Nürnberg erkannt, der hier bei seinem Schwager zu Besuch gewesen und am 16. April spurlos war. Gerz, der leidend war, hatte am 16. April, als er von seinen Verwandten fortging, um einen Spaziergang in der Stadt zu machen, 80—90 Mk. Bargeld bei sich. Bei der Leiche fanden sich nur noch 36 Pfg. Die Mutmaßung, daß ein Raubmord vorliegt, wird noch bestärkt dadurch, daß das Hemd auf der Brust aufgerissen und die Taschen herumgedreht waren. Auch fehlte eine Manschette.
sd. Wimpfen, 25. April. (Tel.) Wie seinerzeit berichtet wurde, verletzte vor einigen Wochen eine Frau Halter aus Biberach ihre beiden Kinder auf dec Landstraße in der Nähe Wimpfens tätlich und verschwand dann spurlos. Ihre Leiche wurde nunmehr von Fischern im Neckar gelandet. Die beiden Kinder befinden sich noch am Leben.
Gerici-tsHaQL.
sd. Darmstadts 24. April. Ein umfangreicher Zeugenapparat mußte vom Kriegsgericht auigeboten werden, um den wegen einer ganzen Anzahl von Diebstählen angetlagten Gardisten Karl Bückner von der 4. Komp. Jnf-Regts. Nr. 115 aus Wenings i. O. zu überführen. Er ist der Sohn achtbarer Eltern, hat aber schon bald nach seinem im Jahre 19üG erfolgten Dienstantritt begonnen, sich an fremdem Eigeiuum zu vergreifen. Zunächst hat er einem Kameraden ein Portemonnaie mit einigen Mart Inhalt und 2 Ringen weggenommcn. Obwohl Portemonnaie und ein Ring, die bei ihm gesunden wurden, von verschiedenen Zeugen als Eigentum des Bestohlenen festgestellt wurden, suchte B. zu leugnen. Er hat ferner einem Fähnrich einen eigenen grauen Mantel gestohlen. Der Angeklagte behauptet, daß er ihn von dem Bruder eines Einjährigen gekauft habe. Obwohl nun der Fähnrich, sowie der Schneider, der den Mantel anfertigte, der Bruder des Einjährigen, sowie weitere Zeugen aussagen, daß B. gelogen hat, und er sich in Widersprüche verwuielt, bleibt er bet seinem Leugnen. Dem Rekruten einer anderen Kompagnie stahl er ein neues Koppel und einem anderen Fähnrich ein paar Handschuhe. Auch hier leugnete er, obgleich der Namen des Fähnrichs eingenäht ist. Ein paar Rockkragen verschiedener .Halsweite will er angeblich gekauft haben. Endlich, hat er einem Einjährigen seiner Mannschaftsstube, als er sich umkleidete, aus dem Portemonnaie 30 Mk. entwendet. Auch hier machte er den Versuch zu leugnen und selbst als der Verhandlungsführer ihn nach dem geradezu erdrückenden Beweismaterial ermahnte, endlich die Wahrheit zu sagen und damit seine Strafe zu mildern, blieb er hartnäckig bei seiner Aussage, daß er nichts gemacht habe. Der Vertreter der Anklage beantragte f ü n f Monate Gefängnis und Versetzung in die zweite Klasse des Soldatenftandes. Der Gerichtshof verurteilte ihn nach eingehender Beratung zu dieser Strafe. Ein Monat Untersuchungshaft soll ihm aus die Strafe angerechnet werden.
△ Marburg, 24. April. Die Strafkammer verurteilte heute die Ehefrau Rupp auS Hartenrod, die einen dortigen Lehrer ausqefchimvst, weil er angeblich ihren Jungen mißhandelt hätte, zu 2 Wochen Gefängnis. Von 6 schon sämtlich vorbestraften Ziegel- arbeitern aus demselben Ort, die vom Gladenbacher Schöffen- gericht wegen Hausfriedensbruchs und Beleidigung bestraft worden waren, wurde nur einer zu 2 Monaten Gefängnis ver° urteilt und die übrigen freigesprochen.
