teilna'hm, wurde er am 25. August 1870 zum Leutnant der Reserve befördert. Als solcher nahm er teil an den Schlachten von Vionville und Mars la Tour, an denen von Gravelotte und St. Privat, Noisseville und Orleans, ferner au den Gefechten bei Driare und Chatillon und an der Beschießung der Lager vor Metz. Für seine hervorragende Teilnahme an dem Gefecht von Briare, am 14. Januar 1871, wurde ihm am 22. Februar 1871 das Großh. hessische Militär-Berbienstkreuz verliehen. Am 3. Mai 1871 wurde er als Leutnant im stehenden Heere im Regiment angestellt. Er wurde am 13. Januar 1881 zum Premier-Leutnant und am 15. November 1887 zum Hauptmann und Kvmpagniechef befördert. In dieser Stellung hat er als Chef der 4. Kompagnie dem Regiment noch bis zum 15. Juni 1898 angehört, an welchem Tage er als Bataillons-Kommandeur in das Infanterieregiment Nr. 98 versetzt wurde. Seit seiner Verabschiedung war er in Darmstadt wohnhaft. Mit seiner Garnison Gießen, in der er fast 30 Jahre gestanden hat, verbanden ihn bis zu seinem Tode die engsten verwandtschaftlichen Beziehungen und ein großer Kreis treuer Freunde wird ihn schmerzlich vermissen. Eine Deputation des Regiments wird bei der am Dienstag, 27. d. M., in Darmstadt stattsindenden Beerdigung dem in Krieg und Frieden bewährten Kameraden die letzte Ehre erweisen und einen Kranz am Grabe niederlegen. J.
" Dle Vereidigung unserer Rekruten findet am Samstag, 31. d. Mts., um 11 Uhr auf dem Hofe der Zeughauskaserne statt. Die Vereidigung, die unter Leitung des Regimentskommandeurs Oberst o. Müller erfolgt, wird durch den Gerichtsoffizier Oberleutnant Schwendy vollzogen. Die Fahnen de§ Regiments werden durch eine kombinierte Kopmagnie unter Hauptmann Busse zur Vereidigung von der Wohnung deS Regimentskommandeurs nach der ZeughauS- kaserne verbracht. Der Vereidigung vorauf geht ein Gottesdienst der verschiedenen Konfesstonen, deren Geistliche eine Einladung zum Beiwohnen der militärischen Feier vom Regiment erhalten haben.
** Justizpersonalien. S. K. H. der Großherzog haben den Oberstaatsanwalt am Landgericht der Provinz Oberhessen Karl Theobald zum Oberland es gericyts- rat bei dem Oberlandesgericht, den Laiidgerichtsrat bei dein Landgericht der Provinz Starkenburg Ludw. Lang zum Oberstaatsanwalt am Landgericht der Provinz Oberyesten, den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Gießen Dr. Julius Lehr zum Landgerichtsrat bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg, den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Darmstadt I, Amtsgerichtsrat Rich. Schudt, zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Gießen unter Belassung des Charakters als Amtsgerichtsrat, den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Butzbach Tr. Karl Wolff zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Darmstadt I und den Rechtsanwalt Dr. Max Goldschmidt in Offenbach zum Notar mit dem Amtssitz, in Offenbach ernannt.
** Forstpers o ilalicn. S. K. H. der G r o fi h e r z o g haben den Forstassistenten Christian Walrer zu Woogsdamm zum Oberförster der Oberförsterei Lauterbach und den Forstassistenten Hugo Gilm er zu Lorsch zum Oberförster der Oberförsterei Rothenberg ernannt.
** Lehrer Personalien. Dem isr. Religionslehrer Wilh. Be r g en in Dormheim wurden die Rechte eines definitiv augestellren Volksschullehrers verliehen. — Erledigt sind die mit einem ev. Lehrer zu besetzende 8. Lehrerstelte an der Gemeindeschnle zu Schlitz- und e,nc mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober-Erlenbach.
’* Konsulats wesen. Der Generalkonsul des Freistaates Uruguay Dr. Oriol Sole Rodriguez ist zur Ausübung konsularischer Verrichtungen im Großherzogtum Hessen zugelassen worden. Der Amtssitz des Generalkonsulats ist von Berlin nach Hamburg verlegt worden.
* Die Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde hält heute abend ihre Generalversammlung ab. Für den Winter sind bi? jetzt vier Vorträge fest bestimmt, während über einige weitere noch Verhandlungen geführt werden.
