gestellt. Die Ortsgruppe Biedenkopf hat im vorigen Winter eine Suppenansta.lt für arme Schulkinder eingerichtet, mit der im bevorstehenden Winter ein Kochkursus für Mädchen verbunden werden soll. Klcinkinderbcwahranstalten sind in Bottenhorn und Rodheim gehalten, in den größeren meindcn Biedenkopf, Battenberg, Gladenbach und Rodheim wurden Sanitätskolonnen gegründet. Auf Wunsch unserer Kaiserin soll sich die Zätigicii der Frauenvereine auch auf die Säuglings- und .Krippenfürsorge ausdehnen, weshalb als zweiter Punkt ein Vortrag unseres Kreisarztes „Säuglingspflege auf dem Lande" auf der Tagesordnung stand. Er empfahl allen Müttern eine sorgfältige Ernährung, eine sorgfältige Pflege und gebührenden Schuß vor Krankheiten ihrer Lieblinge. Zum Glück stillen ja auf dem Lande fast alle Mütter selber ihre Kinder. Wo
aber dennoch zur künstlichen Ernährung geschritten werden müsse, empfahl er Kuh- und Ziegenmilch (Milchzucker) und erst im zweiten Halbjahr Kindermehl. Gänzlich wurde die Saugflajche mit dem Glasrohr verworfen. Alltägliches Baden und öfteres Waschen, dazu nicht zu warmes Ginhüllen gehören vor allem zu einer gedeihlichen Kinderpflege. Kinderkrankheiten (Masern, Keuchhusten, Diphtherie, Tuberkulose) wird durch Absonderung, Sauberkeit und Ordnung vorgebeugt. Pfarrer Dömel iprach über die Bedeutung und Einrichtung von Klein l ind ers chulen auf dem Lande. Zur Freude aller hiesigen Mütter soll eine solche Bewahranstalt für die lieben Kleinen hier ins Leben treten. Aus Mitteln des Frauenvereins wurden den beiden Anstalten in Bottenhorn und Rod heim 200 Mk. bewilligt.
x Marburg, 27. Okt. Geheimrat Prof. Dr. Theob. Fischer, der bekannte Marokkoforscher, wurde zum Ehrenmitglied der hiesigen Ortsgruppe des Allgemeinen deutschen Schulvereins ernannt. — Dem in letzter Zeit viel genannten Prof. Schücking wurde heute von den Studenten im Hörsaal eine Ovation bereitet.
fc. Frankfurt a. M, 27. Olt. Tcr mehrfach vorbestrafte Chauffeur Wilhelm Wagen dach aus Wies eck wurde verhaftet, nachdem er in der Glauburgjtraße einen Einbruchsoer such unternommen.
w. Frankfurt n. M„ 27. Okt. In zwei langen Sitzungen verhandelte die Stadtverordnetenversammlung über die Anstellungs- und Besoldungsveryllinijse der städtischen Arbeiter und nahm, dabei zwei sozialdemokratische Anträge an. Danach soll Kun 1. 4. 1909 in den städtischen Betrieben Der neun» st ünbigJ Arbeitstag cingefuhrt werden und jeder Arbeiter, der das 25. Lebensjahr überschritten hat, nach einjähriger Be- fchäftigung in den städtischen Betrieben das Wahlrecht zu den Arbeiterausfchüsscn erhalten. Abgelehnr wurde ein Antrag, den Mindestlohn von 3 Mark 40 Pfg. auf 4 Mark zu erhöhen und leben Arbeiter nach halbjähriger Tätigkeit „ständig" zu machen.
vom ArbeiKmarit in Hessen Md hessenMgssau im llionat September.
