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25.2.1908 Zweites Blatt
 
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Dienstag 25, Februar 1908

Zweites Blatt

158. Jahrgang

Nr. 47

G^chetnt W-Nch mit Ausnahme des Sonntag«.

TelegrammStimmfreigabe, aber nich t für Köhler'

rn einem

Absatzes um

e 9 (Sl)abcn urir vorgcmorfen, das; ich um die Stimme der her Stadt %u Gicte getommen feien und enrivarf ein Bild von dem Sozialdemokraten angehallen hätte. Und was haben die Deutsch-1 Dorsfesten und Dorsipielen der alten Zeit, das bei aller Knappheit

DnGkficnet $<nntUenbIätterw werden dem anifiger* viermal wöchentlich beigelegt, das ^VrtrdlaN ffli Vev Kreis Gietzen" zweimal scheint,ch. Die ..Landwirtschaftlichen Seit* freeco erscheinen monatlich zweimal.

sei um 5 Millionen Liter gestiegen. Im nächsten Jahre beginne eine neue Kontingentierungsperiode und es sei ein Rückgang des 5 Millionen Liter zu erwarten. Den alten Brenne-

letzten bei der Volksmacht in Friedberg gedruckten Flugblatt ich will sagen verbessert in Stimmeufreigabe für Köhler gegen Hehligcilstaedt. Wer mit solchen bewussten Uilivahrheiten, die von Mitgliedern des deutschsozialcn Wahlausschusses nachweisbar zur Verteilung unter die Wähler gebracht worden sind, operiert und um die Stimmen der sozialdemokratischen Wähler rvirbt, hat keinen Anspruch, über dieselbe Handlungsweise bei uns den Stab zu brechen, zumal wir mit lauteren Mitteln gearbeitet haben. Klären wir unsere Wählerschaft über diese Fälle aut Diese wird schon ihr richtiges Urteil bei der nächsten Wahl abgeben.

Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen Unwersitäts - Buch- und Steindruckeret.

R. Lange. Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag:

Redaktion: 112. Tell-Adru AnzeigerGreßen.

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhefsen

- 2m Schlußwort führte der Referent, Herr Rechtsanwalt Kaufmann auS; Daß wir den Wahlkreis dieses Mal verloren ^den, ist nicht zu verwundern. Einmal hat uns die Organisation, Qe wtr eben schaffen, gefehlt, lind zunr andern wareir die Aiittel, mit ^iuen unsere Gegner arbeiteten, so unlautere, daß es begreiflich scheint, wenn Wankelmütige und Furchtsame umsielen. Es ist Zwahr, das; nur den Sozialdemokraten Gegendienste für ihre ^aythuse versprochen hatten. Es ist aber nach Dein eigenen Go ginbni§ der deutsch-sozialen Führer leider Tatsache, daß unsere 'n 1903 Wahlenthaltung beschlossen hatten und dasselbe 14A2 Vorhalten. Ganz abgesehen davon, daß Köhler selbst in a , m ^.angsdorf und Bettenhausen direkt schon Parole f ft r die Sozialdemokraten ausgegeben hatte. Tie Herren Dr. Werner und 2ung Juxbeit mir vorgeworfen, daß ich um die Stimme der

Die große L-mdBülichafirwoche.