^Heiterkeit. Aus Anlaß seines 30jährigen Bestehens veranstaltete geftcm nachmittag der Gesang- öe r ei n~ „H eite rf eit" einen Fest-Kommers in Steins Saalbau. Eine zahlreiche Schar von Sängern und Sangesfreunden aus der Stadt und der Umgegend hatte sich eingefunden. Um 4 Uhr wurde die Feier durch einen Sängergruß eröffnet, worauf der Vorsitzende, Werkmeister Berber, die Gäste begrüßte, der Entwicklung des Vereins und der Bedeutung des Gesangs gedachte und ein Hoch mir bit Protektoren des Gesanges unb der Kunst, den Kaiser und Großherzog^ ausbrachte. Daun trug der Verein das schöne Lied vor „Tief ist die Mühle verschneit". Namens der an- wesenden Stadtverordnelen überbrachte Sladtv'rordneter P e t r i die besten Glückwünsche. Lehrer Valentin M ü l l e r, der Schriftführer des Sängerbundes für Oberhessen, sprach namens des Bundesvorsitzenöen Geheimerat Dr. Breidert die besten Wünsche des Bundes aus. Leider sei der Bundes- Vorsitzende infolge einer Reise verhindert. Darnach folgte eine lange Reihe von Gratulanten, die alle dem festgebenden Verein ein Andenken an die Feier widmeten. Die „Lieder- tafel"-Marburg übergab durch den Ehrenvorsitzenden Diehl ein Bild des eigenen Vereins, der Vorsitzende des Maschinenbauer-Gesangvereins Slaubach schenkie einen Becher, Stadtverordneter Troß namens des „Liederkcanz"-Gieben einen Pokal, „Germania"-Lollar einen Tafelaufsatz, der 1. Kommandant dar Gailschcn Feuerwehr überreichte ein Jagd- lieb, Herr Bourgeois im Auftrag der Gießener freiwilligen Feuerwehr einen Chor, ebenso der Vorsitzende Seibert vom ^chlachterverein „Bruderschaft". Die „Cäeilia"-Lich widmete einen prachtvollen Fahnennagel in der Form einer Lyra, der Ge>angoerern Grünberg ein Bild, der Gesangverein „Ge- mutlichken -Gießen durch Schriftsührer Lehrmund einen Aecher. -sogar aus der Reichshauptstadr traf von dem Geiangvcrein Liederfteunde ein Eichenkranz bur chdcn 2 Vor- sitzeiibeii eeibcnmnb, ein geborener Gießener, ein herzliches! Glückwunschtelegramm ein. Tie von ben einzelnen G sana- veremen vorgetragenen Lieder wurden aufs beste gegeben und ernteten fortgesetzt lebhaften Beifall. Tie Chöre gaben lebhaftes Zeugnis dafür, baß die Vereine besonbers das deutsche Volks- und Vaterlandslieb zu schätzen wissen unb sich in erster Linie diesem widmet. Beiondere Auerteimung qe- bührt auch dem Chore „Kaiser Friedrich III., den der sest- gebende Verein zu Gehör brachte. Beim Schluß des Kommerses übenrichte der Vorsitzende dem Sänger Tavio Löffln, eine hübsche Ehrenurkunde für seine 25jährige Mitwirkung als Sänger. Mends um 8 Ahr begann .inter Leitung des Vorsitzenden Berber die Vorführung von 13 lebenden Bil-I dem mit Text unb Musikbegleitung: ,/Vou der Wiege bis zum I
Traualt^. Daran schloß sich ein Düll, der die Festgäste noch lange zusammenhielt. Die ganze Feier nahm einen überaus schönen Verlauf. Der Gesangverein Heiterkeit ist aus kleinen Anfängen hervorgÄvachsen und verfügt heute über 140 Mitglieder. Seine Leistungen haben wiederholt auf Wettstreiten durch Verleihen von Preisen Anerkennung gefunden. Ter Verein hat sich unter Leitung seines Dirigenten, Lehrer Becker, des öfteren auch in den Dreist der Wohltätigkeit gestellt und wirkte u. a. bei der großen Eichen- dorffeier mit Auch die Feste hiesiger Vereine hak er wiederholt verschönern helfen.
