Ausgabe 
25.11.1908 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

tatt der Inschrift:Für treue Dienste": dem Steiierauffetzer Dich. Fischer zu Gießen: den Charakter alsGeheimcrat": dem Ministerialrat im Ministerttirn der Finanzen u. Bors, seiner Ab­teilung für Steuerwesen Dr. Johannes Becker: den Charakter alsGeheimer Oberfinanzrat": dem Vortragenden Rat bei der Abteilung für Finanzwirtschaft und Eisenbahnwesen des Mini­steriums der Finanzen, Oberfinanzrat Heinrich Schäfer; den Charakter alsGeheimer Forstrat": dem Oberförster der Ober­försterei Bedungen, Oberforstmeister Karl Heinemann zu Darmstadt, dem Oberförster der Oberförsterei Eberstadt, Ober­forstmeister Karl Joseph; den Charatter alsForstrat": dem Rechnungsrat i. P. Dr. Georg Roth zu Laubach: den Charakter alsRendant": dem Bezirks kassier oer Bezirks lasse Gießen. I Adolf Hansult.

Die Italienischen Gewalttätigkeiten in der wiener Universität.

Die vorgestrigen Vorgänge in der Wiener Universität sind selbst für österreichische Verhältnisse ungeheuerlich. Bisher war man es eigentlich nur von den Tschechen ge­wohnt, daß sie in rohester Weise auf die Deutschen losschlu­gen, aber jetzt haben die italienischen Studenten Wiens ihre tschechischen Kommilitonen weit in den Schatten gestellt. (Sin authentischer Bericht über die Vorfälle an der Universität stellt fest, daß in der Aula 33 Personen verletzt worden sind, davon sechs durch Revolverschüsse, und zwar einer leicht; die anderen fünf Verletzungen sind dem Grade nach unbe­stimmbar. Im ganzen sind 27 Personen festgenommen wor­den, darunter fünf von der Staatsanwaltschaft wegen des dringenden Verdachts schwerer körperlicher Beschädigung. Vier von ihnen sind beschuldigt, Revolverschüsse abgegeben zu haben. Einer soll mit einem eisernen Stock zugeschlagen Laben, zwei wurden wegen Uebertretung und Beleidigung oer Wache bezw. wegen Raufhändels dem Gericht angezeigt. Die übrigen werden wegen Vergehens gegen die Polizei zur Verantwortung gezogen. In seiner gestrigen Kund­machung erklärte der Rektor der Wiener Universität: Was einzelne italienische Studenten, die tödliche Waffen führten, unter dem Titel Kulwr-Forderungen zu vertreten unter­nahmen, waren Verbrechen, die auf keine Entschuldigung, keine mildere Auffassung Anspruch erheben dürfen. Ich bringe den Urhebern dieser Gewalttätigkeiten meine tiefste Empörung -yum Ausdruck und werde gegen sie mit den schwersten disziplinarischen Mitteln vorgehen. Tie Unter­suchung durch die Univerfitätsbehörde hat keine Anhalts- vunkte dafür ergeben, daß auch deutsche Studenten sich an der Revolverschießerei beteiligt haben.

Die erste Folge der Revolverschießerei in der Universität war die Schließung der technischen .Hochschule und der Hoch­schule für Bodenkultur. Tie deutschen Studenten besetzten gestern schon in den frühesten Stunden die Universitäts­rampe. Angemeldet war ein Bummel vor der Universität. Zum Schutze der sich ansammelnden italienischen Studenten war ein zahlreiches Wachaufgebot zu Fuß und zu Pferde versammelt. Die Ruhe imirbc in keiner Weise gestört.

In einem Kommunique protestieren die i talieni- chen Abgeordneten Oesterreichs gegen die Darstellung >er vorgestrigen traurigen Vorfälle und erklären, vor Ab- chluß des strafgerichtlichen Verfahrens könne niemand ein irteil dahin abgeben, daß die italienischen Studenten allein geschossen und dies nicht in äußerster Notwehr getan hätten. Die Abgeordneten fordern, daß gegen die Angreifer and) mit gerechter Strenge vorgegangen werde.

