sie kam an solcher Stelle ganz anders zur Wirkung, als es bei ihrer Einflechtung in ein gemischtes Programm der Fall sein kann. Beim Hinausgehen hörte ich zwar eine Dame ihre Kritik dahin zusammenfassen, daß sie das alles in Moskau viel schöner gehört habe. Ich kann nicht nachprüfen, ob die musikalische Kultur des Zarenreiches wirklich so sehr viel höher steht, als die deutsche. Soviel aber darf ich sagen, daß für deutsche Verhältnisse dieser Mozartabend eine hervorragende Leistung war.
Mit einem heiteren und einem ernsten Stück hat sich nun auch das Theater wieder eingeführt, und zwar so, daß »ran ihni von Herzen Glück dazu wünschen kann. Von dem Lustspiel des Dänen Esmann, „Vater und Sohn", das am Montag, den 18.ds., in Szene ging, erwartete man schon deshalb etwas Besseres, weil Rudolf Presber cs für die deutsche Bühne bearbeitet hat. Hebet die Situationskomik, wie sie vor allem die Parallele des ersten und letzten Aktes mit sich bringt, muß zwar Charakteristik und Wahrscheinlichkeit oft zurück- treten, und die spielende Art, in der manche schwerwiegende ethische Konflikte beiseite geschafft werden, hinterläßt an einigen Stellen ein Unbehagen, im ganzen aber gehört das Stück immerhin zu ben gehaltvolleren, aus denen man einen inneren Gewinn mitbringt. Ter Gegensatz der natürlich vernünftigen Amerikanerin zu europäischer Scheinheiligkeit oder Schwerfälligkeit hat sein Berechligtes. Die Darstellung war ^durchaus^gut und bot einen ungetrübten künstlerischen Genuß. Fräulein Tony Sylva erntete sogar auf offener Szene Beifall.
Das gleiche Lob gebührt der Ausführung des ernsten Stückes, „Der Dieb", von Henri Bernstein, das am Mittwoch, den * l2U. ds. gegeben wurde. Hier verdienten Herr Goll (Richard üojfin) und Fräulein Toni Sylva (Marie Luise) den lebhaftesten Beifall am Ende des anstrengenden zweiten Alles vollauf. Es ist nichts Kleines, was h-cr der Dichter geschaffen hat: einen ganzen Akt lang nur zwei Personen auf die Bühne zu führen und dabei doch ein 'o Handlungsreiches, spannendes Spiel zwilchen iljncn zu gestalten. Aber auch die Anforderungen an den Schauspieler sind dabei recht groß. Herr Goll blieb bei aller Erregung wahr und glaubhaft, Fräulein Sylva wußte vor allem den Gegensatz zwischen dem Geständnis ihrer wirklichen und der Abwehr ihrer vermeintlichen Schuld bis ins Einzellte überzeugend darzuftelleu. Rach dem erschütternden Ernst des Stückes besriedigt umso mehr der Schluß mit seiner klaren Auflösung des Schuldgewebes. Der Mann, der bisher keine höhere Pflicht seiner Frau gekannt hat als die, chm zu gefallen, erkennt, wie sehr er dadurch ihrer Schuld teilhaftig ist. Und wo er mißtrauisch gegen sie war, ist cs mir seine eigene, lockere Vergangenheit, die chm den Glauben an sein Glück und an die Treue seiner Gattin so schwer gemacht hat.
Der Geburtstag des Zaren, am Dienstag, ein herrlickier warmer Maiabend, nntrbe mit einer Lampionbeleuchtung der Terrasse gefeiert. Ter Donnerstag brachte für den Nachmittag ein Waguerkonzert ün Freien, in das leider die hunm- lischen Pauken hineindonnerten, die sich dem Dirigentenstabe auch eines Meisters wie des Herrn Wunderstein nicht fügen.
Der Abend wird die Reihe der Tanzvergnügungen im Kursaal eröffnen.
