Ausgabe 
25.2.1908 Erstes Blatt
 
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selbsttätigem Pumpwerk, elektrisch gebügelter Stehkragen, elck- 1 risch gekochter Tee und Mahlzeiten, elektrisch gefüllte Blas­bälge der Kivchenorgel, die Nachrichten in der Zeitung elektrisch gedruckt elektrisch elektrisch Lauterbach hat alles elek­trisch. Und Tank der rastlosen Arbeit von Männern wie Tr. Breidert und Dr. Weber wirb in absehbarer Zeit ein grober Teil der Provinz, gerade der, dem als einzige Naturwohl- taten jetzt nur Luft und Wasser vergönnt ist, mit den großen Wohltaten der Elektrizität versorgt werden, sowohl die Land­wirtschaft wie die Industrie müssen von ihr profitieren. Wenn elektrisch betriebene Pflüge zwar jetzt schon vorhanden sind, so ist es nur itod) eine Krage der Zeit, sie zum allgemeinen Gebrauch technisch zu fabrizieren, wie alle sonstigen Ätaschinen der Landwirtschaft elektrisch zu bewegen heute bereits eüige- führt ist; elektrisch die Kühe zu melken, cs ist teure Illusion, sondern Tatsache. Mit Gas und anderen Mitteln hier zu konkurrieren ist unmöglich. Was die Kosten betrifft, so fei eine erfolgreiche Konkurrenz der Elektrizität das neue Osmiumlicht, wie cs z. A. im Hotel Schütz in Gießen vorhanden ist. Bei dieser Beleuchtungsart kostet die 16 kerzige Lampe pro Brenn­stunde 1 Pfg., Elektrizität sei demgegenüber etwas teuerer. Alle anderen Beleuchtungsarten können in Betracht aller Unv- ftänbe einen Vergleich nicht aushalten, besonders auch bezüglich der Handhabung, der Bereitschaft unD_ der Kosten von Kraft. So kostet in Lauterbach die Pferdekraftstunde 1117 Pfg., An­heizen, Ueberdruck, übrig bleibende Atmosphäre wie beim Dampf gibt es nicht, der Kraftverbrauch regelt sich von selbst und kann jederzeit ohne Verlust unterbrochen werden. Hierin liegt das Geheimnis des großen Vorteils für das kleine Gewerbe: zu jeder Zeit billige Kvast. Tie Stadt Lauterbach hat an ihrem Elektrizitätswerk, das 192 OOO Mk. kostet, bis Ende 1907 : 100 000 Mk. abgeschrieben, in nicht ferner Zeit könnte der Stadt an bcm Werk eine ständige Einnahmequelle erstehen, aber der stützen soll den Stromabnehmern zugute kommen, indem nach Amortisation des Werkes Licht unb Kraft noch verbilligt werden sollen. Bei der in Frage stehenden Errich­tung eines Elektrizitätswerks bei Lißberg sind in erster Linie Die Wasserschätze der Provinz (der Vogelsberg) berufen, dem Werke sein Entstehen und ferne Existenz zu frchern. Von der Provinz ist ein umfangreiches Queltengebiet bei Inheiden an» gekauft worden. Ein daselbst zu errichtendes Wasserwerk soll von ca. 70 Gemeinden das Wasser liefern; es bleibt aber von dem täglich hervortretenden Quantum von nahezu 30 000 Ku­bikmeter eine so große Menge übrig, daß der Stadt Frankfurt täglich ca. 25 000 Kubikmeter Wasser ä 12 Pfg. abgelassen wer­den können. Mit dem Erlös aus diesem Verkauf ist es mög­lich, die elektrische Ueberlandzeillralc bei Lißberg zu bauen, außerdem sollen beide Werke jnbezug auf bie Kraft wechsel­seitig wirken. Geheimerat Tr. Breidert erklärt, daß das Wasserwerk von Anfang einen jährlichen lieberschuß von 22xh Millionen Mark haben werde. Tamit sei die Zukunft des Elek­trizitätswerkes gesichert und wenn aus diesem Werke selbst Ge­winne fließen, was sicher zu erwarten ist, sollen diese in gleicher oder ähnlicher Weise zur Hebung des wirtschaftlichen Wohlstandes der Provinz verwendet werden.