R a t i b o r, 24. April. Ter Pfarrer L a r o s e aus Pilgramsdorf, im Kreise Pleß, wurde wegen Vergehens gegen den Kanzel- pharagraphenzuzweiVtonatenGefängnis verurteilt.
Bern, 24. April. Der Kaufmann H i g l e r, dec in Bern einen Postbeamten beraubt hatte, wurde zu 8 Jahren Zuchthaus verurteilt.
vom Zentralverbande zur Bekämpfung der Alkoholirmur.
Am Sitzungstage sprach, wie uns aus Berlin geschrieben wird, Konsistorialrat D. M ahling aus Fraukiurt a. 2)1 über: Die evangelische Kirche im Kample gegen den Alkoholismus. Er führte aus: In der evangelischen Kirche gilt der Glaube, der in der Liebe tätig ist. Luther hat das ganze Volk dem Evangelium wieder zu gewinnen getrachtet. Er zieht deshalb auch den Trinkfchaden unseres Volkes in den Kreis seiner Betrachtungen hinein, spricht und predigt gegen dieses Nationallaster. In der evangelischen Kirche haben wir aber die erste größere Antialkoholbewegung erst in den Mäßigkeits- und Enthaltsamkeitsvereinen der 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Die innere Mission begründet Trinkerheilanstalten und widmet sich der Einzelrettung voii Trinkern in besonderen Organisationen, besoiiders m den Vereinen des Blaueii Kreuzes, deren Gesamtmitgliederzahl jetzt wohl 30 000 in Deutschland beträgt. Ter Redner bespricht die einzelnen hier in Betracht komnienden Fragen: Gelübde, Freiheit, Unschädlichkeit des mäßigen Genusses, höhere oder niedere Sittlichkeit, um zu zeigen, daß die Liebe der einzig hierbei ausschlaggebende Gesichtspunkt für das sittliche Handeln sein muß. Ihre Aktion beruht auf der Einsicht in die Lage der Dinge, hier vor allem der entsetzlichen Wirklingen des Alkohols. Uni der Liebe willen sind diejenigen Stände in der evangelischen Kirche am meisten zur Mitarbeit verpflichtet, welchen in besonderem Sinne die Fürsorge für das geistige nnb sittliche Wohl des Volkes und des einzelnen aufgetragen ist, die Pfarrer und die Seruisarbeiter der inneren Mission. Hierauf referierte Generalsekretär Go ns er aus Berlin über: Kriminalität und Alkohol.
Vermischtes.
'Eine neue 23 a r 11 r a d) t deS Kaisers. Die „Inf." erhält aus Hofkreisen folgende hochwichtige Meldung: Es ist bis jetzt in der Oeffentlichkelt nicht bemerkt ivorden, daß der Kaiser seinem Schnurrbarte vor nicht langer Zeit eine andere Form gegeben hat, die seinen Gesichtsausdruck nicht unwesentlich beemflußt. Er hat mit dem starr auswärts gerichteten Schnurrbartjmtzensystem gebrochen und trägt jetzt den Bart in seiner bisherigen Fülle lang ausgezogen. Die Spitzen sind dabei in einem mäßig stumpfen Winkel m die Höhe gerichtet. Ter Anlaß zu dieser Neuerung ist recht Harm- los geivesen: Beim Anzünden einer Zigarette wurde die linke Bart- spitze bis weit über die Hälfte leicht versengt, ivas zur Folge hatte, daß auch die Reck)te entsprechend gestutzt wurde. Hiermit siel die alte Form, an die sich der Monarch sehr gewöhnt hatte. Die neue Barltracht aber erregte den Bestall der Kaiserin, so daß sich der Kaiser entschloß, sie beiziibehalten. Tas Oxforder Doktorbild des Monarchen, das jüngst fertiggestellt mürbe, zeigt ihn bereits in seinem neuen Bartschmuck.