S. u. H. Berlin, 21. Februar 1908. Tie Tagung der Spirrtusfabrikanten.

Der Verein der Spiritusfabrikanten in Deutschland hielt seine diesjährige Generalversammlung am Freitag vormittag im Künst- lerhause ab. Nach Erledigung einer Reihe geschäftlicher Ange­legenheiten berichtete zunächst Geheimrat Delbrück über die im, vergangenen Jahre durchgeführteu wissenschaftlichen Arbeiten auf dem Gebiete der Spiritus industrie. Bei Uittersuchnng der von den Spiritussabriken verwrndeteir Kohlen habe es sich gezeigt, daß die Spiritnsindustrie wie alle anderen Jirdustrieen nicht nur unter hohen Kohlen preis en zu leiden haben, sondern daß gleichzeitig der Heizwert der Kvhle erheblich nachgelassen habe. Ter Versuch allgemein die Kohlenlieferungen unter Ga­rantie des Heizwertes durchzuführen, müsse gemacht werden. Es sollte das eine besorldere Aufgabe der Genossenschaften sein, die sich mit Kvhlenliesermrgen beschäftigen.Ter Kartoffelbau würde durch das Auftreten einer scheinbar neuen Krankheit (Rollkrankheit), die durch die biologische Reichsanstalt festgestellt und beschrieben wurde, beunruhigt. Eine Um) rage bei den Vor- stcrndsrmtgliedern des Vereins der Spiritusfabrikanten und anderer Sachverständigen er^ab die Notwendigkeit, vorbeugende Riaßregeln zu ergreifen. Zu diesem Zwecke tuurbe die Einberufung des Hach- sruchtausschlisses bei der Biologischen Reichsanstall beantragt. Herr Gans Edler .Herr zu Putlitz berichtete hierauf über die wirtschaftlicheLagedesVrennercigefoerbes. Ntt>- ncr konstatierte, daß es dem Brennereigewerbc endlich wieder einmal besser gehe. Ter Absatz sei erheblich gestiegen und dürste sich für das lausende Jahr auf 420 Millionen Liter insgesamt stellen, dem eine voraussichtliche PWduktion von 400410 Millionen Litern gegenüberstehe. Kvurn gehe es jedoch den Brennern besser, so versuche man durch neue Belastungen dies wieder rvett zu machen. T-er Konsum von Trinkbranntwein hat gegen das Vorjahr um 300 000 Liter zugenommen, in den letzten zwei Jahren um fast 2 Millionen Liter. Der Mrb rauch von denaturiertem Spiritus

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rei-en gehen ferner noch 56 Millionen Kontingent durch die Er­richtung neuer Brennereien verloren, so daß man mit »einem durch­schnittlichen Rückgänge des Kontingents von ca. 4«/o zu rechnen habe. Redner gab sa-ließlich der Hoffnung Ausdruck, daß die jetzt etwas günstigere Lage der Brennereien diesen auch über die zu erwartenden fommeniicn Schwierigkeiten hinweg helfen werde.

Verein für ländliche Wohlfahrtspflege.

Im Künstlerhause fand gestern abend die 12. Hauptver- s a m m l u n g des Deutschen Vereins fair ländliä-e Wohlfahrts­und Heimatspflege statt. Wie der Geschäftsbericht ergeben werde, mache der Verein stetige, wenn auch langsame Fortschritte, unb als besonders erfreulich sei es hervorzuheben, daß die Ueber- zeugung von der Wichtigkeit und Notwendigkeit unserer Arbeiten sich in immer weitere Kreise, verbreite. Hierzu helfen nicht nur die immer mehr im öffentlichen Bewußtsein sich verstärkende Ueber- zeugung von der Verpflichtung aller und vornehmlich der besser Situierten Mitglieder der Gesellschaft zu sozialer Hilfsarbeit, sondern auck) der täglich stärker werdende Truck unbefriepigender Zustände auf dem platren Lande, welcher auch solche Kreise der Bevölierung zur Mitarbeit bringe, die bisher unferen Vesttebungen fernge- standeu hätten. Toch, wir wollen hier nicht die Viotive untersuchen, [andern uns über jeden freuen, der an unserer Arbeit teilnehmen wolle, denn bei dem schirr unermeßlichem Arbeitsfeld, welches wir zu beackern übernommen hätten, tonnten wir noch ungezählte Arbeitskräfte gebrauchen. Wieviel materieller und geistiger Not ist noch auf dem Lande zu steuern, wieviel hat noch zu geschehen, um das Leben auf dem Lande reicher und schöner zu gestalten! Auf allen diesen Gebieten haben wir doch eigentlich nur erst Anfänge zu verzeichnen; und was muß alles noch geschelftu; bis z. B. jedes Torf seine Kleinkinderberoahranstalt, seine Gemeindeschwester, fein Gemeindehaus, sein Nesormgasthaus, seine Volksbücherei, sein Torfmuseum, seinen Gesang- aber Musitverein, seine Volksunter- halttmgsabeude hat, bis der Fortbildungsunterricht allgemein durch- acführt und sär den weiblichen Teil der Bevölkerung auch auf das haus.oirtschafllichen Gebiet erstreckt ist, und bis schließlich auch eine ländliche Kunst wieder in Bau und Ausstattung der Häuser unb öffentlichen Gebäude, der Kirchen und der Kirchhöfe, wie in der ganzen Anlage der Törfer und ihrer Umgebungen sich Geltung verschafft hat. Wenn auf der einen Seite diese Fülle der Aufgaben uns schier verzagen lassen könnte, so gibt sie andererseits doch auch die MöglickMt, die verschiedensten Kräfte je nach ihrer '7deigung und Begabung in unserer Arbeit zu verwerte^ um je nach diesen Möglichkeiten bald diesen, bald jenen Teil des ganzen Gebietes in Angriff zu nehmen. Wenn wir als das letzte Ziel unserer Arbeit die Steuer der Landflucht und die Erhaltung einer zufriedenen und glücklichen Landbevölkerung als das Grundstockes unserer nationalen Kraft betrodjien, so müssen wir hier hervor- hebcu, daß die öffentliche Aufmerksamkeit und die Tätigkeit der Regierung sich in immer steigendem Ma^: den Maßnahmen zü­rn ende, welche geeignet erscheinen, dies Ziel zu fördern. Es sei in dieser Bezichmig nur an die innere Kvlonisation und an die Förderung aller der Mittel erinnert, welche auch der ländlichen Jugend mehr Gellgenl-eck zur Fortbildung, ^Bewahrung vor Zuclft- losigkeit l-armlloser unb gesitteter Freude geben sollen. Tas Ein­greifen des Staates auf diesen Gebieten kann unsere Arbeit wesent­lich fördern, also keineswegs überflüssig machen. Möge es den vereinten Kräften gelingen, auf jeder weiteren Hauptversammlung von immer rascheren Fortschritten berichten zu können. (Lebhafter Beifall.) .

