Ausgabe 
22.12.1908 Erstes Blatt
 
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Nr. 301 Erstes Blatt

Dienstag 32. Dezember 1908

158. Jahrgang

GiehenerAnzeiger

General-Anzeiger für Gberhesien

Bezugspreis: monaUich 75 Pf^ viertel- jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Pik. 2.viertel fährt, ausfchl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15*01» auswärts 20 Pfennig, Perant wörtlich für den politifchen Teil, für -Feuilleton^ und -Vernnjchtes": Ernst Anbcrlon, iür »Stadt

Annahme von »nzetge» V 1 u. Land-und Gerichts-

bii »muiafl0Tilo? Rotattonr^niS und Verlag der vrghl'schen Untv.-Vuch- und Steindrnuerei n. taitge. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstrahe r. NnzetgenteU: HBeL

Lei -tehener Lnzelger rfchctm täglich, auster Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich kiebenerZamlliendlö.tter, iweunal wochentl.Urett- blstlfürdenNreir Siehrn (Dienstag und Freitag); zweimal monotl Land» wirtfchaslllche Seilfragen Ferinprech - Anlcdlnsjer für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 'Ideelle tüt Depefcheur

Anzeiger vieheu.

Die heutige Nummer umsaht 12 Seiten.

Steuern u. Lebenshaltung in England u. Deutschland.

Tie bcuifdje Neichsfinanzreform legt den Gedanken nahe, die Verhältnisse im Auslände hernnzuziehen uno sie mit denen des deutschen Rcick/es zu verSteichen. In der sozialdemokratischen nib freisinnigen Presse sind solche Vergleiche schon längst zu llngitnflcn Deutschlands entschieden worden, und cs gehört bei- *nal)e schon zum eisernen Bestände eines» jeden politiscljen Dis­kussionsredners, die Fleischtöpfe deS englischen Arbeiters dcm Jungertuche des beutfck-en Arbeiters gegenüber zu stellen. Selbst in wissenschaftlichen Arbeiten begegnet man Angaben, die in cm> scheinend einwandfreier Weise dir bessere Lebenshaltung des eng­lischen Arbeiters hervvrheben, und im Anschluß hieran auch günstigeren SteucrderyLltnijfe des Engländers feststellcn. Eine "Icachprüfung solcher Behauptungen ist schwer. Im Juni b. I. alte das englisch: Handelsamt einen Bericht über die Kosten der Lebenshaltung in Deutschland veröffentlicht und darin nachge- Soiesen, daß der englische Arbeiter unter dcm Freihandel erheblich Felser daran sei, als deutsche unter dem Schutzzoll. Die Beweis­führung erschien einwandfrei; aber nun hat ein Engländer, Ellias lÄarker, die einzelnen Angaben des englischen Hande Isanrtes nach- ; je prüft, und er kommt HU ganz anderen Ergebnisfen. Er stellt *1eft daß es in Deutschland nicht so viel Arbeiter gibt, sondern ,ai wenig, so daß alljährlich Hunderttausende ausländischer Ar­beiter herangezogen loepben müssen. Tie Löhne sind in Deutsck)- änd nach den Angaben Barkers vielfach höher als in England, 1» daß deutsche Arbeiter wegen der billigeren Arveitslöhne schon -m manchen Fällen nach England abgewandert sind. Diese Än- r.abc wird von der Berliner Handelskammer bestätigt und selbst Der Sozialdemokrat Calwer stellt fest, daß in Deutschland einer ^iohnstecherung von 3738 Prozent gegenübersteht. Barker er- mähnt ferner die Arbeitslosigkeit in England mit 7,4 Prozent, tu Deutschland mit 2,8 Prozent, die Sparkasseneinlagen mit über 12yi Milliarden Mark in Deutschland und'gegen 4 Milliarden Mark in England und die Auswanderung, die in England übet* Srjiegt Barker bererlmet die Ausgaben eines Arbeiters für Nah- mng und Hausstand in Deutschland auf 118 Prozent, wenn man für England 100 Prozent annehme, dabei fei die deutsche -Irbeiterfamilie zahlreicher als die englische. Die Angaben Barkers 'sind aus der Zeit der Fleijchteuerung in Deutschland im Jahre 1905.