* 9)1 ö r b e r uub S ei b ft m 5 r b e r. Ter 64jährige Korbmacher Kosch in Apolda, der seine Frau mit einem Beile erschlug, gestand, seine frühere Haushälterin ebenmUs erschlagen, den Leichnam zerstückelt, oerbraimt und vergraben zu haben. — In Königs- Hütte erschlug der Grubenarbeiter Polak seine Frau, als er entdeckte, daß d ese ihm die eheliche Treue gebrochen hatte. — Im Genchtsge'ängnis zu Gera hat sich der Landwirt und Stellmacher Götz^ms Torns entleibt, der wegen Meineides eingeliefert war. Die Schuld des Götz war keineswegs erwiesen. Er scheint aus Scham gehandelt zu haben. — In Danzig erschoß sich aus Furcht vor Strafe der beim Füsilierbaiaillon des 5. Grenabier» reginicnts sein Jahr abdienende Volksschullehrer Naß in der Kaserne mit seinem Tienstgewehr. — In M ü n chen begoß sich in religiösem Wahnsinn der 35 Jahre alte Kaufmann (Engelbert Klotz mit Petroleum und zündete sich dann am Aist sein Geschrei eilten seine Mutier und 2 Mädchen herbei und sorgten für seine Ueberfnhrimg ins Krankenhaus, wo er bald an den schweren Brandwunden verstarb. — In H a in m e r st ein a. b. Nahe würbe die 72jährigc W i t io e F u ch s von ihre m 25)äl)rigcii N eile n, der bei ihr wohnte, ermordet. Ter Tater, der einen Selbstmordversuch unternahm, gestand bei seiner Vernehmung die Tat sofort zu. Tie Frau, die sich seiner Zudringlichkeit ividerjetzt hatte, ist von ihm solange gewürgt worden, bis sie lein Lebenszeichen mehr von sich gab. Dann mißbrauchte er sie in einet nicht iviebet- zugebenden bestialischen Weise. — Em nach Arnhem (Holland)
aus Westfalen zugereister Vater versuchte unweit auf einsamer Straße seinen 11jährigen Sohu zu ermorden. Ein int Wagen di? Stelle passierender Herr sand den Knaben in einer Blutlache. Der Vater halte sich inzwischen selbst der Arnhemer Polizei gestellt. — An der 45jährigen geicbicbcnene Arbeiterfrau Schwarzbach aus 3 d) m i e b e b e r g (Schief.) würbe im Walde ein Lustmord verübt. Voii dem Täter fehlt jede Spur. — Ein 19jcihriger Trucker drang nachts in die Wohnung seines Vaters in Warschau, e r i ch o s; auä Rache feine junge Stiefmutter und verletzte seine S ch westet t ö t l i d). Ter Vater nnb ein Bruder des Attentäters entkamen. Am anbcrii Morgen beging der Mörder Selbstmord.
* Berlin, 24. April. Unter dem Verdachte des Kindesmordes und zahlreicher anderer schwerer Verbrechen ist die 30 Jahre alte Klara Roit, geb. Vielte, durch die Rixborsir Kriminalvolizei verhaftet ivorden. Mil ihr wurde ihr Bräutigam, der 24 Japr e alte Gelegenheitsar beiter Hermann Kohn, festgenominen. Am 29. Februar wurde aus dem Aixdorfer Sd)ifsahnskanal die Leiche eines Knaben gelandet. Sie war in einer ledernen Markttasche eingepadt. Es wurde fest gestellt, daß der Knabe erstickt wordeii war. Nun ermittelte die Polizei, daß bet der Mi oft zahl' reiche Frauen und Tiäödi^n verkehrren, um sich Rat und Hilfe in „diskreten Angelegenheiten" zu holen. Nachdem die Kriminalpolizei die Ueberzeugiing geivomten baue, daß die R. gewerbsmäßig v er- brechen gegen d e Paragraphen 218 und 219 des R.-Str.-G.