Pfarrer Keil (Wölfis, Herzogtum Gotha) iprach über die Erziehung der Landjugend. Ter zweite pieferertt zu dem Gegenstand, Rittergutsbesitzer A. Wad sack i Hornsömmern), ist durch seinen Berus und die heimatlichen Berhältnifte veranlaßt, der Arbeiternot und der Abwanderung vom Lande seit 40 Jahren seine Aufmerksamkeit ^rzuwenden. Ta nicht allein im J-ntere;se der Landwittsa-aft als ivlcher, sondern vor allem im Jnwresst rer Erhaltung unseres Volkes eine Vermehrung der Landbevöl­kerung stattfinden muß, so muß die Landjugenv dem Lande er­l-alten und für dessen Verhältnisse erzogen werden, damit der Rückwanderung aus der Stadt feine Erfolge erzielt werden können.

Heber das nächste Tl-emaWo hlfahrtsar beit in Ost­preußen ' sprach Pfarrer Skowronski-Marwalde. Hierauf behandelle Gymnas iclobeubehrer Dr. K ü ck - Friedenau das Thema: Feste und Spiele des deutschen Landvolks". Der Borrragende ging davon aus, daß die Besttebungen zur Erneuerung unb Veredlung der Volksfeste und JugL:idspiele bisher fast nur

betonte dann, daß die führenden StäTide des flackren Landes für ein solches Verständnis besser auszurüstcn seien. So würden Einfüh- rungskurse der angehenden Lehrer in die Kultur des deutschen und besonders des l^imatlichen Torfes, die sich auf die Mundart, ihre Geschichte und Literatur, auf Volkskunde, die rechtlichen Grundlagen: des Volkslebens, die Bauernkunst, den Volksglauben und die an* deren Volksubevlieserungen bezögen, ferner die Bekarttttschaft mit allen wick-ttgeren Veröffentlichungen vermittelten und zugleich auf die neueren Bestrebungen zur Reform des Torslebens hinwiesen während der Senrinarzeit ton Forschern auf dem Gebiete der dörflichen Küllur abgehchten und Wviwöglich so gelegt, daß auch die hospitierenden Liandidaten der Theologie davon prosirierten> reichen Segen stisten können.

