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26.2.1908 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

Mittwoch 38. Februar 1908

158. Jahrgang

u. Land" und(Send)ts-

BezngSpretSr monatlich 75 Pf., viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- il Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Dtk.2. viertel- jährl. ausschl. Bestell^ Zeilenpreis: lokal IbPf^ auswärts 20 Pfennig.

Verantwortlich für den politischen Teil: E. Anderson; f. Feuille­ton und .Vermischtes* P. Wittko; für ^Stadt

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iüx die Tagesnummer und Verlag der vrührschen Univ.-Vuch- und SteindruSerer. R. Lange. Redattiou, Expedition und vruSerek: §chu!straste 7. &aI"; ®- für den

bis vorminags iu uyc. ar * 1 u Auzeigenteil: H. Beck.

ietzei rrAnzei

General-Anzeiger für Oberhesse

Nr. 48

Der LteLerrer Anzeia« «scheint täglich, au her Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich öießenerLamklirnblätter; iwciinal wöchentl.Nrcir« blatt für den Kreis Stegen (Dienstag und Freitag); iweimal monatl Land- vtrttchaftlicheSeltiragea ^ernspreck'Anschlüfle: sür die Redaktion 113, Verlag u. L^pedition 51 vdresse für Depesche« «ozetger Aicßen.

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

schob man tuten Feiertag ein:

wo- des zur be- Ec-

>mch die Novelle lediglich die einheitliche Durchführung . rbeiterschutzes. regeln soll, daß aber die Zugehörigkeit Organisation des Handwerks hierdurch in keiner Weise

F ' : Erst: am DomrerÄag geht ixe Etat

debatte weiter. Herr v. Moltke hat Kr (ein Ressort zu fechte^

Lan-wertr- Md Sewerbekammertag und dir Neichr- tagsvsrlagen.

In München hat jüngst der geschäftsführende A u s - i'chuß deS deutschen Handwerks- und Gewerbe- Kammer tag eS zu den verschiedenen gesetzgeberischen Arbeiten Stellung genommen, die den Reichstag beschäftigen. Ec trat a. für eine möglichst baldige Reform des Zivil st raf- prozeßverfahrenS ein. Der einstweiligen Reform des .Zmtsgerichtlichen Verfahrens, wie sie in der z. Zt. dem Reichs- Uge vorliegenden Novelle angestrebt wird, hat der Ausschuß M Handwerks- und GewerbekammertagS zugestimmt. Er wünscht allerdings eine Zuständigkeitsgrenze von 500 M., Hicht 600 wie sie die Novelle vorschlägt. Der Ausschluß der Lemfungsmöglichkeit bei Streitgegenständen unter 50 Mk. mid i»ie Verteuerung deS Verfahrens finden jedoch nicht seine Billigung. Er tritt endlich dafür ein, daß die verschiedenen tinien Vorschriften, soweit sie zur Erleichterung und Be- chleunigung deS amtsgerichtlichen Verfahrens geeignet er­scheinen, soweit als möglich auch auf das landgerichtliche Verfahren ausgedehnt werden sollen. Auch machte er Vor­schläge zur weiteren Verbilligung und Beschleunigung des Prozeßverfahrens.

Die Börsengesetznovelle findet im Allgemeinen tie Zustimmung des Ausschusses. Mit Rücksicht, auf die Lchwierigkeiten der Unterscheidung zwischen Fabrik und Hand­werk hält er jedoch die Aufnahme des Begriffs .Handwerker" in die §§ 50 und 54 der Novelle für bedenklich, weil bisher ine einwandfreie Definition des Begriffes fehlt, und infolge­dessen neue Schwierigkeiten und Streitigkeiten von einer Auf­nahme des Begriffes befürchtet werden. Der Ausschuß beschloß, in einer Resolution dafür einzutreten, daß von der Aufnahme dcs Handwerksbegriffs in die Novelle Abstand genommen unb die Eintragung ins Handelsregister als ausreichend für ^as Vorhandensein der Eigenschaft als Vollkaufmann im Sinne uec Novelle angesehen wird.

