des der der der
Annst und wisjenschast.
— Eine Internationale Vereinigung fürKiebs - forschung ist am Samstag in Berlin begründet morden.
— Der Schriftsteller und Akademiker Franz Eopp Le ist am Samstag in Paris gestorben.
hessische Zweite Kammer.
Darmstadt, 23. Mai.
Am Ministertisch: Finanzminister Gnauth, Geh. Staatsrat Krug von Nidda, Ministerialrat Dr. Becker, Oberbaurat Kilian.
In der um 8.50 Min. eröffneten Sitzung wird zunächst die Regierungsvorlage bett', die Straf anteilc zur Belohnung des A u f s i ch t s p e r s o n a l s in Beratung genommen, worüber Abg. Dr. O s a n n eingehend den Bericht erstattet hat. Das -Haus stimmt dem Gesetzentwurf ohne Debatte in der Ausschlußfassung zu. Tic Vorstellung des Vereins der Rechtskonsu-
alS erster deutscher Fürst in seinen Schutz genommen zu haben, itft Euerer Königlichen Hoheit bleibendes Verdienst. Die Kunst aus den Museen und Galerien hcrauszuholen und auch dem Minderbegütercen zu einem, wenn auch einfachen, doch geschmackvoll ausgestatteten Heim zu helfen, ist das schöne Ziel, das Euere Königliche Hoheit verfolgen und dem wir heute wieder einen Schritt näher gekommen sind. Wohl weiß ich, daß Lobeserhebungen hierüber dem Empfinden Euerer Königlichen Hoheit nicht e ntsprechen, allein wir Minister, so mahnen uns die Herren Abgeordneten des Landtages, sollen ja nichts, was das Helsenvolk bewegt, der Allerhöchsten Kenntnis vorenthalten, auch das nicht, was auf 'gnädige Ausnahme nicht zu rechnen hat. Und so bitte sch Sie, meine Herren, mich hierin zu unterstützen, und mit mir einzustimmen in den Ruf: Seine Königliche Hoheit der Groß- hrrzog, der hohe Protektor unserer Ausstellung, der Schirmherr aller Künste und Gewerbe, er lebe hoch! ,
Der Groß her zog ergriff alsbald darauf das Wort zu folgender Ansprache: .
Meine Herren! Das eifrige Vorwartsstreben unferer hesstichen Künstler ,von dem besonders das letzte Jahrzehnt erfüllt war, hat gute Früchte gebracht. Die Geschmacklosigkeit, die Unechtheit in Form und Material, die sich noch um die Jahrhundertwende in Architektur und angewandter Kunst breit machte, muß immer mehr einer Schönheit weichen, die aus Wahrheit und Zweckmäßigkeit hervorwächst. Das bestätigt auch unsere Ausstellung, auf der — was mit besonderer Anerkennung gesagt sei — die freie Kunst so vortrefflich vertreten ist, wie dies wohl iwch auf keiner, ausschließlich hessischen der Fall war. Meine Herren! Die hessische Landesausstellung soll uns nicht nur dm Weg zeigen, der zurück- gelegt worden ist, sie soll uns auch die Richtlinie geben, auf denen nach w e i t e re r Vervollkommnung gearbeitet irerben muß. Hierin sehe ich eine der wichtigstm Ausgaben des Werkes, das ivir heule der Leffentlichkeit übergeben. Diöae diese Ausstellung der hessischen Künftlerschaft die verdiente Anerkennung bringen, möge ihr aber das Gefühl des Könnens und Gelingens auch ein Ansporn sein zu jugendfrischem Weiterstreb-en nach den Höhen der Kunst, die die schönste Blüte eines Volkes ist. In diesem Sinne ruf: ich heute,_ wie vor 8 Jahren bei der Grundsteinlegung des Ernst-Ludwig-Hauscs: M ei n Hessenland blühe und in ihm die Kunst!
