Ausgabe 
24.11.1908 Zweites Blatt
 
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Reihe theoretischer Kenntnisse. Tie Wenigsten aber unter uns sind in der Lage, sich diese Kenntnisse durch den Besuch von irgend einer Fachschule für Wohlfahrtspflege zu ver­schaffen. Da haben sich nun eifrige Förderer unserer Arbeit bereit erklärt, helfend einzugreifen. Durch Vorträge aus den verschiedenen Gebieten sozialer Hilfsarbeit soll unsere Erkenntnis vertieft und erweitert werden. Die einschlä­gigen gesetzlichen Bestimmungen sollen behandelt werden: die Praxis der städtischen Armenpflege wird dabei erklärt, damit Irrtümer und Fehlgriffe so viel als möglich ver­mieden werden können. Herr Kirchenrat D. Schlosser er­öffnet als Erster die Reihe der Vorträge, indem er über unsere Armenpflege" sprechen luirb. Es werden folgen Herr Pfarrer Schwabe mit einem Vortrag überKranken pflege" und Herr Professor Schian mit einem solchen über Die Geschichte der christlichen Liebestätigkeit". Später wird behandelt werden:Die Frau im Kampf gegen den Alkohol" undDie Bekämpfung der Tuberkulose". Wir hegen die freudige Zuversicht, daß das Interesse für diese wichtigen Gegenstände viele Frauen anziehen wird, auch solche, die nicht die Absicht oder die Möglichkeit haben, sich in weiterem Kreise unmittelbar praktisch zu betätigen. Die Not derer, die geistig und körperlich leiden, läßt uns nicht rufjen. Nicht mehr taub und blind: hörend und sehend tvoUeii wir unseren Weg gehen und nicht müde werden, auch wem: er über Enttäuschungen und Niederlagen hinweg führt. Das allein macht des Menschen Leben wertvoll, daß es beiträgt zum Wohle anderer. Wir denken an das Wort Ernst von Bergmanns:Wir sind nicht für unser Glück auf der Welt, sondern dafür, daß wir es anderen be­reiten."

** Damenturnen. Man schreibt uns: Bereits in den Vorjahren war eine Anzahl Damen hier zusammen getreten, um unter sachkundiger Leitung turnerischen Uebun gen obzuliegen. Nunmehr l-aben diese Damen einen Ver - e i n gearünoet, der Gießener Frauen und Mädchen Gelegen- heit geben will, sich dem Turnsport zu widmen. Man bar, wohl das Unternebmen als zeitgemäß bezeichnen und wün fchen, daß es gelingen möge, auch in weiteren Streifen der Damenwelt Gierens Interesse für das Turnen und feinen Wert zu wecken. In der richtigen Erkenntnis, bat, der Turn spart auch zum Gemeingut der Frauen erhoben werden muß, hat dankenswerterweise die Stadtverordneten Versammlung dem Verein den Turnsaal einer städtischen Schule für seine Hebungen überlassen. Wegen des Bei­tritts zu dem Verein sei auf die Annonce verwiesen.

* Nachträg lieh e§ zum Prozeß Ruh land Biermer. Wie sehr man sich auch in studentischen Kreisen über den günstigen Ausgang des ProzessesfBiermei contra Ruhland" gefreut hat, geht aus dein stürmischen Empfang hervor, den die Hörer des Biermer'schen Kollegs ihrem Lehrer bei feiner Vorlesung nach der Verhandlung be­reitet haben. Durch langandauerndes Beifall - Trampeln wollte man zum Ausdruck bringen, daß der national-ökono­mische Lehrstuhl Gießens von einem Manne besetzt sei, bei in der Lage ist, seine wissenschaftlichen Anschauungen selb­ständig zu vertreten und für das, waL er im Dienste feiner Wissenschaft tut, seine Persönlichkeit ins Treffen führe. Pros. Dr. Biermer dankte in einer kleinen Ansprache für die Syin- pathie und das Interesse, das man seiner Person entgegen» brachte und gab dem Gedanken Ausdruck, daß ihn der Aus­gang dcS Prozesses für seine Kommilitonen und Freunde umsomehr freue, als ihnen gegenüber doch seine wissenschaft­liche Autorität gerettet sei.

