Nr. 23
Zweites Blatt
Dienstag 28. Januar W08
•Wfcetn.- tvyNch mit Aufnahme be3 Sonntags.
158. Jahrgang
St« ^Sieftene» Kamtliendlätter" werden dem »Anzeiger' viermal wöchentlich betgelegl, das ^Äfttsblon für den Kreis Siehrn" zweimal «Hchenllich. Die ..Landwirtschaftlichen Seit« freien'" erscheinen monatlich zweimal.
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UnwersitatS - Buch- und Siemdrnckereu R. Lange, Gießen.
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oSnSLÄSifSÄSKÄ 8E2 überreicht, wurden. Den Dank der Beehrten
DU
Wäre das Verfahren nach der heute beliebten Methode vorzuziehen, bei der in der Form sogenannter Beweisanträge dem ohnehin Beleidigten Schimpf auf Schimpf zugefügt werden kann, bis der des Spiels müde ist und resigniert in einen mageren Vergleich willigt.
OejfwtlcaKck auSznschlteßen belügt ist, daß über den Antrag schon vor Beginn der Hauptoerl-andlung in nichtöffcntliä-er Sitzung bo Ichlofien, der Beschluß ohne Angabe von Gründen öcrfuiiki und die Urteilsverkündung nicht öffentlich erfolgen darf.
Auf die Diskretion der Presse wird in diesen Dingen leider niemals Verlaß sein können. Die Presse ist nun einmal kein einheitlicher Organismus. In ihr kämpfen die verschiedenartigsten Interessen gegeneinander an und deshalb wird ein illoyaler Prozeßgegner auch immer Mittel und Wege finden, sich der Presse zu bedienen, wenn er dem Mann, mit dem zusammen »r vor Gericht steht, vor der Oeffentlichkeit schaden will. Darum läßt der vom Generalstaatsanwalt vorgeschlagene Modus sich immerhin noch am ehesten hören. Es werden eben die Interessen der Oeffentlichkeit und die des auf Schutz seines Privatlebens Antragenden vom Gericht gegeneinander abzuwägen sein. Ob dabei dann allemal die rechte Entscheidung getroffen werden wird, ist schwer zu sagen. Sicher aber
Chargierung und maßvoll filziger Komik. Dorle Maifahrr wirkte recht nett als Hoffräulein. P. W.
viele ihre Freude daran, aber nach dieser Richtung sehen wir dis „gute alte Zeit" nicht sich erneuen. Das hohle Theaterpathos und die mannigfachen Unwahrscheinlichkeiten in der Charakteristik, selbst die Breite und die unmöglichen Redereien mancher historischen Figur, die eine gründliche Revision wohl vertragen können, verziehen die Hörer am gestrigen patriotischen Abend.
Die Schauspieler gaben sich absichtlich oder unabsichtlich alle Mühe, die Fürstlich leiten als „gut bürgerliche" Personen darzustellen.
Bakof drückte den breiten Humor seiner königlich pol- ternden und rauhtönenden Rolle, durch eine leichte Erkältung unterstützt, sehr kräftig aus, in altsoldatisch ungeschlachter Haltung, wobei natürlich die königliche Würde etwas zu kurz kommen mußte. Helene Schumann bemühte sich um die Kennzeichnung des Stolzes der Hannoveranerin mit leidlichem Gelingen. Dora Ormont, in ihrer schlanken Schönheit wie geschaffen für eine Hohenzollerngestalt, hatte als (die später so boshafte Memoirenschrelberin) Prinzessin Wilhelmine, die im Interesse der hohen Politik ihre Hand zuerst einem englischen Prinzen, dann einem Prinzen des österreichischen Kaiserhauses reichen sollte, schließlich aber doch den, Zuge ihres Herzens folgen durfte, endlich einmal Gelegenheit, ihren Schatz an Empfindung und Seelenstärke zu enthüllen; aber es fehlte ihr schon in den ersten Szenen, besonders in dem Zwiegespräch mit ihrer Hofdame, an Humor, an Witz rind Mokanz. Als der glückliche Bewerber um ihre Hand, der im Königsschlosse wie Hans in allen Gassen miiherläuft, traf Roden Nicht recht den selbst dem König Achtung übnöhgenöen Ton des energischen Soldaten, war aber auch weiter gar nicht verblüfft, als er im letzten Akte im Zimmer der Königin höchst unerwartet und unerwünscht dem König sich gegenübcr- sah. Diese Szene hätte sich doch wesentlich anders abspielen müssen, mit lebensvoller Verwirrtheit, schneller Sammlung und kurz entschlossenem Draufgehen. Besser traf er der Prinzessin gegenüber gleich in den ersten Szenen den weichen, gefälligen Ton der Courtoifie. Auch ihm floß der Humor nur dürftig. Den emflußrelchen kgl. Kammerdiener Evers- mann gab Reimer-Schlegel mit der nötigen scharfen
