Ausgabe 
27.6.1908 Zweites Blatt
 
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itihrfirfi an9eMte 9tcd)nun9' baß all-l vertreten, wie dies bisher bei anderen Museumsausstel-

lanriid ourcki die DGricßiphprtpn (^fiihpTTfpithprpitir' ikhaah ~ ...... ,, < ' «

jährlich durch die verschiedenen Studentenvereine und an­dere Gesellschaften, die sich nach studentischem Vorbilde rich­ten, über 2 Millionen Mark ausgegeben werden, wurde von genauen Kennern eher als zu niedrig, denn als zu hoch gegriffen bezeichnet.

, Hessen ist in dieser Abteilung der Gegenbeispiele er- steullcherweise wenig vertreten. Aus Darmstadt und Großen bringt die Studentenkunstausstellung vielmehr manches Erfreuliche, gehören doch schon dem Ehrenausschuß Manner an, wie Geh. Iustizrat Prof. Tr. A. B. Schmidt- Gr e ß e n und Prof. Dr. Rudolf Kautz s ch - Darmstadt. Auch rn der Jury finden wir hessische Namen oder solche von Mannern, dre wenigstens eine Zeitlang in Hessen wirkten, so: Pros. Albin Müller-Darmstadt, Prof. Habich, jetzt Stuttgart, früher Mitglied der Darmstädter Künstlerkolonie.

beiden Hess. Hochschulen haben auch sofort nach Be- tanntwerden des Ausstellungsplanes Ehrenpreise ge­stiftet, so die Universität Gießen einen Ehrenpokal aus Zrnn von O. Gahr-München ynd die Technische Hochschule m Darmstadt einen Ehrenschläger von Prof. Riegel- Darmstadt. Den Ehrenpreis der Universität Gießen erhielt dre Verbindung Wingolf in Tübingen für einen Präsidenten- ftuhl, den Ehrenstreis der Darmstädter Techn. Hochschule trug der Akademische Verein an der Techn. Hochschule zu Darmstadt für einen Stammtischständer aus Messing davon Auch sonst wurden hessische Aussteller noch mit Preisen bedacht, so erhielt das Corps Starkenburgiain Gießen für zwei Messingkandelaber den Ehrenpreis der Techn. Hoch- fchule München, Prof. E. Riegel in Darmstadt wurde ern Preis von 300 Mk. zuerkannt, der Verbindung W i n golf rn Darmstadt der Ehrenpreis der Erlanger Dozenten, eine Truhe mit Kissenbezug.

Größten Interesses erfreut sich nach wie vor auch die retrospektive Abteilung. Es lag ja sehr nahe, den wenig erfreulichen^Gegenbeispielen" noch eine Gruppe an- zuglredern, die uns die Gründerzeit unserer studentischen Korporationen widerspiegelt, ferner an authentischen Bil­dern und Dokumenten auch das akademische Leben früherer Jahrhunderte zu zeigen, namentlich was aus dem Studenten­leben des IG. brs 18. Jahrhunderts erhalten ist. Besonders die kulturgeschichtlich überaus interessanten Stammbücher ünd Dank der Unterstützung von Atuseen, Bibliotheken, Sammlern'und Kunsthandlungen in einer so stattlichen Weise

* Ae-^exv die Einwohnerzahleu der preußischen Großst ad t e am 1. Januar d. I. entnehmen wir den der Be­rechnung der Bevölkerungsbewegung zu Grunde gelegten amtlichen Zahlen des Statistischen Landesamtes folgendes: Es sind m Preußen 29 Stöbte mit mehr als 100 000 Einwohnern vorhanden. Gegenüber der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 hat sich die ^ahl durch Hmzutritt von Erft.rt mn 1 vermehrt. Die Reihenfolge qt unter Gegenüberstellung der Ziffer der letzten Volkszählung die nachstehende: Berlin 2 111361 (1905 2 040148), Breslau 491434 9a?n-Q?' ?oln 4o8 037 (428 722), Frankfurt a. M. 354442 ^49,8, Hannover 279210 (250024), Charlottenburg 265 801 (239 oo9), Dusseldors 262 656 (250 024), Essen 247 598 (231 360) Magdeburg 246 799 (240 633), Stettin 236 884 (224119), Könias-