In der Verhandlung am Freitag sprach Sanbrat Büchtins (Limburg a. L.) über das Thema: Die Wohlfahrtspflege auf dem platten Lande, ein Kampf gegen Entfer­nung. Ter Vortragende wies darauf hin, daß die große Ent^ fernung der einzelnen Orte voneinander und den große-i Städten der Ueberttagung jedes Kulturfortschrittes auf das platte Land, so auch der Wohlfahrtspflege schwere Hindernisse in den Weg stellt. Der Nedsier führte sodann Versuche an, wie man in den beiden Kreisen, in denen er tätig gewesen, versucht habe, diese Hindernisse zu bekämpfen. Es fei dies geschehen durck) Bildung von 5Lommunal- ärzteveröändcn, in der Beschaffung ärztlicher Fürsorge, durch Erlaß eines Kreisstatuts auf dem Gebiete des gewerblichen FortoiLungS- schulwefens, durch KveisarbcitsnachwciS usw. Schließlich bekämpfte er den Satz, daß das Landleben billig sei unb forderte größere Berüäsichtigung des platten Landes seitens der großen VerkchrS- torroaltungen. Tas Landleben sei nuv für die untersten Standard of life billig, für alle Menschen mit Külturbedürfuissen teurer als das Stadtleben. Aus der Laudpflege arbeit berichtete Frieda Gräfin zur Lippe (Oberschönfeld). Tie Re­ferentin sprach bie Hoffnung aus, daß ihr Bericht dazu bei-, tragen möge, Hilfskräfte, d. h. Landpflegerinuen zu gewinnen. Bisher bilbete sich der Landpi legeschwesternkreis aus älteren in anderen Mutterhäusern vorgebildeüm Kräften, die schon in an­derer Weise im Dienst fürsorgender Liebe gestanden. Auf diese allein kann sich der Verband nicht verlassen, er braucht eine eigene Ausblldungsstätte. Ta aber der Deutsch« Landpflegeverband noch ganz ohne jede finanzielle Beihilfe arbeitet, so war diese nickst leicht zu besä-affen. Jetzt ist es gelungen, die bisher nur stir Obstver­wertung im Sommer und als Winterschule für Thüringer Bauern- töchter eingerichtete Landpslegesration Ostheim im Röhngebirge für diese Zivecke dienstbar zu machen. Es können jetzt 810 junge Landpflegeschülerinnen alljährlich vom. Mai ab eine Vorschule in einfacher Haushaltführung, Obstverwertung, Kleinkinderschul-, arbeit Lsib Armen- iuib Krankenpflege durchmachen, an welchem Kursus fich dann die weitere Ausbildung als Landpflegeschwester anschließt. Ter letzte Vortrag behmrdette das Thema: Hei­matkunde und Hei mal pflege im hannoverschen bteeife Burgdorf. Tamit ivaren die Beratungsgegenstände erschöpft unb mit Worten des Tankes an die Erschienenen schloß der Ge­schäftsführer Prof. Sohnrcy die diesjährige Hauptversammlung.

nationaler Mahlverein Grimberg Md Umgegend,

ii.