*• liebet das Ensemble Bergbaus, das sich am Dienstag im »Hotel Kaiserhost und Mittwoch im „Hotel Einhorn* produziert, lesen wir im „Heidelb. Anz.": Wir hatten Gelegenheit, bem ersten Konzert des „Ensembles Berghans* in der Aktienbrauerei beizuwohnen unb müssen gestehen, daß wir uns einige Stunden ganz angenehm unterhalten haben. Herr Berghaus, ein alter Bekannter hier, hat es verstanden, das Programm ganz amüsant zusammenzustellen. Soloszenen, komische Tuette, oberbayerlsche Geblrgsszcnen, sächsische Humoresken wechseln in rascher Folge, auch sind die einzelnen Leistungen als gut zu bezeichnen.
" Unbe ft eilbare Postsendungen. Bei der Ober- Postdirel'uon m Darmstadt haben im Jahre 1907 25 792 Posl-- ienbungen aus Orten des Großherzoaiums Hessen (unb zwar 4628 B' leie, 20 800 Postkarten und 364 Drucksachen) verilichtet iverdcn müssen, wert ihre Zustellung weder an Empfänger noch an den Absender möglich war. Die Zahl ist gegen das Vorjahr um 43r'8 gestiegen. Bei 14 404 Senbimgeii (1508 Briesen, 12 792 Postkarten und 104 Drucksachen) harre der Absender sich auf oder m den Sendungen nicht genannt. Wie viele Unannehmlichkeiten mögen den Empiängern und den Absendern auS diesem Anlaß erwachsen lern, unb wie viel ungerechte Vorwürfe Über Unzuverlässigkeit fmb wohl gegen bie Posloerwaltung unb ihre Beamte erhoben worben Immer roicber müssen wir daher ben Briefschreibern empsehlen, in ober auf ben Postsenbuugen stets Name unb Wohnung bes Älb- senbers, sei es handschriftlich ober durch Abbruck eines Stempels, anziigeden, bannt ihnen, «alls ber Emp'änger nicht ermittelt wirb, die Senbnngen zurückgegeben werden können.
A Klein-Linden, 25. Oft. Unser Kirchweihfest wurde heute gefeiert; sie bildet einen Unterschied zu der weltlichen Kirmes, die im August begangen wird. Am 28. Oft. sind es 42 Jahre, daß in bem Krregsjahre 1866 die jetzige Kirche ihre Weihe erhielt. Dainals stand bie Kirche am Enbe, also fast außerhalb des Dorfes, heute steht sie mitten barin, denn es ist seit jener Zeit sehr viel gebaut worben. Die Bc- oölferung hat sich, seit damals mindestens verdreifacht.
§ Lollar, 23. Oft. Die hiesige über 30 Jahre bestehende Ca s i n o - G e se l l sch a ft, deren Mitgliederzahl in den letzten Jahren durch Wegzug sehr zurückgegangen war, hat in ihrer vor furzem abgehaltenen Generalversammlung beschlossen, sich aufzulösen. — An dem hier unb in ber Umgegend weit unb breit bekannten alten Gasthof ,3um Löwen", ber nunmehr boch an den Metzgermeister Hch. Moos V dahier käuflich übergegangen ist, werden z. Zt. weitgehende Renovierungen vorgenonnnen. Der nunmehrige Inhaber beabsichtigt Gastwirtschaft unb Metzgerei zu betreiben. — Seit Donnerstag, 21. b. Mts., tagt hier die Feld- bereinigungsfommiffion, um die Reklamationen ber Landwirte, die mit der Zuteilung ber neuen Grundstücke nicht zufrieden sind, entgegen zu nehmen und darüber zu verhandeln. Dem Vernehmen nach sind 8 3 Reklamationen emgelaiifen. Ein erheblicher Teil davon mußte, da eine Einigung nicht ziiftande kam, bem später noch einzubecusenden Schiedsgericht übeiwlesen werden.
X Treis a. b. Lda., 24. Oft An Stelle beS seit- herigen Gerneinbeeinnehrners Becker, der sein Amt, bas er nahezu 40 Jahre mit Treue unb Hingabe geführt, wegen seines hohen Alters nicbergelcgt hat, würbe Wilhelm Limmstruth von hier zum Rechner ber hiesigen Geineinbe- fasie ernannt. Zugleich imirbe ihm bie Verwaltung ber Ortsfranfenkasse und der Kasse ber Alters- unb Jnvaliditäts- versicherung übertragen. Die Ucberheferimg hat im Lause dieser Woche stattzusinben.