Auf Befragen gibt Oberingenieur Müller den Bescheid, daß die einjährigen Berechnungen der zu Kcaftzweaen nutzbar vorhandenen Wasserkräfte zu einem überaus güuitigen Resultate ge,ührt hätten. Man werde am bcsteit beit zweiten Ausbau des Werts nehmen (um bei einem 1. [Heineren] Ausbau keine An­bauten nötig zu haben). Zu den benötigten 800 000 Kilowart seien 11 Millionen Kubikmeter Wasser erforderlich. Ter Hillers- bach allein liefert nun jährlich 11,2 Millionen Kübikmeter Wasser, dazu sei aber noch die Nidder mit jährlich 32 Millionen Kubik­metern vorhanden. Tie Kluft ist also mehr als erforderlich ge- igeben, um das Werk über 30 Kilometer rentabel auszubauen. Ten Männern, die ihre Kräfte der genialen Sache gewidmet haben, wurde im Namen der Bersamullung durch Bürgermeister K r v m m, sowie seitens des Geh. Rats Schönfeld gedankt, aber die Herren nrollen heute noch keinen Tank haben. Erst wenn elektrisches Licht allenthalben uns umstrahlt, wenn eleltrische Maschinen surren und das Werk sicher und gut fertig stehe, dann rönne man danken den Männern, denen Tank gebührt. Abg. Tr. Weber teilte mit, daß man bald Angaben über beabsichtigte Abnahme, namentlich von Kraft, in den zirkulierenden Fragebogen machen möge, da auf einem demnächftigen Provinziallandtage über beihe Werke gleichzeitig beschlossen werden soll. Tamit schloß die Versammlung.

AUS SrUÖt UN0 LUU0.

Gießen, 25. Febr. 1908.

Das projektierte Wetterauer Elektrizitätswerk zu Reichelsheim.