Ich bitte, erheben Sie Ihre Gläser und rufen Sie mit mir Hessen hoch!
Auch dieses Hoch sand, wie das erste, brausenden Widerhall.
Die Reihe der Toaste war damit zu Ende. Für das animierte Festmahl, das erst gegen 5 Uhr zu Ende ging, lautete die Speisenfolge: Kälte Schildkrötensuppe mit Schwalbennestern, Möveneier in Sherry, Seezungenschnitten nach Regentenart, Hummer in Schale, Lammrücken mit Frühlingsgenuß, Französisches Mast- huhn, Salat und Kvmpott, Pralincbombe, Käse, Aufsatz, Nachtisch.
*
Ein Vorkommnis, das bei der Eröffnung der Ausstellung die lebhafteste Heiterkeit verursachte, wollen wir unfern Lesern nicht vorenthalten. Gegen Ende des Festmahles, an dem der Grvßf- herzog mit Gefolge teilnahm, das aber nicht Zn seiner Nähe saß, kam eine hübsche Loseverkäuferin an die Tafel, um Aus- stellungslose anzubicten. Einige Herren waren Abnehmer, der Finanzminister Gnauth schüttelte lebhaft den Kopf und winkte ab, während der neben ihm, gegenüber dem Großherzog, der in General- uniform war, sitzende Siaatsminister Ewald ein Loos erwarb. Dadurch ermutigt, bot die „Glücksbringerin" auch dem Groß- herzvg ein Los mit den Worten an: „Herr Major! nehmen Sie auch Eins?" Ter Herr „Major" nahm lächelnd das Los, erklärte aber gleichzeitig achselzuckend: „Ich habe aber kein Geld!" Schlagfertig erklärte der Staatsminister: „Hier haben Sie ja Ihren Finanzminister! Hoheit!" Unter den lebhaftesten Heiter- teitsausbrüchen, in die auch der Großherzog einftinmtte, drängte der Restaurateur das erstaunte Mädchen aus dem Festsaal. Sie wurde bald darauf wieder zugelassen und ihre Lose sanden guten Absatz. Wir nehmen an, daß sie trotz der ablehnenden Haltung des Finanzministers auch von dem Herrn „Major" ihr Geld erhalten hat.
Vermischtes.
* Schnee im M ai. Die zweite Hälfte des wunder- schönen Monats Mai hat dem mittleren Europa eine ganz absonderliche kalte Witterung gebracht. Ter Glaube an die Eisheiligen, die uns diesmal warme, sonnige Tage gebracht hatten, ist also gründlich ins Wanken geraten. Üeberall werden Klagen laut über große Schäden durch Gewitter, Hagel und — Schnee. Aus Berlin meldet man unter dem 23. d. M.: Das gestrige Gewitter ist das schwerste, das Berlin seit dem 14. April 1902 betroffen hat. Tie Zahl der beobachteten elektrischen Entladungen war eine ungewöhnlich große. Es wurden in der Minute bis 19 Blitze gezählt. Zeitweise erschien das Firmament wie in ein Flammenmeer getaucht. Dennoch sind durch die elektrischen Entladungen nur wenig Schäden verursacht worden, umsomehr aber haben Ueberschwemmungen und Hagel Schaden verursacht. — Das Gewitter am Freitag hat auch in der Umgegend von Torgau großen Schaden angerichtet. In Torgau sind viele hundert Fenster durch hühnereigroße Hagelkörner zerschlagen worden. Die Straßen standen unter Wasser. Auf der Strecke Halle-Guben wurde bei Doberschütz der Bahndamm unterspült, ebenso bei der Station Kämmereiforst. Der Verkehr stockte gänzlich und konnte erst am Samstag wieder ausgenommen werden. In Halle a. d. Saale setzten Samstag früh erneut die Gewitter ein. Das Wasser unterspülte die Mauer des Nordfriedhofs, die in einer Länge von 50 Meter einstürzte. Sämtliche