Handel
des
Frankfurter Börse
Portugiesen
III
108.00
Prince-Henri-Eiseubahu . 123.00
Berliner Börse, 26.
Dl
4% Öesterr Goldrente. . 4*/5 % Oesterr. Silberreute
4%
4%
3?ä
November. Anfangskurae.
Harpener Bergwerk. .
Laurahütte ....
Lombarden E. B. . .
Nordd. Lloyd ....
Türkenloae ....
Ungar Goldrente .
Italien. Rente . . Portugiesen Serie I
216.50
112.20
26. November, 1.15 Uhr. Elektriz. Lahmeyer . . . Elektriz. Schlickert . . . Eschweiler Bergwerk . . Gelsenkirchen Bergwerk . Mamburg-Amerik. PaketL Harpener Bergwerk. . . Laurahütte ..... Nordd. Lloyd Obeischles. Eisen-Industrie Berliner Handelsges. . . Darmstädter Bank . . . Deutsche Bank . . . . Deutsch-Asiat Bank . . Diskonto-Kommandit. .
Dresdner Bank . . . . Kreditaktien Baltimore- und Ohio-
Eisenlahn . . . . . Gotthard bahn Lombard. Eisenbahn . . Oesterr. Staatsbahn . . .
Canada E. B. . . . . Darmstädter Bank . . Deutsche Bank . . . Dortmunder-Union C. . Dresdner Bank . . .
Tendenz- matt auf
57.80
96 90
91.00
18.40
142 50
russ.Staatsanl. 1905 4^°/0 japan. Staatsanleihe 4 ?o Conv. Türken von 1903 Tiirken'-ose 1% 6riech. Monopol-Anl. . 4% äussere Argentinier . 3% Mexikaner . . . 4^°/o Chinesen . . . .
Aktien:
Bochum Guss Buderus E. W
Tendenz: schwächer.
nicht einmal, sondern an sechs bis sieben Tagen' die Milch 20 bis 40 Prozent gewässert und zwar mit Wasser aus einem stark mit Jauche verseuchten Brunnen. Das Hiesige Schöffengericht verurteilte Schlereth wegen wissentlicher Nahrungsmittelfälschung zu einer Geldstrafe von 50 Mark. Unsicher erhielt wegen fahrlässiger Uebertretung der Milchverkaufsordnung 20 Mark zudiktiert. .
Telefonische Kursbericide
Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für und Industrie. Giessen.
14180
4910
85.75
63.30
96.70
3%
3 K°/e
6%
3/^°/o
Am Gntenbergdenkmal.
Gemälde I. Banges
94.90
85.25
94.90
85.15
93.10
92.00
97.50
97.90
92.50
104.20
11675 118.90 188.75 187.25 110.10 192.90
191.50
89.25 97.00
166 50 127 90 238.50
136 80 178.20 146.80 194.00
. 193.10 . 191.90 . 18 20 . 8930 . 141.70
Reichsauleihe do.
Konsols . . do.
Hessen . . .
Oberhessen
. 175.30 . 127.70
. 239.00
. 59.75
14660 Wien.
Gericht-tzaaL.
fc. Frankfurt a. M., 24. Nov. Im Mai d. I. wurde der Landwirt ünb Müller Oskar U n s i cker in N i e d e r - Wö l l- Itabt, der täglich ein größeres Quantum Milch nach Frankfurt a. M. liefert, von einem seiner Abnehmer darauf hingewiesen, daß die Milch stark gewässert sei. 'Am 10. Mai ließ der Landwirt den bei ihm bediensteten Schweizer Schlercth, der fehl seiner Militärpflicht genügt, durch einen seiner Knechte observieren. An diesem Tage wurde sestgestcllt, daß Schlereth eine von den Kühen, bte schwer zu melken war, nicht melkte, sondern die fehlende Milch durch Wasser aus dem Tränkeimer ersetzte. Schlereth hatte cs an D iesem Tage eilig, es war „Kerb" und die Liebste wartete am Tore. Nach dem Gutachten des Sachverständigen hat der Schweizer
Märkte.