Vor fast drei Jayreu begann in dem zirka 1000 Ein­wohner zählenden Städtchen Reichelsheim eine Agitation für die Errichtung eines Elektrizitätswerks für die Orte der mittleren Wetterau. Tas Werk ist jetzt bereits soweit gediehen, daß vor einiger Zett eine Genossenschaft mit be­schränkter Haftung gegründet werden konnte, an deren Spitze Aiolkereidirektor Bopp, Apotheker Hernpel und Landwirt Koburger stehen. Auch fand am 4. Februar unter dem Vorsitz des Regierungsrats Fey-Friedberg eine Besprechung mit den Bürgermeistern der in Betracht kommenden Orte statt, bei der sich bereits sechs Orte für den Anschluß anssprachen. Eine für das Zustandekommen des Werkes hinreichende Be­teiligung scheint vorhanden zu sein. In unserer jetzigen Zech, die fast allenthalben unter dem Zeichen der Wasser- leitungsbauten und der Feldbereinigung steht, werden aller­dings hohe und zahlreiche Anforderungen an die Gemeinde­kassen gestellt, so daß man die Abneigung gegen Neuaus­gaben begreiflich findet. Aber das Elektrizitätswerk bietet doch den Orten der Wetterau derartige Vorteile, daß die allseitige Beteiligung nicht ausbleiben dürfte. Jetzt sind schon 150 Genossen mit eurer Einlage von je 100 Mk. ge­wonnen. Nächste -Woche werden die in Betracht kommenden Orte von drei Herren bereist, um weitere Beteiligung für das Werk zu werben. Man hofft zum mindesten 300 Ge­nossen mit einem Kapital von 30000 Mk. zu finden. Von der landwirtschaftlichen Genossenschaftsbank' erhofft man einen Vorschuß von 20000 Mk. Außerdem hat man eine Institution der stillen Teilhaber geplant, da in Reichels­heim hierzu schon 10 000 Mk. gezeichnet sind, so rechnet man dieses Konto auf 25 000 Mk. Tie Baufirma schießt zum Bauen 25 000 Mk. vor und läßt 20 000 Mk. stehen, welche Summe durch Amortisation gedeckt werden soll. So wird die erforderliche Gesamtsumme von 120 000 Mk. erreicht. Für Herstellung der Gebäulichkeiten rechnet man 29 500 Mk., für Maschinen usw. 44 400 Mk, für den elek­trischen Teil 12 450 Mk, für Fernleitung 31800 Mk. und für die Bauleitung 1600 Mk. Die Leitung nach den ein­zelnen Ortschaften erfolgt oberirdisch. Die Firma A. Gobiel u. Co.-Kassel soll das Werk bauen, sie hat auch die Werke zu Lauterbach, Groß-Almerode usw. gebaut. Als Ingenieur ist Herr Ritsert-Darmstadt gewonnen. Die Anlage des Werkes ist von Autoritäten als durchaus günstig bezeichnet worden, besonders ist es ein großer Vorzug, daß das Braun­kohlenbergwerk Weüesheim bin in unsere Gemarkung reicht und noch auf Jahrhunderte Kohlen liefern kann. Gegenüber anderen Anlagen mit Steiniohlenfeuerung ist das ein großer Vorteil, zumal das Werk die Braunkohlen für 3540 Mk. für den Waggon erhalten soll. Der Lichtpreis soll sich für die Kilowattstunde auf 4045 Pfg. stellen. Das Wert füll westlich dem Bahnhof Reichelsheim erbaut werben und Gleis­anschluß an das Braunkohlenbergwert erhalten. Während man dem Werk vom Kreisamt Friedberg Icbljaftc Sym­pathien entgegenbringt, hält . in den Gemeinden des Kreises Büdingen mit Rücksicht au, das geplante große Eiet trrzitätswerk in Lißberg zurück. Wenn das hiesige Werk

erst einmal in Betrieb ist, glaubt man es auf 6070 Ort­schaften ausdehnen zu können, ja man denkt sogar für später cm eine elektrische Straßenbahn von Ranstadt über Ober- Mockstadt, Nieder-Mockstadt, Staden, Nieder-Florstadt nach Reichelsheim. Anfang März iüirb die Agitation für das Werk beginnen, man' hofft bei einigem Entgegenkommen der Gemeinden bis zum Frühjahr das Werk beginnen zu können. Im günstigen Falle könnte dann schon bis Oktober die Wetterau mit elektrischem Licht versehen iverden. Bei der Lichtversorgung handelt es sich vorläufig nur um die Orte: Reichelsheim, Weckesheim, Beienheim, Dorheim, Heuchelheim, Bauernheim, Ossenheim, Bruchenbrücken, Assen- heim, Dorn-Assenheim, Ober- und Nieder-Florstadt.

** Tageskalender für Dienstag, 25. Febr.: Stadt­theater: /Baler und Sohn" (Gastspiel von Angelina Gurlit). Anfang 8 Uhr.

' Vom Großherzogl. Hofe. Die Fürstin zu Solms-Hohensolms-Lich traf n. d.Darmst. Zig/' am Samstag, 22. d. Mts., zu mehrtägigem Besuch tm Neuen Palais ein.

** In Audienz empfangen wurden von S. K. H. dem Großherzog am Samstag u. a. Geh. Regierungsrat Schönfeld von Schotten, Professor Dr. von Franquö von Gießen und Seminarlehrer Schuchmann von Friedberg.

- Kulturtechniker Keller in Friedberg wurde von S. K. H. dem Großherzog auf fein Nachsuchen aus dem Staatsdienst entlassen.

** Prozeß Hirschel. Vor der hiesigen Strafkammer wird am 3. April die Verhandlung gegen den Landtags­abgeordneten Hirschel unter Vorsitz des Landgerlchtsdireklors Bücking stattsinden. Der Verteidiger deL Angeklagten, Rechtsanwalt von Brentano, hat auf Wunsch Hirschels neuer­lich die Terminfestsetzung beantragt.