Bezeichnend für die Lage ist u. a. die Stimmung in Italien. Aus Anlaß der Vorfälle zwischen den deutschen und italienisd)en Studenten an der Universität in Wien fanden gestern früh und am Nachmittag an der Universität Rom Studentenkundgebungen statt, bei denen die österreichische Fahne verbrannt wurde. Eine Gruppe von Studenten begab fick) nadj der Piazza Colonna, wo sich in der Nähe des Qurrinals die österreichisch-ungar­ische Botschaft befindet, um hier Kundgebungen zu ver­anstalten, wurde aber von der Polizei ohne Schwierig­ketten zerstreut. Auch aus den Provinzen tommen Mel­dungen über eine Bewegung unter den Studenten infolge der Vorgänge in Wien, so aus Turin, Bologna, Florenz und Neapel. In Bologna zogen die Demonstranten vor das österreichische Konsulat, durchbrachen den Polizei-Kordon, der es umstellt hatte und zerrissen eine schwarzgelbe Fahne.

4?oütijd?c Lagesjebarr.

Schuffe auf einen deutschen Ballon an der ru fischen Grenze.

Ein gefährliches Abenteuer hatte ein schlesischer Ballon an der russischen Grenze zu bestehen. Der schlesische Verein für Lustschifsohtt teilt darüber mit: Ms der BallonSchlesien" am Samstag in nordnordöstlicher Richtung von Breslau aus über Kvotosdün, Jarotschin und Zerkow fuhr unb sich noch un­gefähr 106 Meter von der russischen Grenze befaitb, fielen bei klarem Wetter, wo die bcutldje Flagge des Ballons weithin sicht- bar war, von russischem Gebiet «wahrscheinlich von Grenzkosaken) etwa 15 Schüsse, von denen der letzte den Korb traf und in den Sandsack einschlug, ohne jemand zu verletzen. Der Ballon lan­dete glücklich, eine Meile von Zrun. Von fachmännischer Seite wird dem Bert. Tgbl. zu diesem Vorfall geschrieben: Tas Vor­gehen der russischen Grenzimrche ist aufs strengste zu verurteilen. Früher war das Beschießen von Ballons an der russischen Grenze durchaus keine Seltenhett. Während der letzten Jahre wurden die Verhältnisse aber günstiger, namentlich seitdem ein inter­nationales Abkommen dahin getroffen wurde, daß die National­flagge des Ballons zu respettieren sei. Besonders der deutsche Lustschifferverband hat seine Tätigkeit mit 9tachdruck daraus ge­richtet, den im Auslande landenden Fahrern ernste Schwierigkiten möglichst aus dem Wege zu räumen. Die längste Zeit brachte wieder das Aufflackern der alten Spionazesurcht. In Frankreich wurde das wiederholte und durch die Windverhältnisse verursachte Landen harmloser deutscher Luftschiffer jenseits der Grenze miß­liebig tommenliert, daraus beschränkten sich aoer erfreulicherweise die Kundgebungen. In Rußland ist es mit der Spionagenfurcht noch schlimmer, und den russischen Grenzwachen ist es fast ins Blut übergegangen, die Grenze Passierende Ballons als Ziel ihrer Sdsteßübungen anzusehen. Deutschen Offizieren ist es vom hiesigen Kriegsmimsterium seit einigen Jahren untersagt, in Ruß­land »u landen, nachdem sich in einem Fall unliebsame Folgen gezeigt hatten. Die übrigen Luftschiffer haben sich jedoch nie gescheut, über, die russische Grenze hinauszufliegen, da sie bei fast jeder größeren Fahrt vassiert werden muß. Es ist diesen Fahrern jedoch zu raten, ihre Scationalilagge in einer Art am Ballon zu befestigen, daß sie nicht am Ballonkörper oder Korb festklebt, sondern möglichst frei schwebt, weil sie sonst sehr leicht nicht zu erkennen ist. Jedenfalls ist es aber gut, wenn die Fahrer bei der Annäherung an die russische Grenze rechtzeitig die er­forderlichen s?ubcn aufsuchen, um sich gegen die Siu gern der Grenz­soldaten zu schützen. Der russisckjen Militärverwaltung wäre aber zu empfehlen, die Grenzkommandos auf ihre Pftiast den Landes- flaggen gegenüber aufmerksam su machen, bevor eS einmal zu einem Unglücksfall und zu ernsteren Differenzen kommt.