Zugunsten Deutschlands fallen auch die Veröfserrtlichungen, 4Jt£ Denkschrift, die das Reichsschatzamt kürzlich den Ncichsfinanz- »efvrmvorlagen beigelegt hatte. Hiernach ergibt sich nämlich für die gesamte Steuerbelastung in Deutschland mit Reichs-', (StaatProvinzial--, Kommunal- und Kirchensteuern die Summe von 49,06 ML auf den Kopf der Bevölkerung (Belastung vorn Besitz 24,16 Mk., vom Verbrauch 19,76 Mk., vom Der- k:hr 4,20 Mk., dazu Kirchensteuern 0,94 Mk.). In Frankreich Emägt die Belastung vom Besitz 28,94 Mk., vom Verbrauch ä2,6ü Mk., des Verkehrs 11,68 Mk., zusammen also 8 2,77 Mk aus den Kops, in England in gleicher Reihenfolge 54,67 Mk., 34 Mk. und 7,03 Mk., zusammen 95,70 M k. Die Be­lastung Deutschlands ist also mich lange nicht so hoch wie die Englands und Frankreichs. Das Verhältnis der direkten zu den Äibicetten Steuern ist für Deutschland allerdings wie /:/, in Lug land dagegen wie 1:0,65. Um diese Zahlen richtig zu ver- Dehen, müssen aber die direkten Steuern auf ihren Charakter genauer untersucht werden,. und da weist nun Pros. Dr. Ballod accm Preußischen Statistischen Landesamte auf die Wohnungs Sragc hin; er hebt hervor, daß die gesamten englischen Lokal- euern Steuern auf den Nutzwert von ländlichen und städtischen Grundstücken sind, die da Nutznießer, also im letzten Grunde der Mieter, bezw. dec Pächter zu bezahlen habe. Die direkten Lokal- (teuern erreichten im Vereinigten Königreich 1904/05 den unge­heuerlichen Betrag von 64,5 Mlll. Pfd. St. (1905/06 sogar tton 68,8 Mlll. Pfd. St.). Auf eine Bevölkerung von 43,2 Mill, «erteilt, ergibt das eine Kvpsrate von rund 30,u ML, d. h. eine Belastung von 150 Mk. für die fnsiöpsige Famuieü. Damit sind Hie deullchen NahrungSmittelzolle, einsclüieblich der Verteuerung des üineren Verbrauches, wohl reichlich ausgeglichen. Dadurch dürste auch wohl erklärl sein, baß über die Frage, ob die Detailpreise stir Srot und Fleisch in England überhaupt niedriger sind als in Deutschland, viel gefüllten wird, ohne baß ein cinivanbsreies Er- giebnis erzielt worden wäre. Es besieht nämlich bte Wahrschein­lichkeit einer höheren Rate von Zwischeugewinnen der Telailhandler, cka b eie die Steuern aus die Konsiunenteu werden überivalzeu wollen. * -