Vergleicht man die von den angeschlossenen Arbeitsnachweisen nritgetcilten StimmungSberichtc der letzten Z?ic über die Lage des Arbeitsnmrktes, so findet man in ihnen eine verschiedene Beurteilung der gegenwärtigen Lage. Zum geringen Teil wird von einer Besserung des Geschäftsganges gesprochen, in der Mehrzahl aber über die Fortdauer der bisherigen flauen Arbeitsmarkllage geklagt. Die jedes Jahr mehr oder minderkräftig einsetzende Äerbslbelebung ist auch in diesem Berichtemonat nicht ohne Cinsluß auf die Gestattung des gewerblichen Beschäftigungsgrades gewesen. Das bereits in der zweiten Hälfte des Septembers einsetzende Angebot von neuen Arbeitskräften, hervorgerufen durch die Rc- servistenenllassungen, konnte in verhältnismäßig kurzer Zeit untergebracht werden, zumal sich die kleinen Städte und besonders auch das flache Land als recht aufnahmefähig erwiesen. Besonders in der Landwirtschaft wurde'.! zufolge der Kartoffelernte viele Arbeitskräfte verlangt, die auch hinreichend zur Stelle waren. In welcher Weise gerade im Monat September der landivirt- schaftliche Arbeitsmarkt entlastend für den großstädtischen wirkt, zeigt bspw. die Frequenz des Frankfurter Asyls für Obdach- loso. Os wurden hier nntergebracht:
August September Oktober 1905 2148 1974 2138
1906 2102 1809 —■)
1907 2144 1796 2042
Diese Zahlen ergeben, daß der Besuch im September regelmäßig nicht unbedeutend abnimmt und der Grund hierfür dürfte einzig und allein darin zu finden sein, daß die zur Zeit statt- findenden landwirtschaftlichen Arbeiten, insonderheit die Kartoffelernte leicht Arbeitsgelegenheit bietet. Da nun aber leider in den Eonuneitben Wintermonaten die Landwirtschaft nicht in der Lage ist, eine, ähnliche Arbeitsgelegenheit zu bieten, so steht zu befürchten, daß bereits int November ein starter Rückstrom Arbeit- snck)ender vom Lande in die Stadt erfolgen wird. Ein Zeichen wenig günstiger Arbeitsmarktlage ist es auch auf jeden Fall, daß die sog. „Umschau", d. h. die unmittelbare persönliche An- srage beim Arbeitgeber, im Grunde genommen zum Schoden der arbeitenden Bevölkerung selbst, iveitere Formen anzunehmen jcheint. Wad) den Situationsberichten blieb die Bautätigkeft im großen und ganzen matt, wenngleich in einzelnen Städten, wie z. B. in Herborn, durch Vornahme größerer Bauten, eine gewisse Belebung des Gewerbes euttrai. — Im Bekleidungsgewerbe war der Geschäftsgang mit Rücksicht auf die vorgerückte Jahreszeit etwas lebhafter. An verschiedenen Orten trat ein erheblicher Mangel an Schneidern hervor, doch ließ im ganzen der Geschäftsgang im Hinblick aus die Verringerung der Einkommen manches zu wünschen übrig. — Der Arbeitsmarkt für Holzarbeiter und verwandte Gewerbe zeigte wenig Belebung. Tie von einzelnen kleineren Ortschaften gemeldete Steigerung der Beschäftigungstätigkeit dürften aus die zahlreichen kleinen Reparaturen zurückzuführen sein, die bekanntlich immer vor Eintrftt det. kälteren Jahreszeit an Haus, Geräten, ^Nobckiar usw. vorgenommen werden. — Im Buchdruckergewerbe machte sich tut allgemeinen der matte Geschäftsgang, über den fast alle anderen Gewerbe zu Hagen haben, weniger fühlbar, da gerade infolge der allgemeinen stauen Geschäftslage mehr Reklame gemacht wird, die indirekt in erster Linie dem Buckdruckergcwerbe zu gute lammt. Nach den monatlichen Ausweifen der uns berichtenden öffentlichen Arbcits- nachweisen, war im Berichtsmonat eine durchgehende Steigerung der besetzten Stellen zu verzeichnen und