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27.6.1908 Zweites Blatt
 
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Samstag 27. Juni 1908

Zweites Blatt

Nr. 14V

i die Fortdauer der Sitzungsperiode fingiert werde, nicht

Schahs hin.

158. Jahrgang

Erfchetnl tSgttch mit Ausnahme des Sonntag«.

Die«ietzener Zamiltenblätter^ werden dem «Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das Krctsblöti für den Kreis Sietzen" zwermat wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Seit» fragen*"' erschemen monatlich zweimal.

Kolrtische Tagss-chan

DerFall Bernhard",

Jaroliemek, der ist in Rom einem

Ans Stadt und Land.

Gießen, 27. Juni 1908.

** Vom Großherzoglichen Hof. Se. Kgl. Hoh der Großherzog besuchte am Donnerstag abend die Vor­stellung im Zirkus Schumann zu Frankfurt a. Ai. Graf und Gräfin Kuno zu Stotberg-Roßla mit Tochter trafen gestern nachmittag zürn Besuch am Großh. Hof in Jagdschloß Wolfsgarten ein. .

* Ordensverleihung. Se. Kgl. Hoh. der Grog- Herzog haben dem Hofkanunerrat Friedr. Neßlrng aus Anlaß seines 60jährigen Dienstjubiläums das Ritterkreuz 1. Klosse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen mit der Krone Allerhöchst verliehen.

* (£in neuer Roman wird am nächsten Montag m unserenFamilienblättern" zu erscheinen beginnen, der unsere Leser in ganz ungewöhnliche Spannung ver- ! setzen wird. Es ist die Geschichte vom rätselhaften Tode eines reichen Amerikaners. Der Mann kommt in einem Gesellschaftszimmer während des Klavierspieles seiner Tochter in Gegenwart einiger guter und zuverlässiger Freunde ganz plötzlich ums Leben, wie er sterbend behauptet, erwürgt durch die Hand eines Unsichtbaren. Die Freunde setzen natürlich alle Hebel in Bewegung, um den Mörder zu ernutteln, denn ein Mord liegt tatsächlich vor. Den Nachforschungen emeL Anwaltes, der zugleich Chemiker ist, gelingt endlich die I völlig überraschende Lösung dieses kriniinalislischen Rätsels. Der Roman wird in weitesten Leserkreisen mit der größten

Ausland.

Die französische Kammer hat nach langen Debatten den Regierungsanttag auf Rücklauf der Westbahn angenommen und damit dem Ministerium Clemenceau einen festigenden Sieg verschafft. Die Kammer verhandelte sodann über die In­terpellation betreffend die A b s e fc, u n g des Lehrers Dre m e. Unterrichtsminister Doumergue wies darauf fjin, daß der ge­maßregelte Lehrer geäußert habe, Ministerpräsident Cle­menceau müßte füsiliert werden, wenn er^m einem Streitfälle mit Deutschland nicht zu einem Schieds­gericht seine Zuflucht nehme und sich auf einen Mieg cmlaste. Er übernehme die volle Verantwortung für die Absetzung dieses Lehrers, der wegen seiner Gesinnung burdxtuö ungeeignet war, die Jugend zu erziehen und halte es für notwendig, die Lehrerschast von Personen zu trennen, die in der Schule Ziele verfolgen, welche von keinem Republikaner gebilligt werden können. Die Kämmer nahm mit 472 Stimmen gegen 70 Stimmen eine Tagesordnung I an, welche diese Erklärung billigt. ' - .

Im österreichischen Abg evrdnetenhaui e erfürrtc per Generalredner pro Leopold Steiner, tr habe nichts einzuwenden gegen die A u t v n o m i e der L> o ch s ch u l c n , voraus­gesetzt, daß sie ein Hort der Wissenschaften seien und Nicht zum Schauplatz wüster Agitationen einzelner Professoren würden. Der Generalvedner contra Muchitsch besprach die jüngsten Gr a ze r Er­eignisse und protestierte gegen die aufreizende und über­flüssige Verwendung des Militärs und die Verletzung der Autonomie der Stadtgemciude. Graf Sternberg ver­anlaßte wieder einmal einen großen Skandal. Gr streifte die von dem Abg. Taszynski ausgestellte Behauptung, ein Priester habe in Galizien bei der letzten Oelung eine Frau mißbraucht u. scploß mit den Worten:Eine solche Behauptung kann nur ein e h r - loser Feigling aufstellen." Dem folgte ein furchtbarer Lärm bei den Sozialdemokraten, von denen sich viele auf den Grafen stürzen wollten. Dieser ergriff ein Wasserglas und erhob seinen Arm, um es gegen die Sv zia ldento tra t en zu schleudern. Sein Hintermann entriß ihm das Glas. Zwei Abgeordnete stürzten sich aus den Grafen. Der Präsident unter­brach die Sitzung und verließ den Saal.