"Die Landwirts chaflskammer für Hessen hielt gestern in' Darmstadt ihre 22. Vorstandssitzung ab. Zur Beratung tarn zunächst der Entwurf des Hauptvoranichlags für 1908. Daraus sind hervorzuheben unter E i n n a h m e n : Staatsziischuß 144 100 Mark, Gebühren 2000 Mk., Umlagen (je 20 Pfg. auf 1000 All. Vermögen), 280 000 Mk. Unter Ausgaben: Vortragskurse für prakt. Laiidwirle 2000 Mk., Studienreisen 1000 Alk., Wandervor- lräge 4000 Mk., Förderung der landw. Buchführung 5000 Mk., Haüshaltungsschulen 6000 Mk., Beratung kleinbäuerlichen Wirt­schaften 30007000 Alk, Zujchußbedarf der landw. Zeitschrift und Korrespondenz 10 000 Mk., Preisnotierungsstelle 700 'Mk., Maschinen- prüfung 1500 Pik., Förderung des landw. Bauweseiis 4000 Mk., Rechtsauskunftsdienst 3000 Mk., Arbeitsnachweisdienst 3000 Mk. Förderung der Tierzucht: Pferdezucht 17800 Mk., der Rmdoiehzucht 99 300 Aik., Schweinezucht 15150 Mk., Ziegenzucht 11100 Aik., Geflügelzucht 6280 'Mk., Schafzucht 500 Aik., Förderung des Obst-, Wein-, Gemüse- und Gartenbaues 25 234 Aik., Förderung der allg. Landeskultur usw. 16 200 Aik., Ausslellungswejen 15 OOu Aik., Beiträge an ruidere Körperschaften 2000 Aik., Verwoltuirgs- kosten 92000 Aik., Tagegelder und Reisekosten 25 000 Aik., Rück- zahluiig an den Staat 3800 Mk., Kosten des Umlageausscblags 14 000 Mk. Aus dein Spezialvoranschlag für die landwirtjch. Zeit­schrift ist hervorzuheben, daß die Einnahmen 41100 Mk., die Aus­gaben 51100 Mk. betragen. Es wurde hieraus noch das Dienst- aller des neu gewählten Generalsekretärs sowie die Gebühren für die Bauberatimg, die Forstberatung und die Rechtsauskunft fest­gesetzt. Die nächste H a u p t v e r s a m m 1 u ii g soll a m 23. und 24. März 1908 in Darmstadt stattsinden. Hieraus wurde die von den Landwirten mit großem Interesse erwartete Organisation betr. der Arbeiterverinitllung beraten. Ihr Sitz soll in Fränkfurt sein und es ist zu erivarten, daß sie für die gesamte Landivirtjchaft große Vorteile bringen wird. Zum Schluß wurde noch der Vor­anschlag zur Beschickung der Ausstellung in Stuttgart mit ca. 5000 Mark gut geheißen.