"Die Maul- und Klauenseiichc ist ausge­brochen in Genschmar, Kreis LcbuS, Regierungsbczirt Frankfurt a. O., am 21. November.

Daubringen, 23. Nov. Der Fürstlich Solms- Braunfelssche Hof Heibertshauscn, der lange Jahre unter Wassermangel zu leiden hatte und wegen der hohen Forderung der Gemeinde Daubringen vom Anschluß an die neue Gemeindewasserleitung absah, setzte vor einigen Wochen seine neue Wasserversorgungsanlage, die selbsttätig das Wasser auf 40 m Höhe fördert und von mehreren Fach­leuten als unmöglich bezeichnet wurde, in Betrieb. Die An­lage soll bet erheblichem Wasserüberschuß tadellos funktio­nieren. Die von der Tiesbaustrma Schott in Gießen nach dem Projekt und unter Leitung des Jng. Schennuly in Weilburg geschaffene Anlage mußte unter den schwierigen Verhältnissen uud weil die Verhandlungen mit der Gemeinde abgebrochen mären, unter allen Umständen und mit Lieber» nähme von Risiko gelingen, weshalb der Unternehmer keinen leichten Stand halte.

Lollar, 23. Nov. Am Mittwoch, 25. d. Mts., feiert Stationsvorsteher Schelhorn sein 25jährigeL Eisen- "bahn-Dienstjubiläum.

r. Lich, 24. Nov. Herr Hch. Ludwig, der morgen im Alter von 85 Jahren mit seiner Frau die goldene Hochzeit feiert, erzählt, daß er in feinem 24. Lebensjahre beinahe lebendig begraben worden wäre. Er verfiel damals nach einer Krankheit in Starrkrampf, worin er 49 Stunden ver­blieb. Der Leichenbeschauer erklärte ihn für tot, so daß die Vorbereitungen zur Beerdigung getroffen wurden. Der .Leichnam" wurde in bed Sarg gelegt und dieser sollte kurz darauf zugenagclt werden, als Herr Ludwig, der alles mit angehört hatte, stöhnend warnen konnte, um wieder in feinen Zustand zu verfallen.

z. Inheiden, 24. Nov. Während der kalten monb- hellen Nächte, die vor 8 Tagen herrschten, hörte man des Nachts Schießerei. Bei näherer Erforschung ergab sich, daß eine Zigeunerbande regelrechte nächtliche Treibjagden abhielt.

le. Friedberg, 23. Nov. Der frühere hessische Land­lagsabgeordnete Otto Hirsche!, Direktor der .Landwirt- 'schaftllchen Hauptgenossenschaft für Oberhessen in Friedberg" hat den Vorstand dieser Genossenschaft in Kenntnis gesetzt, daß er am 1. Januar 1909 von der von ihm seither inne- gehabten ersten Direktorslelle freiwillig zurücktrete. Am 22. August d. I., in der 7. Generalversammlung der Haupt- genosfenschast unter Vorsitz des Geh. Negierungsrats Haas- Darmstadt wurde bekanntlich Hirschcl einstimmig ans iveitere drei Jahre für den in Rede stehenden Posten wiedergewählt. Der Grund des Rücktritts ist der, um einem Rufe der ^Ver­einigten Landwirte von Frankfurt a. M. und Umgegend" Folge zu leisten. DieVereinigten Landwirte" beabsichtigen ihre Vereinigung nach verschiedenen Richtungen unter Hirschels Leitung weiter auszubauen. Das Betätigungsfeld Hirschels bei denVereinigten" wird eine Vorstandssitzung am 30. November d. I. in Frankfurt a. M. genau fixieren.