haben. wir die Gründe dafür schon weiter oben angeführt. Es wurden z. B. Stellen besetzt in Kassel 1087 (gegen 906 int Vormonat», Darmstadt 325 <318), Frankfurt a. M. 3641 (3268), Gießen 120 (56), Hanau 70 (52), Mainz 608 (584), Wiesbaden 828 (576), Witzenhausen 130 (93) und Groß-Karben 56 (13), nur Worms zeigt eine geringe Abnahme 240 (256). Wie ungünstig im einzelnen der Beschäftigungsgrad in den größeren Städten war, mögen nachfolgende Zahlen illustrieren. Es kamen aus je 100 offene Stellen in Kassel 142,7, Darmstadt 164,9, Frankfurt a. M. 160,1, Gießen 142,7, Hanau 152,6. Kreuznach 179,1, Mainz 220,4, Offenbach a. M. 211,3, Wiesbaden 120 und Worms 190,6 Arbeitsuchende. Die Ergebnisse der Krankenkassenstatistik, deren Schwankungen mit den besten Vergleich zu der Lage des Arbeitsmarktes biet eit, stellen sich m den nachfolgend aufgesührten Städten, von denen uns Material hierüber zuging, wie folgt: Der Bestand der versicherungspflichtigen Mitglieder betrug am 1. Oktober in Kassel 34 894 (gegen 34 713 tm Vormonat), Bensheim 1146, Darmstadt 13 555 (13472), Frankfurt a. M. 96 657 (96 481 , Friedberg i. H. 1508, Fulda 3554 (3581', Gießen 5907 (591b, Hanau 7165 -7105), Homberg (Bez. Kassel) 372 >400,, Kreuznach 4504 > 167'j , Limburg a. L. 2084, Mainz 18 821 (18730;, Marburg 3774,
*) Während des ganzen Oktobers 1906 war das Asyl wegen einer notwendig gewordenen, Reparatur der beiden Kessel geschlossen.
Offenbach a. M. 19 971 (19 793), WcMurg 1561, We^ar 1165 (1193), Wiesbaden 14 263 (14 088) und Worms 7376 (7410). Es erscheinen in dieser Aufstellung mehrere Städte zum ersten Male, bei denen ein Vergleich gegen den Vormonat affo erst tut nächsten Bericht gezogen werden kann. Die übrigen. Städte, bet denen der Vornwnat angegeben ist, zeigen alle eine ziemliche Stabilität in der Mitglie'cerzähl, die meisten eine uetne Zunahme nnd nur Mainz, Ossenbach a. M. und Wtesoaden eine geringe Abnahme.
Irgendwelche weitgehende Schlüsse lauen lich angesichts des Umstandes, daß zurzeit die ösfenlliche Arbeitsvermittlungi un geringeren Maße als in Zeiten guter Konjunktur in Anspruch genommen wird, aus diesen rein zahlenmäßigen Angaben Nicht herleiten, wie überhaupt unsere Beurteilung der Lage des , Arbeitsmarktes lediglich an der, Vermfttlungstatigkett der, omnt- lichen Arbeitsnachweise gemessen, recht unvollkommen i)t Als Ergänzung sind mindestens neben her Krankenkaiienstattsttk mit die Wanderbewegungen, deren Umfang freilich jcywer zu erinnert ist, die Ausgabe von Jnvalidenmarken nnd eine genaue Stattstck der Baugefuche, insonderheit der ausgeführten Bauten, in Betracht zu ziehen, ohne daß indefsen auch hierdurch allen s3Kö^ lichkeiten zur Beurteilung der Marktlage Rechnung, getragen Ware.
Ossenbach, 28. Okt. Nach dein „Offenb. Abendbl.* stand am Sarnslag Rechtsanwalt M a.r x-Offenbach vordem Disziplinär* Hof der Amvaltstavimer in Darmstadt, um sich wegen verschiedener Anklagen zii vei'anlworten. Tas Urteil lautete aus 800 Mk. n> c t b 11 rar e iiiiö cricn Ä c r in e i s.
LZttiverHitäts-Naehrrchten.
Von der A t a b c m i c zu Frankfurt a. M. Im gegenwärtigen Seniesler werden Boriräge über die Rohstofse der Textilindustrie nnd ihre Verarbeiliing von dem Direktor der höheren Texiilmchschule in Aachen, Pros. Tr. o. Ka pfi, an der Akademie gehalten werden. Die durch Lichtbilder und Tenionstrationen unterstützte Vorlesung findet an den SaniSlagvormittagen von 10 bis 12 Uhr statt und dauert vom 31. Oktober bis Weihnachten.