Rotationsdruck und Verlag der Brühlffchea Unioersitäts - Buch- und Steindruckeret.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei? Echuk- straße 7. Expedition und Verlag.' 5L Redaktisnt^-O'^A^-AdruAnzeigerGießen.

entgegen.

Professor Schnitzer in München wird an keiner bayerischen Universität mehr Vorlesungen halten. Er geht nach Beendigung seiner Japanreise auf Wunsch des Vatikans nach Rom. Dort wird über seine fernere Tätigkeit entschieden werden. Keinesfalls wird er eine Lehr­tätigkeit ausüben. t

Staatssekretär Der u bürg, der in Transvaal von den Behörden und der Bevölkerung ungewöhnlirh warm begrüßt worden war, bat in öffentlichen Reden die Ueber- zeugung betont, daß Die südafr. Wirtschaft s.ikri se n a h e z u b e e n d e t und bei den stetig verminderten Selbst­kosten die Industrie und der Ackerbau einer glän- zendenEntWicklung entgegengehen. Privatim äußerte Dernburg auch, daß er nicht bezweifelt, daß die zur weiteren Entwicklung benötigten Kapitalien beschafft werden.

Turnfest fonnnen könne.

** Das Kirsch enwäldche n bei Wetzlar. Die Zeit der Kwscheureise ist jetzt Qefonnncn. Alljährlich suchen um diese Zeit viele Ausflügler das am nördlichen Abhänge des Stoppelberges gelegene Kirschenwäldchen auf, um stchl dort an den süßen Früchten gütlich zu tun. Für Wander­lustige ist eine Tour von Gießen über Klein-Linden, Allen- dorf a.Lahn, Münchholzhausen, Bübliugshäuserhof, Stoppel­berg nach dem Kirschenwäldchen und von da nach Wetzlar empfehlenswert (Markierung gelber Kreis im weißen Feld).!

= Wieseck, 27. Juni. Wie in den meisten Ortschaften der Umgegend, so hat auch der hiesige Kriegerverein einen eigenen Schieß stand errichtet. Bei dem ersten Preisschießen, das der Verein vor kurzem abgehalten hat, ist die Beteiligung sehr rege gewesen. Es wird beabsichtigt, nun am morgigen Sonntag ein zweites öffentliches Preißschießen zu veranstalten, an dem sich jedermann beteiligen kann.

Q Garbeiitcich, 26. Juni. Am Sonntag, 26. Jul:, hält der RadklubAlemannia" ein 80 km Dauer- fahren ab, an das sich/me Festlichkeit mit der Preise Verteilung anschließt. ,

§ Ruppertenrod, 25. Juni. Emen fehr ernilen Un­fall erlitt heiite Abend ein fremder Radfahrer in unserem Ort. Derselbe, ein in Molkereigegenständen Reisender ans Hildesheim, kam die stark abfallende Alsfelder Straße her- abgefahren. Jni Begriff, einem Wagen voll Heu auSzu- weichen, lief ihm .ein mit einem Reif spielender siebenjähriger Knabe vor das Rad. Bei dem Anprall stürzten 'Radfahrer- und Kind auf einen Haufen. Mit gebrochenem Schlüsselbein brachte man den Radfahrer in die uächlle Behausung und und später in das KreiskrankenhailL nach Alsfeld. Dem Knaben waren die Zahne locker geschlagen und sem Körper war mit blauen Stellen bedeckt.

X Wanfried, 26. Juni. Heute sand hier eine Ge­be ul feier an die vor 3 0 0 Zähren erfolgte Erhebung Wanfrieds zur Stadt statt. Ter Aufführung eines von. Lehrer Pippart-Wanfried verfaßten Festspieles wohnten zahl­reiche Besucher bei. Auch der hessische Städtetag hielt heute hier seine Jahresversammlung ab.

Gießener Anzeiger

Gemral-Anzeiger für Gberheßrn

Gießener Strafkammer.

)( Gießen, 26. Juni.

Sittlichkeitsvergehen.

