Blatt 158. Jahrgang Mittwoch SS.Juli1808
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Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten. '--==-- ---—
Bismarck, -er Walhallgenosse.
(Zum 30. Juli 1908.)
Auf einer Anhöhe an der Donau unweit Regensburg erhebt sich der stolze Marmorbau der Walhalla, jene großartige Schöpfung Ludwigs I. von Bayern, die der geniale Klenze ausführte, und deren feierliche Einweihung am 18. Oktober 1841 stattfand. „Es ist mein Wille", so hieß es in der königlichen Gründungsurkunde, „daß die Walhalla der Erstarkung deS deutschen Sinnes förderlich sein möge", und dieser Bestimmung trägt das herrliche Bauwerk, zu dem man aus 250 Stufen emporsteigt, durch seine äußere und innere Ausschmückung vollauf Rechnung. Im vorderen Giebel die kolossale Germania und 15 an die deutschen Befreiungskriege erinnernde symbolische Figuren, im Hinteren Giebel des dorischen Tempels die Hermannsschlacht, im Innern, in der dreiteiligen Eella Siegesgöttinnen und an der Wand ein Marmorfries, der Deutschlands Urgeschichte rm Relief darstellt. Unter diescni Fries aber, auf Konsolen und Postamenten und in zwei Reihen übereinander ange- vrdnet, die 163 Marmorbüsten der Walhallgenossen, während die Namen 64 anderer, deren Porträts man nicht befiel, in goldenen Buchstaben von den Marmorwänden auf den Beschauer herableuchten. Alles Männer, die sich um Deutschland und die Erstarkung deutschen Sinnes unsterbliche Verdienste erworben haben. Wahrlich, ein stolzes Werk, das seinem Begründer und der Idee, der es dienen soll, alle Ehre macht! Ohne Zweifel aber- wäre unsere Bewunderung noch größer, wenn man bei der Auswahl der Heroen, die diesen Ruhmcstempel deutschen Geistes bevölkern, großherziger verfahren wäre, wenn man sich nicht dabei — entsprechend dem konfessionellen und partikularen Empfinden der Bayern — stellenweise von gar zu kleinlichen Gesichtspunkten hätte leiten lassen. Es kann nicht Zweck dieses Artikels sein, die einzelnen Walhallgenossen Revue passieren zu lassen und zu untersuchen, inwieweit jeder einzelne seiner dortigen Unsterblichkeit würdig ist, und es kann ebensowenig ui unserer Absicht liegen, hier für die Aufstellung der Büste dieses oder jenes aroßcn Deutschen zu plädieren. Aber um nur ein Beispiel zu nennen, so sei daran erinnert, daß Luther in dieser erlauchten Versammlung bisher noch nicht den ihm gebührenden Platz gefunden hat.
Und noch ein anderer Großer fehlte bis jetzt in der Walhalla: der eiserne Reichskanzler Otto v. Bismarck, der Lchöpfer des neuen Deutschen Reiches, ein Mann, der, wie jelten einer vor ihm, deutsches Mesen personifizierte, der Durd) seine alles überragende Persönlichkeit die Erstarkung deutschen Sinnes in uns weckte und auch heute noch, wo sich sein Todestag zum zehnten Male jährt, fortgesetzt fördert. Auch wenn nicht so viele Denkmäler an ihn erinnerten, auch wenn er uns nicht seine „Gedanken und Erinnerungen" als Vermächtnis hinterlassen hätte und durch sein gewaltiges Lebenswert den literarischen Kärrnern unerschöpflichen Stoss zum Schreiben lieferte, — «feine machtvolle Persönlichkeit mürbe dennoch das deutsche Leben beherrschen. Auch wenn ihm der Ruhmestempel der Walhalla verjchlojscn geblieben iväre, die Erinnerung an ihn, der uns Roland und Ekkehard in einer Person war, würde im deutschen Bolte niemals verlöschen.
Trotzdem ist die Tatsache, daß am 29. Juli, dem Vorabend seines zehnjährigen Todestages, die feierliche Enthüllung seiner Büste unter Teilnahme des Hoses, der Mi- Aisterialämter und der bayrischen Studentenschast in der Walhalla stattsindet, aus mehr als einem Grunde politisck)
Gietzenev Stadttheater.