Zeppelin ut-.ö Prinz hrimich.
Aus Friedrichshafen wird uns unterm 27. Oktober geschrieben:
Kurz nach 10 Uhr fuhr Prinz Heinrich von Preußen sunt Aufstieg mit dem Grafen Zeppelin nach Manzell. Der König geleitete feinen Gast zur Reichshalle; die Königin Charlotte hatte den Prinzen bis znm Hafen begleitet. Um 10 Uhr 36 Minuten stieg das Luftschiff auf und nahm die Richtung nach Konstanz. Zeppelin fuhr zunächst nach Meersburg nnd bann landeinwärts. Um 11 Uhr 35 Minuten überflog das Luftschiff den Ort Markdorf in einer Höhe von etwa 200 Metern mit der Richtttng nach Heiligenberg. — Die Fahrt geht rheinabwärts Basel zu. Die Reichskommti'sare sind anwesend. In der Gondel befinden sich Graf Zeppelin, Prinz Heinrich, Kapi tän S. Mischte und der persönliche Adjutant des Prinzen v. dem Kncyebeck.
Das Luftschiff wurde gesichtet: tun 12 Uhr 30 Minuten am Hohentwiel, run 1 Uhr 18 über Schaffhausen, um 1 Uhr 45 über Ermatingen am Untersee, um 2 Uhr 45 Min. über Konstanz. Das Luftschiff ging dann in ruhiger sicherer Fahrt das Schweizer Ufer entlang auf Lindau.
Nack) sechsstündiger, glänzender Fahrt, die sich um den ganzen Bodensee nnd über die angrenzenden Laudesteile erstreckte, wurde um 4 Uhr 30 Minuten in Manzell glatt gelandet.
Die von schönstem Wetter begünstigte und ohne jede Störung verlaufene Fahrt war nach der gestrigen Konferenz der Reichs- kommission mit deni Grafen Zeppelin von großer Bedeutung. Der Kaiser erwartet unntttlelbar nach der Landung Mitteilung des Prinzen Heinrich.
Aus Konstanz wird gemeldet: Die Fahrt ging von Heiligenberg nach Ucberlingen, von hier über Ludwigshafen am See, Singen, Gotmarlingen nach Schaffhausen, wo der Rhein fall berührt lvurde, über dem Zeppelin einen Bogen beschrieb. Den Weg von Schaffhausen bis Konstanz, der in' der Luftlinie 50 Kilometer beträgt, hat das Luftschiff bei Seitenwind in etwa einer Stunde zurückgelegt.
VerinrsiHtes.
* Die Zukunft der Flug maschine. Aus Puris wird berichtet: - Nachdem Wilbur Wrigt am Samstag eine Reihe von kurzen, aber meisterhaften Flügen mit Passa gieren, unter denen sich auch der deutsche Gesandtschafis Attache Baron v. Lancken-Wakenitz aus Paris befand, ausgesührt hat, will er jetzt beginnen, seine Schüler zu unterrichten, von deren sicherer Beherrschung der Flug maschine die Auszahlung der zweiten Hälfte seines Preises von einer halben Million abhängig ist. Zunächst soll bic Flugmarfchinc mit einem zweiten Paar Steuerhebeln und Lenkvorrichtungen versehen werden, an-denen der Schüler das Steuern erlernen wird. Ter erste Schüler wird wahrscheinlich der Gras von Lambert sein. Lazare Weiller, bei Die Rechte für ben Vertrieb ber Maschinen in Frankreich erworben hat, hat jetzt eine Gesellschaft zur Ausführung dieses Planes gegründet; Flugmaschiucn nach dem Modell oer Brüder Wright werden an Privatleute für 25 030 Frauken verkauft werden. Für das nächste Jahr plant ber französische Aero-Klub auch bereits bic Veranstaltung eines großen WettfliegenS für Flugmaschincn. Wright ,elbst ist für bic Jvee sehr begeistert, wenngleich er auch noch nicht sicher weiß, ob er sich baran beteiligen wirb. Wenn gut organisiert, so würbe bas Unt.rnehmen schon jetzl einen glänzenden Erfolg haben können.
