Ausgabe 
27.6.1908 Erstes Blatt
 
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tosserdichter

otabtb. -ir. G utslcisch schließt sich dem dem Vorsitzenden ausgesprochenen Dank an und will diese Anerkennung auch aus seine Helfer, insbesondere den Betriebsleiter Stolte ausgedehnt wissen. Im wesentlichen schließe er sich der Konstatierung der Tatsache an, daß mau einig darin sei, die Bahn zu bauen. Auch habe er das Gefühl, daß alle sich durch einen etwaigen Zu­schuß nicht abschrecken ließen. Wenn man die Bahn baue, er­ziele man einen ansehnlichen Fortschritt, nicht nur sür den Ver­sehr, sondern auch für die Gleichstellung der einzelnen Stadt­teile. Deshalb sei es erforderlich, daß man zugleich die beiden Linien baue, damit man gewisse Stadtteile, deren Verkehrs­verhältnis,e durch die Entwickelung der Stadt zurückgeblieben seien, wieder in den Verkehr hineinziehe. Damit werde auch das Be­streben, int Norden der Stadt eine Station zu bekommen, etwas zurücktreten. Er meine übrigens, daß die Haltestelle int Norden einmal doch kommen werde, wenn auch vielleicht für andere Zwecke, als sie jetzt erstrebt lverde. lieber die genaue Linien­führung usw. habe man heute nicht zu beschließen, wo inan sich über die Grundprinzipien zu einigen habe. Das müsse in der Kommission geschehen, allerdiitgs mit möglichster Beschleunigung. Heute solle man deshalb den Bau der zwei Linien beschließen und mit der Ansarbeitnng und Prüfung der Details, die in die Aus­schreibung gehören, die Kommission beauftragen. Der Betrieb sei so einzurichten, daß es der Mühe wert sei, die Bahn zu benutzen, denn sonst stehe ihre Rentabilität in Frage. Ob man die oberhessische Bahn später durch eine Unter- oder Ueberfüh- rung zu überschreiten habe, brauche man jetzt nicht zu prüfen. Zu wünschen sei aber, daß bald eine den Bedürfnissen der Stadt und ihres Verkehrs gerecht werdende Regelung der Bahnhofs­verhältnisse erfolge. Schon bei der Prüfung des Kleebachtalbahn- vrojekts werde die Frage, wie der für den Verkehr ungenügende Bahnhof diese neue Linie aufnehmen könne, eine wichtige Rolle spielen. Der mangelhafte Gießener Bahnhof berge die Gefahr in sich, daß der Stadt das Wasser in Bahnfragen troch mehr wie seither abgegraben werde. Weiter sei die Prüfung der Frage am Platze, ob man nicht die Straßenbahn auf ein größeres Verkehrsgebiet ausdehnen und namentlich auf die Fabrikvororte ausdehnen solle. In erster Linie kämen Klein-Linden und Wieseck in Betracht, aber er denke auch an Krofdorf. Durch dessen Ein­beziehung werde man auch' auf einen besseren Fuß bei der Er­werbung der Biebertalbahn kommen, die eine gutrentierende und zukunftsreiche Bahn sei, namentlich, wenn deren Weiterführung durchgeführt lverde. Es müsse von dem Grundsatz abgegangen werden, der in den letzten Jahren gehandhabt werde, alle neuen Bahnen um Gießen herum zu bauen. Dadurch werde der Ver­kehr von Gießen abgelenkt, deshalb solle die Stadt sich be­streben, weiteres Hinterland in ihre Verkehrsverhältnisse einzu­beziehen. Er wünsche, daß das Straßenbahnprojekt eiligst und rasch weiter bearbeitet und dabei nicht außer Acht gelassen werde, die Vororte einzubeziehen. Dies falle sehr ins Gewicht bei der Prüfung der Frage, wie das jetzige Projekt zu gestalten sei. Er sei für die zwei Linien und habe die Meinung, daß man eine weitere Prüfung durch Sachverständige nicht entbehren könne. Dies könne aber gleichzeitig mit der Vorbereitung der Aus­schreibung geschehen. Die elektrische Bahnfrage sei die wichtigste Ausgabe, die dem Oberbürgermeister von Gießen seit Jahren gestellt worden sei, und er sei davon überzeugt, daß der Ober­bürgermeister seinen Stolz darin erblicken werde, die Sache zu einem gedeihlichen Ende zu führen. Er habe die Ueberzeugung, daß die Kommissionsberatung rasch verlaufen werde, wenn man ,sich vergegenwärtige, daß seit langen Jahren keine Sache für Gießen und das Gedeihen von Gießen so wichtig gewesen sei. wie diese. (Bravo!)

