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28.9.1908 Zweites Blatt
 
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Nr. 228

Zweites Blatt

Montag 28. September 1908

Gießener Anzeiger

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

General-Anzeiger für Gberheffen

158. Jahrgang

Rotationsdruck und Verlag der vrühl'ichen UniversitätS Buch- und Stemdruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion. Expedition imb Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und vertag: 5L

Redaktion:e^KN2. Tel.-AdruAnzelgerGicßen.

TieSietzener Zamilicnblätter" werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich bergelegt, das Nretrblatt für den Krtls Eiehen" zweimal wöchentlich. D»eLandwirtschaftlichen seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

werblichen Unterrichtswesens. Tie Einnahmen und Ausgaben aller gewerblichen Bereinigungen betragen 2 778 305 Mk. und 2 648317 Mk., die bezüglichen Angaben der Reick>sstatistik erhöhen sich dem» nach um 53,9 und 72,2 »,o. Unter Berücksichtigung der Aus­gaben der Gewerbevereine nsw. für besondere Veranstaltungen mit 761999 Mk. erhöhen sich die bezüglichen Ermittelungen des Statistischen Amtes um 205,9 °,o. Tas Vermögen der In­nungen und der bei ihnen bestehenden Fonds und Stiftungen betragt nach der amtlichen Veröffentlichung 11 794 012 Mk. und 1 151 655 Mk. Unter Berücksichtigung der für die gewerblichen Vereinigungen ermittelten diesbezüglichen Zahlen von 4 768 480 Mk. und 613 621 Mk. erhöhen sich diese Angaben um 40,4 und 40,5c -). Tas Ergebnis ücr Tcnkschrist benxist, daß cs keines­wegs möglich ist, ein wirkliches und umfassendes Bild über die Durchführung des Hanbwerkergesetzcs zu erlangen, wenn nicht die Tätigkeit der freien gewerblichen Vereinigungen auf dem Ge­biete der Handwerks- und Gcwerbesördcrung bei d.'n Erhebungen mit in Betracht gezogen wird. Und cs muß daher immer wieder betont werden, dass bei der Handwerkerorganisation die Gelverbc- und Handwerkervereine nicht ausgcsckialtet werden können, da nach dem Reick-sgesetz die Geiverbevcreine als Wahlkörper, wie dcc Innungen, den Unterbau dcv Handwerkerorganlsation zu bilden haben. Tiefe Vereine waven von jeher bestrebt, das Handwerk wirtschaftlich voranzubringen und ihm den Wettbewerb mit dem Großbetrieb zu erleichtern. Tie Aufgaben zur Hebung des Hand­werker- und Gewerbestandes sind so ausserordentlich zahlreich und gross, dass treue Arbeiter an allen Enden nötig sind. Wenn sie auch getrennt marschieren, so ist doch die Förderung der Interessen deS Handwerks das gemeinsame Ziel der Innungen, wie der Ge- werbeveveine, und darum rüst auch der Verfasser der Reichs- rcgierung für alle Zeiten die Losung zu:Mit den Innungen und den Gewerbcvereinen."

Tie Denkschrift bildet einen Teil deS Tätigkeitsberichts des Verbandes deutscher Gelverbevereine für das Bereinsjahr 1907/08, Der als Vorlage für die 15. orbentlidje Hauptversammlung vom 20. bis 22. September zu Tannstadt gedruckt worden ist.

Einladung zum Bezug der Gießener Anzeigerz für dar letzte Vierteljahr 1(908.