— Bad-Nauheim, 24. Oft. In der abgelaiisenen Woche sind 107 Kurgäste angefotnmen. Die Gesamt- srequenz beträgt bis 'zum 22. Oftobec 29 996 Personen, wovon am genannten Tage' noch 428 anwesend waren. Bader wurden bis zum 22. Oktober 401 375 abgegeben. Die Badehäiiser V unb VI werden am 25. Oktober mittags geschlossen. Die Bäderabgabe erfolgt vom 26. Oktober ab nur noch im Badehaus IX Nord. Daselbst werden abgegeben: Thermalbäder von Quelle XII, Sprudelbädec von den Quellen VII und XII, sowie Säßwasserbäder. — Der Badekartenverkauf erfolgt gleichfalls im BadehauS IX Nord.
□ Alsfeld, 25. Oft Die Erweiterung uns eres Bahnhofes soll mit Beginn des Frühjahrs erfolgen. Zugleich wird auch die neue Bahnstrecke Alsfeld— Nieder- Aula in Angriff genommen.
O Laubach, 25. Oft. Nach 57jähriger Tätigkeit als Schäfer im Gräflichen Dienst ist dec 72 Jahre alte Schäfer Spuck in ben Ruhestand getreten.
RB. Darm sta dt, 23. Oft Der frühere Unteroffizier Nif. Himmel ha ber aus Semd i. O., ber im Frühjahr wegen einer Reihe raffinierter Heiratsschwinbeleien zu sieben Jahren Gefängnis unb 10 Jahren Ehrverlust verurteilt worden war, ist plötzlich geisteskrank geworben, unb mußte deshalb aus bem^Gefängnis injbie Irrenanstalt verbracht werden.
h Frankfurt a. M., 24. Oft Heute Nacht zwischen 11 unb 12 Uhr entgleisen im Hauptbahnhof brei leere Personenwagen infolge zu frühzeitiger Umstellung einer Weiche. Personen würben nicht verletzt, einige Zuge erlitten geringe Verspätungen.
Provinzial-AuSschuß der Provinz Oberheffen.
L. Gießen, 24. Okt.
Nachdem der Provinzial-Ausschuß unter in 18. Dezember v. I. die Wahl eines Bürgermeisters zu Saasen für un- ffiltig erklärt harte, fand am 5. Februar Ls. Js. 'Neuwahl statt, oei brr Acax ^star! mit 57 Stimmen gewählt wurde, währenb sein Gegenkandidat Wilhelm Schcpp nur 46 Stimmen erhielt. Tor Letztere reflamicrte ^.egen die Wahl, indem er behaupcetc, es l«rcn unjulänige Becinfluffungen von Wählern borgefommen, e^n-ai,c¥, obwohl er stimmberechtigt gewesen sei, von ber Wahl zuruckgewiescn worden. Der Kreisausschuß wies nach Vernehmung einer Reihe von Zeugen die Reklamation als un- vegrundet zurück. Er hielt den itiachweis von Beeinflussungen nut,t Tur erorad)t_ uno war bezüglich des zurückgewiesencn Wählers oer Aiyid/t, daß bie Zurückweisung xwar zu Unrecht erfolgt sei, eine nieicntlufc Aenderung des Wahlergebnisses jedoch irotz- oein nicht cutgeh -cit wäre. Gegen das Kreisausscl7ußurteil vcr- wlgte cer Anwalt ix-s R.ckamanten Rekurs an btn Provinzial- ausid-mb. euigefjenbcr oeugcnbernebniung hielt dieser bie «-ad läge ’.il iukI) nicht genügend gefmri unb beschloß, zunächst! nod ccien .rügen m terncl;mcn unb bie Entscheidung sodann am ju.ajium ^amstag zu »eriunbigeiL I
Hierauf hruibc die Entscheidung in der Sache: Verlegung des Bahnhofs Vilbel: hier Enteignung von Gelände in Gemarkung Vilbel verkündet. Danach hat die König!. Eisen- bahndirektion Frankfurt a. M. den Fr. Lindemann Eheleuten zu Vilbel als Entsck>ädigilNF für abzutrelcndes Gelände den Bo- trag, von 24 702.20 Mk. zu vergüten.
Weiter wurde das Urteil in der Sacke: Gesuch ber Firma! „Gießener Brauhaus" zu Gießen um Erlaubnis zur Auf- stellnng eines Dampfkessels verkünbct. Tie Firma erhält bie iiachgesuchte Erlaubnis unter verschiebenen Bebingungen- woburch ben, von ber Rcachbarschast geltenb gemachten Bebenkcn Rechnung getragen wird.