Ballod weist ferner darauf bin, daß die englischen Stabte Geigende tocrouine aus Tramways, Gas- und Wasserwerken ziehen. 2n England, Wales und Schottland allein betrugen 1904,05 die Lloheinnahnien aus Gas und Wasser 14,3 Mill. Pi Sl., die Uit- frflen 9,02 Mill. Pi. Sl., die Relneinnahnien somit 4,68 Mill. Pi. Sl.; Draniways marfen 2,33 Mill. Pi. Sl. ab; die Reineinnahmen von 1,01 'Mill. Pi. Sl. mußten nach Plenge zu den Steuern hinzugezähli werben; verteilt aui bie 38,8'Millionen betragenbeBevölkernng von »yvoybriimniien ergeben sie eine zu'chüssige Mopirate von 3,68 Ml. Aallob hebt sodann hervor, baß die gleichen 'Mengen Bier, Bramil- tnem, Tabak in England bovpelt bis sechs'ach so hoch belastet rote i Teuiichlanb sind. Aui beu Kops der Beoölkeciing gerechnet, er- Icmgl bie Besteuerung dieser drei Artikel in Deulschlanb kaum 6.5, m England etwa 23,4 Alk. (einichtießlich der kommunalen Zuschläge) «Uso rund bas Viersache. 9lid)i zu vergessen tfl( baß der Leegenun. )er in Englanb den deutschen llasseegenntz vertritt, mit einem Roy*- betrage von 2,7 'Mk. erscheint, während der Rassee m Tenlschlanb lluapp 1,2 'Mk. aus ben Rops an Zoll abiuirft. Tee zahlt tu Eng. and, auch nach der letzten täteiierermäßigung (im Fahre 1907) ! ll d für das Psund englisch = 93 Psg. iüc das Rilogramm Zoll ,gegenüber nur 40 Psg. in Deutschland. Zucker ist allerdiiigs in England erheblich niedriger besteiiert, nach der letzten (1907er) Zoll- ! erabjetzuug mit nur etwa 4 Alk. iür den Doppelzentner, gegenüber _4 'Mk. in Deutschland (die aber auch künftig aui 10 herabgesetzt werden soll). Der Gesanitertrag der Zölle und inneren BerbrauchS- kbgaben stellt sich 1906,07 für Deutschland aui kaum 20, iür Eng­land (einschließlich des Anteils der Lolalverivaltuugen) aui rund 52 Alk. iür den Kopf. Also and) diese Verschiedenheit allein be­trachtet, würde die innere Verteuerung dncch Die Nahrungsullttel- -alle gegenüber England wett machen.

Auch mit der Einkommen- und. Erbschaftssteuer ist England Irinesivegs besser daran als wir. Tie Nachlaßsleuer beginnt bei t00O Alk. und beträgt bis 10 0- 0 Pik. 1 Proz., steigt bis 200 000 Mart auf 4 Proz., bis 2 'Millionen aus 6 Proz. Bei indirekter Vererbung treten Beträge bis zu 10 Proz. hinzu. Tie Erbschaits- g:euetu lieferten bereits 1906/07 im Verenugteii Königreiche bte ßaitliche Summe von runb 380 'Mill. Alk., bas macht runb 9 Alk cui beu Ropi ber Bevölkerung.

Tie Eiiikommensieuer beginnt erst bei 3200 Mk. und erbrachte 5906 07 runb 632 Mill. Alk. Sie hat keine kommunalen Zuschläge. Wenn sich nun auch Die Kopsbelastung durch die Einkommensteuer

im ^Bereinigten Königreiche 1906 07 auf 14,85 Mk. stellte, so er­brachte die allgemeine Einkommensteuer auch in den deiltschen Bundesstaaten einschließlich der kommunalen Zuschläge glcicbtcmg 718 Mill. Alk. Dazu tarnen aber noch die Zuschläge zum Besten ber Kirchengemeinben mit 49 unb bie Vermögenssteuer nut 62,4 M'll-, bie Raviialrentenfteuer mit 27,3 Alill. Alles in allem gilben mir also 856 Miil. 'Mk. an Einkommen- unb Vermögens­steuern, b. h. etiua 13,7 Mt. für ben Kopf. Ja, in Wirklichkeit bürste der Betrag der allgemeinen (Sintommcnficucr in Deutsch­land noch erheblich Höher gewesen sein, da' au&er den genannten Balten noch schätzungsweise 348 Mill, an »nicht zu verteilenden direkten Steuern" aufgebracht worden sind. Ter Hanplieil dieser nicht z>r verteilenden birefteu Steuern" entfällt mit 258 Alill. Alk. auf bie Gemeinbcn unter 10 000 Seelen. Es kann kaum einem Zweifel unterliegen, baß von biesennicht zu uericilenbeu Steuern" minbeftenS 200 Alill. auf tonununale Zuschläge zur allgemeinen Einkommensteuer entfallen. Tamil würbe ber Gesamtbetrag ber Euikommen- und Vermögenssteuer aus etwa 1056 Mill^ bie Kops­rate auf 16,9 Alk. steigen.

