Nr. 176 Zweites Blatt
158. Jahrgang
Mittwoch 29. Juli 1908
Erschein! täglich mll Ausnahme des Sonntag».
Die ..Sietzener FamilienblSIter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblati für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die ..randwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhesien
Rotationsdruck und Verlag der Drühlfcheu Universitäts - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktton. Expeditton und Druckerei: Sckuil- straße 7. Expedition und Verlag: et© 5L Redaktiomb-^H^Tel.-AdruAnzeige-Dießen.
Politische Tagesschau.
Die Revaler Monarchenbegegnung.
Gestern um 1 Uhr mittags fand ein Frühstück an Bord des „Standard" statt und am Abend um 5 Uhr» war ein Diner an Bord der „Berits". Die Abfahrt der französischen Schiffe wurde auf 2 Uhr nachts verschoben. Tie kaiserliche Familie begab sich heute früh an Bord des „Standard" nach den finnischen Schären. Tie Pariser Blätter bringen ausführliche Berichte über die Entrevue in Reval. Es liegen jedoch bisher nur wenig Blättersttmmen über die Bedeutung der Entrevue selbst vor. Als das sensationellste und bedeutungsvollste Moment der Entrevue wird die nahezu 50 Minuten lange Unterredung zwischen dem Zaren und dem Präsidenten bezeichnet, die an Bord der „Berits" ohne jegliche Augenzeugen stattgefunden hat. 9)ian vermutet, daß die mazedonische Frage bezw. die Ereignisse in der Türkei und in Persien den Hauptgegenstand dieser langen Unterredung gebildet haben. — Tie russischen Blätter kommentieren in sehr freundlichen Worten die Zusammenkunft in Reval. Die „Börsenzeitung" weist auf den friedlichen Charakter der russisch-französischen Allianz hin. Tie Blätter „Rjetsch" und „Slowo" erinnern daran, daß die. Annäherung zwischen Frankreich und 9tußland seit der Proklamierung der Verfassung in Rußland inniger geworden sei. — „Gior- nale d'Jtalia" erfährt aus guter Berliner Quelle, daß die Begegnung König Eduards mit Kaiser Nikolaus nur mäßige Früchte getragen zu haben scheine. Auf die Begeisterung von Reval sei in Rußland zweifellos eine große Ernüchterung gefolgt. Rußland betrachte die englischen Pläne in Mazedonien nicht mehr mit allzu großer Wärme. Dasselbe sei auch mit Frankreich der Fall. — Ein Leitartikel der offiziösen „Tribuna" stimmt anläßlich der Begegnung in Reval den üblichen Friedenshymnus an. Sie weift daraus hin, daß Deutschland von seinem früheren Mißtrauen von/ einer englisch-französischen Einkreisungspolitik zurückgekommen sei und daß l)eute Dreibund uno Zweibund an der Erhaltung des Friedens wie Brüder arbeiten. Am Schluß des Artikels bespricht das offiziöse Organ die türkischen Vorgänge, die ganz besonders die Eintracht der Mächte not- ivendig machten. Die wahre Gefahr im Orient für Europa bestehe heute nicht in einer etwaigen Verletzung der Verfasiung, sondern in dem Anwachsen des nationalistischen Gedankens in der Türkei. v
»
Ter neue Wind in Konstantinopel.