* Königliche Raucher. Wenn mau sich ben beut- scheu Kaiser als Raucher vorftellt, so denkt mau ihn sich sicher mit ber Zigarre ober Zigarette int Munbe, bemt ben Wenigsten bürste es bekannt sein, baß er auch bic kurze Pfeife nicht verschmäht unb im engen Kreise sehr oft nach ihr gegriffen Hal. In ber letzten Zeit haben jeboch die Aerzte gegen bas Psei,enrancheii Einwenbungen gehabt, unb so ist ber Monarch wieder zur Zigarette zurückgekehrt. Der Kaiser liebt es, eine Zigarette, die stets ein Mundstück haben muß, nur bis zur Häl,te auszurauchen, aus diesem Grunde ist die Form sehr groß gewühlt. Ter Kaiser bleibt einer bestimmten Mischung lauge treu, aus welchem Grunde auf den ausgedehnten Reisen des Kaisers stets ein größerer Vorrat mitgenommen werden muß, zumal da die Umgebung des Herrschers dieielbe Sorte aui bic Tafel gesetzt erhalt. Der Zigarre, bie der Kaiser früher sehr liebte, wird von ihm kaum mehr zugesprochen. Dagegen ist Kaiser Franz Joses nach wie vor ein Freund derselben. Mer nur die Virginia ist es, welche der greise Monarch konsumiert. In früheren Jahren verbrauchte er ein ganz ansehnliches Quantum dieser otrohhalmzigarre, doch in ben letzten Jahren ist er so genügsam geworben, baß er es auf kaum mehr als zwei bringt, bie natürlich das Auserlesenste barftellen, was bie Monopolsabrik Herstellen kann. Ter König ber Belgier ist ein sehr starker Raucher. Für ihn barf bie Zigarre nur ganz schwarz sein, keine Flecke haben und muß eine Mexiko decke haben. Trotz des bereits hohen Alters ist König Leopold im Rauchen sicherlich manchem jungen Manne überlegen Die Liebhaberei des Sultans für kostbare Zigaretten ist bekannt, dennoch inuß erwähnt werben, baß er hinsichtlich bes „Krautes" sicherlich bic feinste unb teuerste Marke verbraucht. Dip.onuAm, welcl)e nach bem Sllamik Gustc bes Sultans bei Sian ec unb Zigaretten waren, wissen zu erzählen, baß sie etwas ähnliches kaum je getroffen haben. Ein
starker Zigcrrettenraucher ist auch ber Zar. ^ bevorzugt leineswÄs eine besondere Morie, lonbent laßt >ich m Zwlfchenrimmen die letzten Genien vorlegen, um faft ledes. mal eine andere Sorte zu wählen. Man erzählt sich von ihm, baß er nur zu oft in seinem Rock nicht nur die Ziga- rettenbofe, sonbern auch bic Vorrats) chachtel bei sich tragt, damit ihm seine Lieblingsbeschäftigung feinen Augenblick fehlt. Aucb ber König Alfons von Spanien ist in der Sorte nicht bcsoiidcrs wählerisch. Obwohl er bie Zigarette der Zigarre vor-ieht, hat er, wie er sich selbst autzert, kanm einen Geschmacksunterschied in den feineren Marken. ~a der König ost allein durch bie Straßen geht, ist es benn auch nicht zu verwunbern, baß er zuweilen m ein offene^ Geschäft tritt, um seine Einkäufe zu besorgen, xer König von Spanien ist ein sogenannter Kettenraucher, benn, kaum neigt sich eine Zigarette ihrem Ende zu, Holk er bic zweite hervor, um sie sogleich an ber abgebrannten anzuziinben. Auf biese Weise verbraucht ber Monarch ein ziemliches Quantum, das bisweilen bis auf 40 Stück pro Tag anwachseu soll, zumal wenn er auf der Jagd ist. .