x Nidda, 23. Nov. Gestern wurde unser alter ehr'

würdiger Stadtrechner Mantel zur Erde bestattet im Atter von über 80 Jahren. Eine große Schar Leid­tragender von hier und auswärts folgte seinem Sarg: der Gesangverein Liederkranz fang ihm den letzten Gruß ins Grab. War er doch ein echtes StückAltnidda"; aber auch wohlverdient um die Stadt. Nachdem er eine Reihe van Jahren auf der Bürgermeisterei tätig gewesen war, über­nahm er 1858 die Stadtrechnerstelle und führte diese mit einer Pünktlichkeit, Gewissenhastigkeit und Treue, die alle Anerkennung verdiente. Im Ortsgericht war er eine ge­schätzte Kraft durch feine genaue Kenntnis der Gesetze. Als Mitglied des Kirchen- und Schulvorstands, wie der Synode des Dekanats war er bedacht, das Wohl von Kirche und Schule zu sördern. Er war seinem Standpunkte nach frei­sinnig, aber nicht in dem Sinne stetiger Opposition gegen alles, was von oben kommt, sondern in der Erstrebung freiheitlicher Zustände, aber streng im Rahmen der be­stehenden Gesetze. Seinen Freimut verleugnete er nie; man wußte, was man an ihm hatte; was er für Recht hielt, suchte er durchzusühren bis zur obersten Instanz. Dabei war er gern bereit, jedermann mit Rat und Tat zur Hand zu gehen. Im Namen der Stadt legte Bürgermeister Roth mit anenennenben Worten einen Kranz am Grabe nieder, ebenso Rentner Roth im Namen des Gesangvereins. Die Grabrede hielt Herr Pfarrer Werner. Sein Gedächtnis wirb unter uns stets in Ehren gehalten werden. Tas Totenfest wurde gestern in unserer Gemeinde unter über­aus großer Beteiligung gefeiert; die Gräber waren reich mit Kränzen geschmückt, und trotz der ungünstigen Witte­rung tuar der Friedhof von zahlreichen Leidtragenden besucht.

Ortenberg, 23. Nov. Ein überaus großer Leichenzug bewegte sich heule zum Städtchen hinaus, nach dem Friedhose es galt, dem aus der Blüte der Jahre geschiedenen Bezirkssparkaff enrechnei: Georg Pfeiffer das letzte Geleit zu geben. Seit August d. I. kränkelte der Verstorbene an einem unheilbaren Gehirnleioen. Am Grabe vielt Dekan Ellenberger unter Grundlegung des Kap. 14, Vers 32 und mit Einflechtung des Lebensganges des Ver- vlicheuen eine gehaltvolle, ehrende Leichenrede. Kaufmann Lenz fen., Direktor der Bczirkssparkasfe, Kreisarnisaffeffor Dr. Schäfer-Büdingen, Bürgermeister Hebbel, Krieger- oereinspräsident Winter und Lehrer Ph. Köhler legten unter bewegten Ansprachen Kränze nieder. Durch Freund- lichkeit und Bereitwckligkeit, Znverlä,scgwir und Tüch.igkeit int Amte hatte sich der Verstorbene allerseits Anerkennung und Freunde erworben. Die ganze Umgegend wird dem biederen Manne, der nur ein Alter von 40 Jahren erreichte, übers Grab hinaus ein dankbares, freundliches Gedenken bewahren.

Darmstadt', 23. Nov. (.»Estern früh starb hier Geh. Hosrat Ernst Kanncgißer. Der Verstorbene, ein Kriegs­veteran aus dem Jahre 70/71, gehörte -reichlich zwanzig Jahre der hiesigen Preußischen tz-esaitdlschäft an, bis ihn vor wenigen Monaten ein rasch fortschreitendes Herzleiden zwang, in den Ruhestand zu treten. Seine Regierung ehrte seine Pflichttreue, indem sie ihn zum (Mjcimcrat ernannte.

s. Marburg, , 23. 91od. Die Zahl der ländlichen Fortbildungsschulen im hiesigen Kreise erhöht sich in oiesern Winter auf 35. Insgesamt dürften rund 540 Schüler von 46 Lehrern unterrichtet werden.

** Kleine i 11 e 11 u n n c u n u 5 Hessen und den Nachbarstaaten. In der gestrigen S ch o t t e n e r Notiz über den Tod Mollers muß es heißen, daß das Ätobiliar 700 Mk. und nicht 11700 Mk. Ivert ist. ?\ii Worms starb infolge eines Schlaganfalles der Führer bei bärtigen Zentrumspartci, Recht-r- anwalt Roth, im 56. Jahre. ________________________

Eichener Freie Ztudentenschast.