Zcugniszwang der Redakteure.

Bekanntlich sih.agl uer uCl neuen Strafprozeß

vrdnuitg vor, ben Zeugnis uvang oer Reoatteure wesentlich zu beschränken. Dieser Dorsch lag wtto ganz erheblich durch eine Entscheidung gestützt, Pie das O.-L. Hamburg kürzlich gefällt hat. .Ein Redakteur sollte als Zeuge betmiven, wer

das Referat über einen Berhandlungsbericht eines Ver­bandes abgedruckt habe, in dem sich eine dem Kläger an­stößige Mitteilung befand. Ter Redakteur lehnte das Zeug­nis av unb drang mit dieser Ablehnung burch. Das von dem Zeugen geleitete Blatt läßt sich, wie aus dem Titel hervor­geht, bie Vertretung tanbwirtschafilicher Jitteressen be­sonders angelegen sein und erörtert Fragen wirtschaftlicher Bedeutung. Tie Leiter des Blattes lönnen unmöglich alle Verhältnisse des Wirtschaftslebens selbst beobachten und müssen sich der Hilfe von Mitarbeitern bedienen, bie ihnen bas geeignete Material zuführen. In bem Artikel war über einen Massenaustritt aus Konsumvereinen berichtet wor­ben. Solche Einsenber werden sich nur finden, wenn ihnen die Geheimhaltung ihres üttrmens sicher ist, zumal dann, wenn, wie hier, Vorgänge aus dem Privatleben dritter herangezogen werben müssen. Tie Tagespreise würbe ihre Ausgabe nicht erfüllen können, wenn sie ihre Gewährs­männer preisgeben müßte. Sie würbe das nicht leisten können, was inan von ihr erwartet, was ein allgemeines Bedürfnis forbert. Die Bekanntgabe bes Einsenders muß die Verantwortlichkeit der Redaktion decken. Auch der Name des Gewährsmanns ist eine der Redaktion kraft ihres Gewerbes anvertraute Tatsache, deren Geheimhaltung durch ihre Natur geboten ist. § 383 unter Nr. o; denn selbstverständlich hat der Einsender nicht mit seinem Namen bei der Veröffentlichung heroortteten, sondern nur bie Sache vertreten wollen. Auch eine berechtigte Verkehrssitte bei öffentlichem Interesse an ungebunbener Erörterung gewisser Fragen vervftichtet bie Redaktionen zur Wahrung des Ge­heimnisses des Namens. Mit dieser Entscheidung deckt sich ein Urtett des O.-L.-G. Dresden, bas übrigens nicht nur ben Nebakteur, sonbern auch ben Verleger vor bem Zeugnis­zwang schützt. Für die Beurteilung ber ganzen Frage der Wahrung bes Rebattionsgeheimnisses sinb bie,e Urteile sehr interessant, deren Veröffentlichung gerade jetzt sehr zeit­gemäß.

Die Proklamation des Schahs.