* Menscheujagb in Amerika. Eine echte Hinter* Wäldler-Szene wirb aus Newyork berichtet: Ein entlassener Sträfling hatte in Monroe ein zwölfjähriges Stäbchen überfallen und war bann geflohen. Ein Vollblut-Sioux-Ju- Dinner, Dickay, war ber erste, ber bie Untat bemerkte. Er nahm sogleich bic Spur bes Verbrechers auf unb eine ganze Schar von Farmern schloß sich ihm an. 48 Stunben lang ging bic wilde Jagd über Felber und burch Wälder, bis schließlich 200 Manu, darunter Geistliche und Aerzte, einen niederen, mit dichtem Gebüsch umwachsenen Hügel umstellten, in ben sich ber Unmensch geflüchtet hatte. Sogleich wurde sein Versteck dicht umstellt, |o daß er nicht entfliehen konnte. Ein Bursche, bem ber Sträfling eine Botschaft aufgetragen hatte, erzählte, daß der Umzingelte lieber sterben wolle, als yerauskommen unb baß er gejagt habe, wenn er entkäme, mürbe er bie Stabt Monroe in Branb stecken. „Wir wollen ihn lieber verbrennen!" rief ba eine Stimme, unb ber Vorschlag ward angenommen, ohne baß iemanb für ihn um Gnabe gebeten hätte. Das bichte Gevüsch warb an allen Seiten um ben Hügel in Branb gesteckt; bic Farmer stellten stch in weitem Umkreis um bie lobernben Flammen mit ,chußbereiten Gewehren, wenn er in ber Dunkelheit auszu- oi:ecr)cn vcr,uchc. Immer weiter griffen bic Fmmmen um ,ich, immer busterer stieg bie Glut zum Himmel, bis sie ein einziges Feuermeer bilbete, ein brohenbes Zeichen be£ Gerichts, bas hier vollzogen worben war.
— Schicksale chinesisch er Frauenrechtlcrinncie. Die gewaltige Reformbewegung, die die uralten sozialen Ordnungen des Himmlischen Reiches in ihren Grnndsesten erschüttert hat, findet ihren stärksten Ausdruck in der Emanzipation der Frau. Die Formen, unter denen diese Befreiung des weiblichen Geschlechts aus den Ketten der Unmündigkeit und Sklaverei erlügt, müssen umso gewaltsamer sein, als gerade in China die Stellung Der Frau bisher kaum menschenwürdig war und sie Ansehen und Rechte nur als die Äintter der Söhne, als Trägerin des Ahncnkuttus genoß. Der Anstoß zu der immer weiter um sich greifenden Frauenbewegung in China ist von dem „modernen Konfucius", dem Begründer der ersten Rcsorm-Fraucnfchnlc Kang Heu-Wei ansgegangen. iseit er 1891 die Forderung ausstellte, „daß. die beiden Geschlechter gleiche Rechte genießen müssen", iinb 17 Jahre vergangen, 17 Jahre heldenmütiger Kämpfe nnd Opfer von feiten der Frauen. Das Schicksal der chinesisd)en Frauenrechtlerinnen ftihrte in diesen Sturmjahren, die LUbert Maybon in der Revue erzählt, nicht selten in grausamen Tods und Zur Hinrichtung. Eine solche Märtyrerin ihrer Ucber- zeugung ist Fran Tsieu-King gewesen, die Gattin eines Unter* präfetten, die in Peking Englisd) und Japanisch gelernt hatte. Sie war selbst die Mutter eines Knaben unb eines Mäbchens und Scziehungsprobleme lagen ihr hauptsächlich am Herzen. Sie träumte von der Erziehung und Fortbildung aller armen und unglücklichen Menschen, und da ihr Gatte sich ihren Bestrebungeir widersetzte mit) sie grausam mißhandelte, verließ sie ihr Heim und ihre Kinder, ging nach Tokio und studierte hier mehrere Jahre. Bei ihrer Rückkehr nach China gründete sie eine halb- monallich erscheinende Franenzeitschrist, in der sie die Grundprinzipien der chinesischen Frauenemanzipation aufstellte. Im Fahre 1907 begründete sie eine höhere Töchterschule in Tschao- Hing in ihrer Heimatprovinz und inachte durch Vorträge auch .'rwachsenc Frauen mit ben modernen Ideen