Grabdenkmäler wurden zerstört. Der Blitz beschädigte den Turm der Johanniskirche. — Aus allen Teilen Tirols werden schwere Unwetter gemeldet. Der Hagelschlag hat großen Schaden angerichtct. Bon vielen Häusern wurden die Dächer abgedeckt. Im Bodensee- Gebiete ging in der Nacht anhaltender Schneefall nieder. Aus Bern meldet man unter dem 23. Mai: Nach mehrtägiger sommerlicher Wärme ist am Freitag und Samstag ein plötzlicher Temperatursturz eingetretcn, der einen großen Schneefall in einem großen Teil der schweizerischen Hochebene des Jura und der Alpen im Gefolge hatte. Die Fernsprechleitungen waren gestört und an beit Kulturen, namentlich an Obstbäumen und Laubhölzern, die unter der Schneelast brachen, wurde beträchtlicher Schaden angerichtet. Viehherden, die schon die Alpenweiden bezogen haben, müssen wegen Futtermangel wieder zu Tal fahren. Verschiedene Bergbahnen mußten den Betrieb einstellen. Das Schneetreiben begann L-amstag mittag in der Westschweiz, wo der Wein- und der Obstbau schwer geschädigt wurden, und rückte dann ostwärts vor und erreichte abends 8 Uhr den Züricher See. Der Schadeit ist^überall außerordentlich groß. Der Schneefall, der fast 12 Stunden andauerte, bedeutet für die Landwirtschaft und den Weinbau der Schweiz eine äußerst schwere Katastrophe. Ein großer Teil der Ernte ist zerstört. Der Telegraphen- und Telephon- Verkehr ist größtenteils unterbrochen. Auch der Eisenbahnverkehr ist stellenweise gestört. Auch einzelne Unfälle von Menschen sind zu verzeichnen.
Kleine Tageschronik.
Die Angelegenheit G u i n e ß ist in ein neues Stadium getreten. Die Anklagekannner hat angeblich die Ermordung dec Inhaberin der Farm als erwiesen erachtet und nunmehr einen Bergarbeiter namens Lamphere verhaften lassen, der unter dem Verdacht steht, die Frau Gnineß und ihre Kinder sowie ihren zweiten Gatten getötet und die Farm in Brand gesteckt zu haben. Er ist außerdem verdächtig, Mitschuldiger der Frau Gnineß bei der Ermordung ihres ersten Gatten zu sein.
2( u S Wildbad. In Anwesenheit der Vertreter der Rc- gierung wurde am Samstag die Drahtseilbahn aus den Sommerberg festlich eröffnet.
In Apulien und zwar in Ciurdigua und -torre eania Eusanna flogen am Freitag zwei Pulverfabriken in bie n f t. 3 Personell wurden getcicr, 4 verwundet.
Abg. Horn begründet darauf eingehend seinen Antrag betr. die Herstellung einer Verbindungsbahn von Seligenstadt nach Weiskirchen und betont die Notwendigkeit dieser Bahn. Er weist dabei besonders auf den großen Aufschwung hin, den die dortige Gegend in den letzten Jahren genommen habe und bittet die Negierung dringend, von ihrem ablehnenden Standpunkt abzugehen, und die Errichtung dieser Bahnlinie in Erwägung zu nehmen.
Die Beratung des Antrags Hauck wegen Erbauung einer Nebenbahn von Groß-Zimmern nach Groß-Umstadt wird loegen Behinderung des Antragstellers von der Tagesordnung abgeseyt.
Der Vorstellung von Einwohnern von Ebersberg betr. die Errichtung eines Bahnhofs zwischen Ebersberg und Schönnen, beschließt das Haus, keine Folge zu geben.
Der Antrag des Abg. UH mann betr. die Neuanlage des Bahnhofs Vilbel wird nach dem Ausfchußantrag für erledigt erklärt.
