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26.5.1908 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

L 158. Jahrgang

Dienstag 36. Mai 1908

Die heutige Nummer umfahr 10 Seiten.

keineswegs un-

Seitdem ist es vorn Panslavismus stiller

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zum Teil durch staatlichen Selb-

ehle meine SRaicriü: trotfenHe nach rk älligen BernM4 fc H. TrcvvulSn S»

storben. Ein Vierteljahrhundert hat er den schönen Rheingaukreis int preußifchen Abgeordnetenhanse vertreten. Schwere Krankheit liey ihn die Wähler bitten, von seiner Wiederwahl abznsehen. Nun ist er, noch vor Ablans des Mandats, dahingegangen. Eduard Lo» tichius war ain 11. November 1847 in St. Goarshausen geboren. Er stammt aus einer Familie, der bekannte Prediger und Dichter der resormatorischen und nachresormatorische>l Zeit entsprossen sind. Er genoß den ersten llnlerrid)t in einein Prwatinstitnt, besuchte dann die Bürgerschule in Hanau und kam später in die fauf- männische Lehre. Nachdem er feiner Militärpflicht genügt und beim ö. Dragoner-Regimenr den Krieg 1870-71 mitgemacht halte, ging er nach Leipzig, wo er Nationalökonomie und Geschichte stu­dierte. Tort beendete er auch seine Studien durch den Erwerb des Toktortitels und kehrte dann in seine Heimat zurück. Im preußischen Abgeordnetenhaufe war Lotlchius erprobter Sachver­ständiger für Schul- und Kunstfrage»!. Namentlich das Schul­wesen Nassaus mit seiner eigenartigen Ausgestaltung der Simultan- schule verdankt ihm viel.

Die neue belgische Deputicrteukammer

wird aus 87 Katholiken, 43 Liberalen, 35 Sozialisten und 1 christ­lichen Demokraten bestehen. Tie katholische Mehrheit fällt also von 12 auf 8 Stimmen. Tie Minister für Auswärtige Angelegen­heiten, für Industrie und Handel wurden wiedergewählt. Ter Senat wird aus 64 Katholiken. 35 Liberalen und 12 Sozialisten bestehen. Die katholische Mehrheit des Senates steigt demnach von 14 aus 17 Stimmen.

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Der Stetzener Anzeiger krscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich KlrhenerZamilienblätter; weimalwöcheml.ttreiS' »lattfürdenUreisGietzen Dienstag und Freitag); iweunal monatl. Land- virlschastltcheSeitsragen

Selbstlob den Slaven für staatengründend und kulturfähig halten und dabei vergessen, daß er alles, was er jetzt an politischer Ein­sicht, oder besser Ausbildung feiner Instinkte, und an menschlicher Kultur besitzt, d«em Germanen zu danken hat. Das Bedenkliche aber bei beni Petersburger Kdngreß ist, daß sich einerseits öster­reichische Parlamentarier, wie Tr. Aramarz, Hribar und Hli- bowicki nicht entblöden, daran teilzunehmen und so gegen ihr Erzhcrzogshaus und den in ihm verkörperten österreichischen Ge- samtstaat zu opponieren, und daß anderseits das offizielle Rußland diesen auf Stärkung der augettblicklichen staatlichen Verhältnisse gerichteten Panslavisten-Kvngreß in einer Weise zu feiern gedenkt, die im Hinblick auf die Aufrechterhaltung des Weltfriedens zum energischen Widerspruch herausfordert. Minister­präsident Stolypin, Neichsralspcäsident Akimow und Dumapräsi­dent Chomjakow werden, wie das Programm vorsieht, die Ab­ordnungen des Kvngresses feierlich empfangen, parlamentarische Klubs und militärische Bereinigungen veranstalten zu Ehren des Kongresses festliche Banketts, und bet einer zum Gedächtnis der Slavenapostel Kyrill und Methodius stattfindenden Messe sollen sich Ost- und Westslaven verbrüdern, inbent' sie auch ihre reli­giösen Gegensätze vergessen. Und gibt es nicht sehr zu denken, daß auf diesen Kvngreß ein A l l sla v e ntag in Prag folgen soll, sobald die Duma in die Ferien gegangen ist, und somit die panslavistische Bewegung auch in das uns verbündete Oester­reich hineingetragen wird? Muß es nicht lueiter zu Befürch­tungen Anlaß geben, daß sich an den Prager ^Kvngreß am 17. Sep­tember ein allgem ei nerSlaventagin Moskau schließen soll, an dem sich neben den Balkanslaven auch die preußischen Polen beteiligen sollen? Wird nicht damit der Brennstoff der panslavistischen Verbrüderung auch in das Haus des deutschen Reiä>es getragen und die Balkanfrage zu einer brennenden ge­macht?