Die Meldungen auS der Türkei stimnlcn darin überein, daß der Sultan scheinbar den aufrichtigen Wunsch hat, die angekün- bißten Reformen durchzusühren. Tie politischen Gefangenen werden in der Tat aus den Gefängnissen entlassen bezw. aus der Verbannung zurückgerufen. Tie korruptesten Beamten des alten Regimes werden mit auffallender Schnelligkeit aus ihren Posten entfernt. Die Zeitungen tonnen schreiben, was ihnen beliebt, und sie machen guten Gebrauch von der neuen Freiheit. Innerhalb weniger Tage hat sich im öffentlichen Leben der Türkei tatsächlich eine Umwälzung vollzogen. Bezeichnend hierfür ist folgender Vorfall: Vorgestern gegen Mitternacht zeigte sich der Sultan der vor dem Jitdizpalais versammelten Menge. Er öffnete selbst die Fenster unb fragte die Erschienenen, warum sie gekommen seien. Aus der Menge wurde die Antwort laut: „Wir wünschen nichts anderes als Gesundheit Euerer Majestät. Seit 32 Jahren haben uns einige Verräter das Antlitz Euerer Majestät nicht gezeigt. Wir haben uns lebhaft nach Euerer Majestät gesehnt. Tausend Tank. Jetzt haben wir Euere Majestät gesehen. Lang lebe der Padischah." Darauf hielt der Sultan folgende Ansprache: „Meine Kinder. Seid ruhig. Seit meiner Thronbesteigung habe ich für das Gedeihen und das Heil meines Vaterlandes gearbeitet. Mein fchiilichster Wunsch ist das Wohlergehen meiner Untertanen, die mir so nahe stehen wie meine eigenen Kinder. Gott ist mein Zeuge. Bon jetzt an ist Eure Zukunft gesichert. Ich werde mit euch arbeiten. Lebt nun, Brüder, in eurer Freiheit. Ich bin befriedigt von der Treue und Dankbarkeit, die ihr mir bezeugt. Geht nach Hause, ruht euch aus." Unter lebhaften Akklamationen zog sich die Volksmenge zurück. — Der Wiederherstellung der Konstitution soll zunächst jetzt eine neue Thronfolgeordnung folgen, möglicherweise schon unter Anteilnahme des neuen Parlaments. Die bisherige Thronfolgeordnung, wonach nach Llb- leben, Absetzung oder Abdankung eines Sultans der älteste Prinz der Familie Osman Sultan wird, soll dahin abgeändert werden, daß die Herrschaft sich forterben soll vom Vater auf den Sohn, wie in Europa. Abdul Hamid will mit Umgehung seines Bruders seinen Lieblingsfohn Burhan Eddin, der jetzt 24 Jahre alt ist, zum Thronfolger bestimmen. Nach glücklicher Aenderung der Thronfolgeordnung beginnen durchgreifende Aendernngen der neuen sultanischen Hausordnung. Das Eunuchenwesen soll vollständig abgeschafft, dgs Haremwesen einer Reform unterzogen werden. Die Prinzen der Dynastie sollen sich mit europäischen Prinzessinnen vermählen dürfen und die Prinzessinnen ihren Glauben beibebatten bürfen.
Ans Statt nnt Cant»
Gießen, 29. Juli 1908.
♦* Auszeichnung. Der Großherzog hat zum 12. Juli d. I. dem Bürgermeister, Ortsgerichtsvorsteher und Standesbeamten Johannes Saltenberger VIII. zu Maibach das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für langjährige treue Dienste" am Bande des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
* * Pensionierung. Der Gro ßh erzog hat am 25. Juli d. I. den evangelischen Pfarrer Jakob Biegler zu Hähnlein, Dekanat Zwingenberg, auf sein Nach such en wegen geschwächter Gesundheit in den Ruhestand versetzt.
* * Hochschul nach richt en. Von der Akademie zu Frankfurt a. M. Als Assistent für englische Sprache und Literatur an der Akademie ist Herr M. Tenby, M- A i&ebd UniDcrfüi)) angcftcilt worden und wird im Oktober mit Vorlesungen über The Rvmantic Revival in England und verschiedenen neuenglischen Uebungen seine Tätigkeit anfangen.
**Poftpaketperkehr mit den Vereinigten Staaten von Amerika. Vom 1. August ab sind Postpakete nach und aus den Vereinigren Staaten von Amerika bis zum Gewichte von 5 kg (bisher nur 2 kg) zugelassen. Das Porch für em Postpaket aus Deutschland nach allen Orten der iVereinigten Staaten von Amerika, beträgt: bis 2 kg 1,40 Mk., über 2 bis 3 kg 2,10 Mk., über 3 bis 4 kg 2,80 Mk-, über 4 bis 5 kg 3,50 Mk.