Das anregungsreiche Kurleben füllt aber nicht etwa unser ganzes Dasein im Sommer aus. Die Vereine arbeiten weiter, wenn sie auch freilich während der Saison mit.größeren Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Der Spar- und Vorschuß- Verein, der am Samstag, den 16. ds., eine Generalversammlung einberief, um feine unbeschränltc Haftpflicht in eine beschränkte zu verwandeln, erreichte leider mit den 103 erschienenen Mitgliedern nicht die Zahl,^die zur Beschlußfähigkeit erforderlich gewesen wäre. — Am Sonntag nachmittag gab es für unseren vielbeschäftigten Bürgermeister Dr. Kaiser zu tun. In der Turnhalle der Stadtschule begrüßte er zunächst die lungeren Leute, die dort ihre Gesellenbriefe empfingen. Tann erschien er auch in der Generalversammlung des Kceis- ziegenzucht-VereinS, die im Ernst-Ludwig-Garten stattsand. Tas Hauptnnternchmen dieses Vereins ist die an unserem Waldrand wunderschön gelegene Weide, die voriges Jahr eröffnet ivurde, und in diesem Jahr mit 25 Böcken besetzt werden soll. Es ist eine rechte Freude, die hübschen jungen Tiere sich dort so frei tummeln zu sehen, und selbst Erwachsene können oft dir Versuchung nicht widerstehen, ihnen durch den Trahtzaum hindurch ein paar besonders schmackhafte Kräuter zu reichen. Frei- licy kann man da auch studieren, was das Sprichwort Meißen will: einen Bock zum Gärtner machen. Denn in dem Teil des Waldes, in den die Weide mit einbezogen ist, sind Bäumc und Sträucher so hoch, als nur irgend ein hochgcwachsener Ziegen bock langen kann, gründlich kahl gefressen. 18 Gemeinden sind bis jetzt an den Verein angegliedert. Herr Tr. Kaiser meinte, wie vorher dem Handwerk, so wünsche er hier auch der Land- toirtldjaft von Herzen gutes Gedeihen. Die Landwirtschaft sei eine feste Stütze für unsere Stadt, wenn sich die Eriverbsver- hältnisse einmal ändern sollten. Ein schöner Gedanke. Trotzdem fürchte ich, würde cs manchem unserer "Nauheimer Mit- bürger sauer an kommen, wenn er statt aus dem Kurbetriebe wieder im Schweiße seines Angesichtes aus der Ackersurche seinen Erwerb ziehen sollte. Hoffen wir deshalb, daß die Sprudel und heilenden Quellen, die aus dem unerschöpflichen Schoß der Erde zu uns aufsteigen, uns so bald keinen bösen Streich fpielcn mögen. Ter Frauenstimmrechtsverein rüstet sich in einer Mllglieosver- sammlung für die demnächst stattfindende Tagung des hessischen Landesverbandes. Ter Turnverein und der evangelische Jüug- lingsverein Ijabcn eben einen Span miteinander auszumachen. Der letztere hat nämlich für fich auch eine besondere Turnab- teilung gegründet und dem Turnverein in der Presse vorgeworfen, daß er durch Spott, Alkoholgenuß und anderes diese Absplitterung nötig gemacht habe. Erfreulich wirkt sie keinesfalls. Sollten wir nicht lieber doch den himmlischen Richter die Sonderung der Schafe von den Böcken überlassen? Und wenn man die christliche Sittlichkeit so hoch schätzt, sollte man sie nicht dann gerade erft recht unter den anderen Menschen sich betätigen lassen, stall sich von diesen scheu zurückzuziehen.
Dr. Strecker.
Abdul Asis Lude.