Tie englische unb bie russische Gesanbtschast in Teheran haben am Sonntag gegen bie Proklamation des Schahs, kein Parla­ment einberufen zu wollen, energischen Protest eingelegt. Einige Exemplare der Proklamation würben von ben Straßenecken unb den Moscheen hcrabgerissen. Gestern sinb einige Personen ver­haftet worden, wett sie gesagt hatten, ber Schah habe den Eid auf die Verfassung gebrochen. Die Bevölkerung zeigt jedoch im allgemeinen Gleichgültigkeit gegen bie Frage ber Einberufung eines Parlamentes; man glaubt, daß ihre Haltung auf Furcht vor den Kosaken zurückzuführen ist. Inzwischen ist bie Prokla­mation des Schahs, in ber erklärt wirb, ber Schah habe sich ent­schlossen, kein Parlament einzuberufen, zurückgezogen worben. Wie man glaubt, ist dies mit Rücksicht aus die Vorstellungen von England und Rußland erfolgt

Ausland.

Aus Wien: Von der Erweiterung des Kompetenzkreises des Erzherzog-Thronfolgers zum 2. Dezember ist an maßgebender Stelle nichts bekannt

Ein italienischer Dampfer wurde gestern in Tri­polis boykottiert, weil er österreichisches Gut cm Bord hatte. Für die Ausladung siiid Arbeitskräfte nur unter der Bedingung zu erlangest, daß österreichisches Gut an Bord zurückbleibt.

König Peter von Serbien ist abermals an einem schmerzhaften Nierenleiden erkrankt

Die Revolution auf Haiti. Wie aus Port au Prince gemeldet wird, ist die revolutionäre Bewegung im Wachsen. Die Orte Aguin unb Jerernie erklärten sich gegen bie Regierung. Der Minister bes Innern ist gefangen genommen worden und soll, wie ein Gerücht verlautet, von ben 9iel)olutionären erschossen wor­ben sein.

Straßenkämpfe in China. Nach einer Melbung aus Peking fanben in Nanking Straßeittämpfe statt. Ein Tett ber bärtigen Auslänber flüchtete auf bas britische Kanonenboot. Auch ein beutsches Kanonenboot liegt vor Nanking.

Ans Stadt und Land.

Gießen, 25. sJioöember 1908.

Die Hatidelskammerwahl.