6. Operetten-Gastspiel des Großherzogl. Knrtheaters in Bad Nauheim.
Gasparone.
Operette in 3 Akten von F. Zell und R. Genee. Musik von Carl Millöcker.
Mit seinem „Bettelstudenten" hat Millöcker s. Zt. einen geradezu beispiellosen Erfolg errungen. Seine nächsten Operetten, die in rascher Reihenfolge erschienen, hatten zwar auch großen Erfolg, aber sie haben sich auf der Bühne nicht jo zu halten vermocht, wie der 1881 erschienene „Bcttel- jiubcnP. Was Millöcker vorher geschaffen hatte, ist heute so $ut wie vergessen, aber seine späteren Kompositionen, vor 'cüem „Gasparone", „Die sieben Schwaben", „Der arme Zonathan", enthalten eine Fülle des Schönen und Reizvollen, aber man hört sie doch verhältnismäßig selten. Und das mag wohl daran liegen, daß man diese Operetten nach ihrem ersten Erscheinen bis zum Ueberdruß aufgeführt hat, — ein Schicksal, dem bisher nur wenige Operetten entgangen 'sind. Nach einer längeren Pause finden die bekannten Melodien solcher Operetten dann wieder willige Ohren. Auch Lie gestrige Aufführung des „Gasparone" fand ein empfang- 1 ches und dankbares, leider aber wenig zahlreiches Publikum. Wer diese Operette, wie der Referent, längere Zeit nicht mehr gehört hat, wird unwillkürlich mit Freuden diese hübschen, Luftigen Weisen auf sich wirken lassen. An Erfindungsgabe Hat es Millöcker nie gefehlt, auch an Eleganz und Originalität des Ausdruckes nicht. Seine Musik ist fast immer interessant, interessant wie das Libretto seiner meisten Operetten.
Herr Bruno Schlegel batte die gestrige Aufführung ncht hübsch, zum Teil sogar außerorder-lich wirksam inszeniert. Dls Podesta war er eine Bühnenfigur von grotesker Komik, eoensoHerr Much alsSindulfo. Auch Herr Bau er spielte seinen Wict Benozzo mit dec erforderlichen Dosis Humor, und man muß immer wieder von neuem bedauern, daß die Stimme dieses Empathischen und talentierten Schauspielers so wenig den
bedeutungsvoll. Macht sich doch der greise Prinzregent Luitpold, der Sohn des Begründers der Walhalla, auf diese Meise so recht eigentlich zum Vollstrecker der Gründungsurkunde seines Vaters und zum Dolmetsch der Empfindungen, die alle vaterländisck) gesinnten Deutschen von den Alpen bis zum Belt und von der Maaß bis an die Memel beseelen. In der Person Bismarcks ist trotz alles bayrischen und auch preußischen Partikularismus die Mainlinie überbrückt, und das Genie Bismarcks ist cs gewesen, das den deutschen Einigungsgedanken lucitec donauabwärts ziehen ließ und das deutsch-österreichische Bündnis begründete, das heute mehr denn je den Schutz des Deutschtums und den Hort des Völkerfriedens darstcllt. So gestaltet sich der Einzug Bismarcks in die Walhalla zu einer wirkungsvollen Kundgebung deutscher Bündnistreue in Zeiten, wo aus dem verdüsterten politisck)cn Horizont nur zu leicht der Kriegsstrahl herniederfahrcn kann. Ehre darum dem Prinzregenten Luitpold, dessen großzügige, kerndeutsche Gesinnung diese Bismarckhuldigung der deutschen Welt ermöglichte! Sie schließt sich gleichwertig der Fürstenhuldigung von Schönbrunn an und verkörpert mit ihr den einen Gedanken, daß Norddeutschland, Süddeutschland und Oesterreich-Ungarn untrennbar und einig zusammenstehen im Zeichen der durch Bismarck geschaffenen neuen Zeit, ein festes Bollwerk deutschen Wesens, an dem noch einmal die Welt genesen muß.
politische Lagesschan.