So ist augenscheinlich durch das Wiedererwachen des Pan- slavismus Gefahr ün Verzüge, weniger für das Germanentum, als für den Weltfrieden. Das Germanentum, das in der sla- vischen keine Herren- und Kulturrasse sieht, wird diesen Ver­brüderungsversuchen mit voller RuheGewehr bei Fuß" zu­schauen. Aber auf den Weltfrieden können die panslavistischen Vereinigungsgelüste unter Umständen recht komplizierend werken.

Kotttrsche Lagesjcharr.

Berliner Einkommcnverh'ältniffe.

Au§ den Wählerliste»! zu den Wahlen des preußischcu Abgeord» netenhauses hat man bekanntlich die Einkoinrnensverhältnisse der einzelne»! Personen übersehen können. Interessant sind die Mit­teilungen, die über das Berliner Tiergartenviertel aemacht werden. Sim Anfang der Tiergarlenstraße, in der Viktoriastraße und den angrenzenden Vierteln schließt die erste Klaffe mit einem Steuer- betrage von 210 000 Alk. ab, das bedeutet also ein Einkommen von weit über zwei Millionen Mark. Hier wohnen die Geh Kommer­zienräte Dr. Eduard Simon, Ravenö und Pmtsch. Zn bei1 Regeuten- und Malhaikirchstraße inuß man auch schon 202 000 Mk. Steuer zahlen, also über zwei Millionen Mark Einkommen haben, um zur ersten Abteilung zu rechnen. Geheimer Kommerzienrat Arnhold und Oscar Huldschinsku werden hier die Wähler der ersten Ab­teilung fein. Auch in oer Mitte der Tiergartenstraße und in der Bendlerstraße sind für die erste Abteilung 202 000 Mark Steuern, also ein Einkommen von mehr als zwei Millionen Mk. erforderlich. Hier kommen für die erste Klasse James Simon und Hans v. Bleichröder in Betracht. Aus den Wählerlisten ist zu ersehen, daß in diesen und den angrenzenden (Rauch-, Drake-, Stülerstraße) Be­zirken ctiva 2530 Personen wohnen, die ein Einkommen von mehr als 500000 Mk. haben. Hierzu gehören u. a.: Geh. Kommerzienrat Loewe, Kommerzienrat Eonrad Borsig, Zeitungsverleger August Scherl, A. v. Siemens, Graf Tiele-Winckler us»v. Einer der reichsten Bezirke ist die Gegend um den Köuigsplatz, wo der Chef des Hailfes Rudolph Hertzog wohnt, voll dem befaimt ist, daß er mehr als zwei Millionen Mark Einkommen hat. Ein Einkommen von zirka 3 Millionen Mark (291 831 Alk. Jahresfleuer) hat Geh. Koiumer- zicurat Einst v. Mendelsohn-Barlholby. lieber zwei Millionen Mark Jahreseinkonlmen hat and) Rudolf Mosse (219 837 Mark Steuern). An zwei Millionen Mark reicht aud), wenn unsere An­nahmen xidjlig sind, das Einkomnien von Generalkonsul Dr. Schwa- bad) heran (170 544 Al art Steuern), über eine Million Mark Ein- koniiuen versteuer»» aud) Kommerzienrat Bötzoiv (111594 Mark Steuern), Geheimer Komlnerzienrat v. Friedlünder-Fuld und Fürst Hciickcl von Donnersmarck. .

Abg. Lotichius f.

Ter Abg. Lolichius, der im Begriff staiid, sich ai»5 dem par­lamentarischen Leben zurückzuziehen, ist in St. Goarshausen ge-

Wie im Osten polonisiert wird.