Die langen Winterabende stehen vor der Tür, und mit ihnen mehrt sich naturgemäß das Lesebedürfnis. Von be­sonderem Interesse wird es da wohl für jedermann sein, über die neuesten Ereignisse in der Nähe und in der weiten Ferne rasch und zuverlässig unterrichtet zu werden. In der Politik unserer engeren hessischen Heimat und des Reiches stehen für diesen Herbst wichtige Entscheidungen bevor. In Hessen sind es die Landtagswahlen, im Reiche die Finanzresorm, die unserem politischen und öffentlichen Leben auf lange hinaus ihr Gepräge geben werden. Vom Ausfall der l)essischen Landtagswahlen, über die der Gie­ßener Anzeiger ausführlich berichten wird, hängt cs vor allem ab, wie sich unser hessisches Wahlrecht in Zukunft gestalten loird. Auch über die auswärtige Politik wird der Leser des Gießener Anzeigers in ausreichendem Maße unterrichtet werden. Wie bisher, so wird der Leser auch in Zukunft von allen irgendwie bemerkenswerten Vorgängen in Stadt und Land, insbesondere aus Oberhessen, aus­führliche und zuverlässige Kenntnis erhalten. Ebenso ist auch für das Unterhaltungsbedürsnis unserer Leser bestens gesorgt. Ein großer Stab von Mitarbeitern aus allen Gesellschaftsklassen gibt dem Gießener Anzeiger die Mög­lichkeit, über alles Wissenswerte schnell und erschöpfend zu berichten und so weit es möglich ist allen Interessen Rechnung zu tragen.

Bestellungen auf denGießener Anzeiger" werden ent- gegengenommen: in Gießen von der Geschäftsstelle, Schulstraße 7, von den Austrägerinnen und den Filial- stellen; auswärts von den Postämtern, Briefträgern und Zweigstelleninhabcrn.

politiiebe Tagesschau.

Ein deutsch-französischer Zwischenfall.

In Casablanca hat sich ein Vorfall ereignet, der leicht ernste Folgen haben kann. Von amtlicher Seite wird hier­über aus Berlin folgendes gemeldet: Bei der Einschiffung von drei deutschen Deserteuren der Fremdenlegion wurden der deutsche Konsulatssekretär und ein Konsulatssoldat, welche die Deserteure auf dem Dampfer abliefern sollten, von französischen Marinesoldaten angegriffen; ersterer wurde von einem Offizier mit dem Revolver bedroht, letz­terer wurde gefesselt und erst auf Einschreiten des deutschen Dragomans freigelassen. Tie Deserteure sind in fran­zösischer Haft. Tie Bestrafung der Schuldigen ist bean­tragt. Ein Berliner Telegramm derKöln. Ztg." in der Morgenausgabe vom 28. September bespricht diesen Zwi­schenfall in Casablanca folgendermaßen: Der Zwischenfall ist im höchsten Grade bedauerlich und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß das Verhalten der französischen Soldaten gegen die deutschen Konsulatsbeamten durchaus rechtswidrig war, und daß weder die Bedrohung, noch der gewalttätige Angriff auf die Beamten in irgend einer Weise entschuldigt werden kann. Es sind daher auch sofort auf diplomatischem Wege von deutscher Seite Vorstellungen erhoben worden. Tie Angelegenheit wird von der deutschen Regierung mit der durch die Umstände und Schwere der Uebergrisfe gebotenen Entschiedenheit, aber auch mit voller Ruhe weiter verfolgt werden. Schon jetzt liegen Anzeichen vor, daß man von franz. Seite den Vorfall ebenso bedauerlich betrachtet als auf deutscher Seite, zumal gerade jetzt durch das weite Entgegenkommen der deutschen Note eine freund­liche Aussprache über das marokkanische Verhältnis an­gebahnt war. Eine Beilegung des Zwischenfalles wird

von deutscher Seite verlangt werden, sie wird umso leichter sein, als die französischen Ausschreitungen von untergeord­neten Personen begangen worden sind, für deren Verschulden die französische Regierung nur dann als verantwortlich betrachtet werden kann, wenn es gedeckt würde. Man zweifelt aber keinen Augenblick daran, daß daS nicht geschehen wird und daß dieser Zwischenfall in loyaler Weise erledigt werden wird, und man darf annehmen, daß die nötige Remedur eintreten wird.

Tie Schwierigkeiten des österreichischen Ministerpräsidenten.