Bezüglich des Scheckgesetzes will der Ausschuß durch ' ine beschleunigte Eingabe an den Reichstag den Wunsch des liammertages zur Kenntnis bringen, daß die im § 11 des 2checkgesetzentwurfs bemessene Frist zur Zahlung des Schecks oon 10 Tagen auf 14 Tage erhöht und daß die Sollvor- schrift des § 2 betr. die passive Scheckfähigkeit zu einer Muß- o.rjchrist nmgewandelt wird. Den Handiverks- und Gewerbe- stnmnem soll eine lebhafte Agitation für den Scheckverkehr i n Hcmdwerkerkreisen empfohlen werden.

lieber die Errichtung von Arb eitskämmern und be Regelung der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe und die Aekämpsung des unlauteren Wettberverbs kam man noch zur Beschlußfassung.

Zu der Gewerbeordnungsn ovelle beschloß der Ausschuß eine Resolution, worin er feinem Bedauern Ausdruck 9>bt, daß die Handwerks- und Gewerbekammern zu dieser -Novelle nicht rechtzeitig gutachtlich gehört ivorden seren, ob» inohl diese Gelverbeordnungsnovelle mit der Ltusdehnung der Nvbeiterschutzbestimmungen die Produktionsbcdingungen gerade dos Handwerks erheblich beeinflussen würde. Die Resolution

SiiMHitgsbilö aus dem prech. AdAeorSntteirtzaur.

Berlin, 25. Februar.

Um vier Uhr durfte Herr Holle in dein freundlichen Be- wußtscin, den Kultusetat in der Lasche zu haben, feine Akten xusarmnenpacken. Äkri Gegcnsllinde waren es, die die Debatte vornehmlich beherrschten: Die Einheitsschule, die Ein­heit s sten o g ra p hie und die Reform unseres höheren Schulwesens. Vvn freisinniger Seite lag wieder der schon ost gestellte Antrag Vor, die Lehrpllne der Volksschulen und der Unter-Klassen der höheren Lehransll'llcnc in eine organisä/e Ver­bindung M bringen, also die Einheitsschule im Prinzip zu be- ZvünLcn. Tie Konsequenz davon war die weitere freisinnige For­derung, die Vorschußn abzuschassen. Mit dem Antragsteller Ernst in Caifel waren die Redner der übrigen Partüen in der prinzipiellen Zustimlnung zu den: Grundgedanken des Antrags einig, nur hatten sie praktische Bedenl-en gegen seine sofortige Ausfrchrung. T-enseibcn Standpunkt vertrat die Regierung, und so einigte man sich schließ- llcharut einen natlvnalliberalenK'ompromibantrag: TUS Haus r.mchte die Beschlüsse, die bie UnlerrichtsLommffsion im vorigen Jahre zu demselben Antrag gefaßt hatte,, zu den {einigen: Cs trug der Regierung auf, über die Möglichkeit einer Verwirk- licl/img des Antrags naaMldenken; nur ton der Aufhebung der Vorschule wollte er trotz einer über zeugenden Iieoe des Ratio nal- liberalen Bericht gegen diesen Notbehelf, dieses Schulzwitterding, nichts wissen. Tann kam dre Stenographie an die Reihe, und es war erfreillich, das Interesse zu beobachten, das man der wichtigen Kultur- und Wirtfchaftsfrage des obligatorischen Schul- unterrichts in einem einheitlichen deutschen Kurzschriftsyfdem in parlamentarischen und Regierungstreisen entgegen bringt. Na­mentlich der 'Nationalliberale Fritfch nmßt die Bedeutung der Frage ins rechte Licht zu stellen, und die Hoffnung scheint nicht allzu sanguinisch, daß wir binnen kurzer Frist nun endlich doch zu einer deutschen Einheüsstenograplste ümmen, die dem unfrucht­baren Kantips der Systeme ein Ziel setzt. Tie Debatte über die höheren Schulen brachte nichts rvefwilich Neues: Tie oft gelcilteten, mehr öder minder begriuibeien Klagen über die lleberbürdung der Schüler, die Bevorzugung dcs Lateinischem gegenüber den viel wichtigeren neueren Sprachen, dw materwtte und sozcalL Zurücksetzung der böseren Lehrer wurden laut. Unb es verpchl sich am Rande, daß auch die leider immer noch notwendige Tc- batte über ^dfen Gymnasialunterricht für Mädti)en und über die Kvedukation nicht fehlte. Aber Herr Holle war kaum entgegen- knumcidxr als Herr v. Studt, und so w>rd man. wohl auch noch im naä-sten Jahre Grund haben, die gleict-en Beschwerden vvrzu- bringen. Kaum war die Schuldebatte beendet, da räumte das Haus ein Äutomobillampf mitTdem Rest dcs Etats auf: Schlag vier Uhr war der Kull usha ns halt von Ä bis Z genel/migt. Und da morgen ich Unterhause die Entschv'dunß über die Polenvorlage fallen soll.