Nach denDanz. N. Nack;r." soll die p o l n i f d) c 2lgitation unter den Masuren jetzt ivieder n a ch driicklich betrieben werden, nad)bem sich das bekannteMasurische Komitee" des Straschvereins, wenn aud) unter großen Opfern, wieder in den Besitz desAlazur" zii Ortelsbnrg gefetzt hat. Man trachtet ba- nad), die Leiitc durchg n t e" polnische B ü ck) c r zunächst mit polnischem Geiste zu ei füllen. Für 15 Pfennig wird schon eine polnische Geschichte mit zahlreichen Bildern und eine polnische Fibel geliefert. Ob dieses Geschichtsbild) mit Rücksicht auf das evangelische Bekenntnis der Masuren befonders bearbeitet worden ist? Allerdings ivird darauf hingestredt, die Masuren gleid)zeitig für das Polenium und beit katholischen Glauben zu gewinnen ; schoii aus Liebe zur Köuigin ber Krone Polen (d. h. der Jungfrau Maria) werden sie katholisch werden müssen, ivenn sie sich von den Polen unlgarnen kiffen. Bisher hat allerdings gerade die gut cüangelifd)e Gesinmmg die Masuren gegen die poliiische Agitation geschützt. Doch möge man nicht vergessen, daß jetzt ivieder größere Mittel dem Masurischen Komitee ztir Verfügung stehen und der Mazur" wieder ein polnisches Blatt ist.

Z. Aus Jraukiurt a. M. wird u>S g°!chr>-b°n- Wieder A die Welt um eine Hoffnung ärmer! Wir hatten geglaubt, es sei Selbsterkenntnis und eine Art von Ber,prechen gewestn, daß Oslar Blumenthal für sein vorjähriges Werk den ^"el-^r letzte gmken" wählen ließ. Wir hatten gehofft, lenes Werk sollte der Schlußstein im dramatischen oeavre be§ groben Oskar iem. ^er- Jenes Hoffen! Auf denLetzten Funken ist "och em aller letzter Itlolgt, - man kann wenigstens kaum annehmen, daß nach btejem, Eern an unferm zum ersten Male gegebenen chen Ja und Nein!" der müde Geist des einst so ipruhEuben witzigen BühnenschriftsteUerä noch einmal std) zur Produklion

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Und doch ist er jetzt wieder erwacht. Das Verdienst, dies beiüirlt zu haben, gebührt in erster Linie der dritten Duma, die, int Gegensatz zur ersten und zweiten, gemäß ihrer ganzeit reak- livitären und national rilssisck)en Zusammensetzung das russisch- slavische Gemeingefühl mehr betonte und es durch Slavophilen, löie den Duma Präs identen Chomjakow und zahlreiche andere Par­lamentarier, wie Kowalewski und Miljukow, auch auf die übrigen Slaven ausdehnte. So dienen seit einiger Zeit wieder Presse und Liieratur dem panslavistischen Gedanken mehr denn je und suchen nach einem Angelpunkt, in dem fick) die slavische Welt auck) prak- I lisch vereinigen kann. Ein solcher ist nun der wiedererwachten !>anslavistischen Bewegung, die sonst wohl eine Frage an theo- | relischen Erläuterungen erstickt wäre, gegeben, und zwar einmal lurch das preußische Enteignungsgesetz gegen die Polen, das man av Entrechtung der slavischen Rasse überhaupt hinzustellen beliebt, iiT.b sodann durch die Huldigung deutscher Bundesfürsten in Wien, in der man eine Herausforderung nicht nur des Tschechentums, I sondern des gesamten Slaventums durch die Germanen erblickt, k Dns Enteignungsrecht hat den Deutschenhaß unter den Polen der­artig gesteigert, daß sie es vorzogen, mit ihren russischen Unter- . bridern, wenn auch keinen Frieden, so doch eine Art von Wasfen- t Mstand zu schließen ün Zeichen der gegen das Germanentum | gerichteten panslavistischen Bewegung. Die Kaiserhuldigung von 5i)önbrunn aber machte bei den österreichischen Slaven böses Älut. Man sah in ihr die Inanspruchnahme Kaiser Franz Josefs, bes doch bei seinem national zerklüfteten Oesterreich ein Herrscher . aller seiner Völker sein soll, für das speziell im deutschen Reich verkörperte Germanentum und glaubte aus diesem Grunde den Germanen H.en Fehdehandschuh hinwerfen zu müssen. Gleich- fctitig schien der bekannte Riß des Mürzfteger Abkommens den htrren Panslavisten darauf hinzudeuten, daß Rußland geneigt sei, eine von Oesterreich abweichende slavophile Politik auf dem Mfan einzuleiten.