Was man seit ca. drei Wochen kommen sah, ist nun eingetroffen. Die Armee des von den Mächten ancv- kännten Sultans von Marokko,. Abdul Asis, die fich endlich von Rabat nach Fez aufgemacht hat, um dort, wo der Prätendent Muley Hasid über einen starken Anhang verfügt, die Kaisergewalt Abdul Asis' zu sichern, ist von dem feindlichen Stamme der Beni Snaffen umzingelt worden. Freilich scheint sich der Sultan Abdul Asis nicht selbst bei der Armee zu befinden, sondern noch in Rabat zu verweilen, aber diese Mahalla bedeutete, nachdem alles von ihm abgefallen, ja, sogar seine Hofbeamten ihn heimlich verlassen hatten, den letzten Rettungsanker für ihn. Seine ganze Artillerie, sein ganzer Vorrat an Waffen und Munition befindet sich bei dieser Armee, sein ganzer von Frankreich gepumpter Goldschatz war ihr anvertraut. Und wenn diese Armee von den dem Gegensultan Muley Hafid ergebenen Beni Snaffen überwältigt wird, wenn sie, nachdem Muley Hafid von der Geistlichkeil als rechtmäßiger Sultan anerkannt und als solcher in Marakesch ausgerufen ist, sich kampflos ergibt oder ihre Truppen zu den Beni Snassen und damit zu Muley Hafid übergehen läßt, so sinkt damit die letzte Hoffnung des Sultan Abdul Asis, jemals selbständig das Erbe seiner Väter, die Herrschaft in Marokko, zu behaupten und das an Muley Hafid, den Sultan des Südens Verlorene wiederzugewinnen. Gleichzeitig aber ist auch — und das erschwert die Situation des Abdul Asis noch bedeutend —< Muley Hafid in Mekinez, das nur 60 Kilometer Don Fez entfernt ist, siegreich eingezogen. Rur noch eine kleine Meile, und er steht vor den Toren von Fez, der historischen Krönungs-' und Huldigungsstadt der Sultane von Marokko, deren Besitz so ausschlaggebend in die Wage fällt, daß hanadj an der allgemeinen Anerkennung Muley Hafids als Sultan von Marokko nicht mehr zu zweifeln ist.
So weicht Abdul Asis Muley Hafid, und es findet wieder einmal ein Thronwechsel in Marokko statt. Tas wäre an sich nichts anstrengendes, wenn sich nicht die Mächte in diesem Falle speziell für die Herrschergewalt Abdul Asis, mit dem sie tu Algeciras das tlebereinkommen über Marokko schlossen, verbürgt hätten, und wenn nicht Frankreich den Sultan Abdul Asis bisher in einer Weise protegiert hätte, die kaum mit den Mmachungen von Algeciras, von denen die inneren Verhältnisse Marokkos unberührt bleiben sollten, vereinbar mar. So erhebt sich die Frage: was soll Frankreich, was sollen die Mächte und speziell D e u t s cy l a n b angesichts dieser Thrvuumwälzung tun, bei der Muley Hafid trotz aller Versprechungen doch nicht die buchmäßigen Garantieen giebt, daß er das Ucber- einkommen von Algeciras aufrecht erhalten kann? Freilich konnte das Abdul Asis aus eigener Machtfülte auch
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__ Änreigenteu: p. Beck.
Die heutige Nummer umfaht 12 Seiten.
Gegen die Reise der Königs von England nach Uutzland.
Jrn englischen Unterhause hat man sich gestern schr eingehend mit der bevorstehenden Reise deS Königs nach Rußland beschäftigt. Grady (Arbeiterpartei' fragte den Premierminister Asquith, ob angesichts der gegenwärtigen Beziehungen zwischen der russischen Regierung und den Mitgliedern der ersten Duma die englische Regierung Schritte imternehmen wolle, damit die geplante Zusammenkunft zwischen »en Herrschern beider Ländern unterbleibe. Premierminister As- iuith erwiderte mll dem Hinweis, daß der König den Besuch noch nicht crloiöert habe, den der Kaiser von Rußland nach seiner rhronbefteigung dem englischen Hofe abgcftatict habe und daß zugleich der König dem russischen Hofe anläßlich seines eigenen Regierungsantrittes den üblichen Besuch schuldig sei, den er den Herrschern und Staatsoberhäuptern aller anderen Staaten Eurovas bereits abgestattet habe. Ueberdies hatten der ftönig und die Königin seit sieben Jahren nicht die Gelegenheit, ihren Neffen mb ihre Nichte zu sehen.