Das Schöffengericht hatte den 19jährigen Weißbindergesellen H. Sch. aus Garb ent eich wegen S i t t l i chk e rt s v c r gehens durch Vornahme unzüchtiger Handlungen, die vssent- liches Aergernis erregten, zu zwei Wochen Gefängnis Verurteilt. Die Handlungen wurden in der Mrd-Anlage und in der Schitler- straße hier zuerst von einem Dienstmädchen, dann von einer 3-rau und zuletzt von einem Schutzmann wahrgenomiueu, der daun den Angeklagten festnahm. Trotzdem er anfänglich die Hand­lungen, wie sie ihm zur Last gelegt sind, zugestanden hat, leugnete er sie bei der Schöffengerichtsverhandlung und in dem infolge seiner Berufung angesetztcn Strastammertermiu. Vorsorglich war von der Verteidigung ein Psychiater als Sachverständiger zu diesem Termin geladen worben, der über die geistige Vcichassen- beit des Angeklagten bezw. dessen perverse Veranlagung Austumt geben sollte. Die teilweise unter Oeffentlichkeltsausschluß ge­führte Verhandlung endete mit Verwerfung der Bc =t\

Heber die persischen Vorgänge veröffentlicht die Petersb. Tel.-Ag. eine ausführliche Dar» stellnng. Sie schreibt die Hauptschuld an der Revolu­tion dem Prinzen Zill es Sultan zu, der sich des Thrones bemächtigen wolle. Auf Bitten der gemäßigten I Elemente übermittelte der russische Gesandte nach einer I Rücksprache mit dem englischen Gesandten dem Schah den Wunsch der gemäßigten Parteien nach Beilegung des Kon­fliktes. Der Schah verlangte Garantie für die Integrität seiner Person und der Dynastie, sowie Zügelung der End- schumen, Trennung der legislativen und der exekutiven Gewalt, den Oberbefehl über die Armee und Auslieferung von fünf Führern der Revolution. Die Verhandlungen scheiterten an dem letzten Punkte, worauf die bekannten blutigen Ereignisse eintraten. Darauf wiesen der englische und der russische Gesandte auf die Notwendigkeit hin, Maß-^ regeln zum Schutze der Europäer zu treffen, und erteilten | Ujm auch im Namen der Mächte den freundschaftlichen .Kat, die Konstitution nicht aufzuheben. Der Schah versprach auch den' Medschlis zu erhalten, und sicherte den Schutz der Fremden zu. Die letzten Nachrichten, so schließt das Kommunique, lassen eine Festigung der Stellung des Schahs ernennen.

Der Abg. Ibrahim Khan wurde von Soldaten er­schlag e n. In die englische Gesandtschaft gefluchtet ist auch der am meisten vom Schah gesuchte Vertreter von ^abro, Tagisade, einer der besten und gebildetsten Redner dev Parla­ments. Der S ch a h hat daraus die e n g l i s ch e G e s a n d t - schäft von Kosaken umzingeln lassen. Dre Ge­sandtschaft hat dagegen als eine unerhörte Beleidigung protestiert. Die anderen Gesandtschaften, befonderv die deutsche, haben, ohne sich in die Verhältnisse emmischen zu wollen, beim Schah gegen die Greuel taten der Soldaten Schritte getan. Sämtliche Gesandtschaften, mit Ausnahme der deutschen und amerikanischen, haben Flüchtlinge ausgenommen.

Alle Anzeichen deuten auf einen ernsten Umschwung in der öffentlichen Meinung zu Gunsten des

Deutsches Neich.

D e r S ch lv i e g e r s o h il d e s F ü r st e n E u l e n b u r g - ' ftüher des Fürsten Privatsekretär war, ... ... ..... ....... Verhör unterzogen worden auf .

onlassung der deutschen Botschaft. Es betraf die ^ziehungen bedenklich gelähmt sein will. Iaroliemeks zum Fürsten sowie Jaroliemeks Liebesroman ~ .. ä ....

mit der Tochter des Fürsten. Es dauerte über a Stunden. Auch die Gattin Iaroliemeks wollte vernommen werden, da sie besser als ihr Mann über die fraglichen Dinge unter-! richtet wäre, aber der Untersuchungsrichter lehnte dies ab, da er dazu ilicht ermächtigt sei. Frau Jaroliemek sieht übrigens für die nächsten Tage ihrer Niederkunft entgegen.