Die gestrige Hanbelskammerwahlzeigte ein bei diesen Wahlen in Gießen außergewöhnliches Bild. Abgesehen davon, daß infolge der neuen Bestimmungen sich die seitherigen Mitglieder der Kam­mer sämtlich einer Neuwahl unterziehen lassen mußten, und schon dadurch eine größere Regsamkeit der Wähl:r zu e. timten war, hatte doch noch einige -tage vorher jeder der Beteiligten die Ansicht, daß die Wahl diesmal, wie schon so oft, ohne eine Agitation glatt »erlaufen würbe. Es wären bann keine 100 Personen an bie Wahlurne gegangen unb bie bavon fern gebliebenen Wähler hätten sich gefreut, baß es auch ohne sie gegangen wäre. Aber bie Sache kam anders. Am Vorabend der Wahl so lange herrschte eigentlich Friedhofsruhe int Handelsstande da tauchten plötzlich, wie ans der Erde gestampft, zu den Kandi- baturen ber wohlbewährten bisherigen 8 Kammermitglieber, die ja als selbstverftänblich zu Wieberwahl stauben, 7 wettere Kanbi- baten auf. Mit einem Schlage änderte sich bas Bilb, denn hinter diesen Bewerbern standen mächtige Jnteressentengruppen. Die Jnteressentengruppen der zur Wiederwahl stehenden seitherigen Vertreter des Handelsstaudes fürchteten eine Uebcrrumpelung, eine Stimmenzersplitterung zum Nachteil des seitherigen Bestandes der Handelskammer, und über Nacht hatte sich der Kaufmanns­stand ben Schlaf aus ben Augen gewischt, so baß am Wahltage selbst schon am frühen Vormittag eine energische und wohldurch- dachte Agitation einsetzte, wie es bei Hanvelskammerwahlen in Gießen vordem nie der Fall gewesen war. Dank dieser Agi­tation haben gestern nachmittag von 26 Uhr von 443 wahl­berechtigten Personen 304, also 68 Prozent ber Wähler ihre Pflicht getan, unb bas Ergebnis ber Wahl selbst ist überaus erfreulich. Die großen Stimmenmehrheiten, die den meisten seit­herigen Kämmermitgliedern zugefallen find, bilden einen Beweis, daß unsere Kaufleute bie treue zielbewußte Vertretung ihrer In­teressen durch die seitherigen Männer, die sie sämtlich wieder- gewählt haben, aufs beste aewahtt wissen. Mit welchem Miß­trauen über den AuSgang der Wahl die Wähler erfüllt waren, geht wohl am besten daraus hervor, baß unter den abgegebenen 305 Zetteln im ganzen nur 70 sich befanden, an denen fein Name gesttichen war. An dem Nest war gestrichen, und der größte Teil des Restes zeigte weniger als 9 Namen, die doch zu wählen waren. Im Wahllokal wickelte sich das Geschäft des Wählens glatt ab. Das erstemal hatte der Wahlkommissar es den Jnteressentengruppen freigegeben, innerhalb des Lokals Kon- trollisten zu führen, um zu konstatieren, wer zu ben Säumigen gebürte unb bis 4 Uhr nicht gewählt hatte. Um biefe Zeit fetzte ein umfassender Schlepperdieust ein; burch Fernspreck>cr wurden die Wähler herbeigerufen. Aber damit nicht genug. Aus ben Außenbezirken wurden die Wahlberechtigten mit Chaisen nach dem Wahllokal befördert. Jnteresfant ist gewiß, daß die neuen Wahlbesttmmungen jede Perfon, sofern sie großjährig, Firmen- Inhaber ober Prokurist ist, zur Ausübung bcs biretten Wahlrechts zuläßt. Damit ist das Wahlrecht auch Frauen gegeben. Berechtigt »um Wählen find auch Frauen als Bevollmächtigte einer Firma, bie feinen Prokuristen hat, sofern sie Angestellte der Firma sind. Von ihrem Recht haben bei ber Wahl 10 Frauen Gebrauch gemacht, unb Gießen bürste bie erste beutsche Stadt fein, wo grauen bei ber Handelskammer direkt das Stimmrecht ansgcübl haben. Zurückgewiesen von der Ausübung des Wahlrechts wurden die Inhaber der Schuhgeschäfte, roett diese in einer zu niedrigen Getverbepeuerklaße lingcredft sind. Ebenso der Inhaber eines ithr bebiuieiioen Import- und Expvrtgeschä.ts ber Borstenbranche, I Um cs mit Ieinem Artikel betreffs ber Steuerklasse merkwürbiger-

iveife genau so geht. Ferner mußte man zurückweiseu einen Kommis unb eine Verkäuferin, bie für ihre Chefs in Vollmacht wählen wollten, aber noch nicht großjährig waren. Die sehr mühsame und zeitraubenbe Feststellung bes Wahlergebnisses war um 9V3 Uhr beenbet. . Es wurde barauf vorn Wahlvorsteher Fabrikant A. Klingspor sofort bekannt gegeben unb stellt sich wie folgt: Gewählt sind: Kommerzienrat Koch mit 275, Nom» merjienrat Heichelheim mit 266, Kaufmann Röhr mit 246, Kaufmann Max Friedberger mit 220, Kommerzienrat Schirmer mit 204, Fabrikant W. Zurbuch mit 202, Fa­brikant Adolf Klingspor mit 179, Kaufmann Aug. Noll mtt 176 unb Direktor Münker mit 149 «Stimmen. Die Gewählten waren bis auf .Herrn Noll, ber an bie Stelle des verstorbenen Herrn Nowack tritt, seither schon Mitglied der Han- delskammer. Sie waren sämtlich vom Detaillisten-Verein auf­gestellt, dessen Bemühungen auch die außergewöhnlich parke Wahl» Beteiligung zuzuschreiben ist. Ferner erhielten «Stimmen: Kom­merzienrat Heyligenstaedt 82, Weinhäitdler Schwan 63, Kauf- mann Sauer 62, Kommerzienrat Schasfstaedt 61, Fabrikant Adolf Noll 45, Kaufmann Trttms, Fabrikant Herrn. Klingspor und Buchhändler Frees je eine Stimme.