Ein Urteil über die Gas- und Elektrizitätssteuer.
Da gerade das bayerische Zentrum sich besonders scharf gegen eine ElektrizitätSsteuer erklärt hat, ist es doppelt interessant, das Urteil eines in Regensburg, in dem bekannten Manz'schen Verlage, erschienenen Schriftchens zu hören. Das Schriftchen führt den Titel: „Das Reichsmonopol im Petroleumhandel" und stammt von einem, wie es scheint, in Regensburg ansässigen Petrolemnfachmanii namens Joseph Leis, der eine langjährige Tätigkeit in verschiedenen Konzernen des Petroleumgeschäfts ausgeübk hat. Leis tritt warm für das Reichsmonopol im Petroleumhandel ein. Ec sagt in seinem Schlußwort über die Möglichkeit, eine Belenchtungs- steuer für GaS und elektrisches Licht als Hilfsquellen der Reichsfinanzen heranzuziehen:
„Da man es hier der Hauptsache nach mit größeren Zentralen und großenteils sogar städtischen Belrieben zu tun hat, ist die Steuerkontrolle durch elektrische Zähler und Gasuhren nicht schwierig. Eine dem Petrolemnzolt per Kerzenstärke angepaßte Besteuerung dieser beiden Beleuchtungsarten würde nur gerecht erscheinen. . . .
Wir sind weit davon entfernt, zu behaupten, daß sich die durch Kerzen, Petroleum, Gas oder Elektrizität bewirkten Äeleuchtungs- arten gegenseitig ersetzen oder verdrängen konnten. Sämtliche Beleuchtungsarten sind in steter Zunahme begriffen. Das Licht- bedürsms ist im ständigen Wachstum begriffen, cs erscheint unersättlich und verwischt die Grenzen zwischen Notwendigkeit und Verschwendung. Tie Paro.iftnkerze und das Petroleum, beides die Bedarfsartikel fiir die ärmere Bevölkerungsklafse, entspringen ausländischen Rohprodukten und sind mit einem Finanzzoll belegt. Kohle, das hauptsächliche Rohprodukt für Gas und Elektrizität, unterliegt keinem Zoll. Während leichte Mineralöle für Motoren- betrieb zollfrei sind, tuirb ihnen diese Zollsreiheit entzogen, falls der Motor zur Erzeugung von Licht Verwendung findet. Es handelt sich also beim Mineralöl- resp. Petroleumzoll um eine ausgesprochene Lichtsleuer. Es wäre deshalb nur gerechtfertigt, ivenn auch jeder zu Beleiichtungsziveckeii dienende Kubikmeter Gas imd jeder gleichen Zivecken dienende Hektowatt Elektrizität nach Maßgabe der Zollbelastiiiig für die Kerzenstärke au5 Petroleum, versteuert werden müßte. Mit Gas und elektrischem Lichte wird der meifte Luxus getrieben. Dies ivürde dem für Beleiichtiingszivecke dienenden Spiritils, einem heimischen und steuerfreien Produkt,
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gesanglichen Anforderungen seiner Rolle entspricht. Herr Bauer hatte aber gestern abend doch Momente, in denen man das Unzulängliche der Stimmittel vergessen konnte. Das war vor allem der Fall in dem Duett mit Sora: „Stockfinster ivar die Nacht". Da wurde das Publikum zu stürmischem Beifall hingerissen. Gabriele Klerwin war in diesem Duett als Sora allerdings ebenfalls wieder von entzückender Anmut. Auch die Stärke dieser Dame liegt eigentlich mehr auf schauspielerischem Gebiete, aber als Sängerin wird sie, nach allen bisherigen Beobachtungen, nie etwas verderben. Es liegt etwas unendlich inniges und herzliches in ihrer Vortragsweise, und diese ist es, die sich ihr selbst in einer so wenig dankbaren Rolle, wie die der Sora, die Sympathie der Zuhörer erwirbt. In jeder ihrer Rollen bietet sie ein in sich geschloffenes Ganzes, eine jede ihrer Rollen ist intereffant.
Die Zenobia von Helene Schumann litt leider dieses- mal etwas unter gar zu großen Uebertreibungen.