* * Doppel-Jubiläum des Schützen-Vereins. Am Montag abend tagte im Schützenhause der Festausschuß |ur das
Jubiläumsschützensest, welches bekanntlich in den Tagen vom 1. bis 5. August in großartiger Weise geplant ist. Es handelt ficb dabei um eine freier des 30 jährigen Bestehens unseres SMtzen- vereins und gleic^eitig um das silberne Jubiläum des Stadtverordneten Brück als Ober-Schützenmeister (irren wir nicht, so i"t Herr Brück auch in diesem Jahre 25 Jahre Stadtverordneter«. Aus den Mitteilungen der einzelnen Unterausschüsse ging hervor, daß die Vorbereitungen zum Fest erhoffen lassen, daß, wenn das Wetter günstig ist, mir in Gießen einmal wieder ein in jeder Weife glänzendes und groß angelegtes Volksfest erwarten dürfen. Tie Festrede wird Herr Stadtverordneter Fr. Helm halten- Be- onbere Anziehungskraft werden die Geiangsvorrräge des Bäuerchen Gesangvereins, der einige neue Chöre bringen wird, und die Vorführungen des Männcr-Turnvercins bilden, letzterer tvird die Uebungen des Gaues Hessen beim Deutschen Turnfeste vor sich ren. Eine Musterriege wird Gipfelübungen und Pyramiden am Barren zeigen. Ein Festzug, der aus 3 Abteilungen bestehen wird, geht pünktlich am Sonntag 1 Uhr>45 Minuten vom Walltor ab und bewegt sich durch Walltorstraße, Lindenplatz, Markt, Marki- ftraße, Bahnhofstraße, West-Anlage, Sellersweg, .üreuzplatz, Markt, Schulstraße, Weuen Baue, Ludwigsplatz, Kaiser-Allee, Festplatz. Ter Weckruf am Sonntag wird etwa denselben Weg nehmen, dem Jubilar Oberschmtzenmeister Brück aber dabei eine Morgcn- musik barbringen. Auf dem Festplatz werden große geräumige Bierzelte aufgeschlagen, um Schutz gegen die Sonnenstrahlen, aber mich gegen ctma ein tretendes Reg en weiter zu fd)affen. — mit dem letzteren rechnet man selbstverständlich nichts—. Ein großer Juxplatz und ebenso die Einrichtung zu einem Sommernachtsball wird auf dem Festplatz nickst fehlen. Für die Beleuchtung des Festplatzes mit Spiritus-Alühlickst usw. ist gesorgt- Außer dem Ausschank von Bier aus der Union-Brauerei und von Friedel u. Asprion, wird auch eine bayrische Bierl-alle eingerichtet, in denen auch bayrisck>e 'Nationalgerichte nicht kehlen werden. Es haben bereits zahlreick)« fremde Schützen ihr Erscheinen aus Anlaß der Doppel-Jubelfeier unseres Schützenvereins zugesagt und ist auch der Gabentempel dementsprechend reich dotiert worden.
** Unfall. In der v- Müuchowschen Univ.-Druckerei kam gestern der Maschinist mit einem Arm in die Maschine. Ter Arm wurde zermalmt, die Sanitätswache leistete die erste Hilfe und brachte den Verletzten nach seiner Wohnung.
** Einbruch. Im benachbarten Kinzenbach wurde gestern am Hellen Nachmittage ein Einbruchsdiebstahl verübt. Ten Dieben, es sollen zwei Handwerksburscheu in Betracht kommen, fielen 72 Mark Bargeld in die Hände.