Der Geburtstag des Kaisers
wurde gestern in Berlin in der üblichen Weise begangen: Um 8 Uhr fand das große militärische Wecken statt. Um 9 Uhr nahm der Kaiser die Glückwünsche der kaiserlichen Familie entgegen, empfing die Gratulation der Damen und Herren des engeren Hofes und Hauptquartiers und sodann im Kaisersaal diejenige der zu dem Fest eingetroffenen Prinzen und Prinzessinnen des königlichen Hauses. Im Anschluß all den Festgottesdienst in der Schloßkapelle fand im weißen Saale die Gratulations-Cour statt. Vor der großen Paroleausgabe im Zeughause sand mittags 12 Uhr 15 Min. in Gegenwart des Kaisers und der Kaiserin die Nagelung und Weihe der Fahnen, die dem 3. Bataillon des 3. oberelsässischen Jnfanterie-Negts. 172 (Straßburg L E.) und dem 2. westpreußischen Pionierbataillon Nr. 23 und dem Delegraphenbatalllon Nr. 4 (Karlsruhe) verliehen lvorden sind, statt. Nach Beendigung der an die Fahnenweihe sich anschließenden großen Paroleausgabe verließ der Kaiser, gefolgt von den Fahnen, das Zeughaus. Vor demselben empfing die Ehrenkompagnie unter präsentiertem Gewehr die Fahnen. Diese setzten sich vor die Ehrenkompagnie und es erfolgte ein Vorbeimarsch vor dem Kaiser. Die hohen Herrschaften kehrten alsdann nach dem Schloß zurück, wo um 2 Uhr ein Gala früh stück stattfand. — Der „Zieichsanzeiger" veröffentlicht eine große Anzahl von Auszeichnungen, die der Kaiser aus Anlaß seines gestrigen Geburtstages verliehen hat. Es erhielten u. a. die preußischen Minister Breidenbach und v. Arnim, Hausmarschall Frhr. v. Lyncker, Oberhosprediger Dryander den Roten Adlerorden L Kl. mit Eichenlaub, Kultusminister Dr. Holle den Stern zum Roten Adlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub, Oberstallmeister Frhr. v. Reischach den Kronenorden L Kl., Großkaufmann James Simon in Berlin den Kronenorden 2. Kl., Generalintendant von Hülsen Kreuz und Stern der Komture des Hohenzollern- schen Hausordens, der Petersburger Marineattachee, Kapitän zur See Hintze, der Leibarzt des Kaisers Dr. J lb erg und Flügeladjutant Oberst Lauen stein den Adelstitel. Ins Herrenhaus wurden berufen: Generalinspekteur von der Goltz und Bankier Ludwig Delbrück in Berlin. Von hohen Offizieren wurden u. a. verliehen dem Generaladjutanten v. Machensen und von Löwenfeld der stiote Adlerorden L Klasse mit Eichenlaub und der königlichen Krone.
Einschränkung der Oeffentlichkeit bei Privatklagen.
Der Herausgeber der Zeitschrift „Das Recht" hat sich an eine Anzahl namhafter Juristen mit der Frage gewandt: „Empfiehlt sich eine Einschränkung der Oeffentlichkeit im Privatklageverfahrerr?" Won den einstweilen eingelaufenen Antworten möchten wir die des Generalstaatsanwalts Dr. Wächter hierhersetzen. Der schreibt:
3m allgemeinen bin ich.— außer in dem Verfahren gegen Jugendlrche — gegen eine Einschränkung der Oeffentlichkeit, die im Interesse der Allgemeinheit uno des Ansehens der Rechtspfiege not- lvendrg ist. Tas geeignete Korrektiv gegen ihre Gefahren liegt m. E. in der sachgemäßen Leitung der Behandlung und in der - .der Presse. Trotzdem neige ich einer solchen Ein- icyränlung im Prrvatklageversahveit zu, da die Staatsanwaltschaft hier eiutvetcirdenfalls bereits das öffentliche Interesse verneint hat und sich aus der Oeffentlichkeit namentlich in Beleidigungssachen häufig grobe Mißstände ergeben haben. Tie Verhandlung wird ost dazu benutzt, uni1 den Gegner, der Genugtuung sucht, erst recht öffentlich bloß zu stellen, so oaß ehrliebende Personen eine gerechtfertigte Scheu empfinden, sich überhaupt in Beleidigungsprozesse eurzulasseu. Ich bin daher dafür, daß in Privatklagesacl-cn das
Gietzener Stadttheater.