In seiner Rede über die Politik im Reiche und in Preus; en schilderte Rechtsanwalt Kaufnmmi zunächst kurz die politischen Verhältnisse im Reiche, die am 13. Tcz. 1906 zu der Rcickstagsan.flösung und zur Neugestaltung der politischen Lage :m Reiche geführt hatten, zur heutigen Blockpolitik. Eines der 'icmerkenswertesten Ereignisse uar, so führte Herr Rechts- jimwlt Kaufmann aus, daß der Freifiira endlich für eine positive Politik gewonnen wurde. Eine solche positive Politik fann nur getrieben werden, wenn auf allen Seiten nachgegeben rird, dann mit dem Kvpf kann man nicht durch die Wand rennen. Demi aber jeder Teil nachgibt, wird man ungefähr drauf kommen, 7vias die nationalliberale Partei schon seit 40 Jahren will. Tic natl. Partei hat jederzeit das Wohl des Vaterlandes über die Interessen der Partei gestellt. Redner besprach bann im Einzelnen die Tätigkeit des neuen Reichstages unter der Herrschaft 'der Block- -nehrheit. Von den Gesetzen, die den neuen Reichstag beschäftigen, erwähnte er zunächst das Vereins- unb Versammlungsrecht. Tie bisherige liberale Handhabung dieses Rechtes in Hessen, sei ja leist angenehm, aber es sei doch zu begrüßen, trenn durch das nette Vereins- und Verscrmmlmmsracht die bisherigen Freiheiten gesetzlich festgelcgt würden. Erst bann, trenn der Staatsbürger tin Gesetz hat, habe er auch ein Recht, Freiheiten zu verlangen, bisher hatten w-ir ein solches Recht in Hessen nicht. Redner be- sTrach bann ferner die Aendcrung der Sttafprozeßordnung, den Majestatsbeleidigungsparagraphen, und das Börsengesetz und legte fcerbet in klarer Weise die Bestimmungen des Derminhandels dar. Er erwähnte dann das Scheckgesctz, setzte die Bedeutung des Ticr- balterparagraphen dar imd besprach dann red# eingehend die Zuckerdnvention und ihre Bedeutung für Landwirtschaft, den Mit- tdfhmb unb die Arbeiter. Redner berührte hierauf noch kurz die Frage der Arbeitskammern, der Privatbeamtestversick-eri> ng, das ÄerchsbeMgesetz und die Ausgaben für Heer und Flotte, die Reichs- siiunizreform, die Braimllvein- und Tabaksteuer und die Frage der direkten und indirekten Reichssteuern. Die Politik in Hessen be­sprach der Redner nur sehr kurz. Er wies auf die berechtigten Wünsche bezüglich des Wahlrechts hin und sprach die Hoffnung ous, daß der Mittelsllrnd und die Landivirtfchaft beim neuen Wahlmodus volle Berücksichtigung finden möchten. Bei Besprechung des Jagdgesetzes wies er auf das Verhalten der Baucrn- Lihtbler in der Kämmer hin. Jeder Tag der Kammerberatungen koste 6000 M., und es sei geradezu frivol, wie bei unnötig aus- gchehnten Beratungen mit dem Gelbe der Steuerzahler gewüstet toerde. Bei Berattmg bieses Gesetzes habe auch der Abg. Köhler, rer sich mit Vorliebe einen Bauer nenne, gezeigt, daß er von der Landioittschaft tatsächlich nichts verstehe. Zum! Schluß sprach Red­ner seine freudige Getiugtuung darüber aus, daß das politische Leben m Grünberg durch den Zusammenschluß Gleichgesinnter eiten so lebhaften Aufschwung genommen habe. Unter lebhaftestem Beifall bat er die Versammlung, auch fernerhin mitzuarveiten an dem Blühen und Gedeihen des deutschen Vaterlandes und unserer hessischen Heimat.

In der Diskussion nahm zunächst Herr Pros. Sulch das Wirt: Er betonte zuerst die streng nationale Gesinnung der tnatiib. Pattei, die anerkanntermaßen hierin hinter keiner der aitberen Parteien zurückstehe. Unter Hinweis auf Erscheinungen in Frankreich unb England erklärte er eine starke Rüstung zu Lande und zu Wasser für notwendig. Zu einer kurzen Besprechung dr Sozialde mo tratie übergehend, zeigte er an Beispielen aus der Ijiefißcn sozialdemokratischen Presse, mit welcheai Truck toe genannte Partei selbständiges Denken uuD Handeln der Arbeiter niederzuhalten sucht, wie sie sich bemüht, die bürgerliche Gesellschaft als ihnen feindlich gefitmt darzustellen und ihnen den vageit Glauben beizubringen sucht, als sei den Arbeitern heute ein wirtschaftliches Emporkommen unmöglich. Zwei Beispiele vie Attikcl Volksschulen Klajsenschulcn und ein anderer, der sich mit den Sparkassenverhältnissen in Nassau besaßt, zeigten, y-"ie unbegründet Vorurteile und falsche Schlüsse aus jener Seite gebildet werden. Ächnlid>e Verhältnisse tvies der Redner auch in fct Frage der Unfälle hinsichtlich der Zahl und Tage des Bor- bmmens an der Hand einer kleinen Statistik nach. Schließlich -rklätte er in Anknüpfung an Worte unseres Reichskanzlers:Wir "fatioualliberale wollen nicht die Stimmen der Sozialdemokraten wbettelu, sondern die Arbeiter durch Aufklärung gewinnen, indem wir ihnen zeigen, daß der Anschluß an das Bürgertum ihnen zum ,ocile ausschlagen rvirö. Darm wandte sich der Redner zur deutsch- ozialen Partei. Er knüpfte an Äußerungen des Abg. Raab, die Dieser jüngst in einer Wahlrede im Kreis Emden getan hat und *^es aus das Naci>drüälichlte die dort gegen die natlib. Partei er­hobenen Vorwürfe hinsichtlich ihrer Mittelstandspolitik zurück. Bei meier Gelegenheit verlas er einige Aeußerungen unseres Rechs- tig5nbgeoti>netti: Köhler, die für unseren Bauernstand alles andere als schmeichlerisch waren. T-ie letzten Ausftihrungen des Redners fhlosseu sich an einen Pvessestreit infolge der Latlmtannverfamm- ing an. 5perr Luley erklärte, daß ihn die letzte Drummer der «ttiiemitischm Hess. Wochenzeitung zu seinem Bedauern zu dieser ^ultmik dränge. Er verlas bann den jüngst von ihm im Gießener ttnzeiger veräftcutlichten Teil einer Rüde des Abg. Liebermann