•• Stenographisches — Stolze-Schrei). Die Jahreshauptversammlung des Miltelwestdeutschen Steno» graphenbundeS Stolze-Schrcy, umfassend die Gebiete Hessen, Hessen-Nassau, Kurhessen und kleine Teile von Nheinpreußen, findet in den Tagen vom 5.—8. September d. I. in Gießen statt. Vorgesehen ist ein Wettschreiben, wozu bereits über 200 Meldungen vorliegen. Redakteur M. Bäcklos-Berlin, Vorsitzender des Deutschen Stenographcn-Bundes, eine Autorität auf stenographischem Gebiet, wird einen Vortrag über die Einigungsbestrebungen für die verschiedenen Systeme der Kurzschrift halten, zu dem die Univcrsitätsbehördc die Festaula freigeben wird.
"In Amerika verstorbene Hessen. In Mt. Vernon, N.-P., starb an 5. Juni im ''Alter von 80 Jahren Heinrich Rudolph aus Hebel in Kurhefscn. In Portchester, N.--P., starb Henry Heyr, 60 Jahre alt, aus Frankenberg in Hessen-Nassau. — In Newark, N.-P., starb am 25. Juni Frau Katharine Konradi, geb. Bamberger, im Alter von 76 Jahren, aus Hesftn-Darmstadt. — Im Altenheim zu New-Haven, Conn., starb im Alter von 84 Jahren William Froehlich aus Wichmannshausen, Kr. Eschwcge. — In East Mill Creek, Erie Co„ starb am 23. Juni Jakob Seid im Alter von 85 Jahren aus Albig. — In Whceling, W. Va., starb am 22. Juni Jo Hs. Schmidt aus Strebendorf, Kreis Alsfeld, im Alter von 78 Jahren. — In Rockwell, Ja., starb Frau Magdalena Fashing, geb. Mitfch, im Alter von 75 Jahren aus Worms. — In Faribault, Minn., verstarb infolge eines Herzschlages Johann Heinrich Ubrich im Alter von 73 Jahren aus Vadenrod, Kreis Alsfeld. — Am 7. Ium starb in Pekin, Jll., im Alter von 80 Jahren Frau Katharina Heß, geb. Pfeiffer, verwitwete Schlumpf, aus Hessen-Darmstadt. — In Warsaw, Jll., starb im Alter von 83 Jahren Heinrich K u s ch e aus Buchenberg, Kr. Vöhl. — In Albany, N.--P., starb am 27. Juni Frau Anna M. Liebel, geb. Wambach, im Alter von 62 Jahren aus Braunhaufen in Kurhessen.
-f- Annerod, 28. Juli. Bei günstiger Witterung und unter zahlreicher Beteiligung nahm das am letzten Sonntag hier stattgefimdene Missionsfest des Dekanats Gießen einen erfreulichen Verlauf. Der Festpredigt des Pfarrers Glück von Heuchelheim lag 1. Timotheus II, 4 zu Grunde, der Ansprache des Missionars Müller von HerSfcld Matthäus 13,47. Pfarrer Gußmanu aus Hirschberg gab einen kurzen lieber» blick über den Missionseifer der Dekanatsgemeinden, soweit er sich eben durch Zahlen und statistische Vergleiche messen läßt. Die erste Stelle nimmt Lang-Göns ein mit 736 Mk. Mifsionsgaben im Jahre 1906, oder auf den Kopf der Einwohnerzahl 46 Pfennig. Im ganzen gingen aus den evangelischen Gemeinden des Dekanates in 1906 ein — 4976 Mk. oder auf den Kopf 11 Pfg. Man braucht nur danebenzuhalten, was unser Volk jährlich verausgabt für geistige Getränke, oder man braucht nur an den kulturellen Wert zu denken, den die Missionsarbeit z. B. für unsere deutschen Kolonien hat, um zu erkennen, daß unser Volk für die Mission noch weit mehr tun müßte und bei einigem Opfersinn auch könnte. Zum Schluß dankte der Ortsgeistliche den genannten Rednern und dem Posaunenchor von Klein-Linden, sowie auch dem einheimischen Kirchenchor uyd seinem Dirigenten, dem Lehrer Euler, welche durch ihre Darbietungen dem Feste den erwünschten stimmungsvollen Rahmen gaben. Die Festkollekte ergab 60 Mk., für verkaufte Missionsschriften gingen ein etwas über 10 Mk. Möge die Feier den MissionSsinn der Festgemeinde nachhaltig befruchten!