-th. Gießen, 26. Noobr. Ter Auftrieb des gestrigen Sckweinemarktes betrug zirka 700 Stück. Durch das nasse Wetter veranlaßt, mar die Kundschaft dem Markt ferngehlieben, wozu noch kommt, daß auf dem Lande zurzeit das Geld knaoo ist' weil die Landwirte zu Martini die fälligen Ackerziele bezahlt haben' Der Handel gestaltete sich daher aus dielen Gründen recht mittelmäßig und kam nur schwer in Gang, obgleich die verlangten Preise recht billig zu nennen waren. Bezahlt wurden für das Paar Ferkel, 5-6 Wochen alt, 25—35 Mk., 8—12 Wochen alt 45—50 Mk., für Springer, viertel- bis halbjährig, 70—80 Mk., bis dreimertelsährig 90 — 120 Mk., kräftigere Einlegschweine wurden das Stück zu 70 bis 80 Mk. verkauft. Der Markt blieb trotz der Wohlfeilheit der Preise ca. */4 überständig. Nächste Markttage 8. und 9. Dezember ds. Js., am zweiten Tage auch Krämermarkt.
tc. Frankfurt a. SD l., 26. Nov. (Teiegr. Orig. - Bericht des „Gieß. Anz.".) Amtliche Notierungen der heutigen Viehmarkt- v r e i s e. Zum Verkaufe standen: 12 Ochsen, 2 aus Oesterreich 3 Bullen, 0 aus Oesterreich, 103 Kühe, Ferien, Stiere und Ninder, 164 Kälber, 324 Schale imd Sammel, 1047 Schweine, 00 Ziegen, 0 Ziegenlämmer, 00 Schaflämmer. Bezahlt wurden für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen: 1. Qualität 80—83 Mk., 2. Qualität 74—76 Mk., 3. Qualität 60—65 Mk.: Bullen: 1. Qual. 66—68, 2. Qual. 62-64: Rühe 1. Qualität 68—70 Mk., 2. Qual. 60—62 Mk., 3. Qual. 48—50 Alk., 4. Qual. 00—00 Alk., 5. Qual. 00—00 Alk. Bezahlt wurden für das Pfund Schlacht- gewicht: Kälber 1. Qualität 92 bis 97 Pfg., Lebendgewicht 55—56 Pfg., 2. Qualität 82—90 Psg., Lebendgewicht 48 -52 Pfg., Schlachtgew 70—00 Pfg.; Schafe: 1. Qual. Schlachtgew. 70 bis 72 Pfg., 2. Qual. 50—54 Psg. Schweine: 1. Qual. 72—73 Pf., Lebendgeivicht 57—57,5 Pf., 2. Qual. 70—71 Pf., Lebendgewicht 56-56,5 Psg., 3. Qual. 66—68 Pfg., Lebendgewicht 00-00 Psg, Geschäft gut, Ueberstand unbedeutend.
Limburg a. d. Lahn, 25. Nov. Fruchtmarkt. Durch- schnittspreis pro Malter. Roter Weizen (nassauischer) 16,30 Mk., weißer Weizen (angebaute Fremdsorten) 15,00 Alk., Korn 12,40 Alk., Gerste: Futtergerste 10,00 Mk., Braugerste 12—00,00 Mk., Hafer 7.30—0.00 Mk., Erbsen 0,00 Alk., Kartoffeln 4,60-5,40 Mk.
politische Tagesschau.