Ter österreichische Ministerpräsident Frhr. v. Beck hatte es bisher recht geschickt verstanden, die einzelnen Nationen und Natiönchen der Monarchie durch allerhand Konzessionen zufrieden zu stellen. Heute gab er den Deutschen ein Zucker­brötchen, morgen den Slawen. Aus die Dauer läßt sich eine solche Politik natürlich nicht sortführen, nnb die Vor­gänge in Laibach und Prag haben auf einmal den ganzen Ernst der Lage in Oesterreich offenbart. Frhr. v. Beck ist jetzt in tausend Schwierigkeiten. Die Konferenz des Ministerpräsidenten mit den deutschen Abgeordneten war am Samstag beendet worden. Obwohl von den deutsch-böh- mischen Führern über das Ergebnis ungünstige Mitteilungen ausgegeben werden, hat man in Regierungskreiscn die Hoff­nung, bis Mittwoch die strittige Angelegenheit wieder ins Reine zu bringen und die Verhandlungen des böhmischen Landtages in ruhige Bahnen zu lenken. Wie verlautet, soll Frhr. v. Beck sich in den wesentlichen Punkten auf die Seite der Deutschen gestellt haben. TieNeue Fr. Pr." schreibt: Die deutsch-böhmischen Führer, die heute mit dem Ministerpräsidenten v. Beck konferieren, beobachten eine feste und entschlossene Haltung; sie fordern die Vertagung des böhmischen Landtages. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, daß es dem Ministerpräsidentep gelingt, ein Kompromiß auf der Basis herbeizuführen, daß vorerst die Anträge der; Deutschen im Landtage verhandelt werden.

Deutsches Ueich.

Der Kaiser in Friedrichshafen. Blättcrmel- dungeu zufolge sind die Fremdenzimmer des königlichen Schlosses in Friedrichshafen für einen bevorstehenden Be­such des Kaisers instand gesetzt worden.

Die Fahrkartenstcncr wird verbessert. In' Bundesratskreisen wird cs nicht für ausgeschlossen gehalten, daß anstatt der vom Staatssekretär Sydow in Aussicht gestellten völligen Aufhebung der Fahrkartensteuer zunächst) der Versuch gemacht werden wird, die Fahrrartcnslcuer: zu, verbessern durch Einführung mäßiger fester Sätze und auch durch Heranziehung der 4. Wagen klasse zur Steuer, wodurch der Abwanderung in die niederen Klassen gesteuert werden soll.

Tic traditionelle deutsch-russische Freund-- schäft. Ter Besuch des russischen Ministers des Acußern Iswolski bei dem deutschen Staatssekretär v. Schön in Berchtesgaden entsprang dem natürlichen Wunsche, lang­jährige persönliche politische Freundschastsbeziehungen zu pflegen. Ein Gedankenaustausch über politische Tinge hat ergeben, daß zwischen Deutschland und Rußland kelnerlei weder direkt noch indirekt sie berührende Fragen vor­liegen, die geeignet wären, die von beeiden Seiten ge­wünschte Fortführung der traditionellen 'freundschaftlichen Beziehungen zwischen Teutschland und Rußland zu er­schweren oder zu vereiteln.

LinienschiffRheinland". Auf der Werft des Stettiner Vull'anS ist am Samstag das LinienschiffErsatz- Württemberg" vom Stapel gelaufen. Tie Taufe vollzog die Fürstin zu Wied. Tas Schiff bekam den Namen Rheinland. Die Tausrede hielt der Oberpräsident der Rheinprovinz, Frhr. v. Schorlemer-Licscr.

Die Freilassung Eulenburgs ist aufge-, hoben! Ter Zweite Strafsenat des Stammet» aerichtshobbenBeschlußbctreffenddieFrci- lassung des Fürsten Eulenburg auf und knüpfte die Freilassung an eine Sicherheits­leistung von 100000 Mark. Nach Meldungen schweize­rischer Buttler soll Fürst Eulenburg noch im kommenden Monat nach Rohrschach übcrzusiedeln beaosichtigen. Es sei bereits eine Villa mit 14 Zimmern für ihn von einem Züricher Agenten auf unbestimmte Zeit gemietet worden.

Ter Berliner Magistrat hat für die Speisung bedürftiger Schulkinder im nächsten Winter 70000 Mark bewilligt.

Ausland.