234: 282 ^223 770), Duisburg 204 254 (192 346), Dortmund 072 (175 557), Kiel 178 463 (163 772), Halle 177 971 (169916* .Ia^a17?/84^168320)' ^jxdori 170 597 (153 513), Danzig 167 979 (159 648), Elberfeld 167 733 (162 853), Schöneberg 160 673 (141 010) ?CArAn^1,160 200 (106 080), Gelsenkirchen 155357 (147 005), Kassel 152 339 (138 670), Aachen 152 092 (151 971), Posen 143 172 (136 808) ?nr-e -!,o )?a 216 344), Bochum 123 771 (118 464), Wiesbaden

^o^73.. l/00 953) und Erfurt 103 063 (98 849). Die Reihenfolge ber Städte hat sich mehrfach verschoben, insbesondere ist Charlotien- burg von: 8. auf den 6., Rixdorf vom 20. auf den 17. und Schöne- berfl vom --3. auf den 20. Platz gerückt. Die nächste Stadt die in die Reihe der Großstädte arisrücken wird, ist Mülheim a. d. Ruhr '^(08 642 (1905: 93 599) Simvohnern, dann folgen Bonn mit

munftev mtt 84 953 (81468) und Görlitz mit 04 oJo (83 76b).

vermischte».

. * Der Kaiser und die Wohnun gsfürsorqe

tn. Bei der letzten Englandreise hatte

unser Kaiser an den englischen Eigenhäusern für Arbeiter und den Mittelstand die Vorzüge des Einzelwohnhauses schätzen gelernt und sich über diesen Gegenstand kürzlich nnt dem Münchner Oberbürgermeister unterhalten und er- klart, er würde es mit Freuden begrüßen, wenn das Einzel - Wohnhaus auch bei uns in Deutschland immer mehr und mehr zur Einführung käme. Diese dahinzielenden Be­strebungen bei uns in Deutschland zu fördern, hat der Kaiser eine wertvolle Sammlung guter Pläne englischer Einzelwohnhauser von hervorragenden Architekten erworben die letzt emer Zeitschrift zur Veröffentlichung übergeben worden sind. Wenn wir in Deutschland wohl auch wesentlich andere Anforderungen bei der Errichtung solcher Häuser Kastellen haben, so werden unsere Bauherren und Bau­fachleute doch manche neue Anregung aus diesen Veröffent­lichungen schöpfen können, und das dürfte wohl auch der beabsichtigte Zweck der vom Kaiser angekauften Entwürfe

rufung, da, wenn auch tatsächlich eine geistige Minderwertigkeit und perverse Veranlagung vorliegcn sollte, was übrigens nickt feitgcstellt wurde, die Strafe folgen nrüßte. Im Interesse dcr Zucht und Ordnung au) der Straße konnte auf die von der Ver­teidigung erbetene Geldstrafe nicht erkannt werden.

Nt beendet. Die Fabrikanten haben die im Schiedssprilch fest­gesetzten Lohnerhöhungen anerkannt und die Arbeitnehmer ihren ab­lehnenden Standpunkt gegen den von den Arbeitgebern verlangten Endtermin aufgegeben. Die Dauer oes Tarifs ist damit auf drei ^ahre sestgelegt. Am 29. soll die Arbeit ivieder (titigenommeu werden.

D e r A u s st a n d in Par m a hat bis jetzt 8 Millionen Lire gekoltet, von denen die Ausständigen 2 und die Eigentümer 6 Mil' lionen tragen. Außerdem muß noch in Rechnung gestellt iverden der V er lull an -Viehzucht, sowie die Kredite für polizeimaß- regeln. Ser ikal. Staatsminister hat soeben in der Kammer neue Kredite tm Betrage von 51/, Millionen verlangt, anstatt der ge­wöhnlich verlangten 2 Millionen. u

