Dienstag ZA. Februar 1908
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Marotto.
w Verantwortlich für den politischen Teil: E. Anderson; s. Feuilleton und „Vermischtes" P. Wittko; für „Stadt
Land" und „Gerichts*
Bezugspreis: monatlich 75 Pf., vierteljährlich Ml. 2L0; durch Aühole- xu Zweigstellen. monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2.—viertel-' jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal IbPf^ auswärts 20 Pfennig.
E. Heß; für den Anzeigenteil: H. Beck.
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polithdse Cagesseh««.
Ein neuer „Fall".
Das königliche Konsistorium für die Provinz Hannover hat den Pfarrer Dr. Pfannkuch durch strengen Verweis gemaßregelt, weil, er im Osnabrücker Lehrerverein einen Vortrag über die neuesten Forschungen bezüglich der historischen Legebenheiten dc§ Alten Testaments gehalten hat. Die Maß- regelung wurde der Allg. Ztg." zufolge ohne Anhörung Des Geistlichen ausgesprochen und damit begründet, ,daß ein solcher Vortrag die Lehrer verwirre und mehrere Ellern von Kindern kirchlich beunruhigt habe". Der gemaßregelle Pfarrer )at Beschwerde eingelegt. Dieser neue Fall dürfte nicht iveniger Aufsehen erregen als die Fälle Römer, Cösar, Jatho usw. Ec unterscheidet sich von ihnen durch die ganz besondere Engherzigkeit und Kurzsichtigkeit, mit der die Kirchenbehörde riorgeht. Hier handelt es sich nicht einmal um eine angefochtene ttirchenlehre, um einen Verstoß gegen das kirchliche Glaubensbekenntnis. Hier handelt es sich um die Frage, ob iic Ergebnisse der historisch-kirchlichen Wissenschaft vor gebildeten Laienkreisen von einem Pfarrer vorgetragen werden dürfen. Das Konsistorium scheint nach den Ruhmeskränzen Noms den Modernisten gegenüber zu verlangen!
Deutsches Resch.
Berlin, 24. Febr. Bei der Fortsetzung der Beratung des Kultus-EtatS im Abgeordnetenhause kündigte Minister Holle eine neue Gebührenordnung für Beseitigung der Uebelstände im Hebammenwesen an. Heute wird wieder eine Adendsitzuna staltfinden.
Der neue Staatssekretär Sydow hat heute die Geschäfte des Reichsschatzamtes übernommen.
Der Erlaß des Gouverneurs von Südwestafrika betreffend Aufhebung der Kriegsgefangen- fchaft bei den Hereros, dessen Inkraftsetzung für Kaisers Geburtstag geplant war, ist nicht in Kraft getreten, da in letzter Zeit viele Hereros entlaufen sind.
Schioer in, 24. Febr. Der Großherzog von Mecklenburg-Schwerin ist nach überstandener Jn- fkiicnza an Lia fern erkrankt, oec Verkauf ist bisher normal, ohne Komplikationen.
Stuttgart, 24. Fehr. An Stelle des von seiner —Klung als kommandierender General des 13. (Württemberg.) Ä:rneekorpS enthobenen General von F a l l o i s ist Herzog Albrecht von Württemberg, bisher kommandierender Bmeral des 16. Armeekorps in Kassel, zum kommandierenden General des 13. Württemberg. Armeekorps ernannt 'Dieben.
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Dorfgeschichten (ItK Heike, Broni'. &
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London, 24. Febr. Die englische Admiralität hat den Schluß gefaßt, einen neuen großartigen Hafen für Kriegsmarine an der englischen »Lüdküste anzulegen. Hafen wird von Hastings bis Norman Bay und Pevens cuiSgedehnt. Der ^Daily Ehronicle" meldet, daß die Kosten ',vn nächstjährigen Marine-Etat veranschlagt werden. — Das Y teresbu dget weist eine Abnahme von 301 000 Pfund Dieding bei einer Verringerung des Mamtschaftenbestandes nm 5000Mann auf. — Das Marinebudget für 1908/09 «läuft sich auf 32 319 500 Pfd. Sterl. gegen 31 419 500 1907/08.