L. IL Landesuniversität. Der Privatdozent an «r medizinischen Fakultät, Dr. John Seemann, hat auf die venia legendi an der hiesigen Universität verzichtet unb ist nach München übergesiedelt.

** Für b ie Sitzung der Stadtverordnete n- Versammlung am Donnerstag, 26. Nov., nachm. 4Uhr ist solgenbe Tagesordnung aufgestellt: 1. Mitteilungen, 2. Straßenb ahn (Linienführung, Bewilligung bcs Kre- bits, Vergebung ber Arbeiten unb Lieferungen), 3. Grund- tücksaustausch mit Oekonom Preiß, 4. Verkauf eines Stein» wechers, 5. Gesuch bcs Konrab Weiß um Erlaubnis zum Gastwirtschaftsbetrieb für Sonncnstraße 29, 6. besgl. bes August Treppinger zum Schankwirtschaftsbetrieb für ftap» laneigasse 7, 7. besgl. bes Wilhelm Hemstege für Bleich, straße 5, 8. besgl. bes Artur Nissen für Plockstruße 5, 9. besgl. bes Emil Sieck- zum Gast- unb Schankwirtschafts, betrieb für Walltorstraße 37.

<e Eine Ausschußsitzung de? landwirtschaft- lichen Verein? für Obcrhessen ftnbet, wie schon mit- geteilt wurde, am 26. b. M., nachm, 3 Uhr, im Saale beS Prinzen Karl hier statt unter dein Vorsitz be§ Präsidenten Schiente. Unter anderem wird verhandelt werden über die Aenderung der Statuten infolge der Errichtung der Land» wirtschastskanuuer.

Unfug. In verfloßener Nacht wurden in der Goetheslraße von roher Hand mehrere Laternen zer- trümmert, in der Ludwigstraße Fenster eingeschlagen und in ber Löberstraße eine Fahnenstange umgerissen unb die Fahne beschädigt. Auch in der Südanlage wurden die Schutz, gitter von jungen Bäumchen abgerissen.

* Betrüger. Zwei angeblich für ein Bilder. Vergrößerungsgeschäft reisende Herren mieteten in einem Privat» hause ein möbliertes Zimmer unb verschwcmben dann nach einigen Tagen, ohne bie Miete zu begleichen.

= Bad-Nauheim, 24. Nov. Der bekannte Hotelier und Besitzer des Parkhotcls, Ferbinand Sprengel, lang- jähriges Mitglieb und Borfttzenber ber Hanbelskammer zu Friebberg, ist gestern nach kurzer Krankheit gestorben. Das neue Gebäube der Höheren Bürgerschule soll noch int lausenben Schuljahr, n-ahrscheinlich anfangs Januar, eingeweiht werben.

)( Marburg, 24. Nov. Durch einen feierlichen studen­tischen Festakt wurde heute nachmittag int Hause Markt Nr. 13 eine Erinnerungstafel an den besonders in diesem Jahre aus Anlaß seines 100jährigen Geburtstages vielgenannten Hessen- dichter Ernst Koch, der am 24. November 1858 int Alter von nur 50 Jahren bas Zeitliche segnete, enthüllt. Ernst Koch hat hier mehrere Jahre ftubiert und gehörte damals dem Korps Hassia" an. Die heutige Feier ging deshalb auch von dem Verbände der hiesigen Korps (S. C.) aus, bie um 4 Uhr in ge- schlossenem Zuge unter Vorantritt ber Jägerfapelle unb ber Char­gierten mtt Fahnen auf dem Marktplätze ankamen und Auf­stellung nahmen. Ein alter Herr derTeutonia", Rechtsanwalt unb Notar Wilh. Eckharbt aus Witzenhausen, ein geborener Mar­burger, hielt bie Weiherebe, in ber er ein Lebensbild des Dichters zeichnete und dessen Anhänglichkeit an Marburg und seine Uni­versität schilderte. Die Marmor-Gedenktafel trägt die Inschrift: Zum Andenken an Ernst Koch (D. Helmer) 18251829 Kvrvs- bursch berHassia", geb. am 3. VI. 1808, gest. am 24. XI. 1858. Dem Verfasser bes Prinz Rosa (Stramin am 50. Todestage, 24. XI. 1908, gewidmet vom S. C. zu Marburg."