Der Vorsitzende ist der Ansicht, daß man zurzeit die Vororte trickst in die Straßenbahn einbeziehen, wohl aber dies Projekt . so gestalten solle, daß ihrem späteren Abschluß feine Schwierigkeiten entgegenständen.

Beig. Heyligenstaedt wünscht, daß man in eine ernste und eingehende Prüfung dessen eintrete, was Stadtv. Dr. Gut­fleisch angeregt habe. Was das heutige Projekt anbelange, so halte er die vom Oberbürgermeister gemachte Aufstellung für 'äußerst instruktiv, er (Redner) berechne aber die Betriebskosten bedeutend höher als in der Aufstellung angegeben sei. Namentlich ,durch die hier erforderlichen zahlreichen Kurven werde man be­deutend höhere Ausgaben haben. Er rechne mit mindestens 125 000 Mk. jährlichen Betriebsausgaben, und um diese Summe einzunehmSn, müßten täglich 3200 Personen fahren ober, bei zwei Linien, in jedem Wagen durchschnittlich 7' j Personen. Wenn im Durchschnitt nur eine halbe Person weniger fahre, so mache dies jährlich 10 000 Mk. Ausfall aus, den die Stadt zu decken habe. Es sei deshalb notwendig, den Vorschlag nochmals dureh Sachverständige prüfen zu lassen, um ein objektives Resultat zu erhalten.

Stadtv. Dr. Ebel stimmt den Ausführungen des Stadtv. Dr. Gutfleisch wegen der Vororte zu und empfiehlt die möglichst baldige Einbeziehung von Klein-Linden, da hiermit die wichtige und wünschenswerte elektrische Bahnverbindung zwischen Univer­sität und Kliniken verbunden werden könne. Zur Erhöhung der Einnahmen empfehle sich die Einführung der Paketbefördemng.

Stadtv. Krumm spricht sich gegen die Verpachtung der Bahn aus. Er sei für den Vorschlag des Stadtv. Grünewald und ist der Ansicht, daß man im Sinne des Stadtv. Dr. Biermer bei dem Ausschreiben anfragen solle, wie der Betrieb zu ge­stalten sei.

Stadtv. Haubach hält es für richtig, zunächst einen Sach- verständigen mit der Prüfung der Bau- und Anlagekosten zu beauftragen. Bezüglich der Betriebskosten sei es eine andere Sache. Wenn nicht so verfahren werde, sei er nicht in der Lage, für die Vorlage zu stimmen und er werde sich der Abstimmung enthalten.

Stadtv. Löber führt aus, der Ruhm, daß die wichtige Frage der elektrischen Bahn so weit gefördert fei, gebühre vor allein dem Stadtv. Gabriel. Er gab dann seiner Freude Aus­druck, daß die Stadtverordneten einstimung für die Errichtung der Bahn seien. Er sei aus finanziellen Erwägungen heraus geneigt gewesen, vorerst nur eine Linie zu bewilligen, sei aber durch die heutigen Verhandlungen zu der Ansicht gekommen, daß es richtig sei, gleich die beiden Linien zu bauen nnd schrecke auch vor einem Zuschuß von 25 000 bis 30 000 Mk. aus der Stadl­kasse nicht, zurück.

