Nr. 30V Zweites Blatt
Montag 21. Dezember 1908
158. Jahrgang
•nebetm tügllch mtt Ausnahme des Sonntag».
Die ..Gtetzener KamiUendlStter- werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich bctgelcgl, das „Ktdsblatl für den Kreil Liehen" zweimal «öchenlilch. Dre „Landwirt,chafUichen srit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.
SemM-Anzeiger für Oberhessen
RokanonSdruck and D erlag bet Brübl^chev UnwersitälS • Buch- and Stemörudeceu Üt. Lange. Greven.
Redaktion. Ervedmon und Druckerei: Scbul» ftrcibr 7. Eroedinon und Verlag. 6L Redaktion:<L4K 112. Tel.»Adr^AnzeigerGießen.
Scfterreich und der Balkan.
In den österreichischen Landen sind die letzten Tage verhältnismäßig rnhig verlaufen, obgleich manche wichtige Frage noch ihrer Lösung harrt und die Gemüter noch immer tief erregt sind. Vor allem herrscht in Böhmen trotz Aus- hebung des Standrechts in Prag ziemliche Ruhe, wenn-- gleich man nicht wissen kann, ob diese nicht über kurz oder lang durch die Tschechen gestört wird; freilich die bestimmte Aussicht, daß alsdann über die Hauptstadt des Landes der Belagerungszustaüd und das Standrecht zu- sammen verkündet werden würde, dürfte die Gemüter vielleicht doch etwas in Schach halten. Auch eine andere Befürchtung hat sich als unbegründet erwieffen: in slawischen -kreisen hatte man alle Hebel in Bewegung gesetzt, um einen geordneten Gang der Parlamentsmaschine zu verhindern lind vor allem der Regierung das verlangte Budgetproviso- rium zu verweigern, so daß man wohl zu dem ominösen Paragraphen 14 hätte greifen müssen. Die Folgen dieses igesetzlosen Zustandes gerade in einem so kritischen Zu- staNde wie jetzt, wären unübersehbar gewesen; da geschah .über daS Unerwartete, daß die Negierung gerettet wurde, And zwar von einer Seite, von der man es nimmer geglaubt hätte — durch die Sozialdemokraten. Diese erklärten sich, wie gemeldet, bereit, für das Provisorium zu stimmen, vinbeschadet ihrer sonstigen prinzipiell ablehnenden Stel- 'üng gegenüber dem Budget. Gewiß ist das nicht um der Regierung willen geschehen, vielmehr sagte man sich, daß • 63 besser sei, die Durchdringung des Provisoriums zu er- nöglichen und damit das parlamentarische Regime aufrecht ,ju erhalten, als die Regierung nach Belieben schalten zu 'lassen.
Diese Haltung ist überaus bemerkenswert, da sie zeigt, Laß die österreichische Sozialdemokratie geneigt ist, auch praktische Politik zu treiben und sich nicht in bloßer Negation yU verlieren. Ob inan si chwohl in Norddeutschland zu einer derartigen Haltung in der sozialdemokratischen Parteileitung »mfgeschwungen hätte? Es ists bekannt, mit welchem starren «Doktrinismus Herr Bebel und seine Freunde am Prinzip lesthalteu, so daß es deswegen, wie erinnerlich, in Nürn- 2erg fast zu einem Bruche zwischen Nord und Süd gekommen Rväre. Jedenfalls hat die Sozialdemokratie in der Donau- unonarchie dazu beigetragen, dafür zu sorgen, daß das Lteich in einer kritischen Zeit nicht obendrein durch innere Wirren erschüttert werde. Dadurch ist viel gewonnen, zumal Sie Sage nach außen noch keine völlig geklärte ist, wenn sie tzrch auch durch die Verständigung mit Rußland und Aufnahme direkter Verhandlungen mit der Pforte gebessert Haben mag.
Wegen der Annexionsfrage sind noch lange Berhand- üungen zwischen den Kabinetten der Mächte erforderlich vmd es läßt sich nicht voranssehen, ob man allenthalben ssobald bereit sein wird, auf die österreichischen Wünsche mnzugehen, ohne für Serbien und Montenegro Zugeständ- viisfe zu verlangen; namentlich sind außer von Rußland Schwierigkeiten von England zu erwarten, das selten so stark intriguiert hat, wie augenblicklich. Auch ist trotz der Aufnahme der direkten Verhandlungen mit der Türkei in der ?öoyk.ottbewegung noch immer kein Stillstand eingetreten, sie fsloriert zum Schaden des österreichischen Handels nach wie vor. Ein sehr gewichtiges Moment liegt aber noch in der »nnzuholenden Zustimmung des türkischen Parlaments zu Iber Annexion Bosniens und der Herzegowina.