— Der „Berl. Lok.-Anz." meldet aus Petersburg: den Mass en Verhaftungen von Terroristen Eden insgesamt bis heute 96 Personen festgenominen. Ein --l wurde freigelasfen, da ihre Unschuld erwiesen wurde. Der ' üere Teil wurde in der Peter Pauls-Festung im Zellen- ^angnisse untergebracht. In letzterem brachen gestern Un- v- ?cn aus« Die Arrestanten zertrümmerten verschiedene .*?♦ * •-^er ^ugeber, der die Massenverhaftungen verur- ^yte, ist der unlängst am filmischen Bahnhofe arretierte "oarmerieunteroffizier Bogdanow, der während seiner ^-hastung eine Bombe werfen sollte.
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Der heische Ltrratrvoranschlag.
Der Bericht oes Finanzausschusses ruber den diesjäh- rrgcn Staatshaushalt ist mmmehr erschienen. Wir geben daraus für heute die allgemeine finanzpolitische Ein- lertung wieder.
Das Bestreben der Großh. Regierung, die mit dem Hauptvoranschlag 1907 verbunden gewe'cne Gesundung der onnanzen des Landes durch äußerste Sparsamkeit in allen Refforts der Staatsverwaltung zu unterstützen und damit bas Reformwerk zu festigen, iomntt in dem vorliegenden Hauptvoranschlag zum Ausdruck. Grundsätzlich beivegen sich tm allgemeinen die eingestellten Mehrausgaben und Anforderungen, wie dies auch im Vorwort zum Hauptvor- anschlng betont wird, nur im Nahmen der natürlichen Steigerung der vorhandenen Einnahmen. Für uns wird es nun für dre Zukunft eine Hauptaufgabe bleiben, an dieser Richtung festzuhalten. — Nur dann wird es möglich sein, auf dte Dauer das Gleichgewicht im Staatshaushalt aufrecht zu erhalten. Wir glauben, daß schon das Etatsjahr 1909 hierfür zum Prüfstein werden kann.
Als wir im vorigen Jahre an derselben Stelle aus- sührten, daß Zeiten der Stockungen auf fast allen Gebieten des gewerblichen Lebens, des Verkehrs und des Handels eintreten konnten, war niet'L yorausznschen, daß schon wenige Monate später die Vorboten einer rückläufigen Bewegung in die Erscheinung treten würden. Die im Herbst des verflossenen Jahres in Nordamertka misgebrochene Geldkrisis hat sich aus unseren Markt übertragen und sie lastet schwer auf unseren wirtschaftlichen Verhältnissen. Teuerer Geld- srand ist fast immer der Vorläufer einer Krisis, und je länger em solcher Zustand dauert, desto größer ist die Schädigung für das ganze Erwerbsleben. Wir befinden uns, wenn auch der Zinsfuß wieder etwas herabgegaugen ist, erst in den Anfängen dieser Krisis. Wer wollte Voraussagen, wie lange sie dauern wird, und welche Schädigung sie bei längerer Dauer noch ausüben kann? Erfreulich aber ist es, sestzu- stellen, daß die Landwirtschaft im allgemeinen eine ergiebige Ernte hinter sich hat und lohnende Preise für ihre Erzeua- nisfe erzielen konnte.
llnsere Ausgaben im Hauptvoranschlag für 1908 1. Teil stehen so gut wie fest. Ob und wie weit aus unsere Einnahmen z. B. aus direkten und indirekten Steuern, die einen wesentlichen Bestandteil unserer Einnahmen bilden,, die oben geschilderten Verhältnisse schon für 1908 von Einfluß sein können, ist nicht Vorauszusehen. Die Einstellung von 10 860 000 Mk. bei der Einkommensteuer und 3355 000 ML bei der Vermögenssteuer stützt sich auf die Erfahrungen steigender Erträgnisse der letzten Jahre, die getragen waren von wirtschaftlichem Aufschwung auf fast allen Gebieten. Bei der Vorsicht, mit der diese Einnahmen eingestellt sind, kann daher angenommen werden, daß sie keine Enttäuschung bringen werden. Aus Stempel sind wieder 3 325 200 Mk. eingestellt, wozu als Ergel^ris der Erhöhung des Urkund en stempels 1080000 Mk. kommen. In der gemeinsamen Beratung des Haupworanschlages wurde von der Regierung mitgereilt, daß nach den bis jetzt für das laufende Jahr zusammengcsteltten Eingängen die für den Urkundenstempel vorgesehene Summe nicht erreicht werden würde. Dieser FLhlbetrag würde aber durch Atehr- einnahmen aus höheren Erträgnissen aus Holz und direkten Steuern im laufenden Etatsjahr voraussichtlich .Deckung ftndern Wenn wir also heute schon mit der Tatsache rechnen müssens daß von den Mehrerträgnissen des lausenden Jahres ein großer Teil Verwendung finden muß zur Deckung von Mindereinnahmen in diesem Etatsjahre, so kann nicht unausgesprochen bleiben, daß dieser Umstand allein schon genügens ist, seinen Schatten, wenn nicht für das Etatsjahr 1908, so doch für das Etatsjahr 1909 voraus zu werfen.