! aflußt werden soll. Endlich stellt die Resolution das suchen, daß unter Berücksichtigung der besonderen Verhältnisse Ks Handwerks von vornherein im Reichstag bestimmte Grund- festgestellt werden möchten, nach denen für das Hand- '~ert Ausnahmen gemacht oder bestimmte Vorschriften für enzelne Handwerkszwcige ausgedehnt werden sollen. Vor drr Anwendung dieser Vorschriften sollen die Handwerks- und ^ewerbekammern gutachtlich gehört werden.

Zum Reichsvereinsgesetz wurde beschlosien, in cnec Eingabe beim Reichstag darum nachzusuchen, daß I ^endliche Personen unter 18 Jahren von der Teilnahme an politischen Vereinen ausgeschlossen würden.

Zur Klärung der Frage der Lehrlingshaltung ^urch unselbständige Handwerker wurde beschlossen, eine besondere Erhebung die Erfahrungen der einzelnen Ammern und die Verhältnisse in den einzelnen Kammer- hirfen festzustellen.

taucht ferner um Aufnahme einer authentischen und klaren Lestunmung in den endgiltigen Wortlaut des Gesetzes,

Zu der Frage des Eigent ums Vorbehalts an Maschinen soll dem preußischen Minister für Handel und bewerbe ein eingehender Bericht erstattet werden, worin die ^iellungnahme der Handwerks- und Gewerbekammern gekenn- Mchnet werden soll. Der Aiisschuß beschloß, prinzipiell im llüercsse des Handwerks für die rechtliche Zulassung des ^gentumsvorbehalts sich zu erklären.

Die Bestrebungen auf Festlegung deS Osterfestes scllen durch eine besondere Eingabe unterstützt iverden.

Zur Bck ämpfung des Borgunwesens im Hand- >2.ck beschloß der Ausschuß, gemeinsame Diaßregeln vorzu- bLceÜen und diese Frage auf dem nächsten Kammertag in Beslan zur Beratung zu bringen.

_ Die weiteren Verhandlungen betrafen endlich die Er­richtung v o n I n n u n gs ch i e d s g e r i ch t e n u.Jnnungs- kiankcn kassen, die Bestellung von Handwerkern als K ankursv erwal ter und die Regeliing der Berb ands- P Spiere.

§üNMU»grdri- mr; drm Reichstage.

Berlin, 25. Februar.

Es erregte einiges Auffehen, als Beginn der heutigen ReichS- togssitzung, auf deren Tagesordnung nach kurzer Verabschiedung des S ch e ck g e sc tze s die Fortsetzung der Justizdebatte stand, der neue Cl)ef Reichsschatzamts Tr. S Ydow im Reichstage erschien und sofort beim Presidenten das Wort erbat. Er wollte die ersre Gelegenheit wahrnehmen, um sich dem Hause vorzustellen und zugleich um Nachsicht zu bitten, wenn min ihn in der nächsten Zeit bei der Beantwortung von F-ragen, die sein Ressort angehen, nicht auf seinem Platze finden würde. Er brauche eitzt seine Zeit, um sich in sein neues Amt einzuarbeiten; seingeschlitzter Kollege", der neben ihm sitzende llntorstaatssokretar Twele, würde ihn vvrziiglich vertteten.