Zopf und Schwert.
Historisches Lustspiel in 5 Aufzügen von Karl Gutzkow.
Zur Feier von Kaisers Geburtstag wurde am Montag in unserem festlich beleuchteten Stadttheater nach einer von der Regimentskapelle gespielten Festouvertüre und nach einem vom neuen Regimentskommandeur Oberst von Müller ausgebrachten Kaiserhoch „Zopf und Schwert" von Karl Gutzkow, an dieser Stelle zum ersten Male, gegeben. Das Stück, das schwere historische und seelische .Konflikte leichthin und anmutig zu Lustspieleffekten ausmünzt, ist heute in mancher Beziehung gründlich veraltet und entspricht nicht immer unserm heutigen Geschmack. Die naive Technik mit Einzelgesprächen, an den Türen lauschen, dem s'.eltsamen Zimmer, in dem alle Leute sich zufällig begegnen, dann der oft läppische Hunror, das alles fällt uns heute unangenehm auf und wird nicht durch tieferen Mert wettgemacht. Es wird aber doch heute noch mit Interesse ausgenommen, weil die Konflikte, die es behandelt, die preuß. Königsfamilie betreffen, und die Hauptpersonen, Kö- nia Friedrich Wilhelm I., seine Gemahlin, die Prinzessin Wil- ^lmine und der mit Erfolg sich um ihre Hand bewerbende Erbprinz von Bayreuth, wohl gelungen und annähernd geschichtlich treu charakterisiert smd. Es ist ganz lehrreich, das fröhliche Trommel- und Subordinationsstück heute wieder einmal zu sehen, weil in ihm manches gute Wort 'zesagt wird über Tüchtigkeit und Disziplin, aber auch über die höhere Menschlichkeit der Könige und den wahren Wert ihrer ergebenen Kreaturen, die des eigenen Vorteils wegen zu des Herrschers Launen und Eigenheiten mit dem Kopfe nicken. So etwas hört man ganz gern in einer 3ett, in der soeben erst wieder viel die Rede war von einer preußischen „Hofkamarilla", in einer Zeit, in der man zudem die Zeit des alten „Soldatentönigs" nach gewisser Richtung hin erneuert sieht. Llber nur eben nach mandjer Uvtdjtiuig. Denn wenn eine Prinzessin an der Wafcybütte sich abguült, und noch mehr, wentl der König in Hemdärmeln jhc den Kammerdiener gehalten wird, oder wenn der gestrenge Landesvater, der „alle glücklich machen chill, uno wenn er mit dem Kolben dreinfcylagen sollte", immer Wib immer wieder seiner „Alten" über den Dtund fährt
man denke ein König einer Königin! =□ st- haben wvhl
Angesichts des gestrigen hundertjährigen Geburtstages von Tavi-^Friedrich Strauß darf daran erinnert werden, daß der berühmte Verfasser des „Lebens Jesu" für die verewigte Großherzogin Alice von Hessen, die Mutter unseres Großher-ogs, _ sechs Vorträge über Voltaire ausgcarbciiet har. Auch Kaiserin Friedrich, der Großherzogin Alice L-chwester stand dem Gelehrten geistig nafc. Tas Interesse für gerstme und insbesondere kirchliche Fragen hat die Kaiserin Fr., löte bei dieser Gelegenheit erwälM sei, auch publizistisch betätigt: Als Kronprinzessin übersetzte sie aus dem Italienischen eine Schrift des berühmten liberalen Staatsmannes Marco Minghetti, dessen Wwve Domra Laura Minghelck die Schwiegermutter des Reichskanzlers Fürsten Bülow ist. Es war das 1878 vervnerttlichle Luch „©tato e Ehiesa" (Staat und Slirdje). Minghetti fieitte darin ein kirchenpolitiiches System auf unter Zugrun. euguiig der Formel von Cavour „Libcra Chiesa in liberv Stato" (Freie Kirche im freien Staat); er verlangte mit Entschiedenheit die -Trennung von Kirche und Staat. 1881 erschien eine deutsche Ausgabe der Schrift, welche nach einem amtlichen Vermerk in der Universitätsbibliothek! zu Göttingen von der Kaiserin Friedrich übersetzt ist.