Bei Besprechung der Vorstellung der pensionierten Beamten der ehemaligen hessischen Ludwigs-Eisenbahn um Erhöhung der Pensionsbezüge weist Abg. Molthan darauf hin, daß bezüglich der Erhöhung dieser Bezüge Verhandlungen mit der Preußisch-Hessischen Eisenbahngemeinschaft ftattgefunben haben. Sie habe sich bereit erklärt, einen besonderen Fonds für die Aufbesserung dieser Pensionsbezüge schaffen zu wollen, um daraus Aufbesserungen vornehmen zu können. Der Ausschuß bebaute aber, daß den schon lange gehegten Wünschen der alten Beamten noch immer feine Folge gegeben worden sei. Die Vorstellung wird darauf für erledigt erklärt.
Betr. der dringenden Anfrage des Abg. Breidenbach wegen der Bahnübergänge an der Strecke Fried b et g - Nidda und Friedberg-Hungen verliest Finanzminister .Gnauth folgende Regierungserklärung:
Von den auf den genannten Strecken häufig vorkommenden Uebergängen in Schienenhöhe müssen nach den hier bekannt gewordenen Tatsachen zwei und zwar einer bei Reichelsheim im Zuge der Kreisstraße Weckesheim-Reichelsheim und einer bei Dorheim im Auge der Kreisstraße Dorheim-Melbach als gefahrdrohend angesehen werden. Nachdem über den erstgenannten Uebergang bereits früher Verhandlungen gepflogen worden sind, hat das Kreisamt Friedberg mit Bericht vom 19. Oktober v. Js. zur Verbesserung der Verhältnisse die Aufstellung von Schranken an beiden Uebergängen beantragt. Die Eisenbahndirektton Frankfurt, der dieser Antrag imitgeteUt worden war, hat daraufhin sich entschlossen, an dem Uebergang bei Dorheim Schranken aus zustellen, welche von dem in der Nähe befindlichen Bahnho: aus eine Entfernung von 30 Meter bedient werden können. Dagegen erachtet die Eisenbahndirektion nach wiederholter Prüfung die Anbringung von Schranken an dem Uebergang bei Reichelsheim nicht für erforderlich und die auf Grund der oben erwähnten früheren Verhandlungen hier getroffenen Sicherheitsmaßnahmen für ausreichend. Es ist für das Befahren dieses Uebergangs nämlich angeordnet, daß derselbe nur mit 15 Kilometer Geschwindigkeit befahren werben darf und, daß bei Annäherung des Zuges an dem Uebergang von der Lokomotive aus das Pfeifen- mch Läutesignal gegeben wird.
Ten MckMesetzttche.n Vorschriften der Eisenbahn-Bau- und
Märkte.