So schnell wie im österreichischen Abgeordnetenhause, Ivo die Slaven wider Erwarten sämtlich für den Dring
lichkeitsantrag hinsichtlich der Erörterung der Annexionsfrage stimmten, wird es im neuen türkischen Parlament schwerlich gehen. Es kann dort leicht zu Zerwürfnissen mit dem Sultan kommen, der ohnehin schon durch sein Verhalten bei der Eröffnung und Eidesleistung lebhafte Mißstimmung hervorgerufen hat. Unter diesen Umständen wird die türkische Regierung kein allzuwilliges Parlament vorfinden, vor allem aber hinsichtlich der Annexionsfrage nicht, in die die Abgeordneten begreiflicherweise nicht so ohne weiteres einwilligen werden. Angesichts dieser Situation werden die leitenden Stellen in Wien nach wie vor aus scharfer Hut sein müssen, und eS wird für sie daher eine bedeutende Erleichterung sein, wenn vorläufig wenigstens int Innern keine Störung zu erwarten ist. Schon in der ersten Sitzung des türiischen Parlaments am Samstag traten bei der Wahl einer logliebrigen Kommission zur Beratung der Antwort aus die Thronrede die ersten scharfen großen Unzufriedenheit über die Thronrede des Sultans Differenzen hervor, da eine Anzahl Abgeordneter ihrer großen Unzufriedenheit über die Thronrede des Sultans unverhohlen Ausdruck verlieh. Die nächste Sitzung der Kammer findet am nächsten Dienstag statt.
AuS dem Auslande trafen anläßlich der Eröffnung des Parlaments über 350 Gratulationsdepefchen ein, die in einer der nächsten Sitzungen verlesen und beantwortet werden sollen.
Ans StaSL lind (and.
Gießen, 21. Dezember 1908.
** Die hessische Landesausstellung in Darmstadt hat nach den jetzt im allgemeinen vorliegenden Rech- nuligsergebnifsen einen Reingewinn von rund 75000 Mark ergeben. Die Gesamteinnahme stellt sich auf 455 000 Ml., die Gesamtausgabe aus 380000 Mk. Neben dem allseitig anerkannten großen äußeren und künstlerisch- technifchen Erfolg, den die Landesausstellung erzielte, ist dieses glänzende pekuniäre Ergebnis um so freudiger zu begrüßen, als die erste Darmstädter Ausstellung 1901 bekanntlich mit einem Defizit von nahezu £00000 Mk. abschloß und sämtliche Garantiezeichner fast mit dem ganzen Betrag zur Deckung des Defizits herangezogen werden mußten. Ter jetzige Ueberschuß dürfte als besonderer A u s st e l - lungsfonds resp. als Grundstock für spätere Darmstädter Ausstellungen festgelegt werden.
Der gestrige goldene Sonntag hat für das Geschäftsieden in unserer Stadt so ziemlich in allen Branchen das gehalten, was man von ihm erwarten konnte. Er brachte al5 der letzte Sonntag vor dem Weihnachtsfeste, begünstigt von vorzüglichem Wetter, einen Gefchäftstag, an dem die Ladeninhaber und ihr Personal zwar nicht überstürzt zu tun bekamen, aber doch lohnende Umsätze zu verzeichnen waren. Die kaufkräftige Kundschaft aus der Provinz war nach Gießen gekommen, um Einkäufe zu machen, Leute, die von vornherein wußten, was sie kaufen wollten, so daß dec Handel sich aügemein recht glatt erledigen ließ. Zwar wurden [eine Niesengeschäsje zum Abschluß gebracht, roie man dies eigentlich vor Weihnachten erwarten müßte, aber der Tag brachte doch volle Raffen und das Urteil der Geschäftsleute lautete befriedigend. Allerdings stnd die Laufleute, die noch vor Weihnachten auf den Absatz von Winterwaren rechnen mußten, bisher wenig befriedigt worden. Ihre Läger sind noch sehr stark gefüllt, und man wünscht in diesen Kreisen nichts sehnlicher, als daß der Winter nun endlich ernstlich einsetzen und Damit ein Bedarf an warmen Kleidungsstücken eintreten möge.