** In der Bereinigung für Volkskunde sprach gestern Pfarrer Ko rc l l von Königstädten über das Ger a u e r Land. Es umfaßt die Landschaft bei Groß-Gerau und hat schon bei Riehl eine eiugehenoe Würdigung erfahren. Tie flache Gegend hat zwar leine hochromanlischLn, aber dennoch ihre Reize. Es ist im Hochsommer das Land der großen Ge­treidefelder und im Herbst das Land der dichten Nebel. Tas Gebiet ist stark vom Verkehr durchflutet und steht durchaus unter dem Einfluß derKbenachbarten großen Städte Mainz, Frank­furt uitb Tarmstadt. So kommt es, daß fidji in der Dorfanlage, in der Sprache, Sitte und Tracht der Bewohner nichts eigen­artiges erhalten hat und die Dörfer ein Abklatsch der Städte siiid, d. h. der Städte vor einigen Jahrzehnten. Auch der Bauer ist verstädtert, aber er hängt mit gleicher Liebe an seinem Grund und Boden wie der oberhessische Bauer. Er hat es geschickt versta-ioen, feinen Betrieb den veränderten Zeit- verhälMissen anzupassen und entwickelt beim Absatz seiner feld- mäßig aitgebauten Gemüse usw. kaufmännischen Sinn. Ter Ar­beiter, auch der industrielle, geht daraus aus, sich ein eigenes Besitztum äit erwerben und sehnt den Tag herbei, an dem er die Fabrikarbeit mit der Feldarbeit verkauf chen kann. Beiden Bevölkerungsteilen ist gemeinsam trcc Sinn für Pünktlichkeit und eine hohe Achtung und Wertschätzung der Schute gegeben, während, vielleicht im Zusammenhang damit, in der Jugend die Unterordnung unter die Familie nicht sehr stark und noch mehr im Sinken begriffen ist. Weniger groß ist der Einfluß der Kirche und auch von Staatsgedanken ist bet Bauern und Ar­beitern iveniger zu finden. Reizlos, wie die Torfanlagen un­ter der Nachahmung der Städte und ihrem sich täglich machen­den Einfluß geworden sind, ist auch das geistige Leben. Es leidet vor allem unter der rastlosen Erwerbsarbeit, die dem Gerauer Bauer und Arbeiter weniger Zeit läßt, als Bewoh­nern fruchtbarerer Gegeiiden. Tvch ist der Boden für die Bil­dungsarbeit gut und die Bevölkerung könnte leicht von einigen in ihnen lebenden kraftvollen PerjönlichLiten auf die Bahn geistigen Fortschritts geteuft werden. Dadurch wird es möglich fern, die aus den Städten auf die Tarier dringende Unkultur zu beseitigen und dem Gerauer Land wieder eine eigene boden­ständige Entwickelung zu geben. In diesem Sinne wird z. Zt. die Volksbildungsarbell getrieben und es ist zu hoffen, daß dann auch wahrl-ask edle Religion wieder mehr Einfluß dort gewinnen wird. Die von fcharfer Beobachtungsgabe zeu­genden und von warmer Liebe zu Volk und Land getragenen Ausführungen des Redners fanden lebhaften Beifall. Eine kurze Diskussion schloß sich an.

Kolosseum. Tie gestrigen internationalen Frauen- Ringkämpie endigten mit folgendem Ergebnis. Als erstes Paar rangen Frl. Berg-Berlin gegen Frll Muranky-Ungarn, fürwahr ein schöner Kampf, in dem die Berlinerin nach 24 Mm. durch Kopf­griff auS dem Stande Siegerin blieb. Der Kampf Frl. Hanlon- Elfaß gegen Frl. Phillppi-Aachen nahm einen spannenden Verlauf, mußte jedoch nach 20 Min. als unentschieden abgebrochen werden. Der letzte Kamps war der zwischen Frll Knorr- Rheinland und Frl. v. d. Straaten-Holland, bei der Frl. Knorr durch Hüfteufchwung Siegerin blieb. Zeit 7,02 Min. Die zahl­reichen Zuschauer verfolgten mit Interesse die einzelnen kritischen Moinenle, die die bargebotenen Kämpfe boten, und geizten nach der Entscheidung nicht mit ihrem Beifall.

"Wieder in Untersuchungshaft. Kaufmann Lenhardt aus Weilburg, der vor einiger Zeit einen Mord­versuch auf seine Frau machte und dann zur Beobachtung seines Geisteszustandes in die Klinik für physisch und nervöse Kranke hier untergebracht worden war, ist gestern wieder in das Untersuchungsgefängnis nach Limburg übergeführt worden.

** Unfall. Im btotoifeum verunglückte am verflossenen Sonntag während der Vorstellung eine Ringkämpferin, indem fie sich beim Ringen das Fußgelenk verzerrte. Dieselbe wurde in die chirurg. Klinik aufgeuommen.