— Von dem verstorbenen Wirkst Geh. Rat Dr. H i n tz p e t e r wird milgelelll, daß er die Tagebücher über seine Tätigkeit als Erzieher Kaiser Wilhelms II. verbrannt hat, ebenso eine ganze Reihe vertraulicher Brte-e, die Hmtzpeter aus dem Kreise der fürstlichen Familie im Latike der Jahre erhalten hat.
Kleine K u n ft ch r o n i k. Erstaufführungen. „T a n t r i s der Narr", ein fünsaktiges Drama von Ernst Hardt, halle bei seiner Uraufführung im Kölner Schauspielhause einen sehr starken Erfolg. Der Dichter ivurde oiltnals begeistert geriüen. Es ist em sehr bedeutsames Werk voll Poetischer Schönheit. - In Bremen kam Heinrich ti 11 i e n i e i n s fünfattigeS Schauspiel "D e r große Tag" zur Aufführung. Wenn das Stüa, dessen gewählte Sprache sehr shmpalhiich berührt, lerne stärkere Wirkuiia auszuuben vermochte, jo lag das wohl zur Hauptsache an der nicht ganz Überzeugenden Unvermeidlichkeit des Konfliktes sowie an den zum Teil allzu gedehnten und auch an sich zu wenig interessierenden Dialogen des dritten und vierten Aktes. Die Darstellenden verschafften dem Stücke eine recht freundliche Ausnahme. — In 'S tu 11 gar I Halle S in daus ,S o n n e" einen lebhaften Erfolg.
>w Düsseldorf sand Fuldas Lustspiel »P erd un- ko ss" bei seiner Erstaufführung heiteren Beifall.
Kaiers Geburtstagsfeiern.
**DerE Vang. Arbeiterverein beging am Sonntag abend in den oberen Sälen der Herberge die Feier des Geburtstages S. M. des Kaisers. Nach einer Begrüßung durch den Vorsitzenden erfreute der Gemischte Chor des Vereins bezw. der Frauenchor die Anwesenden du^ch Vortrag inehrerer Lieder. Auch die von verschiedenen Freunden des Vereins zu Gehör gebrachten Mnsikvorträge trugen wesentlich zur Berschöneruiig des Abends bei. Die vom Vorsitzenden des Vereins Oberbibliothekar Dr. Heuser gehaltene Ansprache endete mit einem Hoch auf den Kaiser, in das die Anwesenden begeistert einstimmten. Wenn auch mit Rücksicht auf den beschränkten Raum von größeren Aufführungen Abstand genommen werden mußte, tarnen die Besucher der Feier durch die Darbietungen in jeder Weise aus ihre Rechnung.
** Treis a. d. L., 27. Jan. Eine schöne Kaisers- geburtstagsfeier hatten wir hier am Sonntag. Vormittags fand ein Festgottesdienst statt, in dem die zahlreichen Zuhörer der Kaiser als ein Vorbild wahrer Frömmigkeit vor Augen gestellt toiltbc. Am Abend feierte der Kriegerverein in Benners Saal, der bis auf den letzten Platz besetzt war. Ein von einem Mädchen vor- getragener Prolog und der gemeinsame Gesang des Liedes: „Es braust ein Ruf wie Donnerhall" eröffneten die Feier. Nach der herzlichen Begrüßungsansprache des Vereinsvorsitzenden Will hielt Pfarrer Böchner die zur unentwegten Treue zu Kaiser und Reich ermunternde Festrede, die mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf Kaiser und Großherzog schloß, ©obamt wurden unter der trefflichen Leitung des Lehrers Walter mehrere von Mitgliedern des Vereins und ihrer Damen borzüglich einstudierte und aufs beste zur Ausführung gebrachte lebende Bilder aus dem Soldaten- und Kriegsleben gestellt, wobei vom Leiter die Erklärung in gebundener Rede vorangeschickt wurde. Darauf folgten einige schöne Gesangsvorträge von Mädchen sowie ein Couplet zweier Rekruten, welch letztere ihre Rollen meisterhaft spielten. Den Höhepunkt des Abends bildete die feierliche Ernennung der vier ältesten, dem Verein seit seiner Gründung vor 25 Jahren angehörenden Kameraden zu Ehrenmitgliedern, wobei ihnen unter einer zündenden Ansprache des Präsidenten
sprach der älteste von ihnen, Schmiedemeifter Müller, aus. Der übrige Teil des Abends verlief unter dem Gesang patriotischer Lieder, deren Begleitung, wie überhaupt den ganzen musikalischen Teil der Feier,, Lehrer Eberle übernommen hatte, und unte-r mancherlei Toasten, die noch ausgebracht wurden, z. B. von Forstmeister Schneider, Lehrer Kurz, Kamerad Lemp u. a., aufs beste. Auch ein Maunerquartett erfreute die Anwesenden durch seine schönen Vorträge. Die lebenden Bilder haben so allgemeinen Beifall gefunden, daß sie auf Wunsch vieler Kanreraden, deren Angehörige an der Teilnahme bei der Feier verhindert waren, heute abend wiederholt werden.