Eenbevg, Sätze, in denen dieser Herr ami:27. Febr. 1907 im -teMtage unumwunden zugegeben hat, daß Angehörige seiner Partei bei Stichwahlen die Stimmen der entscheidenden Sozial- uemotratie zu erlangen wünschten und daß solche auf eigene Faust

- ^iialoemolraten unterhandelt haben mit beut Zusatz, daß T stwst^dics nicht tue und von anderen nicht dulde. Tiefe unseren p^rni Teutschsozialcu unangenehme Feststellung hätten nur, wie {rj£ durch Verlesung der bett'. Artikel zeigte, zu einer völligen vvLrehmig seiner völlig klaren Darlegungen seitens der Hess. '^aVrzeittmg geführt. Tas Blatt habe iljm nämlich nachgesagt, *t habe mit Herrn iVaufmann dem Abg. v. -Liebermann vorge- wrfen, um sozialdemokratische Stimmen gebettelt zu l-aben, eine iix jeörn, her zu lesen versteift, sofort ettennbave Unwahrheit. Tiefe ^"hrheil wurde noch mit beleidigenden Bemerkungen verbrämt.

^te Jlccit2 argesunbtc. Berichtigung wurde von der bett- Schrift- mtung ausgenominen, aber wieder durch Zusätze dieser Schrift- n-'.tung dw Sache ein Mantel umger>ingt, der den Leser irre führen mug. Selbst in der letzten Nummer wurde wieder versucht, die ^ache m die von demReducr iviederholt als falsch bezeichnete Fährte

lacken. Herr L. erklärte, daß er Herrn v. Siebermaan von ^mVersahren seiner Parteifreunde ausführlich Mitteilung madjcn Er meinte, daß rann an dem vorgeftihrten Beispiel sehen wme, was man sich im politischen Kampfe bieten lassen müsse, er- .-^rte aber, daß er sich durch solche Preßreibereien nicht abschrecken "ftie, londcrn wenn nötig, der Schlange auf den Kopf treten werde.

Ans SL'<sSr ULsS LEÄ.

Gießen,. Februar 1908.

Aus dem städtischerr Verurattuugsberrcht für 1906, XII.