-Nüchtern und vom. germanischen Gesichtspunkte aus betrachtet, sird natürlid) diese drei Momente ziemlich bedeutungslos. Den vhmtasievollen Slaven aber scheinen sie den geeigneten Anhalts­punkt zu bieten, ihre theoretischen panslavistischen Gelüste in du Tat umzusetzen. So hat man zum 24. Mai nach Petersburg tincii panslavistischen Kongreß berufen, wo die Einig­keit aller Slaven gefeiert und gegen die Gelüste des Herren­volkes der Germanen protestiert werden soll. Wenn nun dieser Ingreß darin bestände, daß die Herren Slaven dort bei Wein unb Bier und wohl mehr noch bei Schnaps in irgend einem Restaurant ihre Brandreden hielten, so wäre dagegen »venig zu ia:gen; es muß auch solche Käuze geben, die in einer Art von

Deutsche Geistliche in England.

Gestern haben sich 130 Geistliche aus allen Teilen Deutschlands übet Bremen nach London begeben. In London ivetden die Herren von dem Eoniits, an dessen Spitze der Herzog von Argyll steht und dem die Erzbischöfe und Bischöfe Englands angehören, empfangen werden. Der Lord Mayor von London gibt den Herren am 28. ds. M. im Maufeon House einen Lund). In der St. Pauls- und Westminister-Kathedrale finden Festgottesdienste statt. Im Parla­ment werden die geistlichen Herren den Mitgliedern des Unter-- hauscs vorgestellt rverden. Am Freitag »vird der Universität Eam- bridge ein Bcsud) abgestattet. Sonnabend, den 30. ds. Vormittags 108j\ Uhr »vird König Eduard eine Abordnung der deutsd)en Geisllid)en im Buckingham-Palast empfangen.

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Besuch des Präsidenten Fallieres in England.

Gestern nachmittag ist Präsident Fallleres programmaßig an Bord des französischen KriegsschiffesLson (Sambetta" in Dover eiiigetroffen und vom Herzog von Eonnaught bei der Landung em­pfangen »vorden. Bersd)!cdene Korporationen überreichlen eine Adresse, diachmittags um 4 Uhr 15 Min. traf der Präsident in London ein und wurde vom König, dem Prinzen von Wales, dem Prinzen Ehristian von Sdileswig - Holstein, den Herzögen von Älrgyll und Füe, foiuie mehreren Mitgliedern des Kabinets em­pfangen. Als der Präsident Fallisres den Bahnhof verließ, um mit Gefolge in feierlichem Aufzuge nach dem Priuee James- Palast zu fahren, spielte das auf dein Bahnhof aufgestellte Musik- korpZ die Marseillaise unb die englische Nationalhymne. Auf dem Wege begrüßte ihn eine zahlreiche Menschenmenge mit Zurusen. Tie sranzösifdieu Zuschauer riefen: Vive roi Edouard! Vive le President! Die Engländer riefen: Vive Fallierest Vive la France! Kurz nach 5 Uhr verließe»! Präsident Fallieres und Aiintster Pichon unter den Bearüßungsrufen der auf den Straßen harrenden Äienschenmenge den James-Palast, um sich zum König nach dem Buckingham-Palast zu begeben. Bei der Ankunft im Buckingham- Palast wurde Präsident Fallieres von den Hosbeantlen empfangen und unter Beobachtung des vorgeschriebenen Zeremoniells zu dem König geleitet, der ihn ivarm begrüßte und der Königin unb der Prinzeß Viktoria vorstellle. Nachdem man den Tee eingenommen hatte, begab sich der Präsident nach dem Marlborough-Palast zum Besuch des Prinzen und der Prinzessin von Wales, die ihm ihre Kinder vorstellten. Durch diese Aufmerksamkeit war der Präsident sehr gerührt. Hierauf kehrte Präsident Falliöres nack) dem Saint James-Palast zurück. Zu Ehren des Präsidenten Fallieres fand gestern abend im Bnckingham - Palast ein Festmahl statt, bei dem die Prinzessin von Wales zur Linken des Königs und der Präside»it Fallieres zwischen dem König und der Königin saß.

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Regungen der YansSavismur.