fc. Frankfurt a. M., 18.w.ai. 'Tclcgr. Orig.-Bericht des „Giep 2(11*."). Antti. Notierungen der heutigen Viehmarkt preise. Zum Verlause standen: 539 Ochsen, 77 aus Oesterreich, 72 Bullen, 0 aus Oesterreich, 0 aus Dänemark, 636 Kühe, Fersen, Stiere unö Rinder, 0 aus Dänemark, 496 Kciwer, 196 Lchase und Hamme, CU Schase aus Oesterreich, 00 Ziegen, 1542 Schweine. Bezahlt wurde für lOOPsuudSchlachtgewichte Ochsen 1. Qualität77—>9 wu 2. Qual 68—70 Mk., 3. Qual. 58—60111 f.; Bullen I.Qual. 03 bis 66 Mk., 2. Qual. 18—60 Mk.; Kühe I.Qual. 72—74 Alk., 2. Quak 62—64 Bik., 3. Qual. 42-44 Mk, 4. Qual. 00-00 Mk., 5. Qual. 00-00Pik. Kälber: 1. Qual.98-100 Psg., Lebendgewicht 08-6O Vs., 2. Qual. 84—90 Pfg., Lebendgewicht 48—53 Pfg., Schlacht gewicht 70—75 Pfg. Schafe: 1. Qnat. 82—00, 2. Qual. 74—<0 'psg-, 3. Qual. 00—00 Pfg.; Schweine 1. Qual. 63—64 Pfg., Lebdgew. 49,5-50,0 Pfg., 2. Qu. 62-00,0 Pfg., Lebeudgew. 49—09,0 Pfg-, 3. Qual. 52-56 Pfg. Lebeudgew. 00 P'g, Gesthäft bet Hornvieh gut, kein Ueberstand. -
ie. Frankfurt a. M.', 4. Mai. (Crig.-^elcgr. des „Gießen Am.") 2lmüitl)e 9lolteiunqen der heutigen Frucht mark tpreiie 2£erteil Mk. 22.00-00.00, Kurhefsischer Mk. 22.00—00.00, La Plata Pik. 23.75—24.25, Kansas Mk. 7.00—00.00, Roggen tthiel'geü Pik. 20.50-20.75 Gerste (Wettermier) MC. 20.75—21.75, »yranteii' feldcr Mk. 21/5—22.75, Hafer 16.75-17.50, Mais Mk. 16.00-16.52. Weizenmehl Mk. 31.50-32.00, 00-00, 2. Qualität M. 30.W bis Pik. 31.00, 3. Qualität Mk. 29.00-29.50, Roygeuinehl 0
Pik. 29.75-30.00,1.Qualität Pik. 28.75—29.00, Weizeukleie Mk. 11.5» bis Mk. 11.50, Roggenlleie Pik. 13.75-13.00, Maiskenne Mk. 16.00 dis Aik. 13.25, Frauken, Pfälzer, Ried Pik.60.00-00.00. Alles pei 100 Kg. ab hier.________________________
Gießener Wetterdienst.
Voraussichtliche 'Witterung für Hessen am Dienstag, de, 26. Piai: Langsam ausheilenid. Wärmer.
Grsginal-Deahtmeldringen.
Wiesbaden, 25 Mai. Der Landtagsabg. Dr. 2o- tichius ist gestern in St. Goarshausen gestorben. Er wurdi 61 Jahre alt.
S t n t g a r t, 25. Mai. F ü r st K a r l von U r 0 d) hat ui Vorsitz im Württ. Laudesverbaud des deutschen Flotlenoerm - nicqergelegt, da er wegen hänsiger Abwesenheit im Auslanoe der Führung der Geschäfte gehindert ist. .
Heckfeld (Baden), 2ö. Piai. Am Samstag wollte e - Maurermeister ein Haus hebe u. Infolge des nicht exakten^ jainnienarbeiteris der Hebel geriet das Haus in eine schiele und stürzte zusammen. Vier Arbeiter würben - die fallenden Trümmer getötet und sieben schwer v letzt. Ter Maurermeister wurde verhaltet. . ,,
Petersburg, 25. Mai. Das Militärgertch verhandelte gegen 11 Mitglieder der Kampforganisatiou oe: Sozialrevolutionäre, denen zahlreiche Verbrechen, u. a. ‘ Ermordung des Generalprokurators Pawlow und o» Obersten Iwanow, zur Last gelegt waren. Das Gert )• verurteilte 4 zum Tode durch den Strang, 4 zur W» länglichen Zwangsarbeit und 2 zur Insiedlung;, einer )vu 1 srejgesMKey.
GerichtssaaL.