bekannt. Mit mißgünstigen Blicken sah die Regierung ihrem encrgijd>cn Tun zu, aber bie r. utije junge Frau ließ sid) nicht einschücytern. Da ermordete am 6. Juli vorigen Jahres der Polizcichef von Tschao- Hing Siu Si-Lin den Gouverneur der Provinz Ngan-Huei, nm |id) der Herrschaft zu beinädftigen. Sein Plan fchlng fehl, er wurde gefangen genommen und enthauptet. Nun begann ein .lrcnges Gericht über alle forischrittlid) Gesinnten unb auch Frau Asien-King wurde verhastet, vor eine Art KriegSgeridft gestellt unb zum Tobe durch Enthauptung verurteilt. Rulfig und würdevoll nahm sie ben Beschluß des Gerichtes auf, bekannte sich frei unb öffentlich zu den Rcformbestrcbungen, für die sie gewirkt und bat nur, die 400 Dollar, die sie besessen und die ihr von dew Haschern geraubt worden waren, zurückzufordern unb an arme Leute zu verteilen. Ihr letzter Wunsch war, sich auf dem Sd>affott nid)t entkleiden zu müssen, wie cs die Strafordnung verlangte, und diese Gnade wurde ihr gewährt. Eine andere Frauenrechtlerin, Fräulein Siu Peng-Sie, die einzige Tochter eines hohen Beamten, die durch den Tod ihres Vaters in den Belitz eines großen Vermögens gekommen war, setzte eine Summe von 200 000 Taels (1 T. — 3*/- Mk.) zur Begründung eines i>RädchengymnasiumS in ihrer Vaterstadt aus, gab 100 000 Taels zur Unterhaltung einer vädagogifchen Zeitschrift und 50 000 Taels ziir Unterstützung von Heineren Mädchenschulen. Dann ging sie selbst nach Japan, um dort die Organisation des Müddzenschul- unterrichts zu studieren. Eine andere Frau, deren Namen Wu Fang-Lan von chinesischen Frauen heute mit einer gewissen Ver- chpung ausgesprochen wird, widersetzte sich jedem Versuch, ihre Füße durch fe)tes Einschnüren der in China traditionellen Verkrüppelung zn überantworten. Die hocharistokratische Schwiegermutter, die darin ein Verbrechen gegen bic Weltorbnung sah, nnß- banbclt: barauj bic junge Frau so grausam, baß sie schließlich sta b. Lieber biese unmenschliclie Behandlung entstand eine allgemeine Entrüstung nnd der durchaus nicht reformfreunblich gesinnte Vizekönig Tuap-Fang ließ ber Märtyrerin ein Ehrengrab errichten unb verfaßte selbst eine feierliche Inschrift, bic bie Sanftmut unb Seelengröße der Hingesdüebcnen pries. Die böse Schwiegermutter mußte bie Kosten für diese Gründung einer neuen Mädchen- scl)nle berg eben, die den Namen Fang-Lan-hio-tana, d. h. Mädchen- Ichule, errichtet zur Erinnerung an Fran Fang-Lan, führt. Die Frau unb die beiden Töchter des Vizekönigs aber gründeten die „Bereinigung der natürlichen Füße", die viele Anhängerinnen gefunden hat und die die Erinnerung an die heroische Unglückliche treu ausrecht erhält. Auf das Drängen dieser Frauenliga hin Hut die Regierung die Verkrüppelung der Füße überhaupt verboten,
kleine Tageochronik.
E^in neuer deutscher Riesendampfer wird am, 31. Kkwber uuf der Werft des „Vulkan" in Stettin vorn Lwpel gela,sen igerben. Das Schiss hat eine Länge von 220 Meter und eine rMhrtgeschwindigkeit von 18,5 Knoten.
Der Rechtsanwalt K. M. Große ist in Leipzig unter dem Verdackst emcs Verbrechens gegen das keimende Leben verhaftet worden.
Im yunljaufe zn Elbing erfolgte bei dem Mlenchien unoiaitcn Gasleitmig eine Explosion. Drei Gasarbeiter wurden sdiwer, ein ^iraßenpas)ant leicht verletzt.
Kamm er Herr von Arnim und Hennersdorf in Dresden, der mn Jamstag auf der fömgiidien Hofjagb an- g e) <yo ) sen -vurde, i)h gejtem seinen Vc rlctzungeu legen.