Wahlrechtsdemonstrationen in Le st erreich. Sonntag nachmittag fanden vor dem Landtage und vor b;m kranken Hausgebäude in Lemberg Demonstrationen der sozial- demokratlschen Partei zugunsten des allgemeinen Land- tagsmahlrechteS statt. Tie Menge wurde von der Polizei aus­einandergetrieben, wobei einige Personen verletzt würben. Spater wiederholten sich die Temonitmtionen vor der Statthaltern und auf dem Marienplatz. Hier wurde ein Polizeibeamter durch einen Steinwurf am Kvpfe verletzt.

Tas spanische Königspaar traf am Samstag abend in Paris ein. Zwischen dem Könige und dem Präsidenten Falliöres fanden BespreHingen über die Marokkopolitik statt, ebenso zwischen dem spanischen Minister des Aeußern und Pichern. Gestern reiste das Königspaar von Paris nach München ab.

TieverwitweteKönigin von Portugal will, wie verlautet, ihren Wohnsitz in England nehmen. Der Grund ist in den unaufhörlichen Anariffen der Republikaner gegen sie zu suchen.

Ter Nachlaß des Königs Alexander von Ser­bien ist noch immer nickt vollständig geregelt. Ein Rechtsanwalt veröffentlicht in einer Belgrader Zeitung eine Annonce, in der er einen Teil der Güter des unglücklichen Monarchen zum Stauf anbietcl. Es handelt sich um Häuser, Hausplätze und anoerc Grundstücke. In wessen Auftrag der Rechtsanwalt handelt, ist nicht gesagt. Verkauft wird nur gegen bar.

Im Londoner Hydepark fand am Samstag nachmittag eine Monstredem^onftration gegen die Schankgcfetz- vorlagc statt. Tie Beteiligung war eine ungeheure. Tee Demonstration verlief in vorzüglicher Ordnung.

Studenten streik in Rußland. Ter UnterrichtSmini»

inltniS der Bevölkerungszahl zu der

ercinsmitgliedcr ivesentlich, wie in

auf je 10 000 der Bevölkerum

schied liegt in

der in den Innungen uiw Vereinen iorporierten Handwerker in Norddeutschland (97,8:11,3) und in Süddeutschland (29,9:65,2) »er Bevölkerung. Tie Erklärung für diesen Untere der stärkeren Verbreitung der Vereine im Süden

cbicte gcgcnubcrgeltcnt. Hier- übersichtliches Bild über die verschiedenen Ergebnisse bei den Innungen unb Gewerbevereinen

23,7 Vereinsmitglieder. In den einzelnen Staaten und Gebiets­teilen ändert sich dies Derhä Iahl bur Jnnungs- und B

regierungen und dem Reichsaimc des Innern bei den Gewerbe­vereinen veranstalteten Erhebungen nebeneinander dargestellt sind, um so in neuer Form eine Vergleichung der in den einzelnen Bundesstaaten des deutschen Reiches verschiedenartig gelagerten Vehältnrisse der Handwerkerorganisationen, ihrer Einrichtungcii und der dafür gemachten Aufwendungen zu ermöglichen. Tabei würden die Ergebnisse aus der Reichsstatistik für die einzelnen Handwerks- und Gewerbekammerbezirke nach den ein­zelnen Staaten und Gebietsteilen zusammengefaßr und ihnen je­weils die Ergebnisse der Erhebung bei den freien gewerblichen Bereinigungen in dem betreffenden Gebiete acgeuübergestellt. Hier­durch wurde nicht nur allein ein übersichtliches Bild über die

einer dem Texte cingesügten llebersicht in äußerst markanter Weise nachgewicsen ist. Wenn ntait 9lorb» und Süddeutschland gegen» überstellt, so ergeben sich durchschnittlich auf je 10 000 Einwohner im 91orben 97,8 Jnnungs- und 11,3 Vcrcinsmitglieder, im Süden 29,9 Jnnungs- und 66,2 Vereinsmitglieder. Es ergibt sich hier­nach eine bedeutende Verschiedenheit zwischen den Verhältniszahlen