R.-B. Darmstadt, 25. Mai. (Tel.) In der G r e b e'schen U u t e r s ch l a g u n g s -- A f s ä r e zu Offenbach kam heute vor der Strafkammer der zweite Fall zur Verhandlung. Angeklagt ist der Schreibgehilfe Karl Amberg in Offenbach. Er ist des Diebstahls von im ganzen 2047 Pik. beschuldigt, die er sich iu den Jahren 1906 und 1907 durch fortgesetzte Entwendungen aus der amtlichen Kasse des Steuererhebers Karl Grebe aneignete. Ter Angeklagte hat die Diebstähle eingestanden. Der Staatsanwalt beantragte 2 Jahre Gesängnis und 5 Jahre Ehrverlust. Das Urteil lautete auf ein Jahr und drei Monate Gefängnis, abzüglich 3 Monate für die erlittene Untersuchungshaft, und 5 Jahre Ehrverlust.
tonten um Zulassung bei den Amtsgerichten wird dorn Antrag Ausschusses gemäß für erledigt erklärt. Die drei Anträge Abgg. Dr. Adelung, Osann und Damm, bezüglich Nachträge zum Hauptvoranschlag beschließt das Haus von Tagesordnung abzusetzen.
Betriebsordnung ist durch tiefe Vorschriften Genüge geleistet. Im übrigen sind nach den Bestimmungen der Eisenbalm-Bau- und Betriebs-Ordnung in Verbindung mit Art. 7 Ms. 3 des Gemein- chaftSvertrags mit Preußen die Organe der Gemeinschastsver- roaltung zuständig, zu bestimmen, inwieweit die Wegübergänge auf Nebenbahnen mit Schranken zu versehen sind.
Auf Antrag Breidenbach wird die Besprechung der Anfrage bis nach Drucklegung der Regierungsantwort znrückgestellt.
Bezüglich der Anfrage des Abg. Hirschel, inbetreff des Neubaus des Perso nc n-u nd Güt er b a h n h 0 fs in Fried- b er g erklärt Herr Finanzminister Gnauth, der Umbau des Per- 'onenbahnhofs in Friedberg sei bereits vorbereitet und werde demnächst erfolgen. Bezüglich der Erweiterung des Güterbahn- lwfs erinnere er daran, daß bereits im Staatsvoranschlag für 1908 eine Nachtragsforderung eingestellt worden fei. Die Regierung hoffe, daß alle Wünsche Friedbergs in dieser Richtung eine befriedigende Lösung finden werden.
Die Besprechung dieser Interpellation wird wegen Nichtanwesenheit des aiifragenden Abgeordneten auf später vertagt.
Auf Anregung des Abg. Dr. Osann wird daraus in Rücksicht auf die um 11 Uhr stattfindende Eröffnung der hessischen Landesausstellung die Weiterberatung abgebrochen.
Nächste Sitzung Dienstag vormittag 10 Uhr.______________
Ans StaOt nnd Land.
Gießen, 25. Mai 1908.
•• Ein Bahn«nfall. Infolge des heftigen Negen- wetters ist heute morgen zwischen Gavbenteich und Lich an einer aufgefüllten Stelle der Bahndamm gesunken. Nachdem bereits in der Frühe zwei Güterzüge die Stelle passiert hatten, senkte sich bei der Ueberfahrt des ersten Personenzuges der Bahnkörper um etwa 1/2 Meter, so daß der Tender und zwei Wagen aus dem Geseife kamen. Verletzt wurde niemand. Der Frühvcrkehr wurde durch Umftcigeii aufrecht erhalten. Ein von Gießen abgclassenor Hilfszug brachte die entgleisten Wagen und den Bahnkörper wieder soweit in Ordnung, daß die gegen 9 Uhr fälligen Personenzüge mit Verspätung wieder passieren konnten. Die Beschaffenheit des Bahnuntcrgrundcs zwischen Garbentcich und Lich hat bei nassem Wetter schon wiederholt zu Betriebsstörungen Veranlassung gegeben.
** Verhaftet. Der vor einigen Tagen beim Transport entsprungene Arrestant Zimmermann wurde gestern wieder ergriffen. Er hat sich die Zeit im Walde aufgehalten, der anhaltende Regen trieb ihn aber gestern doch in die Stadt und er wurde verhaftet. — Festgenornrnen wurde erncr ein von der Staatsanwaltschaft Vartcnstein steck- )rieflich verfolgter Arbeiter, sowie ein Frauensperson von auswärts wegen Urkundenfälfchung und Betrugs.