** Ihr 50jührigeü Geschäfts-Jubiläum beging im Laufe des zu Ende gehenden Jahres die Vköbel- fabrik-TH. Brück-Gießen. Wie der uns vorliegende aus Anlaß dieses Zeitabschnittes von dem jetzigen Inhaber Franz Brück herausgegebene Jubiläumskatalog, der in geschmackvoller Weise von der Brühlschen Druckerei hergestellt wurde, erzählt, wurde das Geschäft im Oktober 1859 von Herrn Theodor Brück begründet. Schon vorher, Anfang Juli desselben Jahres hatte sich Herr Brück laut einer Anzeige im damaligen Anzeigeblatt hier als Tapezier und Dekorateur selbständig gemacht. Bon einer Feier wurde aus Rücksicht auf das kaum abgelaufene Trauerjahr für den verstorbenen Begründer der Firma Abstand genommen; dagegen wurde den Arbeitern kleine Andenken an Herrn Theodor Brück und dessen Frau Sofie übergeben. Die Brücksche Möbelfabrik hat sich aus kleinen Anfängen heraus gut entwickelt, so daß sie heute unter der hochentwickelten hessischen Möbel- inbuftrie einen ehrenvollen Rang einnimmt. Ihre Erfolgs auf der hessischen Landes-Ausstellung in Darmstadt sind noch in Erinnerung, und auch schon früher, z. B. auf der Oberhess. Gewerbe-Ausstellung, fand sie die ehrenvollste An- ertennung ihrer Leistungen.
♦* Silbernes Jubiläum. Alorgen werden eS> 25 Jahre, daß die bekannte Adler-Drogerie, Seltersweg 39, hier besteht. Am 22. Dezember 1883 wurde dia von Herrn Otto Schaaf hier als erstes Spezialhaus unter der Firma seines Namens gegründete Drogenhandlung Seltersweg 25 eröffnet. — Das unter den bescheidensten Verhältnissen begonnene Unternehmen entwickelte sich in dem verflossenen Zeitabschnitt zu einem vielseitigen weitverzweigten Geschäft von anerkanntem Ruf.
*♦ Der Gießener Schachklub hatte aus Anlaß seines fünfzigjährigen Jubiläums für gestern^ nachmittag zahlreiche Freunde des edlen Spieles in den „Großherzog von Hessen" geführt. Der bekannte Meister- fpieler Fritz von Alsfeld hatte sich auf Einladung deÄ Schachklubs zu einem Simultanspiel gegen beliebig viele Gegner zur Verfügung gestellt und viele Schachspieler von hier und Umgebung machten freudig von der Gelegenheit Gebrauch, gegen den Meister mitzuspielew Es waren 17 Anmeldungen ergangen, aber noch viel mehr Parteien hätten zustande kommen können, wenn nicht das Spiellokal der Zahl der Anmelbungen nach ausgewählt worden wäre. Immerhin konnte das Simultanspiel mit 20 Parteien durchgeführt werden. Es dauerte nahezu 5 Stunden und boti viel interessantes und auch einige spannende hübsche Endspiele. Nach 12/4 Stunde mußte der erste Gegner des Meisters, der ungemein rasch spielte, die Waffen ftreckew und noch 13 weitere folgten ihm. Herr Fritz gewann also 1-1 Partien und verlor drei, zwei wurden remis (gegert Architekt Ph. Nikolaus und Stud. Weber) und eine (gegen Referendar Klein) patt. Die drei GewinnpartiLn wurden!' von Konditor Jak. Krämer, Rechtsanwalt Dr. Spohr und Lehrer Nanz-Steinbach erzielt. Aicher hiesigen Spielern waren solche aus Alsfeld, Steinbach und Trais- Horloff am Spiel beteiligt. Am Abend fand ein geselliges Zusammensein statt.
** D ie Weihnachtskneipe desTurnvereinS,s die am Samstag abend im Hotelrestaurant Kobel stattsanbll verlief bei zahlreicher Beteiligung in schönster Weise. Gemeinsame und Gesänge des Sängerchors wechselten mit Klaviervorträgen und einer Ansprache des 1. Sprechers, Nach dem Gesang von „Stllle Nacht, heilige Nacht" erfolgtet die gegenseitige Gefchenkuerlosung, die viel Freude und, 'auch öfters Heiterkeit erregte.
’3nnac,:sg^BmCTFMaEgfcTOEcycc«Kx»KMiiiMTii i'i iri«iiihi iiii m i iiiw i
Gietzener Stadttheater.
Goldhärcheu.
Zaudermärchen von Robert H e r t io i g.