des Reicks. Tenn weit und grundsätzlich gehen in den verschie­denen Gebieten des Deutschen Reiches die Anschauungen darüber auseinander, wer zweckmäßiger unb erfolgreicher die Interessen bes Handwerks wahrzunehmen vermag, ob die Innungen oder die Ge- iverbevcreinc. Im Süden Deutschlands toerten vornehmlich die Äewerbevcreine bevorzugt, während man im Norden hauptsächlich in den Innungen das geeignetste Mittel zur F-örderung und Stär­kung des Handwerks erblickt. Diese Anschauungen gründen sich auf die Folgen der Einführung der Gewerbefreiheit, sowie auf die Verschiedenheit der historisck-en Entwickelung des Handwerker­lichen VereinswesenS, die bedingt war nicht nur durch die Verschie­denheit der örtlichen Verhältnisse, der wirtsä-aftlichen Gestattung unb nicht zum mindesten wohl auch der politischen Auffaisung.

Werden die Mitglicker der Innungen und die Handwerker der Vereine im ganzen in Betracht gezogen, so kommen durch- chnittlich in Norddeutschland 101.6, in Süddeutschland 76.4 und :m deutschen Reiche 95.8 auf je 10 000 Einwolmer.

Tas Ergebnis der Erhebungen gibt denen Recht, die die An­licht vertreten, daß bad deutsche Handwerk in seiner übergroßen Mehrheit von der Zwangsorganisation nichts wissen will. Tenn von ben 12 726 gewerblichen Vereinigungen sind nur 3164 (24.9 Prozent- Zwangsinnungen, dagegen 8147 (64 Pro-.) freien In­nungen und 1415 (11.1 Proz.) Gewerbcvereinen usw. angefdjloficn.

Tie Darstellungen in der Denkschrift erstrecken sich weiter­hin auf die Hilfspersonen (Gesellen, Gehilfen und Lehrlinge) bet den InnungS- und Vereins-Handwcrkermitguedern, das Lehrlings nefen, das Schulwesen, die Einnahmen unb Ausgaben und das vermögen, die besonderen Veranstaltungen, sowie auf die Fonds nnb Stiftungen unb die gemeinschaftlichen Geschäftsbetriebe d« Innungen und Gcwcrbevcreine usw., die in vieler Hinficht äußerst interessante '.'Nachweise bieten, auf die wir hier aber nicht im kinzelnen eingehen können. ..

DaS Ergebnis der von dem Verbandsiekretar, Grotzh. UtcDiior ?l. M a hr bearbeiteten Denkschrift ist geradezu überraschend. Durch Einbeziehung der 1415 freien gewerblichen Vereinigungen in die Keick)sstatistik über die Erhebungen bei den Innungen erhöht lick) die Zahl der Korporationen Wohl nur um 12,2 °/o, dagegen die Mitgliederzahl schon unt 28,9 j. Tie Zahlen der Gesellen und Lehrlinge steigen nm 13,2 und 17,5°o unb die Zahl der Lehr­linge, die eine Fach- ober Fortbildungsschule besuchen, um 21,3no. Eie Zahl der Lehrlinge, die sich der Gesellenprüfung unterzogen itiben, erhöht sich um 19,1 °,o. Wenn man aber die xatigteit )cr freien gewerblichen Vereinigungen in Betracht zieht, |o andern iidj die bezüglichen Angaben in der Reichsltatiltik in einer geradezu ibcrrafdxnbcn Weise. So erhöhen sich die Zahlen der schulen um 14,7°,o, der Schüler um 97,6°.o und der Lehrer um r5°.°. -tui'd) bic Einbeziehung der von den Vereinen auS eigenen Mitteln lür eigene Schulen geleisteten Unterstützungen von insgesamt 641 9 7 2 Mk. erhöhen sich 'enc Ermittelungen der Reichsbehörde um 6 2 4 c« und durch die Berücksichtigung der von den einzelnen Staaten, Kreisen, Gemeinden und sonstigen Körperschaften rur )ie Vercinsschulen geleisteten Beilrüge von zusammen 501 629 Mk. teigen die Zahlen der Reichsstatistik um 2 0 1 ,°.o. Es gebt meraus )ctoor, daß die Tätigkeit der Geweröcvereine haupefächnch aui >cm Gebiete Der AusöilOung der gewerblichen Jugend liegt. In ben süddeutschen Bundcsstualen, besondere in Hessen und auch ltt Nassau, sind sie sogar fast ausschließlich die Seiger des ge­