, .. Die unentgeltliche Unterstützung kleiner (südlicher B o l ks b i b l i o t h e k e n in Hessen ist durch einen Beitrag, den das Großh. Hessische Ministerium, Abteilung des Innern, der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung in Ham- burg-Großborstel gewährt hat, erniöglicht worden. Durch diese Spende wird die Stiftung, die unser ländliches Volksbckliorheks- wesen seit Jahren durch Verteilung guter Bücher auszubauen ver- ucht, in die Lage versetzt, eine Anzahl von Büchern an kleine, bc= anders bedürftige ländliche Volksbibliotheken in Hessen zu vei- Ichenken. Bewerbungen sind zu richten an die Abteilung für Volksbibliotheken der Deutschen Dichter - Gedächtnis ° Stiftung in Hamburg-Großborstel. Tie Stiftung hat in den letzten Jahren über 100 000 gute Bücher, sämtlich dauerhaft gebunden uno lite- rarisch auf das sorgfältigste atisgewählt, an kleine ländliche Volks- bibltotheken verteilt.

~ kleine K u n st ch roni k. Wie man und mitteilt, sind Aufführungen von Will). Henze ns FestspieleTurnvater Iah n" im Frankfurter S ch a u s p i e l h a u j e ztinächst auf den 19., 20., 21. und 24. Juli angesetzt. Opernsänger Hops aus ^ranksurt ist an das Hoftheater in Wiesbaden engagiert worden. Zu Kapfenberg im Mürztal wurde ein B r u n n e n d e n k m a l Peter Roseggers enthüllt. Ter Dichter ist als Waldschulineistcr nut einem Reh dargestellt. Das Modell zii diesem Monument har >rof. Brandhiiber m Graz entworfen. Auf der 8. Haupt-Bcr- ammlung des (Leipziger) A e rz t e - V er b a n d e s zu Danzig prach u. a. Dr. Sardeman n aus Marburg über die Stellung der Aerzte zu den st u d e n t i s ch e n -K r a n k c n k a s s e n

lungen noch nicht der Fall war. Um neben dem kultur­geschichtlichen Element auch das künstlerische ans alten Glanzepochen der akademischen Vergangenheit zur Geltung kommen zu lassen, haben einige Universitäten, in erster Reihe die von Gießen, Greifswald und Tübingen, die Güte gehabt, einige der kostbarsten Stücke aus altem Uni­versitätsbesitz der Ausstellung zur Verfügung zu stellen, so daß auch nach dieser Hinsicht die Stuttgarter Studenten- kunstausstellung manches prächtige Stück vorzuführen in der Lage ist. Gießen hat ein wunderbares silbernes Un i- versrtätsszepter aus dem 16. Jahrhundert, eine Meisterarbeit edelster Renaissancekunst, sowie mehrere sil­berne Barock-Pokale gesandt.

So bietet die Ausstellung eine äußerst gelungene Ueber- sicht über Vergangenheit und Gegenwart der Studenten­kunst und gibt wertvolle Fingerzeige dafür, in welchen Bahnen sie in Zukunft wandeln kann und wird wandeln müssen. Dr. C. E.

GerichtssaaL.

a- mobilistisch es. Im August v. I. fuhr der

Kaufmann Ed. Eugle r aus Frankfurt a. ÖL mit seinem Auto, in dem mehrere Offiziere saßen, darunter der damalige General- ^igpekreur der 3. Armee-Inspektion v. L i n d e g u i st, aus der (Etrage von Darmstadt nach Griesheim. Auf dieser Fahrt karambolierte das Vehikel mit einem in gleicher Richtung sahrenden Lastfuhrwerk des Karl Gölz. Gölz wurde durch dieses Anfahren unter die Räder seines Wagens geschleudert und erlitt so erhebliche mnei'e Verletzungen, daß er nach einigen Tagen daran verstarb. JiNolge des Vorfalles stellte die Staatsanwaltschaft in Darmstadt (jinuttelnngen an und leitete die Voruntersuchung gegen Engler em. -.'lese ergab, daß Engler vorschriftsmäßig gefahren und k et n e r l e i F a hrlässigkeit sich hat zu Schulden kommen Iahen. Er wurde dieserhalb außer Verfolgung gesetzt. Nunmehr erhob aber die Witwe des Karl Gölz Klage beim Landgericht der Provinz Starkenburg in Darmstadt auf Schadenersatz. Sie verlangt von Engler eine lebenslängliche Rente für sich und ihre imui.cri^r'deu "ider, deren Höhe noch nicht fixiert ist. Das Land­gericht hat nunmehr eine umfassende Zeugenvernehmung angeordnet, i unter den Zeugen befindet sich auch Exzellenz v. Lindequist. öiau jift gespannt auf den Ausgang dieses Prozesses. Engler ist der Vorsitzende des Automobil-Klubs in Frankfurt a. ÖL