Eine weitere Belastung ber Englänber ergeben bie Erbschasts- tcuer unb bie staatliche paus- und tianbfteuer Verglichen nut bem gesamten Steuerertrage von 96 beziv. 52 Aik. auf beu Kopf der Bevölkerung stellt es sich mbessen heraus, baß in Englanb bie trag- fähigen Schullern 26 Proz. Der Gesamtsleuerrate aufbringen, m DentschlanD 33 l Em iibcrraschendes Ergebnis! Alan kann nun freilich einwenbcn, Daß diese Vergleichung »iichl genau ist, weil in England die Einkommensteuer mit 3280 Mk. beginnt, in Deutschland schon bei 800-900 Alk. und (Lachsen !- Darunter; allein, wenn rott; um ganz genau zu sein, in Erwägung bcr Tatfache, ba& z. B. m Preilizen etiva 28 Proz. Der Einkommen- und Vermögenssteuer von den Zensiten mit uiuer 3000 All. Eiulommen ausgebiacht iveiben 1907 Hanen in Preußen die Zensiten mit unter 3üu0 iUL Einlomme'i runb 73,5 Alill. an (Smtomr.iemieuer an'znbrlugen, die Zensiten mit 8000 Aik. etwa 152,1 Mill., beziv. 89 Alill. an Bennögeuofleuer biesen Teil in Abziig bringen, jo bleibt boch upch immer annähernd beileibe Prozentsatz bes Gejanuiteuer- crirages als Anteil dertiagiäbigeu Schultern" bezw. der sozial besjer gesiellteu Klassen bestehen ivie in England.

Wenn In bezug auf Deutichlaub bie Anschauung vorherrscht, baß bie Siahrungsmittelzölle, Die Lalzsteuer ujw. umgekehrt pro- grejsiv wirken, Die kleineren Einkommen verhältnismäßig stärker belaftcn, so wirken in England bie kommunalen Armentaxen und andere Realsieuern kaum anders: wird doch and) rau allgemein angenommen, daß bei den weniger bemittelten Klassen bie Wohn- ungsmiete einen siärkern Aiitetl des (Äesamteintomineiis aufzehit als bei ben wohlhabenden. Aber selbst wenn roir amiehmen, daß bie eiiQliidien kommunalen Steuern alle sozialen Sd)ichteu gleich­mäßig belasten, blecht als Ergebnis einer Vergleichung zwischen Deutschlanb unb Englanb nur bie höhere absolute unb relative Belastung der englischen Bevölkerung bestehen.

Ttese nüchternen Zahlen sind in unseren Tagen, da man so gern mit Schlagworten überzeugen »vill, sehr lehrreick). Int Grunde genommen zeigen sie aber auch, daß wir bei ber IZöiuug unserer Reichssiucniziragen nicht so fege am das Auslaub sehen bürfen, wnbern selbst Mittel und Wege finden müssen, bie für uns tm Leutscheu Reiche am gangbarsten sink). Wir bürten uns bas ob- jcltioe Urteilen über das, ivas uns not tut und frommt, von leiuei Leite trüben lassen. E. A.

Dir Nutzbarmachung der Wasserschätze Gberhcssens. U). Gießen, 21. Dez.

Gestcm nachmittag 1 Uhr fand unter dem Vorsitz des Provin- zialdirektors Gehcimerat Dc. Breidert der Provinzialtag für rDberhcssen statt, zu dem die Mitglieder bis auf 3, Die eiiischnldigt waren, zur Stelle waren. Der Bo r s i tze n d e erklärte, es handlc lieft um die Errichtung des Wasserwerts Inheiden und ec könne sich in Rücksicht auf Die gedruckt vorliegende Vorlage kurz fassen. Rachdem der Provinzialiandtag Mitte vorigen Jahres die Er­werbung des Quellengcbicts bei Inheiden und den Vertrag mit der Staat Frank,nrt a. M., wonach diese für eine vestimncte Zesi aus den Quellen zunächst täglich 10 050 Kubikmeter Wa,ser aozu- nehmen sich verpflichten woUte, und dabei die Lieferung weiterer 10 000 Kubikmeter täglich in Aussicht genommen hatte, gut ge­heißen unb gleichzeitig die Mittel zu den Vorarbeiten bewilligt hatte, wurde das Pwjckt für Inheiden zunächst generell ausge- a cd eitet urü) zu Anfang oieses Jahres Dem Ministerium des Innern zur Prüfung vorgelcgt. Diese Prüsting, die überaus gründlich vorgenommen wurde, brachte ein wesentlich verbessertes Projeki zustande. Dec Vertrag nut Franksurt a. M. lag dem Juftizministe- cium zur Erwägung vor unb nachdem im Juni d. I. eine ge­meinsame Beratung von Mitgliedern des Ministeriums unb Mit' gliebem dec Verwaltung der Pwvinz in Gießen darüber statt- gesunden hatte, konnte man an eine weitere Forderung des Pro­jekts herangefwn. ZunäckK fanden erneute Verhandlungen wegen einer Modifilation Des Vertrages nut ber Staat Frankfurt statt, worin diese sich entgegenkommend zeigte. Tie Licferungssrist von Wasser an die Stadt Frankfurt wurde von 40 auf 50 Jahre erhöht. Ferner verstand sich bie Stadt dazu, sofort statt tägtich 10 000, täglich 20 0u0 Kumtmeter Wasser abzunehmen. Dadurch sei es möglich geworden, sich bei Dem Unternehmen mit einer Schuldentilgung von 1 Prozent im Jahr zu begnügen unb das Merk gewinnbringend vom ersten Tage an in Betrieb zu setzen.