rn den einzelnen Staaten und Gebietsteilen gegeben, sondern cs wurde auch eine zweckmäßige Vergleichung nnb Gegenüberstellung der beiden Organisationen nach ihrer Stärke und Gedeutung für die Handwerks- und Gewerbesörderung ermöglicht. Ten Tabellen ist ein ausführlicher Text mit vielen lieber|id)ten und zahlen­mäßigen Gegenüberstellungen der bezüglichen Verhältnisse in Worb* unb Süddeutschland beigegeben.

Die Ergebnisse der Eihebungen bei ben Gewerbe- und Hand- werkervercinen wurden in neuerer Zeit durch bic Einbeziehung der Gewerbevercine des Königreichs-Sachsen erweitert und hier­durch ist das Bild der Tätigkeit der dem Verbände deutscher Ge­werbevereine augeschlossenen Landesverbände im Dienste der all­gemeinen Getverbesördcrung in erfreulichster Weise vervollständigt urorbcii. Das Ergebnis der Tenkschrist wird wohl manchem die Augen öffnen über die Bedeutung bet bentschen Gcwerbevereine und zugleich den Beweis liefern, baß bic reichsgesetzlich zur Or­ganisation des Hanbwerks berufenen Stellen an ihnen treue und hrrtc Mitarbeiter finden können zur Förderung der beiden gemein- iamen Ausgaben für das Wohl des bcutfchcn Gewerbcstandes.

Nach der Zusammenstellung des Verbandes deutscher Gewerbe- Vereine sind in die Erhebungen insgesamt 11311 Innungen mit 488 700 Mitgliedern und 1415 Gewerbevereine usw. mit 141374 Mitgliedern einbejogen worden. Unter letzteren befanden sich 98 337 Handwerker, von welchen 17 237 zugleich einer Innung nngchörcn. Bon der Erhebung im ganzen wurden hiernach er saßt, 12 726 Innungen unb Gewerbevercine mit insgesamt 630 074 Mitgliedern überhaupt und 569 800 Handwerker-Mitgliedern. Bei einer Rcick-Sbevölkerung von 59 475 000 um die Mitte des Jahres 1904 kamen hiernach auf je 10 000 Einwohner 82,2 Jnnungs- und

Erhebung über die Wirkungen der ljandwerkergesetzer.

(Reichsgesetz uoni 56. Juli 1897).

Zur Ergänzung der anfangs März dieses Jahres von der Rcichsregicriing veröffentlichten Zlatim! über oie Wirkungen dcs Handwerkirgesetzes, die aber nur ein unvollständiges Bild über die Durchführung dieses Gesetzes abgeben kann, weil in ihr bic deutschen Geioerbe- und Hanowerkervereine usw. nicht berück­sichtigt sind, veröffentlicht der Vorstand des Verband.s dcurscher Gewerbevercine zu Tarmstadt soeben eine Zusammenstellung der Uigebnm'c ber Erhebungen bei den Innungen, Gewerbe- und Hand- werletticreinen usw., die allgemeine Aufmerksamkeit finden bürste. Tie Grundlage dieser Tenkschrist, die sich an die amtliche Statistik anlehnt, bilden sieben große Tabellen, in denen die Ergebnisse der Erhebungen der Reichslnhörde bei ben Innungen und die im Jahre 1906 von dem, Verbanoe deutscher Gcwerbevereine veröifent- lichtcn Ergebnisse der im Einverständnis mit den Bundis-

Zchlcchlc Pcrdau-n Üppclitioiigkcil und fc- lerjchivinden bald naa jung von Karns pe^sin-Wei! Central-Drogerie,:... ^sebBirüciüüÄä^ Sorten, einige -MabM. SelterjWL

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