Stadtv. Gabriel ist für Prüfung des Materials durch eilten tüchtigen Sachverständigen und schlägt als solchen den Direktor der Frankfurter elektrischen Straßenbahn Behringer ober Geh. Rat Prof. Dr. Kittler in Darmstadt vor. Er spricht nochmals seine Ansicht dahin aus, daß die Annahme einer Betriebs­einnahme von 78 000 Mk. zu gering fei. Man könne, wie ihm von Sachverständigen wiederholt versichert worden sei, ruhig das 41/2 facye des fjeutigen Omnibusverkehrs annehmen, was einer Summe von 95 800 Mk. entspreche. Fast die gleiche Summe er­halte man, wenn man mit dem Durchschnittsergebnis aus fast allen Städten mit elektrischer Bahn rechne. Gießen habe 31000 Einwohner, und es sei nach den Erfahrungen anderer Städte an- zunehmen, daß ein jeder Einwohner durchschnittlich 31.2 Fahrten jährlich ausführe. Er sei für die Bestellung eines Sachver­ständigen, der namentlich die angenommenen Ausgaben und die iRentabilitätsaussichten zu prüfen haben werde.

Stadtv. Emmelius bemerkt, alle angegebenen Zahlen seien nur Mutmaßungen, deshalb sei eine nochmalige Prüfung durch Sachverständige unbedingt erforderlich.

Die Stadtvv. Grünewald und Genossen beantragten, es solle beschlossen werden, z w e i L i n i e n B a h n h 0 s Käse r 11 c und Bahnhof Friedhof zu bauen. Ferner möge die Ver- kehrskominission beauftragt werden, binnen zwei Monaten unter Zuziehung eines unparteiischen Sachver­ständigen die Details weiter auszuarbeiten nnd btc Ausschreibungen für Ban und Betrieb vorzubereiten. Dieser Antrag sand einstimmige Annahme. Beig. Heyligenstaedt und Stadtv. Haubach enthalten sich der Abstimmung.

Der Vorsitzende schloß hierauf die Sitzung mit dem Ausdruck des Wunsches, daß der heutige Beschluß der Stadt Gießen zum Segen gereichen möge.

Juni

1908

Pro Quadratmeter und Woche 10 Pfg.

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E

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Für Politik in Vertretung verantwortlich: P. Witt ko.

Handel

Körne, 27. Juni, 1.15 Uhr.

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III

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Tendenz: etwas besser.

Berliner Börse, 27. Juni. Anlangskurse.

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s

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Deutsche Bank . , Deutsch-Asiat. Bank

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4%

4%

752,2

752,9

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Laurahütte Lombarden E. B. Nordd. Lloyd . Türkenlose . «

. 198 80

. 23.80

. 92.60

. 146.70

23,6

17,4

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3^°/< 3%

3^°/<

3%

W7t

3^7.

62.80

63 90

95.30

89.20

96.30

147.00

51.30

86.75

66.60

96.40

169.75

136.00

194.25

Canada E. B. . . . Darmstädter Bank . Deutsche Bank . , Dortmunder-Union C. Dresdner Bank . .

Tendenz: träge.

. 156.40

. 122.10

. 227.50

. 54.10

136.40

----- 4- 24,0 ° C.

= 4- 13,0° c.

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Konsols . .

do. . .

Hessen . . .

Oberhessen .

4>67» russ.Staatsaul. 1905 434% Japan. Staatsanleihe 4 % Conv. Türken von 1903 Türkenlose A% Griech. Monopol-Anl. . 456 äussere Argentinier . 3% Mexikaner . . . 4^7° Chinesen . . . .

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Wie viele Eltern wären froh, das auch von ihren Kindern agen zu können und dürften daher mit ganz besonderem Interesse von den nachstehenden Zeilen Kenntnis nehmen:

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Seitdem unser jetzt 21/, Jahre altes Töchterchen Marie regelmäßig Scotts Emulsion emuimmt, ist sie ivie neu geboren, ißt und trinkt, wie nie zuvor. Bon Jugend aus ivar die Kleine äußerst zart und infolge einer Luitröhrenentzündung noch mehr zurückgekommen. Dabei wies sie aber alle ihr dargereichlen Krästi- gungsmittel zurück und hatte nicht im geringsten Lust zum Essen. Aniänglich zeigte sie auch gegen Scotts Emulsion einige Abneigung, gewann aber dann das Präparat fo lieb, daß sie jeden Augenblick elbst die Flasche herbelholte und emnehmen wollte. Das Präparat kräitigte unser Kind in kurzer Zeit zusehends, die kleinen Bäckchen röteten sich wieder, kurz und gut, wir sind mit dem erzielten Er­folge äußerst zufrieden."