Ein Polizeibefehl bes Großh. .Kreisamts Friebberg gegert bie Heinrich Haas III. Eheleute gab benselben auf, ihren, Brunnen tz u schließen, ba bas Wasser besselbcn ungenießbar sei, wie burd). eine kreisärztliche Untersuchung festgestcllt worden war. Gegen den Polizeibeseht rekurrierten die Eheleute Haas ion beit Provinzial-Ausschuß, indem sie behaupteten, daß die Verunreinigung des Brunnens von ber Mistlaute ihres Nachbarn herrühre, bie undicht feL Da hiernach die Ursache dcLI. Uebelstandes bei diesem zu [udyeit und zunächst zur Beseitigung desselben anzuhalten ist, hob ber Probinzial-Aus,chuß heute den Polizeibesehl auf.
Karl Heebel II. zu Ortcnberg ist um die Erlaubnis zur- ©rridjtung einer Gastwirtschaft mit Fremdenherberge ein» gekommen. Obwohl ber Gemernbevat bie Bebürsnissrage bejaht hatte, beschicb ber Kreisaussckmß bes Kreises Bübingen beit Ge- luchsteller abschlägig, weil er sich von bem Vorhanbensein. eines Bebürfnisses nicht zu überzeugen vermochte. Die gleiche Entscheibung traf ber Provinzial-Ausschuß, an ben ber Gesuch- stellet Rekurs verfolgt hatte.
ßanöwirtjdiaft
Frankfurt a. 'DL, 25. Okt. Die reiche Obsternte dieses Jahres veranlaßt die Zentralstelle ’ür Odfloerwertung und das Obslniarfl-Zlomilee in Frankfurt a. DL einen dritten Obst» markt abznhallen, auf dem besonders billiges Wirisch a s t s o b st znni Verkauf gestellt werden sott. Es ist nicht zu zweifeln, daß der Alarkt gut beschickt werden wirb und somit den weniger bemittelten Kreisen Gelegenheit geboten ist, zu mäßigen Preijeu Einkäufe zu machen. Aiich dieser drille Atarkt wird wieder tm früheren Seuckenbergischen Museum, Bleichstraße 59 zu Frankfurt a. M. abgehalteu, unb zwar Mittwoch, 28. Oktober, von 10 Uhr vormittags an.
GericHtsdcsaä.
D ü s s e l b o r s, 25. Okt. Tas Kriegsgericht verurteilte ben Füsilier Johann Hecker vorn 39. Infanterie-Regiment, der m der Trunkenheit mit bem Schemel nach einem Unteroffizier geworfen Halle, zu zwei Jahren sieben Monaten Gefängnis.
K r e f e t b, 25. Oft. Tas Schwurgericht verurteilte ben Rohscidenhän'oler Thomas, der seine Gläubiger um mehrere hunderttausend Mark schädigte, zu 3* 1 *j3 Jahren Gefängnis.
Berlin, 24. Okt. Dec Tiamantenhändler Max Mal i tz k i rourbe heute von der 5. Sirastanimer des Landgerichts Berlin I wogen Mädchenhandels z u einem Jahre Zuchthaus und 600 Aik. Gctdslrci'c, eventuell nach 40 Tage Zuchlhaus, 5 Jahre Ehrvcrlnst und Ztllässigkeil der Polizeiaufsicht verurleilt uno sofort m Haft genommen.
Olm l'i tz, 25. Oft. Ter Rittmeister im 10. Dragoner- regiment Baron Bluinenkron wurde wegen Mißhandlung von Untergebenen vom hiesigen G a r n i s o n s g e c l ch t zu zwei 'Dl o n a t c n ft r c n g c m A r r c ft verurleilt.
Schivabis ch - H all, 26. Oft. Das Schwurgericht verurteilte den^72jährigen Schäfer Peler Diener, der einen anderen Schäler erstochen haue, zum Tod e.
iilon, 24. Oll. Das öee geriet) t sprach heute den Kapitän 'Dlomic, der beschnldigt ist, den Untergang des Transportschiffes „Ülwc" vernrsachl zu haben, frei. Dar Urteil wurde nut Beifall üuigenoinmcn.
Ncichsgcrichtsbrief.
Nachdruck verboten. I. S. Leipzig, Okt. 1908.