Die Rede des Lord Roberts
hat allenthalben begreifliches Aufsehen erregt. In offiziellen Kreisen Oesterreichs wird erklärt, man müsse erwarten, daß der Vorfall nicht zur Abschwächung der deutsch-englischen Gegensätze beitragen werde. Namhafte Persönlichkeiten, die Gelegenheit hatten, mit König Eduard zu verkehren, wollen wissen, daß dieser ein entschiedener Äüihänger der allgemeinen Wehrpflicht sei. Die Aeußerungen in England zu ihrer Einführung seien auf den Einfluß des Königs zurückzuführen. Man zitiert auch das Wort eines bekannten französischen Diplomaten, wonach eine wirkliche Landarmee in England das beste Pressionsmittel zur Verminderung der deutschen Flotte sei. Die Pariser Abendblätter sehen in der Rede von Roberts einstimmend eine höchst bedeutungsvolle Kundgebung. — Der „Temps" schreibt u. a.: Lord Roberts hat die Frage der Umgestaltung der englischen Armee mit denkbar größter Schärfe aufgeworfen. Der durch seine Rede im Oberhause hervorgerufene Eindruck zeigt, daß diese Angelegenheit die politischen Kreise Englands immer lebhafter und immer ernster beschäftigt. Um so seltsamer fei die Anschauung LansdowneS, daß von dieser Frage nicht öffentlich gesprochen werden dürfe. Warum soll mau auf der Parlamentstribüne nicht sagen dürfen, was jedermann weiß? Warum will man England einreden, daß es eine 2lrmee hat, während es doch in Wirklichkeit keine Armee besitzt? Damit England eine gesicherte Zukunft habe, damit es in der europäischen Staatengruppierung allianzfähig sei, braucht es eine Armee. Es genügt, daran zu erinnern, daß seine Armee vor hundert Jahren besser war, daß die englischen Streitkräfte gegenüber den aus der allgemeinen Wehrpflicht hervorgegangenen Heeren lächerlich gering sind. In England werden öffentliche Versammlungen zur Förderung von Lord Roberts Plan einer nationalen Militärdienst-Liga arrangiert. Eine solche soll am 8. Dezember im Rat Hause der Londoner Vorstadt Hampstead stattfinden. Feldmarschall Sir George White wird dabei eine Ansprache halten. In den maßgebenden Berliner Kreisen wird der Rede des Feldmar- fchalls Roberts natürlich die ihr gebührende Bedeutung beigelegt, umsomehr, als sie sich hauptsächlich mit Deutschland beschäftigt. Trotzdem wird man an den zuständigen Stellen keine Veranlassung nehmen, aus einer begreiflichen ^Reserve hervorzutreten, da es sich im Grunde um rein innerenglische Angelegenheiten handelt. Im englischen Oberhause erklärte Earl vf Eandor gestern, er begrüße die Erklärungen des Premierministers Asquith. Der Zweimächtestandard sei die einzig sichere Grundlage, aber wenn man diesen Standard aufrechterhalten solle, müßte England ois Ende 1911 sechs oder sieben Schlachtschiffe erster Klasse über das gegenwärtige Programm hinaus bauen und ebensoviel mehr bis 1912. Er fragt die Regierung, ob sie die Versicherung geben wolle, daß alles nötige geschehen würde, nm den Ban der Schiffe zu bejchleunigen. — Im Namen der Admiralität sprach Earl of Gronard: er bemerkte, man könne dem Programm der nächsten Jahre nicht vorgreifen, doch gebe er zu, daß England bis Schluß 1911 nur acht Schiffe vom Dreadnought-Typ und vier vom Jnvineible-Typ haben würde gegen 13 deutsche Kriegsschiffe in denselben Typen. Nicht in Berechnung dabei sei das Programm, welches die Regierung 1909 vorzulegen beabsichtige. Schließlich erwähnte Granard, die Regierung hoffe, der Flottenstützpunkt Rosyth würde in sieben Jahren vollkommen fertig- gestellt sein.
*
Das Reich und Zeppelin.