Als Carlotta erfreute Fränzi Großkopf das Publikum durch ihren reinen, schönen Gesang und ihr seelenvolles Spiel. In der Operette wird heutzutage im Allgemeinen — selbst an den ersten Bühnen — in rein musikalischer Hinsicht gar zu viel gesündigt, und da freut man sich denn als einigermaßen musikalisch empfindender Mensch doppelt über eine gute, saubere Gesangsleistung, wie man sie auch gestern wieder von Frl. Großkopf zu hören bekam. Spiel und Gesang haben bei dieser Dame immer echtes, wirkliches Leben. — Den Conte Erminio sang Herr Hildebrandt mit reichem Ausdruck. Die Stimme war auch namentlich in den oberen Lagen klangschön und rein, das Spiel der jeweiligen Situation angemessen. Sein Duett mit Carlotta in der Banditenszene des 2. Aktes war von großer, schöner Wirkung.
Erwähnt sei zum Schluffe, daß auch das Terzett zivischen Schlegel, Großkopf und Schumann sehr gut zur Geltung kam.
Die Kapelle des hiesigen Infanterie - Regiments spielte unter Leitung des Herrn Hermann Weinack die Ouvertüre recht wirkungsvoll. Wenn Sänger, namentlich die
sicherlich auch zugute kommen und einen etwaigen Ausfall an. Trinkbranntweinabsatz sicherlich mehrfach ersetzen.
Wir geben dieses Gutachten lediglich als Material zur Urteilsbildung wieder, ohne uns irgendwie dazu zu äußern oder darauf festlegen zu wollen.
Deutsche- Uerch.
_ i $ far rer Mansuy in A rs an der Mosel, der wegen.' seiner am Sonntag den 26. Januar in der Pfarrkirche zu Ars gehaltenen Predigt von der Strafkammer deS Landgerichts Mctz ju zwei Wochen Festungshaft verurteilt worden war, ist vom Bischof Bengler mit Wirkung vom 6. August d- I. vom Dienst enthoben worden.
Eine Verlobung im Hause Cumberland.s In München erwartet man die baldige Verkündigung der Verlobung des 28 jährigen Herzogs Georg Wilhelm von Braun- schweig-Lüneburg, des ältesten So! nes des Herzogs von Cumberland, mit der 5 Jahre jüngeren Tochter des verstorbenen Erv- prmzen Leopold von Anhalt, die zur Zeit mit ihrer Mutter in Gmunden weilt.
ZurReichstagsersatz wähl in Braunschweig. Im der Montag nachmittag in Wolfenbüttel abgehaltenen Vertrauens» männersitzung der nationalen Parteien lvurdc gegen die Stimmen der Landesrechtspartei der Kandidat des Bundes der Landwirte, Landtagsabgeordneter Kleyc-Jerxheim als Kandidat bcO bürgerlichen Parteien für die bevor st stunde Reichstagsersatzwahl int zweiten braunschweigischen Wahlkreis bestimmt. Die Landrechtspartei hat ihrerseits den "Notar Dedekind-Braunschweig als Kandidaten nominiert, während die Sozialdemokraten erst am kommenden Sonntag auf der Krciskonferenz zu der Frage Stellung nehmen werden.
Der Fall Schücking unterliegt zurzeit der Prüfung durch den Minister des Innern. Herr v. Moltke hat bei Gelegenheit seiner Inspektionsreise nach Schleswig sich mit den beteiligten Regierungsfaktoren ins Benehmen gesetzt; das Ergebnis, zu dem er gekommen ist, dürfte in den nächsten Tagen bekannt werden. Es handelt sich um ein von dem zuständigen Regierungspräsidenten,, also nicht von der Zentralstelle eingeleitetes Verfahren.
Ausland.
Der Weltfriedenskongreß in London wurde von! Lord Courtney mit einer Rede über den Zusammenhang von Frieden und Gerechtigkeit eröffnet. Courtney erklärte, alle Kriege, könnten vermieden werden, wenn die Ungerechtigkeit aus der Welt geschafft würde.