Tie Eröffnungsverfmumlung bei Gieff.inr <ymcn Studenten­schaft sand Touncrstag abend bei sehr starker Beteiligung statt/ Anwesend waren von dem Uuiversffalskörpcr seine Magnifizenz der Rektor^ Prof. Bariholomae, und mehrere Dozenten. Nach der Legrüßungsauspraclre bcs Vorsitzenden ergriff Privatdozcnt Tr. Ohr das Mort. Er führte ungefähr folgendes aus:

Tie freistudentischc Bewegung cnispiang and der Notwendigkeit, den Nichtintorpolierten eine Vertretung ihrer Interessen zu sichern. Die Wurzeln dieser Bewegung lagen tiefer, nämlich in der Er­kenntnis, baß das nwderne Hochschnlleoen moderne Ansprüche stellt. Die ungeheuere Erweiterung des wissenschastlichen Ge­bietes brachte cs mit sich, daß bas Baud, das bisher alle Wisscn- schaften zusammenfaßte, zerriß. Man treibt jetzt nur noch Spezialwrssenschaft. Diese Entwicklung hat zur Folge, daß die allgemeine Bildung vernaclMfigt wirb, da der nu'bcrnc Student bei Den hohen Anforderungen, die fein Spezialstudium an ihn stellt," für seine Allgemeinbildung nx-nig Zeit übrig hat.

In den freistubentischen Organisationen wirb nun der Ver­such gemacht, ber Gefahr der Einseitigkeit vvrzubcugcn. In den Abteilungen plauschen Äßiinnilitonen aller Fakultäten ihre Er­fahrungen, Kenntnisse r.nb Problemstellungen miteinander aus. Diese Einrichtung soll der ganzen Studentenschaft zugute kommen.

Tie Freie Sludentenschaft toill alle Nichtinkorporierte zu einer Jiiteressengemeinsch'aft zusammenfassen. Jeder Freisttibeut ver­tritt sich selbst, aber die Interessen der Gesamtheit kann er nicht vertreten. Deshalb wählt er sich einen Verwaltungsaus- schnß, der die Interessen aller Nicht inkorporierten zu wahren hat. Die gesamte S t n d e n t e n s ch a f r ist als eine Gemein­schaft au f gc f a ft t, von der si ch nur die Korpora­tionen abgeschlossen haben.

Tie Organisation gründet Abteilungen, die jedem, Student zugänglich sind. Ferner werden A e m t e t ins Sehen gerufen, z. B. Studie nckmter, in benen von alleren Semestern den mngen Studenten guter Rat für das Studium erteilt wird. Durch Vergünstigungsämtern sollen den Studenten wirtschpastliche Vorteile geboten werden.

Tic Hochschule nimmt keine Stellung zu polinscheu noch reli­giösen Fragen, wofern sie nickst zur Bilbung gehören. Auf der gleichen Grundlage ruht die Freistudentenschart. Freistudeu - tifches undoikademifches Toleranzprinziv ist ein und dasselbe. Die Freistubcnteuschast hat also kein neues Prinzip gebracht. Ebenso liegt das Prinzip, Persönlichkeiten zu pflegen, im Begriff ber Hochschulen. In ber akademischen Lernfreiheit steckt die Persönlich keitsidce der F r e i st u d c n t e n s cha s t.

Tie Korporationen wollen den jungen Studenten so erziehen, daß er sich in allen Lagen benehmen kann. Bei dieser rein äußerlichen Erziehung handelt es sich um eine bestimmte Schab­lone, die oft eine Ucbcrtrcibung gesellfchafrlicher Sitte darstellt. Tiefe Schablone wirb auch auf das geistige Gebiet übertragen. Bestimmte Gesinnungen gelten als honorig; wer sie nicht billigt, wirb verachtet. Tas Bedenkliche an dieser Erziehung ist bas Unpcrfönlidie. Tie Freistndentcnschaft erkennt an, baß ber junge Student keineswegs ausgebildet ist. Sie fordert aber, daß die Erziehung ganz Zwanglos geschieht, allein durch den Verkehr völlig frei nebeneinanoer georbneter Persönlichkeiten untereinander.