Vie 22. Wander Ausstellung der deutschen Landwirt- schafts Gesellschaft in Stuttgart.

Bei herrlichstem Sonnenscheine, in Anwesenheit des Königs nnd der König von Württemberg, eröffnete Herzog Albrecht die Ausstellung.

Nach ihm sprach der Minister des Innern von Pischek. Er führte u. a. aus:

Als vor zwölf Jahren die Gesellschaft zum erstenmal hier Heerschau hielt über ihre Truppen und damit auch über ihr elftes, württeinbergisches, landwirtschaftliches Armeekorps, war in der Lage der Landwirtschaft manches nicht so bestellt, wie ihre Ange­hörigen und wie wir alle es wünschen mußten nnd wünschten. Es ist inzwischen anders geworden nnd im großen und ganzen sind glücklichere Tage für unsere Landwirtschaft wie­der angebrochen. Und daß es besser geworben ist, das danken wir zu einem großen Teil der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft, die, ohne Parteipvlitik zu treiben, durch die überzeugende Darlegung der Berechtigung ihrer Bestrebungen ivie durch die erzielten Er­folge einen starken und heilsamen Einfluß auf die Gesetzgebung wie auf die Verwaltung begonnen hat. Ter Gebrauch iyer landwirt­schaftlichen Maschinen hat trotz der aus nuferen Besitz- und Boden- veichältnissen sich ergebenden Erschwerung ihrer Anwendung seit 1896 eine bedeutende Ausdehnung erlangt: die'Benützung elek­trischer Kraft im landwirtschaftlicksien Betrieb hat in den letzten Jahren eine große Verbreitung gefunden; die Verwendung künst­lichen Düngers hat sich, wie die Einfuhrverzeichnisse zeigen, seit 1896 nahezu verdoppelt; dementsprechend haben sich die Erträg­nisse des Bodens gehoben und hat der V i e h st a n d z u ge­nommen. Hinsichtlich der Größe des Rindviehstandes im Vergleich zur landwirtschaftlich benützten Fläche steht Württemberg feit 1904 an der Spitze sämtlicher deutschen Bundesstaaten..

Ter Oberbürgermeister der Stadt Stuttgart, non Knaufe, führte u. a. aus:

-Als vor 12 Jahrev an dieser Stätte mein Amtsvorgänger die Deutsche Laitdwirtschaftsgesellschaft bei uns begrüßte, hat er davon gesprochen, unsere nichtwürttembergischen Stammesbrüder, insbesondere diejenigen aus Norddeutschland, werden wohl erstaunt sein, hierzulande nichts wahrzunehmen von einem schroffen Ge­gensatz zwischen Stadt und Land. Leider müssen wir bekennen, daß heute jener Gegensatz ungefähr ebenso bei uns zu finben i)t, wie anderswo. Vielleicht ist es aber kein Unglück, wenn sich zeitweilig die wirtschaftlichen Gegensätze zuspitzen und wenn die wirtschaftlichen Interessen der verschiedenen Stände scharf, vielleicht manchmal zu scharf, geltend gemacht werden. Ein Unglück wäre es nur, wenn sie sich so verschärften, daß sie dauernd zu einem Grund der Entzweiung und des Sich-nicht- mehv-verstehen-KönnenS würden. Nun sind aber erfreulicher­weise Anzeichen dafür vorhanden, daß jener Gegensatz feine größte Schärfe s ch o n überlebt habe, mfj es erscheint bte Hoffnung begründet, daß beide Teile sich mehr und mehr auf ihre gemeinsamen Interessen besinnen, wesentlich unter dem Einfluß der Gedanken, die bei beiden Teilen der Widerstand des anderen Teils ausgelöst hat. Von der Stadt Stuttgart darf ich fugen, sie fei sich stets bewußt, die 'Hauptstadt eines trotz feiner industriellen Entwicklung überwiegend Landwirt­schaft treibenden Landes und darum an der Blüte der Land­wirtschaft selbst höchlich interessiert zu sein. Von dem Land und der Landwirtschaft haben wir die Zuversicht, sie werden ihrer­seits nickst vergessen, wie sehr sie kräftige Städte nötig haben, Nicht bloß als Verbraucherimien ihrer Erzeugnisse, sondern vor allem als leistungsfähige Steuerträger, die überwiegend die Staats­lasten zu tragen haben. So sind wenigstens die Ansätze einer gegenseitigen gerechten Würdigung vorhanden und die Vor- bebingungtn für eine Verständigung gegeben. Eine solche aber wird umso eher gelingen, je mehr die Landwirtschaft die technischen Errungenschaften der Neuzeit sich zunutze macht, je mehr sie mit Maschinen und Naturkräften arbeitet, die landwirtschaftlichen Ne­benbetriebe entwickelt, überhaupt alle wirtschaftlichen Möglich- keiten rationell für sich verwertet. Denn umso loenigcr wird sie stch fühlen als etwas Gesondertes, das den andern wirtschaftlichen Jaktoren gegensätzlich gegenübssrsteht, und sie wird sich einfügen in den wirtschaftlichen Gesamtorganismus als eines seiner wich­tigsten Glieder und wohl als das wichtigste, das cbeii darum auf besondere Beachtung Anspruch erheben darf. Charakteristisch für die Stellung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft ist die Person ihres Gründers (v. Eyth), auf den wir Schwaben stolz sind. Er ist a u £ g c g a n g c n von derJndustrie und der Tech­nik; er hat sich zeitlebens als Techniker gefühlt, und trotzdem war feine Lebensarbeit vor allem und mit welchem Erfolg' der Landwirtschaft gewidmet. Er ist vorbildlich für die Teutsckst Land- ' wirtschaftsgesellschaft; er kann in gewissem Sinne uns allen vor- blldlich sein. Seine Person zeigt, wie wenig Wirklichkeit jenem io vielfach angenommenen Gegensatz tatsächlich innewohnt. So kann ent ^täbtcbcrtrctcr der deutschen Landwirtschaft und ihrer Organisation, der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft, aus voller Ueberzeugung die wärmsten Sympathien entgegenbringen und ihr bürt Herzen alles Glück und Gedeihen wünschen.

Ritterichaftsrat oon Freier, Vorsitzender des Vorstaiides der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft, erwiderte auf diese Be­grüßungen u. a.:

Wenn wir uns wieder auf dürfen, hier eine Ausstellung zu ver­anstalten, so hoffen wir, den Beweis zu liefern, daß die deutsche ' Landwirtichaft Fortschritte gemacht hat. Nach den Aus- ' führungen des Oberbürgermeisters scheint sich mehr und mehr ein ; Interessengegensatz zwischen Stadt und Land hcrauSgebildet zu haben. Ich kann nur sagen: wir haben davon nichts empfunden. Uns ist es so vorgekommen, als wäre es so geblieben, und ich möchte heute iwch sagen: Möchte es in Zukunft so bleiben, möchte auch diese Ausstellung manches ' Freundesband knüpfen zwischen den verschiedenen deutschen Gauen und z w i s ch e n S t a d t u n d L a n d ! (Wiederholter stür­mischer Beifall.)

Vie internationale Ausstellung für Tierschutz in Berlin.

Man treibt uns aus Berlin:

Die kleine Ausstellung, die z. Zt. hier in der Philharmonie Itattrmbet, bietet für Tierfreunde und Tierbefitzer viel In­teressantes, Belehrendes und Nützliches.