Rockenberg, 27. Jan. Am 25. Jan. hielten die Gefangen auf seh er uud Werkführer der Anstalt Marien schloß die Feier des Geburtstages oes Kaisers im Gasthaus zur Gerste ab. Aufseher Roth dankte für die große Beteiligung. Aufseher Kunz hielt eine kurze Ansprache zu Ehren des verstorbenen Kameraden Jak. Bell und durch Erheben von den Sitzen wurde ihm die letzte Ehre erwiesen. Ausseher K i ß e l hielt eine Ansprache zu Ehren des Kaisers, die -mit einem Hoch endete. Hierauf folgte die Nationalhymne, sowie weitere patriotische Lieder. Dr. Henkel, sowie Aufseher Meyer verherrlichten die Feier durch Violin- und Ktaviervorträge. Aucy wurde S. K. H. des Großherzogs durch eine Ansprache des Aufsehers Kunz gedacht, wobei er besonders die alte Hessen- trene betonte. Die hübsche Feier nahm erst nach Mitternacht ihr Ende.
—in. Friedberg, 27. Jan. Anläßlich der Geburts« tagssiier S. M. des Kaisers, die unter großer Beteiligung der hiesigen Bürgerschaft gestern abeno im Hotel Trapp ftaitfand, ging cjic Feier des hiesigen Veteranen- uno Militär-Vereins am Vorabend voraus. Nach einer Tln- sprache des langjährigen bewährten Ki:iegervereinS-Präsi- benlen Rendanten Christian Dönges, wurden folgende elf Mitglieder infolge ihrer 25 jährigen Zugehörigkeit als Vereinsmitglieder, in Form von prachtvoll ausgejührteu Diplomen ausgezeichnet: Wilhelm Dreher, Vize-Präsident, §ernmnn M. I. Philippi, Fr. Joseph Glük, Rechner des Vereins, Jakob Rojensa)on, Fr. Will). Zimmermann, Heinrich Müller, Michael Höck, Johannes Hertel, Friedr. Cor- viims, Simon Rnppel und Konrad Oehler.
X Nidda, 27. Jan. Auch in diesem Jähre wurde in unserer Stadt das ^Geburrs fest unseres fcaisers festlich begangen. Schon am Sonntag versammelten sich vormittags die Mitglieder des K'negervereins zur Kaiser- Parade. Abends sand in dem geräumigen Saalbau Kraft eine allgemeine Abendunter Haltung statt. Das sorgfältig ausgcwählte Programm bestand im musikalischen Teil in instrumentalen (Klavier und Violine) und gesanglichen Darbietungen (Solos für Sopran und Bariton, Vorträgen des Atannergesangvereins). Außerdem wurden eine Reche patriotifcher Sieder gemeinsam gesungen. Den Vorsitz führte der Präsident des Kriegervereins, Oberst z. D. Weimer. Einem von dem Mitglied des Kricgervereins H. Nuppel gesprochenen Prolog folgte die Festrede des Oberamtsrichters Röm Held, der den Kaiser als pflichttreuen Friedenssürsten feierte und das Karssrkoch ausbrachte. In der Atitte des Ganzen stand der .reffliche Vortrag des Präsidenten: Wilhelm II., ein Lebensund Charakterbild, welcher die Anwesenden von Ansang bis zum Ende fesselte. Eine schöne Abwechslung brachten zwei von Krieger- und Eisenbahuverein gestellte lebende Bilder. Der humoristische Teil begann mit einem Theaterstück : „Rekrutenaushebung auf dein Lande." Hunrvristifche Vorträge wie: „Ein moderner Agrarier" und „Der geplatzte Autler" trugen viel zur Heiterkeit bet. Der große Saal war bis in die letzte Ecke besetzt, ein Zeichen, was für ein patriotischer Sinn in unserer Stadt lebendig ist. Von den Schulfeiern am heutigen Tage ist hervorzuheöen die