Die Studentenschaft hat die Führer des Volkes zu liefern. In Deutschland ist der akademisckst Beruf in gewissem Sinne privilegiert. Wir brauchen einen Stand, der über die Gegensätze, die sonst vorhanden sind, erhaben ist. Ties ist der akaoemischr Stanb. Tas Volk hat eine gewisse Verehrung vor dem Wissen, aber daneben füibci sich bereit» eine gewisse opponierenoe Vor­stellung, nämlich das Gefühl, ein Akademiler sei ein Mensch, der alles wissen will, aber rom pralliscl-en Scheu feinen Begriff hat. Tas eine ist der "Akademiker, wie er früher luor, be. sich eine ungeheuere Summe von Vertrauen in: Voice erworben jar. Tas andere ist die Reaktion gegen die verkehrte zwrporauonserziehung.

Tie Studentenschaft hat es in ber Hand, das alle Leben wieder herzustellen. Von dieser Arbeit darf, sich niemand ausschlicßen. Zurückhaltung wäre hier sehr bedenklich.»ner schloß mit der Zuversicht, daß auch in Gießen bald reges sreistnbentisches Leben sich entwickeln werde.

Reicher Beifall lohnte dem Rebner für seinen vorzüglichen Vortrag. In der Diskussion machte Se. Magnifizenz ber "Rektor unter anderem auf die hohe Bedeutung eines gesunden Sportes aufmerksam. Er hoffe, daß dieser in der Freistudentrn- schaft besonders gepflegt werbe.

Nach bem Bericht ber vorbereitenden Kommission und nach beten Entlastung wurde das Präsidüun und die Entlastungs» kommifsion gewählt. F.

Neue Explosionen auf Ravbod.

Seit Schließung der beiben Schächte sind auf der Zeche Rad- hob I und Radbod TI wiederholt Explosionen m der Grube Dorgefommen. Ain Sonntag .ereignete sich abermals eine Explosion, die von großer Heftigkeit mar. Sie zer- Hörte die Eindccknng beider Schächte und eines Teiles der Em- wölbung des WcNeikanals. Verletzt wurde memanb. Zur Zeit werden in der "Minute 30 Kubikmeter Wasser in die ©ruhe ein­gelassen, io daß am nächsten "Miliwoch alle drei Stollen unter Wasser stehen werden. Tie Gerüchte über eine Zerstörung der Schachlgebände sind unwahr.

Die Sammlung deS Gießener Anzeigers:

Bisher quittiert; 13 6.65 "Ml., Klasse 4c der Sladtmädchen- ichule 8.40, Z. S. und O. S. m F. 2., Ludwig Rinn, Krofdorf, 5., E. G. 1., Tr. K. 3., Geheimrat Vojsius 10., Unge­nannter Darmstädter 25., H. Sch. 2., Gesangverein Germania, Vollar, 10., Sammlung der Beanuen und Arbeiter der Firma Scheidhaiier u. Gießing, Mainzlar, 73., S. K. 2., I. B. 1., ^iohlenhandlung Ed. Klinkel 20., Frail A. P. 5., Karl Jüngst 20., Frau I. H. 3.. Zusammen 1587.05 Mk.

Kleine Tageschrontl.

Das unter dem Ehieupräsiduim des Kronprinzen stehende deutsche R e i ch s k o in i t e e für den Zeppeltnfonds hat dem Grafen wiederum 100 000 Mark überwiesen. Die Sammlungen werden am 25. Nov. geschlossen werden.

Die beiden, seit jjLittmoüj vermißten Studenten Sauer­wein unb Wadschitzky würben auf dem Habicht aufgefun» ben. Ter eine war abgestärzt, ber andere wurde gerettet

In einem von "Aachen nach Jülich fahrenden Personenzlige wurde em Schaffner überfallen uud schwer miß­handelt. Sterbend lombe er in ein Krankenhaus gebracht.

Tie Ai a l a r i a breitet sich inPends ch a v immer mehr aus, In Amritsar wütet die Epidemie am ichlimmsten. Es kommen dort täglich etioa 100 Todesfälle vor.