Haftpflicht wegen fahrlässigem U e b e r l a s s e» eines Fuhrwerks an einen 15jährigen Knaben.
Ter Bäckermeister M. in Kassel hatte bei einer Fahrt mit seinem Wagen seinen 15jährigen Lehrling S. mitgenommen. Auf einer Strecke des Weges ber Wilheirnshöhcr Allee legte M. die Zügel des Fuhrwerks auf ben Wagen unb überließ es Dem Lehrling, bie Pseroe beim Kopfe zu führen. Kürz Darauf fuhr dieser bei einer Wcgebiegnng mit einem ihm entgegenkommenden Wagen zusammen, unb geriet unter ben Wagen seines Meisters. Die Folge war eine Beinvevletzung, bie erst gute Heilung aufwüs, dann aber in eine Verschlimmerung überging, so daß bas Bein abgenommen werden mußte.
Die infolge biefes Unfalles gegen ben Bäckermeister M. geltend gemachten Schadensersatzansprüche des S. stützten sich ba- rauf, baß er von 2 Uhr muirgens bis in bie Nacht hinein von )einem Meister beschäftigt worben sei, was gegen bie Vorschriften der Gewerbeordnung verstoßen habe. Die Folge dieser Ueber- müdung sei es gewesen, baß er ber Situation bes Fahrens nicht gewachsen gewesen sei. Der Beklagte widersprach bem Damit, baß 's. vorher ausgeschlafen hätte uitD Daß mit einem Nagel im Bremsklotz nicht bie int Verkehr übliche Sorgfalt verletzt sei, weil man damit nicht zu rechnen brauche, baß sich jemand unter bem Bremsklotz zu schaffen mache.
. Tas Lanbgericht Kassel trat Den Ausführungen bes Beklagten bei unb erkannte auf Abweisung ber Klage. Gegen dieses Urteil hatte ber Kläger mit Erfolg Berufung beim Oberlandesgericht Kaifel eingelegt. Letzteres entschied in zwei Urteilen zugunsten des Klägers. Tas Oberlandesgericht führte aus. Daß Die Haftung aus § 823 Abs. II B. G.-B. begründet sei. Denn ein-
r Betagte gegen § 53 Der StraßenpolizeiverorDnung verstoßen haben, wenn er Dem iwch nicht 16 Jahre alten Kläger Das Gefährt allein überließ. Hätte Der Klager das Gefährt aber nicht geführt, so würde cs führerlos gewesen sein unD dabei rourbe ber Lei tagte gegen § 54 Derselben VerorDnung verstoßen, haben. Aber auch gegen Msatz I § 823 B. G.-B. habe Der Beklagte verstoßen, Da er Den Kläger fahrlässig in eine gefährliche ^age gebracht habe. Er hätte sich sagen müssen, baß, wenn er bie Zugel ivcgiegte, leicht Gefahr enlstcheu könnte. Ein Mtt- tieridyulbcn fei Dem Kläger nicht beizumessen. Da Der Fehler auT seine Jugendlichkeit unb Unerfahrenheit zurück- zuruhren
Gegen bas Urteil bes Oberlanbesgerichts Kassel hatte ber Beklagte jic v ij t o n beim Reichsgericht eingelegt. Ter 6. Zivilsenat bes höchitcn Gerichtshofes erkannte jedoch auf Zurück- w e rsu n g ber Revision.
—, Beklagte haste also erstens wegen Uebertretung eines Schutz^setzev sobann aber auch bcshalb, weil sein 2Bagen nicht näierem Zustande gewesen sei, denn in bem Brems- klotz habe )ich ern Nagel befnnben.
* Zeppelin. Am Samstag mittag 2 Uhr erfolgte ein zweiter Aufstieg bes „Zeppelin", ber sehr gut verlief. 2er nächste Ausstieg wirb am Dienstag mit Prinz 5)einrich von Preußen an Borb erfolgen. Der Kronprinz wirb am Mittwoch erwartet. Zeppelin wnrbe am Samstag in Berlin vom Staatssekretär bes Innern v. Bethmann-Holl- weg empfangen, um mit ihm bie bevorstehenbe Wieber-' aufnahme ber Fahrten im einzelnen zu besprechen.
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~ i c Ei n w c ihung bes Zeppelin-Gebenkit e l n u an ber Lanbungsstelle bei Echterbingen fanb am Samstag statt. Der Stein trägt bie Inschrift: Hier