(?) Hungen, 28. Juli. Der Hund einer umherziehenden Mahncmacherfamilie siel heute nachmittag über einen hiesigen 11 jährigen Schuljungen her und richtete ihn schrecklich zu. Neun Bißwunden hatte der Hund,
der später von einem hiesigen Einwohner erschossen wurde, dem bedauernswerten Jungen beigcbracht, so daß ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte.
X. F r i e d b e r g, 28. Juli. Auf der Strecke Friedberg- Hanau e n t g l e i st e n heute abend in der Nähe der Station Bruchköbel einige Wagen eines Materialzuges, infolgedessen die Abcndzüge nach beiden Richtungen hin erhebliche Ver- pätungen erlitten.
-t-. Steinfurth, 27. Juli. Der örtliche Zweigverein der Gustav Adolf-Stiftung begeht hier Sonntag den 9. August seine diesjährige Jahresfeier. Im FestgotteSdiensl, beginnend nachmiltags • 2 Uhr, predigt Pfarrer Vogel aus Staden; in der Nachoersammlung wird Pfarrer Allwohn aus Marienfchloß sprechen. Die Bc» gleitung des Gemeindegesanges erfolgt durch den Posaunen- chor aus Friedberg, der außerdem noch die Musiktücke: Preis und Anbetung (von Rinck), Ehre sei Gott (von Silcher) und: Die Himmel rühmen (von Beethoven) vorträgt.
(§) Bad Salzhausen, 27. Juli. Wir stehen jetzt in der Hochsaison. Die Hotels mit hohen Preisen waren either mäßig besucht, jetzt ist flotter Geschäftsgang, nur die Bäderabgabe läßt noch zu wünschen übrig. Die vorjährige bedeutende Preiserhöhung der Soolbäder scheint noch schädlich nachzuwirken. Leider wird die erst seit diesem Jahre eingeführte Preisermäßigung für Unbemittelte :c. nicht ent» prechend auSgenutzt. Wer ein JahreS - Einkommen (nicht Vermögen) bis 2500 Mk. hat, zahlt 60 Pf., 1000 Mk. Einkommen zahlt 30 Pf. und 600 Mk. Einkommen nur 20 Pf. für ein Nachmittagsbad. Nötig ist ein ärztliches Attest, Steuerzettel und Bescheinigung der Bürgermeisterei. Zur Reklame für Bad-Nauheim ließ die Hess. Regierung etwa 50 000 hochfein auSgcftattete Kunstblätter drucken, die in der Hess. Landesausstellung an die Besucher gratis verabfolgt werden. Von einer solchen Reklame für Bad Salzhausen verlautet nichts.
(?) Aus der Wetterau, 28. Juli. Gegenwärtig ist man eifrig mit dem Schnitt des Korns und der Gerste beschäftigt und das Klappern der Mähmaschinen ist überall im Felde hörbar. Mit dem Ertrag ist man im allgemeinen zufrieden; auch die übrigen Getreidearten stehen zum Teil recht schön und versprechen eine gute Ernte, ebenso Kartoffeln, Tickwurz usw. Die Apfelbäume versprechen einen guten Ertrag. Manche Bäume sind so schwer mit Früchten behangen, daß sie gestützt werden mußten. Auch die Zwet- schenbäume zeigen zum Teil guten Behang, während die Birnbäume wenig oder gar feinen Ertrag liefern. Möge nun alles glücklich unter Dach kommen und die Gemarkungen von schweren Hagelwettern, rote sie anderwärts wüteten und ganze Ernten vernichteten, verschont bleiben wie bisher.