Ter heutige fünfte Tag der Aussprache über die Fragen der Rechtspflege brachte zunächst eine Anfrage des Vorsitzenden des deutsch-nationalen Handlungsgehrlfeuverbandes Schack, über die Ko n ku r r e n z l'l a us e l, die eine Erklärung des Staats­sekretärs Tr. Nieder ding auslöste, wonach die nach Abschlltß der Erhebungen zu erwartende Vorlage die weiter- gebenben Ansprüche auf völlige Beseitigung der Konkurrenzklausel nicht beliebigen tvvhl aber eine Milderung im Sinne der Angestellten bringen wird. Exzellenz v. L ie b e r t begründete seinen Deportationsantrag, der, wie mnn weiß, ziemlich all- gemeine Ablehnung bei den Parteien findet. Wie schon in der Budgetkommission Herr Dornburg bei der Beratung des Kvlonial- etals, so brachte t-cacte sein Kollege Nieberding den ablehnenden Standpunkt auch der Negierung zum Ausdruck. Auf eine pol­nische Klage des Abg. v. Chrzanowski nahm dann Herr Ro eren das Wirt zu einer Erwiderung auf die neuliche Kultur- kampfr.de des Dr. Aiüller-Mciningen. Wie neulich Herr Roeren, so war heute fein Gegner nicht aus dem Platze. Herr Roeren ver­besserte seine Pvsitwn erheblich, ürdem er darauf verzichtete, seinen alten Ruf nach einer neuen lcx Heinze zu erheben und sich daraus beschränkte, gegen die von allen Seiten anerkannte Verseuchung des Voll.Äu red besonders der Heranwachsenden Jugend mit pornogra­phischer Literatur unb Afterkunst die richtige Anwendung der schon jetzt besteheirden Strasvestiminungen zu fordern.

Er hatte beim «uaj, die Genugtuung, daß Tr. Mugdan seine Frage, ob er solche Sachen w ie d-e auf dem Tisch des Hauses aus­gelegten in die Hünoe seiner Kinder gelangen lassen wolle, mit einem vernehmlichcu Nein beantwortete: urem der Nationalliberale Tr. Jun ii fügte bann hinzu, er würde in einem solchen Falle zu einem gegen das Strafgesetz verstoßenden Akt der Selbsthilfe greifen. Auch der nationalliberaie Redner hält übrigens in voller llebereiustimmung mit svüheren*Erklärungen seiner Parteigenossen, und unter dem Beifall des gesamten Hauses bis zur äußersten Linken, es für notwendig, daß d^c Staut gegenüber der sittlichen Vergiftung der Jugend von den ihm in ausreichendem Maße zur Versügmtg stehenden Mitteln kräftigen Gebrauch mache. Tie emgeixitix Begründung seiner Resolution über die Schaffung eines Tar isvert r a gsrechtes, bei der auch er sich freilich gegen jeben Zwang eriuirie, veranlaßte Ausührungen des Staatsiek- retärs, bmen man entnehmen konnte, daß auch die, Reichsregierung mit dieser schw-ierigen Frage moderner geiverisrhaftlicher Entwicke- Limg ernst beschallet ist. Eine Polemik zwisct-eu dem sozialdemo­kratischen Abg. Herne und Herrn N i e b e r ö i n g betraf Unter­lassungssünden der Staatsanwaltschaft in einem Falte, wo es sich um die Wahrung des öffentlichen Interesses an ixr Persönlich kett eines Reichstagsabgeordneten handelte. Herr Heckschcr erörterte in kurzen gegen die sozialdemokratische Darstel­lmr g gcricksteten Worten die Stellungnahme des Gericht gegen d.e Hamburger Schauerleute, und ehe man Herrn Nieberding sein Gehalt bewillrgte, mußte tr den Fall Stadthagen noch einmal über sick) ergehen lassen, den Herr füreti; sich verpflichtet gefühlt hatte, noch einmal anzuschneiden. Tas Labhvlnty der Abstim­mungen iüber «Vas anderthalb Dutzend Nesolutchnen verschaffte dem Publikum auf den Tribünen zum Schluß noch das seltene Schauspiel eines Hammelsprungs.

aus Heffess.