Die Erklärung des Kriegsmlmslerä von Einem zu den Beschwerden Payers in der Angelegenheit des Gra'en Zeppelin hat den Staatssekretär des Reichsschatzamtes, v. Sydow, zu folgender Erwiderung veranlaßt. Tie Mitteilung des Kriegsnunisters könnte den Anschein erwecken, als habe die Auszahlung der dein Grafen Zeppelin für den „Zeppelin I" zustehenden Geldes an irgend einer Stelle des Reiches eine Verzögerung erfahren. Das ist nicht der Fall. Da die Gelder auf dem Etat des Rcichsamtes des Innern stehen, so ist die Erklärung der Militärverwaltung, daß sie den Ballon abgenommen habe, dem Reichsamt des Innern zugegangen und von diesem dem Reichsschatzamt behufs Zustimmung zur Auszahlung weiicrgegeben morden. Die Verfügung, die die Zustimmng ausspricht, hatte ich schon vor der Reichstagssitzung am Montag unterschrieben. Sie ist im Laufe des Montags an das Reichsaml des Innern gesandt und von diesem umgehend die Zahlung angewiesen worden. «
Die Politik Frankreichs in Marokko.
Die Veröffentlichung des sranzösifchen Gelbbuches über Marokko, über die Geschichte des Niederganges von Abdul AsiS und die Anerkennung Mulcy Hasids als Sultan regen die Franzosen zu mancherlei Betrachtungen über die Politik Frankreichs in Marokko an. Alan ist nicht sehr erbaut von dem, was man in Marokko erreicht hat. Alan hatte etwas ganz anderes erwartet. Tas Blatt „Liberal" veröffentlicht nämlich eine Meldung deS ägyptischen Blattes „Moayan", aus Tanger datiert, worin mitgeteilt wird, daß von Oktober bis Dezember 1907 Abdul Asis und feine Minister mit Frankreich über den Verkauf Marokkos an Frank- reich verhandelt haben. Daß so etwas ähnliches geplant gemefen fein mag, geht auch aus der Feststellung des „Temps" hervor, daß das Gelbbiich Lücken enthält. Der „Temps" schreibt in seiner Besprechung deS Marokko-GelbbucheS unter anderem: Tie Haltung des Ministers Pichon gegenüber den europäischen Mächten ioar vorsichtig wachsam und auch von Erfolg. Alle Mächte Haven den Absichten und den Maßnahmen der französischen Regierung Gerechtigkeit widerfahren lassen lind nur Deutschland hat, wie freilich zu erwarten war, genörgelt und diskutiert. Aber Minister Pichon hat auch die verschiedenen mit Deutschland verhandelten Angelegenheiten unter ehrenvollen Umständen geregelt. Leider war es nicht möglich, auch der marokkanischen Seite der französischen Politik dieselbe Anerkennung zu zollen. Das ursprüngliche Programm lautete: Herstellung der Ruhe nut Hilfe des Sultans Abdul Asis, und das Schlußergebnis lautet: „Preisgebung des Sultans Abdul Asis und Kapitulation vor Miilai) Hasid." Durch diese seltsame Politik sind die großartigen Anstrengungen der Soldaten und Diplomaten Frankreichs für lange Zeit zur Unfruchtbarkeit verurteilt worden. — Es ist bemerkenswert, daß das Gelbbuch keinerlei Depesche des Genernls d'Amade aus dem Zeitraum vom 14.—29. April d. Js. enthält. Hatte nicht gerade wahrend dieser Zeit General d'Amade der Regierung vergeblich vorgejchlagen, mit Mulay öafib, der ihm auf Gnade und Ungnade ausgeliefert war, ein Ende zu machen? Abdul Asis war unsere Karte, aber nur haben sie nicht spielen wollen und so kommt es, daß die Zukunft der marokkanischen Politik Frankreichs in Marokko s c l b st keinc sehr glänzende r st. — Tas französische Blatt hat ivohl nicht ganz Unrecht, die Kostenrechnung ist etwas sehr groß im Vergleich zu den tatsächlichen Errungenfchasten. - M uley vafid ist übrigens in Casablanca ohne Zwischenfall zum Sultan prokla - in iert worden.