Frankfurt a. M., 28. Juli. Heute nachmittag brach in dem Dach stock der Nosenapotheke am Salzhaus, die mit der Rückseite an das Geburtshaus Goethes grenzt, ein bedeutendes Feuer aus. Die Flammen schlugen stockwerkhoch aus dem Dachstock, der ein Raub der Flammen wurde. Zahlreiche Tclephonleitungen wurden vernichtet/ Der Schaden wird auf 50 000 Mark berechnet. Von den Flammen wurden auch die Bestände eines Papierlagers verzehrt.
Frankfurta. M-, 28. fruli. Tic Stadtverordneten^ Wedel und Genosfen haben folgenden Antrag gestellt: Zur Ab- wcndung der geplanten E l e k t r i z i t ä t s fte u e r erscheint ein gemeinsames Vorgehen der Siadtgemcinden geboten und zwar am wirksamsten durch Vermittlung des deutschen Etädtctages. Tie Unterzeichneten beantragen deshalb, den Magistrat ersuchen, sich zu genanntem Zwecke alsbald mit dem deutschen Städtetage in Verbindung zu setzen und der Stadtverordnetenversammlung' von den eingeleiteten Schritten Kenntnis zu geben.
X. Hanau, 28. Juli. Die leidige Unsitte, zum. Feueranmachen Petroleum zu benutzen, zeitigte im benachbarten Rückingen wiederum einen schweren Unfall, indem die 11 jährige Tochter des Bahnarbeiters Lach durch die Explosion des Petroleums schwere Brand-, wunden, am ganzen Körper erlitt.
Ordentliche Sitzung des Provinzialtags der Provinz Lberhesseu.
Gießen, den 25. Juli 1908.
Nach Eröffnung der heutigen Sitzung, zu der 21 Mitglieder erschienen waren, durch den Vorsitzenden, Provinzial- direktor Geheimerat Tr. Breidert wurden zunächst die Abgeordneten Reibling-Brauerschwend und Schmalbach-Crainfeld zu Urfundspersonen bestimmt und hieraus der Protokollführer verpflichtet. Sodann wurde die Prüfung der' Ergänzungswahlen zum Provinzialtag vorgenommen. Es waren gewählt worden: im Kreise Alsfeld: Heinrich Brauer- Ober-Ofleiden, Bürgermeister Neeb-Nieder-Ohmen und Heinrich Koch XIV.-Alsfeld; im Kreise Büdingen: Mühlenbesitzer Ertz-Nidda und Forstmeister Tr. Weber-Konradsdors; im Kreise Friedberg: Stadtverordneter Falck-Friedberg, Geh. Justizrat Jöckel-Friedberg, Hotelbesitzer Sprengel-Bad-Nau- heim und Kommerzienrat Trapp-Friedberg; im Kreise Gießen: Geh. Justizrat Tr. Gutfleisch, Kommerzienrat Hey- ligenstaedt-Gießen und Bürgermeister Zimmer-Grünberg; im Kreise Lauterbach: Leonhard Hoos-Lauterbach und Bürgermeister Schmalbach-Crainfeld; im Kreise Schotten: Bürger-! meister Kromm-Schotten und Se. Erlaucht Graf Wilheln? zu Solms-Laubach-Laubach. Tie Wahlen gaben zu Beanstandungen feinen Anlaß und fanden die Genehmigung des Provinzialtags. Ebenso war die Rechnung der Provinzial- kasse für 1906, die mit einem Kassenvorrat von 51871.90 Mk. abschließt, und der Verwaltüngsvericht nicht zu beanstanden. Was den Voranschlag der Proviuzialkasse für 1908 betrifft,, so hält sich derselbe im allgemeinen im Rahmen der feit» 1 hörigen Bedürfnisse. Für die Weiterarbeiten zu den Werken 1 Inheiden und Lißberg sind 10 000 Mk. vorgesehen, ferner 5000 Mk. für Kosten der Vorarbeiten zu Gemeinde-Wasserleitungen bei weniger bemittelte» Gemeinden, wobei nup