Der Samstag-Nachmittag war den Kleinen gewidmet, Sen jungen Menschlein, denen die Bühne noch ein lachendes Otiben ist. Und zahlreich waren sie erschienen, vom selbst- Lewußten Gymnasiasten bis herunter zur vorsichtig täp- pelnden Ktttderstubenprinzessin, die mit großen, wundernden Augen nach dem goldköpfigen Spirrnermädchen sah, daS Sem leibhaftigen Rübezahl begegnete, und reich belohnt limrbe für sein gutes, mitleidiges Herz und feinen unermüdlichen Fleiß. Und die königliche Küche mit ihrem dicken, ängstlichen Koch und den tanzenden Besen unb Tellern unb Tischen unb Bänken — war bas eine Lust. Hunbert Augen Hätte man haben mögen, um alles richtig zu sehen, ben schonen König, ber bie arme Spinnerin zur Frau nimmt, weil sie so schone goldene Fäden spinnen kann, den ungeschickten Küchenjungen, die Heinen hurtigen Zwerge, die i.achts als Heinzelmännchen kommen und die Küche in Ordnung dringen, den habgierigen Spielmann, den Rübezahl rn einen Esel verwandelt, die wandernden Felsen, die Engel Knb all das viele andere noch. Es ist gar nicht zu sagen, Vie schön das war. Unb wie sie jauchzten und fröhlich waren, die Kleinen.... und jubelten unb klatschten, dem »wldhärchen (Jo Hoven), dem Rübezahl (Wlllibald Lölcker), dem Friedel (Paul Kohl mann), dem König Karl V 0 l ü), dem Ratgeber des Königs (Rolf Ziegler), Lpeck, dem Koch (Edgar Pauly), dem Küchenjungen (Lore Locholz) und den anderen allen, die srch fo fleißig daran gteteUigten.
*
Das naturwissenschaftliche Theater ber Erania in Berlin, das seine Besucher hauptsächlick) mit der Schönheit der Natur befannt machen will, gab gestern nachmittag und gestern abend zwei Gastspiele in unserem Theater. Die sehr fesselnden Darbietungen waren Oider nicht so gut besucht, wie sie es öerbient harren, aber die Zuschauer folgten den feinen Bilderreihen mit unver
lich waren, folgten den feinen Dilderreiheu mit unverhohlenem Anteil unb starkem Beifall. In ber Nachmittagsvorstellung schilberte ber Vortragenbe eine Norbland- reife von Christtansund nach dem Norbkap, die burch ganz vorzüglick)e, künstlerisch mtsgemalte Lichtbilder von ausgesuchter Schönheit veranschaulicht wurde, unb alles enthielt, was über Lage, Bodengesialtung, Landschaft, Verkehr, Handel usw. unaufdringlich unb angenehm unterrichtet. Abenbs würbe eine Reife an der Riviera unternommen, die von Cannes über bie lerinischen Inseln, Mentone, Nizza, Monaco, Monte Carlo nach Gernra ging unb ebenfalls prächtige Lebens- unb Naturschilberungen bot Es ist bedauerlich, daß es der Leitung unseres Theaters nicht gelang, die Urania für ein mehrtägiges Gastspiel zu gewinnen, denn obwohl wir hier mit Lichtbilberoerträgen doch ziemlich verwöhnt sind, haben wir nur sehr selten Gelegenheit, sie in solcher Vollendung zu sehen. K. N.
*
Die Statistik im Nonzertsaa!.