Ich geriet zunächst an einen großen Tisch, auf dem nur Druck­sachen gegen die Vivisektion auslagen und verteilt wurden. Ein jüngerer Herr, ein Besucher wie ich, feinBeteiligter," zog mich sofort in ein längeres Gespräch darüber. Er verdammte sie vollständig und sprach ihr jeden Erfolg und Nutzen ab. Ich ver­teidigte sie vom wissenschaftlichen Standpunkt aus und verwies namentlich auf die Lymphen und Heil-Seren. Er aber meinte u. a., die Leiden, die die Menschheit heimsuchen, habe nicht die Natur ihr zugedacht; die verdankten wir zum größten Teil der eigenen Schuld, durch falsche Lebensweise usw. Ich erwiderte ihm, daß ich ein durchaus gesunder Mensch sei, daß ich gegen die wich­tigsten Naturgesetze wohl nicht verstoße, mich aber doch nicht für immun gegen alle Bakterien und Ansteckungen hielte. Die Abbildungen aber von den Quälereien, denen die vivifezierenden Tiere ausgesetzt sind, haben mich doch recht bedenklich ge­macht. Es steht ja außer Frage, daß durch die Vivisektion die Wirkung zahlreicher, der Menschheit ungeheuer wertvoll gewor­dener Medikamente aus den Organismus erst erprobt worden ist und erprobt werden kann. Aber wozu so besonders schauerliche Torturen, die jeder Fühlende verdamnren muß! Freilich ist dem Laien jede sachgemäße Beurteilung unmöglich und er kann höchstens an bas Herz der Vivisektoren appellieren und ihnen zurufen : Seid mitleidsvoll auch im Dienste b e r d i e M enschheit fördernden F o r s ch u n g !

Das Podium des Hauptfaales nimmt der Stand derP f c r be­schütz - Vereinigung von ganz Deutschland" ein. Von Interesse fand ich zwei Malereien: Pferbeköpfe von Schönbeck, unb ein großes Papiermodell des Pferbekörpers. Viele Mittel gegen Krank­heiten, Naturheilverfahreii, Desinfektionsmittel, Futter, Stall­einrichtungen. Striegel, Hufeisen usw. sind hier vertreten. Be- wunberungswürdig durch seine praktische Zweckmäßigkeit ist ein großer Wagen zur Beförderung gefallener Tiere und ein Wunder­kühlapparat.

11.9 I

11,6

i 9,9

Ein paar Firmen, R. Herzog und E. Sterner, haben Sport-' foftümc m den elegantesten Genres ausgestellt.

Anziehender sind die Dinge für Wild und Geflügel. Besonders die Vogelnistkasten nach von Berlepsch und die Futterhäuschen mit ihren sinnreichen Einrichtungen Hub mustergültig. Es steht hier auch ein großesFutter ha ns aus Hessen"

Für Hunde sind hier die praktischsten und feinsten Sachen zu sehen: Mäntelchen, Schuhe, sogar Aiitomobil-Brillen, Arm­bänder, wunderschöne Halsbänder, zierliche Hüte und Spielzeug für Hundebabys. Auch Hundekuchen und andere Tiernahrung kann man hier sehen. Eine auseinandernehmbare Hundehütte JdeaU scheint sehr praktisch und komfortabel, sie ist paten­tiert und mit den höchsten Auszeichnungen des In- und Aus­landes prämiiert. Kostenpunkt 25 Mk. für einen mittleren Hund

^n den Nebenräumen sind Niesenauslagen von R o ß s ch l n ch - ter ex en. Die Würste, Schinken usw. sehen alle delikat aus Kostproben werden verteilt unb ich entschloß mich nach einiger Ueberhnnbung auch, zu probieren. Ich muß gestehen, die ganze Abneigung ist eigentlich nur Einbildung, denn ein wi" viel reinlicheres appetitlicheres Tier ist doch ein Pferd als ein Schwein! Die Wurst war sehr gut unb ich bin überzeugt, sie ruhig Zedern zu dessen Genüsse vorsetzen zu fönnen, der nicht weitz, daß er Pferdewurst ißt. q Sch

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aftbewährt,stets zuverlässig-