-V Alten-Buseck, 24. Febr. Am gestrigen Abend fand im Saale von Wilhelm Raben an hier ein Volks- unterhaltnngsabend statt. Anknüpfend an das zu Beginn der Feier gesungene Lied:Wenn ich den Wanderer frage: Wo kommst du her?" hielt der Ortsgeistliche, Pfarrer Fischer, einen Vortrag über das Busecker Tal und die Gemeinde Alten-Buseck. Die Ausführungen schlossen mit einem warmen Appell an die Versammelten, Heimat und Vaterland von ganzem Herren zu lieben. Als zweiter Redner sprach Lehrer Hübner in ausführlichem, von echt patrio­tischer Gesinnung durchwehtem Vortrage über das große Jahr 1870/71, unter besonderer Hervorhebung der ruhm­reichen Taten unserer hessischen Division. Beide Vorträge wurden eingeleitet und geschlossen durch entsprechende Dekla­mationen und Lieder, die unter Leitung des Lehrers Hübner von den Schulkindern der Oberklasse in exakter und feiner Weise zu Gehör gebracht wurden. Zum Schlüsse sprach der Ortsgeistliche ein kurzes Dankeswort, das den Schul­kindern für ihre treue Mitwirkung und namentlich dem Lehrer Hübner für seine viele Mühe um den Festabeno galt. Mau schied mit dem Bewußtsein, einen wirklich schönen und genußreichen Wend verlebt zu haben.

Stockheim, 24. Febr. Durch Gewannregulierung anläßlich der hier vorgenvmmenen Feldbereiniguug wurde auch ein größeres Stuck Hochwald niedergelegt und war seit Jahren wieder einmal eine größere Holzversteige­rung. Weit über 900 Raummeter Buchen-Scheit und -Knüppel kamen zur Versteigerung mit einem schönen Erlös, 910 Mk. waren gängige Preise für den Meter Scheit. Viele Käufer aus der Wetterau erstanden ihren Bedarf. Die Bestände hatten nach den Urkunden der Gemeindever­waltung ein Alter von über 120 Jahren; starke Bäume lieferten über 4 Meier Scheitholz. Die hiesige Zucker- fabrik steht noch immer in Unterhandlungen wegen Ver­kaufs. Die Gebäude, aus denen alle Maschinen verkauft find, sollten nach neulichen Verhandlungen zu einer chemi­schen Fabrik hergerichtet werden. .Ein definitiver Beschluß steht noch aus.

h. Biedenkopf, 24. Febr. In der GrubeAlte Dreis- b a ch" im Siegerland wurde der Bergmann Memr durch einen zu früh losgegangenen Sprengschuß in Stücke geriffen und sein Mitarbeiter schwer verletzt.

Rom, 25. Febr. Nasi wurde wegen fortgesetzter Ver­untreuung amtlicher Gelder unter Zubilligung mildernder Um­stände zu 11 Monaten 20 Tagen Gefängnis ver- urteilt. Ferner wurde er auf die Tauer von 4 y2 Jahren für unfähig zur Bekleidung öffentlicher Aemter verurteilt. 'Außerdem wurde ihm eine Geldbuße von 242 Lire und die ungeheuren Kosten des Prozesses auserlegr. Tie mitangetlagte Lombarde wurde wegen mangelnder Beweist außer Verfolgung gesetzt. Nasis Einlieferung ins Gefängnis wird zu spater Nachtstunde er­folgen, um Temonstratwnen vorzubeugen. Die Menge bela­gert Nasis Haus.

SMchte Tagcschronik.

Ein orkanartiger G e w i tt e r stu r m, von Hagelschauern be gleitet, verursachte im Fuldatal, in Hannover, Thüringen und Sachsen großen Schaden. Telegraphenlellungen sind zerstört. In Waldungen wurden Bäume enllvnrzelt. Dächer wurden von oen HÜnjern gerissen. Namentlich weiden von sämtlichen weslsälischen Bahnstrecken, aus dem Diemclkale und aus dem Ruhrtale gröbere Schäden gemeldet.