6 Marburg, 26. Juni. 2 er in Frankfurt a. ÖL wohnende

Arbeiterbewegung.

Berlin, 26. Juni. Ter nahezu zivei Rlonate andauernde streik m der R e i s e e f i e k t e n - I n d u st r i e Groß-Berlins

Jägerlatein.

Int letzten Winter sal). sich der Kreisgeometer K. H. von G r ü n- b e r g veranlaßt gegen den Forstwart Sch. zu Büßseld, der auch

<schütz der von H gepachteten Jagd auszuüben hatte, Beschwerde zn fuhren. Nachdem er aufgefordert worden war, seine Bcschwerde beim Finanzministerium als vorgesetzte Behörde des r)orstwarts zu begründen, machte er eine Eingabe, in der er den ö-oritroart der Verletzung seiner Amtspflichten beschuldigte. Er behauptete dann, der Forstwart habe einen ihm (H.) entlaufenen vund, den ein Wirt zu Büßfeld in seinen Stall eingesperrt hat, widerrechtlich in seine Wohnung genommen und trotzdem er den Eigentümer des Hundes gekannt hat, im Alsselder Kreisblatt be­kannt gemacht, daß der Hund gegen Erstattung der Inserat- und H-utterkosten bet ihm abgeholt werden könne, um ihm (H.) Kosten und Unannehmlichkeiten zu bereiten. Weiter sei der Forstwart bei einer Treibjagd chikanös gegen ihn und seine Jagdteilnehmer vorgegangen, indem er während des Treibens die Jagdwaffenpüsse revidierte und schließlich behauptete er, der Forstwart habe fort­gesetzt gewildert. Er verlangte Schutz gegen die belästigenden und schädigenden Eingriffe des Forstwartes und bemerkte dabei, das widerrechtliche Handeln sei bezeichnend für dessen Charakter. Da diese Anschuldigungen der Begründung entbehrten und der Forst­wart bei seinen Vorgesetzten als pflichttreuer Beamter galt, wurde angenommen, H. habe diese Behauptungen gegen besseres Wissen aufgestellt, weshalb gegen ihn wegen falscher Anschul­digung Anklage erhoben wurde. Der Angeklagte hielt seine Be­hauptungen aufrecht; er will den Forstwart im Walde mit Flinte und Rucksack gesehen haben. Bei feinem Herannahen habe er sich entfernt und ängstlich umgesehen und von einem in seinem Jagdgebiet gefundenen Reh mußte er annehmen, daß es der Forst­wart erlegt hat; auch sei bei diesem ein Rehfell und Geweihe ge­sehen worden und bei feiner "Anwesenheit in dessen Wohnung fei alles sehr bestürzt gewesen. Da auch noch einige andere Jäger ibm gegenüber den Forstwart des Wilderns bezichtigten, habe er sich, für berechtigt gehalten, dieses in seiner Eingabe zu erwähnen. Auf Grund der Beweisaufnahme mußte angenommen werden, daß der Wirt, bei dem sich der Hund des Angeklagten eingefunden hat, mehr gesprochen hat, als er zu verantworten imstande ist, so daß der Angeklagte der Meinung gewesen sein kann, der Forstwart habe gewußt, daß der Hund dem Angeklagten gehöre. Es stand auch fest, daß der Forstwart zu einer ungehörigen Zeit den Jago- waffenpaß eines Jagdteilnehmers revidiert hat, wenn dies sich auch nicht als Chikane darftellt. Was das Wildern durch den Forstwart anbelangt, konnte von einer unberechtigten Jagd­ausübung nicht geredet werden, aber das Jägerlatein scheint unter den Jagdpächtern eine große Rolle gespielt zu haben, so daß der Angeklagte zur Ansicht gelangen konnte, der Forstwart wildere tatsächlich. Da dem Angeklagten unter diesen Umständen nicht nachzuweisen war, daß er seine Behauptungen gegen besseres Wissen aufgestellt hat, was zur Verurteilung wegen falscher An­schuldigung Voraussetzung ist, blieb nur noch das Vorliegen von Beleidigung übrig; er ist aber durch den § 193 geschützt, weil er mit seiner Eingabe berechtigte Interessen gewahrt hat, zumal er zur Begründung seiner früher erhobenen Vorwürfe ausge- wrdert worden ist. Der Angeklagte ist aber an zwei Stellen zu weit gegangen, indem er verletzende Kritik geübt hat. An der einen Stelle bezeichnet er das Verhalten des Forstwarts als chikanös und an anderer Stelle heißt es, daß das widerrechtliche Handeln bezeichnend für dessen Charakter sei. Da er insoweit die Grenzen des Erlaubten überschritten hat, mußte Bestrafung wegen Beleidigung eintreten, die mit einer Geldstrafe von 30 M k. bemeffen wurde.