Von den an dec rechtswidrigen Verhaftung eines deutschen Schutzgenossen beteiligten marokkanischen Soldaten ist auf Betreiben des deutschen Gesandten der Hauptschuldige gefangen gesetzt worden. Er bleibt int Gefängnisse! während einer von dein deutschen Gesandten zu bestimmenden Zeit.
Englisches Unterhaus. Aus eine Anfrage erklärte Staatssekretär Sir Edward Grey, daß der Kaiser von Rußland nicht die Absicht zu erkennen geaeben habe, während deS laufenden Jahres England einen Besuch abzustatten.
Ans Stadt und Land.
Gießen, 29. Juki 1908.
**TagesordnungjürdieSitzungderStadt- verordueten-Versammlung am Donnerstag den 30. Juli 1908, nachmittags 5\ -> Uhr. 1. Mitteilungen. 2. Vorlage der Rechnung des Gas- und Wasserwerks für 1906., 3. Vorlage der Rechnung des Elektrizitätswerts für 1906. 4. Baugesuch des Adolf Möhl für die'Bahnhofstraße (Vergrößerung eines Kellerfensters). 5. Gesuch des Anton Geißner um Genehmigung zur Anbringung eines Firmenschildes am Hause Plvckstraße 9. 6. Ausbau des Wetzlarerwegs; hier: Festsetzung des Preises für Gelände aus dem Stadtcriveiterungsfonds. 7. Gesuch des Garnisonlazaretts! um Abtretung eines Geländestreifens in der Oftanlagc^ 8. Ankauf von Straßengelänoe von Louis Vogt Witwe zum Chöre und das Orchester auch gestern wieder häufig aus-' einander gingen, so kann man hieraus weder der Regiments- kapelle noch dein Dirigenten oder den Sängern einen Vorwurf machen. Eine genügende Zahl von Proben ist hier nun einmal infolge der eigenartigen Verhältnisse offenbar nicht zu ermöglichen, und es wäre Undankbarkeit, nicht anzuerkennen, daß alle Mitwirkenden unter so unsagbar schivie- rigen Verhältnissen außerordentliches leisten. Wenn man allen Umständen Rücksicht trägt, dann wird man auch die gestrige Llnflührting der „Gasparone" nicht zu den schlechtesten Aufführungen dieser Operettensaison rechnen dürfen. Schade/ daß das Gießener Publikum dec gestrigen Operette nicht größeres Interesse entgegengebracht hat. Die Aufführung hätte es wirklich verdient. -n-
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— lieber das Vorbild von Böcklins „Toten- i n s e l" enthält eine Kunstzeitschrift nachstehende Mitteilung: Unter den mancherlei Nachrichten, die jüngst über Korfu auftauchten, begegnete man auch roieder einmal der Behauptung/ die kleine, Korfu vorgelagerte Insel Pondikonisi, das „Mausinselchen", sei das Vorbild von Böcklins „Toteninsel" gewesen. Böcklins Bild ist indes fürs erste gar nicht vor derj Natur entstanden, sodann war Böcklin niemals auf Korfu. Die „Toteninsel" entstand 1880 zu Florenz. Die Gräfin Oriola aus (unserm) Büdesheim (die Gattin des bekannten oberhessischen Parlamentariers), besuchte auf einer Jtalienfahrt den Meister und bestellte bei ihm „ein Bild zum Träumen". Böcklin ging sogleich ans Werl. Als die Gräfin nach einigen Wochen wieder nach Florenz kam, konnte sie der Künstler vor das beinahe fertige Gemälde führen. „Sie erhalten, wie Sie gewünscht haben, ein Bild zum Träumen", sagte er zu ihr, „es muß so still wirken, daß man erschrickt, wenn angcklopst wird." Böcklin hat zugestanden, daß ihm gewisse Felsgebilde der Ponza-Jnseln im Golfe von Gaeta das Motiv gaben. Doch ist das Bild dann ganz frei, ohne Verwendung von Studien, entstanden.
— Kleine Kunstchronik. Wie aus Buenos Aires gemeldet wird, ist dort der langjährige Leiter des Berliner Zentral-! theaters Jos6 Ferenczy gestorben.