-B. betreibe, schritt sie zur Verhostung. Bei einer Haussuchung fand man erdr ückendes Beweismatenal, u. a. arid) mehrere Markt- laichen, die genau mit derjenigen übereinftimmen, in der die Kmdes- st'iche ge’unben wurde. Tie „Kundinnen" der Verhaiieten mußten ür die Hilfeleistungen enorme < .träge entrichten. Von den Ein- nghmen konnte die R. nut ihrem Brämlgam glänzetid leben. — Der Lyceum - Klub in der Potsdamer Straße, der im Jahre 1904 im Anschluß an das englijdjc gleichartige Institut gegründet morden war, hat an'gehört zu bestehen, weil er feine finanziellen Verbindlichkeiten nicht mehr erfüllen kann. Ter Klub war eine Vereinigung von Tarnen der vornehmen Welt und sollte den Mittel- punkt für ihren gesellicl aftlichen Zusammenschluß bilden. Er war abhängig votr ben englischen (tzejellschcut. — Wegen großer Heirat s t ch w i n b e l e i e n lunrben heute ber 66 Jahre alte, vielfach vorbesiraste ehemalige Schlößer Ferdinaiid Gombert, Inhaber bes 'Dciraisuerinittelunaebureaus „Re orm", nnb ber bei ihm beschäftigte Schreiber Edmund Me.uert verhaftet. Aut ihre plumpen TrikS sind selbst Rechtsanwälte, Aerzte und andere l)od)gebübete Persönlichkeiten hinemge'allen. — Dem in die Friedberg- Affäre verwickelten und verhafteten Prokuristen Bohn wurde auf erneuten Antrag des Verteidigers die Haftentlassung gegeit eine Bürgschaftsleistung von 20 000 Pik. bewilligt.
»Heute TagesHronik.
In Oberense u. a. O. in W a l b e d kamen Erkrankungen an schwarzen Pocken vor. Ta die Seuche in einer Familie ausbrach, die Kostgänger beherbergte, so wird angenommen, baß sie burd) galizische Arbeiter emgeschleppt wurde.
Ter Z o p f a b s ch n c i b e r, ber seinerzeit in Berlin sein Wesen trieb, bann in eine Irrenanstalt verbracht war, später aber enilaffen wurde, nahm in Jamburg', wo er ansässig war, seine verbrecherische Tätigkeit wieder auf. In feiner Wohnung wurden 11 Zöpfe gefunden. Er wurde in Hast genommen und wird von neuem m einer Anstalt interniert werden.
9)lan meldet aus Letschen: Tie gestrige Wiener Früh- sdmellziigspost ist hier deshalb teilweise ausgeblichen, weil die tschechischen P o st b e a m t c » in Deutfchbrob die Postberstel nur bei Anwendung der t s ck) e ch i s ch e n Amtssprache aus» folgen wollten, was die Wiener Beamten a b l e l) n t e n.
• In Rom wurden die Kassierer sowie alle Portiers am Eingänge des Forums verhaftet. Sie verkauften immer wieder dieselben Billette und behielten das gelöste Geld für sich.
In Paris wurde mit seiner Gattin unter dem BerLacht, falsche Banknoten verbreitet zu haben, der ehemalige italien. Hauptmann Graf Maräne tti verhaftet. Nach polizei- hdjen Erhebungen glaubt man, daß der Graf und die Gräfin einer großen internationalen Bande zur Herstellung von falschen -französischen und ausländischen Luninoten angehörten.
In Paris wurde am 24. d. Dt. der junge Herzog von Chalnes, der im Marz in Washington die Ameiikaneriit Shonts geheiratet hat tind nut dieser vor drei Wochen m Paris eingetroffen ivar, von seiner Gattin tot in seinem Bette auigefunben. Das Paar war int Hotel Langhan abgestiegen, weil es sich in Paris em Palais bauen und cmrichtcn ließ. Der Herzog war 30 Jahre alt. Seine Frau Halle ihm 20 Millionen m die Ehe eingebrächt.
Aus New-Port wird telegraphiert: Der bekannte humoristische Skeptiker Mark Twain wäre auf der Seereise von Bermllda saft verunglückt. 911S er auf der Brücke des Dampfers fpa^ieren ging, schlug eine Woge über das Schiff und riß ihn um. Es gelang ihm, das Geländer zu ergreifen und sieh fest zu hallen.
Lin Theaterdirektor als Plagiator.