Ein gelynchter Prediger. Aus Newyork wird gemeldet, daß ein Fall von Lynchjusttz sich in der kleinen Stadt Hermannstadt (Amerika) ereignete. Das Opser war der evang. Prediger Strauß, der der dortigen lutherischen Kirche Vorstand. Strauß war von religiösem Wahnsinn befallen. Er bildete sich ein, daß es seine Pflicht sei, möglichst vrele Menschen ins Jenseits zu befördern und ihnen die himmlische Seligkeit zu verschaffen. 'In Ausführung dieser Wahnsinnsidee kaufte er sich ein Gewehr, verließ sein Haus während der Nacht und erschoß eine Anzahl Per- f o ne n. Tie ganze Umgebung war durch die n ä ch t l i ch c n Mordtaten alarmiert, aber niemand brachte den Pastor .mit diesen Verbrechen in Verbindung. Erst nachdem er­acht Personen ermordet und mehr als 20 so schwer verwundet hatte, daß ihr Aufkommen ausgeschlossen er­scheint, entdeckte seine eigene Frau, daß er der Tater sei Sie verständigte die Nachbarn, die den Prediger beobachteten Bald überzeugten sie sich, daß er tatsächlich der Mörder fer und nun beschlossen die Aeltesten der Stadt, Lynchjustiz zu üben. 12 Mitglieder der Kirchengemeinde lauerten dem Prediger des Nachts auf, und als sie ihn mit einem Gewehr herantommen sahen, schossen sie ihn nieder. Er starb bald darauf in den Armen seiner Gattin, die anscheinend diesen

Ztudentenkunst.

o lieber bie Studenteni.stu:tng, die seit einiger ^>eit in S t u t t g a r t zu sehen ist, haben wir schon in unjcrer 9tr. 130 berichtet. Es soll heute nur kurz von den Gegenständen und Ausstellungsobjekten berichtet werden ,dre auf Gießen und Hessen icherbaupt Bezug haben, und dann soll die Rede sein von einer neuen Abteilung in der Ausstellung, die erst jetzt zur Mufftet hing gelangt ist.

llnfcr Stuttgarter Mitarbeiter schreibt uns:

Sie Stuttgarter Studentenkünstausstellung halte das Geichick aller Ausitellungen, sie war bei ihrer Eröffnung noch nicht ganz fertig. Erst jetzt ist dies der Fall Die .Abteilung, derGegenbeispiele", die eigentlich ab­schreckend wirken soll, ist erst jetzt eröffnet worden; in ihr wird gezeigt, was in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gefundigt wurde. Man wundert sich, wenn man diese Ge- fchmacklosigkeiten betrachtet, daß der Studio sich solche Dinge

teures Geld aufhüngen ließ, man wundert sich, daß er Gefallen daran finden konnte, und freudige Genugtuung entspringt diesem Gefühl, daß es jetzt doch Gottlob anders geworden, daß ein gesundes Kunstempfinden wieder in Studentenkreisen selbst wach geworden ist. Wenigstens zum Beu, denn das ist der Humor davon: diese Gegenbeispiele fmd von den Einsendern nicht in Absicht, abschreckend zu wirken, gesandt worden, sondern in verblüffender Naivität und Unschuld schickte man auch diese Gegenstände, um mit ti)neu womöglich gar einen Preis zu erringen! Das spricht beredt dafür, in wie tiefe Geschmacklosigkeit sich unsere akademische Jugend z. T. verirrt hat. Was jetzt in dieser Abteilung alles mögliche, Wappen, Becher, 5wnnen Bowlen aus verschiedenstem Material, ans denen in mög­lichst knalligen Farben und möglichst wenig passendem Ma­terial, Smnsprüche, heraldisch unmögliche Wappen, Dedi- kationstexte usw., gemalt, geprägt, graviert, aufgelegt oder au,geklebt sind. Da sehen wir Postkarten, Programms Festschriften und Drucksachen aller Art, Krüge, an denen sich drei oder vier Stilarten in scheußlichstem Mischmasch zu unglaublicher Geschmacklosigkeit verquicken. Kurz: diese ganze Abteilung erzählt, wie tief die Studentenkunst ge­sunken war, wie notwendig diese Ausstellung gewesen ist und wie erfreulich immerhin schon die neue Kunst auch Lus diesem Gebiete gewirkt hat. Denn man glaube nur ja nicht, baß die ganze Sache etwa nichts weiter als eine

R. B. Darmstadt, 26. Juni. Der Ernst Ludwig- Verein, Hessischer Zentral-Verein für Errichtung billiger Woh­nungen, hielt heute im städtischen Saalbau seine Hauptver- jammlung ab, die von nah und fern, besonders von behörd­lichen Vertretern stark besucht war. Der Vorsitzende, Frhr. Hehl zu Herrnsheim, begrüßte die Erschienenen, darunter Staats- minister Ewald und Geheimerat Frhr. v. Biegeleben, und gab einen kurzen Ueberblick über die Tätigkeit des Vereins. Landes- wohnungsinspektor Gretzschel erstattete darauf den Geschäfts- b^ncht, aus dem folgendes hervoi^uheben ist. Die eigentliche praktische Tätigkeit des Zentral-Vereins begann vor fünf Jahren und der Vorstand hat darüber eine zusammenfassende Darstellung veranlaßt, nicht, um mit den in dieser Zeit erzielten Erfolgen zu Prunken, sondern um den Mitgliedern und sich selbst einmal Rechenschast abzulegen von dem bisher Geschehenen und der vom Verein vertretenen Sache weitere Freunde zuzuführen. Die Ver­einsbestrebungen haben bereits einen erheblichen Umfang ange- nommen, ,o daß unser Großherzogtum in dieser Beziehung den Vergleich mtt jebem anderen Bundesstaate aushalten kann. In Hegen sind zurzeit 40 gemeinnützige Bauvereine, die mit einer Ausnahme bereits eine erfolgreiche Tätigkeit entfaltet haben, und es gibt ebensoviel ober noch mehr Gemeinden, die sich in einer oder der anderen Weise auf dem Gebiete der Wohnungsfürsorge betätigen. Sei es durch Unterstützung der Bauvereine, sei es durch Erbauung von kleinen Wohnungen in eigener Regie oder durch eine praktische kommunale Bodenpolitik. Trotzdem bleibt aber noch ein weites Feld zur Beackemng vor uns und es bedarf hierzu auch vornherein warmherziger und zielbewußter Männer, die bereit sind, unter Zuhilfenahme des Vereins praktische Woh- nungsmrsorgemaßregeln durchzuführen. Die Bautätigkeit ist 1907 im allgemeinen geringer gewesen wie früher und dementsprechend auch Die Wohnungsprvduktion. Der Grund hierfür lag in der allgemeinen Wirtsä)aftlichen Depresfion, in Verbindung mit der Geldteuerung Dieser Zustand dauert allem Anschein nach auch iin lausenden ^ahre au. Es wurden im Jahre 1907 von 15 Bau- Deretnen nur 67 Häuser mit 117 Wohnungen errichtet, zu einem HerstellungswA von rund 606 000 Alk., wozu iwch zirka 50 000 m sur von Gemeinden in eigene Regie errichteten Wohnungen kommen. Im Jalw vorher betrug der Wert der neu erbauten ?°jnrun9en. /00 000 Mk. Im ganzen wurden in den letzten 5 Zähren, seit Bestehen des Zentral-Wohnungsvereins von ge­meinnütziger Seite in Hessen 329 Häuser mit 768 Wohnungen errichtet, deren Herstellungswert 3 900 000 Mk. betrug Von Dem Gesamtbedarf an neuen kleinen Wohnungen für den jähr­lichen Bevölkerungszuwachs deckt die gemeinnützige Bautätigkeit 6 Prozent. Die letztere fällt also für den Wvhnungswarkt nicht unerheblich ins Gewicht und sie hat and) auf die beim Bau miereifierte Geschäftswelt befruchtend gewirkt. Die Bestrebungen zur Besserung der Wohnungsverhältnisse loerden voraussichtlich einen neuen Ausschwung erfahren, nachdem jüngst in beiden Stände- tammern das Wohnungsfürsorgegesetz dahin abgeändert worden ist, daß die gemeinnützigen Bauvereine direkt Gelder aus der Landeskredirkasse erhalten können. An die Gemeindevertretungen aber wird die dringende Bitte gerichtet, den gemeinnützigen Or- ganiiatwnen zur Besserung des Wohnungswesens aud) in Zli- tunjt Die Befvrdening und Unterstützung zu teil loerben zu lassen. Ju£ dem von Psarrer Loos-Butzbach erstatteten Kassenbericht ist zu entnehmen, daß sich das Vereinsvermögen auf 9426 Mk. stellt. Bei der Vorstandsioahl nzurbe an Stelle des verstorbenen