Bei WilhelmShöhe im Habichts walde wurde die Leich« eines Mannes gefunden, dein Kopf, Hals und Zunge ab- geriffen waren. Ter Unterkiefer war gehalten und allen Fleisches entblößt. Die Brust rotes ein großes Loch auf. Tie mit Blut bejubelten Kleidungsstücke sind zerrissen. Die Untersuchung roird ergeben, ob em Verbrechen vorliegt.

Ter Kommerzienrat S chöller und Frau schenkten der Stadt Düren anläßlich der Vermählung ihrer Tochter 100000 Alk. zu verschiedenen ivohltätigen Zroecken.

Ter berühmte ErsiUder Edison mußte sich einer schweren Operation unterziehen, die wegen der Begleiiumstänbe zu ernsten Befürchtungen Anlaß gibt. Ed-ijon ist seit Jah­ren schwerhörig. Der chronische Aiitlelohr-Kätarrh, an dem er leidet, nahm aber in der letzten Zeit eine akute Form an und führte zu einer Absceßoildiung im Mittelohr.

Gießener Wetterdienst.

Voraussichtliche Witterung für Hesse» ant Mittwoch den 26. Februar 1908: Abnehmende Bewölkung. Keine erheblichen ötiederjchläge. Nachts Frost. Nördliche Winde. ........... .....i".1______ - .............

Drsginat-DrahtmeLdttirgen.

Oldenburg, 25. Februar. Zlvischcil der Staats­regierung und der Mehrheit des Finanz-Ausschusses im Land­tage ist eine Verständigung über die Frage der Steuer­ermäßigung erfolgt, die bekanntlich zu eiuem Konflikt zwischen der Negierung und dem Lundtage geführt l)atte. Die Stacusregierung hat im Ausschuß die Erklärung abgegeben, daß sie einer Steuerermäßigung bis zur Höhe von 10 Proz. der Einkommensteuer und Vermögenssteuer nicht länge: widerstreben werde.

aamiaMininaiw Twitsigaaraw i m kmh

Vergebung reu WOrleiluuMbektell.

Die nachstehenden Arbeiten und Lieferungen zur Her­stellung einer Wasserleitung mit Wasserturm und Pumpen­haus für die Gemeinde Climbach und zwar:

1. Die Arbeiten zur Herstellung von rb. 1000 Meter Gußrohrleitung von 12540 m/m l. W. einschl. Lieferung der erforderlichen Armaturen hierzu, und 500 Meter Anschlußleckungen.

2. Die zur Erbauung eines Wasserturmes erforderlichen Erd-, Maurer-, Steinhauer-, Zimmer-, Dachdecker-, Spengler-, Glaser-, Schlosser-, Schreiner- und Weiß- binder-Arbeiten einschließl. Aiateriallieferung veran­schlagt zu 5700 Mk. sowie die Lieferung und Mon­tierung eines eisernen Behälters von 40 Kbm. Inhalt.

3. Die zur Herstellung eines Pumpenhauses erforderlichen Erd-, Maurer-, Glaser- und Schlosser-Arbeiten einschl. Materiallieferung veranschlagt zu 1300 Alk. sollen im Wege schriftlichen Angebots vergeben werden.

Pläne und Bedingungen liegen auf dem Bureau des Großh. Kreisbauinspektors, Zimmer Nr. 24, zur Einsicht offen, .woselbst Angebotsformularc gegen Erstattung der Herstellungs­kosten in Empfang genommen werden können.

Die Angebote sind bis zum

10. März l. Js., vormittags 11 Nhr auf dem Bureau des Unterzeichneten abzugeben, wo dann die Eröffnung derselben in Gegemvart der erschienenen Bietet stattsindet.

Freie Auswahl bleibt vorbehalten. Zuschlagsfrch 3 Wochen.

Gießen, den 24. Februar 1908.

Der Großh. Kreisbauinspeklor des Kreises Gießen.

I. V.: Kalbfleisch. B24/.

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