Die württembergische Regierung hat an die sächsische die Anfrage gerichtet, wie es in Sachsen hinsichtlich der Frage gehalten werde, ob ein Beamter als Re ich s- tagsabgeordnetervo ns ein em Am teauch wah­rend einer Vertagung des Reichstages fern- bleiben könne, ohne Urlaub nehmen zu müssen. Das sächsische Gesamtministerium ist zu der Ausfassung gekom­men, daß ein Beamter, der gleichzeitig Reichstagsabgeord­neter ist, feinem Amte im Falle einer Vertagung nur dann sernbleiben dürfe, wenn er durch Geschäfte, die ihm der Reichstag übertragen habe, also Kommissionssitzunßen oder Berichterstattungen für Kommissionen, an der Erfüllung

der die philosophische Fakultät der Berliner Universität in ihrer Sitzung vom 25. Juni beschäftigte, ist, wie dieBerl. Univ.-Korr." von ihrem Gewährsmann erführt, noch nicht erledigt. Die Verhandlungen, die bis in später Nacht­stunde gedauert haben, mußten abgebrochen und vertagt werden. Morgen, Sonntag, werden bei Professor Schm oller, dem das Referat in dieser Angelegenheit übergeben worden ist, die Herren der engeren Fakultät, die Fachprofessoren, zu einer Extrasitzung zusammenkommen, um ihre Beratungen fortzusetzen. Am 2. Juli wird die philosophische Fakultät unter Vorsitz des Dekans Prof. Dr. Alois Brandl endgültig über den Fall beschließen. Wenn auch über die Verhand­lungen Stillschweigen beobachtet wird, so steht doch bereits

fest, daß sämtliche Mitglieder der Fakultät einen ab­lehnenden Standpunkt einnehmen. Rian darf daher da­rauf rechnen, daß die Fakultät beschließen wird, die Berufung Bernhards abzulehnen.

In der Strafsache gegen Maximilian Harden wegen Beleidigung des Grafen Moltke ist das Reichsge­richtsurteil den Parteien jetzt in schriftlicher Ausfertigung zugestellt worden. Der Senat hat bekanntlich auf Antrag des Oberreichsanwalts das Urteil der vierten Strafkammer mit allen ihm zugrunde liegenden Feststellungen aufgehoben, weil bei der zweiten Vernehmung des Zeugen Geritz ein wesentlicher Grundsatz der Strafprozeßordnung verletzt worden und weil ferner die Verurteilung Hardens auf Grund des § 185 des Strafgesetzbuches nicht gerechtfertigt war. ,Diese falsche Gesetzesanwendung hätte", so sagt die Reichsgerichts-> cntfcheidung, »schon mit Rücksicht auf die dadurch beeinflußte Straffestsetzung zur Aufhebung des Urteils gezwungen, auch wenn der Verstoß bei der Zeugenvernehmung nicht vorge­kommen wäre. Da diese zwei Gründe durchgriffen, hat das Reichsgericht die vielen anderen Rügen ernster Art nicht erst prüfen zu sollen geglaubt." Ausdrücklich ist in der Reichs­gerichtsentscheidung festgestellt, daß die 5k o st e n des Privat- klägcverfahrcns dem Kläger Grafen Moltke auferlegt sind, und daß nur das landgerichtliche, nicht aber das schöffengerichtliche (freisprechende) Urteil ausgehoben worden ist.

Aufmerksamkeit bis zur letzten Zeile verfolgt werden.

** Gießener Berke hrsoerhältnisse. Die letzte Stadtoerordnetensitzung hat gezeigt, daß man jetzt in Gießen energisch die Regelung der Verkehrsfrage betreiben will. Mit Recht hat man hierbei darauf hmgewiesen, daß neben bev elektrischen Straßenbahn die Gießener Bahnhofs- und Eisen­bahnverhältnisse ein Gegenstand ernster Prüfung sind und daß über kurz oder lang auch hierin gründlich Wandel geschaffen werden muß, wenn Gießen nicht in seiner Weiterentwicklung Wie wir hören, beabsichtigt der B ü r g e r v e r e i n, im Lause der nächsten Woche in einer öffentlichen Versauimlung die schon viel erörterte Frage der Umlegung der Oberhessischen Eisenbahnlinien Ides Lahnkanals und der elektrischen Straßenbahn behandeln zu lassen. An der Hand von Skizzen und Licht­bildern wollen die Rechtsanwälte Raab und Dr. E. Reumng Vorschläge und Anregungen zur Beseitigung der jetzigen miß­lichen Eisenbahn- und Bahnhofsverhältnisse rc. bringen. Es wäre zu wünschen, daß außer den beteiligten Behörden und Körperschaften, auch private Vereinigungen, wie der ckrerkehrs- oerein, Kaufmännischer Verein usw. sich ernstlich mit dielen dringenden Forderungen beschäftigen. Ort und Zeit der Ver­sammlung wird noch bekannt gegeben.