Hierzu kommen noch: L die rückgängig werdenden Uebcr- schüfse aus der Preußisch-Hesfischen Eisenbahngemeinschaft, 2. die noch nicht gelöste Frage oer Reichssteuer-Reform. Aus der Preußisch-Hessischen Eisenbäl-ngemeinschaft sind in diesem Etatsjahr wieder 15 000000 Mk. als Betriebsüberschuß eingestellt. Der preußische Verkeörsminister hat in seiner Rede zum .Etat im Abgeordnetenhcruse ein wenig erfreuliches Bild der Reinerträge für 1907 und für den Etat 1908 entworfen. Dem gewaltig gestiegenen Personen- und Güterverkehr und den Mehreinnahmen aus ihnen stunden ganz außergewöhnliche Ueberschrcitungeu der Voranschläge der Ausgaben gegenüber, die 4 Titeln allein auf 88 Mill, geschätzt werden (bei Löhnen für Betriebs-Arbeiter und Hilfsbeamten ea. 40 Millionen, Heiz bedarf der Eisenbahnen ca. 20 Millionen, Bahnunterhaltung ca. 8 Millionen, Unterhaltung des Fuhrparks ca. 20 Millionen). Es würde zu weit ühren, wollten wir an dieser Stelle noch näher in diese Materie eindringen; nur ein allgemeines Bild wollen wir noch bei fügen: Der BetrtebsLveffizient betrug 1895 54.8 Prozent, 1906,62.-6 Prozent 'und wird betragen 190? 67 Proz.
Dar ElMtziMsWeri bei Litzberg.
-r. Schotten, 23. Febr.
Bürgermeister und Land tags ab geordneter Stöpler zu Lauter» bach hat einen Zyklus von Vorträgen übenromanen, um auf Grund seiner Erfahrungen bei dem Elektrizitätswerk der Stadt Lauterbach aufklärend und interessierend für das Lißberger Elektrizitätswerk zu wirken. In einer mit heutigen Sonntag in die „Klone" in Schotten einberufenen Versammlung, zu der zahlreiche Interessenten aus Schotten, sowie mehrere Bürgermeister und sonstige Teilnehmer der Umgegend er- schienen waren, wies zunächst Geh. Regierungsrat Schönfeld einleitend auf die Entstehung und Verfolgung des großzügigen Planes hin. Durch die Verschmelzung des Jnheidener Wasserwerks mit dem LißbeiAer Elektrizitätswerk sei den Letzterer die Möglichkeit der Errichtung gegeben. Geheimerat Tr. Brei- dcrt-Gießen stellt die Fertigstellung der Vorarbeiten für das Elektrizitätswerk für den nächsten Sommer in Aussicht, das Jnheidener Projekt sei fertig, worauf der Vortragende, Bürgr- meistcr Stöpler, mit drei Fragen: was ist Elektrizität, was leistet sie, was kostet sie, seinen Bovtrag begann. Die erste Frage ist uns allen so gut oder so schlecht bekannt, wie den größten Elektrotechnikern, nämlich daß Elektrizität eine Natur- trast ist, deren Wesen man noch nicht ergründet hat. Die AnnelMtlichkciLen, die mit Ausbeutung der Elektrizität heute der Menschheit geboten sind, sind allgemein einleuchtend und was zuerst den Städten und kapitalkräftigen Leuten geboten toar, die Zeit bringt es nach und nach allen Menschen. Wenn ja andere Beleuchtungsarten auch il-re Annehmlichkeiten haben, eine sofortige Bereitsck-aft und äußerst sparsamen Verbrauch wie die Elektrizität haben sie nicht. Besonders für das Land und kleine Plätze, Städtchen mit winkligen Straßen, sei keine andere als die elektrische Beleuchtungsart angebracht. Was aber vor der Beleuchtung ins Gewicht fällt, der Kraftverbrauch ist in siner so angenehmen, sparsamen und reinlichen Weise geboten, daß dadurch der Kleinindustrie ein Mütel gegeben ist, rationell zu arbeiten und mit größeren Betrieben zu konkurrieren Der Redner führt die Beispiele seiner Heimatstadt an, die ersehen lassen, welche Fortschritte die Industrie in Lauterbach macht, die klcmsten Betriebe ledwedev Brauche arbeiten mit Elektromotoren. Wenn durch T-nick auf den Knopf auf einmal die ganze Stra^enbllemyluug hergestellt ist (die auch partiell ^stellt mewett kann), so ist das eine angenehme Sache und Petroleum aul Gemer:ideL>sten in den Lampen des Laternen, tvmckers gibt es nicht mehr. Wasserversorgung mit Äeürischeu,
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gestrigen S i tzun g der sranzösischen Kämmer stellte
V ?y G'a den Minister des Aeuüeaeu Pichon die angekün- S bezüglich Marokko. Jaurss wünschte Aufklärung A-' ,. ^uleihe, die Abdul Asis gewährt wurde, sowie Auf- , General d' Amrche nad> dem Br.ese Mulay
Mächte keine Instruktionen abgewartet hätte, bevor tnrf-?« .^0 Kilometer von der Küste entfernt vornahm.