Die Ernährung der FllyHmkinder
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Die antiöfferreichischerr Demonstrationen in Italien nehmen ihren Fortgang. In Rom, Siena, Venedig, Genua, Bologna und Girgenti veranstalteten die Studenten auch gestern Protestkundgebungen gegen die Vorgänge in der Wiener Universität. Die Zeitungen ermahnen die Studenten vergeblich zur Ruhe. Auch in Trient ist es gestern abend anläßlich oer Diener Hvchschulskandale zu großen Kundgebungen der Italiener gekommen, die unter Absingung der Garibaldi-Hymne einen- Umzug veranstalteten. Das Militär hatte Bereitschaft, trat aber nicht in Tätigkeit. Im Stadttheater mußte die Vorstellung abgebrochen werden, da das Publikum in stürmische Rufe: ,Hoch die Universität Triest" aus brach und zum Zeichen der Trauer den Schluß der Vorstellung verlangte. Wie inzwischen die Morgen- blütter aus Wien melden, soll die Errichtung einer italienischen Universität angeblich beschlossene Sache sein. Es stehe nur noch nicht fest, wo.
*
Tie Revolution auf Haiti.
Ter ,.Newyork Herald" berichtet, daß General Fabrolles, militärischer Oberbefehlshaber des Südens, sowie Senator Morijset sich in das deutsche Konsulat in Les Cayes geflüchtet haben. Die Städte Aquin und Fercony haben sich gegen die Regierung aufgelehnt. Das Kanonenboot Croyant, das in die Hände der Rebellen gefallen ist, wechselte mit dem Kanonenboot Cartemaire auf der Höhe von Geremie Schüsse aus. General Lecomte, der die gegen die Aufrührer entsandten Regierungstruppen befehligt, ist in Gefangenschaft geraten und hingerichtet worden.
Gießener Strafkammer.
)( Gießen, 24. Nov. Abgewieseue Berufung.
Die Schlußverhandlung in der Sache gegen! den Maurer ö. L. von Ulfa, den das Schöffengericht wegen der gelegentlich des Kirchweihcantrinkens an einem jungen Burschen von Nidda verübten Körperverletzung mit 3 Monaten Gefängnis belegt hatte, führte zur Verwerfung der Berufung des Angeklagten. Auf Grund der Aussagen des Verletzten und des Gutachtens des Sachverständigen stand fest, daß der Angeklagte mit dem Messer hantiert hat und der Gepflogenheit der Strafkammer entsprechend, Messerhelden zu zeigen, daß mit dem Leben anderer kein Spiel getrieben werden darf, mußte es bei der Bestrafung sein Bewenden behalten.
Der Anwaltskosten wegeu, die das Schöffengericht bei der Freisprechung des Pferdehändlers M. ,\). von Kirchhain der Staatskasse ausgebürdet hat, wurde von der Staatsanwaltschaft ein Urteil angefochten, tz». war wegen Vergehens gegen das Viehseuchengesetz angeklagt und zwar sollte er wissentlich die Biaßregeln, die zur Verhütung von Viehseuchen erlassen worden sind, verletzt haben, indem er einer kreisamtlichen Bekanntmachung zuwider, zwei Pferde auf den Alsfelder Markt der vorgeschriebenen tierärztlichen Untersuchung entzog. Nach seinen Angaben in erster Instanz sind ihm die einschlägigen Bestimmungen nicht bekannt gewesen. Er hält das Kreisblatt nicht, da es sich nicht lohne, bei einem jährlichen Besuche des Marktes dafür die Zeitung zu halten. Auf Weisung der Polizei hat er auch die Tiere wie vorgeschrieüen 100 Meter vom Markt entfernt aufgestellt und hat fick nicht geweigert, die Untersuchung an ihnen vornehmen zu lassen. Daß er gewusst hat, daß die Tiere krank waren, tonnte ihm nickt nachgewiesen werden. Das Schöffengericht hielt schwierige Rechts- und Tatfragen für vorliegend, die die Zuziehung eines Rechtsbeist-andes für nötig erachten ließen. Die Strafkammer war jedoch anderer Ansicht und abgesehen davon, daß der Angeklagte keine besondere Rücksichtnahme verdiente, da er. als Viehhändler sich vor dem Besuch des Marktes über die bestehenden Vorschriften hätte verlässigen müssen und man deshalb von einer fahrlässigen Uebertretung hätte sprechen können, war die rechtliche Auslegung so einfach, daß er sich selbst hätte verteidigen können. Tas Gericht entschied, daß die Staatskasse zur Tragung der Anwaltskvsten nicht verpflichtet fei.