Darüber, ob das Landcslüttur-Jnteresse bei bem Vorhanden­sein eines solchen Werkes, nachteilig, ober überhaupt -nicht bc> rührt werde, herrsche eine Meinungsverschiedenheit. Die kompe­tenten Bef^rden des Staates haben aber die Möglichkeit einer Schädigung bet Landwirtschaft fener Gegend bei bei Nentabilitäts- berecL-nung des Wasserwerkes Inheiden nicht außer ad)t gelassen. Tie Provinz als solche will niemand in seinem Interesse schaden und hat für ben Fall, daß sie Ersatzanspcück/e leisten müsse, dafür eine gewrsso Summe in Ausgabe gestellt. Es ist dec 'Rachweis geliefert, daß das Unternehnien auch bei der Leistung von Erfatz- cmfprüchen eine Zien Mbit i tat gewährleistet. Aian hat aber, um ganz vorsichtig zu sein^ und um jede Verantwortung übernchnien zu können, einen preutzifck-en Sachvcrsdänoigen, ben Wasserwerks- Direkwr Reefe in Dortmund, mit ber Prüfung ber Unterlagen betraut unb dieser hat feine Gutachten dahm abgegeben, daß ine Grundlagen für die Rentabilitätsberechnung richtig feien.

lieber das zur Verfügung stehende Quantum Wasser und über bie Nachhaltigkeit der vorhandenen Quellen, sowie über etipaige Temperatnrschwankungcn unb die konstante chemische Analyse des Wassers hat man sich durch Pumpoersuckie usw. Gewißheit Der* schasst und baducch ein in jeder Beziehung beruhigendes sick>cres Resultat erhalten. Tie geäußerten Befürchtungen find in jeder Richtung unbegründet. Dicelior Reejc-Dorimund hat sein Gut­achten dahin abgegeben, daß die Verhältnisse zur Anlage eines Wasserwerks größeren Umsanges bei Inheiden außerordentlich günstig liegen, unb ber Vertrag mit der Staot Frankfurt a. M. für bie Pwvinz vorteilhaft unb empfehlenswert sei. Der Pw- vinzial-Ausschuß beantragt, bcr Pwvinzialtag wolle den nun endgültig vereinbarten Vertrag mit ber Stadt Frankfurt a. M.

in der neuen Fafiuna und bie Ausführung des Projekts genehmigen und ben Pwvinzial-Ausschuß ermächtigen, zur Beschaffung der dazu erforderlichen Mittel ein zu 4 Prozent Zn veczinfendes unb mit 1 Prozent zu tilgendes Pcovinzial-Änlehen in Höhe von 6 610 000 Wit aufzunehrnen unb bie zur Ausführung erforder­lichen Arbeiten und Lieferungen zu vergeben. Ferner einen mit dec Verwaltung des Gräflich Wallderd4)rfschen Gutes Hos-^raß ivegen Pachtung der für das Wasserwerk Inheiden wichtigen Quellen auf Hol-Graß zuzustiimnen. Weiter beantragre bcr Pro- vinzial-Ausschuß bie Bewilligung von 30 000 Mk. zur Fortsetzung dec Boracoeilen, zur Förderung bcr Errichtung einer Elekt ri- ch e n Zentrale L i ß b e r g, sowie zu Vowrbeiten in, bert nbidlichen Teilen ber Pwvinz, auf die sich das Werk Lißberg noch nicht erstrecken wird.