(Nachdruck verboten.)
S. u. H. Schweidnitz, den 23. April.
Vor dem hiesigen Sck)öffengericht spielte sich heute ein interessanter Beleidigu ngsprozcß ab. Als Kläger trat der Direktor des hiesigen Stadttheaters, Fritz, dem fvühereit Kritiker des hiesigen „Schles. Tageblatts", Redakteur Ernst Lange — jetzt in Stallupönen — gegenüber. Im Juni 1907 hatte der damals noch als Mitglied des Schweidnitzer Stadttheaters tätige Fritz zu seinem Benefiz ein Lustspiel zur „allerersten" Ausführung gebracht, das er als sein eigenes Werk ausgab nnb „Jugendfieber" betitelte. Nachforschungen, welche Lange anstellte, führten ihn zu der Erkenntnis, daß Fritz das Lustspiel „Der Prinzessinnen- tänzer" des Schriftstellers Heinrich Lee abgeschrieben hatte. Er wandte sich sofort an ein Mitglied der Theaterkommission, den Stadlrat Dr. Bothe, um eine Ausführung des Plagiats zu verhindern. Die Antwort auf das Vorgehen Lange's bestand jedoch darin, daß man Fritz nicht nur die Aufführung des Stückes gestattete, sondern ihn, obwohl er erst ein Vierteljahr in Schweidnitz gewirkt hatte, bald darauf zur Mitlcitung des Stadttheaters berief. Der Redakteur erblickte hierin eine Ehrenkränkung, zumal sich später aud) der Magistrat öffentlich auf die Seite des Plagiators stellte. Er veröffentlichte daher einen Artikel, in welchem er sich über die „unerhörte Dreistigkeit" des Plagiawrs ausließ und ihm u. a. „grobe Täuschung der Oeffentlichkeit", „grenzenlose Torheit und Unbesonnenheit", „erschreckenden Leichtsinn eines eitlen Mimen" vorwarf und die Affäre als einen bisher noch nicht erlebten Fall von Diebstahl geistigen Eigentums bezeichnete, ber um so verwerflicher sei, als ber Plagiator selbst in der Hauptrolle „von der Bühne herab gestohlene Worte gesprochen habe" usw. Die Folge davon war ein wüstes Kesseltreiben gegen den Redakteur, der sogar in öffentlicher Stadtverorbuetensitzung wegen seiner Handlungsweise persönlich verdächtigt wurde, als ein Stadtverordneter den Magistrat interpellierte, weshalb er nicht das ösfentliche Auftreten des Plagiawrs inhibiere und ob wirklich daran gedacht werde, Frch lrwtz des Plagiatsallcs die Leitung des Stadi- theatcrs zu übertragen. Die Berichterstattung des Redakteurs über den Verlauf jener Stodtverordue^'nsitzung führte dann auch noch zu Differenzen zwischen diesem und seinem Verleger, so daß Lange die weitere Leitung des Blattes sofort niederlegte und Schweidnitz verließ. Vorher aber stellte er bei der Staawanwalt- fchast Schweidnitz den Antrag, gegen den Plagiator Anllage wegen Vergehens gegen das Urheberrecht einzuleitcn und diesem 'Jintrage schloß sich Heinrich Lee an. In dem Verfahren erstattete die Kgl. literarische Sachverständigen-Kaminer in Berlin ein Gutachten, daß die Bearbeitung der Lee'schen Erzählung angesichts ber wortgetreuen Wiedergabe vieler Stellen als literarischen Diebstahl charakterisierte. In der Folge wurde denn Fritz wegen Vergehen gegen bas Urheberrecht zu einer Geldstrafe von 30 Mk. und einer Geldbuße von 50 Mk. an Lee verurteil!. Anderseits strengte Fritz gegen den unbequemen Kritisier ein Privatklage an, die dieser mit einer W.cdertlage beantworiete, weil Fritz inzwischen in einem Inserat in der Schweidnitzer „Täglichen Rundschau" eine Erklärung veröffentlicht hatte, in der er die „schweren Beschuldigungen des Kritikers" als unzutreffend bezeichnete. — In d> r heutiger Verhandlung wurde diese Widerklage trotz des Hinweises auf die inzwischen erfol-gte Verurteilung bes Frch zurückgewiesen, dagegen Lange wiegen öffentlicher! Beleidigung des Fritz
zu einer Geldstrafe von 25 Mk. verurteilt. — Wie verlautet, wird der Kritiker, der durch diese Affäre um Amt und Brok gekommen ist, Berufung einlcgcn. Auch hat er wegen des Verhaltens des Schweidnitzer Magistrats in der Plagiat-Affäre Beschwerde beim Obcrpräsibenten von Schlesien erhoben.