Der Panslavismus, also das Bestreben, alle Slaven unter russischem Szepter zu vereinigen, um sie gegen das in Deutschland unb Oesterreich verkörperte Germanentum auszuspielen, bat an- s cheinend seine größte Zeit hinter sich. Es »var zu Ende der nebliger und zu Anfang der achtziger Jahre des vorigen Jahr­hunderts, als er in Rußland unter Mäirnern »vie Aksakow, Katkoiv und Skobelew dominierte und auf die russischen Hofkreise unter Mexander lll. solchen Einfluß gewann, daß ma»f in Deutschland voii einer panslavistischen Gefahr fprechen koiinte. Unb wenn damals das gefainte Slaventum.alfo Russen, Ruthenen, Polen, Tschechen,Mahren, Liendcn, Serben, Kroaten, Slooenen und Bulgaren, sich nicht unter Rußlands Führung vereinigte, so lag das in der Hauptsache daran, daß die österreichischen Slaven, die int Ausgleich von L867 einigermaßen ziwückgebväirgt waren, seit 1879 größere Selb­ständigkeit erlangten, daß die preußischen Slaven, also hauptsächlich die Polen, sich durck) das rigorose administrative Vorgehen Ruß­lands gegen ihre dortigen Stammesgenossen abgestoßen fühlten, unb daß die Slaven auf dem Balkan, nachdem sie im rufsiscki- trrkifchen Krieg gesehen, daß Rußlands Macht -----

begrenzt war, sich mit dem begnügten, was sie die Berliner Konferenz erlangten, nämlick) ihrer ständigkeit.

Adolf L'Arronge f.

Am 8. März d. I. feierte Adolf L'Arronge feinen 70. Gebnrts- ftg, unb wer hätte da gedacht, daß er, der allezeit heitere, schon do bald dahingehe»! werde. Eine Bronchitis, an der er vor acht Segen erkrankt war, hat ihn gestern früh jäl) dahingerafft. Als Ueaterbid)ter hat er jahrzehntelang die deutsche Lustsptelbuhne be;errscht, und seine heileren, anspruchslosen Stücke erfreuen sein 'S nblitum auch heute noch. Aus der großen Reihe feiner Stucke inib zu nennen :Der Kompagnon",Doktor Klaus",Hafemanns Achter",Das große Los",Atein Leopold",Wohltätige Frauen", i.Haus Louay", -Die Sorglosen",Der Weg zum Herzen",Lolos 5«ter",Pastor Brose". Auch ein Trauerspiel hat L'Arronge ge- jltiriebcu:Tie Loreley", und den zweiten Teil von Göthes I (mit Streick)ung der Helene-Szene) unter dem -titelFausts ^.od. Iv'Slrronge mürbe in Hamburg geboren und widmete sich nach Wolvieruug des Gymnasiums der Musik und war bann Kapeli- Igiftet in kauzig, Königsberg, Köln, Würzburg, >Ltiittgart, Buba- ve-i,, zuletzt am' Kroll'chen Theater in Berlin. 1869 würbe er [letlenber Rebakleur ber Berliner Gerichlszeitung unb blieb m ber I SLlllung bis 1872. Zwei Jahre später mürbe er Direktor des |^ie§(aner Lobe-Thealers, 1881 bes Berliner Friebrich-^-tlhelm- MMischen Theaters. 1882 uerbanb er sick) mit §orster, Friebmann, Ipaafe unb Barmay zur Gründung des Deiilschen ^.Heaters m IBerlin, das er nach dem allmählichen Ausscheiden der übrigen |5ocietärc selbstständig bis Juli 1894 leitete.

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aufraffen wird. Hätte er es doch fdion diesmal gelasseii, hätte er doch, als er noch zwischen Ja und Nein! schwankte, den Mut ber Selbsterkenntnis gehabt, Nem zu sagen 1 Es ist wirklich ein trauriger Anblick unb ein beschämenber zugleick), »vie hier die ältesten Sdia- bloncnge|talten unb abgegriffenen Cliches imeber herhalten müssen unb wie bet Autor sich müht, ivenigstens ein kleines Restchen von dem Glanz des Dialoges aufjubringen, den er früher verschwenderisch sprühen ließ. Und dann diese unerträgliche Biedermannsmiene, mit der die Philosophie des gesamten Menschenverstandes ge­predigt und eine scheinbar vorurteilslose Lebensauffassung zur Schau getragen wird. Um einen jungen Adligen und Diplomaten zu bringen, mit ber Karriere unb mit den Uebcrliefcrungen seines stolzen Hauses zu bred)en und eine junge Malerin aus ber Boheme zu heiraten (pater iu certua), braucht der Verfasser brei lange, na­türlich mit allerlei Ueberflüssigkeilen angefüllte Akte. Geklatscht würbe aber trotzbem nach Herzenslust. Mundus vult decipi!