Diebstahl und Hehlerei ist die Lauffrau E. P. bezw. bereit Ehemann ,>ur Last gelegt. Tie Frau hatte in Verhinderung her erkrankten Lauffrau einer hiesigen pensionierten Lehrerin etwa 2 Adonate ausgeholfen und hat nach und nach aus einer Kommodschublade 92 Mark entwendet, wovon sie ihrem Manne 20 Mark gab und im übrigen von deut (Selbe Anschaffungen in ihrem Haushalt machte. Während die Frau alles eingestand, wollte der Manu von dem unredlichen Erwerb bc5 Geldes nichts gewußt haben. Alle Uin- stände sprachen jedoch dafür, daß er über bte Herkunft des Gelbes unterrichtet war: auch mußte ihm bekannt sein, daß feine Frau in der kurzen Zeit keinen so h.chen Geldbetrag verdient haben konnte. Die Frau, bezügl. deren Rückfallsdiebstahl vorliegt, wurde zu 5 Monaten Gefängnis verurteilt, der Mann kam mit 6 Wochen durch.
Keine berechtigten Interessen.
In einem Briefe, den der Lehrer. S. zu Vaitshain an die Witwe v. G. dorten richtete, machte er ironische Berner tunaen inbezug auf ihre Wahrheitsliebe, worauf diese mit einem Schreiben diente, das von großer Gehässigkeit zeugte und Bemerkungen über die Ehrlichkeit des Lehrers enthielt. die zu einer Veleidigunsklagc führten. Das auf 10 Mark Geldstrafe lautende Erkenntnis des Schöffengerichts touroe von der Angeklagten angefochten, indem sie sich auf Wahrung berechtigter Interessen berief und Freisprechung verlangte. Der § 193 war jedoch nicht anwendbar, da sie durch ihre Aeußerungen berechtigte Interessen nicht wahrnehmen konnte und auch feststand, daß sie das Bewußtsein der Beleidigung hatte.
Wegen Beleidigung freigesprochen.
Als die Frau dös_Landwirts Fr. F. zuLangd den Mahnboten aus dem Hause des Schweinehändlers O. R. kommen sah, äußerte sie int Laufe eines Gespräches: die Kuh des R. soll gepfändet worden sein. Ta dies nicht richtig war, klagte R. wegen Beleidigung und^ das Schöffengericht verurteilte Frau F. zu 5 Mark Geldstrafe. In der Berufungsinstanz, scheiterte der Vergleickis- vorschlaa an dein Verhalten des Klägers, der behauptete, die Angeklagte habe ihn durch diese Verleumdung fast um seine Existenz gedruckst. Seine Gläubiger hätten ihn von dieser Zett an gedrängt und er hätte den Kredit verloren. Tie Verhandlung ergab, daß zwar die Lkuh nickst, dagegen aber sonstige Sachen gepfändet worden sind und daß das Verhalten der Gläubiger des Klägers nicht auf die Aeußerungen der Angeklagten zurückzuführen war. Ta sie nichts wesentlich unwahres gesagt hat, wurde sie sreigesprockien und der Kläger mit den Kosten belastet.
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