Märkte.

fc. Franksurt a. M., 24. biov. veu- und Strohmarkt. Angefahren waren 6 Wagen -Hell und 0 Wagen Stroh. Bezahlt wlirde für Heu Mk. 3.203.40, für Stroh Alk. 0.00-0.00. Mcffchiueuslroh fehlt. Tendenz nnttelmäßig.

'-Lorauosichtlichc Wiltcrnng für Hessen am Mutwoch den 24. Noveinber: Wieder stärkere Trbung unb Regenfälle. Etwas wärmer. Starke westliche Winde.

Sch n c e b e richt des Schiklub Wandervogel-Gießen vermittelt vom Landwirtschaftlichen Wetterdienst in Gießen.

Tie höheren Sagen der 2)htielgehtrge zeigen eine schwache Schneedecke.

MrrgrsraL-Drahtmeldrrirgcn.

R. B. Darm p ao t, 24. bioo. Tie ^moerufung der 2. K a in in e r soll nunuiehi aus den lu. Dezember fest­gesetzt sein. Tic feierliche Eröffnung des SanbtagS fände sonach am 17. Tezember statt.

Berlin, 24. Nov. Kriegs Minister v. Einem erklärte in einem Interview gegenüber den gestrigen An­griffen des Abg. v. Payer im Reichstage, der erklärte, daß das Kriegsministerium die Mahnung Biilvws zur Sparsam­keit falsch aufgesaßt habe, da cs sic an falscher Stelle anweudc, indem es oem Grasen Zeppelin von neuem Schwierigkeiten nrache, folgendes: Tie Vorwürfe, die der Abgeordnete von Payer g.'?,en mich richtete, muß ich zurück- weisen. Herr von Pacher befindet sich in einem Irrtum über meine Funktion in deivVerhandlungen mit dem Grafen Zeppelin, wenn er mir Voryaltungen zu machen glaubt. Meine Tätigkeit beschränkte sich lediglich auf die Entschei­dung über die Abna h m e oder Nichtabnahme des Zeppelin scheu L u f t s a) i f f e s. Nach dem Gutachten ber Kommissare habe ich die Abuahmefähibkeit des Suftschifses für vorliegend erachtet, lieber die finanzielle Seite der Sache habe ich mit dem Grasen nicht verhandelt. Dafür ist allein das Reichsfchatzamt zuständig, dessen Votum ich übri­gens nicht kenne.

EiugesaNdt zur HandelsZammerwahl!

Wer weder politische Interessen an der diesmaligen Handelstammerwahl hat, noch durch Sonderbündelei vorein­genommen ist, wundert sich als Unparteiischer, daß soviele Wähler, Interessenten usw?' das Loblied ihrer Freunde singen, dagegen mit keinem Worte von zwei Männern die Rede ist, die seither in stiller, ernster aber ziclbewußter Weise als Mitglieder der Handelskammer im Interesse der Allgemeinheit gearbeitet und gewirkt haben. Es sind dies die Herren Fabrikant

Adolf Klingspor

und Bergwerksdirektor d«/u

Münker.

Beide Vertreter von Jndustrieen, die mit an erster Stelle ein Anrecht auf Sitz und Stimme in der Handels­kammer beanspruchen können, beide Vtänner, die gezeigt haben, daß sie in nicht voreingenommener Weise, durch keine Sonderbündelei beeinflußt, die Interessen des Kauf­mannstandes unb der Industrie zu wahren gewußt haben.

Warum sollen diese Männer nicht wiedergewählt werden? Paßt deren gerader Sinn manchen Herren nicht? Wünscht eine Bereinigung mehr die eigenen als die allge­meinen Interessen gewahrt? Warum nennt man dasan­erkanntermaßen von seinen Zrollegenkreisen abgerückt!",?

Ich meine, gerade die Allgemeinheit hat ein Interesse daran, dafür zu sorgen, daß Ätänner in der Handelskammer bleiben, denen das Interesse der Allgemeinheit über das eigene geht.

Dieser Standpuiikt paßt scheinbar manchen Herren nicht; deshalb sollen die beiden Genalinten abgefägt werden.

Ihr Kaufleute! Gebt hierauf die richtige Antwort.

Ein Kaufmann der Stadt.

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