Der Internationale Architekten-Kongreß in Wien führte am Samstag feine Beratungen zu Ende. Es wurde befchlosseii, den näck)sten Kongreß im Jahre 1911 in Rom ab­zuhalten.

Der dieser Tage verstorbene (ranzösische Dichter Frantzois Eoppee, der im Jahre 1842 ut Paris als der Lohn eines kleinen Beamten geboren wurde und zuerst sich eben­falls ber Beamtenlaufbahn zugewanbt hatte, würbe zuerst in weiteren Kreisen bekannt unb berühmt durch die im Jahre 1869 erschienenenPoemes modernes. Coppse hat sich als Dramatiker, Lytiker und Romandichter erfolgreich betätigt. Seit dem Jahre 1884 war er aud) 'Mitglied der französischen Akademie. Im Jahre 1898 trat ein vollständiger Umschwung in der Gesinnung des bisher freiheitlichen Zielen und Bestrebungen huldigenden Dichters ein; nack) einer schweren Krankheit genesen, vollwg er seinen radikalen Uebertritt zur Reaktion und zur katholischen Rechtgläubigkeit. In einem Roman hat er selbst seineRückkehr zum katholischen Kirchen- glauben" geschildert. Francois Eoppee erlebte aber als Apostel der Reaktionäre unb Nationalisten ein klägliches Fiasko, namentlich gegen Emile Zola.

Der M art ne malerHeinrich Petersen aus Flens­burg ist im Alter von 41 Jahren in Düsseldorf gestorben.

Die Aalandinseln.

Anläßlich der in derWiener polilifchen Korrespondenz" als offiziös bezeichneten rufffschen Aeußerung, daß Rußland jetzt auf Grund der Aufhebung des Novembervertrages von 1855 das Recht habe, seine souveränen Reck)te auf Aaland auszuüben, selbst lueim aud) die Aalandsklanfel des Pariser Vertrages nicht ausdrücklich aufgehoben werde, schreibtStockholms T i d n i n g c n" offi­ziös: Der Nooemberoertrag hatte mit der Aalandskonvenlion nichts zu schaffen. Diese ivurden zwischen Rußland, England und Frankreich in intimer Verbindung mit dem Friedensvertrag nack) dem Krimkrieg abgeschlossen. Direkt habe Schweden somit nichts mit der Aalandskonvenlion zu tun, aber Schweden sei ber Ansicht, baß die Befestigung auf den Aalandinseln wegen ihrer u n m i 11 c l- baren Nähe von Stockholm eine Gefahr für das Land bilden. Obgleick) das Verhältnis zwischen Rußland und Schweden, besonders nach dem Abschluß des Ostjeevertrages, bas allerbeste ist, so sieht Schweben sick) genötigt, auf das bestimmteste daran festzuhalten, daß Schweden die völlige und sichere Garantie Hal, daß Aaland unbefestigt bleibt. Schiveden muß deshalb darauf achten, daß es auf keine Weise, weder direkt, noch indirekt, den Weg ebnet für eine Beseitigung der einzigen bestehenden Garantien ber Konvention von 1855, es sei beim, daß eine andere, ebenso beruhigende Sicherheit geboten wirb, ba bas

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Verlag u. Expedition 51 'S * /i|a f< a* für den politischen Teil:

General-Anzeiger für Gberheffen WZU

ponuttfags'iöu» Rotationsörud und Verlag der vrühl'schen Uni».-Vuch. und Sieindruckerei. H. fange. Reöflttion, 6$pe6ifion und Druckerei: Schulstretze 7. H°B°L

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rtifsisch-östrrreichische Balkanentente, der Zusammenbruck) Rußlands itn Kriege gegen Japan und vor allem die russische Revolution, die das slavische Rassen- und Nationalgefühl zu zerstören trachtete, um an seine Stelle das Ideal der sozialistischen Menschenvor- btüberung zu setzen, gaben ihm den Rest, so daß, zumal die reli­giösen Gegensätze zwischen Römisck)- und Griechisch-Katholischen, also zwischen West- und Ostslaven, fortdauerten, fein Wieder- crivachen einigermaßen zu den völkerpsychologischen Unmöglich­keiten zu gehören schien.