G r a f O r i o l a lomst darauf hin, daß der Kreistag des Streifes Friedberg in einer einstimmig gefaßten Resolution Stellung gegen die Errichtung des Wasserwerks Inheiden genommen hat, weil damit fdJDcviuiegenbe wichtige Kultur-Interessen ber Äctleran geschädigt würden. Er habe erwartet, daß die in dieser Richtung em geholten Gutachten der Kultur-Jnspeklwnen dec Kreise Fried­berg und Gießen unb der Badc-Diceklion des von Aad-Nauheim! zur Kenntnis dec Mitglieder des PwvinziaLtages gebracht werden^ und beantcogte, diese Gutachten zu verlesen.

Tas Mitglied des Pcovinzialausschujses, Professor Dr. Siet- mer, führte im Namen seines Sivllegiums folgendes aus: Es ist das gute Recht iedcs Pwvinziallandtagsabgeordncten, an den Arbeiten und Vorlagen des Pwvinzialausschus)es Kritik zu üben, und selbstverstänblich ist es auch das Recht des Plenums, Vor­lagen, die keinen Beifall finden, zucückzuweisen ober aozulehnen. AVer die Kritik des Grasen Qciola macht es nicht wahrscheinlich, daß ec die eminenten Schwierigkeiten der jahrelangen Vorarbeiten gewürdigt hat, und die Lebhastigkeit seiner Opposition steht tnx umgekehrten Verhältnis zur überzeugenden Straft seiner Einwände. Graf Ociola hat sich lcohast entrüstet über den Vorwurf, matt treibe im Skreise Fciedoecg gegen das Jnheibener Wasserwerk seit längerer Zeit eme förmliche Agitation. Er fühlt sich durch Diesen Vorwur, perirniim) venctzt unb erklärt, daß er ihn dem Pwvinzialdirektor nickst so bald vergessen werde. ist dabei in hohem Grade aufsallend, daß er im gleickstn Atemzuge dem Provinzialausschuß eine leidenschaftliche Agitation üomnrft. Wir regen gegen eine solche Behauptung, bie ohne jeden Beweis auf­gestellt ist, entschieden Verivahmng ein, wollen aber nickst Glei­ches mit Gleichem vergelten, inoem wir ebenfalls empfindlich werden und nachtragen. Tazu ist uns die Sckche zu wichtig. Ter Pwvinzialaussü/uß besteht nicht aus Abenteuerern und ütopi- stischcn Pwjektmachern, sondern aus fOlänncm, die nach jahrelangen ernster Arbeit mit einer Vorlage an das Pwoinzicttparlament herantreten unb sie aus ehrlicher Ueberzeugung nur mit vollem Veicintwortlii.st.üsgcsulst zur Senehrniguiig cinpsehten, weil daS projektierte Werk eine tommunalyolitische Tat ist, die der Proviia in allen ihren Teilen zu großem wirtschaftlichen Segen unb zu reichem finanziellen Nutzen gereichen wird. Die Friedberg« Opposition nnrd dadurch paralysiert, daß gerade die beiden Ver­treter des Ltrcises Friedberg im Provinzialausschuß entschiedene Anhänger unserer nach allen Richtnngcn hin, technisch unb finanziell, nachgeprüsten Vorlage sind. Wenn man ben Wünschen Los Grasen Oriola nachgibt, kommt das Jnheibener Wasserwerk niemals zustande. Wir haben dann ben richtigen Moment ver­paßt, eine Aera einer vielversprechenden Wirtschaftspolitik der Pwvinz, die unsere Finanzen konsolidieren unb unfern Ausgabew» kreis in großzügiger Weise erweitern soll, zum Durchbruch zu führen. Wir muten niemandem einen Sprung ins Dunkle zu, aber wir warnen vor einer nochmaligen Verschleppung unb lehnen lebe Verantwortung für eine solche üble Behandlung unserer Vorlage ab. _ . ,