* Von unserer Garnison. Das Hofgut Bubenrod war heute nacht in ein wahres Kriegslager verwandelt. Gegen 6 Uhr rückte das Infanterie-Regiment Rr. 116 Gießen ---------------- f pv . - in der Richtung Kinzenbach-Grube Morgenstern heram um seiner amtlichen Dienstpflicht verhindert sei. Wenn er: rm k * Biwak zu beziehen. Nachdem kurz vorher aus beschwer­anderen Falle dem Dienst serublerbt, p habe aus dem r übec Bieber-Hof Haine die Fouragewagen em-

W her waren, entstand bald-in lebhaftes Treiben. Wahrend

das 1. und 2. Bataillon unmittelbar vor dem Hof Quartier bezog, rastete das 3. Bataillon jenseits der Grube Morgen- tern in einer Waldschneise. Ueberall lourbcn sogleich Vor­posten ausgestellt, denn auf den angrenzenden Höhen machiei, ich ab und zu schon feindliche Kavallerie-Vorposten bemcil- bar, zumal für den heutigen Samstag ein großes Gefecht mit dem Regiment Nr. 168 in der Richtung Kinzenbach-Duteu- hosen bevorstand. Das Hosgiit diente zugleich als Proviant­amt, denn Stroh, Wasser uff. wurde von hier für die einzelnen Kompagnien abgeholt. In kurzer Zeit waren für Aiann- schaften und Offiziere die Lagerzelte hergerichtet, dazu regten ich viele geschäftige Hände, um für solch viele Köpfe raich ein Mahl zu bereiten. Von allen Seiten strömten Schlachten­bummler hinzu, um daS militärische Treiben mit anzusehen. Leider war das gebotene Schauspiel nur allzu kurz, die Soldaten mußten sich bald zur Ruhe begeben, zumal schon 2 Uhr nachts der Aufbruch erfolgen sollte.

** Bei der Anlagemusik am Sonntag vormittags utm 12 Uhr in der Süd-Anlage werden folgende Stücke geipieU: Ouvertüre z. Op. Ilka von Doppler, Val'e blaue von Margis, Introduktion aus Traviata von Verdi, Armeemarsch y<r. «

** Kolosseum. Die Damen-Ring kamPie des 11. Abends zeitigten folgendes Resultat: Frl. Knorr lRhrmlaad^ siegte über Frl. Schönburg (Wien) in 5,36 Mm. durch Unterarm von der Seite. Der Kämpf von Frl. Hanlon gegen Frl. Philippi (Aachen) blieb nach 20 Min. unentschieden. Ter aktuellste Sianpr war unstreitbar der Ausforderungs-Match des Preisringers H. Schaumburg von der Denninghosischen Brauerei gegen die Ungarin Frl. Mnranky. Die ersten 10 Minuten ver­liefen unter beiderseitigen An- und Gegengriffen. ,ue Ungarin war stets in der Offensive und ivußte die frältigen Umiajlingiingcn des Gießeners zu parieren. Einmal gelang cs ihr, emen ihrer beliebten Schleudergrissc anzubringen, und sie brachte Schaum­burg die Niederlage. Stürmischer Applaus ivendctc man. der Dame, die sich im Kämpfe gegen Sch. ebenbürtig, roenn nicht überlegen gezeigt hat. Nach der Pause kam Sch. durck)> einen mißglückten ArmfaUgriff, den Frl. M. durch einen gut eingelegten Nackenhebel erwiderte, in eine derartig mißliche Lage, dai^ er auf beide Schultern außerhalb des Teppichs zu liegen kam. ^och das Schiedsgericht protestierte gegen die Gültigkeit des Sieges. Der Kampf wurde aufs neue fortgesetzt uud muyte itaü) 20 Minuten als unentschieden abgebrochen werden. Ww endgültige Entscheidung ist auf heute abend festgesetzt. Man ist darauf gespannt, wem die Prämie von 200 Mark zufaltt.

»* Vom deutschen Turnfe st. Am Mittwoch empfing Se. Kgl. Hoh. der Groß Herzog eine ans Justizrat Dr. Friedleben und Professor Bender von Frankfurt, dem 1. und 3. Vorsitzenden des deutschen Turnfestes, sowie dem Kreisvertreter Turninspettor Schrnnck-Tarnistadt bestehende Abordnung der Feslleitung und der deutschen Turnerschaft, die ihm, als einigem deutschen Fürsten, eine Einladiing zum Feste übermittelte. Eine an den Vorsitzenden der deutschen Turnerschaft gelangte amtliche Mitteilung besagt, daß der Kronprinz wegen Tlbwesenheit im Auslände nicht zum