R. B. Darmstadt, 25. Z-evr. Der F i u a u z u u s s ch u ß der Zweiten Kammer setzte heute in Gegenwart des l>Ri- nisters Dr. Braun und des Ministerialrats Dr. Best die Beratung über den Gesetzentwurf betr. die Fürsorgekasse für die Beamten der Landgemeinden und weiteren Korn- munalverbäude fort. In der Debatte wurde besonders beklagt, daß bei Begründung der Kasse die, die setzt der Neichs-Jnva- lidenversickeruug angehören, und vielleickst schon seit öielen Jahren Beiträge dafür bezahlt haben, dieser Beittage und aller Rechte an der Invalidenversicherung verlustig gehen uNirben, während sie bei der Fürsorge lasse erft nach einer zehnjährigen Karren .^.'it imeber versicherungsberechtigt werden roürbeu. Nach den An­gaben des Regierungsvertteters handelt es sich um ca. 90 000 Mark eingezahlte Versicherungsbeiträge. Der Ausschuß ist einmütig der Ansicht, daß hier jedenfalls ein Weg gefunden werden müsse, der verhindert, daß diese 90 000 Mk. verloren werden. (Nach uuserm Dafürhalten dürfte der einfachste Auslveg aus diese-.: Dillemma der sein, daß man die jetzigen Angehörigen der Inva­lidenversicherung ruhig weiter in ihr läßt und die Fürsorgelasie die Beiträge für sie zahlt, die Versicherten aber die vollen Bei­träge an die Fürsorgekasse abführen. Die jetzt Versicherten würden dann im Jnvaliditätsfalle ihre Rente an& der Jnvaliditätskasso erhalten und die Fürsorgelasse hätte nur die Verpflichtung, dem Versicherten die Differenz zwisck>en der Rente der Jnvalioiläls» und der Fürsorgekasse auszuzahlen. D. Stet) Eine Längere Debatte fand auch über den in der Vorlage bekanntlich ans 40 000 Mk. festgesetzten Staatszuschuß statt, icäbreub anderseits die Höhe der Mitgliederbeitrüge bentängelt wurde. Man rechnete aus, daß bei einem Jahrcsgehalt von 900 Ml. nicht weniger als 117 Mk. im ersten Jahr an die Kasse zu entrichten sein mürben, nämlich 10 Proz. 90 Mk. als Eintrittsgeld und 3 Proz. == 27 Mk., als Jahresbeitrag. Der Ausschuß hofft, über diese einstweiligen Difserenzpunlte mit der Regierung eine Verständi­gung zu erzielen und auch die Regierungsvertteter versprachen, ihr Möglichstes zu tun, um das Gesetz recht bald zur Verabschiedung zu bringen.

Der öierte Ausschuß der Zweiten Kammer beschäftigte sich heute in Anwesenheit des Staatsministers Ewald mit der Vorstellung der Mitglieder der Großh. Hofkapelle zu Darmstadt, um Erhöhung ihrer Gehalte. Die Großh. Kabinetts-Vertoaltung hatte die Gehaltserhöhung mit der Moti­vierung abgelehnt, daß die Aufwendung für die Hoskapelle schon jetzt Über den dafür vorgesehenen Bettag weit hinausgehe, und die Zioilliste eine weitere Belastung nach der Seite hin nickst er­tragen^ könne. Gegen den von der Hoflapelle ausgesprochenes Wunsch, eine Erhöhung der Ziollliste zu beantragen, wendet sich die Kabinetts-Verwaltung mit der Motivierung, daß dann mit demselben Recht auch andere Hofbeamte und Bedienstete eine Ge­haltserhöhung beanspruchen könnten. Im Einvernehmen mit der Regierung war der Ausschuß der Ansicht, daß von einer Erhöhung der Zivilliste mit Rücksicht auf die gegenwärtige Finanzlage zurzeit abgesehen werden müsse. Der Ausschuß war der Ansicht, daß die Stadt Darmstadt in erster Linie verpflichtet sei, einen größeren Zuschuß zu leisten, da das Darmstädter Hofthealer unb seine Kapelle doch fast ausschließlich der Stadt ziigute tarne. Es wurde darauf hingewiesen, daß beispw. Mainz für sein Orchester gegenwärtig schon rund 112 000 Mk. jährlich aufwende, eine Summe, die sich demnächst durch Gehaltserhöhungen noch be­deutend steigern würde. Ebenso wenden andere Städte bebeuUnbc Summen für Musik und Theater auf, während die Stadt Sann- stadt nur einen Bettag von jährlich 20 000 Mk. als 3u* schuß zur Besoldung der Musik und des Theaterpersouals bezahlt. Der Ausschuß ersucht die Regierung, sich mit der Stadt Darmstadt in Verbindung zu setzen, um die so sehr notwendige Gehaltsi erhöhnng der Theaterbediensteten und der Hofmusik in die Wege zu leiten.