Geheimrat Dr. Breidert erklärt, daß er dem Antrag Sriola nicht entsprechen könne, weil der damit gegen die Interessen der Pwvinz verstoßen würde. In diesen Gutachten seien Zahlen­gruppen enthalten, die von Entschäbigungsverechtigten später be­nutzt werden könnten, um reust hohe und ungerechtfertigte Cent- id'.aüigungen zu verlangen. Tie Frage, in wie weit Landeskultur- Interessen durch das Wasserwerk verletzr werden uni> ob dies aoerhanpt geschehen werde, werde von den Sachverstänoigen crncr- iLils bejah: unö andererseits verneint. Für eine entfernte Mög­lichkeit einer Schädigung dieser Interessen sei in der Borlago ausreichend Vorsorge getroffen.

Tie Bewohner des Horivfitales schütteln erstaunt die Stopfe über die verbreitete Behauptung, daß sie durch dre stnlage bei Inheiden geschchigt werden könnten. Die äeute fühlen sich gar nicht bedwht in ihren In­teressen, sondern empfünoen es als eine Wohltat, wenn man das Wasserwerk baut. Die Annahme, daß der Horloff eute «hebliche Was| er menge entzogen wird, ist falsch, damit sei die durch eine gewisse Agitation verbreitete AnnalTme hinfällig, daß die Land- wirtschaft geschädigt wird, wenn das Werk errichtet wird. Als der Staat bei Lauter das Waiserwerk eroaute, ist, miemand mit ber Behauviung aufgetreten, die Landeskulturinterefsen litten durch eine WasserentnalMe und wenn der Staat heute Inheiden bauen würde, bann würde die Opposition dagegen wahrscheinlich nicht iror gruben feilt. .

Tie Hiiaiä-e der Gegnerschaft gegen das Inheiden« Pwiell erflärs sich nur damit, daß man erstaunt ist über den Will«! und die Absicht, hier zum erstenmal eine wirtschafklickst Frage vurch die Pwvinz zum Vorteil und zum Segen ihrer Bewohn« praktisch zu verwirklichen. . .

Tr. Breidert verweist auf Preußen, wo die Kreise u.PwDurzeN wirtsckaftliche Unternehmen direkt in bie Hand nehmen und man lobt bi.es Vorgehen, weil das Unternehmen bet Allgemeinheit zu Gute kommt. Redner verweist darauf, wie man von Ausang an aus einer gewissen Gegend unserer Pwvinz dem Zustandekommen dieses tulturellen 'Werkes Opposition gemacht hat, mit Gründen, ixe jumtlicü widerlegt sind. Erst hieß es, mit Frankfurt ist teilt solcher Vertrag aozuschließen, darauf läßt sich bie Stadt nicht ein, Dann hieß es: Keinen Twpfen nach Frankfurt geben, ihr verkauft oas Eoitnarfte Gut der Pwvinz, dann kam der Einwand, daß inan nut dem Werk die Mühlen im Horlofftal still lege, bann, die Sboften leien zu hoch, die Sache rentiere nickst. Schließlich wurde das Wasser seiost schleckst gemacht, daran gemäkelt, bie Temperatur schwanke, die Menge weroe nackstaisen, uno bie chemische Zusammeiv- setzung sich ändern. Und nun sollen die Landeskultur Interessen^ bereu Schädigung sich nicht einmal nachweisen läßt, herhalten, um bas ganze Pwiekt zugrunde äu richten.

Graf Oriola verwahrt sich und seine Friedberger Freunde gegen den Vorwurs, als ob sie gegen das Werk Inheiden agitiert hätten. Tie Opposition dagegen sei seinerseits nur an den ©.eilen unl> bei Gelegenheiten gemacht, wo es sein Recht und seine Ps licht gewesen wäre, seiner Meinung Ausdruck zu geben. Der Vorwurf, Daß er nach Gründen suche, um das Zustandekommen des Projekts zu erschweren oder gar zu hintertreiben, treffe ihn nicht. Er könne ber Vorlage nicht zustimmen, wenn damit eine schwere Schädigung ber Gemeinden in Aussicht stehe. Es stehe fest, daß der Horloss unterhalb des Qnellengcbiets zwei Drittel ihrM