Postbcförderungsgclegcnhcitcn. In dem Artikel hierüber in der SonntagSnumrncr muß cs in der Einleitung heißen: () Benutzung nur an Werktagen (nicht an Sonntagen).
Die Schlitz er Fehde. Die Fehde zwischen dem Grasen von Schlitz, gen. von Görtz mit der Stadtgenicindc Schlitz ist n. d. „Bcrl. N. N." infolge der Vermittelung der Großh. Negierung bei gelegt worden. 9iach Vollziehung unwichtiger Formalitäten wird der frühere Zustand zwischen dem Grafen und der Gemeinde wieder hergestellt werden.
= Klein-Linden, 25. Mai. Der Wctternu- Lahngau-Sängerbund veranstaltete am gestrigen Sonntag im Saale „Zur deutschen Eiche" unter Leitung seines Bundes-Chormeisters, Musiklehrer Gernhardt- Gießen, eine Probe seiner diesjährigen B u n d c s ch ö r e. Es war eine stattliche Zahl Sänger, die sich trotz bei- ungünstigen Witterung zusammengefunden hatte, um in Massen- unb Einzelchören eine Probe bei* in beit einzelnen Vereinen cingeübtett Gesänge abzulegen. Nach einer kurzen Begrüßung burch bett Bunbesvorsitzenben, Lehrer Buß- Leihgestern erfreute ber Bunbeschor bie anwesenben Gäste burch Vortrag zweier vom vorjährigen Bunbesfest in Großen- Linden noch in guter Erinnerung stehenbcc Lieber: „Sol- batenliebe" von Groß unb „Mein Möbel hat einen Rosen- mund" (Hess. Volkslied). Neu einstubiert waren von beit einzelnen Vereinen für bieses Jahr „Brüber reicht bie Hanb zum Bunbe" von Mozart unb „Wer hat bich du schöner Wald" von Mendelssohn. Wenn man berücksichtigt, wie schwierig es ist, die von den einzelnen Vereinen eingeübten Gesänge als Massenchor zu singen, so muß mau sowohl den Sängern wie auch deu Dirigenten der einzelnen Vereine, nicht' zuletzt aber dem Bundeschormeister für bie gestrigen Leistungen volle Anerkennung zollen. Auch bie von bem Gesangverein „Liebertafel"-Lollar, sowie von einem Garben- teicher Gesangverein vorgetragenen Einzelchöre sanben reichen Beifall. Bei Erlebigung ber geschäftlichen Angelegenheiten bes Bunbes entspann sich über beit Ort ber Abhaltung bes biesjährigen Bunbesfestes, bas in Form einer Sängerfahrt stattfinben soll, eine größere Diskussion. Obwohl ber Vorsitzenbe bie Abhaltung bes Festes auf Tertors Harbt bei Gießen warm befürwortete, unb zur Begrünbung anführte, baß bie vorhanbenen Räumlichkeiten auch bei ungünstiger Witterung bie Abhaltung bes Festes ermöglichten, baß außerbem auch ben Einwohnern von Gießen unb Umgegend Gelegenheit gegeben werben sollte, sich von ben Aufgaben bes Bunbes zu überzeugen, war ein Teil ber Anwesenheit ber Ansicht, baß bas Bunbesfest an bem Ort eines der einzelnen Bunbe.vereine abgehalten werben soll. Ta eine Einigung über u ,:t Punkt nicht erzielt werden konnte, wurde die Frage über Ort und Zeit der Abhaltung des diesjährigen Bundesfestes vertagt.
[J Marburg, 24. Mai. Zim m erdi eb c stiegen nachts bei Studenten ein und nahmen diesen das Geld aus den vor den Betten liegenden Kleidern. Bis jetzt sind drei solcher dreister Diebstähle gemeldet.