Aus Stadt und Lau-.

Gießen, 26. Febr. 1908.

Bolkskonzert (Eichendorff-Acrer).

Das Volkskonzert in der Turnhalle am Oswaldsgarten am Sonntag btad)te im großen und ganzen eine Wiederholung der Eichendorff-Feier, die am 8. Dezember v. Is. in der neuen Aula der Universität stattfaud. Uns dünkt aber, als ob es sich noch um einen Grad über jene erhoben hätte. Abgesehen davon, daß das Programm eine kleine Erweiterung erfahren- ' hatte was ja an sich noch keinen Fortschrttt bedeuten würde< schienen uns die Leistungen des Chors und der Solisten, div wir schon bei der Eichendorff-Feier selbst gehört babeity noch besser zu fein als damals. Fräulein Annie Müller indbeionbcrd hat uns diesmal noch mehr gefallen als bei dem Wohltätigkeit konzert. Ob sie sich sicherer fühlte, oder ob die Akustik der Turnhalle ihre Stimme mehr zicr Geltung kommen ließ, auf jeden Fall fesselte ihr glockenheller, reiner Sopran und vor allem ihr wundervolles Pianissimo die Hörer in höchstem Maße, unb riß sie zu lebhaftem Beifall hin. Daß sie statt derMond­nacht" ein Lied von PsitznerSonst" eingestellt halle, geschah offenbar in der Absicht, auch einem modernen Komponisten Raum zu geben. Heber die Leistungen des Hernt Adolf Müller, des schon oft und immer mieber gern gehörten Mei^ sters, noch anerkennende Worte zu verlieren, hieße Eulen nach Athen tragen; wir wollen nur hervorheben, daß uns seineFrüli- lingsfahrt" diesmal noch besser gefiel als am 8. D^ember, da er uns mehr Temperament hineinzulegen schien als damals. Emen ganz ausgezeichneten Geiger lernten wir in Herrn Gustav Simon aus Mainz kennen. Es tuar ein hoher künstlerischer Genuß, seine mit gÜnzender Technik und feinem musii llstchest Empfinden gespielleu Soli zu hören (die sehr schwierige c - meu> Phantasie von Hubay, Andante aus dem Violinkonzert E^-T-'r von Mozart, Ungarische Rhapsodie von Hauser). Wie manchem Zuhörer mag es ähnlich gegangen sein wie jenem alten Juval.den un Wiener Prater, dem Boucher die Geige aus der zitternden Hand icahm, um für den Armen das Milleid der SSorübereÜeitben zu wecken, und der dann seine alte Geige ganz neugierig betrachtete- ob sie es auch tvirklich sei, der so wundervolle Töne enthuollen. Wir hoffen, Herrn Simon noch nicht zum letzten Male in Gießen gehört zu haben. Die oft recht ickpvierige Begleitung dec i2>oli führte Herr Julius Hahn in feinsühliger unb teck-nisch sorgfältigster Weise aus. Von seinem künstlerischen Verfllinbnis unb meisterhafter Fertig kett auf beut Flügel zeugten auch seine Soli, durch die er ebenfalls großen und »vohlverdienten Beifall erntete. Der Chor unter Leitung des Lehrers Ludwig Becker leistete ganz Vorzügliches, was um so größere Anerkennung ver-< dient, als er sich aus Mitgliedern von fünf Vereinen zusauunent­setzte (Concordia, Harmonie, Heiterkeit, Lieberkranz, Lehrersänger­chor). Namentlich bie beiden VolksliederWer hat dich, du schöner Wald" undIn einem kühlen Grunde" riefen den lebhaftesten Beifall wach. Zugaben, die stürmisch verlangt tpurben, konnten! leider nicht gegeben werden, da die Zeit die auswärtigen Solisten

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