Premierminister Llsquith schloß seine Rede mit der Bemerrung, taß die auswärtigen Beziehungen der beiden Länder durch diesen Besuch nur gewinnen könnten und daß die inneren dadurch in feiner Weise berührt würben. O'Grady erwiderte auf die Rede des Premierministers, indem er zunächst darauf hinwies, daß England feit jeher ui den Augen Europas vls der Hort der repressentativen Institution gegolten habe und indem er sodann dem Minister die Frage vorlegte, ob es ihm letannt sei, daß hundert Mitglieder der ersten Duma und fünfzig Al itg lieber der zweiten Duma, wie genuine Verbrecher behandelt, in Sibirien ober in Gefängnissen schmachten ober ihr gerichtliches Verfahren erwarten, das wachr- shemlich niemals stattfinben werde. Sei es ferner dem Minister bekannt, daß in Rußland noch immer amtliche und nichtamtliche Morde ungesühnt bleiben, daß die Urheber solcher Taten vom Zaren dekoriert worden seien und daß Personen, die man int Verdachte habe, der Regierung unfreundlich gegenüberzustehen, auf geheimnisvolle Weise verschwinden — mitten in ihrem Freundeskreise oder mitten in ihrer Arbeit. (Beifall.) 2er Redner schloß seine Anfrage mit der Aufforderung, daß die Volksvertreter dem Könige nabe legen möchten, den Besuch von Reval seinesoffiziösen undrepressentatioen Charakters zu entkleiden. Premierminister Asquith gab seinem Bedauern darüber Ausdruck, baß in der Form der Fragesilllungen die inneren Angelegenheiten eines fremden Staates zur Sprache gebracht toordeu feien, gleichgültig um welchen Staat c5 sich dabei handele. Er glaube, die Gründe genugsam dar- gllegt zu haben, die allein dieser Reise zugrunde liegen. (Beifall.) Äenn O'Grady ferner gefragt habe, ob dieser Besuch feines repres- rentatiDen Charakters nicht entkleidet werben könne und ob fich b’r Regierung nicht ein Präcedenzfall in der Tatsache biete, daß England feine Verbindung mll Serbien aus Gründen gelöst habe, die im Vergleich mll den jetzigen Vorgängen in Rußland als geringfügig erscheinen müßten, so habe er, schloß der Premier- miniiter, darauf zu erwidern, daß er eine Analogie zwischen diesen triben Fällen nicht zu finden vermöge. Ward (Arbeiterpartei) i tagte an, ob Premierminister Asquith die Gefahren bedacht babe, die dem Staatsoberhaupt aus den gegenwärtig eu Verhältnissen in Rußland erwachsen konnten. Eine Antwort hierauf wurde nicht gegeben., O'Grady Embigte einen Vertagungsantrag an, um die Aufmerksamkeit auf die Haltung der Regierung zu lenken, die den König in der Absicht biftärfe, dem Kaiser von Rußland einen offiziellen Besuch ab- »iftatten. Ter Sprecher ließ jedoch diesen Anttag nicht zu, mit
der Begründung, daß diese Frag: noch vor den Pfingstferien in der Generaldiskussion gestellt werden könne. Nach kurzer Debatte, in der O'Grady erklärte, gegen einen Prftvalbe,uch des Königs beim russischen Kaiser fei nichts einzuwenden, wurde der Gegenstand verlassen.
Tie englische Arbeiterpartei hat inzwischen eine Denkschrift aufgesetzt, worin der Bitte Ausdruck gegeben wird, daß der Besuch des Königs beim ruf fischen Kaiser nicht stattfinden möge. Sobald die Tenkschrisl eine möglichst große Zahl von Unterschriften enthalten wird, soll sie dem Staatssekretär Sir Edward Grady überreicht werden.