- Gießener Strafkammer.

[] Gießen, 24. November.

Anonyme Postkarten.

Dem K a u f m a n n E. H. von Friedberg gingen int letzten «Sommer mehrere Karten unflätigen Inhaltes zu: er wurde Hals­abschneider, Wucherer u. a. m. genannt, dem der Leib aufgeschlitzl werden müßte. H. war eifrig bestrebt, den «Schreiber der ano­nymen Karten zu ermitteln und da er seinen Konkurrenten, Kauf­mann N. «St, in Verdacht hatte, bezeichnete er diesen mehrfach als den Täter. Dieser ging klagend vor und das «Schöffengericht hielt den Beweis der Beleidigung in zwei Fällen für geführt und erkannte auf je 10 Mk. Geldstrafe. Da in einem Fall Freispruch erging, setzte es dem Kläger ein Drittel der Kosten zur Last. Dieser, wie auch der Angeklagte, fochten das Urteil an. Eine Verstän­digung zwisck^en den Parteien war ausgesckttossen. Die Beweis­aufnahme förderte noch zwei weitere Fälle zutage, in denen H. seinen Gegner als den Schreiber der Karten bezeichnete, be- ziehungsw. den Verdacht äußerte, daß er der Schreiber sei. Wemt der Angeklagte auch den Kläger in Verdacht hatte und ihm das Jntercsie an der Ermittelung des Sckfveibers nicht abgefprochen werden konnte, so durfte er diesen doch nicht als Täter bezeichnen. Es wurde eine einheitliche strafbare Handlung in fortgesetzter Bc- gangenschaft angenommen und der Angeklagte unter Belastung mit sämtlichen ^kosten zu 100 Mark Geldstrafe verurteilt.

<Scrid?t»jaaL

Leipzig, 24. Nov. Das Reichsgericht verwart heute bie Revision des früheren Geh. Sekretarialsassisieulen Oskar P o e p 1 a u , ber am 4. Mai vom Landgericht I Berlin zu entern Monat Geiaugnis vernrteitt worden war, weil er es unter­nommen hatte, den Staatssekretär o. Schön zur Vornahme einer Amtshandlung zn nötigen. Tie Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentttchkeit ftatt._________________ __________________________ __

Spenden für Radbod.

Die (Sammlung des Gießener Anzeigers:

Bisher qiuuiert Mk. 1587.05. Durch Pf. Schmattj aus der Genteinde Beuern 30.70, Irl. Lina Müller 2., A. tu O. 3., N. N. 4., Fr. Dehn-Rot'elser, Heuchelheim 2., G. Beigen 2., C. T. ö., H. F. 9iassaner 5. , Karl Nowack 10., Hugo Nowack b.. -Zusammen 1655.75 Mk.

Fritz Droop: Schüler selb stm orde. Erschienen im Verlag von Fr. Will). Ruhfus in Dortmund. Ter Ver­fasser beljanbelt auf wenigen Seiten in tnapper, doch be- Itiinmtcr Form ein Thema, das heute aktuell unb hoch- inteceffant ist. Xie Ausführungen Fritz Troops über bie zunehmenden Selbstr.wrde der Jugend sind an der Hand