n in seiner Antwort, daß der Brief Mulay Hafids
FaT1Wl,cfc11 Vertreter in Casablanca als nicht ernst zu [V• ne^ ^ovden sei. ?Rulay Hafid predige über-
i"1 ?! wovden sei Mulay Hafid predige über-
V? 511 eg g egen dir Franzosen, und es ist nicht mög- if'!01«’ m den Jnteressensttcck zwischen Ääulay .Hafid 'iir'ff/w eingreise, noch vor irgend einem scherifischen
i. iLiL n Waffen strech:. Mulay Hafid werde sich dazu ver- a,n bie, Vertreter Frankreichs Bevollmächtigte zu i^-.E/yJ^sen zu cntsercden. Im übrigen feien den Übertretern Instruktionen erteilt tuorben. Pichon schließt: »Qi d^^gen m Marokko kein politisches, sondern ein t r'h' eJ . rJ- lassen Sie Frankreich ungestört die Rolle
i 1ÖIC-.C5 übernahm, tBeifall im Zentrum.) — Jau- Wwcrte: M-nnkveich hat gegenüber Marokko niemals eine Gefahr besteht nicht in der begonnenen :i lni^< -l.n ber Frage, ob Frankreichs Rechte, Pflichte sie rechtfertigen. (Beifall links.) Als Eng-
• un0 Staaten auf fremden Erdteilen ein- •i -‘lVJauLC''n 11C »niemals gegenüber einer internatio- - wirft der Regierung vor, daß sie
• m.;" Hptunismns in der Presse organisiert habe,
•V Pudlmnn über die Gefahren ihrer Ädystifikattonspolitik
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I öu tauschen. (Stürmischer Beifall auf der äußersten Linken.) — Eonstant (gemäßigt) beantragt die Unrwandlung der Frage m eine Interpellation, was Pichon annimmt. Constant begrün» öet daraus seine Interpellation. Nach langer Debatte nahm das Haus mtt 3zO gegen 65 Stimmen eine Tagesordnung an, in dw es der Tapferkeit der Truppen seine Aneikennung und der Regierung das Verttauen ausspricht, daß sie in Marvkio die Verteidigung der Interessen und Rechte Frankreichs in lieber» cmMmmung mit der Algeciras-Atte sichern werde. — Von Ber- uner Zuständiger Stelle erhält die Tägliche Rundschau zu den Lün9lt.cr11 Vorgängen in Marokko folgende Bemerkungen: Derr Pichon und ClSmenceau stellten die Nachrichten über die ttnnzvttlche Niederlage als übertrieben dar. Man wird nickst seht gehen, wenn man in der Aufbauschung der Niederlage und ^in geschicktes Manöver derjenigen Partei Nelst, die die augenblialiche ungünstige Lage der Franzosen dazu ausnutzen mochte, um stärkere Truvven-Nachschübe und eine intensivere Aktion in Marokko herbeizu- kuhven. Beides sind aber Ziele, die mit der Politik, die man am Quai d Onay gemäß den internationalen Llbmachungen prv- ckamaert hat, nicht vereinbar such. Darüber ist man sich in den Krrlien um Pichon und Clöntenceau wohl llar.