Bezeichnend ist auch folgender Vorgang: In Winchester erfolgte durch die Behörden die Entfernung der eisernen Einfriedigung eines russischen Geschützes, das als Siegestrophäe gilt. Tas gab zu ernsten Ruhestörungen Veranlassung, bei denen Fensterscheiben und Straßenlaternen zertrümmert wurden. ES wurde Militär in Bereitschaft gehalten, doch gelang es schließlich dem Bürgermeister, die Ruhe wiederherzustellen durch das Versprechen, das betreffende Gitter wieder aufstellen zn lassen.
England und Frankreich.
Die Engländer haben dem Präsidenten Falliöres einen überaus glanzvollen Empfang bereitet. Und während sie ihn nun als Vertreter des befreundeten Frankreichs auf alle nur erdenkliche Weise feiern, erheben sich in Frankreich selbst nachdenkliche Stimmen, die die Bedeutung dieses Besuchs einer nüchternen Beurteilung unterziehen. Der „Temps" erörtert anläßlicy der im Buckingham-Palast gewechselten Trinkspruche die Beweggründe und Vorteile der „Entente eordiale" und schreibt sodann u. a.:
Der Beistand der französischen Armee in einem europäischen Kriege, in welchen England verwickelt wäre, hätte für die Londoner Regierung einen unschätzbaren Wert. Hätte der Beistand Englands in einem europäischen Kriege, in welchen Frankreich verwickelt wäre, für das letztere einen gleichen Wert? Auf diese Frage, die ernsteste, welche sich ein iranzosischer Staatsmann stellen kann, muß mit aller Aufrichtigkeit geantwortet werden.
In der gegenwärtigen Lage ist die diplomatische Unterstützung Englands für Frankreich vor einem Kriege außerordentlich nützlich, aber sobald der Krieg einmal begonnen märe, würde diese Unterstützung Frankreich nur wenig helfen. Tie Seesiege Englands würden von der französischen Grenze nicht eine einzige Kanone und nicht einen einzigen Mann fern halten. England würde Frankreich in keinem Maße die Dienste leisten, welche gegenwärtig die russische Armee Frankreich allein leisten kann. Mit einem Morte, eine französisch-englische Allianz würde für Frankreich in militärischer Hinsicht nur äußerst geringfügigen Nutzen haben. Es wäre im Gegenteil ganz anders, wenn die englische Armee nicht nur in ihrer rOganisation, sondern auch in ihrer Rekrutierung gründlich umgesaltet. und eines tatkräftigen Krieges auf dem Fcstlande fähig wäre, wenn sie in der Lage wäre, zu landen, auf eine Macht eine Ablenkung auszuüben und so die Macht des Anpralles zu vermindern, welche die französische Armee auszuhalten hätte. Mit einem Wort, wenn England für Frankreich ein zweites Rußland würde.
An dem Tage, an dein die englische Regierung sich entschließen würde, anstatt des unzulänglichen Haldancschen Planes ihr Land mit der zeitgemäßen Armee auszustrllen, an dem Tage würden alle klar blickenden Franzosen einstimmig Anhänger eurer französisch-englischen Allianz sein müssen, weiche das im Jahre 1891 durch das sranzosisch-russische Bündnis besiegelte System der friedlichen Verteidigung vervollständigen und erweitern würde. Unter dieser Beoingung würde die „engere Verknüpfung" der Bande, welche Frankreich mit England vereinigen, in gleicher Weise für die Engländer und die Franzosen nützlich sein. Unter diesem Vorbehalt, sagt das Blatt, schließen wir uns den gestern ausgedrückten Wünschen gerne an.
Tie „Voss. Ztg." hört übrigens von gewöhnlich gut unterrichteter Seite, daß wüihrend der Anwesenhell des Präsidenten Falliövcs in London Unterhandlungen über den Abschluß eines auf 30 bis 50 Jahre berechneten Handelsvertrages zwischen Frankreich und England geführt würden. Tie Vorverhandlungen ieien bereits früher zwischen Clemcn- ceau und Toumergues und Asquith gepflogen worden, daß die Schutzzollbewegung in England zum Siege gelangen sollte.