Ltto-Wolfskehl, Abg. Frenay gewählt, die übrigen drei aus,checkenden Mitglieder, Frhr. v. Beyl, Oberbürgermeister irr T nvc 10 c- 6 und Abg. Dr. G u t s l e i s ch, wurden wiedergewühlt. Ueber Den solgenoen Punkt, die Gewährung von Darlehen aus der Landeskreditlasse referierte Justizrat Dr. Görtz aus Mainz, ^en letzicn Punkt der Tagesordnung bildete seine Besprechung über "^y.e.n*0 litikder Gemeinde n", worüber die Mgg. Dr. G l a f 11 n g und Dr. Frenay sprachen.

Metzger Ro s e u b u s ch aus Borken stand heute.wegen W u ch e rs, begangen dadurck), daß er bei der Annahme von Wechseln einer Mannheimer Firma und zweier Frankfurter Gesd)ästSleiite unver­hältnismäßig hohe Vrovisiou berechnete, vor der Strafkammer. Nack) eingehender Verhandüing wurde R. freigesprochen, weil die Sache nicht genügend geklärt werden konnte.

K ar lsruhe, 26. Juni. Olga Molitor legte beim Land­gericht Karlsruhe die Berufung gegen das Urteil des Schöffen­gerichts betreffend Karl Waßmann ein und zwar lediglid) zu dem Zwecke, die prozessuale Ötöglichkeit zu erlangen, die Pri- vatklage z u r ü ck z u z i e h e n und Waßmann die achtmonatige Gefängnisstrafe abzunehmen.

B r o in b e r g, 25. Juni. Tas Schwurgericht verhandelte an den letzten beiden Tagen gegen den Tischler Johann Szyper aus Hohensalza, der am 8. März den Harmonikaspieler Kot er­mordete und diesen dann der Harmonika und der Uhr nebst Kette beraubte. Die Geschworenen bejahen die Frage nach Totschlag und schweren Raub. Das Urteil lautet auf 15 Jahre Zuchthaus.

Wohmingrfürsorge.