Der Ges <rm t« <rs verbrauch betrug 1906 1841830 (1905: 1 746 320) Kubikmeter, der dazu erforderliche Kohlen- verbrcruch 5 980100 (5 600 230) Kilogramm. Der Gesamt­oerbrauch verteilt sich auf die Privatbeleuchtuug 701390 (696 013) Kbm. = 38.08 (39.86) Proz., Kraft-, Heiz- und Zßochgas 683 454 (615 686) Kbm. = 37.12 (35.26) Proz., Straßenbeleuchtung 256 652 (247 801) Kbm. = 13.9o (14.19) Prozent, Gas- und Wasferloerk 55109 (52 091) Kbm. = 2.99 (2.98) Proz. und Verdichtung und Verlust 145 225 (134.730) zlbm. = 7.88 (7.71) Proz. Leuchtg-asabnehmer waren 1597 (1521) mit 9-n34 (8032) Flammen vorhanden, HeizgaZabnehmer 1917 (1652) mit 5667 (4948) Schlauch- t)ahncn und Flammen zum Heizgaspreis, Gasmesser 3784 (3344) und Gaskrastmaschinen 29 (29) mit 95 Merdekrästen. Die Anzahl der öfsentlch)en im Gebrauch besinolichen Gas­laternen betrug 712 (683). Jeder der 12 Laternenwärter hatte durchschnittlich 59 Laternen zu bedienen. Die Kosten! der Straß ende leuch tung betrugen sür Gasbeleuchtung 37120.59 (35 661.48) ML, während die 7 vorhandenen Pc- troleumlcttttpen 507.70 (533.75) Mr. erforderten. Tie stärkste Gasabgabe war am 1. Dezember mit 8480 (8010) Kbm., durck)schnittlich wurocn 50'16 (4785) täglich abgegeben. Neu verlegt wurden 7575 Meter Hauptrohr, davon bei Aus­wechslungen 5691.60 und neu 1883.40 Meter. Außerdem wurden für Hans- unb Laternenauschlüsse 1248 Meter Zu­leitungen gelegt. Die Hauptrohrleitung des städtischen Gas- rohrnepes ist 41611 Meter lang, die Haus- unb Laternen­zuleitungen waren 13118 Meier lang. Die Betriebsein- nahme des Gaswerks betrug 688 258.80 Ml., die Betriebs­ausgabe (einschließlich 106 <32.97 ML BeiriebSüberschuß) 538o09.20 ML Zur Schuldentilgung wurden 20 876.91 Mk. verlvendet, während 65185.10 ML Käpital neu aufgenom­men wurden.

Das Wasserwerk hatte einen Gesamtwasserzufluß von 1268 777 zibrw, davon wurden an Private abgegeben 941084 Kbm. (an den Bahnhof 439 232 unb an das Volks bad 109 465 Kbm.), für öffentliche Zwecke wurden 109 163 Kbm., für das Werk selbst 25 000 K'brn. und für das Dorf Queckdorn 15 956 Wrn. verbraucht, während 177 272 (13.97 Proz.) Ver­lust entstanden. Dw Förderung des Pumpwerks Quecidorn ist um 91061 Kbm. und der Zulauf der alten Quellen um 62 050 Mm. gestiegen. Ter Verorccuch stieg bei den Privaten um 28 883 (6.86 Pro-.), beim Bahnhof um 38994 und beim Volksbad um 10074 Kbm., der für öffentliche Zwecke um 7223 Mm. Kohlen wurden 450100 Kgr. unb Holz 264 Kgr. verbraucht. Die Selbstkosten betrugen für den Kübittneter 9.88 Pfg. gegen 11.47 Pfg. im Vorjahr. Von den 2273 Wohnhäusern sind 1923 (84.8 Proz.) an die Leitung cmge- schloffen. Durchschnittlich wurden täglich 3480 (1905; 3056)

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sozialen getan? Sie haben das von Dr. David an uns gerichtete doch die- Fülle unserer eigenen Ucberliefcrungen ansckftiulich zuml ct-^t------- du-c4r--u,.. 4 c."... n-4-i----- Bewußtsein brachte. Im Gegensatz dazu schilderte imd bekcuchtete

er dann die weithin in Deutschland angegriffene Gebe unb Ver­wüstung auf diesem Gebiet, deren Hauvtursach.' eine oft unwürdige und rückratlose Nebaschllzung der Stadtkultur seien. _ Bei der Erneuerung der ländlichen Feste und Spiele sei in erster Linie an die Reste der eigenen Vergangenheit anznmüpfen, von deren ost überraschendem Reichtum auch ein tom Verein veranlaßtes und in Vorbereitung befindliches Werk über die Feste und Spiels des deutschen LandtolkS einen neuen Beweis oblegen würde. Bei der Refonn-arbeit müsse man sich einmal an den Landmann wenden unb ihm beispielsweise klar machen, daß eine Wiederbelebung der Tors feste und der Spiele auf dem wieder zu schaffenden Tvrscmger eng mit der Gesinde frage zu entern eigenen Nutzen zusammen hänge. Bei diesen und anderen reformerischen Bestrebungen hänge aber alles ton der Mitwirkung der ländlichen Intelligenz ab. Redner

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