Bad-Nauheimer Brief.
VI.
In bunter Abwechslung hat das beginnende Kurleben nun s hon wieder alle seine Reize entfaltet, Heiteres und Ernstes, kichte Ware und echte küilstlevuche Werte geboten. Unter den Militärkapellen erregte eine ausländische, englische, die am Freitag den 15. auf der Terrasse konzertiert, besonderes Aufsehen, weniger durch ihre, wenn auch ganz tüchtigen Leistungen, »s durch ihre äußerliche Erscheinung. Es luar die Kapelle des Lusarenregimeills 9korthumberland aus Newkaftke-on-Tyne. Die Mllroten, mit Schnüren beladenen Röcke und die fleuien, aufs linke Ohr geschobenen Mppies wirkten nicht sondcrlick) mili- i risch, noch weniger aber der Gehrock-ähnliche, mit -r,rom)eln te:bangene schwarze Waffenrock des Dirigenten. An Exakthcll
l eß die Kapelle nichts zu wünschen übrig, das Ueberioicgcn b»r Holzinstrumente aber gab ihr' einen von unseren Mllllar- l'tpellen ab stechenden, weicheren Ton.
Zur leichteren Kvst gehrte auch die Zaubervorstellung der Seschwistev Jean und Olga von d-e Kastell am Samstag, 16. Mai. 'Int lehrreichsten waren dabei wohl die Kunststücke, die nachher nflärt wurden, während die, als „wissenschaftlich" angcEün tag teil ,-piritistischen" Experimente durch das Ausbleiben einer solchen Erklärung unbefriedigt ließen. Könnte es nicht eine Jitfiton Mer er modernen Zauberkünstler sein, durch Darstellimg und Er- fUirung wirklicher, von den ©piritöten mißbrauchter Exp^rMente, dm heillosen Aberglauben entgegenzuwirken? Die ^-reude, nch uwas „vermachen zu lassen", was man ftch nicht erklären locnn, ist schließlich doch recht gering, und w ist es wohl be- Neiflich, daß manchem der Besucher am Schluß des Abends üll Wort der Enttäuschung über die Lippen kam.
Die Ktirkapelle bot am letzten Sonntag einen Mo z ar,- Abend. Eine solche Programmzusammenstellung, die nur die Werke eines Künstlers bringt, bietet stets einen beionbercn Bnuß durch das deutliche Hervortreten der persönlichen Ergen- °Ä des Komponisten und gestattet ein ganz anderes, tieferes fedjeinfüblcn. Gegenüber den sonstigen, buntgemifdüen Kvn- jeckprogramms ist der Unterschied ein ähnlich wohltuender, roic dcr zwischen dem Besuch einer Blldergallerie mit i^em ermüdenden Vielerlei, und einer, aus den Werken desselben Leisters zusammen gefügten Ausstellung. Es war, als ob das fcfc von Stück zu Stück empfänglicher, der Sinn verstaiidnllr- dÄler wurde für die melobiöfen Feinhellen, für die zarten «ab innigen Empfindungen des großen Meistes. 5fr i>em kRzert für Violine und Viola hernckst zwar das wniW M seiner kühleren Wirkung vor, umso warmer sprach dafür dLs „Andante" aus dem Konzert sur Flöie und Harle an. &nn es schon an und für sich ein betonterer Genuß ist, ein- !M einzelne Instrumente vor den übrigen he raus gehoben für h h allem genießen zu können, so iwch mehr, wenn sie für die Mimnite Eigenam eines zU)mpvni>teu w eigens entiprechende Ubruddniittcl sind, wie Flö.le und Harfe s.ur All)zurt. Mit iwi Ouvertüre zur „Zauberflöte schloß der .Ubenb ab. Auch