— D i e deutsche Shakespeare-Gesellschaft hat in ihrer Generalveijauimlimg vom 23. April die Preisverteilung übei bas im vorigen Jahre ausgeschriebene Thema „Hamlet auf b e r b e u t s d) e n B ü h u e b i s z u r Gegenwart" Dorgenonunen. Vier umfängliche Bearbeitungen ivaren eingclaufen: über alle wurde viel Rühmliches gesagt: ber Preis aber würbe ber vom Professor Tr. Alexanber von Weilen (Wien) zugesprochen. Eine zweuc Beaibeliiing war so gut, baß ihr bie Shakespeare-Gesellschaft einen Nebenpieis stiftete. Als ihr Verfasser ergab sich Abolf Wmbs Schanipieler nnb Regisseur m Dresden. Als Preisrichter fungierten Exc. Büikm (Karlsruhe), Pros. Fischer (Innsbruck) und Prof. Schicj (Alünchen).
— Kl eine K u n st ch r o n i k. Kommerzienrat Spohn hat ber Stabt Heilbronn ein Baukavital von 200000 Aiark zum T h e q t c r n e u b n u zur Ver ügung gestellt. Tie Stadt wird zwar voraussichtlich nicht in Die !Zage fommen, von dem Anerbieten Gebraud) zu machen, da die Zeirhiiungei, zweifellos so rasch er- folgen, daß mit den Vorarbeiten schon m Balde begonnen werden könne. Bis heute sind 150000 Alark gezeidmet.
Gießener Wetterdienst.
Voraussichtliche Witternug für Hessen am Sonntag den 26. April: Aufheiterung. Meist trocken. Nachts kühl, am Tage wärmer. Westliche Winde.
Original-Drahtmeldungen.
sd. Tavmstadt, 25. April. Das vorberettende Verfahren gegen den Landtagsabg. Karl Breidenbach von Dorheim roegeh Schädigung der Gemeinde Dorheim bei der Bullen- haltung ist auf Befchiuß der Staatsanwaltfchaft in Gießen vvir. 16. April eingestellt worden. Es war auf die betastenden Aussagen eines Knechtes gegen B. die Anklage erhoben worden, daß er die in seiner Pflege befindlickicn Gemeindebullen scÄecht gepflegt habe. Die Auslagen des Knechts stellten sich nun ale unzutrefscnd heraus.
Kassel, 25. April. Im Alter von 83 Jahren ist heuü vormittag der Oberlandesgerichtspräsident a. D. von H ollebeu, Kronsyndilüs der Krone Preußens und Herrenhausmitglied, gestorben.
Rom, 25. April. Die Ernennung desGeneralsPallio zum General st abschef anstelle des Generals Aletto kann als sicher betrachtet werden.
Paris, 25. April. Der Petit Parisien veröffentlicht eint Erklärung des Ministers P i ch o n ü b e r d i e 11 n t e r z e i ch n u n o des Ost- und Nordsee-Abkommens. Pickwn crklätte, diese Vereinbarung, die iwch vor einigen Jahren unmöglich gewesen wäre, sei als eine neue Sicherung des Friedens zu betrachten. pic bezeige den Wunsch von 7 Mächten, d. h. von mehr als b-r Hälfte Europas, aus ihren Beziehungen untereinander alles zu entfernen, was Konflikte veranlassten könnte. Frankreich, das mit der Politik ber internationalen Vereinbarungen voll- stimmen einverstanden sei, 'kann nur die Vermehrung ähnliäxr Vereinbarungen wünschen und hätte diesem sriä>lichen Wirken von Beginn an seine Mttwirkung gesichert.
