocheu worden sem kann, weil er ihm nie- inais zugesprochen loorhen war, imh stellte fest, daß er den Viamel« aclegeiitlich noch führe, dies aber nie abgcleugnct habe. Nur hiei im Hanje so betonte er gegenübef Herrn Kuntze führe er it)l nicht. Und siehe da: Es erhob sich Herr Cchniiht-Bauschli-ni, imf festzuslellen, daß beim Burcan ein Wortmeldungszellei mit emei Unterschrift emgelaufen sei, die lich mir alsMüller-Lagau heute» lasse. Herr Di. Müller stellte ieft, daß dieser Zettel nicht von ihn Herrühre. Miii erhebt sich hie Frage: Wer hat den Zettel beu< Bureau eingeschmuggelt, und ivvher hatte Herr Kunne, ».er nicht Schrülsührer ivar, Kenntiiis uou dem Eingänge dieses gefalfchte» Zettels? U. A. iv. g. I

einer der ältesten Hamburger Familien, die innerhalb der 150 Jahre ihres Bestehens dem Hamburger Gemeindewesen em? große Anzahl von Männern gestellt hat, die sich um die Stadt hoch verdient gemacht haben. Mönckeberg studierte nach Ab­solvierung des akademischen Gymnasiums in Hamburg, in Hei­delberg und Göttingen und promovierte 1862 als Dr. junS utriusque, um sich dann in Hamburg als Advokat niederzu- lassen. Im 5. Bataillon des Bürgermilitärs wurde er damals zum Leutnant gewählt. Er trat als Syndikus und Mitglied des Aufsichtsrats in die Berlin-Hamburger Eifenbahngesellschaft und verehelichte sich am 6. Juli 1867 mit einer Adoptivtochter des Senators Adols Tesdorpf. In die Bürgerschaft wurde er zum ersten Male im Jahre 1872 gewählt und gehörte bald ihrem^ Vor­stand als Schristsührer an. Am 3. Juli 1876 erfolgte naa) dem Tode des Bürgermeisters Dr. Haller ferne Wahl m den eenat. Zum Ersten Bürgermeister wurde er zum ersten Male im Jahre 1889 gewählt.

Nr.7S Erstes Blatt 158. Jahrgang Samstag L8. März 1808

»-JS Z3T! aaX Ar AM SäM

MMeMer Anzelger

General-Anzeiger für Gberhefsen

Äl"d!e Tagesnummer RolaLionrdnlck und Verlag der Vrühl'schen Unw.-Vuch- und rteln-ruSerei. H. Lange. Redattion, Expedition und DruSerei: Zchulstrahe 7. A°!eic,emell^'H.^ÄeL bis vormittags 10 Uhr.

Ltimmungrdild aus dem Heithstage.

Berlin, 27. März.

Der evfte Tag der dritten Lesung des Etats pflegt sonst zu den großen parlauientarifcheu Tagen zu rechnen. AVer die großen Tage lassen sich nicht ancinanderreihen. Alan hätte ivohl auf die allgemeine Aussprache diesmal übeilMipt ver­zichtet, wenn nicht auf die Verhandlungen der letzten -Lage über den Etat des Reichskanzlers und des Auswärtigen Annes nach der noch nie gcänbcifeu Reihenfolge der dritten Beraknng un un­mittelbaren Anschlüsse wieder mit Reichskanzlei und Answarttgern Amt hätte begonnen werden müssen. 'Ulan war so wenig rede­lustig, daß, als nach dem Lozialdemokraten David Herr Lchrader kurz gesprochen hatte, der Präsident dem Abg.Bcbel das -Wort er­teilen niußle. Atis der ganjen Verhandlimg iftjaum etwas anders erwähnenswert, als daß Dr. Daoid eine vom Ltandpunkt der Lo- jtialbemofrnten recht wirkungsvolle Rede über W ahlreclfts- v e r l) ä 11 n i i i e hielt. Tie scharfen Provokauolien Tavids lösten eine noch schärfere Polemik des sächsischen Konfervatweii Dr. Wagner aiis, der Staatssekretär Krätke unterhielt ,id) nut dem Sozialdemokraten zum jo und so vielten Aiale über das Brief­geheimnis der Post, Graf Kanitz niachle seinem AntikarieNherzen Hilft und Herr Speck vom Zemruni veranlaßte durch ein fteuev- politisches Zentrumsexpojö deii Abg. Schrader zu einer nochmaligen Tarlegmig des freisinnigen Standpiinkies. Daim erledigte man m memacn '.Phnutcn die Etats des Reichskanzlers , und des Aus­wärtigen Amtes und trennte sich zu, schon länglt mcht mehr ge- wohirter früher Stunde, iveil am Abend Geheimrat Koch den Reichsboten einen Vortrag über die Schlafkraiikheif halten zoll. WmmunMR^Üs" dem preutz. MgeorduetenhauZ.

B e r l i n , 27. März.

Das alte Wort von derDuplicitüt der Ereignisse" ist wieder einmal zur Geltung gekommen: Ter gute Ton m allen Lebens- lagen, den man im Reichstage eben erst un oade Grober mit Be­dauern vermissen musste, scheint auch im prenßucheii Avgeoidnelen- haus nicht mehr gewahrt werden zu sollen. Herrn GrobersLau- bengel'* reiht sich eine Beleidigung ebenbürtig an, die der Freikonservative D r. Wagner am Frenag gegen einen Mann der Presse in össentlichcr Sitzung und ungestraft zu schleudern sich erdreistete. Jrgeiid ein Unglückswurm von fchlesi-- schein Journalisten hat in einem Berttner Blatt ein Feuilleton veröffentlicht, in dem er über Breslau dasselbe Urteil fällte, das der berühmte Namensvetter des Herrn Tr. Wagner, der Berliner Nationalökonom, über Berlin in noch schrofferer Fassung gewllt: Hatte Herr Professor Adolf Wagner Berlin diexiid|iaiiöigftc iLroßsiaht" geicholten, so sprach der schlesische Presstmensch von Breslau mir als einerzurückgebliebenen Großstadt. Herrn Adoli Wagners Wort war cm Tadel, das deS schlelijchen Joiirnalttleli ein Urieil, ein Urteil ohne tadelndem Beigeschmack. Aber der llofal- Patriotismus des Herrn Abg. Tr. Wagner empfand schon dieies Urteil als ein crimen lacsae maje^tatis gegenüber der schlesischen