Es wird manchen Mnsitkreund wohl ein roeiiig gruseln, wenn er hört, daß die Statistik sich neuerdmqs auch schon mit dem Konzerlsaale beschcöligl. Tie Sache ist aber nicht so schlimin. und wer näher zuschaut, wird der Slansuk im Konzensaale nicht nur ihre Berechriguna zugestehen, sondern mit Erstaunen wahrnehmen. daß die rauhe Wtrttichkeit sich auch im Konzertsaale ganz anders gestaltet, als eS sich mancher gedacht. In einer tm 1. Dezember- beit der .Musitt veröffentlichten vortreplichen statistischen Skizze ,26em gehört der Konzert jaal?" behandelt Ernst C h a l l i e r gen., Gießen, die Statistik im Konzertiaale. Challter nellt <eft, daß im Lauie eines Jahres (1. Avril 1907 bt5 1. April 1908) in 2206 Llonzerien 14 6b9 'liierte auige'ühct wurden. An erster Stelle standen wieder und Duette (4823), dann Orchester- werke (4308), Klamervorträge (1505), Kammermnsikwerke (14>>5), Chorwerke (1238 , Konzertstücke nut Orchester JU43), Orgel (242), Soli ohne Begleitung (106), Melodramen (21). Tte>e trockene Auszahlung läßt nianche inietefiamca Schlüße auf den gegenwärtigen (Äeschmaü des Ptidlikutns zu, und eS wäre lehr zu wünschen, daß eine derartige Statistik auf eine längere Reihe von Jahren hinaus 'ort- gesetp wild, man erhielte bann ein vergleichendes Zahlenmaterial, das iür den Aesthetiker und den Kultnrhistoriker und 'ür jedei: •Jiiijit- ireund ohne Zweiiel von größtem Interesse sein müßte. Auc- roeiteien Zahlenangaben Challiers erfährt man, daß Beethoven mit 1148 Aufführungen noch immer der Liebling des Konzertiaales ist, aut
ihn folgt nut 1146 Aufführungen Brahms; in einem sehr großen Abstande, nut 867 Werken, folgt diesen beiden Schubert. Dann loinmt B.agner mit 736 Aufführungen, Schumann mit 630, Hugo Wolf nut 52V, Mozart mit 524, Bach mit 488, Haydn mit 210, Haendel gar nur mit 146. Von lebenden Komponiiten erreichte Richard Strauß mit 264 Ausführungen die höchste Ziffer, ihm folgt Reger mit 203. Richt mit Unrecht stellt Challter je|t, daß die Frage: ,'l!3em gehört der Konzertfaal?" beantivortet werden müsse: »Ten Toten gehört der Konzci tsaal!" Von lebenden Komponisten wurden nämlich ins- gesamt 3556 Werken aufgeführt, von verstorbenen Komponisten, für deren Werte die Schutzfrift noch nicht abgelaufen ist, 465-1, von verstorbenen Komponisten, deren Werke Gememgut sind, 6256. Ausfallend ist die hohe Zahl der nichtretchsbeutschen Komponisten, die im Berichtsjahre au'genihrt wurden: 46,87 Prozent. Ihrer Rationalität nach sehen sie sich folgendermaßen zusammen: 109 Jtal-ener, 93 Oesterreicher, 84 Franzosen, 35 Russen, 34 Engländer, 32 Belgier, 21 Dänen, 16 Holländer, 11 Norweger, 11 Schweizer, 10 Polen, 7 Amerikaner, 5 Schweden, 4 Spanier, 3 Rumänen, 3 Finländer, 1 Swländer, 1 Malteser. E. A.
— Stille Nacht, heilige Nacht! Die (mnnerimgf an den Geburtätag unb bie Geburtsstätte dieses beliebten geistlichen Volksliedes in Nr. 295 des Gieß. An;, behars, so schreibt ein evangelischer Geistlicher, einer Ergänzung. Wenn der Komponist unb seine Dearbei.mig des Liedes, menn Schule unb ilirche in Lausen als Geburtshaus der Melodie und als Ort der „Erst- ausiührung" genannt werden, so darf auch bet Hilfspriester Joseph Mohr nicht fehlen, vielmehr ist er als ber Dichter des zu Herzm gehenden Lieblein- an erster Stelle zu nennen. Von cinart Fillalgang am Weihnachtsabend über Schueefelber hat Mohr dieses herrliche Weihnachtslied mitgebracht, in dem kutöolif und Protestant mit einem Munde ihre Weihestimmuug aitsnaucheu: uno so oft ich als evangelischer Psarrer des katholischen Priesters löst- liche Worte in ber volkstümlichen Melodie des katholischen Kantors Gruber singe ober aus evangelischem Munde singen höre unb merke, daß bas Herz mitsingt, so erklingt mir darin von ncitemf bie Weihnachtsbotschaft: Friede auf Erben!
— Zum Nachfolger Mar Regers als UnivcrsitätS- musitdirelior in Leipzig ist der am »Dresd. 2st-.z/ angestellte Musik- vefevent Pro>effor Friedrich Brandes gewählt worden. Vrandes trat seine Mige Stellung am 1. Jaliuar 1906 an und ist auch seil langen Jahren Dir.gen! des Dresdener Lehrer-Gesangvereins; vorher war er in Leipzig als Aiustkgelehrter in dec'Redaktion d?z bleper'ichen Konversationslexikons und des Rlemann'jchen -'lusik- lexilons taug. Brandes ist 'gegenwärtig 44 Jahre alu