Paris, 25. April. Wie aus Malta berichtet wird, explodierte dort gestern eine Bombe, die jedoch nut Materialschaden verursachte. Eine Untersuchung ergab, baß bie Bombe mit gewöhnlichem Schießpulver geloben war.
P etersburg, 25. April. Zeitungsmelbungen zufolge würben bie wegen bet 33 j a l i ft o f e r Juben-Massakres zv 5=monatiger Einreihung in bie Arreslanten-Kompagnie Verurteilten b e g n a b i g t. Ebenso würbe ber aus bem gleichen Anlaß zu 8 Jahren Zwangsarbeit verurteilte Dsemjanvltsch zu einem Jahr Gefängnis begnabigt.
Petersburg, 25. April. Wie verlautet, wird bet Leiter des Armee-Verpflegungswesens, Staatsral Gerbl, wegen eines Konfliktes mit dem Ministerpräsidenten Stolypin zurücktreten.
Aloskau, 25. April. Die Berichte über ben Saaten- stanb in Südrußland lauten trostlos. Insbesondere in ben Don- und Wolgagebietcn ist die W in t c r a us j a a t vollständig erfroren. Ebenso sind die Weinberge burd) Frost vernichtet worben. Infolge Mangel an Saalkorn konnte keine Neubestellung ber Felber vorgenommen werden.
Amtlicher Teil.
Krkanntmachimg.
Die Gesd)äftssteiie des landwirtschaftlichen Provinzialvereins in Alsfeld ist aufgehoben und in Friedberg neu errichtet worden. Alle Zuschriften an den landwirtschaftlichen Verein für die Provinz Oberhessen sind ba ’ her an die Geschäftsstelle in Friedberg zu richte n.
Gießen, den 23. April 1908.
Großherzogliches Krcisantt Gießen.
____________________________Dr. Breidert.____________________
KklrannlmachunK.
Im Anschluß an Ziffer 1 Abs. 2 unserer Bekanntmachung vorn 7. Januar 1908 (Kreisblatt Nr. 3) bringen wir zur öffenp lichen Kenntnis, daß der badische Kreis Mannheim al* verseucht zu gelten hat.
In Abänderung der Zisier 6 der erwähnten Bekanntmachung und im Anschluß an unsere Bekanntmachung vom 19. März 1908 (Kreisblatt Nr. 68) ordnen wir an, daß der Handel im Umherziehen mit Rindvieh weiter bis zum 1. Juni l90d verboten ist.
Gießen, den 23. April 1908.
Großherzogsicyes Kreisamt Gießen.
I. B.: L a n e r in a n n.
Gießen, den 23. April 1908. Betr.: wie oben.
Das Grohherpgliche Kreisamt Gießen
an die Ortspolizeibehörden
und die Großh. Gendarmerien des KreiseS-
Wir machen Sie auf vorstehende Abänderung auMerksam Sie ist ortsüblich bekannt zu machen und Interessenten stno entsprechend zu bedeuten.
____________I. V.: Lanaermann.
Bekanntmachung.
Betreffend: Die Revision und die Jungv»ehaufnahmcn im Kreise Gießen.
Die Revision der Herdbuchtiere und die Aufnahme de- Jungviehes im Kreise Gießen findet in der Zeit vom 25. Apri- bis 2. Mai statt und wird von unserem Zuchtverwaller^ Herrn Kreutz-Friedberg, üorgenonnnen. Die Veitrauensmäimei der Zuchtvereine erhalten von der Geschäftsstelle des Land- wirtschaftskammer-Artsschusses m Alsfeld noch besonbere Nachricht über Tag unb Zeit. Ich bitte die Lanbwirte, sich bezüglich bei ben Vertrauensniännern 311 erfunbigen.
Der Vorsitzende
bes LanbivirtschaftSkammer-AusschusseS für Oberheffen:
Korell. m