। In dieser Entwicklung des Betviebskoefsi^ienten liegt der ■ Hinweis auf die Frage, ob mit Sicherheit auf den vvllen ' Eingang der 15 000 000 Mk. und damit auf die vorgesehene . Abführung an den Ausgleichsfonds zu recynen sei. Die im vorigen Jahre eingesührten Reichs-Steuern auf Bier, Zigaretten, die Fahrkartensteuer usw. können als eine aus- ■ reichende Reform der Reichsfinanzen nicht betrack)tet werden.
Stets wachsende Ausgaben des Reiches, darunter diejenigen für die weitere Ausbildung der Flotte, erhöhen des Reiches Finanznot mit jedem Jahre. Dieser Zustand, sowie die fortgesetzte Verzögerilng der Lösung der Füianzreform wirkt lähmend auch auf die Finanzen der Bundesstaaten. Reichsregierung und Reichstag sind einig darin, daß dem Reiche nur geholfen werden kan'.i, durch eine durchgreifende Reform, welu)e die Finanzen des Rskhes auf Jahre hinaus sicher stellt, lieber das „Wie" gehen die Meinungen noch wett auseinander. £)b die Lösung der Frage durch Veredelung" der Matrikularbetträge oder durch Einführung direkter Steuerrr in Verbindung mit der Ausbildung indirekter Steuern gefttnden werden soll, hoffen wir bald entschieden zu sehen. — Das Eine steht fest, daß der F i n a n z n o t d e s Reiches auch im Interesse der Bundesstaaten bald ab« geholfen merken muß, und daß ihr nicht abgeholfen werden sollte aus Kosten der Bundesstaaten. Die nach dem Reichsgesetz vorn 3. Juni 1906 festgelegte Stundung der den Betrag von 40 Pfg. auf den Kopf der Bevölkerung über- fteigenben ungedeckten Matrikularbeiträge veranlaßte für Hessen im Etatsjahr 1906 eine bis 1909 gestundete Schuld an das Reich von 560 639.39 Mk. und in 1907 eine gleiche bis 1910 gestundete Schuld von 1314 000 Mk. Die Rückzahlung dieser Summe belastet vorweg unsere Etatsjahre 1909 und 1910. Die Mittel müssen, da andere voraussichtlich nicht vorhanden sind, dem Ausgleichsfonds entnommen werden. Die in Vorstehendem niedergelegten Betrachtungen sind wenig geeignet, ein erfreuliches Bild der Finanzen des Landes für die nächstetl Jahre zu entwerfen. Manche Wünsche werden zurückgestellt werden müssen. Unter diesen befinden sich auch Gesuche aus den Beamtenkreisen wegen Regulierung der Beamtenbesoldungen. Wir erkennen an, daß diese wichtige Frage auf tne Dauer nicht unerledigt bleiben darf. Wenn Mittel zu einer solchen Reform nicht vorhanden sein sollten, dann müßte der Weg einer Steuererhöhung betreten werden, um die Mittel zu beschaffen, die Beamtenbesold.ungen auskömmlicher und den yeutigen Verhälttrissen entsprechend zu gestalten.
Der FinanzausschußderErftenKammer hielt vor der gemeinsamen Beratung mit dem Finanzausschuß des anderen Hauses noch eine b esondere Sitzung ab, an der Nnanzminister Dr. Gnauth und die Ministerialräte Dr. Becker und Süffert teilnahmen. Der Ausschuß beschäftigte sich ausschließlich mit der Erledigung früherer Beschlüsse der Zweiten Kammer. Zu der Vorstellung der Bürgermeisterei und Gemeinde Pfeddersheim in betreff der Errichtung eines Steuerkommifsariats beschloß der Ausschuß, dem Beschluß der Zweiten Stammet nicht beizutreten, sondern die Vorstellungen für erledigt zu erklären. Auch den Beschlüssen der Zweiten Kammer über die Anträge Haas und Gen. bett, die Bahnlinie Mrth— Reichelsheim und die llebernahme der Strecke Reichelsheim-^ Reinheim auf den Staat, sowie dem Antrag Wolf auf Erbauung einer Nebenbahn von Undenheim nach Armsheim beschloß der Attsschuß, nicht beizutreten. Dagegen sttmmte er dem Beschluß der Zweiten Kammer auf Ablehnung der Vorstellung des Eisenbahnkomitees zur Erbauung einer Eisenbahn Eppingen—Richen nach Wimpfen—Jagstfeld und dem weiteren Beschll-ß der Zweite-n Kammer bezüglich der Vorstellung der Hebammen aus Stadt und K^reis Mainz betreffend die Besserung chrer materiellen Lage zu.
Nr. 47 Erstes Blatt I^S.Jahrgema
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